Kapitel 7

Die Männer des nachfolgenden Heeres waren nicht erfreut, bei ihrer Ankunft in Furnost zu erfahren, dass sie gleich noch zwei weitere Tage marschieren müssten. Mit den Soldaten aus der Stadt waren es fast zweitausend Mann, die sich am Ufer des Tüdosten entlang Richtung Süden aufmachten, hin zu der seichten Talmulde, die Galbatorix letztendlich für die Schlacht ausgewählt hatte.

Durza mied die Nähe der anderen Zauberkundigen des Heeres und hielt sich hauptsächlich bei den Wyrdfell auf. Ein wissbegieriger Magier hätte sonst seine fadenscheinige Tarnung als Mensch schneller durchschauen können, als Galbatorix und dem Schatten lieb gewesen wäre. Für die meisten war er nur ein wortkarger Zauberer, der sich den Abtrünnigen angeschlossen hatte. Und im Kampf gegen die Elfen würde das Heer jeden benötigen, der gegen die Magie des Feindes antreten konnte, also ließ man ihn in Ruhe.

Wie Galbatorix befürchtet hatte, war eine kleine Flotte von Kriegsschiffen vom Süden des Binnenmeeres aufgebrochen, aber nicht weit gekommen. Fünf der Abtrünnigen hatten sie in einem Überraschungsangriff aufgerieben. Die Wyrdfell waren so schnell verschwunden, wie sie aus der Wolkendecke hervor gekommen waren und hinterließen nur einige brennende Schiffe auf den sanften Wogen.

Schließlich erreichten sie ihr Ziel und schlugen ein Lager auf. Ihre Gegner würden erst am nächsten Tag eintreffen, und ihre Zahl war beachtlich. Fast tausend Zwerge marschierten Seite an Seite mit ungefähr vierhundert Elfen, beschützt von ungefähr einem Dutzend Magier und natürlich nicht zu vergessen: knapp dreißig Drachenreitern. Wobei jeder Elf so stark war wie drei Menschen. Mindestens. Außerdem wurden sie noch von knapp zweihundert menschlichen Kriegern begleitet, Menschen aus dem Süden, die schon immer gegen den König in Ilirea rebelliert hatten.

Die Generäle des Königs machten sich vor allem Sorgen, dass ihre Männer nicht erholt genug sein würden, wenn die Schlacht zu früh begann. Galbatorix zeigte sich ungerührt. Ob die Soldaten nun ausgeruht waren oder nicht, spielte bei einem Kampf gegen Elfen kaum eine Rolle. Trotzdem schickte er erst einen Boten hinüber in das feindliche Lager, das sich auf der anderen Seite des Tales aufgebaut wurde.

Die diplomatischen Maßnahmen würden etwas Zeit verschaffen, auch wenn alle wussten, dass dieser Konflikt schon lang nicht mehr mit Worten beigelegt werden konnte. Zu viel Blut war bereits geflossen, zu viel Hass und Enttäuschung entstanden. Als es nichts mehr zu sagen gab, zogen beide Seiten ihre Boten zurück und das lange Warten auf den Kampf begann.

Am Vorabend der Schlacht hockte Durza allein vor den Zelten der Wyrdfell in der Dunkelheit und beobachtete angestrengt das Lager des Feindes. Diese hatten ihre Magier gut versteckt gehalten, aber irgendwann würde der Schatten sie schon noch finden in dieser Nacht.

Seufzend ließen sich Torwec und Morzan neben ihm im plattgetretenen Gras nieder. „Warum ruhst du dich nicht aus?", fragte Morzan und versuchte ebenfalls, etwas auf der gegenüberliegenden Seite des Tales zu erkennen.

Durza schüttelte nur den Kopf. Jetzt war weder Zeit zum Ausruhen, noch zum Reden. Am Nachmittag hatte er mit Galbatorix geredet, der davon ausging, dass der Schatten sich wie ein sterblicher Magier im Hintergrund halten und Zauber weben würde. Aber Durza wollte kämpfen. Er sah es gar nicht ein, auf die Möglichkeit, Elfen zu töten, verzichten zu sollen. Darum war er auch so erpicht darauf, die gegnerischen Magier schon vor der Schlacht aufzuspüren. Wenn es keine von ihnen mehr gab, würde er hoffentlich kämpfen dürfen! Dürfen... Schoßhündchen, ja, das war er. Wütend ballte er die Fäuste. Er sollte selbst bestimmen können, was er tat!

„Galbatorix muss wirklich große Stücke auf dich halten, wenn er dich so beschützt wissen will...", ließ sich Torwec nicht ohne einen Anflug von Eifersucht in der Stimme vernehmen. Der junge Wyrdfell hatte wirklich den Auftrag erhalten, ein Auge auf den Schatten zu haben, damit dieser sich nicht einmischen konnte.

„Nein, du siehst das falsch, mein Freund...", sagte Morzan und unterdrückte ein Gähnen. „Er will ihn nicht beschützen, er will ihn davon abhalten, überzulaufen. Er vertraut ihm nicht, das ist alles..." Er setzte sich auf schaute Durza provozierend an: „Denn wer traut schon dem Wort eines Schatten, hm?"

Ein wütendes Knurren steckte ihm schon in der Kehle, als Durza plötzlich etwas spürte. Er hob den Kopf und fixierte mit gelbglühenden Augen einen Punkt in der Dunkelheit des gegnerischen Lagers. Er hatte sie gefunden. Nicht alle, aber einige. Er verzog das Gesicht zu einem bösartigen Lächeln und flüsterte: „Entschuldigt mich, ich habe noch etwas zu tun..."

Geräuschlos lief er am Waldrand zwischen den Bäumen hindurch. Geschickt wich der Schatten knackenden Ästen und raschelndem Laub aus, sprang geschwind über Steine hinweg und näherte sich unaufhaltsam dem Lager des Feindes. Es war fast lächerlich einfach, die wenigen Wachen zu überwältigen und ihre Leichen im Wald zu verstecken. Unbehelligt marschierte er versteckt unter dem Mantel eines Soldaten durch die provisorische Zeltstadt, sein Ziel klar vor Augen.

Als er das bunte Zelt der Magier erreicht hatte, riss er voller Vorfreude den Vorhang zur Seite und trat grinsend ein, genoss die Überraschung in den Gesichtern der acht überrumpelten Magier und sagte sanft: „Seid mir gegrüßt..." Dann begann das Schlachten.

Etwa eine Stunde später wusch Durza sich am Ufer des Sees im Schutze einiger Büsche das Blut ab, in das er nahezu eingetaucht war. Immer noch leicht berauscht setzte er sich auf den feuchten Boden und atmete tief durch. Bald würde der Feind die Toten finden, aber vor dem Morgengrauen würden sie nichts unternehmen, wenn sie nicht völlig dumm waren. Fast hätte er die Präsenz in seinem Rücken nicht bemerkt, aber er hatte nichts zu befürchten. „Vila. Wie nett..."

„Lang nicht gesprochen, nicht wahr, Freund Durza?" Der weibliche Schatten ließ sich neben ihm nieder und lächelte breit. „Wie lang bist du schon wieder in einem Körper?"

Durza zuckte mit den Schultern und erwiderte das Lächeln. „Etwas über zwei Monate."

„Und du warst noch nicht am Helgrind? Böser Junge..." Sie lachte und entblößte dabei ihre spitzen Zähne.

„Ich hatte noch keine Zeit dafür."

„Ja, das habe ich schon gehört. Pamuk ist nicht gut auf dich zu sprechen, aber das war er ja noch nie."

Vila war einer der wenigen Schatten, die dauerhaft am Helgrind lebten, sich aus den Angelegenheiten der Menschen heraushielten und von allen ihrer Art als unantastbar geehrt wurden. Niemals würde ein Schatten sie zum Kampf herausfordern. Sie wachten zusammen mit einigen menschlichen Priestern über die Tore des Todes und hielten sie offen.

„Ja, Pamuk..." Durza lachte kurz auf. „Ich hoffe doch, er ist noch auf der anderen Seite? So schnell möchte ich ihn auch nicht wiedersehen, wenn ich ehrlich bin... Unangenehme kleine Wanze..."

„Die unangenehme kleine Wanze hat fürchterliche Rache geschworen. Ich an deiner Stelle würde mir schon ein wenig Sorgen machen.", bemerkte Vila und ihre Züge wurden sehr ernst. „Aber noch ist er da, wo du ihn hingeschickt hast. Vorläufig."

Durza fröstelte etwas, überspielte es jedoch und fragte: „Wer ist noch hier? Bist du die Einzige, die sich die Schlacht nicht entgehen lassen will, oder..."

„Aktra ist noch hier. Hält sich im Wald verborgen. Mikel wollte die Tore nicht verlassen und Erzra ist irgendwo auf den Inseln beschäftigt. Wir sind wenige zur Zeit, mein Freund." Sie lächelte wehmütig, dann fragte sie: „Ist er es wert?"

„Wer was wert?", fragte er verwundert zurück.

„Galbatorix. Ist er es wert, sich so erniedrigen zu lassen?"

„Vielleicht. Ich weiß es noch nicht." Er senkte den Blick und murmelte: „Ich will unbedingt herausfinden, wieso er so mächtig ist. Ich MUSS es herausfinden. Und was Pamuk angestellt hat, dass es so weit kommen konnte."

TBC