Ich habe mich diesmal richtig beeielt mit weiterschreiben.
Dafür bekomme ich doch auch Reviewas, oder?
Von dir? Ja, genau dich meine ich:D
Ein Kompromiss
Es war Montag. Der Beginn der neuen Kurse und genauso matschig und regnerisch, wie das ganze Wochenende. In den letzten zwei Tagen hatten Bela, Brandon und Jailie daran gearbeitet die auf dem Gelände aufgebauten Rampen aus zu testen und sich so etwas wie einen Lehrplan zu überlegen. Außerdem waren sie am Samstag in Hogsmaede gewesen und hatten sich mit allen möglichen essbaren Sachen eingedeckt, da Brandon und Jailie nun ebenfalls ihre Wecker geschrottet hatten und alle zusammen grundsätzlich das Frühstück verpassten. Bela versuchte den Mahlzeiten im Schloss im Allgemeinen fern zu bleiben, da die Sportler mit am Lehrertisch platziert waren und er zu allem Überfluss neben Snape saß.
An diesem Montag Nachmittag standen die drei Freunde vor einer großen Mega-Rampe. Ihnen gegenüber eine etwa vierzigköpfige Gruppe Schüler. Allesamt in langen, schwarzen Roben gekleidet.
„Ähm, also," sagte Brandon gedehnt. „Leute, schön das ihr euch für diesen Kurs entschieden habt. Ich hätte echt nicht gedacht, dass so viele kommen." Der Skateboarder versuchte ein Lächeln, was aber von niemandem erwidert wurde.
„Lass sie nicht spüren, dass du Angst hast," flüsterte ihm Bela ins Ohr.
„Und wenn sie das riechen können?", flüsterte Brandon zurück, fuhr dann aber mit etwas festerer Stimme fort. „Hört mal, dass ist das erste mal, dass wir so was machen. Ich würde sagen wir fangen einfach mal an und dann werden wir ja sehen . . ." Der Arm einer Schülerin mit langen, braunen Locken schoss in die Hohe.
„Äh, ja?"
„Sollten Sie nicht erst mal die Namensliste durchgehen um zu sehen ob überhaupt alle da sind, die sich eingeschrieben haben?"
„Stimmt. Gute Idee. Danke . . ."
„Hermine Granger."
„ Danke, Hermine. Namensliste . . . Namensliste? Ach hier. Danke Jailie. Also . . . Gryffindor steht ganz oben, ja . . . Hermine Gr . . ."
„Die ist da." Unterbrach ihn Bela.
„Genau, die ist da. Harry Potter?"
Der schwarz haarige Junge, der neben Hermine stand meldete sich.
„Gut, Ron Weasley?" Er stand auf der anderen Seite von Harry.
Und so ging das dann weiter. „ Ginny Weasley? . . . George Weasley? . . . Fred Weasley? . . .Neville Longbottom? . . . Cho Chang? . . . Gregory Goyle? . . . Vincent Grabbe? . . . Draco Malfoy?"
Belas Kopf schnellte in die Höhe. Und er blickte auf den Jungen, der sich meldete. Draco sah wirklich fast genauso aus, wie er. Das konnte ja heiter werden! Ein wenig Abseits stand Severus Snape, der für diese Woche für die Beaufsichtigung zuständig war. Während sich in der Gruppe Unaufmerksamkeit breit machte, was sich in Form von immer lauter werdendem Gemurmel ausdrückte wurde das missbilligende Lächeln auf Snapes Gesicht zunehmend breiter und seine Augenbraue wanderte weiter in die Höhe.
Wut breitete sich in Belas Bauch aus. Wieso unternahm dieses Arschloch denn nichts um diese verzogenen Wenster zum Schweigen zu bringen?
Als hätte er seine Gedanken gehört, was er vermutlich auch getan hatte, schwand das Lächeln von Snapes Gesicht und sein Blick richtete sich direkt auf Bela. Dieser hielt dem Blick stand und versuchte so laut wie nur irgendwie möglich 'Verschwinde aus meinem Kopf!!!' zu denken. Der Professor schien es gehört zu haben, denn er wandte das Gesicht wieder ab. Allerdings war jetzt die Chance, dass er irgendwie zu Hilfe kam, völlig verspielt.
„Hey! Können wir jetzt anfangen?" rief Brandon verzweifelt über die schnatternde Menge hinweg, aber keiner beachtete ihn.
Jetzt verlor Jailie, die bis dahin mit dem Gesicht in den Händen auf dem Boden gesessen hatte die Nerven. Sie sprang auf und schrie aus vollem Hals: „Jetzt haltet endlich eure verdammten Klappen!" Augenblicklich verstummten die Jugendlichen.
„Schön. Ihr habt euch diesen Kurs ausgesucht. Ich weiß, dass ihr euch einen aussuchen musstet und das manche vielleicht keinen Bock auf das hier haben, aber ehrlich gesagt ist mir das völlig egal. Ihr habt euch hier eingetragen, also macht ihr das freiwillig. Ich erwarte, dass ihr euch auch so benehmt sonst werde ich ungemütlich. So, und jetzt werden wir mit dieser Stunde anfangen, die ja Dank der langen Namensliste schon so gut wie vorbei ist. Nur um das gleich mal klar zu stellen, mein Name ist Jailie. Ich werde nicht gesiezt. So alt bin ich noch nicht und die beiden hier sind Brandon und Bela. In Zukunft werdet ihr auch nicht mehr in diesen Roben erscheinen, da diese Kleidung absolut unpassend für unsere Sportart ist. Ich hoffe ich habe mich klar und deutlich ausgedrückt. Wer in der nächsten Stunde immer noch diese Umhänge trägt, der setzt sich an den Rand und muss eine Blumenkette basteln. Bela, zeigst du jetzt bitte, was wir als erstes lernen?"
„Natürlich," antwortet der Blonde grinsend. Wenn Jailie eines konnte, dann war es Menschen sprachlos zu machen. Ein Blick zu Snape, der nun beide Augenbrauen hochgezogen hatte und mit leicht geöffnetem Mund die junge Frau anstarrte hob seine Stimmung noch ein wenig mehr an.
Der junge Mann ging auf ein gerades, asphaltiertes Stück Weg zu, was eigens für diesen Zweck angelegt worden war, ließ sein Skateboard darauf fallen und stellte sich auf das Brett.
„Erst mal für den Anfang. Euer Board besteht hauptsächlich aus neun Teilen. Erstens: den Rollen – das sind die Dinger, die rollen. Es gibt für gewöhnlich vier davon." Zur Verdeutlichungen rollte er mit seinem Board zweimal hin und her. „Zweitens: die Achsen. Sie sind beweglich und an ihnen hängen die Rollen dran. Drittens: das Deck. Das ist das eigentliche Brett. Wo ich gerade drauf stehe. Viertens: Die Nose. Das ist der vordere, überstehende Teil des Brettes." Bela tippte mit der Fußspitze auf den Teil den er meinte. „Und Fünftens: Tail. Das ist der hinten überstehende Bereich des Brettes." Wieder tippte er mit dem Fuß auf die Stelle, von der er sprach. „Natürlich gibt's da noch mehr, aber das soll hier und jetzt erst mal nicht wichtig sein. Ihr müsst euch das auch nicht merken, wenn ihr nicht wollt. Hier gibt' s ja keine Noten, aber so wie ich ich an meine Schulzeit erinnern kann, merkt man sich das, was man sich nicht merken muss immer am besten. So, was wollte ich eigentlich machen?"
„Den Ollie," half Brandon nach.
„Richtig," übernahm nun wieder Bela das Wort. „Der Ollie ist die Grundlage für . . . so ziemlich alles. Wir werden so lange weiter üben bis alle den Ollie können. Aber da wir so viele sind, nehme ich mal an, dass wir dann irgendwann sowieso zwei Gruppen machen müssen und dann können wir das ja gleich ein bisschen sortieren. Also, der Ollie. Ich mach ihn einfach mal vor und dann erkläre ich ihn euch. Lasst euch nicht täuschen. Es sieht einfacher aus, als es ist. Als ich angefangen habe zu üben, hab ich ewig gebraucht bis ich es hin gekriegt hab."
„Bela," warf Jailie lächelnd ein. „Mach es vor. Dann kannst du weiter reden. Am besten zum Thema."
Der blonde Mann war in seinem Element. Er redete für sein Leben gern übers Skateboard fahren und auch über alles mögliche andere. Seine Kunst dabei war, dass er stundenlang labern konnte und es nie langweilig wurde ihm zuzuhören.
Jeder Schüler hatte ein eigenes Skateboard, was von der Schule gestellt worden war. Natürlich waren sie magisch heraufbeschworen, weil es viel zu viel Geld gekostet hätte, sie wirklich zu kaufen. Mit diesen versuchten alle für die nächsten zwanzig Minuten einen Ollie zu machen. Sie scheiterten.
xXx
Die nächsten Monate verliefen relativ reibungslos. Jedenfalls so reibungslos, wie es eben laufen konnte, wenn Zauberer versuchten sich mit Mugglesport anzufreunden. Am schwersten viel das Neville. Er hatte nach einer Woche den Skateboard-Kurs abgewählt, nachdem er sich in drei Stunden fünfmal den Arm gebrochen hatte. Auch beim Jonglieren hatte er kein Glück. Bei einer Vorführung der Jongleure, um die einige Schüler gebeten hatten, war er in eine Fackel gerannt und hatte Feuer gefangen.
Jetzt war er nur noch beim Tischtennis. Wo er sich zwar nichts mehr brach, aber sich dafür anderweitig Schaden zufügte. Einmal hatte er es geschafft ein relativ normales Spiel mit Hanna Abbot zu führen, bis er übermütig wurde und einen Schmetterball versuchte. Dieser prallte am Netz ab, flog zurück und direkt in Nevilles Mund, der ihn verschluckte. Madame Pomfrey hatte wehhemmend versucht den Ball aus dem menschlichen Magen zu entfernen, musste aber zugeben, dass sie es nicht konnte. Schließlich hatte sie zu dem Armen Neville gesagt, dass alles, was oben rein kommt irgendwann unten wieder raus kommt.
An diesem Abend im Dezember, der Donnerstag vor den Ferien saßen alle beim Abendessen. Bela hatte den verhassten Platz neben Professor Snape eingenommen, da er keine Ausrede gefunden hatte nicht zum Essen zu erscheinen. Außerdem hatte Dumbledore angekündigt, dass er etwas mitzuteilen hatte.
Als die meisten Schüler fertig waren und ungeduldig auf ihren Plätzen hin und her rutschten, stand der Schulleiter auf und hob eine Hand. Woraufhin es in der Halle totenstill wurde.
„Ich weiß, dass ihr wahrscheinlich alle müde seit und in eure Schlafsäle wollt," sagte der alte Mann augenzwinkernd. „Deswegen werde ich mich kurz fassen. Der Elternbeirat und der Minister für Zauberei, Cornelius Fudge haben sich entschieden, sich davon in Kenntnis zu setzen, was denn genau bei den neuen Kursen gemacht wird. Deswegen werden die Mitglieder des Rates und der geehrte Minister Morgen hier her kommen und bei jedem der Kurse beiwohnen. Diejenigen, deren Sportart Morgen nicht auf dem Plan steht, erhalten somit eine Extra-Stunde. Das war dann auch schon alles." Mit diesen Worten setzte sich der Schulleiter wieder und die Schüler strömten aus der Halle. Auch Bela, Brandon und Jailie erhoben sich um zu gehen. Doch Bela spürte eine Hand auf seinem Arm, die ihn zurückhielt. Bereits wissend, dass es sich um Snape handelte, wandte er sich um und blickte dem Tränkemeister ins Gesicht.
„Was ist?" fragte er unfreundlicher als beabsichtigt.
„Ich muss mit dir reden. Komm mit in mein Büro," sagte Severus, stand auf und ging davon. Bela zögerte kurz, dann folgte er ihm. Auf dem Weg durch die Halle hatte er das Gefühl beobachtet zu werden. Er drehte sich noch einmal um und sah in die strahlend blauen Augen von Albus Dumbledore, der ihn eindringlich musterte und auch nicht weg sah, als sich ihre Blicke trafen. Aber Bela wandte sich wieder ab. Wusste er es etwa auch? Hatte Snape ihm etwas gesagt, hat er ihn am Ende doch verraten? Oder wusste Dumbledore es schon von Anfang an?
Der Professor führte ihn wieder in die Kerker, wo sich sein Büro befand. In den Wochen seit Belas Ankunft hatten die zwei kaum ein Wort miteinander gewechselt und er fragte sich, was das alles jetzt auf einmal sollte. Snape ging zu seinem Schreibtisch und setzte sich dahinter.
„Nimm Platz," sagte er. Misstrauisch ging Bela zu dem angewiesenem Stuhl und setzte sich hin, immer darauf bedacht nichts zu denken, was ihm gründlich misslang.
„Wie Professor Dumbledore gerade gesagt hat, kommt der Elternrat morgen in die Schule," begann der Lehrer.
„Ja. Und was hat das mit mir zu tun?" warf der junge Mann ein.
„Lass mich ausreden! Lucius ist im Elternrat."
Bela wusste nicht was er sagen sollte. Ein dicker Kloß bildete sich in seinem Hals. Er konnte nicht verhindern, dass ihm Erinnerungen aus seiner Kindheit an seinen Vater durch den Kopf strömten, so sehr er auch versuchte es zu verhindern, da er ja wusste, dass Snape das alles sehen konnte.
„Was soll ich jetzt tun?", fragte er den Mann hinterm Schreibtisch.
„Ich kann und will dir das nicht sagen. Lucius ist mein Freund, wenn er dich sieht und mich fragt ober du der bist, nach dem du aussiehst, dann werde ich ihn nicht anlügen."
Bela hatte das Gefühl jemand würde ihm einen Strick um die Lunge binden und langsam immer fester ziehen. Sein Gesicht wurde noch blasser, als es ohnehin schon war.
„Wenn er mich allerdings nicht fragt," sprach Snape weiter. „dann werde ich auch nichts sagen. Also rate ich dir ganz einfach ihm nicht zu begegnen."
Der Blonde starrte auf seine Hände. „Danke." würgte er gepresst heraus, dann stand er einfach ohne Aufforderung auf und ging aus dem Büro. Mechanisch lief er aus dem Schloss und über die Ländereien zum Haus Nummer sieben. Auf dem Sofa saßen Brandon, Jailie, Jimmy und Bobby. Alle lachten gerade über irgendetwas, was Jimmy gesagt hat und winkten Bela zu sich heran um es ihm zu erzählen. Er ließ sich auf den Platz neben seinem Bruder sinken und starrte gedankenverloren ins Feuer. Die Worte, die zu ihm gesagt wurden, hörte er nicht. Bis Jailie ihm eine zusammengerollte Zeitung gegen den Kopf schlug.
„Hallo! Wir sind auch noch da und wir reden mit dir! Sag uns jetzt was zur Hölle mit dir los ist, oder ich schieb dir diese Zeitung in Körperöffnungen rein, wo du sie nie wieder raus kriegst!"
„Ist ja gut!" rief Bela ängstlich, weil er es für möglich hielt, dass Jailie wahr machte, was sie sagte.
„Also, was jetzt?" fragte die junge Frau und setzte sich wieder hin.
„Ihr wisst doch, dass der Elternrat morgen hier her kommt," begann Bela.
„Jahh," antwortete Bobby gedehnt.
„Und in diesem Elternrat ist mein Vater."
„Na und?" fragte Jimmy achselzuckend. Dann runzelte er jedoch die Stirn. „Aber Leslay ist doch gar kein Zauberer, was macht der im Elternrat von Hogwarts?"
Brandon verdrehte die Augen. „Meine Eltern haben Bela adoptiert, als wir Kinder waren. Seine richtigen Eltern sind Zauberer."
„Echt jetzt?" fragte Bobby. „Wird man nicht nur adoptiert, wenn die Eltern tot sind?"
„Na ja," sagte der Blonde zu ihm. „Das ganze lief nicht so ganz legal ab. Mein Vater glaubt ich sei tot. Leslay und Tanja haben das damals gemacht weil . . . weil . . ." Bela wusste nicht richtig wie er es erklären sollte, aber Jailie fand exakt die richtigen Worte dafür.
„Weil Belas Vater ein Arschloch ist."
„Ja," stimmte Brandon zu. „Was für eins."
„Und deshalb ist es wichtig, dass er weiter in dem Glauben bleibt ich sei nicht mehr am Leben. Das Problem ist bloß, dass sich in unserer Familie irgendwie alle sehr ähnlich sehen und er mich deswegen wahrscheinlich erkennen würde, wenn er mir über den Weg läuft. Also darf er mir nicht über den Weg laufen. Wo wir dann bei dem eigentlichen Fettnäpfchen angekommen wären. Wie bitte schön soll ich ihm aus dem Weg gehen, wenn der Elternrat bei jedem der Kurse dabei sein wird?"
Jailie sprang auf. „Und deswegen machst du so ein Theater? Jedes Problem hat eine simple Lösung. Und dieses hat eine richtig simple." Sie verschränkte die Arme vor der Brust. „Erinnerst du dich nicht mehr daran, wie man sich von der Schule drückt ohne wirklich einen Grund dafür zu haben?"
„Er soll zum Arzt gehen und eine Krankheit simulieren?" fragte Brandon skeptisch. „Das sind Zauberer. Die Krankenschwester wird innerhalb von Sekunden festgestellt haben, dass er nur so tut."
„Ja," warf Jimmy ein. „Und dann werden alle fragen, warum er denn unbedingt krank machen wollte und dann braucht er eine Erklärung. Die er nicht hat. Eine ausdenken nützt auch nichts, weil – nimm es mir nicht übel Bela, aber du bist ein ganz erbärmlicher Lügner."
Der Angesprochene winkte nur mit der Hand. Er wusste ja selbst, dass er viel zu ehrlich war. Das Lügen war eine Eigenschaft die er gern von seinen Blutsverwandten geerbt hätte und ausgerechnet die hatte er natürlich nicht.
„Davon rede ich doch gar nicht!" beschwerte sich jetzt Jailie. „Wer hat denn was von zur Krankenschwester gehen gesagt? Er bleibt einfach morgen hier. Und wenn jemand nach ihm fragt, dann sagen wir, dass es ihm nicht gut geht und fertig. Der Elternrat wird sich ja wohl nicht angucken wollen, wie wir wohnen!"
„Das klingt gar nicht mal so schlecht," gab Brandon zu.
„Weiß ich," antwortete Jailie. „Ihr müsst mich bloß ausreden lassen!"
„Alles klar. Dann machen wir das so," sagte Bela schließlich.
XXX
„Der sah echt total arrogant aus. Hast du diesen angeekelten Blick gesehen den er drauf hatte?", flüsterte Jailie Brandon zu. „Ich kann mir gar nicht vorstellen, dass so ein Typ Belas Vater sein soll. Ich meine, man sieht es ja, aber es ist trotzdem irgendwie . . . ich weiß nicht. Schon diese feinen, teuren Sachen, das passt einfach nicht."
„Muss ich dir Recht geben," erwiderte der junge Mann. „Wieso sind die jetzt eigentlich gegangen?"
„Sie gehen in Dumbledores Büro zu irgendeiner Besprechung. Ist mir auch egal, Hauptsache sie sind weg. Die haben uns angeguckt, als wären wir Terroristen."
Die beiden Freunde saßen auf der Rampe. Gerade eben war der Kurs, den sie heute zusätzlich gegeben hatten beendet und einige Minuten vor Ende, war der Elternrat gegangen, der die ganze Zeit über zugesehen hatte.
„Wenigstens sind wir nicht aufgeflogen," sagte Brandon während er die grauen Wolken beobachtete. „Bela muss heute nur damit leben sich von Chips und Schokofröschen zu ernähren. Viel mehr haben wir nämlich nicht mehr da."
„Sprühsahne."
„Super. Zum Nachtisch kann er einen Berg Sahne verschlingen, nur für den Fall, dass er bis dahin noch nicht gekotzt hat."
„Miss Jones, Mr Moore? Kann ich Sie bitte einen Augenblick sprechen?"
Jailie und Brandon sahen nach unten. Da stand Professor McGonagall und blickte zu ihnen herauf.
„Sicher," rief der Mann und die beiden ließen sich die Rampe herunterrutschen.
„Sagen Sie mir, warum war Ihr Bruder heute nicht anwesend, Mr Moore?"
„Ihm geht' s nicht so gut. Warum fragen Sie?"
„Nun wissen Sie. Wenn er krank ist, dann muss ich den Zauber von ihm nehmen, den ich bei Ihrer Ankunft auf Sie alle gelegt habe. Sonst wirken keine Heilungszauber."
„Oh. Es ist nicht so schlimm," sagte Jailie hastig. „Ihm ist nur ein wenig schlecht. Hat vielleicht was schlechtes gegessen. Vielleicht zu viel Schlagsahne."
„Miss Jones. Damit ist nicht zu spaßen. Übelkeit kann das erste Anzeichen für eine ausgewachsene Grippe sein. Ich werde ihn besser in den Krankenflügel bringen. Wenn Sie wollen, können Sie mich begleiten."
Mit diesen Worten lief die Hexe den Abhang hinunter zu der kleinen Häusersiedlung und den zwei Sportlern blieb nichts anderes übrig, als sie machen zu lassen.
„Guten Tag, Mr Moore," begrüßte McGonagall den auf dem Sofa liegenden und Zeitung lesenden Bela, der bei dem Anblick der Lehrerin so blass wurde, dass man tatsächlich glauben könnte, er wäre krank.
War er etwa doch aufgeflogen? Wartete vielleicht draußen vor der Tür sein Vater auf ihn?
„Guten Tag, Professor," sagte er kratzig.
„Ihre Kollegen haben mir mitgeteilt, dass es Ihnen nicht gut geht. Und Sie sind auch schon ganz blass."
Sie schwenkte ihren Zauberstab über Belas Kopf, womit sie den Schutzzauber gegen Angriffe von ihm nahm. Ein leises Quietschen lenkte sie ab und ihr Blick fiel auf einen großen, mit allen möglichen selbst gebastelten Gängen und Höhlen aus Pappe.
„Sie haben ein Haustier?" fragte sie.
„Ja," antwortete Jailie. „Das ist mein Hamster. Belas und Brandons Eltern haben ihn mitgebracht. An dem Wochenende, als Sie uns besuchen konnten.
„Ach so," erwiderte McGonagall. „Jedenfalls kommt Mr Moore erstmal mit mir mit in den Krankenflügel."
Im Krankenflügel: „Sie haben absolut gar nichts. Ich weiß wirklich nicht, warum Ihnen schlecht geworden ist." Madame Pomfreys Gesicht wirkte besorgt und ratlos. Sie war es nicht gewohnt einem Menschen nicht helfen zu können. „Am besten ich gebe ihnen erst mal einen Trank gegen Übelkeit. Wenn es noch mal auftreten sollte, dann kommen sie wieder und ich schicke Sie ins St. Mungos. Für jetzt denke ich, können Sie erst mal wieder gehen."
„Dankeschön," sagte Bela höflich und nahm den Becher, den sie ihm reichte. Als er ihn ausgetrunken hatte legte McGonagall, die die ganze Zeit neben ihm gestanden hatte wieder den Schutzzauber auf ihn. Dann entschuldigte sich die Lehrerin, weil sie in ihre nächste Stunde musste.
Der Patient erhob sich von der Liege, auf der er gesessen hatte, verabschiedete sich von der Krankenschwester und ging aus dem Krankenflügel. Vorsichtig blickte er sich um, aber der Gang war leer. Was hatte er auch erwartet? Das sein Vater hinter einer Ecke hervor gesprungen kam, ihm einen Sack über den Kopf stülpte und ihn entführte? Jailie hatte ihm, als er mit der Professorin das Haus verlassen hatte zugeflüstert, dass der Elternrat mit Dumbledore eine Besprechung hatte. Also konnte er sich ganz beruhigt durch das Schloss bewegen.
Er gelangte zur Eingangshalle, als er plötzlich leise Stimmen in dem Gang hörte aus dem er gerade gekommen war. Bela ging noch einmal zurück, schaute um die Ecke und sah Severus Snape, wie er sich mit einem großen, langhaarigen, blonden Mann unterhielt.
Belas Herz setzte einen Schlag aus, als er den Gesprächspartner des Tränkemeisters erkannte. Lucius Malfoy.
Im letzten Moment bevor er gesehen werden konnte löste sich Bela aus seiner Starre und überlegte, wo er sich verstecken könnte. Neben ihm stand eine Ritterrüstung. Jedoch schlug er sich aber mit der Hand gegen den Kopf, als er erkannte, wie dämlich diese Idee war.
Sein Blick fiel auf einen Wandteppich. Ob er dahinter Platz hätte? Egal. Ihm blieb keine Zeit mehr darüber nachzudenken. Er verschwand hinter dem Teppich und lehnte sich tief durchatmend gegen die Wand. Bela konnte gerade noch so einen Schrei unterdrücken, als die Wand nachgab und er nach hinten umfiel. Hart schlug er mit dem Hintern auf Steinboden auf. Die Tür, die er mit seinem Gewicht geöffnet hatte fiel wieder zu und durch die Mauer hörte er die Stimmen von Snape und seinem Vater, die in diesem Augenblick um die Ecke gebogen waren.
'Noch mal Glück gehabt' dachte Bela sich. 'Alles klar. Jetzt muss ich hier nur noch wieder rauskommen.' Der Blonde stand auf, zählte bis zwanzig und drückte dann gegen die Mauer hinter der sich der Wandteppich befand. Sie rührte sich nicht. 'Das darf doch jetzt nicht wahr sein! Ich sitze nicht ernsthaft in einem dreckigem, dunklen was-weiß-ich-was und kann nicht weg!' Er sah sich um und … sah nichts.
'Das kann auch echt nur mir passieren!'
Tapsend lief er mit ausgestreckten Händen ein paar Schritte bis seine Augen sich an die Dunkelheit gewöhnt hatten. Zu spät erkannte er ein riesiges Spinnennetz und lief direkt hinein. „Igitt!", rief er aus und ging schnell weiter, wobei er noch einige Spinnweben mitnahm. Er lief weiter durch den Geheimgang, der stetig bergauf führte und war schon kurz vorm Verzweifeln, weil er glaubte nie wieder einen Ausweg zu finden, als er sich erschöpft gegen eine Mauer lehnte. Die Mauer drehte sich und er fiel kopfüber in das geräumige Büro des Schulleiters. Vor seiner Nase standen zwei schwarze auf Hochglanz polierte Schuhe. Er hob den Kopf und sein Blick wanderte an teuren, schwarzen Umhängen herauf bis hin zu zwei eisgrauen Augen, die ihn kalt und angewidert musterten.
Snape schlug sich mit der flachen Hand gegen die Stirn und sagte mit Grabesstimme: „Du Idiot!!!"
Bela rappelte sich auf, wobei er eine dicke Schicht Staub, Spinnweben und Spinnen auf Dumbledores Teppich verbreitete. In dem Büro befanden sich außer Snape und Lucius noch Dumbledore, Umbridge und Cornelius Fudge. „Genau das, habe ich auch gerade zu mir gesagt," wandte er sich kleinlaut an den Professor für Zaubertränke.
Jetzt sagte Severus nichts mehr. Lucius und Bela sahen sich in die völlig identischen Augen. Der Vater betrachtete den jungen Mann, der unmittelbar vor ihm stand. Seine Augen glitten über die schlanke Gestalt eines Sportlers, dann wieder hinauf bis zu den hellblonden Haaren und über die einprägsamen und unverwechselbaren Gesichtszüge eines Malfoys.
„Wer ist das?", fragte er langsam und sah seinen alten Freund Severus an. In seinem Kopf formte sich zwar schon eine Antwort, diese war jedoch so absurd und lächerlich, dass er sie schnell wieder verwarf.
„Das, Lucius," antwortete Snape mit Bedacht und blickte dabei kurz zu Bela hinüber, „ist Bela Moore."
„Bela?" Lucius' sagte den Namen, als wäre es Gift.
Dumbledore versuchte ein Lächeln. „Mr Moore leitet den Skateboard-Kurs."
„Chrm, chrm," machte es aus einer Ecke des Raumes.
„Ja, Professor Umbridge?" fragte Dumbledore mit einem überzeugend freundlichen Lächeln. „Möchten Sie ein Zitronenbonbon?"
„Nein, danke."
„Möchte sonst jemand ein Zitronenbonbon?"
Alle schüttelten irritiert den Kopf.
Wieder schaltete sich Umbridge ein. „Finden Sie nicht, Albus, dass der junge Mr Moore eine sehr starke Ähnlichkeit mit Mr Malfoy hat?"
„Nun, Dolores. Das liegt wahrscheinlich daran, dass Bela Mr Malfoys Sohn ist."
Bela schlug sich die Hände an den Kopf, was eine weitere Wolke Staub aus seinen Haaren löste.
Auf Lucius' Gesicht machte sich erst Verwirrung, dann der Ausdruck plötzlichen Verstehens und schließlich blankes Entsetzen breit.
„Aber . . . aber. Bela ist tot! Er war verschwunden. Severus, du weißt, dass er tot ist! Du hast ihn selbst gesucht und nie gefunden!"
„Das stimmt, Lucius. Ich zweifelte selbst an meinem Verstand, als ich ihn sah, aber in seinen Gedanken konnte ich lesen, dass meine Vermutung stimmte."
„Wie wäre es, wenn sie sich erst mal setzen würden," sagte Dumbledore und beschwor einige Stühle herauf, nachdem er vor wenigen Minuten erst die hatte verschwinden lassen, die für die Ratsbesprechung gebraucht worden waren.
Der Schulleiter selbst nahm auf dem bequemen Sessel hinter seinem Schreibtisch platz. Snape zog sich einen Stuhl an den Rand in den Schatten und ließ sich darauf fallen. Umbridge und Fudge setzten sich auf die äußeren Stühle vor dem Schreibtisch und Bela und Lucius blieb nichts anderes übrig als sich nebeneinander zu setzen. Umzingelt.
Einen Moment lang schwiegen alle. Dann schaltete sich Fudge ein. „Ähm . . . Wieso hielten Mr Moore hier alle für tot?"
Niemand sagte etwas. Snape sah aus dem Fenster. Seine Haltung zeigte, dass er nicht angesprochen und mit der ganzen Sache nichts mehr zu tun haben wollte.
Umbridge lächelte dämlich vor sich hin, Lucius starrte apathisch auf die Schale mit Zitronenbonbons, Dumbledore sah zwischen Bela und Lucius hin und her, Bela studierte mit steinernem Blick seine Hände und Fudge wartete auf eine Antwort.
Schließlich holte Bela ergeben Luft und sagte „Es hielten mich alle für tot, weil ich abgehauen bin und keiner in der Lage war mich zu finden."
"Also," setzte Fudge erneut an, "bist du weggerannt. Dich konnte niemand finden, also erklärte man dich für tot, was du aber nicht warst. Und jetzt bist du als Muggle getarnt nach Hogwarts gekommen um was genau zu tun?"
"Was heist denn hier als Muggle getarnt? Ich habe nie Zaubern gelernt und ich bin in einer Mugglefamilie aufgewachsen! Hierher bin ich gekommen, weil ich eingeladen wurde zu unterrichten. Riechen Sie eigentlich überall gleich ne Veschwörung?"
Dumbledore schmunzelte hinter vorgehaltener Hand und der Minister blinzelte irritiert. Offenbar wusste er nicht, was er darauf erwidern sollte, also tat er das einzig Sinnvolle: Den Mund halten.
„Es sind doch bald Weihnachtsferien," ergriff Umbridge strahlend das Wort. „Ich halte es für äußerst sinnvoll, wenn Mr Moore über die Ferien zu seiner Familie geht. Finden Sie nicht auch alle die Vorstellung äußerst romantisch, dass sich der tot-geglaubte Sohn über die Feiertage wieder in den schützenden Kreis seiner Familie begibt?"
„NEIN!!!", rief Bela schockiert aus. „Das kann nicht ihr Ernst sein."
„Warum denn nicht? Bei der Gelegenheit kann ich mein vermisstes Kind auch gleich ein wenig in Zauberei unterrichten." ertönte die schneidende Stimme von Lucius Malfoy.
„Stimmt. Warum eigentlich nicht?", sagte Fudge. „Lucius ist schon lange ein sehr guter Freund von mir und ich sehe keinen Grund Mr Moore nicht für zwei Wochen in seine Obhut zu geben."
Bela hatte das Gefühl irgendjemand würde ihm Nägel in Herz und Hirn schlagen. Wenn er jetzt nicht augenblicklich etwas unternahm, dann steckten ihn diese gehirnamputierten Schimpansen in das Haus seiner Eltern und er kam da zwei Wochen lang nicht mehr raus. Wie konnte er die nur davon überzeugen, dass sie einen Fehler machten. Genau! Wenn sie sahen, wie er von seinem Vater geschlagen wurde, dann konnten sie ihn nicht mehr einfach so mit ihm gehen lassen. Er musste also Lucius dazu bringen ihn zu schlagen.
„Sie können mich doch nicht zu dem schicken!"
„Können wir also nicht? Warum denn?", fragte Umbridge gehässig.
„Weil er nicht im Stande dazu war auf seinen eigenen Sohn aufzupassen!"
„Glaub mir, diesen Fehler werde ich nicht noch einmal machen!" sagte Lucius hart.
„Ach nein? Was, wenn doch? Wie erklärst du das dann? Oder bestichst du einfach ein paar Leute, damit nicht auffliegt, dass ich dir entwischt bin?"
„Was fällt dir ein so mit deinem Vater zu reden?", stieß Fudge erschrocken hervor. Aber Bela war nicht mehr aufzuhalten.
„Und da ich mit Sicherheit wieder verschwinden werde und du mich wieder nicht kriegen wirst, holst du einfach ein paar von deinen Todesserfreunden, die mich dann irgendwo aufknüpfen und auseinander nehmen können!"
Der junge Mann sah, wie die Hände seines Vaters anfingen zu zittern. Seine Stimme spiegelte unterdrückte Wut wieder, klang aber im Großen und Ganzen sehr beherrscht. „Ich habe keine Ahnung, wovon du da redest."
„Es ist Blödsinn, wovon du da redest!", kreischte Umbridge mit verzerrter Stimme.
Lucius' beherrschte Art ging Bela ziemlich gegen den Strich, also entschied er sich noch eins drauf zu setzen.
„Oder besser noch Voldemort erledigt mich gleich selbst ! Ich kann mich an viel zu viele Leute erinnern, die bei dir zu Hause aus und ein gegangen sind und das Dunkle Mal trugen! Früher schienst du ja ziemlich dick mit denen allen gewesen zu sein! Ich kann mir ehrlich gesagt nicht vorstellen, dass sich das geändert hat!"
Jetzt war Fudge aufgesprungen. Sein rundes Gesicht war scharlachrot angelaufen und auf die doppelte Größe geschwollen. „Diese Anschuldigen sind völliger Humbug! Wenn du noch mehr solchen Nonsens verbreitest, dann lasse ich dich verhaften. Auch wenn es mir sehr gegen den guten Willen geht den Sohn eines Freundes einzusperren. Hast du denn keinen Respekt vor deinem Vater?"
„Respekt vor jemandem, wie ihm? Dieser Mann ist nicht mehr mein Vater! Ist er nie wirklich gewesen. Vielleicht sollten wir mal unsere Definitionen von Vater vergleichen!"
„Es reicht!" sagte plötzlich Snape entschieden aus seiner Ecke heraus, woraufhin alle verstummten.
„Da Bela offensichtlich nicht gewillt ist in sein Elternhaus zurückzukehren und Lucius ihn aber gerne dort sehen würde schlage ich einen Kompromiss vor."
„Lass hören, Severus," sagte Dumbledore, der bis zu diesem Zeitpunkt mit aneinander gelegten Fingerspitzen und interessiertem Blick die Auseinandersetzung verfolgt hatte.
„Wie wäre es, wenn Bela nur mal . . . sagen wir auf Probe nach Malfoy Manor gehen würde. Sozusagen um zu sehen, wie es läuft. Und wenn sich seine Meinung danach nicht geändert hat, dann kann man ja nach einer anderen Lösung suchen."
Bela wusste nicht, ob er wütend sein, oder Snape danken sollte. Was er vorschlug war vernünftig, aber trotzdem fiel er ihm damit in den Rücken.
„Wie lange genau soll diese 'Probezeit' denn deiner Meinung nach dauern?", fragte der Schulleiter.
„Ich würde sagen, dass ein Tag reichen würde um ein Vater-Sohn-Gespräch zu führen. Und um die Sache nicht zu sehr in die Länge zu ziehen, könnte man gleich den morgigen Tag festlegen."
„Das ist doch ein ganz phantastische Idee!", rief Fudge aus. „Was halten Sie davon, Lucius? Sie könnten Bela morgen Früh abholen, ihn mit nach Hause nehmen und ihn davon überzeugen, dass seine albernen Befürchtungen unbegründet sind."
„Das ist durchaus akzeptabel, Herr Minister. Nichts liegt mir Näher, als einen schönen Tag mit einem meiner Söhne zu verbringen." Obwohl Bela sich sicher war, dass Snape schon die ganze zeit über seine Gedanken las konnte er seine Phantasien, die dieser Satz in ihm hervorrief nicht unterdrücken. Momentan schwebte vor seinem inneren Auge eine Abrissbirne, die auf einen überdimensionalen Lucius-Malfoy-Kopf zuraste.
„Nun," begann Umbridge mit zuckersüßer Stimme, „da wir das jetzt geklärt hätten, sehe ich keinen Grund das noch weiter in die Länge zu ziehen. Sie sagten bereits, dass sie heute Nacht in Hogsmaede übernachten werden, nicht wahr, Mr Malfoy? Dann macht es Ihnen ja keine großen Umstände Morgen Früh um neun bei dem Haus Ihres Sohnes auf dem Gelände zu sein und ihn mitzunehmen. Ich bin mir sicher, dass Sie wirkungsvolle Methoden finden werden ihn von der Ehrbarkeit Ihrer Ansichten zu überzeugen. Ich werde mich nun zum Abendessen begeben, wenn mich die Herren entschuldigen." Mit breiten, wackelnden Hüften verschwand Dolores Umbridge aus dem Büro. Bei der Erwähnung der 'wirkunsvollen Methoden' seines Vaters war Bela schlecht geworden. Es war wohl bloß dem vorher eingenommenem Trank von Madame Pomfrey zu verdanken, dass er sich nicht übergeben musste.
„Ähm . . . gut," sagte Fudge. „Lucius, ich hätte noch etwas geschäftliches mit dir zu besprechen, also, wenn dir jetzt noch der Sinn danach ist, dann würde ich das gerne hinter mich ringen."
„Natürlich," erwiderte Lucius Malfoy. „Guten Abend, Professor Dumbledore, Severus." Er nickte jedem von ihnen zu, dann wandte er sich an seinen Sohn. „Wir sehen uns morgen." Er verließ mit Fudge den Raum.
Jetzt waren Bela, Snape und Dumbledore allein. Es herrschte kurz Stille in der jeder auf seine Weise, das vergangene Geschehen Revue passieren ließ.
Schließlich war es der Schulleiter, der das Wort ergriff. „Severus, ich möchte dir danken, dass du die Situation für den jungen Mr Malfoy gerettet hast."
„Bitte nennen Sie mich nicht so," sagte Bela leise.
„In Ordnung, Bela. Ich wüsste gerne, was dich dazu veranlasst hat, so die Beherrschung zu verlieren," erwiderte Dumbledore.
Snape schnaubte verächtlich.
„Ich wollte . . . Also ich hab gedacht, das . . ."
„Er wollte Lucius reizen, damit er ihn schlägt und nicht nach Malfoy Manor muss," antwortete Snape an Belas Stelle.
„Wenn dein Vater etwas kann," wandte sich der weißhaarige Professor an den jungen Mann, „dann ist es, eine Rolle zu spielen. Vor allem, wenn einflussreiche Persönlichkeiten, wie der Minister anwesend sind. Alles was du gekonnt hast war, ihn wütend zu machen und das war äußerst unklug von dir."
Bela erwiderte nichts. Was sollte er auch sagen. Also fuhr der Schulleiter fort. „Du kannst von Glück reden, dass Professor Snape für dich eine so gute Perspektive geschaffen hat. An einem Tag wird dein Vater dir keinen großen Schaden zufügen können ohne, dass es auffällt. Über das, was danach kommt machen wir uns Gedanken, wenn es so weit ist. Ist soweit alles geklärt?"
Mit Entsetzen stellte Bela fest, dass Dumbledore seine Geschichte kannte. Von den Misshandlungen seines Vaters. Leichte Röte stieg ihm ins Gesicht, obwohl er nicht der war, der sich dafür schämen musste. . . „Professor," begann er zögernd den Blick auf eine Feder auf dem Schreibtisch gerichtet, „haben Sie damals davon erfahren, dass ich weggerannt bin?"
„Ja."
„Und wussten Sie die ganze Zeit über, dass ich nicht tot bin?"
Jetzt schaute auch Snape den Schulleiter interessiert an.
„Ich wusste, dass du am Leben warst, aber ich wusste nicht, dass du bei der Familie Moore lebst und diesen Namen angenommen hast. Also habe ich dich auch nicht mit Absicht für diesen Job ausgewählt, wenn es das ist, worauf du hinaus willst."
„Danke, dass sie mich nicht verraten haben."
„Wenn ein so junges Kind, wie du es warst völlig bewusst eine so schwerwiegende Entscheidung trifft, dann war es wohl die richtige Entscheidung. Ich habe gelernt, dass das Unterbewusstsein eines Kindes manchmal wesentlich vertrauenswürdiger ist, als das eines Erwachsenen. Versuche einfach den nächsten Tag so gut du kannst zu überstehen. Und bitte komm nie wieder auf die Idee, deinem Vater eine Falle stellen zu können indem du ihn reizt."
„Werde ich bestimmt nicht," antwortete der junge Mann.
„Und jetzt solltest du noch etwas essen und dich dann schlafen legen. Gute Nacht."
„Gute Nacht," erwiderte Bela den Gruß, stand auf, sah zu Snape und dachte ein 'Danke'. Zur Bestätigung, dass er ihn gehört hatte nickte der Professor kurz. Dann verließ Bela das kreisrunde Büro.
Auf dem Weg durchs Schloss liefen einige Schüler an ihm vorbei und warfen ihm seltsame Blicke zu. Erst wusste er nicht warum, aber dann fiel ihm wieder ein, dass er immer noch voller Staub und Spinnweben war. An der großen Halle, aus der Stimmgemurmel und Essensduft kam, ging er vorbei. Stattdessen lief er auf die Ländereien hinaus, wo ihm ein kalter Dezemberwind um den Kopf wehte.
Noch eine ganze Weile spazierte er um das Schloss herum und versuchte die wirren Gedanken, die in seinem Gehirn herum spukten einfach einzufrieren. Als ihm das jedoch nicht gelang ging er schließlich doch zu der Häusersiedlung am Rande des verbotenen Waldes. Ihm viel auf, dass er den Wald noch nie betreten hatte. Vielleicht sollte er das jetzt tun. Sich einfach von einem wilden Tier in Stücke reißen lassen . . .
Aber als er vor Haus Nummer sieben stand kramte er in seiner Tasche nach dem Schlüssel, schloss auf und trat ein. Es war überall dunkel. Aus Brandons Zimmer drang lautes Schnarchen. Bela ging in sein Zimmer, ließ Oberteil und Hose auf den Boden fallen und stieg ins Bett. Irgendwann schlief er tatsächlich ein. Nur um wenige Augenblicke später von Jailie geweckt zu werden.
Reviews? In jeder Form bitte. (Morddrohungen, Liebeserklärungen, Hasstiraden, Verbesserungsvorschläge und alles, was euch noch so einfällt)
Danke:)
