Plötzlich wurde, nach einem kurzen, kaum hörbaren Klopfen die Tür auf gerissen, wobei Sara und Grissom gleichermaßen zusammen zuckten und erschrocken auf die hereinstürmende Krankenschwester schauten. Gott sei dank dachte Grissom nur. Eine Unterbrechung schien ihm ziemlich willkommen, da er befürchtete, Sara könnte zu einem erneuten Schlag ausholen, dem er dann mit Sicherheit nicht mehr stand hätte halten können. Die Krankenschwester wandte sich mit einem kurzen „Hallo" an Grissom und bat ihn, in einem ziemlich forschen Ton, das Zimmer zu verlassen, da diese eine „Untersuchung" ,wie sie sagte, vor zu nehmen hatte. Noch ein wenig verstört über das so eben gehörte, fand er doch endlich ein paar Worte. „Bitte denk noch mal darüber nach." bat er und ging langsam, mit gesenktem Kopf aus dem Zimmer.

„Sie haben wirklich verdammtes Glück gehabt." meinte die Krankenschwester, während sie Sara's Bauch abtastete. Glück? dachte Sara und lächelte bitter. „Das hätte auch anders enden können." Die Schwester, die übrigens Mymy hieß, wie Sara auf dem Schild an ihrem Kittel lesen konnte, studierte noch mal die Krankenakte und sah Sara liebevoll an. „Bis auf ein paar Hämatome und der kleinen Platzwunde ist alles in bester Ordnung. Es spricht eigentlich nichts dagegen, sie morgen nach Hause zu entlassen." Sara nickte nur leicht und schaute wieder zum Fenster hinaus. Die Bäume haben längst ihre Herbstfarbe angenommen und durch das halb geöffnete Fenster strömte sogar der Duft von feuchtem Laub hinein. Sara schloß die Augen und atmete tief ein. Erinnerungen wurden wach, die jedoch abrupt abrissen, als Mymy sich mit den Worten verabschiedete. „Versuchen sie die nächsten Monate auf Leiterausflüge zu verzichten." Sie zwinkerte Sara noch mal zu und verschwand aus dem Zimmer. Zärtlich legte Sara ihre Hand auf den Bauch Verzeih mir!

Unruhig lief Grissom im Flur auf und ab. Warum hatte er nichts gesagt, oder getan? fragte er sich ständig. Er hat nur da gesessen. Wie so oft, wie immer. Aber er musste erst mal verarbeiten, was sie ihm gesagt hatte. Und bevor er irgendetwas darauf erwidern konnte, wurde er raus geschickt. Sie konnte doch nicht allen Ernstes glauben, dass er zulassen würde, dass sie sein Kind weg geben würde? Wut stieg plötzlich in ihm auf. Konnte oder durfte sie diese Entscheidung überhaupt allein treffen? Hatte er nicht auch ein Wort mit zu reden? Wirklich sicher war er sich nicht, aber bevor er völlig durch zu drehen drohte, beschloss er Cath anzurufen. Zitternd wählte er ihre Nummer.

„Catherine." sagte er nur ernst, als sie ans Handy ging. „Du wusstest das Sara unser Kind weg geben will, oder?" fragte er aufgebracht und ohne sie zu Wort kommen zu lassen, kam die nächste Frage, diesmal noch wütender und lauter. „Warum hast du mir nicht schon eher was gesagt?" Jetzt wurde er von Cath unterbrochen. „Gil, beruhige dich!" „Kann sie das überhaupt, ohne mit mir vorher zu reden?" Grissom's Stimme überschlug sich fast. Grissom vernahm am anderen Ende ein Seufzen, aber es kam keine Antwort. „Bist du noch bei Sara?" fragte Cath stattdessen. Und schlagartig wurde ihm wieder bewusst, wo er sich befand. Er schaute sich um und antwortete fast beschämt. „Sara ist im Krankenhaus. Ich weiß noch nicht mal, warum sie hier ist." gab er jetzt zu und ließ sich auf den nächst besten Stuhl fallen. „Wie bitte?" fragte Cath irritiert nach, als hätte sie nicht verstanden. „Es geht ihr gut." versuchte Grissom nun seinerseits Cath zu beruhigen. Ein Aufatmen war zu hören. „Im Desert Palm? " fragte sie mit leichter Erregung, und Grissom nickte nur und gab ein leise „Ja." zur Antwort. „Ich bin auf dem Weg." Er wollte noch etwas sagen, aber Cath hatte schon aufgelegt.