WARNUNG! Enthält grafische Beschreibungen von verwesenden Leichen. Dieses Kapitel kann euch Albträume bescheren, wenn ihr schreckhaft seid. Ihr wurdet gewarnt.

Phantasms

Harry saß mit Blick auf das reflektierende Mondlicht am Wasser. Irgendwo erlebte Remus eine schreckliche Verwandlung. Harry war damit zufrieden nur da zu sitzen und auf das Wasser zu starren. Irgendwo in der Ferne hörte er den Ruf einer Spottdrossel und seufzte. Er hörte zu, wie der Wind sanft durch die Bäume wehte, deren Blätter und Zweige er liebkoste. Er beobachtete, wie sich von seinen, im Wasser baumelnden Füßen, langsam kleine Wellen entfernten. Tränen ergossen sich über sein Gesicht, als er sich an die Menschen erinnerte, die durch seine Handlungen in den letzten zwei Tagen gestorben waren. Seine Erinnerungen lösten eine Flut von aufgestauten Emotionen aus. Er rollte sich zu einer Kugel zusammen und schluchzte hemmungslos.

Er hörte zierliche, leichte Schritte und drehte sich um. Anstelle von Gabrielle sah er das verkohlte Skelett eines Mädchens. Sie trug eine verbrannte Beauxbaton Uniform, zerrissen und stellenweise mit Schmutz und Schlamm bedeckt. Sie öffnete den Mund und Harry sah, Würmer und Käfer in ihrem Mund krabbeln. Sie wanden sich und zappelten wie verrückt.

"Du!", keuchte sie. "Du bist schuld. Du hast mich umgebracht!"

Ein weiterer entstellter Körper trat hinter dem Mädchen hervor. "Mörder!", schrie sie wütend. Wurmteile flogen dabei aus ihrem Mund. Ihr restliches Fleisch hing in losen Fetzen an ihr und weißlicher Schlamm tropfte langsam aus ihrer Nase. Ihr Kopf war in einem spitzen Winkel geneigt, und er erkannte, dass ihr Hals gebrochen war.

"Nein! Bitte, ich -", flehte Harry.

"Du hast uns getötet!", krächzten die Mädchen, ihre Augenhöhlen waren kaum mehr vorhanden.

"ICH WOLLTE ES NICHT! ICH SCHWÖRE, ICH - ", flehte Harry erneut. Doch bevor er noch etwas sagen konnte, ergriff eine kalte, klamme, nasse Hand sein Bein. Er wirbelte herum, um einen weiteren Körper zu sehen.

Die Brust des Mannes war völlig zerquetscht worden. Gesplitterte Kanten der weißen Knochen stießen durch seine mit Blut bedeckte Haut. Seine Augen waren leer und unfokussiert. Die Leiche des Mannes war mit Metallüberresten bedeckt. Eine der Spitzen durchbohrte augenscheinlich seinen Kopf. "Du hast mich getötet!", schrie der Mann. Ein schrecklicher Schrei, der nicht von dieser Welt zu sein schien. "MÖRDER!", schrie er. Hinter dem Mann, etwas weiter auf dem See, sah Harry einen weiteren triefenden Körper an die Oberfläche kommen.

Das Gesicht war mit Blut bedeckt, und sein Arm hing nur lose an einem Stück Haut. Er ging krummbeinig und stolperte, bevor er sein Gleichgewicht wieder fand. Brandflecken vom EMT-Gerät waren auf seiner Brust zu sehen. "MÖRDER!", schrie auch dieser Mann.

Harry hielt sich die Ohren zu, aber ihre schrecklichen Schreie drangen direkt in sein Gehirn. "MÖRDER!", schrien sie im Chor, in einer schrecklichen Kakofonie von rasselndem, keuchenden Lärm.

"NEIN!", schrie Harry laut, und sprang sofort aus dem Bett. "Bin ich nicht!", redete sich Harry weiter ein. "Ich war es nicht!", murmelte er, während er unkontrolliert schluchzte und weinte. "Ich war es nicht", murmelte er immer wieder, während er unablässig vor und zurück schaukelte.

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Lord Voldemort , der Führer der Terrorgruppe ''Todesser'' gackerte noch immer wie verrückt in seinem geheimen Versteck, dem Riddle Manor. Sein Spion in Hogwarts hatte ihm mitgeteilt, dass sowohl Dumbledore als auch Potter jetzt Flüchtlinge waren. Verdächtige in einem vierfachen Mord. Zusätzlich hatte Cornelius Fudge Amelia Bones, die einzige kompetente Leiterin der Auroren seit dem Krieg mit Grindelwald, gefeuert. Um das alles abzurunden, hatte Fudge Lucius Malfoy, einen seiner ergebensten Diener angeheuert, um ihr Ersatz zu sein. Ja! Voldemort hatte Pläne.

Voldemorts infantiles Gesicht verzog sich vor Konzentration. Seine kleinen Arme waren erbärmlich beim Zaubern, aber es reichte aus. Seine Haut war blass, fast durchsichtig. Seine Nase war flach gequetscht, ähnlich wie bei einer Bulldogge und seine Lippen waren hellblau. Er war ein Albtraum und trug schwarze Roben, die viel zu groß für ihn waren. Er fühlte sich lächerlich, und wenn dunkle Lords sich lächerlich fühlen, neigen sie dazu gereizt zu werden, wie er es jetzt war.

"Wurmschwanz!", hisste Voldemort. Ein dicker Mann mit einem Rattengesicht stürzte herein.

"Ja, mein Herr?", fragte Wurmschwanz, zitternd vor Angst.

Voldemort grinste. Ah, die Vergünstigungen der Macht. "Geh zu Lucius. Sag ihm, er soll mich hier treffen."

"Sehr wohl, mein Herr." Wurmschwanz huschte aus dem Zimmer, als würde der Teufel an seinen Fersen hängen. Eine passende Metapher, denn wenn Wurmschwanz nur eine Sekunde langsamer gewesen wäre, hätte ihn der Cruciatus Fluch direkt auf seinem fetten und faulen Körper getroffen, statt den Boden unter ihm zu sprengen.

'Das ist das Leben', dachte Voldemort selbstgefällig. 'Folter, Mord und böse Pläne.'

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Bolt ging durch die leeren Hallen von Hogwarts. Aufmerksam suchte und horchte er nach Anzeichen von Gefahr. Sein Meister hatte ihn hier zurückgelassen, also würde er auch hier bleiben. Aber er wusste, dass er die Schüler von Hogwarts nicht ignorieren konnte. So entschied er sich, durch die Hallen zu patrouillieren, um sie zu schützen. Er hatte bereits vier Auseinandersetzungen mit Draco Malfoy, bei denen er ihn Betäubte, als er ihm den Rücken zu drehte.

Am anderen Ende der Halle spitzte Bolt seine Ohren. Er drehte seinen Kopf, um das Gespräch zwischen Draco Malfoy und Professor Moody zu belauschen. Er bemühte sich, ihre Worte zu hören und neigte sich dem Geräusch entgegen.

"Komm jetzt, Junge", sagte Moody. "Der dunkle Lord will, dass du deinen Vater darüber informierst, dass er gebraucht wird. Sag ihm Barty Crouch Junior, hat dich geschickt."

"Aber, sie sind nicht Barty Crouch!", protestierte Draco laut.

"Halt die Klappe, jemand könnte uns hören!", flüsterte Moody eindringlich.

"Gut. Ich werde es ihm sagen, wenn sie aufhören, mich zu belästigen", schmollte Draco.

"Geh!", knurrte Moody .

Draco lief, laut über die Schulter rufend, in Richtung des Slytherin-Gemeinschaftsraumes. "Besser sie halten ihre Versprechen!"

Moody rollte sein gutes Auge und flüsterte: "Ich habe nie ein Versprechen gemacht, Idiot." Vor sich hin kichernd, begann er die Treppe hinauf zu humpeln. Bolt versteckte sich schnell in deren Schatten und verarbeitete, was gesagt wurde.

Bolt wusste nun, dass Moody nicht derjenige war, der er vorgab zu sein und da war noch etwas. Nun, das Einzige, was noch zu tun war, war herauszufinden, wer zum Teufel Barty Crouch Junior war. Bolt wusste durch Harrys Erinnerungen, wenn er Informationen wollte, wäre die beste Quelle Hermine.

Bolt raste durch die Gänge, bis er den Wächter des Gryffindorturms, die fette Dame, erreichte. Er nahm schnell den Eingang für Tiere und lief die Treppe zum Mädchenschlafsaal hoch. Er hämmerte an die Tür mit der Aufschrift "Viertklässler'' und innerhalb von Sekunden flog die Tür auf. Hermines Augen scannten suchend die Treppe, bis Bolt geistig ihren Namen schrie. Ihre Augen flogen nach unten und sie seufzte erleichtert.

"Bolt?", fragte sie. "Warum bist du hier?"

Bolt begann, hin und her zu laufen. "Was weißt du über Barty Crouch Junior?", polterte er, während er schneller umherlief.

"Er ist Barty Crouchs Sohn" , sagte Hermine, leicht verwirrt. "Er wurde wegen der Folterung der Auroren Frank und Alice Longbottom verurteilt. Warum?"

Bolt lief weg und rief seinen Dank über die Schulter, sodass die arme Hermine wie betäubt in der Tür stehend zurückblieb.

Bolt raste, alle Sinne angespannt auf die Suche nach Moody gerichtet, durch das Porträtloch. Er beabsichtigte, ihn zu stellen und ihn vors Gericht zu bringen. Beim Laufen wurde Bolt durch das, was er von Crouchs Fähigkeiten kannte bewusst, dass Crouch aufgrund der Tatsache, dass er durch Wände sehen konnte, ein sehr starker Gegner wäre. Er wusste auch, dass Crouch wohl starke magische Kräfte hatte, denn er sah ihn mühelos die Unverzeihlichen werfen, die viel Kraft kosteten.

Um eine Ecke rutschend kam er zum Stillstand, als er Moody mit seinem Zauberstab erhoben und auf ihn zeigend sah.

"Dachtest wohl, du könntest dich an mich heranschleichen, was?", sagte Crouch schroff.

"Ich weiß, wer Sie sind", sagte Bolt kalt.

Moodys Augen weiteten sich etwas, dann schüttelte er sich. "Du wirst mich rösten, wie du diese Mädchen geröstet hast?"

Nun war Bolt an der Reihe, überrascht zu sein. "Sie wussten es?", fragte Bolt mit kaum verhaltener Wut.

Crouch lachte ein hohes, grausames, kaltes Lachen, das die Haare auf Bolts Wirbelsäule zu Berge stehen ließ.

"Natürlich wusste ich es. Es war die perfekte Gelegenheit, um uns von einem großen Feind zu befreien. Der beste Teil ist: Wir mussten nicht einmal die Beweise fälschen. Potter hat das ganz von selbst erledigt." Crouch gackerte wie verrückt und drehte beiläufig seinen Zauberstab.

Bolt knurrte: "DU BASTARD!" Mit Wut in seinem Herzen, öffnete er sein Maul. Hell goldene Flammen kamen heraus und schmolzen die Steinwände des Korridors. Crouch lachte wie ein Idiot und hob seinen Zauberstab zu einem durchscheinenden goldenen Schild.

"Jetzt bin ich dran!", kicherte Crouch. "Furtum Spinae!" Ein schwarzer Strahl schoss aus Crouchs Zauberstab und durchbrach das purpurne Feuer mit Leichtigkeit. Bolt konnte gerade noch dem Zauber ausweichen. Einen Augenblick später traf er den Steinboden und riss diesen auf. Bolt rollte sich, gerade noch rechtzeitig, wieder auf die Füße, um zu sehen, wie ein weiterer Zauberspruch auf ihn zu kam. Er wehrte ihn mit einem Strahl von Gold-Feuer ab, bevor er begann, zwei Knochenbrecher Flüche auf Crouch zu schicken.

Crouch parierte sie mit lila Feuer aus seinem Zauberstab und schrie Bolt zu: "IST DIES DAS BESTE, WAS DU DRAUF HAST?" Wie ein Wahnsinniger gackernd, rief Crouch eine Rüstung zu sich und befahl ihr sich mit hoher Geschwindigkeit auf Bolt zu stürzen. Bolt lies einfach die Rüstung mit einer Bewegung von seinem Schwanz verschwinden und Barty gab einen enttäuschten Seufzer von sich.

Crouch hatte Bolt in der Defensive, und Bolt gefiel dies gar nicht. Als Crouch einen Reduktor-Fluch auf den Boden vor ihm warf, startete er einen mächtigen Strom goldener Blitze hinter Crouch, sodass Barty davon ausgehen würde, er hätte ihn verfehlt. Der elektrische Strahl traf eine Rüstung hinter Crouch und die Rüstung begann zu glühen. Bolt grinste wissend und wusste, dass er gewonnen hatte und Barty wusste es noch nicht.

Bolt beschwor all seine Macht und befahl den Blitzen wieder zu ihm zu kommen. Keine Sekunde später, spürte er die Reaktion und Bartys Gesicht verlor seine Farbe. Der goldene Glanz, der die Rüstung umgab, begann die Blitze zurück zu schleudern. Als die ersten goldenen Ranken Barty Crouch bereits erreichten, verschwand dieser mit einem dumpfen Schwur auf den Lippen, im Bruchteil einer Sekunde, bevor der Blitz durch den Raum jagte, an dem er zuvor gestanden hatte.

Der Blitz zog sich in die Rüstung zurück und das Leuchten verschwand. Bolt stand wie unter Schock ganz still da. Dann begann er, in unbändiger Wut aufzuheulen. Seine Beute war geflohen.