Disclaimer: Alle Rechte liegen bei J.K. Rowling, wir haben ihre Helden nur zum Spielen ausgeborgt.

Originalgeschichte: Hinge of fate von Ramos (auch hier im Archiv)

Übersetzt von: Shella LaRoche

Beta-gelesen von: Krümelkeks, Lilly und Mike (HERZLICHEN DANK!)

Reviews: von vielen lieben Menschen.

(Ich kann leider nicht alle persönlich beantworten, dazu fehlt mir die Zeit und ihr wollt ja Weiterlesen, gell?)

Kapitel 7

Mit einer Erleichterung, wie sie andere Männer empfanden, wenn sie einen alten Freund begrüßten, knöpfte Severus Snape die schwarze Weste über seinem weißen Leinenhemd zu, glättete sie und zog den Gehrock mit dem hohen Kragen an. Er verzichtete auf das Halstuch, das er üblicherweise trug und der Gehrock wurde nicht geschlossen; er hatte sich gerade wieder daran gewöhnt ungehindert atmen zu können und war noch nicht gewillt, seine Atemwege einzuschränken.

Die Freiheit tief einatmen zu können, sich vorbeugen zu können, ohne dass ihm schwindelig wurde oder das Blut in seiner Kehle pochen zu fühlen, das waren Gefühle die er sehr vermisst hatte.

Nach dem Kalender war es der 31. Januar, aber für Severus hatte das neue Jahr erst vor wenigen Tagen begonnen. Er war nicht so sentimental zu denken, dass er eine neue Chance im Leben bekommen hätte, aber seine sich schnell wieder herstellende Gesundheit erlaubte ihm die Dinge in einem größeren Zusammenhang zu sehen. Anderen Annehmlichkeiten nachzugehen war ebenfalls nett, so zum Beispiel in seinem winzigen Raum herumzuwerkeln oder das Inventar seines Badezimmers zu benutzen ohne dass Pomfrey vor seiner Tür herumschlich und nur darauf wartete, dass er sich selbst ersäufen würde. Die Vorstellung in seiner Badewanne sterben zu können, war an sich schon demütigend genug und hatte ihn veranlasst sehr vorsichtig zu sein, so dass er sein einstmals temperamentvolles Herz nicht überanstrengte.

Während des letzten Besuches des Schulleiters hatte sich ihre Unterhaltung um einige Experimente gedreht, die zu Vollenden er sich nie die Zeit gegönnt hatte. Tränke, die in den letzten Ausgaben von Ars Alchemea oder Potions Monthly (B/N 12) erschienen waren, regten die Fantasie an und versprachen bemerkenswerte Resultate und Dumbledore hatte ihm seine volle Unterstützung für diese Versuche zugesagt. Severus war sich bewusst, dass ihn dies lediglich davon ablenken sollte, dass er in erster Linie ein Gefangener in Schutzhaft war. Die kleine Ansammlung von Räumen, die seinen momentanen Aufenthaltsort mit einschlossen, waren zwar sicherlich angenehmer als Azkaban, aber sie waren immer noch beengt.

Trotz allem – mit einem fast kompletten Labor und einem fähigen Assistenten ausgestattet juckte es ihn in den Fingern, die Projekte zu beginnen, die er so lange aufgeschoben hatte. Und man müsste lange und gründlich suchen, um einen fähigeren Assistenten als Hermione Granger zu finden.

Ehre, wem Ehre gebührt, das Mädchen – die junge Frau, korrigierte er sich – hatte sein Leben gerettet. Miss Granger hatte das Potential, eine sehr gute Tränkemeisterin zu werden. Dass sie die medizinischen Tränke in so kurzer Zeit gemeistert hatte, hatte ihn dazu gebracht, seine Pläne auszuweiten. Er glättete seine Manschetten und fühlte das Gewicht des Stoffes auf seinen Schultern und erlaubte sich für einen Moment über Hermione nachzudenken.

Als wäre sie ein peinigender Ausschlag auf seiner Seele, kehrten seine Gedanken immer wieder zu der von Hermione Granger verursachten Situation zurück, zumindest bis das Unbehagen, dass er dabei fühlte, wenn er an sie dachte, sie wieder in eine andere Richtung lenkte.

Als er das erste Mal in Pomfreys Pflege das Bewusstsein erlangt hatte, konnte Severus Dumbledore nicht sagen, was schief gegangen war und einige Tage vergangen, bevor er sich überhaupt an einige Details erinnern konnte. Die vollständige Erinnerung war während eines der vorsichtigen, sondierenden Gespräche mit Dumbledore über ihn hereingebrochen und er hatte schließlich verstanden, warum der Schulleiter so um den heißen Brei herumgeredet hatte.

Die plötzliche Rückkehr seiner Erinnerungen hatte ihn sich hilflos übergeben lassen und riss die erst kürzlich verheilten Verletzungen seines Magens wieder auf, bis sein Blut sich mit der Galle, die er erbrach, vermischte. Pomfrey hatte Dumbledore angeschrieen, was sie sonst nie tat, und einen Spruch über Severus gesprochen, der ihn wieder betäubte.

Als er wieder zu Bewusstsein kam, hatte Severus alle seine Emotionen unterdrückt. Die eiskalte Wut aufrecht zu erhalten, die sein Körper ansonsten als Sicherheitsventil benutzte, erforderte zu viel Energie für seinen verletzten Körper und reichte nur für eine oder zwei scharfe Antworten. Meistens ignorierte er Dumbledores kontinuierliche Anstrengungen, ihn aus seiner kalten Depression herauszuholen, genauso wie Pomfreys Bemühungen, ihn in die Heilung seines Körpers mit einzubeziehen. So wie er es sah, hatte sein Körper ihn verraten und verdiente keine bessere Behandlung. Trotz der Tatsache, dass Malfoy den Imperius über ihn gesprochen hatte, hatte sein Körper ihrem Gewalt angetan und sein Kind wuchs in ihr heran.

Die Nachricht von Hermiones unerwarteter Schwangerschaft war fast der letzte Schlag für Severus gewesen. Das er zu seinen üblichen ätzenden Bemerkungen zurückgekehrt war ließ sie sanft reagieren, aber ihre Weigerung, ihm Schuld zuzuweisen, war genauso unerwartet wie irreführend gewesen. Obwohl er ihr auf die schlimmste Art und Weise Unrecht angetan hatte, hatte sie stattdessen ihre Abscheu auf Lucius Malfoy konzentriert und Severus war nicht sicher, wie er darauf reagieren sollte. Außerdem, und das wusste er aus erster Hand, entwickelte sie ein heftiges Temperament, wenn sie provoziert wurde, das einen umsichtigen Mann dazu bringen würde sich es sich zweimal zu überlegen, bevor er sie anschnauzte.

Während der letzten zwei Wochen hatten sie ununterbrochen zusammengearbeitet und einen respektvollen und von kalter Höflichkeit geprägten Abstand eingehalten. Er hatte sich zurückgehalten, sie bei jeder Kleinigkeit anzuschnauzen und sie hatte sich als Gegenleistung als sehr viel professionellere Assistentin erwiesen, als er mit Recht hatte erwarten können. Dies gab ihm die schwache Hoffnung, dass sie willens sein könnte, ihm bei seiner weiteren Forschung zu assistieren und ihn damit davon abzuhalten, sich unter Pomfreys Aufsicht aufzureiben.

Voller Ungeduld seine Arbeit zu beginnen, gab er auf die letzte Falte aus seiner Manschette zu ziehen und winkte mit der Hand. Die falsche Wand zwischen seinem Quartier und dem staubigen Isolationstrakt verschwand, ebenso die Wand auf der anderen Seite des Raumes. Sie löste sich schimmernd in Nichts auf und der Weg führte jetzt direkt ins Laboratorium. Als er hindurch ging blieb die Illusion einer soliden Wand hinter ihm bestehen. Die Treppen waren nicht das einzige, was in Hogwarts unruhig war und dieser alte Haufen Steine kam manchmal der Bitte des Schulleiters nach und bildete hier und da eine Wand um.

Severus hatte kaum damit begonnen, das neu umgestaltete Laboratorium anzusehen, als er eine weibliche Stimme dringend nach Madam Pomfrey rufen hörte. Es war noch etwas früher, als die übliche Zeit, zu der die ersten Schüler auftauchten und er wusste sicher, dass Poppy an diesem Morgen noch nicht im Krankenflügel war. Die Stimme kam ihm bekannt vor und als er die Labortür vorsichtig öffnete und durch den Schlitz spähte, sah er, dass eine Vermutung korrekt war, denn er sah Hermione Granger am Eingang der Krankenstation stehen.

Stehen war eigentlich zu viel gesagt; Miss Granger hielt sich mit einer Hand am Türrahmen aufrecht. Die andere lag verkrampft auf ihrem Magen, flog aber schnell zu ihrem Mund, als eine weitere Welle der Übelkeit sie schüttelte. Sie stürzte in das Badezimmer und das Geräusch ihres heftigen Würgens wurde von den gefliesten Wänden zurückgeworfen.

Hermione hatte kaum die Augen geöffnet, als die morgendliche Übelkeit, die ihr bis dahin nur einige wenige Momente von Unbehagen verursacht hatte, mit voller Gewalt über sie hereinbrach. Sie hatte es gerade eben noch geschafft in den Waschraum zu laufen und sich zu übergeben. Sich die Zähne zu putzen und ein wenig kaltes Wasser zu trinken hatte geholfen, aber selbst die Suche nach ihrer Schuluniform war von zwei weiteren Gebeten zur Gottheit aller Porzellanschüsseln (B/N 13) unterbrochen worden. Dann hatte sie aufgegeben und die beiden ersten Sachen angezogen, die ihr in die Finger kamen – ein altes Baumwollshirt und eine Leggins. Sie hatte ihre Robe nur einfach übergeworfen und war zum Krankenflügel gegangen.

Als sie an der Großen Halle vorbeiging ließen die Essensgerüche sie wieder in das nächste Badezimmer stürzen. Das Steigen der Treppen ließ sie in Schweiß ausbrechen und grau im Gesicht werden und als sie die Tür endlich erreicht hatte, ließ sie die aufsteigende Übelkeit zur nächsten Toilette taumeln, wo sie die kalte, weiße Schüssel umklammerte, als die Krämpfe ihren Körper schüttelten. Als das Schlimmste vorüber war, lehnte sie schwach an der Wand, ruhte mit ihrer Stirn an der Schüssel aus und versuchte das Hämmern in ihrem Kopf zur Ruhe zu bringen.

Eine kalte Berührung im Nacken ließ sie aufschrecken, aber der Druck langer Finger auf dem Tuch hielt ihren Kopf unten.

„Bleiben Sie ruhig, Miss Granger. Warten Sie, bis Sie sicher sind, das es vorbei ist." Snapes tiefe Stimme war bar jeden Spottes und sie lehnte ihren Kopf dankbar wieder zurück. Ein weiterer Waschlappen, dieser jedoch angenehm warm, wurde in ihre Hand gepresst und sie benutzte ihn im sich den Mund und ihre laufende Nase abzuwischen.

Nach wenigen Minuten setze sie sich vorsichtig auf und schob ihre Haare zurück. Die Muskeln in ihrem Rücken und ihrem Bauch protestierten, aber ihre Magen blieb ruhig, als sie noch einmal ihr Gesicht reinigte und mit nur wenig Erfolg versuchte, sich zurecht zu machen. Als ihre Hände gewaschen waren und ihr Umhang richtig zugeknöpft war verließ sie den kleinen Waschraum und war überrascht Snape zu sehen, der einen dampfenden Becher hielt.

„Was ist das?" fragte sie, nahm ihn behutsam und roch vorsichtig an dem aromatischen Dampf.

„Eine exotische Mischung: Pfefferminze und Lakritzwurzel mit einem Löffel Honig. Das sollte Ihren Magen beruhigen und es gibt keine Nebenwirkungen zu befürchten."

„Danke", murmelte sie schwach und versuchte einen kleinen Schluck zu nehmen. Es war heiß, aber die Wärme beruhigte ihre Kehle und ließ sich ihn ihrem Magen ohne Proteste seinerseits nieder.

Severus hielt die Tür zum kleinen Laboratorium offen und bedeutete Hermione voranzugehen. Sie ließ sich schwach auf einen der Stühle fallen und lehnte sich an den Arbeitstisch.

„Ich denke, ich werde es heute nicht pünktlich zu Zaubertränke schaffen", stellte sie fest.

„Das ist kein Verlust", gab er ungerührt zurück.

Hermione zuckte mit den Schultern und nippte vorsichtig an ihrem Tee. Als die Stille ihr zu schwer wurde erkundigte sie sich: „Darf ich Sie etwas fragen?"

Er nickte kaum merklich.

„Werden Sie zurückkehren und wieder Zaubertränke unterrichten?"

„Nein", antwortete er schnell und fügte dann hinzu. „Ich habe nur unterrichtet um dem Schulleiter einen Gefallen zu tun. Meine Anstellung hier sollte Voldemort Zugang zu den Ereignissen hier in Hogwarts geben."

„Ich verstehe."

Obwohl ihre Antwort nichts als höflich war konnte Severus in ihrer Stimme einen leichten Hauch von Enttäuschung hören. Er wusste es besser, als zu erwarten, dass seine Person diese Reaktion ausgelöst haben sollte. Es ging um die Chance wirklich etwas im Unterricht zu lernen.

„Es wäre möglich, dass ich sogar gerne unterrichtet hätte, wenn der durchschnittliche Schüler auch nur entfernt am Thema interessiert gewesen wäre. Aber so wie es war gab es zu viele Longbottoms und zu wenige Schüler, wie Sie."

„Ich dachte, Sie würden mich hassen", sprudelte sie hervor. Bevor er noch darauf antworten konnte, erbleichte sie abrupt und rannte noch einmal in den Waschraum. Da er nichts weiter zu tun hatte, als ihr nachzustarren, begab er sich auf die Suche nach einem weiteren Waschlappen.

„Ich denke, ich habe den Bogen jetzt raus", erklärte Hermione ihm schwach, als er im Türrahmen erschien. Sie nahm den nassen Waschlappen, den er ihr anbot und presste ihn an ihre Stirn. „Man muss es einfach kommen lassen und darf nicht gegen angehen."

„Ich werde mich in diesem Punkt auf Sie verlassen, aber Sie werden heute Morgen nirgendwo mehr hingehen, außer in eines dieser Betten. Wenn Sie hier fertig sind, heißt das."

Als Hermione nickte, ergriff Severus sie unter einem Ellenbogen und zog sie auf die Füße, wobei er über ihr mangelndes Gewicht die Stirn runzelte. Das Mädchen war nicht sehr groß, aber wenn sie mehr als 40 kg (B/N 14) wog, wäre er sehr überrascht. Er führte sie zu dem Bett, das gegenüber dem Eingang zur seinem Laboratorium stand, so das er sie hören würde, wenn sie ihn rief. Madam Pomfrey würde zwar ohne Zweifel bald kommen, aber ihr würde das morgendliche Kontingent kränklicher Gören folgen und während dessen wollte er die Dinge im Auge behalten. Auf Hermiones Bitte schob er eine der überall herumstehenden Trennwände zwischen die Liege und den Rest der Krankenstation.

Als er sich umdrehte lag der Schülerumhang am Fuß des Bettes und er blickte verdutzt auf eine seiner strebsamsten Schülerinnen in einem übergroßen Baumwollhemd, dass mit dem Bild eines lächelnden Zahnes verziert war. Als sie unter die Decken geschlüpft war und es bequem hatte, stellte er sicher, dass sich ein Eimer in Reichweite befand und drehte sich um, um zu gehen. Hermiones leise Stimme stoppte ihn.

„Darf ich Sie noch etwas anderes fragen?"

„Hermione", begann er und stählte sich für ihre Frage. „Sie dürfen mich um alles bitten, was in meiner Macht liegt Ihnen zu geben."

„Oh", antwortete sie und als er zu ihr hinüber schaute, schien sie ein wenig verwirrt zu sein. „Ich wollte nur sagen, dass ich gehört hatte, wie Professor Dumbledore Madam Pomfrey gesagt hatte, dass Sie einige Forschungsprojekte beginnen wollen." Ihre Stimme wurde leise und sie sprach voller Ehrerbietung. „Ich hatte gehofft, Sie würden mir erlauben Ihnen zu assistieren."

„Sie wollen weiterhin mit mir arbeiten?" fragte er erstaunt.

„Ja, bitte. Die UTZs sind nur noch wenige Monate entfernt und ich muss gute Noten in Zaubertränke haben, wenn ich in Aleford zugelassen werden möchte."

„Cluny wird sich als nutzlos erweisen, wenn es um Ihre Vorbereitung für ihre NEWTS geht, aber sie wissen doch sicherlich, dass sie die NEWTS ohne Zweifel bestehen würden, wenn Sie sie morgen schreiben würden."

Hermione ignorierte das darin enthaltene Kompliment und hakte nach. „Ich muss ein Stipendium gewinnen, Professor. Meine Eltern sind nicht sehr zugänglich und um die Wahrheit zu sagen, sie sind ganz und gar nicht erfreut darüber, dass ich eine Universität der Zaubererwelt besuchen möchte."

„Haben Sie Ihnen schon geschrieben? Über die Schwangerschaft, " stellte er klar und überspielte seine Besorgnis mit einer sanften Stimme.

„Nein", gab sie zu und zog etwas den Kopf ein. „Ich denke noch darüber nach, was ich ihnen sagen soll."

Severus war nicht in der Lage, ihr darauf eine Antwort zu geben und kehrte zu ihrer vorherigen Frage zurück. „Ich habe keine Einwände gegen jedwede Beteiligung, Miss Granger. Tatsächlich hatte ich gehofft, Sie als Assistentin zu gewinnen. Madam Pomfrey braucht wenig Hilfe bei ihren Pflichten als Krankenschwester und wenn sie ihre Vorräte aufstocken, wird sie Ihnen freie Hand dabei lassen, wie Sie Ihre Zeit hier verbringen."

„Danke, Sir. Sie wissen nicht, wie dankbar ich bin." Hermione zog das raue Laken unter ihre Arme und lehnte sich zurück. Ihr Gesicht hatte fast dieselbe Farbe wie die Kissenhülle und selbst vom Fußende des Bettes konnte Severus die Sommersprossen auf ihrem Nasenrücken sehen.

„Ich glaube, es ist an mir, eine persönliche Frage zu stellen, Miss Granger. Haben Sie sich entschieden, was Sie tun werden – mit dem Baby, meine ich?" Er stotterte etwas, als er das Wort sagte.

Hermione zupfte am Laken herum und antwortete nicht sofort. „Nicht wirklich. Professor Dumbledore hat mir gesagt, dass es einige Zaubererfamilien gibt, die Interesse daran hätten ein Baby zu adoptieren. Und mit Ihren Genen und meinen besteht kaum die Chance, dass es ein Squib wird, nicht wahr? Aber mir ist nicht wohl bei dem Gedanken, denn so wie die Dinge jetzt stehen, kann ich nicht sicher sein, dass die Familie, die das Baby adoptiert, zur richtigen Art von Familie gehören würde."

„Keine Todesser oder ähnliches, nicht wahr?"

„Genau. Und ich könnte nicht in Ruhe leben, wenn ich befürchten müsste, dass mein Kind in einer Familie wie den Malfoys landen könnte." Hermione seufzte schwer und Snape sah, dass sie erschöpft war. „Ich kann mich irgendwie nicht auf all das konzentrieren. Dann müssen wir uns noch über Voldemort Gedanken machen. Wenn wir ihn vernichten, bin ich sicher, dass sich alles Zurechtlaufen wird. Wenn wir ihn nicht besiegen, nun, dann müssen wir uns über mehr Gedanken machen, als nur über den Krümel, nicht wahr?"

Ihre Augen schlossen sich langsam und Severus verkniff es sich, ihr zu sagen, dass die letzte Botschaft der Zentauren an Dumbledore besagt hatte, dass alle Zeichen darauf deuteten, dass in diesem neuen Jahr der Kampf mit Voldemort endgültig ausgefochten werden würde.

Hermione redete immer noch, kaum noch wach. „Und wenn Hexen und Zauberer so lange leben, wie die Leute behaupten... dann wird die Zeit, in der für das Kind gesorgt werden muss, bis es nach Hogwarts geht, im Vergleich dazu nicht allzu lang sein, nicht wahr?"

„Schlafen Sie, Miss Granger. Ich bin sicher, dass sie vom Unterricht heute entschuldigt werden."

Er erhielt nur noch ein undeutliches Murmeln zur Antwort.

Erst nach der Sperrstunde an diesem Abend konnte Severus die eingeschränkten Räumlichkeiten im Krankenflügel verlassen und durch die Gänge von Hogwarts wandern. Er benutzte einen „Bemerkt-mich-nicht"-Spruch und sprach einen Dämpfungszauber auf seine Schuhe. Aber das waren nur kleine Unbequemlichkeiten, die er schon viele Male zuvor erduldet hatte. Nicht einmal Mrs Norris, die die Korridore nach Schülern abschnupperte, die nicht im Bett waren, erhaschte einen Hauch seines Geruches.

Der Wasserspeier ließ ihn zu der Spiraltreppe, die zum Büro des Schulleiters führte und er nahm zwei Stufen auf einmal, nur weil er es konnte. Dumbledore bat ihm Tee und Keks an und noch mehr von diesen schrecklichen Muggelsüßigkeiten. Sie sprachen eine Zeit lang über nichts Besonderes und Severus begann mit den Fingern auf den voluminös gepolsterten Arm seines Sessels zu trommeln, da er langsam zur Toilette musste.

„Und wie kommen du und Miss Granger zurecht?" fragte Dumbledore auf blauen Dunst heraus.

„Wie bitte?"

„Ich erwähnte Miss Granger. Du sagtest mir, sie hätte alle Tränke erlernt, die sie brauen können muss, um Poppy zu assistieren. Wenn ihr zusammenarbeiten könnt, könntest du darüber nachdenken, sie als Assistentin für deine Forschungen zu gewinnen."

„Ja, daran habe ich auch schon gedacht", sagte Severus knapp. „Sie hat zugestimmt, mit mir zu arbeiten, so lange es ihrem Durchschnitt bei den NEWTS hebt."

„Ah, ja. Der universelle Fluch der Siebentklässer. Nun dann. Miss Granger scheint mit den ungewöhnlichen Umständen so gut zu Recht zu kommen, wie nur erwartet werden kann. Sie wird ohne Zweifel prima mit dem Baby zurechtkommen."

Es war der leichtfertige Gebrauch des Wortes „prima", der seine Hände mit dem Wunsch den alten Zauberer zu erwürgen, jucken ließ.

„Zurechtkommen, sagst du. Das närrische Mädchen! Ich habe ihr alles angeboten und alles was sie wollte, waren bessere Noten!"

Dumbledore summte nachdenklich und rührte seinen Tee um, wobei der silberne Löffel ein leises Klirren an der Wand der feinen Porzellantasse verursachte.

„Es muss einen Weg geben, ihr die Ernsthaftigkeit ihrer Situation bewusst zu machen", fuhr Severus fort, obwohl er bis dahin nicht darüber nachgedacht hatte, Hermione Granger zu irgendetwas zu bewegen.

„Vielleicht will sie nichts von dem, was du zu bieten hast."

„Sie hat jedes Recht danach zu fragen. Entweder hat sie keine Ahnung über meine finanzielle Situation oder sie ist einfach nur mutig und stur."

„Severus", warnte ihn Dumbledore und schwang seinen Löffel drohend. „Wenn du jetzt „typisch Gryffindor" sagst, haue ich dir eine runter."

Er starrte den älteren Mann an und hielt die Klappe, da er kurz davor gewesen war, genau das zu sagen. Er entschied sich dafür zu handeln, füllte noch einmal seine Teetasse und trank den kalten, bitteren Rest mit grimmiger Zufriedenheit.

„Wenn du deinem Kind etwas geben möchtest, würde ich sagen, dass ein Vater und ein Nachname die beste Wahl wären", schlug Dumbledore ernsthaft vor.

Severus hielt den Spott nur mit einiger Schwierigkeit aus seiner Stimme heraus. „Dein Vertrauen in meine weitere Existenz ist rührend, Albus. Ganz abgesehen von deinem optimistischen Vertrauen darauf, dass Miss Granger ihren außergewöhnlichen Verstand verlieren müsste, um mich zu nehmen."

„Mir wurde zugetragen, dass deine Mutter dich schon seit einiger Zeit wegen eines Erben bedrängt."

„Lass den Namen Snape aussterben!"

Dumbledore seufzte. „Hör auf so melodramatisch zu sein, Severus. Man könnte denken, du wärst ein Zweitklässler, der keine Verabredung zum Weihnachtsball hat." Snape starrte Dumbledore wortlos an, der mit einem breiten Lächeln antwortete. „Wenn du deinem Kind nicht deinen Namen geben willst, lass es. Es war nur ein Vorschlag. Er schlürfte den letzten Rest Tee aus der Tasse. „Obwohl ich sagen muss, dass mir Granger sowieso besser gefällt."

Severus ignorierte den Seitenhieb und blickte ihn finster an. „Vielleicht gibt es eine Möglichkeit Hermione und das Kind in mein Testament einzuschließen. Wenn mir ein Unglück zustoßen wollte, was höchstwahrscheinlich passieren wird, " knurrte er, „ist für sie gesorgt."

„Und in dem Moment, in dem der Nachtrag deines Testamentes im Ministerium erfolgt ist werden sie und das Baby zur Zielscheibe für diejenigen, die dich nicht sonderlich schätzen, mein Junge", widersprach ihm Dumbledore. „Abgesehen davon, was eine offizielle gerichtliche Untersuchung über das ungewöhnliche Auftauchen des Kindes zu Tage fördern wird. Du weißt, wie das Ministerium zu illegalen Geburten in reinblütigen Familien steht."

„Man könnte meinen, dass bei einer dermaßen dezimierten Bevölkerung wie der unseren, diese alten Käuze mehr als bereit sein müssten zusätzliche Mitglieder der Bevölkerung zu akzeptieren, egal, wie sie ins Leben getreten sind. Aber nein, sie wollen Reinblüter die Reinblüter heiraten und weitere Reinblüter zeugen."

Der Schulleiter schnaubte über die Dummheit der Minister. „Nein, Hermione würde im Bürokratismus erstickt werden und das Kind könnte sich glücklich schätzen, wenn es überhaupt Geld bekommen würde, bevor es hier nach Hogwarts kommen würde. Du wirst einfach lange genug leben müssen, um ihr die Gallonen selbst geben zu können, " schloss er die Sache leichthin ab.

„Um hinterher meine Finger zu zählen? Miss Granger ist ebenso stolz wie intelligent und sie weigert sich weiterhin von mir eingeschüchtert zu werden. Ich könnte von Glück reden, wenn ich auch nur einen Versuch, ihr Geld zu geben, überleben würde."

„Nun, dir wird schon etwas einfallen."

Severus setzte die Teetasse mit einem Klirren ab. Er vermutete, dass der Schulleiter ihn zu einem Entschluss drängen würde, konnte aber ums Verrecken nicht sagen, in welche Richtung.

Anmerkungen des Babelfisches:

B/N 12: Ars Alchemea und Potions Monthly sind lt. Canon Zeitschriften für Tränkemeister die immer wieder in Geschichten auftauchen.

B/N 13: Prayer to the porcelain god: Gebet an die/ den Gott/in des Porzellans (den „Thron") ist die höfliche und ironische Formulierung für sich übergeben.

B/N 14: Originaltext sechs Stone, 1 Stone 6,35 kg (lt. Spaß mit imperialen Einheiten), 6 Stone 38 kg