"Nimmst du mich so mit", kam von Tami, die an sich runter sah. Sie trug ein rotes kurzes Samtkleid, was ihren Körper wundervoll betonte.

"Aber hallo. Sicher doch. Fehlt nur noch die Elfenmütze und die Bommelschuhe."

"Das kannst du vergessen", antwortete sie. Dabei lächelte sie ihn an. Heute waren sie bei Vickie Guerrero eingeladen, die eine große Weihnachtsfeier in ihrem Hause gab. Sie setzte sich neben Dave auf den Beifahrersitz seines Jeeps, während er den Rollator in den Kofferraum verstaute. Vickie war nach dem Tod ihres Mannes Eddie mit ihren Töchtern nach Tampa gezogen und nun fuhren die beiden die große bunt geschmückte Einfahrt hoch, wo schon etliche Autos standen.

"Hallo, ihr Zwei!" Randy, der mit Joe und einer Frau gerade aus seinem Wagen stieg, begrüßte sie schon von weitem.

"Hi Ran"

"Du sieht toll aus Tami ", meinte er leise, zwinkerte ihr zu und drückte ihr dann einen Kuss auf die Wange.

"Alter Charmeur. Wie war London?" Leicht boxte sie ihm gegen die Brust.

"Super, aber ich bin froh, wieder zu Hause zu sein."

Joe, der hinter Randy stand, beugte sich nun ebenfalls zu ihr runter und gab ihr einen Kuss auf die Wange.

"Hi. Ich muss sagen, Randy hat recht, du siehst zum anbeißen aus."

"Ich freue mich, dich zu sehen Joe. Aber fang du nicht auch noch an mit der Schmalzerei."

"Was denn? Dürfen wir dir kein Kompliment machen", meinte er lachend. "Tami, darf ich dir meine Verlobte Galina vorstellen."

Galina und Tami reichten sich die Hand. "Freut mich, dich kennenzulernen Tami. Joe hat mir schon viel von dir erzählt."

"Ich hoffe nur Gutes. Von dir habe ich auch schon viel gehört. Er hat immer so ein Leuchten in den Augen, wenn er von dir erzählt", antwortete Tami mit einem Grinsen.

"Du musst doch nicht immer alles verraten, Tami." Joe zog ihr kurz an den Haaren.

"Ach, warum, ich höre so etwas sehr gerne", meinte Galina und drückte ihm einen Kuss auf.

"Wo habt ihr eure Kleine?"

"Die ist bei meinen Eltern", antwortete Joe.

Sie gingen den kleinen Weg entlang, bis zum Garten der Guerreros, wo sich schon etliche Leute in aufgestellten Pavillons tummelten.

"Mum, Dave und Tami sind da", rief Shaul Guerrero und schloss Tami in ihr Arme.

"Hallo, Tami, wie geht es dir?" Vickie, die mit ein leeres Tablett in der rechten Hand hatte, legte ihren linken Arm um sie und drückte sie an sich.

"Gut, gut. Bei der Pflege von Dave aber auch kein Wunder", antwortete Tami.

"Wenn ihr etwas trinken wollt, bedient euch. Ich muss kurz rein. Paul braucht Nachschub am Grill" Dann rannte sie wie ein aufgescheuchtes Huhn an ihnen vorbei.

"Nervös wie eh und jeh. Steht sie überhaupt mal still Shaul?", fragte Tami, die Vickie grinsend hinterher sah.

"Natürlich nicht. Sie ist nur ruhig, wenn sie schläft", entgegnete Shaul.

"Hallo zusammen", hörte Tami die Stimme von Jonathan, der hinter ihr erschien. Sie schnaubte kurz und ging dann zu April und Nattie rüber, die am Kuchenbuffett standen.

Jonathan schaute ihr hinterher.

"Was hast du wieder angestellt Mox?" Joe grinste ihn an.

"Wenn ich das wüsste."

"Ok, dann reicht wohl deine pure Anwesenheit."

Jon sah ihn mit funkelnden Augen an und murmelte irgendetwas unverständliches in seinen nicht vorhandenen Bart.

Tami hatte sich zu John, Nikki, Bryan und Brianna begeben und erzählte Nikki von der Sklaventreiberei ihres Lebensgefährten. Nikki stimmte ihr in vielen Dingen zu und John versuchte immer wieder, sich zu verteidigen. Aber gegen die zwei Damen hatte er nicht den Hauch einer Chance. Dave kam hinzu und reichte Tami ein Glas Lemon. Irgendwie fühlte sie sich beobachtet und als sie sich nach links drehte, traf sie auf Jonathans Augen, die sie fixierten. Genervt drehte sie sich weg und Jonathan ging ein Lächeln über die Lippen. Colby stupste ihn an.

"Lass das Mox. Dave macht dich fertig, wenn er das mitkriegt."

"Was denn. Darf ich sie nicht anschauen. Sie ist hübsch."

"Jon, wir kennen dich lange genug. Was willst du von ihr? Ganz ehrlich, wenn du sie nur ins Bett kriegen willst, dann finde ich das nicht gut. Mir ist es sonst egal, mit wem du in die Kiste steigst, aber ich mag Tami. Sie hat in den letzten Monaten genug durchgemacht, da muss kein Mox kommen, der ihr das Herz bricht. Sie ist zu Schade, um nur eine weitere Kerbe an deiner Wand zu sein", meinte Joe und sah ihn durchdringend an.

"Ja, sie hat so was nicht verdient", kam von Colby.

"Ja, ist ja schon gut. Verdammt, weis selber nicht. Sie macht mich wahnsinnig. Ich weis nicht, ob ich ihr den Hals umdrehen oder sie küssen soll."

"Ja, sie ist eine Frau, die dir Paroli bieten kann. Vielleicht reizt dich das", raunte Joe.

"Mag sein. Es ist aber nicht nur das."

Colby sah Joe grinsend an. "Unser guter Alter Mox wird doch keine Gefühle entwickelt haben?"

"Quatsch. Ach, ihr seit Arschlöcher. Ich hole mir ein Bier", zischte Jon.

Joe und Colby lachten lauthals los, als er an ihnen vorbeirannte.

Tami hatte sich zu der Karaokeanlage begeben, wo Nattie, Eva, Stephen und Miroslav gerade um die Wette sangen. Miroslav sang so inbrünstig und schief Jingle Belle, dass Tami sich vor Lachen die Tränen aus dem Gesicht wischen musste. Shaul erschien neben ihr und stupste sie an.

"Und wollen wir eine Runde. So wie in alten Zeiten?"

"Ok, aber ich suche uns ein Lied selber aus. Wenn ich dich das machen lasse, dann kommst du mir wieder mit Opern."

Shaul grinste sie an und nickte. "Na gut, aber du hast recht. Ich hatte mir schon einen Song überlegt für dich."

"War klar." Die beiden kannten sich schon von Kindertagen und hatten oft bei Festen an der Karaokemaschine gehangen. Während Nattie sang, hatten sich viele der Gäste um die Bühne versammelt und stimmten mit ein. Dave, der mit Paul an der Theke stand, sah lächelnd zu Tami.

"Sweetie scheint sich zu amüsieren. Das Erste mal seit Monaten, dass sie so herzhaft lacht."

"Sie hat aber auch vieles durchgemacht. Aber ihr geht es wieder gut Dave und das hat sie dir zu verdanken", meinte Paul und klopfte ihm auf die Schulter.

"Hey, sie ist mein Baby. Und es ist nicht nur mein Verdienst. Du und die Truppe habt mir immer beigestanden."

"Das war ja wohl selbstverständlich. Wozu sind Freunde da?"

Tami stellte sich mit ihrem Rollator vor die Karaoke Leinwand und gab den Titel ein. Dave hielt die Luft an, als er den Titel las. Es war "All I want for Christmas is you". Eine Gänsehaut überzog seinen Körper, als Tami loslegte und ein Kloss bildete sich in seiner Kehle, denn es war das Lieblings-Weihnachtslied von Liliana. In diesem Moment fehlten ihm seine Freunde wieder und er schloss die Augen, um ihre Gesichter vor sich zu haben. Stephanie legte von hinten ihre Hände um seine Schultern und drückte ihn an sich. Er genoss ihre Umarmung, denn sie und Paul wussten immer, wann es ihm schlecht ginge und er sie brauchte.

Tami's Hände zitterten, als sie anfing zu singen, doch sie fand sich schnell in die Melodie ein. Theodor und Nattie, die rechts neben ihr standen, fingen an zu tanzen und Stephen und Saraya legten ebenfalls eine Flotte Sohle auf das Parkett. Nachdem der Song verklungen war, fingen die Leute an zu klatschen.

"Ok, keiner hält sich die Ohren zu, dann war es wohl nicht so schlimm", meinte Tami grinsend zu Shaul als sie sich umsah. Dann übergab sie das Mikrofon an Kofi und Ettore und setzte sich neben Colby, der mit Joe am Tisch saß und aß.

Dave erschien hinter Tami und legte seine Arme um sie. "Was kann ich dir zu essen bringen, Sweetie?"

Tami schaute auf Joe's Teller und zeigte mit dem Finger drauf. "Dasselbe wie er!"

"Auch die Menge?"

"Nein, nicht ganz soviel. Und bring mir von den Champignon Pasteten mit. Die muss ich testen", erwiderte sie lachend. Dave ging zum Buffet und kam nach ein paar Minuten mit einem vollen Teller zurück.

"Willst du mich mästen?" Tami schnaubte kurz auf, als sie den Teller sah.

"Ich habe übrigens vor drei Tagen Connor getroffen. Dein Platz ist immer noch frei", meinte Shaul, die sich zu ihnen gesetzt hatte.

"Ja, ich habe gestern noch mit ihm telefoniert. Er sagt es mir jedes Mal", antwortet Tami mit einem Strahlen. "Verdammt, die Pasteten sind klasse, Shaul."

"So eine gute Angestellte wie dich bekommt er auch nie wieder."

"Ach komm, du siehst doch, dass es auch ohne mich klappt."

"Ja, aber die Qualität ist nicht mehr so gut. Wir waren vor zwei Wochen noch dort", entgegnete Shaul und zwinkerte ihr zu.

"Was geht es jetzt mit deinem Training weiter, Tami?", wollte Colby jetzt wissen.

"John will die Rückenmuskulatur noch weiter stärken. Im Krankenhaus sind sie mit den Entzündungswerten noch nicht ganz zufrieden. Und meine Beine machen manchmal noch immer nicht das, was ich von ihnen will", antwortete sie lachend.

"Das wird unser guter John schon machen. Pass mal auf, in ein paar Wochen rennst du den New York Marathon", meinte Colby schmatzend.

"Dein Wort in Gottes Ohr"

Mark trat zu ihnen. "Tami, kann ich dich gleich mal sprechen?"

Tami sah ihn verwundert an. Sie wischte sich mit einer Serviette den Mund ab und nickte. "Sicher" Mark nickte Dave zu und gemeinsam standen sie auf und gingen ein Stück von den anderen weg.

"Was haben die denn geheimnisvolles zu bereden?" Jon sah ihnen skeptisch hinterher.

"Sicher planen sie, wie sie dich um die Ecke bringen", feixte Joe.

"Penner"

Er drehte sich jetzt zur Bühne und sah Benjamin und Trinity zu. Nach etwa zehn Minuten kamen Dave und Tami wieder an den Tisch.

"Colby, Mark hat mir gesagt, dass du, Nick und Jon schon am Sechsundzwanzigsten nach Vegas fahrt."

"Yup, wir wollen noch einen Abstecher zu Estelle machen", antwortete er.

"Könntet ihr Tami mitnehmen? Ich möchte sie nicht eine ganze Woche alleine lassen. Und mit dem Fliegen ist so eine Sache."

"Du kannst ruhig sagen, dass ich Schiss habe", meinte Tami grinsend.

"Das ist ja auch ok." Colby griff nach ihrer Hand.

"Nur wenn es euch nichts ausmacht?"

Colby schüttelte den Kopf. "Ist doch kein Problem oder Jon?"

"Nope", kam nur von ihm.

"Gut, dann holen wir dich am Sechsundzwanzigsten früh um Sechs ab."

"Danke. Ich freue mich."

Vickie trat an das Mikro und räusperte sich. "Leute, ich möchte mich für den schönen Abend bedanken. Auch wenn Eddie nicht mehr bei uns ist, habt ihr mich und die Kinder nie vergessen. Wir fühlen uns noch immer wie ein Teil der Familie."

"Das bleibt auch so", schrie Paul und Vickie hob ihr Glas.

"Die Kinder und ich möchten euch eigentlich nur ein Frohes Weihnachtsfest wünschen. Genießt die freien Tage ein bisschen, bevor der Stress wieder los geht. Und heute Abend noch viel Spaß."

Die Leute applaudierten und hielten ihre Gläser hoch. Tami senkte den Kopf ein wenig. Es würde das Erste Weihnachten ohne ihre Eltern werden. Den ganzen Tag über hatte sie viel Spass gehabt und nicht darüber nachgedacht, doch jetzt zog sich ihr Magen zusammen.

"Alles Ok Tami. Du wirkst so nachdenklich", wollte Shaul wissen. Kurz schluckte sie, dann lächelte sie gequält und nickte. "Ja, alles gut."

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