Warnings: Dezidierte Spoiler für Episode 3.3, sowie das Finale der 5. Staffel von „Arrow" und den Beginn der 6. Staffel von „Arrow"
7. Warum ist sie dann so schlecht?
„Was? Was ist los?!", wollte Mick von Ray wissen, nachdem dieser ihn einige Minuten lang angestarrt hatte. Vermutlich wies sein Gesichtsausdruck daraufhin, dass etwas nicht stimmte, aber Ray war nun mal besorgt und deswegen schlecht darin seine Gefühle zu verbergen bzw. noch schlechter darin als sowieso schon.
Sie beiden waren die einzigen, die zur Zeit im Hauptquartier der Legends anwesend waren, und sie hatten Wachdienst. Der Wachdienst war normalerweise nicht besonders aufregend , weil nur selten etwas passierte, zumindest etwas, das sie auch mitbekamen, bevor Kid Flash dort war. Trotzdem hatte Ray es kategorisch abgelehnt ihren Wachdienst damit zu verbringen es miteinander auf ihrem Konferenztisch zu treiben, denn immerhin könnte es ja sein, dass zur Abwechslung einmal doch etwas passierte, und sie gebraucht werden würden. Und wenn sie das nicht mitbekämen, weil sie gerade zu sehr mit Sex beschäftigt wären, dann käme vielleicht irgendjemand zu Schaden. Und das ging natürlich nicht. Immerhin waren sie Helden – nun zumindest Ray war ein Held, und Mick war sein Partner, also war er irgendwie auch ein Held, ob er wollte oder nicht.
Auf jeden Fall hatten sie die Zeit deswegen bisher totgeschlagen, indem sie einfach gewartet hatten bzw. Mick hatte den Kühlschrank geplündert und war inzwischen dazu übergangen auch jene Dinge zu Essen auf den ein großer Zettel mit den Namen „Jax" darauf klebte.
Doch das war nicht der Grund dafür, warum Ray ihn angestarrt hatte. Mick war nun mal ein Dieb, und das konnte und wollte Ray ihm nicht übel nehmen, er hatte viel mehr Angst, dass Mick ihm das, was er nun sagen würde, übel nehmen könnte.
Trotzdem nahm er all seinen Mut zusammen und erklärte: „Ich muss nach Star City. Zumindest für eine Weile."
Mick sah ihn stumm an. „Nach allem, was auf Lian Yu passiert ist, brauchen Oliver und die anderen mich", fuhr Ray fort.
„Ich dachte Sara und der Engländer sind diejenigen, die nach Star City ziehen werden", meinte Mick dann langsam.
„Ja, das stimmt auch. Aber ich habe das Gefühl, dass ich trotzdem ebenfalls hin muss. Die ganze Sache mit Thea … und William. Oliver braucht jetzt jede Hilfe, die er kriegen kann", erklärte Ray, „Ich kann nicht einfach … nicht hin. Verstehst du das?"
Mick schwieg einen Moment lang. Bitte mach es mir nicht schwerer als es ohnehin schon ist, bat Ray stumm und hoffte, dass Mick seine Botschaft auch empfing.
„Und was ist mit Nate? Der braucht dich auch", wandte Mick dann schließlich ein.
„Jax hat zugestimmt vorübergehend statt mir bei ihm einzuziehen", erklärte Ray, „Und außerdem kann er ihm besser helfen als ich, immerhin ist er ein Beta, während ich nur ein anderer Omega bin. Und es ist ja nicht so, dass ich aus der Welt bin. Es gibt einen Zug zwischen den beiden Städten, und wir sehen uns jedes Wochenende bei den Teamtreffen."
Mick nickte. „Dann bleiben Firestorm und Steel in Central City, und wir anderen vier sind in Star City, ja?", fragte er dann.
Das kam nun etwas Unerwartet. Aber es freute Ray. „Oh. Du willst mitkommen?", vergewisserte er sich.
„Natürlich. Dort wo du hingehst, gehe ich auch hin", meinte Mick bestimmt, „Allerdings hoffe ich, dass du deinen Bogenschützenfreund davon abhalten kannst mich zu erschießen. Es kann vorkommen, dass ich ab und zu mal was klaue. Und wie ich gehört habe, sieht er das nicht so gerne."
„Oh, nein, nein, keine Sorge. Oliver wird dir nichts tun!", versicherte ihm Ray schnell und spürte wie sein Herz schneller zu schlagen begann, „Ihr werdet garantiert wunderbar miteinander auskommen!"
Er konnte es immer noch nicht glauben. Mick wollte mit ihm kommen! Ob sie nun endlich wirklich zusammen ziehen würden? In Micks Versteck hatte sich Ray niemals wirklich wohl gefühlt, und die Tatsache, dass sich jemand um Nate kümmern musste, weil Amaya ihn verlassen hatte, war von ihm deswegen als willkommen Ausrede genutzt worden um seine Nächte in der Wohnung des Omegas zu verbringen anstatt mit Mick. Doch nun, in Star City, konnten sie vielleicht einen wirklichen gemeinsamen Neuanfang machen. Es sei denn natürlich Mick hätte auch dort ein altes Versteck.
Ray runzelte die Stirn. „Hast du ein altes Versteck in Star City?", wollte er wissen.
„Nein, spätestens als dort Leute mit Pfeilen getötet wurden, hielten Leonard und ich es nicht mehr für ratsam uns dort blicken zu lassen, aber eigentlich ist Starling schon vorher vor die Hunde gegangen", erwiderte Mick schulterzuckend.
„Nun, dann kannst du ja bei mir einziehen. … Vorübergehend", wagte Ray einen Vorstoß.
Mick musterte ihn, als würde er sehen wollen, ob er es ernst meinte. „Klar, kann ich. … Vorübergehend", meinte er dann zustimmend. Rays Herz schlug noch eine Spur schneller.
Ja, alles sah danach aus, als würde es wirklich ein gemeinsamer Neuanfang werden.
Und das war auch gut so.
Mick hatte Star City schon nicht leiden können, als die Stadt noch Starling City geheißen hatte. Und der Namenswechsel hatte an seinen Gefühlen nichts geändert. Aber wenn Schmalzlocke hier wohnen wollte, dann musste er sich wohl damit abfinden, dass er einer Stadt lebte, die selbst für viele namhafte Verbrecher als zu heruntergekommen galt.
Und Schmalzlocke schien wirklich hier sein zu wollen. Zumindest vorübergehend. Weil er dachte, man bräuchte ihn hier. Mick war nicht sicher, was er von dieser Einstellung halten sollte. Tragödien kamen vor, ja, und es war blöd, wenn sie Leute trafen, die einem nahe standen, aber eigentlich brauchte das Rudel Ray ebenfalls.
Natürlich war er nicht der Erste, der gegangen war. Das war Amaya gewesen. Und danach Sara, die besorgt um ihren Vater in ihre Heimatstadt zurückeilte, gemeinsam mit ihrem Omega. Sara kann ich ja noch verstehen, aber Schmalzlocke? Wie nahe steht er dem Green Arrow wirklich?
Das war die ewig nagende Frage, die Mick hasste, weil sie ihn verunsicherte, und er hasste es verunsichert zu werden. Er hatte gerne die Kontrolle über sich und seine Umgebung. Wenn er die nicht hatte … nun, dann neigte er dazu etwas abzufackeln.
„Was soll das sein?" Er stocherte unerfreut in seinem Essen herum. Das Ding, in das er gerade stocherte, war außen hart als hätte es eine Schale, innen aber weich, und es war aber nur eine halbes Ding.
„Das ist eine Auster, Mick", erklärte Sara.
„Warum esse ich Austern?", wollte er von ihr wissen.
„Du hast Ray für dich bestellen lassen, erinnerst du dich?", belehrte ihn Sara, „Also hättest du mit so etwas rechnen sollen."
„Ich würde einen Löffel empfehlen, wenn Sie sich nicht einfach austrinken wollen, Mister Rory", merkte Rip an.
Mick kniff die Augen zusammen und starrte den Engländer an. Machte der sich gerade über ihn lustig? Warum habe ich mich auch nur dazu überreden lassen in diesen Nobelrestaurant essen zu gehen?, fragte er sich. Belly Burger wäre ihm lieber gewesen.
Aber nein, Schmalzocke hatte darauf bestanden, dass sie auf ein richtiges Doppeldate gingen anstatt einfach nur als Rudel miteinander herumzuhängen. Und deswegen hatte er in diesem Schuppen einen Tisch reserviert, und Mick dann bei der französischen Speisekarte ausgeholfen, und schließlich für ihn bestellt.
Und offenbar war es ein Fehler gewesen das zuzulassen. Ich sollte endlich damit aufhören, andere für mich meine Entscheidungen treffen zu lassen. Vor allem, wenn es um so etwas Wichtiges wie Essen geht.
„Wo bleibt Schmalzlocke überhaupt? Hat er sich auf dem Weg zur Toilette verirrt?", beklagte er sich und stocherte weiter in dieser angeblichen Auster herum.
Dann warf er Rip einen auffordernden Blick zu. „Jemand sollte vielleicht nachsehen gehen!" Der Engländer ließ sich nicht einschüchtern und erwiderte seinen Blick kühl. „Ich bin mir sicher, dass es Dr. Palmer gut geht", behauptete er, „Es besteht kein Grund dafür ihn zur Toilette zu verfolgen."
„Prä-Hitze", erinnerte ihn Mick.
„Geschlechtergetrennte Toiletten", gab Rip ungerührt zurück.
„Deswegen sollst ja du gehen", konterte Mick.
Es kam aus bautechnischen Gründen eher selten vor, dass ein Lokal tatsächlich geschlechtergetrennte Toiletten für alle Geschlechter besaß. Meistens gab es eine Unisex-Toilette für weibliche Alphas und Betas, sowie eine für männliche Alphas und Betas, und eine für Omegas. Doch dieses Restrautant hier gehörte zu den wenigen Schuppen, die für alle klar identifizierbaren Geschlechter eigene Toiletten besaßen, was Mick zugleich beeindruckend wie auch verschwenderisch fand. Auf der Waverirder hatte es nur ein Badezimmer und zwei Toiletten ohne genaue Zuteilung gegeben, und daran hatte er sich im Laufe der Zeit schnell gewöhnt, denn immerhin: Machen taten sie alle fast gleich. Und echte Männer setzten sich beim Pissen hin, also wozu der ganze Aufwand?
Aber, sie lebten nun einmal in einer Zeit der poltischen Korrektheit. Und das schloss getrennte Toiletten mit ein, selbst in Nobel-Restaurants, wo eigentlich keine Vergewaltigungsgefahr bestehen sollte.
„Seht mal, da kommt er schon", mischte sich Sara ein und deutete in Richtung Toiletten-Flügel, „Ist das Oliver bei ihm?"
Mick wirbelte herum und starrte in die entsprechende Richtung. Es war tatsächlich Queen, und er hatte sein Kind dabei. Als sie gekommen waren, war er noch nicht da gewesen, denn ansonsten hätten sie ihn ja wohl bemerkt. Oder hatte er sich die ganze Zeit auf der Toilette versteckt? Ansonsten wäre seine erste Tat darin bestanden in dem Nobel-Restaurant auf die Toilette zu gehen, mit seinem Kind. Vielleicht musste der Kleine einfach mal.
Das könnte ein Grund sein. Letztlich war es auch egal, was hingegen nicht egal war, war jedoch, dass Queen sich angeregt mit Micks Omega unterhielt. Dabei hatte Mick immer gedacht Toilettengespräche wären eine Omega-Sache.
Queen stand viel zu nahe an Ray dran und berührte den Omega dann auch noch an seiner Schulter. Mick konnte sich ein Knurren nicht verkneifen. Finger weg! Das ist mein Omega!, sandte er einen besitzergreifenden Gedanken in Queens Richtung. Der brachte aber nichts, Queen machte keine Anstalten sich von Ray wegzubewegen. Dann sagte der Junge etwas, und Ray beugte sich zu ihm hinunter und unterhielt sich mit ihm.
„Oh, sieh mal, was für eine nette Familie", meinte eine Frau am Nebentisch, die sie Szene ebenfalls beobachtete, „Ich wusste gar nicht, dass Bürgermeister Queen Omega und Kind hat."
Mick knurrte lauter und ignorierte die beruhigende Hand, die sich unaufgefordert auf seinem Arm wiederfand und die dazu gehörigen Omega-Beruhigungshormone. „Das hat nichts zu bedeuten, Rory", versicherte ihm Rip, „Das weißt du doch."
„Halt den Mund, Hunter", meinte Mick dazu nur.
Ray schien sich gut mit dem Jungen zu verstehen. Das ärgerte Mick, und objektiv gesprochen musste er zugeben, dass die Frau am Nebentisch recht hatte. Der Alpha, der Omega, und der Junge wirkten wirklich wie eine nette Familie. Ray grinste glücklich, vermutlich über irgendetwas, das der Junge gesagt hatte. Mick fragte sich, ob sich das sekundäre Geschlecht des Jungen bereits manifestiert hatte. Vermutlich war er ein Beta, er sah zumindest aus wie ein Beta. Die perfekte Familie: Ein Alpha mit seinem Omega und seinem Beta-Sohn.
Ray hatte gesagt, er müsse nach Star City ziehen, weil Queen ihn bräuchte. Wegen seiner Schwester. Und wegen dem Kind. Verdammt. Die Prä-Hitze machte den Omega vermutlich noch empfänglicher für den Jungen als er es sowieso schon wäre. Und er wollte zuerst ohne mich hier her.
Plötzlich starrte er in Saras Gesicht. „Hey Mick, komm wieder zu dir!", befahl sie ihm, „Dort geht nichts vor sich!"
Doch Mick wusste es besser. Es war offensichtlich, dass etwas vor sich ging, und es war auch offensichtlich was vor sich ging. Er konnte sehen, wie sich Ray von Queen und seinem Jungen verabschiedete, und wie seine Miene dabei ein wenig verfiel, und er dem Jungen traurig hinterher blickte. Vielleicht lag es nur an der Prä-Hitze, aber Mick zweifelte daran. Schmalzlocke war wegen dem Jungen hierher gezogen. Nicht wegen Oliver Queen oder seiner Schwester, sondern wegen dem verdammten Kind, das gerade auf traumatische Weise seine Mutter verloren hatte. Und das obwohl er dieses Kind nicht einmal kannte!
Verdammt. Nun, er hatte sich wochenlang gewundert, was mit Ray los war, nicht wahr? Nun kannte er die Antwort. Auch, wenn sie ihm nicht gefiel.
Mick hätte es von Anfang an besser wissen sollen. Er hatte immer gewusst, dass er keinen Omega verdient hatte. Er hatte immer gewusst, dass Ray jemand war, der nach einer langfristigen Beziehung suchte. Und er hatte immer gewusst, dass die meisten Omegas Kinder wollten. Waren das nicht genau die Gründe, warum er sich nicht auf Ray Palmer hatte einlassen wollen?
Ray kam bei ihrem Tisch an und hatte bereits wieder eine strahlende Miene aufgesetzt. Die, die er immer trug, wenn er vorgab, das alles in Ordnung war. „Hey, Leute, stimmt was nicht?", wunderte er sich freundlich.
„Nein, nein, es ist alles in Ordnung", beruhigte ihn Sara schnell, „Das stimmt doch, oder Mick?"
„Ja", brummte Mick düster, „Es ist alles in Ordnung."
Wenn das nur stimmen würde.
5 Monate später
Es hatte damit begonnen, dass sie dem Notruf eines Agenten des Time Bureaus folgten. Und dann sollten sie Zari Tomaz vor dieser zeitreisende Wasserhexe retten. Soweit so gut, aber Zari wollte sich nicht retten lassen und hielt sie für Versager („Ihr seid zeitreisende Superhelden, die die Welt gerettet haben? Warum ist sie dann so schlecht?"). Und log ihnen vor, dass sie ihren Bruder retten wollte, was dazu führte, dass Jax sah, wie die Metas in dieser Zukunft (2042) behandelt wurden, wie sie im Gefängnis misshandelt wurden, was wiederum dazu führte, dass er ihnen allen half aus dem Gefängnis auszubrechen, woraufhin sich Zari ohne ihren Bruder aber mit einem Medaillon absetzte, was wiederum dazu führte, dass das Time Bureau sauer auf sie wurde.
Ava Sharpe war nur zu bereit ihnen einen Strick aus dieser Mission zu drehen, um so mehr, weil Sara sich weigerte Zari ihrem Schicksal in ihrer eigenen Zeit zu überlassen und sich dazu entschloss den Beta aus der Zukunft an Bord zu behalten um sie so auf lange Sicht vor ihrer Möchtegern-Killerin zu schützen.
Was Ava Sharpe zum Anlass nahm um sie für eine feindliche Macht zu erklären und auf die Waverider zu schießen. Und damit waren sie nun offiziell nicht mehr auf Bewährung sondern Flüchtlinge.
Toll. Und das ist noch dazu alles meine Schuld. Wenn ich die Metas nicht freigelassen hätte, dann hätte Gary sich nicht über uns beschwert, und dann wäre Agent Sharpe nicht aufgetaucht, und dann wären wir jetzt nicht auf der Flucht…
Aber die Wahrheit war: Er konnte nicht bereuen, was er getan hatte. Er hatte gesehen, was diesen Meta angetan worden war, also war ihm gar keine andere Wahl geblieben als einzuschreiten. Wohl wissend, dass Sara davon nicht begeistert sein würde.
Es war meine Entscheidung, und sie war richtig. Auch wenn sie sie vermutlich Rip gekostet hatte. Möglicherweise für immer. Aber das liegt nicht nur an mir. Sara war es, die sich für einen fremden Beta und gegen Rip entschieden hat, als sie sich dazu entschlossen hat Zari zu beschützen. Warum hatte sie das wohl getan?
Nach allem, was Zari getan hatte. Ja, ihre Medaillon war offenbar eine Art Totem und irgendwie mit dem von Amaya verbunden, und ja, sie stammte aus einer Zeit, in der Metas unterdrückt wurden, und Sara ging immer in den Beschützer-Modus, wenn sie auf unterdrückte Seelen stieß, aber Zari war nicht einmal ein Omega, sie war ein Beta, außerdem eine Hacktevistin und eine Totem-Trägerin, sie konnte auf sich aufpassen. Oder nicht?
Vielleicht erging es ihr einfach so wie es mir erging, beim Anblick dieser Metas im Gefängnis, sie wusste einfach, dass ihr keine andere Wahl blieb als das zu tun, von dem sie wusste, dass es richtig ist. Ungeachtet aller Konsequenzen.
Und damit hatten sie nun offenbar ein neues Teammitglied. Und eine Fremde mit an Bord.
Aber was bedeutete das für ihr Rudel?
„Komm herein, Jax", rief Sara ihn in ihr Büro. Jax fiel auf, dass sie es inzwischen umdekoriert hatte, ihre eigene Dinge darin platziert hatte, anstatt denen von Rip. Als sie Rip nach der Zeitzerstreung verloren hatten, hatte Sara nichts hier drinnen verändert, doch nun, da er sich scheinbar für das Time Bureau und gegen sie entschieden hatte, veränderte sie sein Büro und machte es ich ihrem.
Trotzdem, kein Beziehungsstress war so groß, dass man seinen Partner in der Gewalt des Feindes zurück ließ. „Ich wollte mich entschuldigen, Sara", erklärte Jax, „Wenn ich mich im Gefängnis an den Plan gehalten hätte, dann wäre vielleicht alles anders gekommen."
Sara schüttelte den Kopf. „Nein, du hast das Richtige getan. Ich war so besessen davon den Time Bureua zu beweisen, dass wir nach ihren Regeln spielen können, dass ich mich davon für alles andere habe blenden lassen. Du hast mir das klar gemacht, und dafür danke ich dir", meinte sie, „Und außerdem: Da Zaris Bruder gar nicht in diesem Gefängnis war, gab es genau genommen keinen Plan, an den du dich hättest halten können."
Jax nickte dankbar. Dann meinte er: „Willst du sie wirklich aufnehmen? Ins Team, meine ich?" Er sagte nicht „ins Rudel", denn ihr Rudel war zur Zeit zersplittert und zerrissen, und Zari darin aufzunehmen würde ihm vermutlich nicht besonders gut tun.
Sara nickte. „Sie braucht uns. Ob sie es weiß oder nicht. Und Amaya braucht sie", meinte sie, „Und außerdem kann ich sie nicht einfach sterben lassen, oder?"
Das stimmte natürlich. Trotzdem: „Aber können wir ihr trauen? Ich meine, sie hat uns angelogen und für ihre Zwecke benutzt." Das durften sie nicht vergessen.
„Ja, das hat sie, aber sie hatte ihre Gründe. Und was das Vertrauen angeht: Das muss sie sich noch erarbeiten. Mick wird ein Auge auf sie haben", erwiderte Sara.
Jax rang kurz mit sich, ob er das Rip-Thema ansprechen sollte oder nicht, meinte dann aber doch: „Und was ist mit Rip?"
Sara seufzte. „Rip ist ein großer Junge. Er kann auf sich aufpassen", behauptete sie, „Ich bin mir sicher, dass wir ihn wiedersehen werden. Und das schon bald. Vielleicht macht ihm diese Sache ja endlich klar, dass das Time Bureau nicht immer recht hat."
Sie tat so, als wäre ihr das alles ziemlich egal, aber Jax kannte sie besser. Er hatte sie auf Maaldoria erlebt. Er wusste, wie sie war, wenn sie einen ihrer Omegas in Gefahr wähnte. „Ernsthaft, Sara, ich bin's", erinnerte er sie, „Kommst du zurecht?"
Sara warf ihm einen müden Blick zu. „Wenn das deine Art ist mich zu fragen, ob ich plane kopflos in das Hauptquartier des Time Bureaus zu stürmen und die Herausgabe meines Omegas zu fordern, dann kann ich dich beruhigen: Ich werde mich bemühen das nicht zu tun. Solange ich kann, jeden Tag aufs Neue", meinte sie, „Immerhin bin ich der Alpha. Ich bin für euch alle verantwortlich, nicht nur für Rip. Ich kann euch nicht alle riskieren, nicht einmal für Rip, diesen Luxus habe ich einfach nicht. Besonders jetzt nicht, wo wir Zari beschützen müssen."
Jax nickte verständnisvoll. „Das tut mir sehr leid, Sara", versuchte er sie zu trösten, „Rudel-Alpha zu sein stinkt ziemlich, was?"
„Es ist alles andere als einfach. Besonders mit diesem Rudel. Aber das war es ja noch nie", räumte Sara ein, „Inzwischen hab ich in all dem ja schon Übung, aber ich gebe zu diese paar Monate auf der Erde, in der ich nicht jede Sekunde fürchten musste, dass einem von uns etwas Schreckliches zustößt waren eine gewisse Entspannung, die ich nun vermisse."
„Ja, ich weiß, was du meinst. Uni und monatliche Verschmelzungen mit dem Grauen als einzige Sorgen zu haben war mal was anderes. Obwohl ich euch trotzdem alle vermisst habe. Und ich habe auch das hier vermisst: Die Möglichkeit Menschen zu helfen. Menschen wie Zari. Es war die richtige Entscheidung, Sara. Zweifle niemals daran", meinte Jax.
„Oh, aber ich werde zweifeln. Täglich. Vielleicht sogar stündlich. Aber im Endeffekt werde ich niemals bereuen, was ich getan habe, und daher weiß ich, dass es das Richtige war", erwiderte Sara, „Woran sollte ich mich ansonsten auch orientieren, wenn nicht daran?"
Ja, dachte Jax, Woran, wenn nicht daran?
A/N: Das nächste Kapitel wird sich Zari widmen.
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