7. Familie
„Und wo sollte dieser ominöse Ort sein?", schnappte Snape.
Ginny dachte angestrengt nach, doch alles, was ihr einfiel, war ungeeignet. Gab es denn gar niemanden, dem sie sich anvertrauen konnten?
… nur Hagrid, und der saß in Askaban. Es war zum Verzweifeln. Doch dann schoss ihr eine Idee förmlich in den Kopf.
„Muggellondon!", sagte sie triumphierend.
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„Muggellondon? - So schwer es mir fällt, dies zuzugeben … es ist eine hervorragende Idee, Miss Weasley." Snapes Gesicht blieb starr, doch seine Augen funkelten belustigt.
Ginny konnte sich das Grinsen nicht verkneifen. Er hatte sie doch tatsächlich gelobt … nun gut, auf seine Weise, aber immerhin.
„Schön; und dort kennst du dich ja auch aus, nicht wahr, Severus? Du hast schließlich jahrelang mit …"
„Neben", warf der Tränkemeister ein. (B/N: gggg feiner, aber wichtiger Unterschied! ;-)
„Auch gut, dann hast du eben neben Muggeln gewohnt."
Snape fasste sich mit Zeigefinger und Daumen der linken Hand an die Nasenwurzel und drückte etwas dagegen. Nachdenklich schloss er die Augen und stand eine ganze Weile so da. . Die einzige Bewegung ging von seinen Augen aus, die sich hinter seinen geschlossenen Liedern bewegten.
Er atmete tief durch, blickte auf und sah Ginny durchdringend an.
„Es wird anstrengend und gefährlich!"
„Ich habe keine Angst", antwortete Ginny und wusste doch, dass er ihrem Gesicht ansehen konnte, dass es nicht stimmte.
„Dann werden wir nach Muggellondon gehen."
„Aber wie wollt ihr das machen? Ohne Geld? Wenn ihr in Muggelgebieten zaubert, werden sie euch schneller auf die Spur kommen, als ihr weglaufen könnt. Außerdem werden sie auch in Muggellondon nach zwei merkwürdigen Personen namens Weasley und Snape suchen", gab Dumbledore zu bedenken.
„Dann dürfen wir uns nicht Weasley und Snape nennen. Wir könnten uns als Paar ausgeben …" Snapes Blick ließ sie innehalten. „Oder als Vater und Tochter", fügte sie leise hinzu. (B/N: grinst wie ein Hai - der arme Sev!)
Mit einem Wink des Zauberstabes verwandelte Snape die Decke in eine einfache Robe und zog sie an.
„Ich werde mir etwas einfallen lassen. Und wir brauchen auch Ausweise - ohne kann man in der Muggelwelt nichts anfangen. Hoffentlich reicht mein Geld, dass ich auf der Muggelbank habe."
„Du hast ein Muggelkonto?", fragte Albus interessiert.
„Ich habe in einem Muggeldorf gelebt. Womit glaubst du habe ich die Abgaben und Steuern bezahlt? - Sind Sie sich sicher, Miss Weasley, dass Sie mitkommen möchten?"
„Ich werde mein Bestes geben, Sir."
„Das glaube ich. Zuerst müssen wir uns passende Kleidung besorgen." Er packte Ginny am Arm und hob den Zauberstab. Erschrocken versuchte sie sich ihm zu entziehen.
„Wollen Sie nun doch nicht mitkommen?"
„Doch, natürlich, aber was haben Sie denn vor?"
„Lassen Sie sich überraschen", antwortete Snape und Ginny spürte wie sie disapparierten.
Ein Raum erschien vor ihren Augen, der voll gestopft war mit alten Schränkchen, Tischchen und Spitzendeckchen. Auf einem alten, mit Brokat bezogenen Ohrensessel saß eine sehr alte, sehr dünne Frau. Der Kopf hing zur Seite und ein leises Schnarchgeräusch zeigte, dass sie schlief. Ihre stahlgrauen Haare hatte sie hochgesteckt, und auf ihrem Schoß lag eine sehr große graublaue Katze mit langem Fell, die ihre gelben Augen wütend zusammenkniff. Ein unfreundliches Fauchen drang aus dem Rachen des Tieres.
„Stell dich nicht immer so an, Malik. Du kennst mich doch. Und nun wecke sie nicht auf", zischte Snape die Katze an.
„Aber Sir, man erscheint doch nicht einfach im Haus fremder Leute", protestierte Ginny.
Der Tränkemeister rollte die Augen und deutete Ginny ihm zu folgen. Doch kaum hatten sie die Tür erreicht, krächzte eine rauchige Stimme: „Severus, mein Junge, wann lernst du endlich, dass du dich nicht an mir vorbei schleichen kannst." Die Alte hatte sich etwas aufgesetzt und kramte in einer Tasche ihres Kleides.
Sie zog eine riesige Brille daraus hervor und setzte sie auf ihre Nase. „Wen hast du denn da bei dir … eine junge Dame, wie schön. Komm näher meine Liebe, lass dich ansehen." Sie streckte ihre Hand nach Ginny aus.
Langsam und vorsichtig trat die junge Hexe näher zum Sessel. „Setze dich bitte, wie heißt du?"
Eine faltige Hand deutete auf einen Hocker neben ihr. Kalte dünne Finger schlossen sich um Ginnys Arm. Sie setzte sich folgsam und lächelte die Frau freundlich an.
„Mein Name ist Ginny, Ginevra Weasley, Madam."
„Du bist sehr hübsch; als ich noch jung war hatte ich auch so schöne lange Haare. Jetzt ist es nur noch ein struppiges dünnes Gebüsch." Sie seufzte. „Du bist in Schwierigkeiten, mein Kind. Das spüre ich, du befürchtest, dass du etwas getan hast, das dein Leben so stark beeinflussen wird, dass du Angst davor hast." Sie legte ihre kalte Hand an Ginnys Wange. „Ich hoffe, du bist nicht Schuld an ihrem Dilemma, Severus."
„Ein bisschen ist es wahrscheinlich auch meine Schuld, doch wir haben keine Zeit zu plauschen, wir müssen weiter, bevor sie auf die Idee kommen, hier nach uns zu suchen."
„EIN BISSCHEN? Severus, auch wenn du den Nachnamen deines nichtswürdigen Vaters trägst, du bist ein Prince. Stehe dazu, wenn du das Mädchen in Schande gebracht hast", herrschte die alte Dame. (B/N: Maria kippt gerade vor Lachen vom Stuhl ) Ginny konnte in ihren unter dicken Brauen liegenden, leicht trüben Augen ein Feuer sehen, dass dem Snapes in nichts nachstand.
„Gran, wovon bei Merlins Bart redest du überhaupt?" Er war zu den beiden Hexen getreten und sah verwirrt von einer zur anderen.
Gran? Die alte Dame war Snapes Großmutter? Ginny schluckte hart; damit hätte sie nun wirklich nicht gerechnet.
„Du hast mich schon verstanden, Enkel."
„Gran, Miss Weasley war meine Schülerin und durch einen ‚unglücklichen Zufall' müssen wir untertauchen, bis einiges geklärt ist."
„Deine Schülerin! Severus, das ist … wie konntest du so etwas tun? Außerdem: wie kommst du dazu, mein Urenkelkind einen ‚unglücklichen Zufall' zu nennen?" (B/N: kann nicht mehr! Aufhören! prust )
„Dein Ur … was? Wovon redest du?"
„Madam, Sie habe da etwas missverstanden, ich … ich bin nicht … schwanger", versuchte Ginny zu erklären.
„GRAN!", stieß Snape hervor und schnappte nach Luft. Ginny sah zum ersten Mal, dass Snapes fahles Gesicht rot wurde. Dumbledore kicherte im Hintergrund. „Halt den Mund, du alter Zausel, das ist nicht lustig!", fuhr Snape den ehemaligen Direktor an.
„Wie redest du eigentlich mit mir, Junge?" Die alte Hexe war aufgestanden und funkelte ihren Enkel nun wütend an. (B/N: NEIIIIIIIIIIIIIIIIIINNNNN! Genial!)
„Nicht du Gran, ich meinte … ach, vergiss es einfach. Steht mein Koffer noch im Gästezimmer?"
„Natürlich, was sollte ich denn mit Herrenkleidung anfangen?", kam die knappe Antwort, doch dann fragte sie: „Doch was ist überhaupt los? – Hat es wieder etwas mit diesen Todessern zu tun? Riddle ist doch tot und du hast mir versichert, dass du nichts mit dem Zustand Dumbledores zu tun hattest."
„So in etwa, Gran." Snape wandte sich zum Gehen.
„So nicht, junger Mann! Wirst du mir vielleicht endlich erklären, was das alles soll."
Die alte Hexe schwankte etwas und Ginny griff beherzt ihren Arm, um sie zu stützen. Vorsichtig half sie Snapes Großmutter wieder auf den Sessel. Die Aufregung war anscheinend zuviel für sie.
„Ich werde versuchen, ihnen alles zu erklären, soweit ich es weiß, Madam", bot Ginny an.
„Du bist ein gutes Kind. Ich heiße übrigens Mrs Prince, aber nenne mich bitte Phyllis."
Ginny berichtete darüber, wie sie Snape gefunden hatte, von der Tatsache, dass Snape Dumbledore in seinem Kopf hatte, vom ursprünglichen Plan der Beiden bis hin zu ihrer Ankunft im Haus. Zwischenzeitlich hatte ein uralter Hauself Tee und Kekse gebracht.
„Dann muss ich dir danken, mein Kind, dass du so etwas für meinen Severus getan hast." Nachdem Ginny geschlossen hatte, nahm die alte Dame Ginnys Hand in ihre und drückte sie dankbar.
Snape streckte den Kopf durch die Tür und zog die Augenbrauen hoch.
„Schön, dass du jemanden zum Tratschen gefunden hast, Gran, doch wir sind nicht deshalb gekommen."
„Wir tratschen nicht, wir unterhalten uns. Möchtest du auch eine Tasse Tee?", fragte Mrs Prince. (B/N: ich liebe diese Frau )
Snape seufzte laut und schüttelte unwillig den Kopf. „Du hast nicht zufällig Muggelkleidung für Frauen im Haus, Gran?"
„Warte mal, doch, ich müsste noch … schau mal in dem alten Schrank oben auf dem Dachboden nach."
„Würden Sie sich vielleicht auch bequemen, etwas mitzuhelfen Miss Weasley?", fauchte der Zaubertränkemeister Ginny an, als Mrs Prince ihr gerade etwas Tee nachgoss.
„Severus, du bist ein aufbrausender Sturkopf. Konntest du nicht etwas Nützliches von deinem Großvater erben? Du musst wissen, Ginny, mein Mann war genauso wie der Junge. Wehe, es ging etwas nicht nach seinem Kopf. Aber weißt du, innen drin sind sie …" (B/N: seufz )
„Gran!" Snape eilte durch den Raum und zog Ginny auf die Beine. „Wir sind gleich wieder da, Gran."
Etwas unsanft bugsierte er Ginny nach draußen und zog sie dann hinter sich die Treppe hinauf.
„Au, Sie tun mir weh!"
Snape lockerte seinen Griff, ließ sie aber nicht los.
„Ich hoffe, Sie haben sich prächtig amüsiert", schnarrte er.
„Oh ja, ihre Gran ist …" Snape war stehen geblieben und hatte sich zu ihr umgedreht. Zornig funkelte er sie an.
„Ich meinte über mich!"
Da er eine Stufe höher stand, starrte sie ihm auf den Bauch. Wie schaffte es dieser Mensch nur, sie so schnell so wütend zu machen.
„Es dreht sich nicht immer alles um Sie, das habe ich ihnen schon einmal gesagt!", fuhr sie ihn an.
Wortlos dreht er sich um und ging weiter nach oben. Über eine wackelige Klappleiter gelangten sie auf den Dachboden. Mitten zwischen etlichen zugestaubten Kisten und Kasten stand ein großer, bauchiger Kleiderschrank. Was darin wohl für Kleider waren? Ginny musste unweigerlich an Korsette, Reifröcke und elisabethanische Kragen denken. Snape öffnete den Schrank und Ginny war sichtlich überrascht … Hippiesachen! Snape suchte eine Weile darin herum, zog dann eine an den Beinen ausgestellte Bluejeans heraus und maß sie mit den Augen.
„Diese hier dürfte ihnen passen, probieren Sie die Hose mal an."
Ginny nahm die Jeans und sah sich nach einer passenden Stelle zum Kleiderwechsel um.
„Sie könne sich ruhig hier umziehen, ich werde schon nicht gucken", brummte er in den Kleiderschrank vertieft.
„Keine Sorge, mein Kind, ich werde schon aufpassen", bestätigte Albus. (B/N: IoI)
„Ja, ohne dich wäre ich über sie hergefallen wie ein ausgehungerter Werwolf", grollte Snape immer noch im Schrank versunken.
„Aber ich weiß doch, dass du auf rothaarige Hexen stehst." (B/N: Noch mal lol)
Snape schnaubte wütend und wühlte weiter im Schrank. Ginny hatte ihre Robe ausgezogen und musste feststellen, dass die Jeans passte wie angegossen.
„Kann ich mich wieder umdrehen?"
„Ja, ich bin fertig." Ginny bewunderte immer noch den Sitz der Hose und vergaß darüber jedoch, dass sie nur einen BH als Oberteil trug. Doch Snapes Blick, der kurz an ihrer Oberweite hängen blieb, rief ihr diese Tatsache schlagartig ins Gedächtnis. Schnell bedeckte sie sich mit den Armen.
„Verzeihung", murmelte Snape und senkte den Blick. „Das hier dürfte das am wenigsten schreckliche Teil im ganzen Schrank sein."
Er hielt Ginny eine luftige, bunt gemusterte Bluse hin, die ausgestellte Ärmel und einen Stoffgürtel um die Taille hatte. (B/N: Meine Mutter hat auch noch so ein Teil im Schrank ...) Abgesehen von dem übergroßen Blumenmuster gefiel ihr die Bluse recht gut. Sie passte ebenso wie die Hose. Ginny drehte sich hin und her und sah Snape fragend an.
„Geht schon", murmelte Snape. „Wir müssen uns abgewöhnen, uns mit den Nachnamen anzusprechen und uns zu siezen. Sonst fliegt unsere Tarnung schneller auf, als es uns lieb ist." Er streckte ihr seine Hand hin und sagte dann in geschäftsmäßigen Ton: „Severus"
„Ginny", erwiderte sie und musste grinsen.
„Was ist denn nun schon wieder?"
„Das hätte ich mir nie träumen lassen", antwortete sie ehrlich.
„Das wäre auch wahrscheinlich eher ein Alptraum gewesen, nicht war?" Noch bevor sie etwas erwidern konnte fuhr er fort: „Gehen Sie … ähm du hinunter zu meiner Großmutter, ich komme gleich nach. Wir müssen uns beeilen, hier werden sie bestimmt bald nach uns suchen, nachdem sie die Höhle untersucht haben."
„Woher sollten sie von der Höhle wissen?", fragte Ginny erstaunt.
„Nun, die Asseln und Würmer dort werden nicht gezaubert haben." Ein herablassendes Grinsen zeigte sich auf Snapes Gesicht.
Ginny ging hinunter ins Wohnzimmer, in dem Mrs Prince immer noch in ihrem Sessel saß. Ihre trüben Augen wurden hinter den Brillengläsern feucht, als sie Ginny sah. Die alte Dame schlug die Hände vor den Mund.
„Alles in Ordnung, Mrs Prince?", fragte sie besorgt.
„Nenn mich doch Phyllis, Liebes. Es ist nur diese Bluse; sie gehörte Eileen. Sie mochte sie so gerne. Hast du sie dir ausgesucht?"
„Nein, Prof … Severus hat sie mir gegeben." Phyllis' Augenbrauen zogen sich nach oben.
„Wer hätte das gedacht …"
Snape betrat das Zimmer und nun war es an Ginny, große Augen zu machen. Er trug eine schwarze Stoffhose und einen anthrazitfarbenen Wollpullover. Seine Haare waren zu einem Zopf gebunden.
„Mach den Mund zu, sonst nistet noch ein Vogel drinnen", herrschte er Ginny an.
Mrs Prince schnaubte. „Hatte ich den fürchterlichen Charme schon erwähnt, den er ebenfalls geerbt hat?"
Die beiden Hexen kicherten los. Ginny mochte die alte Dame. Wie konnte nur der Enkel einer so netten Frau so … so snape werden?
„Ich melde mich, sobald ich kann, Gran. Mache es gut", sagte er und gerade als er Ginny seinen Arm anbieten wollte, hielt er plötzlich inne. „Jetzt hätte ich beinahe die Ausweise vergessen."
„Können wir einfach in nach London apparieren? Uns werden doch dutzende Muggel sehen", warf Ginny ein.
„Keine Angst, ich weiß schon, wo wir ungestört erscheinen können."
Er zog zwei Plastikkärtchen aus einem Geldbeutel, zeigte mit dem Zauberstab darauf und murmelte einen Zauberspruch. Die Oberfläche der Kärtchen veränderte sich, dann steckte er die Karten wieder ein. Die Beiden disapparierten aus Mrs Princes Wohnzimmer.
tbc
(B/N: Ich liebe diese Frau :D.)
