So, hier habt ihr das nächste Kapitel. Dieses ist wieder etwas länger geworden, ich hoffe, das freut euch. Und wir haben Action!!! Übrigens, dieses Kapitel ist an all jene gerichtet, die sich etwas ganz besonderes wünschten... speziell an couchkartoffel, du weißt warum ;). Ich konnte auch wieder ein paar Ideen einbauen, danke dafür! Und vielen Dank an all die Leute, die mir nette und auch kritische Kommentare gesendet haben. Macht weiter so, das macht mich glücklich.
Übrigens, wen es interessiert, Maracuja war's diesmal ;). *hehe*
Disclaimer: I don't own Twilight. Just messing with the chracters ;)!
Chris
Ich bekam ein Freizeichen.
Bereits nach dem ersten Klingeln meldete sich eine Frauenstimme am Apparat.
„Fork's General. Sie sprechen mit Schwester Lauren, was kann ich für Sie tun?", sang sie ihren wahrscheinlich schon längst verinnerlichten Text herunter.
„Guten Tag, Schwester Lauren. Mein Name ist Edward Cullen…" Weiter kam ich nicht, denn ich hörte am anderen Ende ein angespanntes Einatmen und irgendwie schien mir die Frau etwas verwirrt zu sein. Ich konnte deutlich hören, dass sie die Luft anhielt.
„Edward Cullen?", fragte sie endlich ganz perplex.
Ich stotterte nur herum: „Em, ja?"
Auf einmal quietschte es und ich hatte schon die Befürchtung, dass meine Ohren einen bleibenden Schaden erlitten hatten.
„Oh mein Gott, Edward Cullen! Ich glaub es einfach nicht. Erinnerst du dich noch an mich? Ich bin's, Lauren. Wir hatten zusammen English!"
Und nun? Ich hatte keinen blassen Schimmer, wer diese Frau sein sollte. Und sollte ich tatsächlich mit ihr zur High School gegangen sein, dann zählte sie garantiert zu den Mädchen, die ich unbedingt vergessen wollte. Meinet wegen, ich machte eine gute Miene zum bösen Spiel, denn schließlich wollte ich ja noch etwas von ihr. Ich nutzte meine freundlichste Stimme, lächelte ins Telefon und ließ meinen unmenschlich großen Scharm spielen. Mir konnte keiner widerstehen.
„Oh ja klar, Lauren! Wie konnte ich dich nur vergessen? Verzeih mir bitte. Sag, wie geht es dir?" Eigentlich war ich daran und an einem Austausch an belanglosen Floskeln in keinster Wiese interessiert, aber meine Mutter hatte mich ja gut erzogen. Also hörte ich geduldig zu.
Leider ging das irgendwie nach hinten los und sie verstand meine Freundlichkeit als Einladung und schnatterte frei darauf los. Alles, was ich tun konnte, war zuhören, hm und oh an den passenden Stellen sagen und ansonsten nur schweigen.
Nach gefühlten zehn Stunden wusste ich alles über Laurens Leben, ich schwöre, alles! Wie interessant… Sie hatte sich also diesen Tyler-Typen geangelt und war immer noch die dickste Freundin von Jessica Stanley, wie toll. Ja, alle Welt erinnerte sich an Jessica… Sozusagen kam ich gerade vom Regen in die Traufe.
„Und Edward, was gibt es bei dir Neues? Bist du vergeben? Komm, du hast doch bestimmt eine Freundin, nicht?"
Puh, anstrengendes Kind, aber ich blieb wie immer die Höflichkeit in Person.
„Ehrlich gesagt, Lauren, so viel Zeit habe ich leider nicht, um dieses spannende Gespräch mit dir fortzusetzen. Vielleicht ein andermal." Lügner.
„Ach, kein Problem. So, em, warum hattest du eigentlich angerufen? Was kann ich für dich tun, Edward?" Aha, sie dachte doch mit, naja, wenigstens ein bisschen, nicht?
„Eigentlich wollte ich gerne meinen Vater sprechen. Ist das möglich, hat er Zeit?"
Wildes Rumklicken am anderen Ende der Leitung, dann war wieder Laurens Stimme zu hören.
„Ja, das geht, ich hab' grad mal nachgeschaut. Er hat Pause und müsste in seinem Büro sein. Ich stell dich gleich durch."
„Danke, Lauren." Diesmal war meine Freundlichkeit nicht gespielt. Ich freute mich, dass sie so schnell handelte.
„Gern geschehen, Edward. Wir hören uns!"
Auch wenn Lauren zuweilen nervig schien, so wusste sie dennoch, was sie tat. Vielleicht hatten sich einige Leute doch im Laufe der Zeit verändert. Wer weiß.
Als ich so in Gedanken versunken war, dran Musik an mein Ohr. Ein Klavierstück versüßte mir die Wartezeit.
Es kam mir bekannt vor, irgendwie. Wo hatte ich es schon einmal gehört? Egal, wo und in welchem Zusammenhang auch immer, es gab mir ein Gefühl von Geborgenheit. Ich schloss die Augen und genoss es. Ich ertappte mich sogar dabei, wie ich die Finger auf meinem Tisch hin und her bewegte. Fast so, als spielte ich auf einem Klavier.
Es war ewig her, dass ich das letzte Mal an einem Flügel saß. Ich wollte einfach nicht mehr spielen, warum, das wusste ich nicht mehr. Esme war sehr traurig über diese Entscheidung, sie liebte es, wenn ich ihr vorspielte. Vor allem liebte sie Für Elise. Gerade verspürte ich einen ungeheuren Drang, meine Hände über die weißen und schwarzen Tasten fliegen zu lassen. Warum nur hatte ich aufgehört, die Musik so zu lieben, sie selbst zu formen und zu erschaffen?
Ich wurde aus meinen Gedanken gerissen, als ich auf einmal eine mir vertraute Stimme am Telefon hatte.
„Guten Tag, Dr. Cullen hier. Was kann ich für sie tun?", sagte er in seiner professionellen, ruhigen Stimme.
„Hi Dad."
Stille.
„Edward?" Wer sonst?
„Ja Dad, ich bin's. Ich weiß, ich hab' lange nichts von mir hören lassen", gab ich beschämt zu.
Nach einer etwas peinlichen Ruhe kamen wir dann doch noch ins Gespräch. Es war so, wie ich es erwartete. Mein Dad war froh und stolz darüber, dass ich sein Krankenhaus für mein Praktikum auswählte. Carlisl bat mich noch darum, Esme nichts von meinem Aufenthalt hier in Forks zu verraten. Er meinte die Überraschung wäre noch viel größer, wenn ich einfach vor der Türe stehen und mein altes Zimmer wiederverlangen würde.
***
Ein paar Tage später war ich auf den Weg nach Washington, auf dem Weg nach Forks.
Da Forks so unendlich weit entfernt von Boston lag, blieb mir nichts anderes übrig, als meinen geliebten Volvo auf dem Campus zurückzulassen. Ich nahm stattdessen den Flieger bis Port Angeles und mietete mir dort ein Auto. Natürlich war diese Mühle nicht mit meinem Wagen zu vergleichen, aber was tun? Ich wollte mir nicht extra ein neues Auto für diese Zeit kaufen. Außerdem würde ich so wie so gelegentlich zurück nach Harvard gehen, um mich dort mit meinen Dozenten zu besprechen. Da könnte ich dann mein Baby wiedersehen und fahren. War es seltsam, mein Auto als Baby zu bezeichnen? Tss, Männer dürfen das.
In Port Angeles angekommen, machte ich mich in meinem Mietwagen auf den Weg.
Ich war den ganzen Tag lang schon so gut gelaunt. Ich hatte mit meinen Geschwistern gesprochen. Sie konnten es einrichten, bald nach Forks zu kommen. Das war super, Esme würde ausflippen vor Freude. Auch mit Carlisl hatte ich mich noch einmal kurz abgesprochen. Mom wusste immer noch von nichts. Dad hatte ihr nur gesagt, dass er heute einen Kollegen mit zum Abendessen bringen würde. Naja, ganz falsch war das nicht.
Es war erst 15:00 Uhr, als ich das Ortseingangsschild passierte, also noch genügend Zeit bis heut Abend. Ich beschloss, zum Krankenhaus zu fahren. So konnte ich mich gleich vorstellen und Dad abpassen, um mit ihm zusammen nach Hause zu fahren.
Die Klinik lag nicht Mitten in der kleinen Stadt. Sie lag am Rande. Viel Grün umgab sie, der perfekte Ort, um wieder gesund zu werden.
Ich fuhr auf die Schnellstraße und meine gute Laune wurde immer besser. Ein paar meiner Lieblingslieder, die ich vorsorglich noch auf eine CD geladen hatte, schürten die Stimmung und ich fand mich laut mitsingend wieder.
Bis ich die Sirenen hörte und das Blaulicht sah, als der Notarzt an mir vorbeiraste. Oh nein.
Meine Neugier gewann die Oberhand und ich beschleunigte sofort meinen Wagen.
Das Szenario vor mir war schrecklich. Zwei Autos waren kollidiert, eines davon stand in Flammen, das andere, ein alter Truck, lag äußerst demoliert im Straßengraben. Diese armen Menschen. Für den Fahrer des brennenden PKW kam wahrscheinlich jede Hilfe zu spät.
Es gab kein Vorbeikommen. Die Polizei hatte bereits alles abgesperrt. Das Feuer brannte dennoch weiter, anscheinend war die Feuerwehr noch nicht da. Wie es aussah, musste sich der Unfall erst kürzlich ereignet haben.
Die Wagen vor mir kamen zum Stillstand und einige Leute stiegen aus ihren Autos – ich auch.
Ich sah schon von weitem, dass die Helfer gnadenlos unterbesetzt waren. Jetzt Edward, jetzt kannst du beweisen, was du gelernt hast. Ich wollte helfen, es war meine verdammte Pflicht, etwas zu tun!
Zwei Männer luden eine Person auf eine Trage. Ob Mann oder Frau konnte ich nicht erkennen. Überall war Blut und ich war auch noch viel zu weit vom Unfallort entfernt. Ein aufgebrachter Polizist stürmte an mir vorbei auf die Sanitäter zu.
„Helfen Sie ihr! Bitte, das ist meine Tochter." Seine Stimme klang verzweifelt. Der arme Mann, auch wenn er sicherlich an solche Anblicke gewöhnt war, sein eigenes Kind so zu sehen, das musste einfach furchtbar sein. Aber sicher würde es ihr bald besser gehen, sie wurde schließlich sofort behandelt.
Ein lauter Schrei war zu hören und meine Beine setzten sich ohne konkrete Anweisung in Bewegung in Richtung des Lärms.
„Verdammt, Leute, hier ist noch ein kleiner Junge drin! Scheiße, der steckt fest. Los doch, helft mir!"
Der Polizist, der vorher zu seiner Tochter gerannt war, sah nun voller Verwirrung und Schmerz in die Richtung seines Kollegen. Aus seinen Augen lesend, konnte ich nur vermuten, dass dieses Kind wohl sein Enkel war.
Ein Kind steckte fest, brauchte Hilfe, meine Hilfe. Ich ignorierte die Absperrung, sprang hinüber, riss fast noch einen Polizisten um und stürzte zu dem Truck.
„Hey junger Mann, verschwinden Sie. Sie haben hier nichts zu suchen!" Des Officers Stimme war hart und autoritär. Egal, das konnte ich auch. Ich hatte einen Bruder und eine nervige Schwester, ich konnte mich schon immer durchsetzen.
„Hören Sie", begann ich, „Sie sind hier doch total unterbesetzt. Lassen Sie mich Ihnen helfen. Ich bin Mediziner. Bitte, lassen Sie mich helfen." Ich war so verzweifelt, Mann, da steckte ein Kind fest und ich musste hier dumm rum palavern.
Er blickte mich an, überlegte kurz und nickte mir dann zu. Das war mein Zeichen.
Nach wenigen Sekunden war ich beim Truck und bei dem Deputy, der krampfhaft versuchte, die Tür der Trucks aufzubekommen.
„Die scheiß Tür klemmt. Hey, versuch mal mit dem Kleinen zu reden. Er ist wach, reagiert aber auf nichts, was ich ihm sage. Vielleicht hast du ja mehr Glück."
Ich achtete nicht weiter auf den Mann. Ich konzentrierte mich auf das Kind.
Ich blickte durchs Fenster des total demolierten Autos, ein Wunder dass es noch stand. Da saß er in seinem Sitz. Ich sah in nur von der Seite. Sein Kiefer war verkrampft und seine kleinen Hände zitterten. Vor Angst? Nein, er hatte sie zu Fäusten geballt. Vielleicht vor Wut?
„Hey Kleiner, alles klar?" Ich versuchte so normal wie möglich rüberzukommen. Noch mehr Aufregung musste nicht sein. Er spürte es so oder so. Armer kleiner Kerl.
Eine Weile blieb er noch so steif sitzen und ich dachte schon, er stünde so sehr unter Schock, dass er mich nicht hören konnte. Ich wollte gerade noch zu einer neuen Frage ansetzen, da wandte er sich zu mir um. Er blickte mir direkt in die Augen und ich atmete tief ein vor Schock. Seine Augen durchbohrten mich und hielten mich in ihrem Bann. Ich war wie angefroren. Seine grünen Augen ließen nicht zu, dass ich auch nur blinzelte. Das waren die Augen eines Kindes? Sie waren blank, leer und so zerstört.
Plötzlich öffnete er seinen Mund und ich konnte seine Stimme hören.
„Was soll schon klar sein?", fragte er eiskalt und gelangweilt. Gut, er hatte recht, nichts war gut.
Ich musste mir irgendetwas einfallen lassen, was seine Aufmerksamkeit auf mich lenkte, denn schon kurz nach seiner Frage drehte er den Kopf wieder zur Seite und ballte seine kleinen Hände wieder in Fäuste.
Ok, keine Spielchen hier. Ich plapperte drauflos, eine Eigenschaft, die sonst Alice inne war. Genau, Alice, meine Familie. Ich erzählte dem Jungen alles über mich. Wie ich hier, dass ich 23 war, zwei Geschwister hatte und was meine Eltern von Beruf taten. Keine Ahnung, wie lange ich da vor der Scheibe stand und auf ihn einredete, es war mir egal. Dieser kleine, so fragile Junge brauchte mich. Ich hatte noch nie ein Kind so leblos gesehen. Ich wollte ihn zum Lachen bringen. Ich erzählte ihm von Emmett und all den dummen Streichen, die wir spielten.
Nichts, er sagte nichts, er drehte sich nicht, einfach nichts. Ich atmete aus und sah auf meine Schuhe herab. Der Polizist neben mir versuchte immer noch krampfhaft irgendwo Werkzeug aufzutreiben, das uns hier weiterhelfen konnte. Bis jetzt vergeblich.
„Ich hab keine Geschwister."
Ich war perplex, er sprach wieder und seine tiefgrünen Augen bohrten sich wieder in die meinen. Es war fast so, als konnte ich mich in seinen Augen sehen, so klar waren sie. Der Spiegel zur Seele, sagt man. Zu einer tiefen und verbitterten Seele in diesem Fall.
Was mich am meisten verwunderte, war, dass er weiter mit mir sprach.
„Es gibt nur meine Mom und mich und meinen Opa." Er klang traurig darüber und etwas beschämt. Doch unüblicher weise brach er den Blickkontakt nicht ab. Im Gegenteil, er schien jetzt interessierter. Willig, mir etwas von sich mitzuteilen. Und irgendwie klangen seine Worte so alt. So, als wäre er seinem Alter weit voraus. Seine Mutter musste eine kluge Frau sein, denn der Kleine schien nicht auf den Kopf gefallen zu sein. Wie alt war er nur?
Als hätte er meine Frage gehört, antwortete er: „Ich bin fünf Jahre alt. Aber ich werde noch sechs in diesem Jahr. Und bald komme ich in die Schule und dann kann ich endlich alles lesen."
Und als er das sagte, machte mein Herz einen Sprung. Ein kleines aber niedliches Lächeln machte sich auf seinem Gesicht breit.
„Was möchtest du denn lesen?" Ich fand heraus, dass das der Aufhänger war, an dem ich festhalten musste.
„Nichts Großes. Meine Mama ist Schriftstellerin, sie schreibt so schön."
Und da war er wieder weg. Sein Ausdruck wurde blank und seine Händchen zitterten von neuem. Oh Gott, er rutschte weg von mir. Seinen Blick hatte er schon abgewandt. Mist, wo waren die nur mit den Werkzeugen?
Nach einer Weile traf letztendlich die Feuerwehr ein. Sie kamen mit großen Geräten und scheuchten uns alle aus dem Weg, um besseren Zugang zum Truck zu haben. Sie brachen die Türe auf. Ich war froh, endlich konnten sie den Kleinen herausholen. Ich sah meine Arbeit als getan an. Gut, ich hatte nicht wirklich etwas vollbracht, aber ich hatte den Kleinen beschäftigt und ihn zum Reden gebracht. Das würde ich nie vergessen. Seine Augen, diese Augen, so durchdringend.
Ich ging langsam zurück, in Richtung meines Wagens. Der Chief rannte an mir vorbei. Wahrscheinlich war der erste Krankenwagen mit seiner Tochter schon auf dem Weg zur Klinik. Carlisl würde sich um sie kümmern, sicherlich. Ich war in meinen Gedanken, als ich auf einmal einen Schrei hörte. Ohrenbetäubend, doch ich hätte diese Stimme überall erkannt, auch wenn ich sie heute zum ersten Mal gehört hatte. Vor allem, weil sie meinen Namen rief.
Ich rannte zurück zum Truck, mein Körper trieb mich dorthin. Wieso, wusste ich nicht. Es fühlte sich nur so richtig an.
Der kleine Junge war in den Armen seines Großvaters. Er sah so zerbrechlich aus, nicht dürr oder verkommen, nur so gebrochen in diesem Moment. Außerdem war sein Kopf knallrot und heiße Tränen liefen über sein Gesicht. Der Chief versuchte ihn zu beruhigen.
„Schon gut, mein Kleiner, alles wird gut. Komm schon, hör auf zu weinen. Bitte."
Das Kind hörte nicht auf zu weinen und sich in den Armen seines Großvaters zu winden. Ich kam näher und der Blick des Kleinen landete auf mir und er hörte plötzlich auf zu schreien und blieb ruhig. Der Chief sah mich verwundert an, doch er brachte ein kleines Lächeln dabei hervor.
Ich ging auf die beiden zu, keine Ahnung davon, was meine Aktion bewirken sollte. Ich hatte nie mit Kindern zu tun, was sollte ich schon ausrichten können? Ich stand vor den beiden. Der Kleine streckte seine Arme nach mir aus. Ich sah seinen Grandpa fragend an. Der guckte verwirrt, gab mir aber seinen Enkel.
„Mein Vater ist Arzt im Fork's General. Wenn Sie wollen, nehme ich ihren Enkel dort hin mit, so können Sie sich um ihre Tochter kümmern." Warum ich ihm das anbot, wusste ich nicht. Doch ich fühlte, dass es irgendwie passend war.
„Vielen Dank, ich weiß gerade nicht, was ich tun soll. Ich schätze, ich muss das erstmal begreifen. Ach ja, ich bin Charlie."
„Kein Problem, mein Name ist Edward, Edward Cullen." Wir schüttelten kurz die Hände.
„Ah, Carlisls Sohn. Ich verstehe. Danke noch mal Edward, wir sehen uns im Krankenhaus."
Er klopfte mir leicht auf die Schulter und strich dem Kleinen über den Kopf. Dann ging er zu seinem Wagen.
Das Beste war wohl in den anderen Krankenwagen zu steigen. Ich wusste nicht, ob dem Jungen etwas fehlte. Also lieber dort mitfahren. Falls er Schmerzen bekam, so konnte ihm gleich geholfen werden.
Er lag so friedlich in meinen Armen. Hm komisch, es war fast so, als gehörte er dorthin. Komm Cullen, reiß dich zusammen. Ein paar Tränen liefen ihm noch übers Gesicht, aber er war ruhig. Vielleicht würde er bald einschlafen. Sein Unterbewusstsein musste ihn doch schützen. Seine Atmung verlangsamte sich und sein kleines Herzchen wummerte nicht mehr so stark an meiner Brust. Doch eingeschlafen?
„Ich heiße Christian. Meine Freunde nennen mich Chris. Das kannst du auch, wenn du willst."
Ich musste lächeln. Chris also, netter Name.
„Ok, Chris."
„Edward?" Es war seltsam, meinen Namen aus seinem Mund zu hören. Wie ein kleiner verträumter Engel, so klang es.
„Ja?"
„Wird meine Mama wieder gesund?"
„Ganz bestimmt. Wir fahren jetzt zusammen ins Krankenhaus, da werden wir gucken, wie es ihr geht. Dein Opa ist schon dort und passt auf sie auf. Mein Dad ist Arzt, weißt du? Er wird ganz besonders auf deine Mutter Acht geben. Glaub mir, Chris, alles wird gut."
Ob er alles hörte, wusste ich nicht, denn er war nun tatsächlich eingeschlafen.
Ich stieg mit Chris auf meinem Arm in den Krankentransporter ein. Ich wollte den Kleinen auf eine Trage legen, sodass er in Ruhe schlafen konnte, doch er hatte eine gute Hand voll meines T-Shirts geschnappt und ließ nicht los. Ich wollte ihn nicht wecken, setzte mich also auf einen Stuhl und hielt in fest. Ich ertappte mich dabei, wie ich leise summte. Da war es wieder, das Lied aus der Warteschleife. Woher kannte ich es und warum war es mir so geläufig, dass ich es einem kleinen Jungen vorsummen konnte? Er entspannte sich in meinen Armen. Seine Hand ließ mein Shirt los und er kuschelte sich enger an mich heran. Sein Mund öffnete sich leicht, er sah so süß aus. Dennoch, ich ließ ihn nicht los, es war sicherer, ihn in meinem Armen zu halten. Das redete ich mir jedenfalls ein.
Eines Tages, das war mir klar, würde ich auch so ein süßes Kind haben. Irgendwann. Wenn da doch nur auch die richtige Frau für mich wäre. Hm, wie wohl Chris' Mutter so war? Edward, vergiss es, die arme Frau hatte gerade einen Unfall und außerdem ist sie wahrscheinlich um einiges älter. Der Junge ist immerhin fünf Jahre alt. Dennoch, auch Edward Cullen würde eine Familie gründen, irgendwann.
***
Chris schlief die ganze fahrt lang durch. Die Ereignisse hatten ihn geschafft, er war erschöpft. Armer kleiner Kerl.
Ich hatte ihn noch immer auf meinem Arm. Sein Gewicht war kaum spürbar, deshalb machte es mir nichts aus, ihn mit mir herumzutragen. Ich brachte ihn zu dem ersten Arzt, den ich finden konnte. Der machte einen kurzen Check up. Nachdem ich dem behandelnden Arzt mitteilte, wer ich war, durfte ich auch dabei zusehen. Alles war ok mit Chris, zum Glück. Mir fiel ein Stein vom Herzen. Der Kleine war mir in den paar Stunden, die wir uns kannten, schon richtig ans Herz gewachsen. Er verschlief die ganze Prodzedur.
Als ich durch die Hallen ging, bekam ich ein paar seltsame Blicke zugeworfen. Was, noch nie Mann mit Kind gesehen? Tss, solche Idioten, als ob so etwas nicht alltäglich wäre. Und dann erinnerte ich mich daran, dass Chris von seiner Mom und seinem Großvater gesprochen hatte, aber nicht von seinem Dad. Wo war der? Wie konnte er so einen kleinen Jungen nur zurücklassen? Bastard!
„Edward!" Die Stimme kannte ich doch.
„Dad!"
„Hallo, ich freue mich, dich zu sehen. Wer ist das?" Er zeigte auf die kleine schlafende Person in meinen Armen.
„Das ist Chris. Er und seine Mutter hatten einen Autounfall. Naja, ich war dort und hab versucht, zu helfen. Er stand unter Schock und er hat sich irgendwie wohl bei mir gefühlt, also habe ich ihn mitgenommen und hier her gebracht."
„Ja, die junge Frau. Armes Ding, aber ihr wird es bald besser gehen. Es sah schlimmer aus, als es tatsächlich ist. Zu wem gehört der Kleine?"
„Zum Chief. Em, ich kenne nur seinen Vornamen, Charlie."
„Ach so, Chief Swans Enkel also. Hm, süßer Kerl. Gut, Edward, ich muss erstmal weiter und nach seiner Mutter sehen. Ich glaube, ich hab Charlie unten gesehen, Papiere ausfüllen. Geh zu ihm und gib ihm den Kleinen zurück. Wir sehen uns dann."
„Ok Dad, ich warte dann hier auf dich."
Carlisl zwinkerte mir zu und ging wieder in Richtung Intensivstation. Er hatte Recht, ich musste Chris erst einmal zu seinem Großvater bringen. Der würde sich sicher schon wundern, wo er blieb. Nicht dass er noch dachte, ich hätte ihn gekidnappt oder irgendetwas. Remember, don't mess with the chief of town, ever!
Wie Carlisl bereits sagte, fand ich Charlie im Wartebereich. Er lehnte am Tresen und sprach mit der Schwester. Hm, das könnte Lauren sein, wenn mich nicht alles täuschte. Ja, definitiv und mir viel wieder ein, warum, ich sie nicht mochte; zu schlampig.
„Können Sie mir bitte sagen, in welchem Zimmer ich meine Tochter finde? Ihr Name ist Isabella Swan."
Dodom
Mein Herz hatte einen Aussetzer, als seine Worte an mein Ohr drangen. Ich kannte keine Isabella Swan. Warum fühlte sich es dennoch so an, als kannte ich sie?
Ich ging auf Charlie zu. Ich würde es bald herausfinden.
A.N.: Vielen Dank für's Lesen, ich hoffe, es hat euch gefallen. Lasst es mich wissen ;).
Hier noch Werbung in eigener Sache. Ich habe die große Ehre, eine ganz tolle Story aus dem Englischen zu übersetzen. Die ist auf meinem Profil zu finden und heißt Hilf mir, ich bin zerbrochen. Die Story ist unheimlich toll und tiefgründig, eine meiner Lieblingsgeschichten. Und noch was, die Kapitel sind lang, lang lang, wenn ihr versteht, was ich meine. Schaut mal rein und verliebt euch in die Story, bei mir hat's geklappt. ;)
