Brav wie ich bin, habe ich hier ein neues Kapitel zum Wochenende. Ich hoffe ihr mögt Shopping. :D Viel Spaß!
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„Geht es wieder? Wir sollten zum Frühstück gehen, Gin. Ich möchte nicht riskieren, dass Lucius uns so findet."
Nachdem er Ginny losgelassen hatte und die beiden etwas auf Distanz gegangen waren, erkannte die junge Hexe dass der Todesser schon wieder ein recht ausgebeultes Problem in seiner Körpermitte hatte. Ginny rollte mit den Augen.
„Oh Merlin, Walden!" Doch der zuckte nur mit den Schultern.
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Kapitel 6
Nach einem schweigsamen, aber angenehm friedlichen Frühstück, was an der Tatsache lag, dass alleine Macnair ihr Gesellschaft leistete, fanden sich Ginny und Walden gemeinsam mit Narzissa Malfoy und Draco beim Reisekamin ein. Narzissa trug eine Robe aus fein gekämmter Wolle, eine dezent bestickte Bordüre am Kragen und Saum verlieh ihr eine schlichte Eleganz. Sie schien voll freudiger Erregung. Ihr Sohn hingegen sah gelangweilt und trotzig auf seine Finger.
In der Winkelgasse herrschte emsige Betriebsamkeit. Nur am geänderten Sortiment und an wenigen geschlossenen Geschäften konnte man erkennen, dass sich die Gesinnung in der Zauberergemeinschaft gewandelt hatte nach dem Sieg Voldemorts über den Orden und Teile des Ministeriums. Hoch erhobenen Hauptes schritt Narzissa voraus, gefolgt von Draco und Ginny, während Walden die Nachhut bildete. Die blonde Hexe blieb stehen und wandte sich um.
„Wo möchtet ihr zuerst hin?", fragte sie, und wenn Ginny sie richtig einschätzte, war sie sehr enthusiastisch.
„Nach hause", brummte Draco und schnitt eine Grimasse.
Narzissa schnaubte, sah Ginny an und fragte: „Was meinen Sie? Zuerst das Kleid, oder erst das Catering?"
„Catering?"
„Eine gute Wahl, dann können wir uns mit dem Kleid alle Zeit der Welt lassen."
„Ich denke nicht, dass sie ein Kleid von einem Fetzen unterscheiden kann", höhnte Draco.
Keine der beiden Hexen kümmerte sich um seinen Kommentar. Stattdessen räusperte sich Ginny und stellte ihrerseits eine Frage.
„Wenn wir schon hier sind, wollte ich fragen, ob ich auch einen Zauberstab bekommen könnte?"
„Sie hatten doch einen, als Sie gestern zu uns kamen.", entgegnete Mrs. Malfoy überrascht.
„Das war nicht meiner, ich komme nicht besonders mit ihm zurecht. Natürlich nur, wenn es keine Umstände macht, Mrs. Malfoy."
„Nenne mich bitte Narzissa, schließlich werden wir in zwei Tagen eine Familie sein."
Draco stöhnte und schüttelte den Kopf. Doch Ginny nickte lächeln.
„Mein Name ist Ginevra, doch meist nennt man mich Gin."
„Sehr schön Gin, dann werden wir zuerst einen Zauberstab kaufen." Mit diesen Worten marschierte Narzissa los. Den Verdacht nicht loswerdend, dass sie die Passion der Narzissa Malfoy gefunden hatte, folgte Ginny und sie merkte, dass sie wider Erwarten gut gelaunt war.
Die kleine Gruppe betrat den Laden von Ollivander. Der Stabmacher war unerwartet wieder aufgetaucht. Keiner wusste, wohin er so plötzlich verschwunden war oder was er gemacht hatte. Der alte Zauberer begrüßte die Kunden freundlich. Zuvorkommend erkundigte er sich nach dem Befinden und fragte schließlich, was er für sie tun könnte.
Nachdem er Ginny kurz gemustert hatte, verschwand er zwischen den Regalen und suchte in den Schachteln. Strahlend kam er zurück und zog einen langen, aber sehr dünnen Zauberstab hervor.
„Junge Dame, sie sollten diesen einmal probieren. Wenn mich nicht alles täuscht, müsste er perfekt sein. Akazie mit Zentaurenhaar."
Ginny nahm das helle Holz in die Hand und hatte sofort das Gefühl, diesen Stab schon lange zu kennen. Sie führte einen einfachen Schwebezauber aus und ließ Mr. Ollivanders Tintenfass über dem Tisch schweben.
„Nun?", fragte Mr. Ollivander.
„Wunderbar!", schwärmte Ginny. Doch als der Händler den Preis nannte, ließ Ginny beinahe den Stab fallen. Das konnte nicht dessen Ernst sein. Sie wusste, dass Zauberstäbe teuer waren, doch so teuer?
„In Ordnung, wir nehmen ihn", gab Mrs. Malfoy kund und bezahlte.
Die Vier verließen das Ladengeschäft und schlenderten die Gasse entlang. Ginny spürte die brennenden Blicke der Passanten auf sich. Neben grüßenden Worten hörte sie Gewisper. Einzelne Worte und Satzteile konnte sie verstehen. „Harry Potters Freundin", „…Kollaboration mit dem Feind …", „… hat anscheinend die Seiten gewechselt …" oder „… ist eine Todesserin …" schwirrten durch die Luft. Endlich gelangten sie an das Geschäft „Kessie Fishburnes Catering". Eine kleine kräftige Hexe eilte herbei, sie trug eine hellfliederfarbene Robe mit einer rosafarbenen Rüschenschürze. Die graublonden Haare lagen so unbeweglich und perfekt in Form wie die eines Gemäldes.
„Ah, Mrs. Malfoy. Schön Sie wieder einmal hier begrüßen zu können. Um was handelt es sich denn? Ein Sommerfest, eine Geburtstagsparty oder ein Empfang?", flötete die Verkäuferin.
„Mrs. Fishburn, das Vergnügen ist ganz auf meiner Seite. Diesmal handelt es sich um eine Hochzeit in unserem Hause."
„Oooh, wie schön! - Doch nicht etwa Draco?", quietschte die Dame entzückt und ihre Hochsteckfrisur wankte bedrohlich. „Ich erinnere mich noch gut an die Feier anlässlich seiner Geburt."
„Ja, unser Junge wird heiraten. Dies hier ist die Braut, Miss Ginevra Weasley. Wir wollen alle Modalitäten klären und ich werde heute Abend oder Morgen früh die Anzahl der Gäste durchgeben. Die Festlichkeiten werden in zwei Tagen stattfinden."
Auf bequemen Chintzsesseln sitzend und Tee genießend, redeten sie über Tischschmuck, Blumen, die Farbe der Gartenzelte und die Speisenabfolge. Insgeheim bewunderte Ginny Narzissas Geschick im Umgang mit solchen Dingen und ihren Geschmack. Die beiden Hexen steigerten sich in einen regelrechten Rausch, sehr zur Freude von Mrs. Fishburn und zum Amüsement von Walden. Dessen Grinsen wuchs proportional mit Ginnys Interesse an der Planung des Festes.
Der künftige Ehemann hingegen saß auf seinem Sessel und drehte die Zotteln der Tischdecke zwischen seinen Fingern. Wenn Narzissa ihren Sohn ansprach und um seine Meinung bat, war die einzige Antwort ein genervtes Schnauben. Endlich hatten sie sich auf elfenbeinweiß und blassblau geeinigt. Auch die Menüfolge wurde besprochen, die Musik und der Weddingcake ...
Mit einem sehr zufriedenen Gesicht verließ Narzissa Malfoy den Laden. Draco trat an die Seite seiner Mutter und zischte aufgebracht. „Was tust du da? Weshalb bist du mit der plötzlich so freundschaftlich?", grollte er. Sein Versuch leise zu sein scheiterte am Zorn, der seine Stimme anschwellen ließ.
„Draco! Du wirst dieses Mädchen in zwei Tagen heiraten. Sie ist hübsch, intelligent, hat Stilgefühl und sie wird unsere Familie in der Gunst des Lord steigen lassen. Also benimm dich endlich und sei ein wenig nett zu deiner Braut."
„Mum, sie ist eine Blutsverräterin, eine Weasley … verdammt, über die sind im Kerker sämtliche Todesser gerutscht! Walden war die halbe vergangene Nacht bei der kleinen Hure!" Dracos Stimme war zu einem hohen Kreischen geworden, dass nicht nur Narzissa, Ginny und Walden ihn hören konnten.
Woher wusste Draco, dass Walden bei ihr gewesen war? Hatte er sie überwacht?
„Draco, wie drückst du dich aus! Vergiss deine Erziehung nicht." Elegant, doch mit verräterisch zornroten Wangen wendete sich Narzissa ab und setzte ihren Weg fort. Ginny warf Draco einen vernichtenden Blick zu und folgte dann mit hoch erhobenem, wenn auch ebenfalls etwas rotwangigen Gesicht ihrer zukünftigen Schwiegermutter. Hinter sich hörte sie Walden grollen: „Die Kleine ist keine Hure!" Stolz erfüllte sie, Stolz, den sie nicht ganz verstehen und auch nicht gut heißen konnte. Doch es tat gut, dass jemand für sie sprach, auch wenn es Walden Macnair war.
Bei Madam Malkin wurden sie höflich, aber auch distanziert begrüßt. Nachdem sie der Besitzerin kurz erläutert hatten, was sie wünschten, verschwand Madam Malkin und kam zurück mit einem üppigen, reinweißen Kleid. Es war aus Seide, Spitze und Tüll gewirkt. Ginny betrachtete das Kleid, währenddessen zog sie etwas ihre Nase kraus. Narzissa lächelte und sagte dann zu Madam Malkin: „Ich denke nicht, dass es das ist, was meine zukünftige Schwiegertochter wünscht. Könnten wir bitte ein anderes Kleid sehen?"
„Aber Mrs. Malfoy, dies ist das neueste Designermodell. Es ist von Danielle Sautet, dem berühmten französischen…"
„Danke Madam Malkin, aber nein danke. Ich dachte eher an etwas weniger Pompöses und nicht so hell, mehr ein leichtes crème.", antwortete Ginny.
Ein fragender Blick der Ladenbesitzerin auf die blonde Hexe neben Ginny ließ Wut in Ginnys Innerem aufbrodeln.
„Würden Sie jetzt bitte ein Modell bringen, dass eher meinen Wünschen entspricht, oder ziehen sie es vor, weiterhin Mrs. Malfoy anzusehen? Dann würde ich es vorziehen, mein Brautkleid wo anders zu erstehen." Ginny sah die Hexe bestimmt an.
Mit hochrotem Kopf stolzierte Madam Malkin empört davon. Zurück kam sie mit einem raffinierten, doch auch schlichten champagnerfarbenem Kleid im alten Stil mit sehr weiten Ärmeln. Begeistert probierte Ginny es an und erntete Zustimmung. Narzissa zog anerkennend die Augenbrauen hoch, Walden nickte zustimmend und sogar Draco war so überrascht, dass er kurz mit offenem Mund da saß, bis seine arrogante Maske wieder die Oberhand gewann.
Draco probierte eine Seidenrobe und einen Umhang mit hohem Stehkragen. Amüsiert kicherte Ginny los, was ihr einen bösen Blick ihres zukünftigen Ehemannes einbrachte.
„Was denkst du, Gin?", fragte Narzissa.
„In diesem Umhang sieht er aus wie ein Vampir." antwortet die junge Hexe immer noch kichernd.
„Da hast du Recht. Madam Malkin, hätten Sie einen anderen Umhang, einen mit einem nicht ganz so hohen Kragen?"
Endlich mit dem Notwendigsten ausgerüstet liefen die Vier durch die Winkelgasse. Diesmal gingen die beiden Zauberer voran und Ginny bildete die Nachhut. Eine kleine Gruppe Zauberer und Hexen stand zusammen und starrte Ginny an. Sie erstarrte beinahe, als sie Neville Longbottom erkannte, ebenso wie eine kleine zierliche Hexe, die Ginny schon einmal im Orden des Phönix gesehen hatte. Emmelda Green hieß sie, so weit sie wusste. Als Ginny in gleicher Höhe mit der Hexe war, machte diese einen Schritt auf sie zu und spuckte ihr ins Gesicht.
„Verräterin!", zischte sie. „Verräterische Schlampe! Hat sich und ihren Liebsten verkauft! Du Hure!"
Überrumpelt konnte Ginny nur noch den Mund öffnen und schließen, Worte wollten ihr Partout nicht einfallen. Ein dunkler Schatten sprang an ihr vorbei. Walden Macnair riss die Hexe von den Füssen, drückte ihr mit einer Hand den Mund auf und zückte mit der anderen ein gebogenes Messer. Sein raues Lachen ließ Ginny das Blut in den Adern gefrieren. Er hob das Messer und grinste bösartig.
„Du wirst nie wieder solch böse Worte in den Mund nehmen, Frau!", grollte er.
tbc
