Kapitel 6: Eine Armee im Entstehen Teil 1
Der Rest des Wochenendes verging schnell. Harry las sehr viel und schlich so oft er konnte weg, um zu trainieren. Die nächtlichen Treffen mit Sirius wurden kürzer und konzentrierten sich weniger aufs Duellieren. Sein Pate konnte einfach nicht mehr wirklich mit Harry mithalten. Harry benutzte diese Zeit, um einige neue Zaubersprüche auszuprobieren und einfach mit seinem Paten zu reden. Er berichtete dem Mann über seinen Tag und was ihm alles passiert war. Sirius im Gegenzug erzählte einige Geschichten aus seiner eigenen Zeit mit Harrys Vater, Remus und Peter in Hogwarts. Er spielte normalerweise Peters Rolle in all den Geschichten herunter, aber Harry machte das nichts aus. Es war nicht so, als ob er über den Mann nachdenken wollte, der seine Eltern verraten und sie zu ihrem Tod geschickt hatte.
Am Sonntag schickte Harry Remus durch Hedwig einen Brief. Er hatte beschlossen, dass es an der Zeit war, dem Werwolf zu helfen. Er musste Remus einige sensible Informationen übermitteln und der Brief war deshalb sehr vorsichtig formuliert.
Lieber Remus,
ich habe es geschafft, das Projekt, an dem ich gearbeitet habe, zu beenden. Ich habe ein wenig damit gekämpft, bevor ich es endlich hinbekommen habe. Ich dachte, ich könnte dir jetzt vielleicht mit deinem Problem helfen. Mein Kalender ist fast voll, aber ich bin mir sicher, dass ich die Zeit finden könnte, dir so einmal im Monat helfen zu können. Wir könnten uns an deinem alten Platz treffen.
In der Schule läuft alles gut. Wir hatten am Freitag ein Klubtreffen, das ziemlich gut gelaufen ist. Ich fange am Dienstag mit unterrichten an. Das Quidditch-Probetraining war gestern. Es lief ziemlich gut. Ich glaube, wir haben dieses Jahr ein ziemlich ordentliches Team. Nicht so gut, wie es gewesen ist, aber wir haben viele Neue, die mit etwas Übung besser werden sollten. Wir sollten auf jeden Fall nicht vernichtet werden. Lass mich wissen, ob du es diesen Monat einrichten kannst.
Pass auf dich auf,
Harry
Er war der Meinung, dass er ziemlich gute Arbeit geleistet hatte die Bedeutung gegenüber jeden zu verschleiern, der die Absicht hegen könnte, den Brief abzufangen und zugleich konnte er sich nicht vorstellen, dass Remus große Schwierigkeiten haben würde, ihn zu entschlüsseln.
Harry hielt die morgendliche Routine des Laufens auf den Ländereien und des Trainierens im Raum der Wünsche aufrecht. Es half ihm nicht nur, in Form zu bleiben; er bemerkte auch, dass es ihm half, sich gut zu fühlen. Er fühlte sich jeden Morgen nach seinem Training erfrischt. Sogar unter der Woche ließ es ihn sich bereit für den Rest des Tages fühlen.
Am Dienstagmorgen kam Hedwig, zusammen mit der üblichen Eulenpost, während des Frühstücks an. Harry nahm aufgeregt das Pergament zur Hand und sah, von wem es war. Er stopfte es in seine Tasche, um es später zu lesen. Er wollte nicht, dass sonst jemand wissen würde, was Remus geschrieben hatte.
„Von wem ist der Brief, Harry?", wollte Hermine wissen, die ihm gegenüber saß.
„Remus", antwortete Harry ihr knapp.
„Oh?", erwiderte sie. "Warum liest du den Brief nicht? Möchtest du nicht wissen, was drin steht?"
„Ich werde ihn später lesen", antwortete er mit einem warnenden Unterton in seiner Stimme.
Wenn Hermine den Unterton gehört hatte, ließ sie es nicht erkennen. „Wieso liest du ihn nicht jetzt? Ich bin sicher, wir würden alle gerne wissen, wie es ihm geht. Ich habe schon lange nichts mehr von Professor Lupin gehört und ich würde gerne wissen, was er zu sagen hat."
Harry starrte sie zornig an: „Warum schickst du ihm dann nicht selber eine Eule und fragst ihn?"
„Was soll das heißen?", fragte sie ihn sardonisch.
„Es heißt, dass manche meiner Angelegenheiten privat sind. Nur weil ich einen Brief von jemandem bekomme, heißt das nicht, dass du ihn lesen kannst. Ich frage dich nicht nach allen Details von den Briefen, die du von deinen Eltern bekommst. Die Briefe wurden an dich geschickt, nicht an mich, und ich respektiere das. Anscheinend ist es zu viel verlangt, dieselbe Höflichkeit von dir zu erwarten." Er stand von seinem Platz auf, während er sprach, und ging aus der Halle, bevor die Diskussion außer Kontrolle geriet. Hermine konnte ihn wirklich auf die Palme bringen und er wollte nicht etwas sagen, dass er später bereuen würde.
Ginny funkelte Hermine zornig über den Tisch hinweg an, wo sie neben Harry gesessen war. „Du weißt einfach nicht, wann du aufhören musst, oder?", fragte sie die Vertrauensschülerin. „Kannst du nicht sehen, dass du ihn durch dieses ständige Drängen nur immer weiter wegstößt?"
Hermine schaute Ginny scharf an: „Er kann nicht alles in sich verschlossen halten. Er muss uns sagen, was los ist."
Ginny schnaubte nur und sagte: „Du bist unglaublich." Sie folgte Harrys Beispiel, schritt aus der Halle und ließ eine deutlich aufgebrachte Hermine und einen verwirrten Ron hinter sich zurück. Sie holte Harry im Flur ein und überlegte fieberhaft, was sie zu ihm sagen könnte. Ihr fiel nichts ein, von dem sie dachte, dass es helfen würde und so sagte sie: „Hermine kann manchmal eine echte Kuh sein."
Harry drehte sich beim Klang ihrer Stimme um, überrascht, sie zu sehen. „Ja", sagte er mürrisch. „Ich weiß, dass sie es gut meint, aber sie weiß einfach nicht, wann sie aufhören muss. Sie glaubt, dass jeder mit seinen Problemen umgehen muss, indem er darüber redet. Und sie scheint zu glauben, dass sie diejenige ist, mit der ich reden sollte. Ich meine, ganz ehrlich ... Hat sie wirklich geglaubt, dass ein Heftchen über die fünf Phasen der Trauer war, was ich für meinen Geburtstag gebraucht habe?"
Ginny konnte sich nicht helfen. Sie versuchte tapfer, es zurückzuhalten, aber nichts konnte es aufhalten. Sie prustete und brach in Gelächter aus. Sie schaute Harry ins Gesicht und sah ihn sie anlächeln, als sie auf dem Boden lag und kicherte. Nachdem ihr Lachen abklang und sie anfing, wieder normal zu atmen, hielt er ihr eine Hand hin, um ihr hoch zu helfen. Sie nahm das Angebot dankbar an und er zog sie relativ leicht vom Boden hoch. „Es tut mir Leid, Harry. Ich weiß ehrlich nicht, was ich dir sagen soll. Ich habe versucht, ihr etwas Verständnis einzutrichtern und habe ihr gesagt, sie soll aufhören und dich auf sie zukommen lassen, aber sie ist unerbittlich. Sobald sie sich eine Idee in den Kopf gesetzt hat, wird sie nichts aufhalten."
„Und ob ich das weiß", erwiderte er kläglich. Er schüttelte seinen Kopf, um die Gedanken über Hermine loszuwerden und lächelte Ginny wieder an: „Danke, dass du mir gefolgt bist, Gin. Ich weiß es zu schätzen."
„Gern geschehen, Harry", antwortete sie. „Ich habe dir gesagt, dass ich für dich da sein werde, wann auch immer du mich brauchst und ich meine das so. Ich werde dich nicht um mehr Informationen drängen. Ich werde einfach da sein, wann immer du bereit bist, zu reden oder wenn du einfach etwas Gesellschaft brauchst."
„Ich weiß nicht, was ich getan habe, um dich zu verdienen, aber danke.", sagte Harry ihr.
Sie verdrehte die Augen. „Müssen wir das Ganze noch einmal durchgehen, Potter? Wenn die Tatsache nicht reicht, dass du ein guter Kerl bist und sowieso den Komfort eines wahren Freundes verdienst, dann sollte die Tatsache, dass du mein Leben ein paar Mal gerettet hast, ein ausreichender Grund sein."
Er grinste sie frech an: „Oh ich weiß. Ich genieße es nur, dich mich loben zu hören."
Sie schubste ihn an die Wand und schrie: „Du bist ein Arsch, Potter!" Sie rannte den Flur hinunter und rief über ihre Schulter zurück: "Ich geh jetzt zum Unterricht. Ich will nicht zu spät kommen." Harry lachte, während er versuchte, ihrer verschwindenden Gestalt zu folgen.
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Der Rest des Tages verlief problemloser als das Frühstück. In VgdDK und Zaubertränke redeten Harry und Hermine kaum miteinander. Harry war über Hermines beständiges Drängen nach Informationen wütend. Er hasste es, dass sie glaubte, dass sie ihn einfach wie ein weiteres Rätsel, das sie lösen musste behandelte. Sie war wütend, dass Harry sie andauernd blockierte und sie nicht teilhaben ließ. Aber als der Tag verging, ließ auch die Spannung zwischen ihnen nach.
Harry las Remus Antwort nach dem Zaubertrankunterricht. Er zog sich in sein Büro zurück, während Hermine zu Alte Runen ging. Sobald er eingetreten war, setzte er sich an seinen Tisch und öffnete den Umschlag.
Lieber Harry,
das ist großartig. Herzlichen Glückwunsch. Es bedeutet mir wirklich viel, dass du mir helfen willst. Ich denke, dass das alte Versteck gut funktionieren wird. Du weißt, wann du mich da treffen wirst.
Ich freue mich, dass es mit deinem Klub und mit Quidditch so gut zu laufen scheint. Du musst mich auf dem Laufenden halten, was deinen Unterricht angeht. Zu unterrichten kann ein sehr lohnendes Erlebnis sein, wie ich es vor ein paar Jahren feststellen konnte. Ich hoffe, dass du es genießt.
Ich kann nicht wirklich viel in einem Brief darüber erzählen, was passiert, aus offensichtlichen Gründen. Vielleicht werden wir bald die Chance haben, persönlich miteinander zu reden.
Mit freundlichen Grüßen
Remus Lupin
Er war erpicht darauf, Remus zu sehen, war aber über die Umstände, unter dem das Treffen zustande kam, nicht erfreut. Bis zum Vollmond waren es noch einige Wochen, deshalb dachte er im Moment nicht zu lange darüber nach. Er würde später genug Zeit haben, darüber nachzudenken. Stattdessen konzentrierte sich Harry auf den ersten HA-Unterricht am Abend. Da es die Anfängerklasse war, würde er sie mit denselben Sachen anfangen lassen wie er die DA letztes Jahr hatte beginnen lassen und er musste nicht viel dafür planen. Harry war trotzdem nervös. Es war eine größere Gruppe als die DA es letztes Jahr gewesen war, mit gut über 50 Mitgliedern. Er hoffte, dass er mehrere neue Mitglieder schnell in die fortgeschrittene Gruppe transferieren konnte, um die beiden Klassen schnell etwas ausgeglichener zu machen.
Nach dem Abendessen ging Harry direkt zum Raum der Wünsche, um alles vorzubereiten. Der Raum war so ähnlich wie der, den sie letztes Jahr verwendet hatten, nur größer. Eine kleine, leicht erhöhte Bühne mit einem Podium darauf war vorne im Raum. Als Harry dorthin ging, bemerkte er eine Trillerpfeife, die dort lag. Er legte sie sich um den Hals und begann darüber nachzudenken, wie er die Klasse begrüßen würde. Er würde autoritär sein müssen, wollte aber nicht unnahbar wirken. Es würde ein schmaler Grat zwischen Professor Potter und Harry sein. Er würde niemanden ihn Professor Potter nennen lassen, aber das war der Name, den er seiner HA-Persönlichkeit gegeben hatte.
Als 19:00 Uhr näher rückte, begannen die Schüler den Raum zu betreten. Harry wartete am Podium. Er hatte den Vertrag bei sich, so dass er sicherstellen konnte, dass niemand versuchen würde, sich hineinzuschleichen, der nicht Teil der Klasse war. Um 19:00 Uhr schaute er, ob jemand da war, der nicht unterschrieben hatte, aber kein rotes Leuchten war im Raum zu sehen. Harry nickte zufrieden und fing an:
„Willkommen zur ersten Unterrichtsstunde der HA. Ihr werdet damit anfangen, womit die DA letztes Jahr angefangen hat: mit den Grundlagen des Duellierens. Es ist am besten, sicherzustellen, dass ihr alle die Grundlagen habt, bevor wir zu anderen Dingen kommen. Ohne die Grundlagen wird nichts anderes wirklich von Bedeutung sein." Harry machte eine Pause, um die Informationen sacken zu lassen. „Das gesagt, werden wir damit anfangen, "Expelliarmus" zu üben."
Einiges Stöhnen war daraufhin von ein paar der älteren Schüler zu hören, aber Harry hielt seine Hand hoch, um Beschwerden zuvorzukommen. „Ich werde euch dasselbe sagen, was ich der DA letztes Jahr gesagt habe: dieser Zauberspruch hat mein Leben gegenüber Voldemort gerettet." Das übliche scharfe Einatmen bei der Nennung des Namens war durch die Menge hindurch zu hören. Harry machte sich nicht die Mühe, ihnen zu sagen, dass in Wirklichkeit die Tatsache, dass er und Voldemort Bruderzauberstäbe hatten, sein Leben gerettet hatte. Was sie nicht wussten, konnte ihnen nicht weh tun.
„Diejenigen von euch, die zeigen, dass sie den Zauberspruch beherrschen, werden schnell weiterkommen. Aber für den Moment möchte ich, dass ihr zu zweit zusammengeht und anfangt, zu üben. Ich möchte, dass ihr abwechselnd den Zauberspruch aufeinander richtet. Ich möchte keine anderen Zaubersprüche außer Expelliarmus sehen. Das bedeutet auch keine Schutzzauber. Ich muss sehen, wie stark euer Zauberspruch ist. Es bringt nichts, wenn ihr nicht einmal den Zauberstab aus der Hand eures Gegners reißen könnt. Nun, los jetzt, teilt euch auf."
Harry wartete, als sie seinen Anordnungen folgten: „Beginnt." Und sie begannen. Harry wanderte durch die Gruppe und korrigierte jeden, bei dem es nötig war. Er freute sich, zu sehen, dass niemand versuchte, einen anderen Zauberspruch zu zaubern. Einige der älteren Schüler zauberten nur halbherzig. Harry ging zu einem dieser Schüler hin. Harry war der Meinung, dass er ein Ravenclaw im siebten Schuljahr war, war sich aber nicht sicher.
„Versuch den Zauberspruch mal an mir", sagte Harry zu dem Jungen. Er zog seinen Zauberstab hervor und wartete, als dieser die Zauberstabbewegungen machte und den Zauberspruch auf Harry losließ. Harry nahm ihn auf und zuckte wegen des Aufpralls, aber hielt den Zauberstab fest in der Hand. „Das ist einer der schwächsten Zaubersprüche, die ich je gefühlt habe. Du hättest Probleme damit, einen Erstklässler zu entwaffnen. Nun, wenn ich euch sage, dass ihr einen Zauberspruch üben sollt, dann meine ich das auch. So etwa:", Harry bewegte seinen Zauberstab und rief: „Expelliarmus."
Der Ravenclaw verlor den Boden unter den Füßen und wurde mehrere Meter nach hinten geschleudert, während sein Zauberstab durch die Luft flog. Harry hielt seine Hand aus und fing den Zauberstab auf, als dieser an ihm vorbeiflog. „Siehst du den Unterschied? Zaubere ordentlich oder du blamierst dich schlussendlich nur. Jetzt übe weiter mit deinem Partner." Er wandte sich an den Rest der Klasse, der aufgehört hatte zu üben um ihm zuzuschauen. „Ihr alle: Übt weiter", ordnete er an.
Der Rest des Unterrichts verlief ohne Probleme. Er bat ein paar Schüler, die alle sehr gut mit den Zaubersprüchen, die er sie üben hatte lassen, zurecht gekommen zu sein schienen nach dem Unterricht da zu bleiben. Unter diesen Schülern waren Blaise Zabini und Daphne Greengrass von Slytherin, Lisa Turpin und Stephen Cornfoot von Ravenclaw, Walter Gatton von Hufflepuff und Rob Bankston und Julie Wesmer von Gryffindor.
Als die anderen Schüler alle gegangen waren, sprach er sie an: „Ihr habt alle vielversprechende Ansätze gezeigt und ich würde mir gerne ein wenig Zeit nehmen, um euch alle noch ein wenig zu testen, um zu sehen, ob ihr für die Fortgeschrittenenklasse bereit seid", erklärte er ihnen. „Ich werde euch ein paar verschiedene Zaubersprüche und Flüche zaubern lassen, sowie Protego, um euch zu schützen. Wenn ihr einen der Zaubersprüche nicht kennt, den ich euch ausprobieren lassen will, zögert nicht, mich zu fragen, wie er funktioniert. Wenn ihr bereits alle Zaubersprüche kennt, werde ich euch sofort in die andere Klasse schicken. Wenn ihr nicht alles wisst, werde ich sicherstellen, dass ihr sie bald kennt, so dass ihr so schnell wie möglich der Fortgeschrittenenklasse beitreten könnt. Ich werde niemanden beitreten lassen, bis ihr alles vollständig nachgeholt habt."
Harry ging mit ihnen in kurzer Zeit einen ganzen Haufen Zaubersprüche durch. Sie hatten alle die meisten Zaubersprüche gekannt. Manche hatten mit einigen Zaubersprüchen Probleme gehabt, aber das war schnell behoben. Nach einer Stunde Zusammenarbeit mit ihnen war er mit den Ergebnissen zufrieden. „Sehr gute Arbeit ihr alle. Ich denke, ihr seid für die Fortgeschrittenenklasse bereit. Die erste Stunde ist morgen um 19:00 Uhr. Seid pünktlich." Damit entließ Harry sie.
Harry war zufrieden, wie die erste Stunde verlaufen war. Es hatte keine Infragestellung seiner Autorität gegeben. Jeder hatte nach der Demonstration mit dem Ravenclaw größtenteils seinen Instruktionen ohne Beschwerde Folge geleistet. Harry hatte gemerkt, dass sogar die Slytherins seinen Anweisungen widerstandslos Folge leisteten, worüber er sehr erfreut war. Sie hatten einen rebellischen Eindruck gemacht, als er gesagt hatte, dass sie mit Expelliarmus beginnen würden, vor allem Zabini. Aber nachdem er versprochen hatte, dass die fortgeschritteneren Mitglieder die Chance bekommen würden, sich zu beweisen, gefolgt von der Demonstration mit dem Ravenclaw, waren alle merklichen Proteste im Keim erstickt.
Harry war sich nicht sicher, wie seine ehemalige DA auf die neuen Mitglieder reagieren würde, die morgen zu ihnen stoßen würden, aber sie würden sich daran gewöhnen müssen. Er war vor allem darüber besorgt, wie die Slytherins behandelt werden würden. Es gab eine kleine Gruppe in der Anfängerklasse, sie konnten deshalb wenn nötig zusammenhalten. Morgen würden nur zwei Slytherins in der fortgeschrittenen Klasse sein.
Im Unterricht hatte es zwischen den Schülern keine Konflikte gegeben, aber Harry konnte sehen, dass die restlichen Schüler misstrauisch gegenüber den Slytherinmitgliedern waren. Die Spannung zwischen den anderen drei Häusern und dem Haus der Schlangen war greifbar. Harry wusste, er würde ein Auge darauf haben müssen. Er hoffte, dass alle in der Lage sein würden, über die Hauszugehörigkeit hinwegsehen zu können und sich gegenseitig als Mitglieder der HA zu akzeptieren, aber er erwartete keine umfassenden Veränderungen über Nacht. Er wusste, sie würden Zeit brauchen, um sich gegenseitig zu vertrauen. Aber er würde mit ihnen daran arbeiten.
Er kehrte zum Gemeinschaftsraum zurück und sah, dass seine Freunde auf ihn warteten. Sobald er bei ihnen war, begannen sie ihm Fragen zu stellen.
„Wie ist es gelaufen? Habt ihr heute viel zustande gebracht?", fragte Hermine eifrig.
Ron, andererseits fragte etwas beißend: „Haben dir die Slytherins Probleme bereitet? Ich weiß nicht, warum du sie überhaupt hast beitreten lassen, Harry. Es ist mir egal, dass sie den Vertrag unterschrieben haben den du geschrieben hast. Die machen nur Schwierigkeiten, jeder einzelne von ihnen."
Hermine unterbrach ihre Fragen, die sie an Harry hatte, um Ron zurechtzuweisen. „Das ist genau die Einstellung, die verhindert, dass wir Fortschritte mit der Zusammenführung der vier Häusermachen, Ronald Weasley. Wenn du einfach deinen Mund halten und deine Augen aufmachen würdest, könntest du feststellen, dass nicht alle Slytherins Draco Malfoy sind."
„Sie müssen nicht Draco Malfoy sein, um böse zu sein. Sie sind Schlangen, Hermine. Jeder einzelne von ihnen ist böse. Vertrau mir, umso weniger wir mit ihnen zu tun haben, umso besser."
„Ich kann mit Schlangen reden, weißt du", unterbrach Harry die Argumentation seines Freundes. „Macht mich das böse?"
Ron drehte sich zu Harry um und sah ihn an, als sei ihm ein zweiter Kopf gewachsen. „Wovon redest du, Kumpel? Natürlich bist du nicht böse. Es spielt keine Rolle, ob du mit Schlangen reden kannst. Der Punkt ist, dass sie Slytherins sind. Du bist ein Gryffindor, Kumpel."
„Der sprechende Hut wollte mich nach Slytherin stecken", informierte Harry seine Freunde. "Er hat mich nur nach Gryffindor geschickt, weil ich ihn darum gebeten habe." Ron sah ob dieser Aussage geschockt aus. Hermine lächelte ihn an. „Und falls du es vergessen hast", fügte Harry hinzu. „Peter Pettigrew war auch ein Gryffindor."
Ron wurde bei dieser Aussage leichenblass. Hermine sah selbstzufrieden aus. Sie schien sich zu freuen, dass Ron endlich auf seinen Platz verwiesen und über die Slytherins aufgeklärt worden war. Er konnte manchmal wirklich starrköpfig und stur sein.
„Wie auch immer", sagte Harry und brach damit die Stille, die über das Trio gekommen war. „Die Klasse ist gut gelaufen. Wir werden morgen ein paar neue Mitglieder haben. Ich muss noch einiges lesen, bevor ich ins Bett gehe, wir sehen uns also morgen."
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In dieser Nacht sprach Harry mit Sirius über seinen ersten HA-Unterricht und über die Antwort, die er von Remus bekommen hatte. Sirius war außer sich vor Freude, dass Harry dort weitermachen würde, wo er und James aufgehört hatten und Remus bei seiner monatlichen Verwandlung helfen würde. Harry erzählte, was sie im Unterricht durchgenommen hatten und dass er bereits einige Schüler in die Fortgeschrittenenklasse geschickt hatte. Er teilte seine Sorgen über die beiden Slytherins mit, die am nächsten Abend zum Unterricht kommen würden. Es war einfacher, die Slytherins in der anderen Klasse zu haben, nicht nur weil es mehr Slytherins waren, sondern auch, weil die gesamte Klasse neu war.
Blaise und Daphne würden zu einer schon etablierten Gruppe stoßen. Und es waren nur sie beide von Slytherin. Harry glaubte nicht, dass die anderen große Probleme haben würden, die neuen Gryffindors, Hufflepuffs und Ravenclaws zu akzeptieren, da sie bereits Menschen aus ihren Häusern dort hatten. Das würde ihnen einen guten Start geben um sich wohl zu fühlen. Die Slytherins hatten diesen Luxus nicht.
Was Harry jedoch am meisten Sorgen machte, war die Tatsache, dass er nicht einmal bei seinen besten Freunden auf Unterstützung hoffen konnte. Er wusste, Ron würde morgen ein Problem sein, wenn Daphne und Blaise auftauchten. Ron würde ein Auslöser sein und Harry wusste, dass die anderen sich ihm anschließen würden. Ron hatte wirklich ein furchtbares Temperament und er war so sturköpfig, dass er niemals außerhalb seiner kleinen Welt dachte. Hermine würde auf Harrys Seite sein, was die Akzeptanz in die Gruppe anging, aber sie würde höchstwahrscheinlich aus der Haut fahren, was Ron betraf, was die Angelegenheit nur schlimmer machen würde.
Harry war nicht ganz sicher, was er von Ginny erwarten sollte. Hoffentlich würde sie keine großen Schwierigkeiten haben, die Slytherins zu akzeptieren und vielleicht würde sie sogar helfen können, eventuelle Diskussionen, die zwischen Ron und Hermine aufkommen könnten, zu schlichten. Neville war einfach zu schüchtern und sanftmütig, um eine große Hilfe oder ein großes Problem zu sein und Luna war einfach Luna. Harry hoffte nur sehr, dass er kein Nachsitzen verteilen oder Hauspunkte von einem seiner Freunde wegnehmen müsste. Sirius hörte Harrys Sorgen geduldig zu. Er war ohne Ende amüsiert, als Harry Ginny zur Sprache brachte. Harry musste eine Menge Neckereien über seine Freundschaft mit dem rothaarigen Mädchen einstecken, aber er ignorierte es. Sein Pate versuchte ihn nur auf die Palme zu bringen, aber Harry entdeckte, dass es ihm gar nicht so viel ausmachte.
Sirius warnte ihn davor, dass er es nicht zu eilig haben sollte, Strafen auszuhändigen, da es schnell zu einem Gefühl der Verbitterung führen konnte. Er sagte, dass dies immer ein interessanter Punkt bei den Rumtreibern gewesen war, nachdem Remus Vertrauensschüler und James Schulsprecher geworden war. Wenn die Gefühle aufgeputscht waren und einer von ihnen ihre Autorität ausgespielt hatte, war der Konflikt daraufhin nur eskaliert. Dieser Ratschlag ließ Harry sich nur noch mehr Sorgen machen, aber er war fest entschlossen, jeden Konflikt schnell und mit jedem notwendigen Mittel aufzulösen. Sollten seine Freunde wütend auf ihn werden, würden sie irgendwann darüber hinwegkommen.
Und das war die Einstellung, mit der Harry seinen HA-Unterricht am Mittwochabend leitete. Er kam früh an, um sicherzustellen, dass alles perfekt vorbereitet war und dass er bereit war, wenn es 19:00 Uhr sein würde. Ron, Hermine, Ginny und Neville waren die ersten, die kamen; sie betraten um viertel vor sieben den Raum. Harry lächelte ob dieser Geste der Unterstützung seiner Freunde. Luna kam nicht viel später und der Rest der Klasse kam kurz danach.
Als Blaise und Daphne eine Minute vor sieben Uhr durch die Tür traten, konnte Harry fühlen, wie die Atmosphäre um ihn herum eisig wurde. Ron funkelte die Neuankömmlinge genauso wie einige andere Mitglieder offen an, unter anderen Dean Thomas, Seamus Finnigan und Zacharias Smith, um ein paar beim Namen zu nennen. „Was machen die hier?", fauchte Ron.
„Sie sind wegen dem Unterricht hier", sagte Harry unbewegt. „Ich habe dir gesagt, dass wir heute Abend ein paar neue Mitglieder haben würden."
„Du hast mir nicht gesagt, dass es Slytherins sein würden", schrie Ron fast. Seine erhobene Stimme weckte die Aufmerksamkeit von den meisten im Raum.
„Das ist kaum relevant", erwiderte Harry eisig. „Wie ich letzten Freitag gesagt habe, spielen die Häuser in diesen Klassen keine Rolle. Ich werde jeden gleich behandeln, egal zu welchem Haus sie gehören. Sie wissen beide genug, um einen Platz in dieser Klasse zu verdienen, und deshalb sind sie beide hier."
„Aber wie kannst du ihnen vertrauen", fragte Ron ungläubig. „Du unterrichtest den Feind."
„Slytherins sind nicht der Feind, Ron", schaltete Hermine sich ein. „Ich bin sicher, wenn wir sie in unserer Mitte willkommen heißen, werden wir feststellen, dass die meisten von ihnen wirklich ziemlich nett sind."
„Klar", erwiderte Ron beißend. „Lasst uns alle eine große Gruppenumarmung mit den Schlangen veranstalten. Das hört sich einfach super an."
„Du bist unmöglich", kreischte Hermine. „Du bist wirklich nicht besser als Malfoy. Du behandelst Slytherins genauso wie er Muggelgeborene behandelt."
„Ich kann nicht fassen, dass du sie verteidigst", fauchte Ron. „Sie sind Slytherins, Hermine. Es ist nicht so, als hätten sie nichts getan, um es nicht zu verdienen. Habe ich nicht Recht?", Hier fragte Ron die Gruppe, genau das, wovor Harry Angst gehabt hatte. Es gab ein paar zustimmende Kopfbewegungen und ein paar sprachen ihre Zustimmung aus. „Slytherins haben uns seit Jahren verhöhnt und angegriffen. Sie kämpfen immer mit schmutzigen Tricks. Wir können ihnen nicht vertrauen. Das ist lächerlich." „
Ron, du bist Vertrauensschüler. Du solltest ein gutes Vorbild sein", dozierte Hermine. „Ehrlich, warum sie jemals geglaubt haben, dass du ein guter Vertrauensschüler sein würdest, werde ich nie verstehen. Ich muss dich zu allem zwingen."
Während des ganzen Spektakels waren Blaise und Daphne an der Wand gestanden und hatten zugeschaut, wie sich alles entwickelte. Sie waren nicht glücklich mit dem Empfang, den sie erhalten hatten, noch waren sie überrascht. Sie beobachteten neugierig, als die Freunde miteinander über sie stritten. Sie mochten keiner der beiden Wege, wie die beiden alles behandelten. Weasley war ein starrköpfiger Idiot und Granger verhielt sich wie ein Philanthrop, der ihnen einen Gefallen tat. Die Slytherins in ihrer Mitte willkommen heißen ...dachte sie wirklich so? Der Streit war ihnen aber ziemlich egal. Es war Harrys Reaktion, die sie wirklich interessierte. Sie wurden nicht enttäuscht.
„Das ist genug!", blaffte Harry laut. „Hermine, jetzt ist nicht die geeignete Zeit dafür. Wenn du Probleme mit Ron hast, klär sie außerhalb der Klasse." Ron sah zufrieden aus, als Hermine angeschrien wurde. Sein Lächeln verschwand, als Harrys finsterer Blick sich auf ihn richtete. „Noch ein Wort von dir, Ron und du wirst die restliche Woche mit Nachsitzen verbringen. Sie sind hier, weil ich sie eingeladen habe. Wenn sie nicht vertrauenswürdig wären, hätten sie überhaupt nicht beitreten können. Das habe ich sichergestellt. Wenn es dir nicht gefällt, steht es dir frei, jederzeit zu gehen. Wenn du planst zu bleiben, dann wirst du dich daran gewöhnen müssen. Ich will nichts mehr darüber hören. Habe ich mich klar ausgedrückt?"
Ron funkelte Harry zornig an, antwortete aber nicht. Harry redete nun zu allen: „Das gilt auch für euch. Ich werde so ein Verhalten nicht tolerieren. Jeder, der hier ist, ist von mir willkommen geheißen. Ich erwarte von euch allen, miteinander arbeiten zu können, während ihr hier seid. Wenn ihr euch außerhalb dieses Unterrichtes hassen wollt, werde ich euch nicht aufhalten.
Nun, wir werden damit weitermachen, womit wir letztes Jahr aufgehört haben: mit dem Patronuszauber. Wie die meisten von euch inzwischen wissen sollten, haben sich die Dementoren Voldemort angeschlossen", wieder ging ein kollektives Zittern, begleitet von mehreren Abrupten nach Luft schnappen bei der Erwähnung dieses Namens durch die Menge. Harry hielt inne und schüttelte seinen Kopf: „Ihr werdet euch alle daran gewöhnen müssen, den Namen zu hören. Beziehungsweise ich werde euch auch daran gewöhnen müssen, den Namen zu sagen. Jeder, der irgendein dummes Pseudonym wie Du-weißt-schon-wer oder Er-dessen-Namen-nicht-genannt-werden-darf oder Dunkler Lord in diesem Unterricht verwendet, wird Hauspunkte verlieren. Ihr seid alle hier, weil ihr lernen wollt, euch zu wehren. Wenn ihr Voldemort so sehr fürchtet, dass ihr nicht einmal seinen Namen verwenden könnt, werdet ihr nutzlos sein, wenn er je auftauchen sollte."
Er musterte die Gruppe und war zufrieden, dass seine Botschaft deutlich verstanden worden war. „Nun gut. Nun, da das geklärt ist, lasst uns anfangen. Der Patronuszauber ist selbst unter den besten Umständen schwer zu meistern und benötigt intensive Konzentration. Kann mir jemand sagen, was der wichtigste Aspekt des Zaubers ist?" Harry schaute die Gruppe von Schülern an. Wenig überraschend schoss Hermines Hand sofort in die Höhe. Mehrere andere hoben ihre Hand ebenfalls. „Cho", wählte Harry aus.
Sie lächelte Harry strahlend an und stand auf. Sie sagte: „Damit der Patronuszauber richtig funktioniert, muss der Zauberer an eine besonders glückliche Erinnerung denken."
„Du hast Recht", lobte Harry sie. „Das ist die üblichste Erklärung, die man in einem Buch finden würde. Sie ist jedoch unvollständig. Kann mir jemand sagen, warum?" Nicht einmal Hermine hob dieses Mal ihre Hand. Tatsächlich schien sie beleidigt darüber zu sein, dass Harry andeutete, dass er mehr über den Zauber wusste als die Sachbücher.
„Man kann einen Patronus mit einer glücklichen Erinnerung heraufbeschwören, aber es ist nicht unbedingt notwendig. Es ist wichtig, sich auf einen sehr positiven Gedanken oder ein sehr positives Gefühl zu konzentrieren. Ihr müsst euch in dieses Gefühl hineinversetzen, während ihr den Zauber ausführt, um einen gestaltlichen Patronus beschwören zu können. Eine glückliche Erinnerung wird meistens einfach verwendet, weil es ein einfacher Weg ist, positive Gefühle heraufzubeschwören. Wenn ihr eine besondere Person oder ein Erlebnis mit diesem mächtigen Gefühl verbindet, werdet ihr feststellen, dass euer Patronus oft eine Gestalt annimmt, die auf eine Weise an diese Person erinnert. Zum Beispiel habe ich an meinen Vater gedacht, als ich das erste Mal einen Patronus heraufbeschworen habe und er hat die Gestalt von Dad's Animagus, einen Hirsch, angenommen. Wie ihr durchs Leben geht, werdet ihr vielleicht feststellen, dass euer Patronus seine Gestalt verändert, je nachdem, wo ihr eure glücklichsten Gedanken findet.
Nun, die richtige Zauberstabbewegung geht so: " Harry führte die Zauberstabbewegungen auf der Bühne vor. „Die Zauberformel ist Expecto Patronum." Ein silberner Hirsch brach aus seiner Zauberstabspitze hervor und galoppierte auf der Bühne umher, während die Schüler applaudierten. "Nun, ich möchte, dass ihr euch ein paar Minuten auf glückliche Gedanken und Erinnerungen konzentriert, bevor ihr es versucht. Denkt daran: umso mächtiger die Emotion ist, die ihr fühlt, umso besser wird das Ergebnis sein."
Die Schüler schauten sich kurz an, bevor sie sich der Aufgabe widmeten. Die meisten schlossen ihre Augen, als sie ihre Gedanken nach den glücklichsten, die sie hatten, durchforsteten. Innerhalb weniger Minuten hatten die meisten ein Lächeln auf ihrem Gesicht, als sie sich an ihrem Glücksgefühl weideten. Es gab jedoch Ausnahmen. Ron insbesondere schaute noch immer finster. Blaise Zabinis Gesicht war ausdruckslos. Hermine sah ein wenig verärgert aus, hatte aber größtenteils einen Ausdruck der Konzentration auf dem Gesicht.
Schließlich sagte Harry: „Wenn ihr denkt, ihr seid bereit, könnt ihr anfangen." Nur ein paar blieben ruhig stehen, während der Rest der Klasse begann, ihre Zauberstäbe zu bewegen und die Worte "Expecto Patronum" waren überall im Zimmer zu hören. Es hatte letztes Jahr nur zwei Leute gegeben, die in der Lage gewesen waren, einen gestaltlichen Patronus zu zaubern, bevor der Unterricht unterbrochen worden war. Harry erinnerte sich deutlich an die Unterrichtsstunde, nicht nur, weil es das letzte DA-Treffen gewesen war, sondern es war auch der Tag gewesen, an dem Dumbledore Hogwarts verlassen hatte. Er erinnerte sich, wie schlecht er sich gefühlt hatte, dass es sein Klub gewesen war, der die Ursache für Dumbledores Probleme mit dem Gesetz war. Sie hatten versucht, ihn zu verhaften. Er erkannte nun, dass es irgendwann sowieso passiert wäre. Es war nur eine Frage der Zeit gewesen, bis sie ihn aus Hogwarts herausbekommen hatten und Umbridge als vorläufige Schulleiterin eingesetzt hatten.
Harry riss sich aus seinen Gedanken los und schaute im Raum umher. Er sah schnell Chos Schwanenpatronus, da es der einzige gestaltliche Patronus im Raum war. Er kratzte sich am Kinn, während er Hermine suchte, um zu sehen, was mit ihrem Otter passiert war. Er entdeckte ihr buschiges braunes Haar sehr schnell, sah aber, dass sie mit dem Zauber zu kämpfen hatte. Sie konnte einen dichten, silbernen Nebel heraufbeschwören, der so aussah, als würde er jederzeit eine Gestalt annehmen, es aber nicht ganz schaffte.
Harry beschloss, ein Auge auf seine Freundin zu haben, als er begann, herumzugehen und denjenigen, die Probleme hatten, seine Hilfe anzubieten. Er gratulierte Cho zu ihrem Schwan und bat sie noch ein paar Mal zu üben und dann den anderen mit dem Zauberspruch zu helfen. Er korrigierte den Griff und die Zauberstabbewegungen von einigen Leuten und ermutigte diejenigen, die Nebel herbeizauberten, sich stark auf ihre glücklichen Erinnerungen zu konzentrieren oder etwas Besseres zu finden, um sich darauf zu konzentrieren.
Er erreichte schließlich Hermine, die zu ihrer großen Bestürzung immer noch nur einen dichten silbernen Nebel heraufbeschwören konnte. Sie sah bereits unheimlich frustriert aus. Er fragte sie: „Wie läufts, Hermy?"
Sie schmollte halb, halb lächelte sie über den Spitznamen, den Hagrids Riesenhalbbruder Grawp ihr gegeben hatte. „Ich kanns einfach nicht. Letztes Mal konnte ich es, und jetzt nicht. Ich versteh nicht warum." Man konnte die Anspannung in ihrer Stimme fast fühlen.
„Hermine, bist du frustriert?", fragte Harry sie ohne Umschweife.
„Klar bin ich das", blaffte sie. „Letztes Jahr konnte ich es und jetzt nicht."
„Nun, hast du schon daran gedacht, dass das ein Teil des Problems sein könnte?", fragte er sie ruhig.
„Was meinst du?"
„In dieser Verfassung wirst du nie einen Patronus heraufbeschwören können. Nimm dir fünf oder zehn Minuten, um dich hinzusetzen, dich zu entspannen und zu beruhigen. Suche ein paar glückliche Gedanken, um dich darauf zu konzentrieren und versuche es dann noch einmal. Ich garantiere, dass das helfen wird."
Sie lächelte zögerlich und drehte sich zu einer der Wände, an der plötzlich ein Sofa auftauchte. Sie grinste in den Raum und ging zum Sofa. Sie setzte sich, schloss ihre Augen und begann sich zu entspannen. Harry wandte sich zu Ron, der noch immer finster schaute und überhaupt kein Glück damit hatte, etwas heraufzubeschwören.
„Du wirst nie etwas heraufbeschwören, wenn du so weiter machst", sagte Harry seinem Freund.
„Was weißt du schon?", fragte Ron scharf
„Ich weiß, dass du gerade verärgert bist und dass du dich nicht wirklich auf glückliche Gedanken konzentrierst."
„Und woher willst du das wissen?", fragte er.
„Nun, mein erster Hinweis war dein finsterer Gesichtsausdruck. Der leicht zorngerötete Ausdruck war ein anderer. Die Tatsache, dass fast alle in diesem Raum außer dir lächeln, hat geholfen diese Schlussfolgerung zu unterstützen. Außerdem ist da noch die Tatsache, dass du zu Beginn des Unterrichts ziemlich aufgebracht warst", erklärte Harry offen.
„Nun, wenn ich nicht ein Auge auf die verdammten Slytherins haben müsste, würde ich es vielleicht etwas einfacher finden, mich zu entspannen", antwortete Ron eisig.
„Ich warne dich jetzt gleich, Ron. Ich werde dein Verhalten in meinem Unterricht nicht dulden. Blaise und Daphne sind hier, weil ich sie eingeladen habe. Ich verspreche dir, dass du dir über sie keine Sorgen machen musst. Ich verstehe, dass du lebenslange Vorurteile und Stereotypen überwinden musst, aber nicht jeder Slytherin ist automatisch böse. Nicht jeder Slytherin ist ein Malfoy oder ein Tom Riddle. Wenn du das nicht verstehen kannst, dann respektiere mich wenigstens genug, dass ich das handhaben kann, sollte es außer Kontrolle geraten, aber ich werde keine weiteren Ausbrüche wie heute tolerieren, okay?" Harry kämpfte mit sich, nicht seine Stimme zu erheben, was seinen starrköpfigen Freund anging.
„Was auch immer Sie sagen, Professor", erwiderte Ron, wandte Harry seinen Rücken zu und beendete damit das Gespräch.
Harry seufzte und setzte seine Runde fort. Er stellte sicher, dass er zu jedem neuem Mitglied ging, um sie willkommen zu heißen und Rat anzubieten. Alle anderen hatten bereits eine Unterrichtsstunde gehabt, nun, eine halbe zumindest, aber die neuen Mitglieder benutzten den Zauberspruch höchstwahrscheinlich zum ersten Mal. Als er Blaise und Daphne erreichte, die beiden Slytherins, sah er sich verpflichtet, sich für das Verhalten der Klasse zu entschuldigen.
„Das tut mir alles leid", sagte er ihnen und deutete allgemein in den Raum. „Sie sind wirklich keine schlechten Leute, sie haben einfach nur über manche Dinge die falsche Idee. Sie werden sich eventuell beruhigen." ‚Hoffentlich', fügte er gedanklich hinzu.
Blaise nickte zustimmend. „Mach dir keine Sorgen, Harry. Wir haben nicht wirklich eine herzliche Begrüßung erwartet."
„Aber wir schätzen die Tatsache, dass du dich für uns einsetzt", sagte Daphne aufrichtig, als sie das Wort ergriff. „Es ist nicht einfach, nicht mit seinen Freunden einer Meinung zu sein. Es ist gut zu wissen, dass du bereit bist, das für uns zu tun."
Harry schaute einen Moment zu Boden, während er versuchte, angesichts dieses Lobes die Röte nicht in sein Gesicht steigen zu lassen: „Es war das Mindeste, das ich tun konnte. Ich habe euch versprochen, dass ich fair sein würde, und ich habe es so gemeint. Ich wünschte nur, ich könnte es den anderen zu verstehen geben. Es gibt einige hier, bei denen ihr entdecken werdet, dass sie überhaupt kein Problem mit euch haben, aber das sind unglücklicherweise nicht die lautstärksten." Harry schüttelte seinen Kopf, um diesen frei zu bekommen und wechselte das Thema. „Nun, genug darüber. Wie läuft es mit euren Patroni Lasst sehen, was ihr könnt."
Blaise konnte einen dicken Nebel heraufbeschwören, der - ähnlich wie Hermines - kurz davor zu stehen schien, eine Gestalt anzunehmen, es aber noch nicht ganz konnte. Daphne dagegen produzierte kaum Ergebnisse. Er bemerkte, dass ihr Griff ein wenig locker war, was dazu führte, dass einige ihrer Zauberstabbewegungen ihre Präzision verloren. Also sagte er etwas: "Daphne, versuch deinen Zauberstab etwas fester in der Hand zu halten. Es sollte helfen, dass deine Zauberstabbewegungen akkurater werden."
Sie nickte ihm zu und versuchte es wieder, dieses Mal mit einem festeren Griff. Als sie die Zauberspruchformel "Expecto Patronum" sprach, brach eine helle, silbrige Wolke aus ihrem Zauberstab. Sie schien zu versuchen, etwas zu formen, aber die Umrisse waren undeutlich. Es sah wie irgendeine Art von Vogel aus. Ein strahlendes Lächeln war auf ihrem Gesicht und sie wandte sich an ihn: „Danke Harry."
Er erwiderte ihr Lächeln und sagte: „Jederzeit. Mach weiter so und in null Komma nichts solltest du einen gestaltlichen Patronus heraufbeschwören können." Er wandte sich Blaise zu, der seiner Freundin gratulierte. „Deiner ist kurz davor, eine Gestalt anzunehmen, aber etwas scheint es zurückzuhalten. Du könntest versuchen, einen anderen Gedanken oder eine andere Erinnerung herauszusuchen und schauen, ob das hilft." Blaise nickte. „Nun, weiter so, ihr zwei. Ich geh dann mal weiter." Sie winkten ihm zu, als er weiterging, um anderen mit dem Zauber zu helfen.
Als der Unterricht fast vorbei war, war Daphne in der Lage, einen Falkenpatronus heraufzubeschwören. Blaises Patronus nahm undeutlich die Gestalt einer bärenähnlichen Kreatur an. Hermine konnte den Otter, den sie letztes Jahr schon heraufbeschworen hatte, wieder heraufbeschwören und einige andere fügten ihr eigenes Tier zu der Meute hinzu. Harry ging zurück zum Podium. Er hob die Pfeife, die er sich vor Beginn des Unterrichts um seinen Hals gelegt hatte, an seine Lippen und blies, um die Aufmerksamkeit der Klasse auf sich zu lenken.
„Danke", sagte er, als jeder mit dem aufhörte, was er gerade tat und sich zu ihm wandte. „Wir sind kurz vor dem Ende. Ich möchte allen gratulieren, die es geschafft haben, einen gestaltlichen Patronus heraufzubeschwören. All diejenigen, die keine Gestalt heraufbeschwören konnten: lasst euch nicht entmutigen. Es ist wirklich fortgeschrittene Magie, die viele erwachsene Zauberer nicht können. Wir werden am Sonntag am Unterrichtsanfang die Patroni wiederholen, bevor wir weitermachen. Ich möchte euch darauf aufmerksam machen, daSs es im Unterricht am Sonntag ein wenig körperliche Aktivitäten geben könnte, und ich rate euch deshalb, euch angemessen anzuziehen. Danke noch einmal für euer Kommen."
Das gesagt ging er vom Podium weg und die meisten verließen den Raum. Hermine, Ginny, Neville, Luna und überraschenderweise Cho blieben zurück. Ron ging zusammen mit den anderen, offensichtlich noch immer verärgert. Die anderen vier blieben auf einer Seite des Raumes, als Cho zu Harry ging. „Ich wollte nur sagen, dass es heute eine sehr gute Unterrichtsstunde war, Harry", sagte sie mit einem warmen Lächeln.
„Äh, danke, Cho", erwiderte Harry ein wenig unbehaglich angesichts des Blickes, den sie ihm zuwarf. „Ich bin dankbar für deine Unterstützung."
„Jederzeit, Harry", antwortete sie. Sie blinzelte ihm zu und tänzelte aus der Tür. Harry beobachtete sie für einen Bruchteil eines Momentes, bevor er seinen Kopf schüttelte, um diesen frei zu bekommen.
Harry ging zu seinen Freunden, die ihm alle einen fragenden Blick zuwarfen. Er ignorierte sie und fragte: „Und, was denkt ihr?"
Sie im Gegenzug ignorierten seine Frage. Es war Ginny, die die Frage stellte, die sie alle im Kopf hatten: „Und, was wollte Miss Chang?" Hinter ihrer Frage war eindeutig ein suggestiver Unterton versteckt.
Harry rollte mit seinen Augen und antwortete: „Sie wollte mir nur sagen, dass es eine gute Stunde war."
„Oh, ich bin mir sicher", spottete Hermine neckend. „Und sie musste einfach warten, bis alle anderen den Raum verlassen hatten, um dir das sagen zu können, nicht wahr?"
Harry zuckte mit den Schultern: „Ich bin der letzte, den du fragen solltest, um zu verstehen, was in dem Kopf eines Mädchens abläuft. Ich dachte, sie wäre jetzt sowieso mit Michael Corner zusammen. Also, was geht schon wieder in euren Köpfen vor sich?"
„Haben wir da einen wunden Punkt getroffen, Harry?", wollte Ginny wissen.
„Sei nicht albern", Harry winkte willkürlich mit seinem Arm. „Was auch immer zwischen Cho und mir war, ist vorbei und ohne Belang."
„Ich wäre mir da nicht so sicher, Harry. Zumindest nicht was Cho angeht. Hast du nicht gesehen, wie sie ihre Hüften bewegt hat, als sie gegangen ist?" stichelte Hermine.
„Was auch immer", Harry weigerte sich, auf die Spötteleien einzugehen. Er hatte wirklich keine Gefühle mehr für Cho und ihre Neckereien hatten daher wenig Wirkung auf ihn. Sie war nur eine Freundin und ein HA-Mitglied.
Sie schienen das ebenfalls zu erkennen und ließen das Thema fallen, obwohl das auch aufgrund von Lunas Kommentar hätte sein können: „Es ist gut zu sehen, dass du endlich geschafft hast die blaubäuchigen Glazers abzuwehren, die deiner Sicht geschadet haben, Harry. Ich nehme an, dass ist der Grund, warum du keine Brille mehr brauchst und du ihre wiegende Hüfte hast sehen können." Sie sagte das ohne Gefühlsregung, während sie über Nevilles Schulter hinweg auf etwas sah, dass anscheinend nur sie sehen konnte.
Neville schaute kurz die anderen an, bevor er mit einem einfachen: „Oh." antwortete.
Ginny brach die Stille, die dieser Aussage folgte. „Was sagt ihr dazu, dass wir von hier verschwinden?" Sie führte sie aus der Tür hinaus.
Luna ging ihren Weg zum Ravenclawgemeinschaftsraum und der Rest zum Porträt der Fetten Dame und dem Gryffindorgemeinschaftsraum. Als sie durch die Korridore liefen, sagte Harry: „Nun, ich habe gesehen, dass dein Otter zum Ende der Unterrichtsstunde wieder aufgetaucht ist, Hermine. Wie seid ihr beiden zum Ende hin zurechtgekommen?", fragte er Neville und Ginny. „Ich glaube nicht, dass ich bei einem von euch beiden am Ende gewesen bin."
Ginny war die Erste, die antwortete: „Ich kriege noch immer nur Nebel hin. Ich bin mir nicht sicher, was das Problem ist, um ehrlich zu sein. Ich glaube nicht, dass ich etwas falsch mache, aber ich bekomme einfach nicht mehr als das hin."
„Vielleicht brauchst du einen stärkeren Gedanken oder eine stärkere Erinnerung", meinte Harry. „Das ist wirklich der Schlüssel für diesen Zauber: ein Gefühl zu wecken, dass stark genug ist, um dem Patronus Kraft zu geben. Ich hatte eine Menge Probleme, etwas zu finden, das funktionierte, bis ich versucht habe, etwas zu verwenden, das keine Erinnerung war. Du musst dich auch nicht unbedingt nur auf einen glücklichen Gedanken oder auf eine glückliche Erinnerung konzentrieren. Alle positiven Gefühle können funktionieren, wenn sie stark genug sind: Glück, Hoffnung, Stolz, Erleichterung, Liebe ..." Er zählte jedes an einem Finger seiner Hand ab. „Jedes davon kann in den richtigen Umständen funktionieren. Wir werden uns am Sonntag noch einmal mit ihnen beschäftigen. Versuch davor, an mehr Gedanken und Erinnerungen zu denken, die du benutzen kannst und schau, ob sie helfen. Was ist mit dir, Neville?"
„Oh, ich sitze im selben Boot, glaube ich", antwortete er. „Ich werde versuchen, bis Sonntag bessere Erinnerungen parat zu haben."
„Hört sich nach einem Plan an", erwiderte Harry.
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Zu dem Zeitpunkt, als am nächsten Morgen das Frühstück vorbei war, hatte Ron wieder zu seinem gewohnten Verhalten zurückgefunden und seine Wut auf Harry vollkommen vergessen. Da sie beide den Morgen frei hatten, beschlossen sie, sich in den Gemeinschaftsraum für eine Runde Zaubererschach zurückzuziehen. Zu niemandes Überraschung wurde Harry von Rons Schachkönnen völlig niedergemacht.
Harrys Gedanken waren nicht auf das Schachspiel gerichtet, noch konnte er sich auf den Unterricht an diesem Tag konzentrieren. Den ganzen Tag über konnte er nur an den Okklumentikunterricht mit Snape denken, den er an diesem Abend nach dem Abendessen haben würde. Nach dem Mittagessen hatte er nur Verwandlung, gefolgt von drei Stunden Freizeit. Da Ron und Hermine beide danach Kräuterkunde hatte, hatte Harry wenig Schwierigkeiten sich für eine weitere Trainingseinheit in den Raum der Wünsche zu schleichen.
Er begann das Training, wie er es immer tat: Mit den Trainingsdummies. Er verbrachte wie immer Zeit damit, Zaubersprüchen auszuweichen und zurückzukämpfen. Da es noch eine Stunde bis zum Abendessen war, entschied Harry sich jedoch, etwas Neues auszuprobieren. Er wollte einen Weg finden, um seine Nerven zu beruhigen, die in Erwartung auf den Okklumentikunterricht am Abend den ganzen Tag über angespannt gewesen waren. Also bat er den Raum der Wünsche um einen Boxsack. Aber keinen gewöhnlichen Boxsack. Nein, das war ein sehr besonderer Boxsack. Er war wie ein Mensch geformt, männlich um genau zu sein. Der Dummy war größer als Harry, wahrscheinlich so um die ein Meter achtzig groß. Er war größtenteils in schwarz gekleidet und hatte ein sehr individuelles Gesicht mit einer Hakennase. Fettiges, sehr naturgetreues Haar war auf dem Kopf des Dummies. Ja, Snape zu verkloppen war definitiv eine Möglichkeit, etwas Anspannung abzubauen.
Als er sich auf den Weg zum Abendessen machte, fühlte er sich besser als er es den ganzen Tag getan hatte. Er hatte das ganze Abendessen lang ein geheimnisvolles Lächeln auf den Lippen, während er an das heimliche Vergnügen dachte, dass er sich gerade gegönnt hatte. Er nutzte die Zeit während des Essens, um sich mental zu organisieren und vorzubereiten. Ron und Hermine schienen es nicht zu bemerken, da sie in eine Diskussion über dies oder jenes vertieft waren. Harry achtete nicht darauf, über was die beiden sich stritten. Er war sich sicher, dass es nicht wirklich wichtig war. Er bemerkte, dass Ginny ihm ein paar nachdenkliche Blicke zuwarf. Sie hatte wahrscheinlich bemerkt, dass er sich still und zurückgezogen verhielt. Er lächelte ihr zu, um sie wissen zu lassen, dass er okay war.
Er stellte sicher, früh genug zu gehen, um um 18 Uhr in den Kerkern zu sein. Das letzte, das er wollte, war, am ersten Tag zu spät aufzutauchen. Snape hatte es eindeutig klargestellt, dass zu spät kommen bei diesem Unterricht nicht toleriert werden würde. Und er brauchte Snape wirklich, um die Stärke seiner mentalen Barrieren zu testen. Sogar nachdem er angefangen hatte Okklumentik zu lernen, hatte er Schmerzen in seiner Narbe und er hatte noch immer die eine oder andere Vision und das gelegentliche Aufblitzen von Voldemorts Gefühlen. Er war der Meinung, dass er Dumbledores mentales Erforschen nach dem Schulanfangsfest blockieren hatte können, aber beim Schulleiter war das schwer zu sagen. Heute Nacht würde er ein für alle Mal wissen, ob seine Vorbereitungen im Sommer funktioniert hatten.
Er klopfte fünf Minuten vor sechs Uhr an die Tür von Snapes Klassenzimmer. Es gab keine Antwort. Er klopfte wieder, laut, und rieb sich seine Fingerknöchel, als er seine Faust zurückzog. Vielleicht hatte er etwas zu stark geklopft. Die Haut sah ein wenig wund aus, aber er hatte nicht genug Kraft verwendet, um die Haut aufzuschürfen, daher war er nicht sehr besorgt darüber. Es gab noch immer keine Reaktion von innerhalb des Klassenzimmers, deshalb stand Harry neben der Tür an der Wand gelehnt.
Er schaute nach einiger Zeit auf seine Armbanduhr. Vier Minuten waren vergangen und noch immer kein Zeichen von Snape. Er fragte sich, ob es möglich sei, dass der Zaubertrankmeister einfach ihren Unterricht vergessen hatte, als er eine Gestalt die sich näherte, sah. Schwarze Roben flatterten hinter ihm. Professor Severus Snape schritt zielgerichtet den Korridor entlang. Er öffnete die Türe zum Klassenzimmer mit Schwung und trat ein.
Harry folgte dem Professor, den er am wenigsten mochte, beklommen und begann bereits seine Entscheidung, Unterricht bei Snape zu nehmen, zu bereuen. Er verdrängte diese Gedanken und verstärkte seine mentalen Barrieren. Er wollte nicht überrascht werden. „Schließen Sie die Tür", blaffte ihn der Mann an. Von der Härte und der Lautstärke des Tonfalls unberührt tat Harry, was von ihm verlangt wurde.
Snape fing - wie er es schon im vergangenen Jahr getan hatte - an, Gedanken aus seinem Kopf zu ziehen und sie in ein Denkarium einzusetzen. Schuldgefühle stiegen in Harry hoch, als er sich an das letzte Mal erinnerte, als er das Denkarium in diesem Klassenzimmer gesehen hatte. Er hatte die Grausamkeit seines Vaters gegenüber Snape mit eigenen Augen gesehen und er mochte es nicht. Es hatte ihn für seinen Geschmack zu sehr an seine eigenen Erfahrungen mit seinen Piesackern erinnert. Harry hatte sich sein gesamtes Leben mit Piesackern auseinandersetzen müssen. Bevor er ein Zauberer wurde, ging er zusammen mit Dudley und anderen Kindern aus der Nachbarschaft zur Schule. Dudley und seine Bande hatten jeden vertrieben, der es in Erwägung gezogen hatte, sich mit dem brillentragenden, mickrigen Jungen, der Harry Potter gewesen war, zu befreunden. Sie waren entschlossen gewesen, den Jungen so unglücklich wie möglich zu machen. Immer und immer wieder demütigten, schikanierten und misshandelten sie ihn für ihr eigenes Vergnügen.
Hogwarts hatte ebenfalls einige Tyrannen. Der bekannteste war - natürlich - Draco Malfoy. Aber wo Dudley und seine Bande beachtliche Feinde gewesen waren, war es Draco nicht. Harry hatte niemals eine Chance gegen seinen Cousin und seine Bande gehabt. Sie waren alle größer und stärker als er gewesen und er hatte nicht die Möglichkeit gehabt, sich zu wehren. Aber Draco war eine andere Geschichte. Wirklich, Draco war nur ein verwöhntes Gör, dessen Bellen schlimmer war als sein Beißen. Draco konnte - was das Reden anging - mit den Besten mithalten, aber er war oft schnell dabei, zurückzuweichen, um Auseinandersetzungen auszuweichen. Das einzige Mal, dass er Auseinandersetzungen provozierte, war, wenn er einen großen Vorteil hatte. Harry machte sich nicht wirklich über Malfoy Sorgen. Er war nur ein Feigling, der am Rockzipfel seines Papis hing.
Harry wurde aus seinen Gedanken gerissen, als Snape das Denkarium in einem Wandschränkchen wegschloss. Ein höhnisches Lächeln im Gesicht wandte sich der Zaubertrankmeister Harry zu und spuckte: „Machen Sie ihren Kopf frei."
„Wie ausgesprochen voraussehbar", dachte Harry.
Einen Moment später hob der Professor seinen Zauberstab und flüsterte hitzig: „Legilimens!"
Harry fühlte sich, als ob ein Rammbock in seine Gedanken krachte. Als er eine Woche zuvor Dumbledore abgeblockt hatte, hatte der alte Mann kaum die Oberfläche seiner Gedanken berührt. Die Präsenz war von Harry kaum gefühlt worden. Das hier war anders, kräftig, schmerzhaft. Aber sein Schild hielt. Schock war für einen Augenblick auf Snapes Gesicht zu erkennen, bevor das höhnische Lächeln wieder an seinem Platz war. „Es scheint, als hätten Sie geübt. Lass uns sehen, wie Ihre Gedanken sich schlagen. Legilimens!"
Harry fühlte wieder den Rammbock, nur dieses Mal gab dieser nicht nach dem ersten Angriff auf. Er schwang zurück und rammte wieder und wieder und wieder gegen seine mentalen Barrieren. Harry hielt sie mit aller Macht aufrecht, aber er war es nicht gewohnt, das Schild angesichts einer Attacke aufrecht zu erhalten, ganz zu schweigen angesichts einer von dieser Heftigkeit. Nach einigen Minuten der hart gekämpften Schlacht fühlte er, wie die Barrieren in seinen Gedanken anfingen, zusammenzubrechen, und Snape ging als Sieger hervor. Er bekam jedoch nicht sofort die Ausbeute seiner Eroberung. Harry hatte noch immer seine Koffer. Snape bekam zufällige unbedeutende Erinnerungen und Gedanken zu Gesicht, die in seinem Bewusstsein umherschwebten. Er schob sie beiseite und suchte nach bedeutenderen Erinnerungen, aber fand keine.
Die Ablenkung des Mannes nutzend drückte Harry mit all seiner mentalen Stärke gegen den unwillkommenen Gast in seinem Kopf. Er fühlte, wie die Präsenz mit Nachdruck aus seinem Kopf hinausgeworfen wurde und sah, wie Snape etwas nach hinten stolperte. Er schritt nach hinten gegen seinen Schreibtisch und endete auf ihm sitzend mit einem unterdrücktem "Umpf". Während Snape versuchte, sich zu orientieren, begann Harry schnell seine zerstörten Mauern in seinen Gedanken wieder aufzubauen. Er würde für den nächsten Angriff des Mannes bereit sein.
„Beeindruckend, Mr. Potter", gratulierte Snape emotionslos, als er von seinem Schreibtisch aufstand. „Aber nicht genug, fürchte ich", knurrte er. „Wenn Sie nicht gegen meinen Angriff standhalten können, werden sie keine Hoffnung haben, sich gegen den Dunklen Lord behaupten zu können. Nehmen Sie sich die Zeit, jede Nacht ihre Barrieren in ihren Gedanken zu verstärken. Wir werden uns nächste Woche wiedersehen. Sie dürfen gehen."
Etwas über das abrupte Ende des Unterrichts verblüfft nickte Harry stumm und schritt zur Tür. Er öffnete sie und trat heraus. Als er die Tür hinter sich schloss, blickte er zurück in das Zimmer und sah Snape zittrig auf einen Stuhl hinter seinem Schreibtisch fallen. Harrys Gesicht wurde von einem breiten Grinsen geziert, als die Tür zufiel. Es war definitiv ein guter Anfang.
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Vielen Dank an baste und baba für die Reviews!
