Kapitel Sechs: Die Antwort

Es war offensichtlich, dass andere Schüler die Zeitung bekommen und gelesen hatten, da es einen deutlichen Lärmanstieg in der Halle gab, sowohl des Raschelns der vielen Bögen Papier, als der Prophet herum gegeben wurde, als auch der menschlichen Stimmen, als die Schüler diesen neusten Versuch Voldemorts besprachen, ihnen zu schaden.

Die jüngeren Schüler, die den Kürbissaft im Zug getrunken hatten, sahen ein bisschen grün um die Nase aus, als sie sich Sorgen machten, dass das Ministerium vielleicht übertrieben hatte in der Behauptung, dass es keine Möglichkeit gab, dass sie dem Gift ausgesetzt gewesen waren.

Hermine versuchte ihre Augen nicht zu verdrehen, während sie zusah, wie Scrimgeours Plan aufging. Er hatte schließlich behauptet, dass das Gift langsam wirkte, und sie wäre nicht überrascht, wenn sich Schüler bis zum Ende des Tages überzeugt hatten, dass sie mysteriöse Symptome aufwiesen. Sie würden sich nur zu gern untersuchen lassen.

Ihr und Harrys Blick trafen sich kurz, und sie wusste, dass er genauso froh wie sie war, dass sie sich dazu entschlossen hatte, die Details für den Glanz für ihr Blut so wie früh wie möglich auszuarbeiten. Sie hatte Arithmantik und einige praktische Versuche verwendet um zu berechnen, was sich in ihrer Blutchemie und Magie änderte, um zu zeigen, dass sie keine Jungfrauen waren, und dann hatte sie einen Zauber erfunden, um den Effekt nachzuahmen. Sie hatte es für sich und Harry personalisieren müssen, es dann für sie beide gewirkt und es an ihre Namensrune gebunden, sodass niemand außer ihr es einfach beheben konnte. Es war ein schwacher Glanz, der keine sichtbaren Änderungen machte und nur etwas veränderte, dem die meisten Menschen keine Aufmerksamkeit schenkten; es war subtil genug, dass es unwahrscheinlich war, dass es entdeckt würde, die geringfügige Magie mischte sich mit der natürlichen Magie im Blut magischer Menschen.

Die beiden hatten ihr Blut mit dem illegalen Zauber getestet und waren als Nicht-Jungfrauen erschienen, also schien es so zu wirken, wie es sollte, und deutete an, dass sie abgesichert sein würden, sollten sie heute überprüft werden. Sie waren allerdings Gryffindors, und konnten genauso sturköpfig sein, wie die landläufige Meinung sie ausmachte; keiner von ihnen hatte die geringste Absicht ihr Blut dem Ministerium freiwillig zur Verfügung zu stellen.

Fünf Stunden später wurde ihre Klasse aus Zauberkunst heraus und in den Krankenflügel hinein eskortiert, weil sie an der Reihe für die Tests waren. Hermine war die erste, die die Schlange aufhielt, indem sie sich geradeheraus weigerte, ihr Blut abzugeben.

„Ich brauche keine Untersuchung, Madam Pomfrey", erklärte sie locker. „Ich habe im Zug keinen Kürbissaft getrunken."

Zufälligerweise stimmte das nicht, aber sie hatte ihr Getränk getestet, bevor sie es trank, genauso wie sie alles testete, dass sie zu sich nahm, und – Überraschung, Überraschung – kein ausgedachtes Gift war darin gewesen.

„Wie auch immer, Miss Granger, meine Anweisungen sind, von jedem eine Phiole Blut zu bekommen", erklärte Poppy mit gezwungener Geduld. Wenn sie dies den ganzen Tag getan hatte, fühlte Hermine mit ihr.

„Ich sehe nicht ein, warum das Ministerium die Galleonen der Steuerzahler damit verschwenden wollen würde", erwiderte Hermine mit scheinbarer Ernsthaftigkeit. „Da ich volljährig bin und keine Eltern habe, die angespannt auf die Ergebnisse warten, könnte niemand von diesen vergeudeten Bemühungen profitieren."

Abgesehen von ausbeuterischen Leitern der M.S.V., aber das sollte man vielleicht nicht erwähnen.

Poppy runzelte die Stirn, bevor sie zögernd nachgab. „Sie werden es mit dem Schulleiter ausfechten müssen. Mr. Weasley, Sie sind der Nächste."

„Tut mir leid, Madam Pomfrey, aber meine Familie hat eine Heilerin, die sämtliche Blutuntersuchungen für uns durchführt."

Poppy schnaubte ungehalten, und Hermine brauchte einen Moment um zu verstehen, wer diese Heilerin sein musste. Sie zwang ein Lächeln von ihren Lippen und dachte, dass sie Spuren eines antwortenden Lächelns auf Poppys Gesicht erkannte.

„Wenn Sie darauf bestehen schwierig zu sein, Mr. Weasley. Dann Mr. Potter", sagte sie ungeduldig.

Harry sah sie einen langen Augenblick an, und erklärte dann sehr ausdruckslos und deutlich: „Das letzte Mal, dass jemand mir Blut abgenommen hat, wurde es benutzt, um Voldemort wieder auferstehen zu lassen."

Die Heilerin gab auf.

Sie waren, wie sich herausstellte, nicht die einzigen, die sich weigerten. In den höheren Jahren in Hogwarts wusste jeder, was für hässliche Dinge mit einer Phiole voll Blut angestellt werden konnten. Ja, die große Mehrheit davon zählte zur Blutmagie und war illegal, aber da jeder eine lange Liste von Leuten kannte, denen das egal wäre, ließen sie ihr Blut nur mit extremem Widerwillen aus ihrer Sichtweite. Nicht einer der Sechst- und Siebtklässler aus Slytherin stimmte zu, ihr Blut unter Ministeriumskontrolle zu stellen. Es war etwa halb und halb bei den Ravenclaws (die anscheinend nicht genügend esoterische und illegale Bücher lasen um zu wissen, worauf sie sich einließen) und den Hufflepuffs (die ein größer-als-gewöhnliches Vertrauen in das Ministerium haben mochten, oder sich fühlten, als steckten sie zwischen Hammer und Amboss, da Susan Bones' Tante die Zauberereiministerin war). Die Gryffindors folgten dem Beispiel des Trios.

Albus musste beim Abendessen eine Ankündigung machen.

„Es wurde mir bekannt gegeben, dass nicht alle Schüler sich dazu entschlossen haben, an den Untersuchungen des Ministeriums heute teil zu nehmen. Lasst mich euch daran erinnern, dass der Tod durch Gift eine sehr schreckliche Methode zu sterben sein kann."

„Blutmagie ist schlimmer", lehnte Harry sich vor um ihr ins Ohr zu flüstern, und sie nickte.

Der Schulleiter fuhr fort: „Der Leiter der Magischen Strafverfolgung, Auror Scrimgeour, möchte, dass ich euch dazu ermutige, eure Eltern zu beruhigen. Er hat mir versichert, dass das Ministerium nur eure besten Interessen am Herzen hat."

Weder Ron noch Harry würdigten dies mit mehr als einem Schnauben.

Sie bemerkte, dass der Schulleiter sich keine große Mühe machte; hätte er seine Befürwortung für den Plan ausgedrückt, so hätte er wahrscheinlich viele der Schüler überzeugen können, aber es schien, als ob auch er nicht fand, dass das Ministerium eine Antwort auf die Frage erhalten sollte, wer die Reinen Erwachsenen waren.

„Sollte jemand von euch seine Meinung ändern, die Untersuchungen werden bis Ende der Woche möglich sein."

Diejenigen, die sich vorher geweigert hatten, blickten ihn mit höflicher Ungläubigkeit an.

An dem Abend gelangen ihnen ein paar seltene Stunden mit Ron, Harry und Hermine alle in ihrem Gemeinschaftsraum; niemand hatte Training, und sie war gewillt, ihre Hausaufgaben für eine Weile aufzuschieben.

„Ich würde es ihm anrechnen, dass er den Mumm hat, das durchzuziehen", erklärte Ron später Kopf schüttelnd, „aber sogar ich weiß, dass es dämlich ist, Du-Weißt-Schon-Wen für einen Komplott verantwortlich zu machen, den du erfunden hast."

„Wenn ich Voldemort wäre, dann würde ich mich auf jeden Fall fragen, was wirklich vor sich geht", stimmte Harry zu. „Und Scrimgeour hat noch nicht einmal die Informationen erhalten, die er wollte."

Sie nickte. „Es war auf jeden Fall eine Fehleinschätzung von ihm. Wegen seiner Stellung im Ministerium macht die Idee irgendeines Dunklen Plans den meisten logischen Sinn, aber er hätte besser etwas gewählt, dem wir 'definitiv' ausgesetzt waren, wie eine Krankheit oder so, damit er einen guten Grund hätte, uns alle zu den Tests zu zwingen."

„Aber schwer zu erklären, warum Poppy es nicht einfach im Krankenflügel untersuchen konnte", zeigte Harry auf. „Sie ist mehr als qualifiziert, alle wahrscheinlichen Krankheiten zu behandeln. Ich schätze ein esoterisches Gift gibt ihnen einen Grund für Test außerhalb Hogwarts'."

„Ich frage mich, ob sie den einzigen Meister der Zaubertränke Englands um Hilfe gebeten haben, um dieses merkwürdige Gift zu identifizieren?", sagte Hermine mit hochgezogenen Lippen.

Sie alle lachten über die Vorstellung, dass Scrimgeour Severus um Hilfe bat.

Das Problem mit Scrimgeour hatte letztes Jahr angefangen, als Voldemort Askaban angegriffen hatte. Harry war mitten in Zaubertränke schreiend zusammengebrochen, ein Ereignis, das seit des alarmierend ähnlichen Vorfalls im fünften Jahr nicht mehr vorgekommen war. Hermine musste warten, bis Severus alle anderen aus dem Raum gescheucht hatte, bevor sie den schmerzlindernden Trank in Harrys Kehle bekam.

Sobald er sprechen konnte, hatte er sie darüber informiert, dass Voldemort in Askaban war, aber sie gewarnt, dass seine Vision sehr klar gewesen war; er vermutete, dass Voldemort es ihn sehen lassen wollte. Sie hatten spekuliert, dass eine große Anzahl Gefangener eine große Anzahl Auroren benötigen würde, die zum Gefängnis eilten, was das Ministerium relativ ungeschützt ließ, und diese Information hatten sie an Albus weitergegeben.

Es war beinahe zu einem Putsch in der Aurorenzentrale gekommen. Kingsley hatte auf sie gehört und den Großteil seiner Kräfte im Gebäude behalten. Scrimgeour hatte sich über ihn hinweg gesetzt und die Auroren nach Askaban beordert. Dies hatte alle Auroren zwischen den Leiter der Magischen Strafverfolgung und dem Leiter ihrer Abteilung gedrängt.

Eine Kombination mehrerer Ereignisse hatte sie an dem Tag gerettet: Albus hatte die Weitsicht, die nicht-Auroren Mitglieder des Ordens, die kämpfen konnten, nach Askaban zu schicken, Voldemort war von Harry abgelenkt worden, Kingsley war geistesgegenwärtig genug gewesen, Tonks zu Ministerin Bones zu schicken, als er den Patronus von Albus erhalten hatte, und die Verzögerung, die Kingsley und Scrimgeour verursacht hatten, hatten die Auroren daran gehindert, so zeitig auszurücken, wie Voldemort es erwartet hatte. Bevor irgendjemand seine Loyalität in möglicherweise verheerender Weise erklären konnte, wurde das Ministerium angegriffen, und es stand außer Frage, dass jemand das Gebäude verlassen konnte.

Tonks hatte einen Orden des Merlin erster Klasse für ihre Verteidigung der Ministerin erhalten. Sie war danach für fast drei Monate im Krankenhaus gewesen, aber sie hatte Amelia Bones am Leben und relativ unverletzt erhalten, bis Verstärkung sich zu ihrer Seite durchgekämpft hatte. Voldemort, ob er Visionen von sich selbst als Minister gehabt hatte oder nicht, hatte zumindest die Ränge des Ministeriums dezimieren wollen; die aktuelle Ministerin zu töten, wäre ein großer Sieg gewesen. Tonks hatte verhindert, dass das passierte, auch wenn das bedeutete, dass sie gegen ihre völlig wahnsinnige Tante kämpfen musste.

Die junge Aurorin hätte vielleicht kein solches Glück gehabt, wenn sie gegen Voldemort selbst angetreten wäre, aber zum zweiten Mal war der Mann ins Ministerium appariert und hatte nicht gefunden, was er erwartete. Anstelle von eingeschüchterten Angestellten des Ministeriums und einer Massenpanik hatte er Albus, Harry, Ron, Hermine und die halbe DA gefunden. Sie hatten die Todesser ausgeschaltet, die sie im Atrium gefunden hatten, und sie alle hatten ihre Zauberstäbe direkt auf Voldemort gerichtet, der ziemlich schnell entschieden hatte, dass er diesen Kampf nicht führen wollte, auch wenn er eine letzte spitze Bemerkung nicht unterdrücken konnte.

„Wir werden uns wiedersehen, Harry Potter", hatte Voldemort gezischt, „ein letztes Mal."

„Dann entscheide du einfach den Tag, an dem du sterben möchtest, und ich werde dich dann treffen", hatte Harry ruhig erwidert.

Voldemort hatte versucht, die Decke auf sie stürzen zu lassen, als er disapparierte, aber sie und Albus hatten den Zauber aufgelöst und der Rest von ihnen hatte Schilde errichtet, und auf einmal war es vorbei gewesen.

Das Debakel hatte den glücklichen Nebeneffekt, dass Voldemort Severus gegenüber weniger misstrauisch wurde. Es schien als hätte Bellatrix angedeutet, dass es das Wissen des Professors um Voldemorts bisherige Pläne war, das diese hätte scheitern lassen. Als auch dieser Plan gescheitert war, hatte Severus' Glaubwürdigkeit zugenommen, vor allem da er betonte, dass wenn er von dem Plan des Dunklen Lords gewusst hätte, er Harry hätte lahm legen können, als offensichtlich wurde, dass er nicht alle Leute nach Askaban scheuchen würde, wie Voldemort es wünschte. Uninformiert, wie Severus gewesen war, hatte er annehmen müssen, dass sich die Ereignisse so abspielten, wie der Dunkle Lord es wünschte, und so hatte er Harry ungehindert an Albus berichten lassen.

Es half auch, dass Bellatrix durch den Zauberstab ihrer Nichte gefallen war. Die wahnsinnigste der Black-Schwestern war nicht länger zur Stelle, um Zweifel auf Severus' Loyalität zu werfen, und auch wenn Voldemort wütend war, sie zu verlieren, konnte er Severus nicht dafür verantwortlich machen; es waren andere Todesser gewesen, die dem Debakel entkommen waren, die die volle Wucht der Bestrafung erhalten hatten.

Was die offiziellen Konsequenzen anging, so hatte das Minsterium ein Unentschieden zwischen Scrimgeour und Kingsley erklärt. Kingsley hätte seinem unmittelbaren Vorgesetzten gehorchen sollen, aber er war im Recht gewesen. Scrimgeour hatte mit den besten Informationen gehandelt, die ihm zur Verfügung standen – auch wenn Hermine fand, dass er Kingsley hätte zuhören können – aber das hatte sich als falsch erwiesen. Der Rest der Auroren war offiziell an die Befehlskette erinnert worden, aber niemand hatte direkt gesagt, dass sie in diesem speziellen Fall Scrimgeour und nicht Kingsley hätten gehorchen sollen.

Scrimgeour war nicht in offizielle Ungnade gefallen – die meisten Menschen wussten nicht einmal, was passiert war – aber der Mann hatte klar gestellt, dass er sich fühlte als sei seine Autorität in Frage gestellt und seine Stellung geschwächt worden. Um fair zu sein, sollten die Auroren noch einmal zwischen Scrimgeour und Kingsley wählen müssen, so würden sie wahrscheinlich auf Letzteren hören. Leider machte dies Scrimgeour wahrscheinlich nur umso entschlossener, was die Reinen Erwachsen betraf, und das brachte sie und Harry – und jeden, der dem Mann im Weg stand – in Gefahr.


Es gab keine einzige zusätzliche Blutspende während der Woche, aber Harry und Hermine waren froh, dass das bedeutete, dass Scrimgeour eine definitive negative Antwort erst eine Woche später erhielt und einen neuen Plan ausdenken würde. Die meisten Informationen würden von den jüngeren Schülern kommen, was sie für den eigentlichen Zwecks des Leiters der M.S.V. völlig unbrauchbar machte, und Kingsley hatte Albus versichert, dass er sein Bestes tun würde um sicherzustellen, dass die Phiolen vernünftig entsorgt wurden, damit sie sich keine Sorgen über anderen Missbrauch des Blutes machen mussten.

Voldemort war seit dem Zeitungsartikel unheilvoll still geworden. Neben seinen regulären Albträumen hatte Harry zwei Mal unter Visionen gelitten, die es nötig machten, dass sie in sein Bett kletterte, um ihn zu beruhigen. Auch wenn er seinen Verstand richtig mit Okklumentik abschirmte, sodass Voldemort keine Informationen aus ihm herausbringen konnte, strahlte der schlangengesichtige Arsch aus, was er tat; wenn seine Emotionen stark genug waren, dann fühlte Harry, was vor sich ging, ob er wollte oder nicht. Sie hatten noch keinen Weg gefunden, diese Visionen effektiv zu blockieren; die Verbindung zwischen Harry und Voldemort war einzigartig, und die traditionellen Methoden wirkten einfach nicht.

Glücklicherweise, soweit sie es erkennen konnten – da dies nichts war, dessen Details Voldemort besprach, nicht einmal mit seinen Todessern – um die Verbindung ausnutzen zu können, schützte Voldemort seinen Verstand nicht völlig, und er musste besonders starke Emotionen fühlen, um Harry hereinzuziehen. Sein Gehirn nicht ganz abzuschirmen war ein kalkuliertes Risiko des Mannes, und er hatte – ausnahmsweise vernünftigerweise – sich deshalb dazu entschieden, genau auszuwählen, wann er Harry auf diese Weise quälte, um nicht zu riskieren, dass Harry wichtige Informationen herausfand, oder rechtzeitig mit dem Orden oder den Auroren auftauchen konnte um die Todesser aufzuhalten.

Es gab eine Handvoll kleinerer Angriffe, bei denen Voldemort nicht anwesend war, oder die keinen Versuch rechtfertigten, Harry zuzusetzen, aber seit Ende September und dem dummen Artikel hatte es keinen einzigen Angriff gegeben, und sie fragten sich, worauf Voldemort wartete. Die Möglichkeit, dass er sich plötzlich läutern wollte, nachdem er eines Verbrechens angeklagt wurde, das er nicht verrichtet hatte, brachte sie ab und zu zum Prusten; sie wollten wissen, was er plante, und Severus wusste nichts Neues zu berichten.

Der zweite Samstag im Oktober brachte ihren ersten Hogsmeade-Besuch. Alle waren angespannt; Auroren, Professoren und Vertrauensschüler waren im Großaufgebot um Jedermanns Sicherheit zu garantieren. Es gab nicht mal eine Sichtung einer verdächtig aussehenden Ratte, um Alarm auszulösen. Die Drittklässler waren zu aufgeregt über ihren ersten Besuch des Dorfes, um sich über verschwommene Bedrohungen Sorgen zu machen, und sie schafften es so enthusiastisch zu sein, dass dem Besuch das Leben nicht völlig entzogen wurde.

Insgesamt verbrachten die Schüler das Wochenende aufgeputscht durch zu viel Zucker, aber Hermine nahm an, dass das ein kleiner Preis für einen sicheren Ausflug war, der es den unteren Jahren ermöglichte so zu tun, als würden ihre Leben nicht von dem Krieg um sie herum regiert.

Die Tage schienen in der besonders rasanten Geschwindigkeit vorbeizurauschen, die sie während des Schuljahres häufig annahmen, und Hermine wusste nicht, wie sie damit hätte umgehen können, wenn sie mehr als vier Stunden Schlaf gebraucht hätte. Sie trainierten bis zu vier Mal die Woche mit Severus, wobei ihnen Ron oder Tonks mindestens einmal Gesellschaft leisteten, und sie und Harry patrouillierten bis zu fünf Mal. Tonks stattete ihnen gerne mindestens einen Besuch pro Woche ab, um Rückmeldungen über ihren Lehrplan zu erhalten.

Neue Schüler hatten es mit Heimweh zu tun, wiederkehrende Schüler mit dem Drama des Schullebens, und sie alle gingen zu ihren Vertrauensschülern. Vertrauensschüler versuchten mit ihrer eigenen zunehmenden Arbeitslast umzugehen, und kamen zu Harry oder Hermine, und es fühlte sich bereits so an, als lägen die Sommerferien Jahre zurück.

Hermine versuchte sich mindestens einmal die Woche raus zu ihrer Herde zu schleichen. Sie vermutete, dass Harry genauso neugierig wie Severus darüber wurde, wohin sie ging, häufig in den frühen Morgenstunden, aber seit dem ersten Mal hatte sie sich weder auf den Ländereien noch bei Betreten oder Verlassen des Gebäudes erwischen lassen.

Dementsprechend war sie wenig geneigt, unnötige Geständnisse zu machen, und sie würde ihre Routine bestimmt nicht unterbrechen, denn sie benötigte den Besuch bei ihrer Herde sowohl um sich zu beruhigen, als auch als tatsächliche Stärkung. Castina und die anderen Einhörner fanden die Aufregung der Schülerin über akademische Belange ziemlich amüsant, und diese Perspektive – so verschieden von Hermines eigener – war eine willkommene Entspannung in den stressigsten Momenten.

In ihrem siebten Jahr in Hogwarts wurde ein zusätzlicher Schwerpunkt auf die Wichtigkeit ihrer eigenen Gedanken gelegt. Sie hatten noch immer genug vorbereitende Hausaufgaben, wie etwa einen Zauber für Verwandlung zu lernen, oder sich die richtigen Zutaten und Methoden für Zaubertränke einzuprägen. Sie mussten auch Aufsätze schreiben, in denen sie ihre Sicht auf alle möglichen Theorien und Themen darlegten. Aber sie mussten auch in der Praxis originell sein.

So lernten sie in Kräuterkunde nicht nur über Pflanzen und brachten ihre Theorien in Aufsätzen hervor, sondern schufen auch ihre eigenen Kreuzungen. Sie taten Ähnliches in all ihren Fächern, die praktische Komponenten hatten, inklusive Zaubertränke, Zauberkunst, V.g.d.d.K. und Verwandlung. Es wurde noch immer viel wert gelegt auf das, was auf Buchwissen und dessen praktische Anwendung für ihre standardisierten U.T.Z.s hinauslief, aber die magische Welt wollte, dass kreative Denker in ihre Arbeitswelt entlassen wurden.

Die Bonusprojekte der Siebtklässler waren einer Erweiterung davon, da nur Beispiele eigener Gedanken akzeptiert wurden. Ihnen wurde stark ans Herz gelegt, ihre Ideen mit ihren Professoren abzusprechen, um sicher zu gehen, dass sie passend waren, aber es war keine Notwendigkeit, und Hermine hatte niemandem an der Schule ein Sterbenswörtchen über ihres verraten. Denn irgendwie hatte sich Hermines kleine Sammlung von Projekten – denn sie hatte sie in fast allen Fächern machen wollen – in ein einziges, massiges Projekt verwandelt: sie versuchte Lykanthropie zu heilen.

Zahlreiche Versuche waren über die Jahre gescheitert, und Hermine wollten ihren Erfolg verkünden und nicht die Abwesenheit desselben. Glücklicherweise hatten ihre Professoren Vertrauen in ihre Fähigkeit und ließen zu, dass sie es geheim hielt. Sie versicherten ihr zudem, dass, so lange es so umfangreich war, wie sie es andeutete, ein Projekt mit mehreren Disziplinen auch für mehrere Klassen anrechenbar war.

Hermine war ziemlich sicher, dass dies so umfangreich war wie nur möglich, und viele Leute würden sie für verrückt halten, es auch nur zu versuchen. Remus war die einzige Person, die tatsächlich von dem Projekt wusste, und das auch nur, weil er sich bereit erklärt hatte, ihr Versuchskaninchen zu sein.

Auch wenn sie wusste, dass Harrys Gruppe normalerweise für ihre Diskretion bekannt war, wusste sie auch, dass es ein großer strategischer Vorteil für den Orden wäre, wenn sie den Werwölfen Heilung anbieten könnten. Hermine würde auf keinen Fall riskieren, dass die Möglichkeit bekannt wurde, bevor sie nicht zur unumstößlichen Tatsache wurde. Außerdem tat sie es nicht für den Orden, sondern für die Werwölfe. Sie lehnte kategorisch ab ihnen etwas anzubieten, dass sich als leere Hoffnung herausstellen konnte, nur weil es dem Orden einen politischen Vorsprung gab. Sie hatte einen großen Respekt vor Albus, aber er war ein Meister der Manipulation, und sie würde ihre ungetestete Theorie nicht in seine Hände geben.

Als ein Resultat des Projektes musste Hermine nun mehrmals täglich zu den Gewächshäusern gehen, um die Kreuzungen zu überprüfen, die in den nächsten paar Wochen sprießen würden. Sie hatte den ganzen Sommer über an den Samen gearbeitet, hatte lange Arithmantische Formeln durchgerechnet, und ihre Tests zeigte, dass diese neuen Veränderungen endlich die Pflanzen mit den passenden Merkmalen hervorbringen sollten. Leider konnte ihr Wuchs nicht magisch beschleunigt werden, und sie würden erst Mitte November reif sein; dann konnte sie Remus vorbei bringen, um seine Reaktion auf die Pflanze zu testen. Angenommen dabei ging alles glatt, könnte ihr Versuch weitergehen.


In der Mitte des Monats, anderthalb Wochen nachdem der Untersuchungszeitraum geendet hatte, lieferte Kingsley einen Bericht an Albus. Obwohl er dabei gewesen war, als das Blut zerstört wurde, waren die Phiolen nur noch etwa halb so voll, wie sie nach den nötigen Tests sein sollten; es war höchst wahrscheinlich, dass Voldemort nun die gleichen Ergebnisse hatte wie das Ministerium. Kingsley hatte ihnen die Liste der Schüler gegeben, die ihr Blut abgegeben hatten, sodass sie weitere Siebtklässler von ihrer Liste der potentiellen Reinen Erwachsenen streichen konnten: Jacob (was sie bereits gewusst hatten), Simon, Mandy (was Rons unbegründete Spekulationen beendete), Ernie, Susan (und wieder wurde eine von Rons Oh-so-tollen Schlussfolgerungen widerlegt), Hannah und Sally-Anne.

Somit verblieben ein bisschen weniger als die Hälfte der Schüler als mögliche Reine Erwachsene – zumindest soweit es jeden betraf, der nicht Harry oder Hermine war – und davon waren fast zwei Drittel Slytherins. Innerlich grinsend fragte Hermine sich, ob Albus bereits versucht hatte Severus zu bitten, dahingehend nachzuforschen.

Der Zaubertränkemeister hatte sein Wort gehalten und ihr eine Ecke seines privaten Labors gegeben. Trotz seines Protests darüber, ihr die Zeit und den Platz zu geben, gereichte es ihm eigentlich nur zum Vorteil, da sie im Sommer das Brauen des Wolfbann-Trankes von ihm übernommen hatte. Sie führte dies im Schuljahr fort, jetzt da sie einen Ort hatte, an dem sie ihn zubereiten konnte; sie hatten den Wolfsbann für Remus diesen Monat vor anderthalb Wochen fertig gestellt, und in ihrer Freizeit – auch wenn die Vorstellung, dass sie welche hatte, ein wenig lächerlich war – braute sie die meisten Tränke, die Poppy im Krankenflügel benötigte.

An diesem vorletzten Freitag im Oktober stellte sie eine Salbe gegen Prellungen her. Severus bestand darauf, dass die Abende, die er Arbeiten korrigierend in seinem Labor saß, während sie an den Zaubertränken arbeitete, sicher stellen sollten, dass sie nichts in seinen Privaträumen in die Luft jagte, aber sie hatte sich fröhlich dazu entschieden, ihm nicht zu glauben. In den Momenten, in denen ihre Tränke ruhten, köchelten, atmeten oder sich sonst wie um sich selbst kümmerten, schien er nicht unwillig, sich mit ihr zu unterhalten, und sie besprachen häufig das neueste Ars Alchemica oder Theorien über Zaubertränke oder Verteidigung, von denen sie aus anderen Quellen erfahren hatten. [9]

Sie war immer diejenige, die die Gespräche persönlicher machte, indem sie Anekdoten aus ihrer Zeit zu Hause einbrachte, über ihre Sommer sprach oder eine verrückte Aktion erläuterte, die sie, Harry und Ron abgezogen hatten. Zum größten Teil war Severus hierfür empfänglich. Es war nicht sehr häufig, dass er ihr mit einer eigenen Geschichte erwiderte, aber sie genoss die Augenblicke, in denen er es tat.

Immer mal wieder schätzte sie seine Laune falsch ein und stellte eine Frage, die alle seine Schilde heraufbeschwörte, aber diese Momente wurden immer seltener; sie stellte sich gerne vor, dass es sowohl daran lag, dass er sich langsam öffnete, als auch daran, dass sie besser darin wurde, ihn zu lesen.

Sie wünschte sich, dass er wirklich verstehen würde, dass sie ihn nur besser kennen lernen wollte und nicht kurz davor stand, über ihn zu urteilen oder sich lustig zu machen oder jedem, den sie kannte, zu erzählen, was er ihr berichtete, aber sie nahm an, dass sie nicht wirklich Steine werfen konnte, wenn sie die ganzen Geheimnisse betrachtete, die sie ihm momentan vorenthielt. Er hatte noch nicht genügen Gründe ihr zu vertrauen, und der einzige Weg das zu erreichen, war sich die Zeit für solche Momente zu nehmen und geduldig zu sein. Sie tat ihr Bestes.

Keine unschuldigen Gespräche fanden in Anwesenheit anderer statt, selbst wenn es jemand so harmloses war wie Albus oder Kingsley, und wenn sie viel Pech hatte, dann wurde sie zu „Miss Granger" zurückgestuft, bevor sie blinzeln konnte. Aber für den Moment war sie zufrieden damit, dass er sich ihr nur ein bisschen öffnete. Kleine Schritte, rief sie sich ins Gedächtnis, erzielten mit der Zeit doch Fortschritt.

Selbst wenn er nicht so über ihre gemeinsame Zeit empfand wie sie, schien er doch gemerkt zu haben, dass sie sich von der Zeit unterschied, die sie anderswo verbrachten; hier war es am Wahrscheinlichsten, dass er Bitten äußern würde, die von seiner normalen Persona abwichen, die er sich aufgebaut hatte. Wenn er sie in sein Büro geschleift hätte, beispielsweise, hätte sie wahrscheinlich nie zugestimmt, ihm Zugang zu ihren und Harrys Räumen zu gewähren.

Da er in der entspannten Atmosphäre des Labors gefragt hatte, mit der Begründung der nächste Professor und Ordensmitglied zu sein, der ihnen wenn nötig Hilfe leisten konnte, hatte sie ihn zu den Schutzzaubern hinzugefügt. Sie und Harry würden immer noch erfahren, dass er angekommen war, da sie nicht glaubte, dass Harry es sonst ertragen würde, aber der Zaubertränkemeister würde nicht im Flur stehen und auf eine Antwort warten müssen. Sie hatte es noch nicht geschafft Harry diese Tatsache mitzuteilen, da sie noch auf den … passenden Augenblick wartete.

„Isst du jemals?"

Sie sah überrascht von der Flamme unter der Salbe für Prellungen auf, die sie am Löschen war, und zu Severus hin, der sie intensiv von der anderen Seite des Raumes her betrachtete, wo er all seine zu benotenden Aufsätze auf einer der langen Arbeitsflächen aufgereiht hatte. Sie hatte nicht gemerkt, dass das Geräusch des Federkiels auf dem Pergament verstummt war, und sie war merkte bestürzt, dass sie keine Ahnung hatte, wie lange er sie schon beobachtete.

„Entschuldigung?", sagte sie, als sie endlich verstand, was er gefragt hatte, und von der unsinnig klingenden Frage überrascht war.

„Ich habe dich hier nach deinem Verteidigungsunterricht gefunden, und es ist jetzt fast neun Uhr abends. Isst du jemals?", wiederholte er, wobei er die Frage deutlich betonte um zu zeigen, dass er ungeduldig wurde.

Verdammt. Wenn es Leute gab, die sie beobachten konnten, versuchte sie sich ein wenig normaler zu verhalten.

„Natürlich tue ich das." Sie lächelte selbst-verlegen. „Ich neige allerdings auch dazu, mich in meiner Arbeit zu verlieren."

Er stand abrupt auf und machte sich keine Mühe, die über die Fläche verstreuten Pergamente aufzusammeln. „Komm mit."

Sie ging, dem Flattern seines schwarzen Umhangs folgend und sich fragend, warum der Umhang von niemandem sonst sich so fantastisch bewegte wie seiner. Sie war freudig überrascht, dass er sie in seine Räume führte, und noch erstaunter, nach ihrer Ankunft zu sehen, dass er einen Hauself herbei rief, um ihnen eine Mahlzeit zu besorgen. Sie schaffte es offenbar nicht ihren Gesichtsausdruck völlig neutral zu halten.

„Mr. Potter würde zur Nervensäge werden, sollte ich dich vor Hunger umkommen lassen."

Sie schnaubte. „Ich vermute, dass der Papierkram ein weiterer Nachteil wäre?"

Er gab ein unverbindliches Brummen von sich, das sie als Zustimmung wertete.

Kurz darauf saßen sie beide in Sesseln vor dem Feuer, jeder mit einem Teller zu Essen. Sie stellte amüsiert fest, dass während Severus' Teller hochgestapelt war mit Steak, Kartoffeln und Soße, Bohnen und Möhren und zwei Brötchen, ihr eigener eine sehr viel normalere Portion Gemüse, Früchte und einem Brötchen aufwies. Tatsächlich war es nach Hauselfen-Standards geradezu winzig, aber vollkommen passend für ihre Bedürfnisse. Ihre Ernährung war seit ihrer Animagusverwandlung extrem eigen geworden, aber die Hauselfen schienen es problemlos hinzunehmen.

Severus beäugte ihre unterschiedlichen Portionsgrößen kritisch.

„Sie sind dir entweder sehr gut oder sehr schlecht gesonnen; ich habe noch niemals erlebt, dass ein Elf das getan hätte." Er zog eine Augenbraue nach oben. „Oder du bist am Sterben. Ich glaube, dass Patienten eine besondere Diät erhalten."

„Ich bin nicht am Sterben – zumindest nicht mehr als jeder andere Sterbliche – aber Winky hat vielleicht Geschichten verbreitet." Es hatte eine Weile gebraucht, bis sie herausgefunden hatte, was sie in menschlicher Form essen wollte, und sie hatte es erst im Sommer wirklich geschafft, als sie die Möglichkeit hatte sich selbst zu versorgen und ihre Auswahl wirklich überdenken konnte. Winky und Kreacher hatten ihr gerne geholfen. „Es ist so viel, wie ich wahrscheinlich essen werde; und so verschwenden sie kein Essen."

„Du verstehst dich bemerkenswert gut mit den Hauselfen Potters." Sein Ton war bei Weitem nicht neutral, aber zumindest auch nicht ausgesprochen unhöflich.

„Ich habe doppelt so viel Zeit im Grimmauld-Platz verbracht wie er, da er in den letzten beiden Sommern erst nach seinem Geburtstag gekommen ist. Da ich diejenige war, die die ganze Zeit dort war, ist Winky für Anordnungen zu mir gekommen, und wir haben uns ziemlich gut kennen gelernt. Und", sie atmete tief ein und gab zu, „ich schätze, dass sie sich immer um mich kümmern wird, weil ich diejenige war, die sie an Harry gebunden hat."

Severus' Augenbrauen hoben sich weiter gen Haaransatz. „Ich bin mir sicher, dass ich mich verhört haben muss."

Hermine seufzte. „Seit dem ersten Moment, in dem ich sie während der Quidditch-Weltmeisterschaft gesehen habe, habe ich mit ihr nur negative Gefühle verbunden. Sie war panisch hoch oben in den Tribünen zu sein, sie war untröstlich als Mr. Crouch sie verbannte, und sie hat ihre Zeit in den Hogwartsküchen todunglücklich und völlig elendig verbracht, während sie sich zu Tode trank."

Hermine konnte noch immer nicht wirklich verstehen, wie jemand von Freiheit so entsetzt sein konnte, aber eine anderthalb-jährige Bekanntschaft mit der Elfe hatten selbst Hermines Optimismus darüber gemindert, dass Winky begreifen würde, wie glücklich sie sich schätzen sollte.

„Als Albus Winky zum Grimmauld-Platz schickte und sie Kreacher getroffen hat, war es, als würde ich eine neue Elfe treffen. Zwei neue Elfen, um genau zu sein, da sie beide zum ersten Mal in meiner Erinnerung glücklich waren."

Das war besonders bestürzend, da sie gerade erst von Harry erfahren hatte, welche Rolle Kreacher dabei gespielt hatte, Sirius in die Mysteriumsabteilung zu bringen. Ihre Sympathie für den Elf – wenn auch noch immer größer als die der meisten Menschen – war so gering wie nie, und dann war sie mit diesem unvereinbarenden Bild konfrontiert worden.

„Sie sind Cousins, musst du wissen" fuhr sie fort, „und Winky kannte Kreacher in ihrer Jugend, aber als sie von den Crouches erworben wurde, durfte sie nichts mehr mit einem Wesen zu tun haben, das für die Blacks arbeitete." Sie zog eine Grimasse um ihr Missfallen für solchen Hochmut und solche Intoleranz auszudrücken. „Kreacher hatte den Grimmauld-Platz in mehr als einem Jahrzehnt nicht verlassen, bevor der Orden das Haus übernommen hat, und selbst andere Hauselfen wussten nicht, dass er noch am Leben war."

Sie starrte ins Feuer und weigerte sich, Severus anzusehen, während sie zu Ende erzählte. „Sie waren überglücklich, und die Aussicht, dass Winky nach Hogwarts zurück kehren und unglücklich sein würde, und dass Kreacher zurück in seine Depression sinken würde, war wirklich düster. Sie wollten zusammen sein, und Harry war genauso erpicht auf glückliche Elfen wie ich, zumindest was die zwei betraf, und so stimmte er dem Binden zu. Er ist ziemlich unbrauchbar, was Recherchen angeht, wie du weißt, also habe ich es getan."

„Es scheint weit entfernt zu sein von Belfer.", sagte Severus schelmisch.

Wenn man betrachtete, wie erfolglos ihre Kampagne gewesen war, verwunderte es sie immer wieder, wie viele Leute davon gehört hatten … und die Abkürzung nicht als solche aussprechen konnten. Sie wandte sich ihm erneut zu.

„Du klingst wie Harry und Ron, wenn du es so nennst." Sie grinste ob seines missfälligen Schmollens und wusste, dass sie zumindest ihn von der Gewohnheit geheilt hatte. Sie nahm an, dass sie beeindruckt sein sollte, dass das alles war, was er über die Sache zu sagen hatte. „Und den Bund für Elfenrechte gibt es noch; ich bin nur etwas einsichtiger geworden, was dessen Auslegung angelangt. Zumindest glaube ich, dass es viel klarere Verhaltensrichtlinien geben muss für die Menschen, die Elfen an sich binden, Rechte für die gebundenen Elfen und weniger Stigmatisierung für diejenigen, die bezahlt werden wollen, so wie Dobby."

„Du klingst auf jeden Fall wie eine Hexe auf einer Mission. Planst du in der Zukunft die Elfenrechte zu vertreten?"

Es war nur mit mildem Spott gefragt.

„Naja", antwortete sie mit einem Lächeln, „ich werde Elfenrechte immer vertreten, aber wenn du damit meinst, ob ich es als Karriere tun will, dann habe ich darauf keine Antwort. Es gibt so viele Möglichkeiten und so viele Interessen, die mir zusagen; ich bin unentschieden."

Severus' Tonfall war beiläufig. „Dir ist klar, dass Minerva dich töten wird, solltest du schließlich in einem Pub kellnern."

Sie lachte. „Ich nehme nicht an, dass das ihre Erwartungen erfüllen würde, aber", gab sie schulterzuckend zu, „im Moment ist so viel in der Schwebe. Ich werde an Harrys Seite stehen bis Voldemort besiegt ist, und dann überlege ich mir, wie ich mit dem Rest meines Lebens einen Unterschied machen kann."

„Ich hege keine Zweifel, dass die Besucher deinen Pub mit erhellenden Erkenntnissen über alles von Elfenrechten bis zum Muggelkino verlassen würden."

Das war wahrscheinlich das netteste Kompliment, das er ihr je gemacht hatte, und dies wurde schnell zu einer ihrer Lieblingsbegegnungen mit dem Mann.

Die beiden waren sich ab und zu in der Küche des Grimmauld-Platzes begegnet, als niemand sonst zugegen war, vor allem da das Brauen zu Unzeiten ein großer Teil der unregelmäßigen Nächte war, die er im Hause der Blacks verbrachte. Aber das war nicht ganz das gleiche wie sich zusammen zum Essen hinzusetzen, nur sie beide. Sie aßen Kleinigkeiten, manchmal, wenn ein Training besonders lange lief, aber das waren sie und Harry und Severus und manchmal sogar Ron.

Sie machte sich keine falschen Vorstellungen; sie wusste, dass sie kaum ein romantisches Dinner für zwei genossen. Aber es waren ruhige und gesellige Momente wie dieser, die sie überzeugten, dass vielleicht, eines Tages... Zumindest gab es ihr Hoffnung, dass er sie nicht mehr als zwölfjährige Besserwisserin ansah, die an der Hüfte mit Harry und Ron verbunden war.

Mit zwei „Plops" verschwanden ihre leeren Teller auf einmal und wurden ersetzt mit zwei hohen geriffelten Gläsern voller -

„Verfluchte Elfe!", rief sie ins Leere hinein.

Es kam keine Reaktion von Winky, aber Severus sandte ihr einen gezielten, fragenden Blick.

Sie deutete auf das Dessert, das jetzt neben ihr stand. „Mousse au chocolat."

Er hob nur eine Augenbraue.

Hermine seufzte. „Winky weiß, dass ich sie liebe, aber ich versuche, sie nicht all zu häufig zu essen. Wenn sie sie bringt, dann versuche ich sie dazu zu bringen, sie wieder zurückzunehmen. Sie hat anscheinend herausgefunden, wie sie das umgehen kann."

„Aber wenn du es nicht essen würdest, fände sie das nie heraus."

„Stimmt." Sie beäugte die dekadente Süßspeise, als läge ein magischer Zwang auf ihr. „Aber das würde bedeuteten, sie, äh, nicht zu essen."

Er grinste sie offen an. „Wo ist all die berühmte Selbstbeherrschung der Gryffindors?"

Sie gab der Versuchung nach und nahm eine Portion schokoladiger Glückseligkeit auf den Löffel. „Ich fürchte, du stehst kurz davor, einen Augenblick purer Selbstbefriedigung der Gryffindors zu erleben."

Der Schokoladengeschmack explodierte in ihrem Mund, und sie verursachte einen leisen Laut, von dem sie wirklich hoffte, dass es nicht wir ein befriedigtes Stöhnen klang.

Sie verbrachte die nächsten paar Momente mit sehr einseitigem Fokus und genoss jeden Löffel Mousse, bis sie endlich das letzte Bisschen aus ihren Glas schabte und die Leere des Gefäßes mit einiger Enttäuschung anstarrte.

Es war nur das besonders lautes Geräusch, das ein im Feuer knisternder Scheit verursachte, das sie in den Raum zurück holte … und zu dem Mann neben ihr. Sie hob ihren alarmierten Blick zu seinem empor und sah, dass er sie mit einem funkelndem Blick betrachtete, der beinahe erschreckend intensiv war. Sie schluckte, leckte ihre Lippen und sah zu wie er seine Hand ausstreckte mit … Ihre Augen weiteten sich.

„Das würdest du nicht", sagte sie hilflos.

Seine Mundwinkel erhoben sich. „Ich könnte sie unmöglich so sehr genießen wie du."

Sie biss auf ihre Lippe, versuchte ganze zehn Sekunden lang zu widerstehen, und schnappte sich dann das zweite Dessert, als würde Severus seine Meinung ändern und es ihr wieder wegnehmen.

Die zweite war genauso gut wie die erste, und Hermine fragte sich, ob Einhörner willens wären, Mousse au Chocolat zu versuchen. Licht und Mousse... Das klang nicht unangemessen, oder? Sie war sicher, dass zumindest sie nur von den beiden leben könnte.

Severus' Ausdruck war spöttelnd geworden. „Jetzt weiß ich, warum sie dir so wenig Abendessen gegeben hat."

„Sie scheint ihren Plan tatsächlich gut durchdacht und ausgeführt zu haben", stimmte Hermine zu, und war nun schwer bemüht, sich nicht zu schämen ob des Spektakels, das sie aus sich selbst gemacht hatte. „Sie und Kreacher haben sich wahrscheinlich gegen mich verbündet."

„Oh?"

„So haben sie es geschafft, im Grimmauld-Platz zu putzen und zu kochen. Ich hatte etwas gegessen, das ich mir selbst zubereitet hatte, und wollte mich gerade an den Abwasch begeben, wenn Kreacher eine wichtige Frage darüber hatte, wie etwas in der Bibliothek zu putzen war. Wenn ich wieder aus der Bibliothek draußen war, hatte Winky den Abwasch schon erledigt. Oder Winky wollte meine Meinung über die Vorhänge im Wohnzimmer, direkt vorm Mittagessen, und bis ich es in die Küche geschafft hatte, hatte Kreacher schon das Essen zubereitet. Es hat fast eine Woche gedauert, bis ich gemerkt habe, dass das kein Zufall war."

„Die Folgen von Elfrenrechten", bemerkte er trocken.

Sie lächelte, plötzlich aufgemuntert. „Ich scheine ihnen wirklich entschiedene Meinungen beschert zu haben, oder?"

„Wir werden sehen, ob Mr. Potter dir in ein paar Jahren noch für das Binden dankt, in Ordnung?" Es schwang dunkle Belustigung in seiner Stimme mit.

„Harry mag Menschen, die für sich selber denken, ansonsten hätte er nicht die Gruppe an Freunden, die er hat", sagte sie mit Bestimmtheit; sie konnte sich selbst zu dieser Gruppe zählen.

Er neigte seinen Kopf und stand dann auf. „Es ist spät."

Sie folgte seinem Beispiel, stand auf und fühlte sich auf einmal leicht unbehaglich.

„Ich -", ihm direkt für das Abendessen zu danken erschien ihr dreist und eher unklug. „Danke. Harry wird erfreut sein, dass ich heil und gesättigt zurückkehre."

„Ich würde Mr. Potter so ungern enttäuschen."

Es war leicht bissig gesagt, und Hermine bereute sofort den Verlust ihrer vorherigen Leichtigkeit. Sie bot ihm ein schwaches Lächeln an.

„Ich werde die Prellungs-Salbe abfüllen." Sie gestikulierte zurück zum Labor.

Seine Stimme war kühl und abweisend. „Du würdest Mr. Potter nicht warten lassen wollen."

„Eigentlich, wenn es nach halb neun ist, dann ist es dafür zu spät", erinnerte sie sich plötzlich. „Ich soll ihn treffen, um an unseren Zauberkunst-Hausaufgaben zu arbeiten."

Severus wirkte einen Tempus, und sein Ausdruck wurde etwas milder, während sie zusammenzuckte; es war viertel vor Elf. Natürlich war der Mann erfreut, dass Harry vergessen worden war.

„Du solltest besser gehen und dich entschuldigen. Ich fülle deinen Zaubertrank ab."

„Bist du sicher?", fragte sich unsicher, erfreut, dass sich sein Tonfall verbessert hatte, sodass sie jetzt nicht zu viel erwarten und es schlimmer machen wollte.

„Ansonsten hätte ich es nicht angeboten", sagte er mit einer Spur Ungeduld. „Geh weg, Hermine."

Sie lächelte. „Ich gehe ja schon." An der Tür verharrte sie kurz. „Danke nochmal, Severus, für alles."

Bevor sie sehen konnte, ob er darauf eine Antwort hatte, zwang sie sich, aus der Tür und durch den kurzen Flur zwischen seinen Räumen und seinem Labor zu gehen, und ließ sich dann raus seinem Labor in den Rest der Schule. Es würde schließlich nicht angehen, dass jemand die Gryffindor'sche Schulsprecherin aus dem Quartier des Hauslehrers von Slytherin kommen sah, selbst wenn er ihr Kontakt zum Lehrkörper war, und selbst wenn nichts Unpassendes vorgefallen war.

Dennoch machte sie sich mit außerordentlich guter Laune in Richtung ihrer eigenen Räume auf; Severus speiste wahrscheinlich nicht mit den meisten seiner Schüler, und das bedeutete, dass er sie auf irgendeine Weise als besonders behandelte, wenn auch nicht ganz so, wie sie es sich wünschte.

Harry war über die Couch ausgebreitet und schrieb auf ein langes Stück Pergament, als sie eintrat, und er sah bei ihrer Ankunft mit erwartungsvollem Gesichtsausdruck auf.

„Da war ein Hippogreif mit verwundetem Flügel", fing sie mit weiten Augen und einem Tonfall an, der die Ernsthaftigkeit in Person war, „und ich wurde von Knallrümpfigen Krötern gejagt, die mit einem besonders starken Liebestrank überschüttet worden waren. Sie liefen wild auf den Ländereien umher und brachen dann ins Schloss. Sie haben in der Großen Halle einen besonderen Radau veranstaltet, wo ein Haufen hilfloser Erstklässler zwischen sie kam und in Lebensgefahr war, und ich war die Einzige, die es in Ordnung bringen konnte."

Er rollte mit den Augen und grinste angesichts des kompletten Blödsinns, den sie von sich gab. „Schon gut, du Idiotin. Zumindest wissen wir, dass die Dosis Veritaserum nicht zu hoch ist. Komm her und hilf mir, das hier in Ordnung zu bringen."


Am Mittwoch kündigte Septima an, dass sie ein Projekt in vorgegebenen Paaren machen würden, da die Frau wollte, dass sie ihre Fähigkeit zur Zusammenarbeit zeigten, und dass sie ihre komplexen Berechnungen anderen verständlich machen konnten. Hermine war Draco Malfoy zugeteilt, zum offensichtlichen Missfallen Tracey Davis', die sich in diesem Fach normalerweise für Partnerarbeiten mit ihm zusammen tat.

Draco begab sich zu Hermine ohne sich anmerken zu lassen, ob er erfreut war oder nicht, was, wie sie sicher war, seinen Vater zu solch einem guten Politiker machte. Es war schließlich er, und nicht Tracey Davis, der mit Hermines Anwesehenheit fertig werden mussten, und sie wusste, dass Draco früher keinen Hehl aus seiner Abscheu gemacht hätte. Er war aber erwachsen geworden, und sein blasses, aristokratisches Gesicht trug einen Ausdruck höflicher Neutralität.

Sie deutete mit ihrer Hand auf einen Stuhl, als er tatsächlich die Manieren zeigte, darauf zu warten, dass sie ihn aufforderte, ihr Gesellschaft zu leisten. Sie hatte nicht viel Erfahrung mit Reinblütern und solchen altmodischen Manieren, und sie hoffte, dass dies sein Versuch war, ehrlich höflich zu sein, und sie nicht aus der Fassung bringen sollte.

„Sollte ich besorgt sein wegen der Todesblicke, die ich erhalte?", fragte sie milde.

Er sah sie leicht überrascht an, drehte sich dann um, sodass er den Gesichtsausdruck seiner Mit-Slytherin erkennen konnte, und blickte sie dann mit einem leichten Lächeln wieder an.

„Ich kann mir vorstellen, dass du ihr mehr als gewachsen bist, Granger."

Also Höflichkeit; das war definitiv ein Kompliment gewesen.

Auch wenn sie im letzten Jahr alle ihre Klassen gemeinsam überlebt hatten – und Muggelkunde war das einzige Fach, das sie sich nicht mit ihm teilte – hatte er immer Abstand zu ihr gewahrt, oder zumindest vom Goldenen Trio.

Harrys rohe Trauer über den Tod von Sirius – welche im Beisein von beinahe jedem zu unbeschränktem Ärger wurde – war bis zum Beginn des sechsten Jahres beruhigt worden, und das Letzte, das er hatte tun wollen, war den Fehler zu machen, ein Kind für das Versagen seines Vaters zu beschuldigen. Dennoch, Draco Malfoys Vater war in Askaban und Sirius Black war tot, und Harry Potter und Draco Malfoy in einen Raum zu stecken, schien ein eher törichter Plan zu sein; da sie beide zum ersten Mal gemeinsam Vertrauensschüler waren, mussten sie häufiger als bisher zusammen in einem Zimmer sein.

Hermine und Pansy hatten sicher gestellt, dass die zwei Jungen wann immer möglich von einander abgeschirmt waren, und zu jedermanns Erleichterung verstrichen langsam die Monate, und die beiden verstanden immer besser, dass ein friedliches Miteinander möglich war.

Da sie nun nicht mehr stritten, kämpften oder Pläne für den Niedergang des anderen schmiedeten, hatte Harry Zeit gehabt, Dracos gute Merkmale zu bemerken – oder vielleicht seine potentiell guten Merkmale – und Hermine hatte zugesehen wie sich der Blick ihres besten Freundes verwandelt hatte, bis er Draco mit etwas betrachtete, dass überhaupt kein Hass mehr war.

Als sie und der Slytherin die halbstündige Planung begannen, die beinhaltete, drei Treffen außerhalb des Unterrichts zu vereinbaren, fragte Hermine sich in sich hinein grinsend, ob Harry Arithmantik in Betracht gezogen hätte, wenn er von diesem speziellen Vorzug gewusst hätte.


[9] Ars Alchemica ist die Zaubertrank-Zeitschrift von Rileys Pawn to Queen. Ihre Fic war eine der ersten HG/SS Fics, die ich je gelesen habe, und sie thront in den dunklen Ecken meines Gehirns als Höhepunkt des Genres, auch wenn sie traurigerweise unvollständig und verlassen ist.

Im nächsten Kapitel feiert die magische Welt ein weiteres Mal Halloween.