Kapitel 7
Das Willkommensfest war fast genau wie immer. Nur dass jetzt McGonagall dort saß, wo vorher Dumbledores Platz gewesen war. Harry versuchte nicht dort hinzusehen, weil es einfach zu wehtat. Er spürte, dass es Draco genauso ging und wäre am liebsten aufgestanden und hätte ihn getröstet und ihm versichert, dass das nicht seine Schuld gewesen war. Aber das musste bis später warten. Als er seinen Blick über den Lehrertisch wandern ließ, wurden ihm 2 Sachen klar.
Erstens: er würde nie in der Lage sein, McGonagall als Direktorin anzuerkennen. Sie war und blieb seine Hauslehrerin, um die er einen Bogen machte wenn er etwas vorhatte. Aber so respektieren wie Dumbledore konnte er sie nicht. Nach ihrer Teilname bei dem Theaterspiel der Weasleys und Hermine hatte sie sogar noch Respekt verloren.
Zweitens: es ging Snape genauso wie Draco und ihm, sogar noch schlimmer. Aber er wusste nicht, was er dagegen machen sollte.
Nach einer Gedenkminute für Dumbledore und einem Applaus für Harry und, widerwilliger, für Draco fingen sie zu essen an. Sofort versuchten Hermine und Ron, Harrys Abend zu verplanen. Der Betroffene hörte gar nicht zu was den Beiden auch nach einer Weile auffiel. „Harry? Hey, wir reden mit dir." Er sah Ginny an, die ihn ansprach, nachdem er die Beiden anderen einfach ignorierte. „Ja, was ist denn?" fragte er seufzend. „Wir sind am überlegen, was wir heute Abend machen. Wir müssen doch feiern."
Harry grinste. „Ich habe schon genug gefeiert, und ich gehe heute Abend zu jemandem. Ihr braucht euch auch nicht wundern, wenn ich morgen früh nicht in meinem Bett bin…" Ginny wurde blass. „Du hast eine Freundin?" fragte sie leise und sichtlich geschockt. „Nein." Sie atmete auf und Harry fiel mal wieder auf, wie sehr er sich verändert hatte. Aber er wusste nicht, wie er sie sonst schnell loswerden sollte.
„Ich habe einen Freund. Und der ist kein Gryffindor, also…" „Es ist aber nicht Malfoy, oder?" fragte Ron wütend. „Welcher? Ich kenne mehrere." „Sehr witzig!" „Nicht wahr?" Der Dunkelelf grinste und wandte sich wieder seinem Essen zu. Den Rest des Essens wurde er dann in Ruhe gelassen. Aber er konnte hören, wie sie leise über ihn sprachen.
Punkt neun Uhr traf er dann Draco. Sie tauschten sich ein wenig über den Tag aus, aber bald nahmen ihre Instinkte überhand und sie konzentrierten sich mehr aufeinander.
Sie waren ungewohnt lange voneinander getrennt gewesen.
Tonks und Remus standen vor der Tür von Snapes Zimmer. Sie waren jetzt zusammen Lehrer für Verteidigung gegen die dunklen Künste. Beim Abendessen hatten auch sie bemerkt dass es dem Zaubertränkelehrer schlecht ging und sie hatten beschlossen, ihn zu besuchen um ihn von seinen Gedanken abzulenken.
Sie wurden auch eingelassen, aber davon abgesehen zeigte sich Snape nicht sehr einladend; er ignorierte sie einfach. Remus blieb einfach ruhig sitzen und wartete auf eine Gelegenheit, ein Gespräch zu beginnen. Tonks auf der anderen Seite war nicht so geduldig, sie versuchte direkt, ein Gespräch zu starten.
„Severus, hör mal, wir hatten überlegt einen Duellierklub zu starten. Ich hab gehört, ihr hattet so etwas schon mal vor ein paar Jahren… Würdest du uns helfen? Du kannst ja gut kämpfen, und im Gegensatz zu uns kennst du die Schüler." Severus ignorierte sie weiterhin. „Sag schon. Was hältst du davon?" Stille. Jetzt wurde Tonks langsam gereizt. „Du könntest wenigstens antworten. Es ist unhöflich, seine Gesprächspartner zu ignorieren!"
Endlich sah der Lehrer sie an. „Wenn ich dir zu unhöflich bin… dort ist die Tür. Es zwingt dich niemand zum Bleiben. Ich habe euch noch nicht mal hergebeten." „Wir sind gekommen weil wir uns Sorgen gemacht haben, verdammt noch mal!" „Ich brauche niemanden der sich um mich sorgt! Ich kann sehr gut auf mich selber aufpassen!" „Was hat das damit zu tun? Zu deiner Info: alle Lehrer und die meisten älteren Schüler haben dasselbe Problem wie wir drei! Also können wir uns auch gegenseitig Trost spenden!" „Sehe ich aus wie ein Gryffindor? Ich brauche niemanden der mir Händchen hält, auch wenn euch dieser Gedanke offenbar fremd ist!" „Hör mal…"
Jetzt hatte Remus genug. „Hört auf, ihr zwei! Ihr benehmt euch wie Harry und Draco, wisst ihr das?" Severus und Tonks sahen zuerst sich und dann Remus an. Als dem klar wurde, was er gesagt hatte, stieg ihm die Röte ins Gesicht und er sagte schnell: „Ich meinte vor ihrer Versöhnung!"
Einen Moment herrschte eine sehr seltsame Stille, bis Snape zu seinem Schrank ging, Wein und drei Gläser herausholte und diese auf einen Tisch stellte. „Also", fing er an, „wie war das jetzt mit diesem Duellierklub?" Erleichtert, das Thema wechseln zu können, ging Remus auf die Frage ein. Keinem von beiden viel auf, dass Tonks den Rest des Abends still und sehr nachdenklich blieb.
Der nächste Tag begann, wie meistens, mit Zaubertränke und damit mit einem schlecht gelaunten Snape. Wie üblich hatten die Slytherins und Gryffindor zusammen und genauso normal war es, das Snape seine schlechte Laune vor allem über die Gryffindor goss. Ungewohnt war, dass er Harry verschonte, und sogar kurz schmunzelte, als er Harrys Buch sah. Der hatte nämlich Snapes altes aus dem siebten Jahr gefunden, denn obwohl er jetzt mehr als genug wusste um diese Fach zu schaffen hatte er ja schon letztes Mal festgestellt wie gut er von Severus Notizen lernen konnte. Also hatte er sich erfolgreich auf die Suche gemacht und war jetzt sehr mit sich zufrieden. Für andere sah das Ganze anders aus.
„Hast du gesehen? Seit wann verstehen sich denn Harry Potter und Professor Snape so gut?" „Ich habe gehört, Potter hätte Du – weißt – schon – wen mit bloßen Händen getötet, ohne Zauberstab!" „So ein Unsinn! Ich habe gehört, dass Potter einen Unverzeihlichen benutzt hat, den Todesfluch, und der Minister sich nicht getraut hat, irgendetwas dagegen zu machen." „Dann ist Potter also auch ein schwarzer Magier…"
„Seit ihr jetzt mit euren Unterhaltungen fertig? Dann würde ich mich an eurer Stelle wieder eurem Trank zuwenden bevor er explodiert, er steht nämlich kurz davor!" wurden die tuschelnden Schüler mit gefährlich leiser Stimme von ihrem Lehrer unterbrochen. Schnell beeilten sie sich, den Trank zu retten, oder es zumindest zu versuchen. Sie waren aber nicht erfolgreich, was Snape dazu veranlasste, mit großer Genüsslichkeit Punkte abzuziehen. In dieser Stunde konnte noch nicht mal Hermine den Punktestand retten.
Die Zeiten, in denen Rezepte allein ausreichten, um einen guten Trank zu brauen, waren nämlich lange vorbei, und das Gefühl für dieses Fach, dass Harry mit Hilfe von Draco und Severus entwickelt hatte, fehlte ihr. So wurden ihr, zu ihrem fassungslosen Erstaunen, tatsächlich Punkte abgezogen, was Harry, dem Professor und den Slytherins natürlich riesigen Spaß machte.
Als Harry nach der Stunde in den Gryffindor Turm zurückkehrte um die Bücher für die nächste Stunde zu holen, gingen ihm alle aus dem Weg. Er genoss das, wusste er doch genau dass sie ihm sonst nur auf die Nerven gegangen wären. Als sich Ron und Hermine aber doch entschlossen, genau das zu tun, seufzte er auf.
„Harry, bitte! Sprich mit uns!" flehte Hermine, die inzwischen selber ganz schön angepisst war. Sie hatte war ersten Mal in ihrer Schullaufbahn den Anforderungen eines Faches nicht gewachsen gewesen, Molly Weasley und McGonnagal lagen ihr in den Ohren sich um Harry zu kümmern, was ihr jetzt gerade sehr schwer fiel weil sie gesehen hatte, dass er mit den Slytherin über ihren Punkteabzug gelacht hatte, und dieser Idiot weigerte sich jetzt, sie auch nur anzusehen.
„Worüber denn, Hermine? Meine bevorzugten Themen kennst du gar nicht mehr und du könntest auch nicht mit mir darüber sprechen wenn du sie kennen würdest, weil du nicht genug darüber weißt. Und mir schon wieder anzuhören wie schlimm es ist dass ich mit Slytherins befreundet oder mit Draco zusammen bin habe ich auch gerade keine Lust. Also, worüber sollen wir reden? Über Quiddich? Du magst das nicht und Ron und ich mögen nicht die gleichen Teams." „Aber Harry", protestierte Ron. „Wir müssen ja nicht über Teams sprechen. Wir könnten uns auf unser eigenes Spielen konzentrieren." „Wir hätten selbst da unterschiedliche Meinungen, glaub mir. Zum Beispiel", hier grinste Harry boshaft, „würde dir meine Meinung über diesen heißen Sucher, den Slytherin da hat, wahrscheinlich nicht besonders gefallen…" kichernd zog er ab und jetzt ließen auch diese Beiden ihn endlich in Ruhe.
Auch an diesem Abend fanden sich Remus und Tonks wieder bei Snape im Raum ein. Der hatte trocken gefragt, ob die beiden keine angenehmere Gesellschaft finden konnten. „Was, hier gibt es angenehmere Gesellschaft?" fragte Tonks trocken. „Wir verstehen uns, Severus. Die anderen sehen uns nur schräg an. Hier scheint im Moment ein kalter Krieg zu herrschen, zwischen deinen Slytherin mit Harry und Draco an der Spitze und dem Rest auf der anderen Seite. Und die Lehrerschaft ist genauso geteilt, auch wenn du das nicht mitbekommst." Snape zog eine Augenbraue hoch.
„Meine Schüler akzeptieren Harry?" „Ja, ohne Probleme. Vor allem wegen deinem Verhalten ihm gegenüber." „Gut. Er sollte soviel von seinen Sachen wie möglich hier in die Kerker holen. Dann kann er wenn er möchte hier unten bleiben, von uns wird ihn keiner verraten." „Ich sag es ihm. Ich bin sicher, er wird sich freuen."
Danach sprachen sie über andere Dinge, neue Artikel in Aurorenzeitschriften, die nervigen Schüler, wie schlimm sich die Gryffindors benahmen. Dass sich zwischen ihnen etwas Neues aufbaute, fiel nur Tonks auf, die aber nichts sagte sondern der Entwicklung freien Lauf ließ. Sie wusste ja, dass Männer immer ein wenig länger brauchten um so etwas zu merken, und wenn sie jetzt etwas sagte, würde sie sie nur abschrecken und in die Verleugnung schicken. Also lächelte sie nur und schwieg.
Harry hatte inzwischen mit Dracos Hilfe die meisten seiner Sachen schon in den Kerker gebracht. Es zeichnete sich jetzt schon ab, dass er mehr Zeit hier unten verbringen würde als im Turm, also hielten die beiden den Umzug für Vernünftig.
Draco war froh, dass Harry ihn unterstützen wollte. Er war nämlich für die Slytherin – Neuzugänge zuständig, die zwar der Feindschaft der anderen Häuser ausgesetzt waren, aber nicht wussten, was sie tun konnten, und in den meisten Fällen auch nichts getan hatten. Natürlich gab es auch ein paar, die sich sehr gut wehrten, die nahm Draco sich zur Seite, hielt ihnen einen Vortrag über Subtilität und darüber, dass sie wegen der Lehrer, außer Snape natürlich, vorsichtig sein mussten. Außerdem trug er ihnen auf, auf die anderen aufzupassen. Er und Harry gaben den Jüngeren Unterricht. Sogar ein paar Klassenkameraden hatten gefragt, ob sie mitmachen durften.
Im Endeffekt gab es jetzt einen reinen Slytherin – DA, was Harry aber nur fair fand, weil er wusste, das die anderen Häuser sich zusammengetan und den ursprünglichen DA fortgeführt hatten.
Dies wurde schnell klar, als der kalte Krieg schnell immer heißer wurde. Es war schon gefährlich geworden, sich in Slytherin – Farben alleine außerhalb der Kerker zu zeigen. Die Schlangen reagierten darauf, indem sie Fallen im Kerker aufbauten. Dadurch war der Weg zu den Zaubertrank- und Verteidigungsräumen (denn auch Remus und Tonks hatten sich Räume unten gesucht um zu zeigen wie sehr sie das Benehmen ihres eigenen Hauses missfiel) zu einem lebensgefährlichen Hindernislauf geworden. Daraufhin fingen die anderen Häuser an, den Slytherin bewusst aufzulauern und es nicht mehr dem Zufall zu überlassen, ob sie einen von ihnen erwischten oder nicht. Viele dachten, was Ron in einer DA – Sitzung gesagt hatte: „Die glauben sie sind etwas tolles und könnten sich alles erlauben. Aber wir sind in der Mehrzahl, also können wir ihnen etwas Benehmen beibringen."
Die Slytherins hatten aber einen Vorteil, den niemand erriet: die sehr wertvolle Unterstützung der Weasley – Zwillinge. Die waren von den Vorgängen in Hogwarts gar nicht begeistert und schickten den Slytherin nicht nur neuere Scherzartikel, sie kamen auch noch persönlich ins Schloss und zeigten, wie man ihre Produkte an besten anwandte. Außerdem wussten sie am besten, wie weit man die Regeln beugen kann.
Auch das Wissen um die Geheimgänge wurde geteilt. Die älteren Slytherin kannten welche innerhalb von Hogwarts, von denen sowohl die Zwillinge als auch die Rumtreiber nie gehört hatten, zumindest hatten letztere sie nicht in ihre Karte geschrieben. Aber die Gänge aus Hogwarts raus kannten die Schlangen dafür nicht so gut. Es stellte sich aber im Lauf der Wochen und einiger gemeinsamer Anstrengung heraus, dass alle noch etwas lernen konnten, denn sie fanden noch zahllose andere Gänge. Hogwarts war in Wahrheit so durchlöchert wie Schweizer Käse. Die junge Generation der Schlossbesitzer in Slytherin wunderte das nicht, sie waren es von zuhause gewohnt.
Es wurde schnell klar, dass das Kräfteverhältnis nicht so schlecht für Slytherin stand, wie der DA das sich gedacht hatte, ganz im Gegenteil. Mit einigen wenigen Aktionen, sie wollten ja die Lehrer nicht zum Eingreifen zwingen, zeigten die Schlangen den anderen dass sie überall in Hogwarts machen konnten, was sie wollten.
Als der Winter hereinbrach, kehrte in der Schule wieder Frieden ein. Wenn man es so nennen wollte. Die Slytherins hatten Ruhe gegeben, weil die anderen Ruhe gaben und, auch wenn es die stolzen Schlangen nicht zugeben wollten, ein Krieg gegen eine Übermacht doch ermüdend war. Vor allem, weil Snape auf einem gewissen Niveau in ihrer Leistung bestand. Ansonsten hatte er sie zwar unterstützt, aber er hatte schnell klar gemacht, dass er weiterhin gute Noten erwartete. Dadurch waren sie im Moment leistungsmäßig die Spitze.
Als Ravenclaw dies klar gemacht wurde, willigten auch sie schnell ein, sich aus dem Krieg herauszuhalten. Sie vergruben sich schnell in ihre Bücher um ihren Rückstand aufzuholen.
Hufflepuff zog sich danach sofort zurück. Sie wussten genau, dass ein Fortführen des Kampfes auf ihre Kosten gehen würde, weil sie die Schwächsten waren und die Slytherins jetzt, ohne die Ablenkung durch das Haus der Gelehrten, Zeit hätten sich auf sie zu konzentrieren.
Gryffindor blieb einfach nichts anderes übrig. Alleine waren sie zu schwach, außerdem hatte McGonnagal sie ausdrücklich darum gebeten. Hinzu kam, dass das Haus zunehmend gespalten war. Immerhin war Harry, der offiziell noch in ihr Haus gehörte, auf der Seite der Slytherins, und es gab einige, die der Meinung waren, man sollte sich deshalb nicht gegen die Schlangen stellen.
