4. KAPITEL
Das ein Stück Kuchen beendet und in dem Heini der Chef wird

Der Morgen begann mit einer großen Aufregung am Grünen Brett von Hochwärts. Heini musste alle seine Ellenbogen verwenden, um sich in die erste Reihe vorzukämpfen und einen Blick auf den Grund der Aufregung zu erhaschen.

Zwischen den langweiligen Ankündigungen für das nächste Schuljahr hing ein rosa Zettel, auf dem Folgendes zu lesen stand:

Schulverschönerungsordnung Nummer Eins Die zuständige Schulverschönerungsbeauftragte, Dolorrosa Oxford, erlässt hiermit folgenden Erlass: Alle Schüler müssen in Zukunft rosa Socken tragen. Gezeichnet, Dolorrosa Oxford.

Heini blinzelte. "Dolorrosa Oxford ist zuständige Schulverschönerungsbeauftragte?", wollte er ungläubig wissen.

Gudmiene, die sich neben ihn geboxt hatte, nickte allwissend. "Das MiFMa hat sie hergeschickt, damit Hochwärts endlich renoviert wird, nachdem Dummwietür und Nörgelius Matsch sich im letzten Band nicht über die neuen Tapeten einigen konnten."

Heini schüttelte ungläubig den Kopf und sah auf die neue Schulverschönerungsordnung. Etwas erregte seine Aufmerksamkeit. Es war ein kleiner Pfeil unter dem Text. Unter dem Pfeil stand "Etwas viel Wichtigeres" und als Heinis Augen dem Pfeil folgten, blieb sein Blick an einem kleinen blauen Zettel hängen. Darauf stand in Gudmienes Handschrift:

Aufruf an alle Schüler Wer den Ausgang des fünften Heini-Tupper-Buches mitentscheiden will, soll heute Mittag nach dem Unterricht in den ‚Saumagen' kommen.
Heini Tupper

"Was?", entfuhr es Heini.

Gudmiene machte eine unschuldige Miene. "Ich habe doch gesagt, wir brauchen Hilfe."

Heini fuchtelte mit den Armen. "Aber da steht mein Name."

"Na, wenn da MEIN Name stehen würde, würde doch niemand kommen. DU bist der Held von diesem Buch", rechtfertige sich Gudmiene.

Heini spürte, wie er wütend wurde und rauschte kommentarlos davon.

Trotzdem fand er sich nach dem Unterricht im ‚Saumagen' ein. Er kannte das Restaurant am Ende das kleinen Zaubererdorfes am Fuße von Hochwärts bisher nur von außen. Die große Speisekarte mit deutschen Nationalgerichten wie Wurst mit Sauerkraut, Gulasch mit Kartoffelklößen oder Haxe mit Brot vergraulte jeden Kunden, der sich von den großen leuchtenden Buchstaben "Gutbürgerliche Küche" über der Tür noch nicht hatten abschrecken lassen.

Für ein peinliches Treffen, zu dem Gudmiene in Heinis Namen eingeladen hatte, war es aber genau der richtige Ort. Nur wer es wirklich ernst meinte, würde sich in den ‚Saumagen' trauen und so kamen auch nur eine Handvoll Leute zu dem Treffen.

Außer Heini selbst, Gudmiene und Ronny, den sie mitgeschleift hatte, waren noch Nieviel Langer aufgetaucht, Whisky Wiesel, ihre Brüder Friedrich und Schorsch, Moonie Liebgut (was Heini doch etwas zu denken gab) und TschuTschu, ein Mädchen aus Rabegeklaut, das sich in Heini verguckt hatte.

Nachdem sie alle mit Kaffe und Schwarzwälder Kirsch versehen worden waren, richteten sich alle Blicke erwartungsvoll auf Heini.

"Okay", begann Heini schließlich notgedrungen und schob seinen Stuhl zurück, "wir haben uns heute hier versammelt, um eine Geheimorganisation zu gründen, welche versuchen wird, die Handlung des fünften, also dieses, Buches zu ergründen, um damit Leben zu retten und der Menschheit einen Dienst zu erweisen."

"Wow", murmelte Ronny. "Du solltest unbedingt eine Karriere als Zauberminister anstreben."

Gudmiene warf ihm einen strafenden Blick zu.

"Und wie soll das gehen?", wollte Whisky Wiesel piepsend wissen. "Die Handlung herausfinden?"

Heini sah zu Gudmiene. "Also", begann diese, "ich dachte, wir betrachten einfach alles, was in Hochwärts passiert unter literarischem Aspekt und treffen uns einmal die Woche, um uns auszutauschen."

"Gibt es Kaffee und Kuchen?", wollte Nieviel hoffnungsvoll wissen.

"Von mir aus", murmelte Heini.

"Ich mag am liebsten Zitronenkuchen", versuchte Nieviel am Rand zu erwähnen.

"Mit Sahne", sagte Moonie Liebgut.

"Frankfurter Kranz", sagte Schorsch.

"Donauwelle", grinste Friedrich.

"Und wie soll diese Geheimorganisation heißen?", wollte TschuTschu wissen und warf Heini einen liebreizenden Blick zu, so dass diesem schlecht wurde (vielleicht lag es aber auch an der Schwarzwälder Kirsch).

"Offiziell werden wir uns als Literaturzirkel ausgeben", sagte Gudmiene.

"Du meinst wie Verteidigung gegen dunkle Reime? DADA?", fragte Ronny.

"Naja, so ähnlich. Vielleicht nur Reime, nicht Verteidigung", wog Gutmiene ab.

"DA?", schlug Moonie vor.

"Was?" Sowohl Gudmiene als auch Heini waren aus dem Konzept gebracht.

"Nun, die Hälfte von DADA", erklärte Moonie.

"Also...warum nicht", entschied Heini, dem es eigentlich vollkommen egal war, wie diese Geheimorganisation hieß, wenn er nur endlich hier wieder weg kam.

"Und wann treffen wir uns?", hakte Whisky nach.

"Also, es darf natürlich nicht mit dem Quetschmich-Training kollidieren", sagte TschuTschu sofort.

Whisky verdrehte die Augen. Während die anderen über einen Termin diskutierten, wandte sie sich an Gudmiene. "Ich will wirklich wissen", flüsterte sie, "was alle an Quetschmich finden."

"Oh", sagte Gudmiene. "Heini spielt Quetschmich und er ist der Held des Buchs. Also finden alle Jungs Quetschmich toll. Und Mädchen spielen Quetschmich, weil Jungs in diesem Alter nur Mädchen toll finden, die auch Quetschmich spielen."

"Echt?", machte Whisky große Augen.

"Echt was?", wollte Heini wissen.

"Dass mir Dienstag nicht passt", sagte Gudmiene zuckersüß, die ein Gefühl hatte, dass dieser kurze Wortwechsel noch wichtig werden würde und Heini nichts anging.

"Dann also Freitagabend um 14 Uhr", fasste Schorsch das zusammen, was der werte Leser gerade wegen Whiskys und Gudmienes Unterhaltung verpasst hatte.

"Und wo?", wollte Ronny wissen.

"Ich würde den Bedarfsraum vorschlagen", sagte Gudmiene.

"Den was?", entfuhr es Heini.

"Den Bedarfsraum", sagte Gudmiene und seufzte. "Das WC, Heini."

"Jungen- oder Mädchen-WC?", wollte Ronny panisch wissen.

"Im 10. Stock gibt es ein nicht fertig gebautes WC, bei dem zwischen Jungen- und Mädchen-Toilette die Trennwand fehlt", sagte Gudmiene. "Dann könnt Ihr auf der Jungenseite sitzen und wir auf der Mädchenseite...Es kommt nie jemand dorthin", fügte sie hinzu und sah zu Heini.

"Wir treffen uns auf dem Klo?" Heini war nicht ganz wohl bei dem Gedanken. "Ich glaube, das verfolgt mich in diesem Buch wirklich."

"Was? Das Klo?", wollte Ronny wissen.

"Nunja, also...", begann Heini und erzählte von der WC-Tür im MifMa mit der verdächtigen Aufschrift: 'Zum WC durch die Abteilung für geheimen Geheimkram, der niemanden was angeht, schon gar nicht Heini Tupper'. Seinen Traum vom Vortag unterschlug er allerdings lieber.

"Wunderbar", freute sich Gudmiene nichts desto trotz und notierte ‚WC' auf ihrer Handlungsliste.

"Können wir dann jetzt gehen?", wollte Whisky wissen. "Ich glaube, mir ist schlecht. Die Schwarzwälder Kirsch hat irgendwie komisch geschmeckt."

"Und ich dachte schon, nur mir ging es so", murmelte Heini.

"Ich muss los", murmelte Nieviel Langer und stürzte etwas grün im Gesicht davon.

Damit löste sich das erste DA-Treffen recht zügig auf (wenn es auch gleich darauf zu einer beachtlichen Warteschlange auf dem WC kam).