Bookie hat diesem schönen OS ganz richtig den Stempel "Meins" aufgedrückt. Bibbi war ihr Wichtel. Hier die Vorgaben:
Mein Kalenderwunsch:
- Severus soll in der Weihnachtszeit im 5. oder 6. Band von einem Todessertreffen zurück nach Hogwarts kommen und auf dem Weg zu seinem Quartier auf jemanden treffen, mit dem er da nicht gerechnet hat.
- Ich will wissen, wie sich das Treffen von Severus und Person x (mir egal, wer, ich lasse mich überraschen) gestaltet und welche Erkenntnisse die beiden Personen daraus mitnehmen.
- Es darf gerne weihnachtlich-fluffig werden.
(Ähm... wenn es romantisch wird, dann möchte ich bitte nicht, dass Hermione Person x ist, da ist sie mir in dem Fall noch zu jung. Wenn es unromantisch wird, hab ich nichts gegen sie. )
Am Tag des heiligen Nikolaus gibt sich Reek persönlich die Ehre. Fernab der Schlacht führt sie uns auf ein ganz anderes Kriegsparkett – und zeigt uns, dass die Fäden der Geschichte eng miteinander verwoben sind. Solltet ihr wissen wollen, was die Autorin mit eigener Rudel-Inventarnummer sonst noch zu bieten hat, schaut bei ihr vorbei. Es lohnt sich, versprochen!
http:/www. fanfiction. net/u/1285129/
(Nehmt bitte die Leerzeichen nach www. und nach fanfiction. raus)
Das Rudel - Das Rudel - Das Rudel - Das Rudel - Das Rudel
Altersfreigabe: ab 12
Setting: Die Story spielt nach Hermines Schulzeit, allerdings ist der Krieg noch nicht vorbei. Außerdem musste ich einen entscheidenden Irrtum einbauen: Der Orden hält Nagini für den letzten Horkrux.
Inhalt: Voldemorts Armee belagert das Schloss und noch immer ist der letzte Horkrux nicht zerstört. Ein Hinweis von Aberforth führt Hermine und Severus schließlich in die Vergangenheit.
Hauptcharakter(e)/Paar(e): Hermine/Severus
Disclaimer: Nichts gehört mir, alles ist Eigentum von J..
Kommentar: Großes Dankeschön an Alcina vom Steinsberg für die umwerfende Französisch- und Geschichtsberatung, sowie erstklassige Betadienste! Sie hat Blüten ausgebügelt, bei denen ich noch jetzt rote Ohren kriege. ;)
Außerdem möchte ich mich für das Tempo entschuldigen, mit dem ich durch den Plot gerast bin. Meine Muse war dabei, einen mindestens 20 Kapitel umfassenden Epos aus meinen Vorgaben zu schustern und dem konnte ich nur auf diese Art begegnen. -.-
Warnings: none
Mission Napoleon
Solang du weilst auf Erdenbahnen,
dem Irrtum, Freund, entgehst du nicht;
doch läßt dich Irrtum Wahrheit ahnen:
Irrtum ist Farbe, Wahrheit Licht.
(Emanuel Geibel)
„Das ist der mit Abstand dämlichste Plan, den ich jemals gehört habe", spottete Severus, die Augenbrauen soweit zusammengezogen, dass eine tiefe Furche dazwischen stand.
„Ich halte das Ganze ebenfalls für... gewagt", stimmte Minerva vorsichtig zu.
Aberforth warf erst ihm, dann ihr einen bitterbösen Blick zu. „Warum fragt ihr mich überhaupt, wenn ihr es nicht hören wollt? Ich habe besseres zu tun."
„Todesser bewirten?", fragte Severus forsch.
„Zum Beispiel", entgegnete der alte Mann gereizt. „Wenn ihr mich also entschuldigen würdet..." Er wandte sich um und verschwand in dem Geheimgang, der ihn vom Raum der Wünsche aus zurück in den Eberkopf bringen würde.
In diesem Moment ging die Tür auf der gegenüberliegenden Seite des Raums auf und Harry huschte keuchend in die Wärme. „Was hab ich verpasst?"
„Einen schlechten Witz."
Hermine warf Severus einen mahnenden Blick zu. „Aberforth hat uns erzählt, dass Professor Dumbledore ihm gegenüber einmal erwähnte, dass Napoleon etwas besäße, mit dem man den letzten Horkrux zerstören kann."
„Wer ist Napoleon?"
Severus verdrehte die Augen. „Gibt es eigentlich irgendetwas außer Regeln brechen, in dem Sie nicht komplett talentfrei sind, Potter?"
„Ich habe mal darüber nachgedacht, mich in Griesgrämigkeit ausbilden zu lassen, aber mir steht der dazugehörige Gesichtsausdruck nicht", entgegnete der junge Mann prompt.
„Napoleon Bonaparte", fuhr Hermine dazwischen. „Er war ein französischer General und Staatsmann im achtzehnten Jahrhundert."
„Der Napoleon?" Zustimmendes Nicken von allen Seiten. „Was hat der mit Voldemort zu tun?"
„Gar nichts", antwortete Severus zuckersüß, „aber da Albus tot und auf unbekannter Mission aus seinem Gemälde verschwunden ist und wir keine besseren Ideen haben, sollten wir vielleicht in Erwägung ziehen, dass es eine Waffe gibt, die älter ist als der Dunkle Lord und in der Lage, seiner Schlange den Garaus zu machen."
„Sagtest du nicht eben noch, dass es ein dämlicher Plan ist?" Minerva musterte ihn über den Rand ihrer Brille hinweg.
„Aberforth sprach von einer Zeitreise mittels Zeitumkehrer und das ist ein dämlicher Plan. Hast du schon mal darüber nachgedacht, wie viele Umdrehungen des Zeitumkehrers nötig sind, um ins achtzehnte Jahrhundert zu kommen? Und wenn wir gerade dabei sind: Wie soll irgendjemand die zweieinhalb Jahrhunderte überleben, um uns von seinen bahnbrechenden Erkenntnissen zu unterrichten? Dank Albus' umfangreichen Bemühungen steht uns nicht einmal mehr der Stein der Weisen zur Verfügung. Davon abgesehen hält sich meine Begeisterung für das Leben im achtzehnten Jahrhundert in Grenzen."
„Was sich bei dir in Grenzen hält, ist die Begeisterung für das Leben an sich. Und wenn du weiterhin so produktiv bist, hast du auch bald einen Grund dafür", drohte Minerva und sah ihn ungeduldig an.
„Wir könnten uns erstmal nach Aufzeichnungen über Napoleons Besitz umsehen", überlegte Hermine, ohne auf die neuerliche Diskussion einzugehen. „Und wenn wir darunter nichts finden, können wir uns immer noch Gedanken über eine Zeitreise machen. In der Geschichte von Hogwarts hab ich gelesen, dass das Schloss um einen Riss in der Zeit erbaut wurde, um ihn vor Missbrauch zu schützen. Es gibt bestimmt eine Möglichkeit, diesen Riss mit dem Zeitumkehrer zu koppeln und die Reise zu erleichtern. Damit müsste auch eine Rückreise möglich sein."
Während sich die Gruppe nach diesem Vorschlag murmelnd auflöste, ging Severus zur Bar, die mit den verschiedensten alkoholischen und nicht alkoholischen Getränken ausgestattet war. Im Laufe der vergangenen Jahre war nicht nur ein Mitglied des Goldenen Trios nach dem anderen wieder nach Hogwarts zurückgekehrt, auch der Raum der Wünsche hatte sich als Versammlungsort etabliert und war immer weiter ausgeschmückt worden. Vor allem, weil er den einzigen Weg aus dem Schloss vorbei an den Todessern bot.
„Klingt sie eigentlich irgendwann auch mal nicht wie ein wandelndes Lehrbuch?", vernahm Severus eine Stimme neben sich, als er sich einen Single Malt eingoss.
Er sah sich nach der Quelle um und fand sich dem neuen Lehrer für Verteidigung gegen die Dunklen Künste gegenüber. Irgendein Jones... oder Johns... er hatte aufgehört, sich die Namen zu merken. „Nein", antwortete er dennoch, „Sogar im Bett hält sie einem Vorträge."
Sein Gegenüber zog die Augenbrauen hoch. „Sie waren mit ihr im Bett?"
„Oh ja. Oft."
„Dann ist sie also eine Überlegung wert?"
„Nein." Der Tränkemeister nippte an seinem Glas und beobachtete Hermine, die sich mit Harry und Minerva unterhielt.
„Warum nicht?"
„Weil sie meine Frau ist." Just in diesem Moment hob Hermine ihren Blick und schenkte ihm ein strahlendes, wenn auch müdes Lächeln.
Severus nickte knapp, dann wandte er sich dem neuen Lehrer zu. „Sie können sich glücklich schätzen, dass ich nicht viel von Taktgefühl halte. Sonst hätten Sie jetzt meine Faust in Ihrem Gesicht. Ich wünsch Ihnen ein angenehmes Rest-Schuljahr!"
Natürlich fanden sie nichts in den Aufzeichnungen über Napoleons Besitztümer. Kurz vor Weihnachten musste auch Hermine einsehen, dass es keinen Sinn mehr hatte, alte Bücher und Schriftrollen zu wälzen. „Wir müssen ihn fragen", schloss sie mitten in der Nacht und riss Severus aus dem Schlaf.
„Wen willst du schlagen?"
„Im Moment am liebsten Professor Dumbledore, weil er uns keine genaueren Anweisungen hinterlassen hat. Aber eigentlich sagte ich, dass wir ihn fragen müssen." Seufzend begann Hermine, die auf dem Bett verstreuten Pergamente einzusammeln.
„Albus?" Er war verwirrt.
„Da Professor Dumbledore uns mit Abwesenheit beehrt, dürfte das schwierig werden. Wir müssen uns also direkt an die Quelle wenden." Dabei deutete sie auf die Abbildung eines Gemäldes, die Napoleon Bonaparte zeigte.
Severus setzte sich auf und massierte sich die Nasenwurzel. „Wir tun also tatsächlich, was Aberforth gesagt hat."
„Ja."
„Der irre Trinker..."
„Jup."
„...der nur für seine Ziegen lebt..."
„Mh-hm."
„...der verrückte Bruder..."
„Ist das nicht eher Professor Dumbledore gewesen?"
Severus wog die beiden Charaktere gegeneinander ab. „Ich kann mich nicht entscheiden. Und das macht diesen Plan nicht attraktiver."
„Wir müssen es zumindest versuchen. Lange wird es nicht mehr dauern, bis Voldemort den Schutzzauber des Schlosses geknackt hat. Ohne eine Waffe gegen Nagini können wir ihn nicht töten. Und ich möchte mir gar nicht ausmalen, wie viele von uns die darauf folgende Schlacht nicht überstehen werden."
Severus seufzte, musste ihr jedoch zustimmen.
So kam es, dass er ihr nach einer Nacht mit wenig Schlaf dabei half, ihre Reiseausrüstung in den magisch vergrößerten Taschen ihrer altertümlichen Hosen zu verstauen. Während er mit seinen langen Haaren und dem frisch sprießenden Dreitagebart kein Problem hatte, sich im achtzehnten Jahrhundert durchzuschlagen, hatte sie ihre Lockenpracht und das dezente Make-up geopfert, um als weiblich geratener Bursche durchzugehen. Sie hatte sich die Haare sogar schwarz gefärbt.
„Mir gefällt nicht, was dieser Krieg aus dir macht", sagte er mit ernster Miene, nachdem sie alles an ihren Körpern verstaut hatten, und strich durch ihre kurzen Haare.
„Mir auch nicht. Aber was bleibt uns anderes übrig?" Sie stellte sich auf die Zehenspitzen, um sich einen Kuss von seinen Lippen zu stehlen. „Lass uns gehen", sagte sie dann und griff nach seiner Hand.
Der Weg hinab in die Kerker war dunkel und feucht. Selbst die in kurzen Abständen angebrachten Fackeln konnten nichts an der Tatsache ändern, dass sie sich in einem Teil des Schlosses befanden, der direkt an den Schwarzen See grenzte. Wasser lief in Rinnsälen am Mauerwerk hinab.
Nach einigen Minuten hatten sie den Raum erreicht, der als erster Teil des Schlosses um den Riss in Zeit und Raum erbaut worden war. Minerva wartete bereits auf sie, von der flimmernden Aura des Risses unbeeindruckt. Ihre Augen wurden eine Nuance größer, als sie Hermine erblickte.
„Hätte es eine Verwandlung nicht auch getan?", fragte die Schulleiterin und klang irgendwie bedauernd.
„Die haben die lästige Angewohnheit, im schlechtesten aller Momente ihre Wirkung zu verlieren. Und außerdem sind es nur Haare." Bevor jemand ihre Beiläufigkeit der offensichtlichen Lüge bezichtigen konnte, fragte Hermine: „Wo sind die anderen?"
„Beschäftigt", entgegnete Minerva knapp – was bedeutete, dass sie kämpften.
„Dann sollten wir keine Zeit verlieren." Severus streckte die Hand aus und schloss die Finger um das kalte Metall des Zeitumkehrers, als Minerva ihn Severus überreichte.
„Und hier ist ein Dokument, das eure Glaubhaftigkeit vor Schulleiter Vulpus bekräftigt. Damals waren Zeitumkehrer noch nicht erfunden und gezielte Reise durch den Riss undenkbar. Ich habe den Zeitumkehrer bereits mit dem Riss verbunden. Eine Umdrehung bringt euch nun zehn Jahre in die Vergangenheit. Um einen günstigen Zeitpunkt in Napoleons Leben zu erwischen, dreht ihn neunzehn Mal."
„Dann landen wir im Jahre 1812."
Hermine verzog das Gesicht. „Russlandfeldzug? Hätte es nicht auch die Provence getan?"
„Sieh es positiv", nölte Severus, während er das Pergament verstaute und die Kette des Zeitumkehrers um seinen und Hermines Hals legte, „wir müssen uns nicht an eine andere Wetterlage gewöhnen."
Noch ehe Hermine oder Minerva darauf antworten konnten, hatte er zu drehen begonnen und der karge Kerkerraum löste sich vor ihren Augen auf.
„Erinnere mich daran, dass ich Minerva einen Warzentrank ins Essen mische, wenn wir heil wieder nach Hause kommen", grollte Severus vier Stunden später und einhundertneunzig Jahre früher, als sie sich gegen das Heulen eines Schneesturms durch die verlassenen Straßen von Moskau kämpften.
„Pack einen Abführtrank von mir oben drauf", entgegnete Hermine und senkte den Kopf gegen die eisige Kälte, die ihnen direkt in die Gesichter peitschte. Trotzdem sie ihre Körper mit einem Wärmezauber belegt hatten, so dass sie gegen Unterkühlung und Erfrierungen geschützt waren, war es ein unangenehmer Marsch.
Gegen die Verhältnisse hier in Russland war es regelrecht warm gewesen im Schottland des frühen neunzehnten Jahrhunderts. Nachdem sie sich weitgehend unbemerkt durch die Gänge des Schlosses bis zum Büro der Schulleiter geschlichen hatten, hatten sie ihre liebe Not gehabt, dem derzeitigen Direktor Vulpus zu erklären, woher sie kamen und was sie vorhatten. Letztendlich war es ihnen tatsächlich nur durch das Dokument gelungen, ihn von ihrer geistigen Gesundheit zu überzeugen.
So waren sie in den Genuss einer Portschlüsselreise nach Moskau gekommen und hatten ihm noch dazu das Versprechen abgerungen, auf dem Rückweg ebenfalls den Zeitriss im Kerkergeschoss des Schlosses nutzen zu dürfen – wenn sie bloß seinen Kühen nichts antaten.
„Was ist das bloß mit diesen Viechern?", fragte Severus, kaum dass sie in Russland angekommen waren und die erste Schneewehe überstanden hatten.
Hermine zauberte als erstes ihre Kleidung wärmer, dann sprach sie einen Orientierungszauber, der sie durch die komplett weiße Welt führen würde. Sie konnten nicht einmal Himmel und Erde auseinanderhalten. Severus ergänzte ihre Zauberkünste durch einen Übersetzungszauber, denn keiner von ihnen sprach gut genug Französisch, um nicht aufzufallen.
Und so waren sie los marschiert, stets das helle Licht des Zaubers vor den Augen, bis die ersten Häuser Moskaus aus dem Schneetreiben vor ihnen aufgetaucht waren.
„Wohin jetzt?", fragte Hermine, doch anstatt einer Antwort zog Severus sie in ein verlassenes Haus, dessen Tür dem Schneesturm zum Opfer gefallen war. Die plötzliche Windstille ließ sie taumeln. „Was ist denn los?"
Er legte erst einen Finger auf die Lippen, dann zeigte er hinaus in die weiße Hölle. Ein kleiner Trupp Soldaten zog straucheld und gegen den Wind gebückt vor dem Fenster vorbei. Als sie ein paar Meter entfernt waren, sagte der Tränkemeister: „Immer denen nach, würde ich sagen."
Sie hatten keine Schwierigkeiten, den offensichtlich geschwächten Soldaten zu folgen. Mehrmals stolperte einer von ihnen über Hindernisse, die unter dem Schnee verborgen lagen, und fiel der Länge nach hin, wirbelte noch mehr Schnee in die Luft. Stets halfen die Kameraden ihnen wieder auf die Beine – nur einen, den ließen sie liegen.
Als Hermine und Severus ihn erreicht hatten, konnte sie nicht anders, als durch die Schichten der Kleidung nach dem Hals des Soldaten zu graben und dort einen Puls zu suchen – erfolglos. „Er ist tot." Severus begegnete ihrem Blick mit ausdrucksloser Miene. „Er ist einfach tot umgekippt."
Doch Severus kümmerte sich nicht um den Tod eines Soldaten, an den sich zu ihrer Zeit niemand mehr erinnerte. Er zerrte die leblosen Glieder aus dem Uniformmantel, ehe sie gefrieren konnten, und zog ihn sich über seine eigene Kleidung. Schließlich schnappte er sich das Muggelgewehr und warf es sich am Riemen über die Schulter.
„Lass uns weitergehen", rief er Hermine ins Ohr und zog sie am Arm vorwärts.
Sie schluckte ihre Fassungslosigkeit so gut sie konnte und konzentrierte sich wieder auf die grauen Gestalten vor ihnen.
Kurz darauf sahen sie immer mehr Soldaten. Einige standen in leeren Häusern und rieben die Hände gegeneinander, andere patrouillierten durch die verlassenen Straßen. Doch jeder, der sie sah, hielt Severus für einen von ihnen und Hermine für einen Spion. Um diesen Anschein noch zu stärken, stieß er sie grob nach vorne, woraufhin sie stolperte und mit dem Gesicht in eine Schneewehe fiel. Hermine rappelte sich auf und warf ihm einen bitterbösen Blick zu, schluckte jedoch jedes Wort, das ihr auf der Zunge lag.
Schließlich tauchte ein Gebäude vor ihnen auf, in dessen Fenstern ein vager Lichtschimmer zu erkennen war. Severus steuerte direkt darauf zu. „Zum Abendessen sind wir wieder zu Hause", informierte er Hermine selbstsicher und stieß sie auf die Wachen am Eingang zu.
Die beiden Männer bemerkten sie erst, als sie keine drei Schritte mehr entfernt waren. Sie traten aufeinander zu und verstellten ihnen den Eingang.
„Qu'est-ce que c'est?", fragte einer der beiden durch mehrere Stoffschichten in kaum verständlichem Französisch und nickte in Hermines Richtung. „On a l'ordre de ne pas faire des captifs inutils. Celle-ci, il a bien l'air inutile, hein?"
Severus blinzelte. Und erinnerte sich an Hermines Worte vor ihrem Aufbruch. Verwandlungen haben die lästige Angewohnheit, im schlechtesten aller Momente ihre Wirkung zu verlieren. In diesem Moment musste er ihr damit Recht geben, denn er verstand kein Wort.
Da spürte er etwas am Rande seines Bewusstseins, das auch nach Jahrzehnten noch befremdliche Gefühl, dass jemand in seinen Verstand eindringen wollte. Mit einem Zucken seines Auges ließ Severus es zu und Hermine flüsterte ihm die Antwort vor, die er bestmöglich wiederholte.
„Ta gueule!", blaffte Severus, „tu n'as aucune idée."
Was offensichtlich jedoch nicht die beste Antwort gewesen war, denn nun hoben beide ihre Waffen und richteten sie auf ihn. „Vielen Dank, Hermine!", rief Severus entsetzt und zückte seinen Zauberstab. Hermine tat es ihm gleich und im nächsten Moment wussten die beiden Soldaten nicht einmal mehr ihren eigenen Namen. Mit schief gelegtem Kopf starrten sie ins Schneetreiben, die Waffen baumelten vergessen in ihren Händen.
Hermine flüchtete als erste ins Haus. Nachdem die Tür hinter ihnen ins Schloss gefallen war, duckten sie sich in die Schatten unter einer Treppe. Hier im Flur war es nur unwesentlich wärmer als draußen, ein schwacher Lichtschein kam aus dem oberen Stockwerk, außerdem unverständliche Stimmen.
„Ich wusste gar nicht, dass du Französisch sprichst", flüsterte Severus.
„Ach, ein paar Urlaube mit meinen Eltern und ein bisschen Eigenstudium – nichts weltbewegendes", murmelte sie.
„Eine etwas weniger provokante Antwort wäre mir allerdings lieber gewesen."
„Er hat mich unnütz genannt!", empörte sie sich, während sie nach ihrem Zauberstab suchte. „Aber wie kommt es eigentlich, dass ein Mann wie du kein Französisch spricht?"
„Ich hasse Überflüssiges."
„Du hältst Französisch für überflüssig?"
„Nein. Doch die Franzosen halten viele ihrer geschriebenen Buchstaben für überflüssig. Das ist mir unsympathisch." Er rümpfte die Nase.
Trotz der Lage, in der sie sich befanden, musste Hermine kichern. „Ein Glück, dass es Professor Flitwick und die Zauberkunst gibt. Und dieses Mal spreche ich den Zauber!"
„Behalt deinen Spott für dich, Weib!"
Sie sprach einen Zauber, den Severus nicht kannte, erst über sich selbst und dann über ihn. Und plötzlich waren die Stimmen aus dem oberen Stockwerk nicht mehr komplett unverständlich.
„Was ist das für ein Zauber?" Er fragte genau das in exakt diesem Wortlaut – aber die Worte klangen nicht so, wie er sie gewohnt war.
„Ebenfalls ein Übersetzungszauber. Aber einer, der für mehr als eine Wegbeschreibung reicht." Ihre Augen blitzten zufrieden in der Dunkelheit.
„Und den hättest du nicht schon eher sprechen können, hm?"
„Ein bisschen Spaß muss sein", entschied sie unschuldig.
„Oh ja, sehr spaßig", grollte er. „Sie haben die Waffen ja auch nur auf mich gerichtet."
„Wie wollen wir jetzt weitermachen?", lenkte Hermine flink vom Thema ab.
„Ganz einfach. Wir gehen da hoch und schocken jeden, der uns im Weg steht, bis wir den elenden Franzosen gefunden haben."
„Nette Idee, aber dieses Mal wäre ich für eine etwas subtilere Methode."
„Zeitverschwendung", grollte Severus missmutig. Auf einen mahnenden Blick ihrerseits gab er sich trotzdem einverstanden und griff nach Hermines Hand, um sie unter der Treppe hervor und die Stufen hinauf ins obere Stockwerk zu ziehen. Bevor sie ins Sichtfeld der anwesenden Männer gelangten, positionierte er sie wieder vor sich und packte sie am Kragen wie einen Spion.
„Wer ist da?", rief eine Stimme aus dem Inneren eines der vom Flur abgehenden Zimmer, als sie sich näherten. Die Tür wurde aufgerissen und mehrere grimmige Gesichter blickten ihnen entgegen. An einer Seite des Raumes war ein Kamin in die Wand eingelassen, in dem ein winziges Feuer knisterte, das der Kälte nichts entgegenzusetzen hatte. „Wer bist du? Und was soll der Bursche hier? Keine Gefangenen war die Order!"
Das war es also gewesen, was der Soldat vor der Tür gesagt hatte. „Er ist ein Spion", grollte Severus und begegnete den Anwesenden ebenfalls mit einem grimmigen Blick.
„Tatsächlich? Dann sperr ihn ein!"
„Man sollte ihn aushorchen. Er weiß vielleicht Dinge, die uns nützlich sind."
„Es ist nicht an dir, so etwas zu entscheiden! Sperr ihn ein, wir kümmern uns später um ihn." Er strich sich über den geschwungenen Schnurrbart und wollte sich bereits wieder den anderen Anwesenden zu.
Severus biss ungeduldig die Zähne aufeinander. „Ich kann ihn aushorchen." Er wippte auf seinen Füßen vor und zurück und spürte, dass Hermine zunehmend unruhig wurde.
Der geschwungene Schnurrbart war offensichtlich kurz davor, die Fassung zu verlieren angesichts so viel geballter Dreistigkeit. „Du sperrst ihn ein! Sofort! Sonst sperre ich dich gleich dazu."
Severus schnalzte mit der Zunge. „Du kannst sagen, was du willst, Mina, das hier ist Zeitverschwendung."
„Schon gut", entgegnete sie. Er ließ Hermine los und als hätten sie es vorher so abgesprochen, zogen sie beide ihre Zauberstäbe und feuerten auf die beiden am nächsten stehenden Franzosen einen Stupor. In der Zeit hatten die anderen ihre Waffen gezückt, so dass sie sich mit einem Protego schützen mussten, ehe sie auch diese ausschalten konnten. Stille legte sich über den Raum.
„Das hätten wir schon eher haben können", grollte der Tränkemeister und stieg demonstrativ über den am Boden liegenden geschwungenen Schnurrbart hinweg.
„Einen Versuch war's wert. Diese invasive Verwendung von Magie in der Vergangenheit ist immer ein Risiko", dozierte Hermine ungefragt und ließ ihre Schultern kreisen.
Als Severus an ihr vorbeiging, beugte er sich an ihr neuerdings frei liegendes Ohr hinab und flüsterte: „Wenn wir wieder zu Hause sind, bekommst du eine Massage."
„Von dir?", fragte sie ungläubig.
„Merlin bewahre! Poppy hat mehr Zeit als ich." Mit diesen Worten ging er auf die Tür zu, deren Durchgang man ihnen bisher verwehrt hatte.
„Das hab ich mir gedacht", seufzte Hermine noch, dann folgte sie ihm zur Audienz bei einem der größten kleinen Männer der Menschheitsgeschichte.
Der Gang hinter der Tür führte sie über einen etwa sechs Meter langen Flur, von dem rechts zwei Türen abgingen. Beide Zimmer erwiesen sich als leer. „Es ist immer die letzte", murmelte Severus und deutete auf die Tür, die geradeaus am Ende des Flurs lag.
Hermine umfasste ihren Zauberstab fester und wischte sich mit der freien Hand unter der vom Staub kitzelnden Nase entlang. Severus legte eine Hand auf den Türknauf, sie wechselten einen Blick und dann betraten sie das letzte Zimmer – das ebenfalls leer war.
„Bei Salazar Slytherin!", fluchte Severus, „Die Witzbolde hätten wir uns sparen können."
„Lass sie das bloß nicht hören", entgegnete Hermine unbeeindruckt. „Also, suchen wir weiter."
„Wozu suchen? Wir haben einen ganzen Salon voll Befehlshaber, wir müssen sie nur aufwecken." Er grinste maliziös, dann ging er an ihr vorbei mit großen Schritten zurück zu den Soldaten, die sie geschockt zurückgelassen hatten. „Enervate!", hörte Hermine ihn bereits sagen, noch bevor sie selbst das Zimmer betreten hatte.
„Was ist passiert?" Die Frage kam von einem der Männer, die sich die ganze Zeit im Hintergrund gehalten hatten.
„Irrelevant", tat Severus diese ab. Er hatte den Mann am Kragen der Jacke gepackt und ein Stück in die Höhe gezerrt, so dass er auf Zehenspitzen stand. Und trotzdem reichte sein Kopf kaum an Severus' Nasenspitze heran. „Wo ist Bonaparte?"
„Ich... ich...", stotterte er verwirrt. Und als er seine bewusstlosen Kameraden auf dem Boden liegen sah, wurden seine Augen eine Nuance größer. „Verräter!", flüsterte er schockiert.
„Wo ist er?", wiederholte Severus und klang dabei noch wütender als damals, als sie ohne zu fragen sein Labor 'aufgeräumt' hatte.
„Lass ihm Zeit, immerhin war er eben noch bewusstlos."
„Jetzt ist er es nicht mehr", erwiderte Severus und sah sie gereizt an.
Da ging Hermine zu ihm und legte eine Hand auf die Faust, in der er den Kragen des französischen Soldaten hielt. „Lass ihn runter, Severus." Erstaunlicherweise tat er es. Und er ließ den verwirrten Mann sogar los, so dass Hermine sich zwischen die beiden stellen und dem Soldaten die Jacke richten konnte. „So, und nun, da wir uns alle wieder beruhigt haben, denken Sie noch mal über alles nach und sagen uns dann, wo sich Napoleon Bonaparte aufhält." Sie lächelte ihn lieblich an.
„Du bist... ein Weib." Das schien ihn noch mehr zu schockieren als seine bewusstlosen Kameraden.
„Ja", nickte Hermine, noch immer lächelnd. „Also, wo ist er?"
„Das werde ich euch Verrätern nicht offenbaren."
„Wetten, dass er es doch tun wird?", grollte Severus hinter ihr und ließ seine Fingerknöchel knacken.
Der Soldat schluckte.
„Wir wollen doch nicht übertreiben", sagte Hermine.
„Nur über meine Leiche werdet ihr erfahren, wo mon général sich aufhält."
„Mon général", spottete Severus. „Ich geb dir gleich mon général!"
„Severus!" Hermine sah ihn böse an.
Unbeeindruckt von ihrer Warnung, zog er eine Augenbraue in die Höhe. „Lass mich das Ganze abkürzen, bevor wir Napoleon bis nach Frankreich verfolgen müssen."
Hermine biss sich auf die Unterlippe, sah erst den Soldaten und dann Severus an. Doch letztendlich musste sie Severus zustimmen. Sie hatten keine Zeit für dieses Kreuzverhör. „Also gut. Aber sei vorsichtig!"
Wieder griff Severus nach dem Jackenkragen des Soldaten und zog ihn ein Stück an sich heran. Dann legte er die Spitze seines Zauberstabes an die Stirn des kleineren Mannes und sagte: „Legilimens!"
Hermine sah sich seufzend in dem Zimmer um, während Severus' Augenlider zuckten und der Soldat wimmerte. Die spartanischen Schränke waren durchsucht worden, der Inhalt zum Teil über den Boden verstreut. Das Feuer im Kamin wurde immer kleiner und sie schnappte entsetzt nach Luft, als sie die Überreste von Büchern darin erkannte.
„Er ist im Keller", sagte Severus da und stieß den Mann von sich.
„Sie verbrennen Bücher!"
„Besser als zu erfrieren", verteidigte der Soldat sich auf ihren anklagenden Blick hin, allerdings sehr kleinlaut.
„Lass die Bücher, Hermine, wir haben die Dinger zimmerweise zu Hause. Keller – sofort!" Er legte eine Hand auf ihren Rücken und schob sie energisch zur Tür hinüber. Bevor er jedoch selbst auf dem Flur verschwand, deutete er noch einmal auf den Soldaten und murmelte: „Obliviate!"
Der Weg in den Keller war erneut versperrt von mehreren Soldaten, doch dieses Mal verzichteten Hermine und Severus sofort auf die Schauspielerei. Magie hatten sie mittlerweile genug verwendet, um den gesamten Zeitablauf durcheinander zu bringen. Sie konnten nur hoffen, dass niemand den armen Männern Glauben schenken würde, wenn sie wieder nach Hause kämen. Wenn...
Es war ein seltsames Gefühl, einem Mann gegenüberzustehen, den sie nur von Gemälden kannte. Hermine war für einen Moment sprachlos, als das flackernde Licht sich in den Augen des bedeutendsten Franzosen der Weltgeschichte spiegelte, als er blinzelte, sie von oben bis unten musterte und dann mit abwertender Stimme fragte: „Wer sind Sie?"
„Das ist unwichtig", sagte Severus ebenso abwertend und schob die Tür hinter sich ins Schloss. „Wir sind nur hier, um Ihnen zu sagen, dass dieser Krieg verloren ist. Geben Sie es auf, mon général." Severus' Stimme klang so ölig, dass Hermine das Bedürfnis hatte, sich die Hände zu waschen. „Oh, und wir brauchen etwas, das Sie besitzen."
„Wie bitte?"
Hermine zog überrascht die Augenbrauen hoch. Napoleon mochte zwar klein sein, doch furchteinflößend war er trotzdem. Sie hielt sich im Hintergrund, den Zauberstab fest in ihrer Hand.
„Was haben Sie in Ihrem Rock, Bonaparte?", fragte Severus.
„Eine Waffe zum Beispiel." Und diese zog er nun auch.
Da wandte Severus sich zu Hermine um. „Können wir ihn bitte umbringen?"
„Nein!"
Der Tränkemeister schnalzte mit der Zunge. „Bedauerlich. Aber man kann wohl nicht alles haben." Er gab Hermine ein Zeichen mit der Hand.
„Petrificus totalus!"
Napoleons Arme schnappten an seine Seiten und er kippte hintüber wie eine Statue, die von einem spielenden Kind angestoßen wurde.
„Dann wollen wir doch mal sehen, was wir finden", murmelte Severus und trat an die Seite des Monarchen. Er knöpfte den Rock auf und griff in die Innentasche, während Hermine sich im Keller umsah. Doch auch nach gründlicher Suche fanden sie nichts, das Nagini den Garaus machen könnte.
Schließlich stand Severus auf und hielt gedankenverloren die Waffe in der Hand. „Was ist?", fragte Hermine.
Severus hob seinen Blick zu ihr und schürzte die Lippen. „Was wäre, wenn wir uns geirrt haben?"
„Was meinst du?"
„Nagini ist nicht der letzte Horkrux", erklärte er mit hohler Stimme.
„Aber was ist es dann?"
„Nicht was. Wer. Wer war in dem Moment anwesend, als die Seele des Dunklen Lords aus seinem Körper gerissen wurde?" Sie sahen einander an und die Erkenntnis sickerte in Hermines Verstand wie Gift. Es brannte und ätzte und sie fühlte sich elend. „Es ist nicht Nagini", sprach Severus aus, was auch sie gerade erkannt hatte. „Es ist Potter."
Sie befreiten Napoleon von der Ganzkörperklammer, löschten seine Erinnerungen und disapparierten direkt aus dem Keller des Hauses in Moskau an einen Ort ein Stück außerhalb der Schlossgründe. Professor Vulpus hatte für den restlichen Weg einen Portschlüssel vorbei an den Sicherheitsvorkehrungen des Schlosses hinterlegt.
Der Winter in Schottland war um so viele Grad wärmer, dass Hermine sich fühlte, als wäre sie in ein behaglich geheiztes Zimmer gekommen. „Warum hat Professor Dumbledore uns in die Vergangenheit geschickt, um das herauszufinden?", fragte sie, während sie auf dem verschneiten Boden nach dem Portschlüssel suchten.
„Ich würde mein Labor verwetten, dass er das nicht getan hat."
„Glaubst du, Aberforth hat es sich ausgedacht? Steckt er mit Voldemort unter einer Decke?" Hermines Herz begann zu rasen bei dem Gedanken, dass sie ihm auf den Leim gegangen und ihre Freunde im Stich gelassen hatten.
„Aberforth und der Dunkle Lord?" Severus lachte kehlig. „Niemals. Nein, ich bin mir ziemlich sicher, dass diese ganze Mission einem schlichten Missverständnis entsprang."
„Das muss aber ein großes Missverständnis gewesen sein." Sie betrachtete nachdenklich einen seltsam gewachsenen Ast.
„Nicht unbedingt. Stell dir Albus im Eberkopf vor und Aberforth, der etwas sagt wie 'Dann bleibt nur noch der letzte Horkrux übrig. Eine ziemlich harte Nuss.'" Er immitierte den Wirt so treffend, dass Hermine trotz allem lächeln musste. „Und dann sagt Albus etwas typisch zweideutiges wie 'Eher eine Erdnuss. Selbst Napoleon hatte schon die Möglichkeit, den letzten Horkrux zu zerstören.' Und voilà, hier sind wir."
Hermine blinzelte sprachlos, während Severus die Nase rümpfte. Er hatte Recht, es war so einfach. „Wie sollen wir das bloß Harry erklären?"
„Was willst du erklären? Potter ist ein Horkrux. Der letzte Horkrux. Er weiß selbst, was das bedeutet." Ein verkniffener Zug stand um Severus' Mundwinkel, während er es vermied, Hermine anzusehen.
„Das kannst du ihm doch nicht einfach so um die Ohren hauen."
„Ich gedenke nichts dergleichen zu tun." Er zog eine Porzellantasse aus einem hohlen Baum und präsentierte sie Hermine.
„Das ist ja nichts Neues", murmelte diese enttäuscht und wischte sich den Schneematsch von den Händen.
„Würdest du von mir erfahren wollen, dass du dich umbringen lassen musst?"
„Ja."
Diese schlichte Antwort schien ihn aus der Fassung zu bringen. „Du bist ein schlechtes Beispiel", entschied er verzögert und zupfte ein fast schwarzes durchnässtes Blatt vom Porzellan.
„Ich muss es Harry sagen", überlegte Hermine leise und kaute auf ihrem Daumennagel. Bei der Vorstellung, einen ihrer besten Freunde zu verlieren, überkam sie hilfloses Entsetzen. Ihr Brustkorb zog sich zusammen und sie hatte das Gefühl, keine Luft mehr zu bekommen.
Severus griff nach ihrer Hand, zog ihren Daumen vom Mund weg und hielt sie fest. „Wenn wir nach Hause kommen, ist es zwei Tage vor Weihnachten, Mina. Wir schaffen es schon, das Schloss bis nach den Feiertagen zu verteidigen. Gönn uns ein paar ruhige Tage, bevor wir dieses Problem angehen. Wir finden eine Lösung."
In seinen Augen stand eine Zuversicht, die Hermine nur selten zu sehen bekam. Sie lockerte das Engegefühl in ihrer Brust und ließ sie freier atmen. „Okay", nickte sie tonlos und legte ihre Hand zu seiner auf den Portschlüssel.
Das war eine gute Idee, dachte sie noch, bevor etwas sie in Höhe ihres Bauchnabels von den Füßen riss. Erst feierten sie Weihnachten und danach war immer noch Zeit für das Ende der Welt.
ENDE
