Als Loki aufwachte, fühlte er sich in seine Kindheit zurückversetzt. Er lag zusammengerollt unter seiner Decke, es war warm und er schwebte im Halbschlaf, nicht ganz wach aber auch nicht mehr schlafend. Seine Mutter strich ihm durch die Haare und er hielt ihre Hand in seiner.

Mit einem Seufzen kuschelte er sich näher an sie und genoss ihre Nähe. Eigentlich war er schon seit Jahrzehnten zu alt für ein solches Verhalten, doch das störte ihn nicht.

„Bambi, bist du wach?", fragte plötzlich eine männliche Stimme.

Erschrocken fuhr Loki auf und flüchtete sich an das andere Ende der Couch. Mit weiten Augen sah er zu Stark, welcher die Hand nach ihm ausgestreckt hatte, als wollte er ihn festhalten. Langsam sah Loki zu der Decke, welche er umklammert hielt und zu dem Fernseher, auf welchem merkwürdige Bilder zu sehen waren.

Als er eins und eins zusammenzählte, liefen seine Wangen rot an. Hatte er wirklich mit Stark gekuschelt?

„Lo, ist alles in Ordnung?"

Loki brachte nur ein Nicken zustande. Dann vergrub er mit einem Stöhnen sein Gesicht in der Decke. „Nein. Entschuldige, falls ich dich im Schlaf belästigt habe, es war nicht meine Absicht."

Tony begann, schallend zu Lachen. „O Gott, Rudolph, das hört sich falsch an. Du hast mich nicht belästigt, nur meine Hand festgehalten. Meine Jungfräulichkeit war in keinerlei Gefahr."

Loki lief noch röter an. „Das war nicht, was ich gemeint habe Stark!"

„Aber dein Gesicht ist herrlich!", Stark beugte sich vor, um Lokis Haare zu verwuscheln, was diesen dazu brachte, sich zurückzulehnen, um Starks Händen zu entkommen.

Mit einem kleinen Quietscher verlor Loki das Gleichgewicht und fiel von der Couch.

Stark begann erneut zu Lachen.

Als er sich beruhigt hatte, tätschelt er Lokis Füße, welche immer noch auf der Couch lagen. „Alles in Ordnung Lo?"

„Wunderbar.", kam die grummelige Antwort vom Fußboden. Der Exgott zog seine Füße aus Starks Reichweite und stand mit all der Würde auf, welche er noch hatte. Was nicht viel war, denn seine Haare waren verwuschelt, die Decke hing noch halb auf ihm und seine Wangen waren noch nicht vollständig zu ihrer natürlichen Farbe zurückgekehrt.

Das einzige, was Tony bei diesem Anblick einfiel, war, wie niedlich der Exgott aussah. „Ganz ehrlich, wenn die in dem Aufzug versucht hättest, die Erde zu erobern, hätten wir sie dir wahrscheinlich einfach gegeben."

Loki sah an sich hinunter. „Danke, das werde ich berücksichtigen, sollte ich je wieder das Bedürfnis verspüren, einen Planeten zu unterwerfen.", er wickelte sich wieder in die Decke und setzte sich auf die Couch. In sicherer Entfernung von Stark. Anscheinend war er jedoch nicht weit genug von dem Erfinder entfernt.

Denn er war nicht schnell genug, als dieser nach seinem Fuß griff.

„Hast du vor, deinen Augenfetisch auf Füße zu erweitern?", fragte Loki voller Sarkasmus.

Tony grinste nur und strich über den Fuß, welchen er gefangen hatte. „Solch ein wunderschönes Exemplar, der hohe Span, die butterweiche Haut, die gepflegten Nägel."

Loki versuchte, seinen Fuß zu befreien, doch Tony ließ nicht los.

„Keine Sorge, Bambi, ich will mir nur ansehen, ob das Glas schwere Schäden hinterlassen hat.", während er sprach, wickelte Tony die Verbände ab und besah sich den Schaden. Loki hatte Glück gehabt und keine der Scherben hatte besonders tief in seine Sohle geschnitten.

„Dummy, bring mir den Erste-Hilfe-Kasten."

Der kleine Roboter hob seine Klaue wie zum Salut und rollte zur Küchentheke. Da seine Videosensoren nicht hoch genug waren, um die Theke sehen zu können, nutzte er seinen Arm. Mit diesem wischte er blind über die Fläche, in der Hoffnung, den Kasten zu erreichen.

Leider ging er dabei nicht sehr vorsichtig vor und schmiss sein Ziel mit Kraft von der Anrichte. Das Gepolter brachte Tony dazu, zu sehen, was sein Roboter tat.

„Dummy! Du sollst die Verbände hierherbringen und nicht auf dem Boden verteilen.", rügte er und wandte sich dann den restlichen Verbänden zu. Der Erfinder untersuchte Lokis zweiten Fuß und die leicht lädierte Hand. Die alten Verbände legte er auf den Tisch. Dummy konnte sich später darum kümmern.

Als von seinem Patienten ein Geräusch hörte, welches starke Ähnlichkeit mit einem Kichern hatte, war Tony verwirrt. Doch als er die Ursache für Lokis Heiterkeit sah, konnte er nur die Hand vor den Kopf schlagen.

„Dummy!"

Der angesprochene Roboter piepste kläglich von seiner Position auf dem Boden. Er hatte versucht, die Verbände einzusammeln und war vollkommen gescheitert. Der kleine Helfer war auf einen Verband getreten und hatte ihn sich um eines seiner Räder gewickelt. Allerdings war es nicht bei dem einem Verband geblieben. Denn der Roboter lag auf der Seite, überall um ihn herum hingen Verbände und er versuchte erfolgslos, sich mit seinem Arm zu entwirren.

Tony war kurz sprachlos. „Wie hast du das denn geschafft?", kopfschüttelnd stand er auf, um Dummy zu befreien. „Du gehst wieder zurück ins Labor, da kannst du nicht so viel Unsinn anstellen!"

Dummys Klaue senkte sich betrübt.

„Du brauchst gar nicht so traurig gucken, dass ist allein deine schuld! Sein froh, dass du nicht wieder die Eselskappe tragen musst!"

„Vielleich liegt die Ursache des Problems im Schöpfer.", warf Loki ein. „Als du abwesend warst, Stark, war deine Schöpfung äußerst hilfreich."

Tony schnaubte. Anscheinend hatte seine Erfindung den Exgott schon um den Finger gewickelt. „Ich weiß. Er hat mir sogar das Leben gerettet. Trotzdem ist er ein Tollpatsch der jetzt wieder zurück in die Werkstatt geht."

Die letzten Worte sprach er zu Dummy, der sich hoffungsvoll wieder umgedreht hatte. Als er sich mit den Pflastern in der Hand wieder zu Loki umdreht, sah dieser ihn vorwurfsvoll an.

„Hey, guck nicht so! Das letzte Mal, als ich Mitleid mit ihm hatte und er hier oben geblieben ist, hat er sich selbst kurzgeschlossen. Ich weiß immer noch nicht, warum er seinen Arm in die Steckdose gesteckt hat, aber danach musste ich drei Tage lang seine Schaltkreise reparieren. In der Werkstatt kann Jarvis alles Steuern und im Notfall den Strom abschalten, das ist sicherer."

„Wie verantwortungsvoll." Lokis Worte trieften förmlich vor Sarkasmus.

„Das muss ich mir von niemanden sagen lassen, der Glasscherben mit der bloßen Hand anfasst."

Tony wandte sich wieder Loki zu und setzte sich auf die Couch.

„Ich glaube, ein paar Pflaster reichen. Die Verbände sind jedenfalls nicht mehr keimfrei."

Kurzerhand verfrachtete der Erfinder die Verbände in den Mülleimer und begann, Pflaster auf Lokis Füße zu kleben. Dieser hielt davon jedoch wenig und befreite seinen Fuß energisch aus Starks Fängen.

„Ich bin durchaus in der Lage, mich selbst zu verarzten."

„Sicher Prinzessin."

„Ich kann dir versichern, dass mein Geschlecht von ausreichender Größe und Vitalität ist, um dich neben mir wie eine Prinzessin wirken zu lassen, Stark. Wobei deine fehlende Körpergröße ohnehin keine vorteilhaften Rückschlüsse auf deine Männlichkeit zulässt."

„Wow. Das war die wahrscheinlich eleganteste Art und Weise, auf die ich je beleidigt wurde. Und keine Sorge, die Frauen lieben meine ‚Männlichkeit'.", er zwinkerte verführerisch. „Aber Witze über meine Größe sind uncool. Vielleicht habt ihr Asgardier einfach nur zu lange im Regen gestanden!"

Loki wusste nicht, was Regen mit Körpergröße zu tun haben sollte. Vielleicht sollte es ein Vergleich mit einer Pflanze sein, welche Regen brauchte, um zu wachsen? Er konzentrierte sich auf den Rest von Starks Antwort.

„Dir sind nur zwei Bewohner Asgards bekannt Stark. Ich glaube kaum, dass du dadurch in der Lage bist, Rückschlüsse auf das gesamte Volk der Asen zu schließen."

„Es gibt also auch kleinere, was war das Wort, … Asen?"

„Das Volk der Zwerge lebt auf Nidavellir."

„Das war unter der Gürtellinie.", schmollte Tony.

„Dann wirst du keine Verletzungen davontragen, da es über deinen Kopf hinweggeht."

Anstatt zu antworten, grinste Tony, stand auf und wuschelte Loki erneut durch die Haare. In die Decke gewickelt und mit zerzausten Haaren sah der Exgott fast wie ein kleines Kind aus, was Tonys einzige Erklärung für dieses Verhalten war.

Tony war wirklich froh, dass Loki seine bedrückte Stimmung vom Vortag überwunden hatte. Er wollte dem Exgott helfen, so wie Yinsen ihm geholfen hatte. Natürlich ohne die Höhle und das Sterben. Aber Yinsen hatte ihn die Chance gegeben, ein besserer Mensch zu werden und dieselbe Chance hatte Loki auch verdient. Wenn man seine Seite der Geschichte hörte, war es auch lange überfällig, dass jemand Loki half. Und wenn es nur mit einem offenen Ohr und einer Unterkunft war.

„Stark!", Loki schlug genervt nach dem Erfinder.

„Freut mich, dass du deine Schlagfertigkeit wiedergefunden hast."

Das Schweigen, welches auf diese Aussage folgte, war geladen. Tony wusste nicht, warum er plötzlich so ernst geworden war und auch Loki fiel keine Erwiderung ein.

Die Stille wurde schließlich durch ein Magenknurren unterbrochen.

„Ich glaube, es ist Essenszeit!", verkündete Tony, froh über den Themenwechsel.

„Solange ich nicht erneut dieses infernalische Stück rundes Fett verzehren muss."

„Pizza. Auch wenn du es nicht magst, kannst du Pizza sagen."

„Ich möchte keinen weiteren Gedanken an dieses Unglück der Kochkunst verschwenden. Ich nehme an, Midgard hat noch andere Speisen zu bieten?"

„Oh, keine Sorgen. Es gibt genug Essen, dass selbst eine Diva wie du etwas passendes oder eher schmeckendes findet. Jarvis, einige Beispiele mit Bildern bitte."

Sofort zeigten der Couchtisch und der Fernseher verschiedenste Speisen. Gebäck, Suppen, Chili, Schnitzel, Pfannkuchen, Brot, Reis, Nudeln und viele weitere Gerichte aus aller Welt erschienen auf den Bildschirmen. Alle paar Sekunden änderten sich die Bilder, wodurch Loki sich einen Überblick verschaffen konnte.

„Alle dargestellten Gerichte werden in Restaurants in der Nähe des Towers serviert und können in der nächsten halben Stunde geliefert werden."

„Danke, J. Und, trifft etwas den königlichen Geschmack?"

Loki studierte die Bilder genau. „Stopp.", sagte er schließlich und deutete auf ein Bild. „Was genau beinhaltet dieser… Zylinder?"

Er deutete auf ein Bild mit verschiedenen Sushi-Sorten.

„Sushi besteht meist aus Reis und wird mit Algenblättern umwickelt. in der Mitte des Reises befindet sich t roher Fisch. Weitere beliebte Zutaten sind Gurke, Paprika, Avocado und Shrimps."

Der Exgott besah sich das Bild noch einmal skeptisch, nickte dann aber. „Es sieht interessant aus. Jarvis, wird bei der Herstellung von Sushi übermäßig viel Fett verwendete?"

„Nein, weswegen Pizza definitiv besser ist.", mischte sich Tony ein.

„Dann möchte ich dieses merkwürdig geformte Gericht gerne probieren."

„Du hörst ihn J. bestell uns einen bunten Teller."

„Natürlich Sir. Ihre Bestellung wird in etwa einer halben Stunde eintreffen."

„Dann entschuldige mich, Stark, ich werde mich meiner Körperhygiene widmen."

Loki legte die Decke ordentlich zusammen und ging auf sein Zimmer, um zu duschen. Als er wieder aus der Dusche kam, nur in ein Handtuch gewickelt, sah er leicht angeekelt auf seine Kleidung. Die grüne Tunika, welche er normalerweise unter seiner Rüstung trug, hatte einige Flecken von seinem Weg zu Stark. Die dazugehörige schwarze Hose sah, vor allem an den unteren Enden, noch schlimmer aus.

Gerade wollte er, zwecks fehlender Alternativen, nach den schmutzigen Sachen greifen, da klopfte es an der Tür.

„Ich bin noch nicht präsentabel, Stark."

„Das dachte ich mir. Hier.", Stark öffnete die Tür einen Spalt, gerade so weit, dass er die Hand hindurchstecken konnte. In dieser hielt der Erfinder einen Stapel Anziehsachen. „Ich dachte mir, dass du keine Wechselsachen dabeihast. Überstürzte Abreise und so. Ich hoffe, dass hier reicht fürs Erste, bis wir dir neue Klamotten besorgt haben.", damit ließ er die Sachen auf den Boden fallen.

„Ach ja, keine Sorge, die Unterhose ist neu, ich hatte sie noch nicht an."

Damit schloss Tony die Tür. Loki ging zu den Sachen und hob sie auf. Mit einem skeptischen Blick betrachtete er die Sweatpants und das Band-T-Shirt, welches Tony zusammen mit einer verpackten weißen Unterhose hinter die Tür gelegt hatte.

Nach kurzer Überlegung siegte Lokis Hygienebedürfnis über sein Modebewusstsein und er zog sich an. Zu seinem Erstaunen passt ihm das T-Shirt längenweise, was man von der Hose nicht behaupten konnte. Nach kurzem Studium des Stoffes befand Loki sein Outfit für minderwertig, kein Vergleich zu Asgards Kleidung, aber für die Situation ausreichend.

Als Loki wieder ins Wohnzimmer kam, war Tony bereits dabei, das Sushi auf dem Couchtisch auszubreiten.

„Bambi, gutes Timing! Setz dich. Schon mal versucht, mit Stäbchen zu essen?"

Tony hielt seinem Gast Essstäbchen hin und Jarvis projizierte eine Anleitung auf einen freien Teil des Tisches.

„Oder du kannst einfach deine Finger benutzten. Keine Sorge, die wenigsten Menschen außerhalb Asiens können mit Stäbchen essen."

Wortlos las Loki die Anleitung, nahm dann die Stäbchen und aß ein Stück Sushi, als hätte er nie etwas anders getan.

„Oder du lernst es einfach in 10 Sekunden. Warte, isst man auf Asgard mit Stäbchen?"

„Nein, auf Asgard werden ebenfalls Messer, Gabel und Löffel verwendet. Bei den großen Festessen vergessen die meisten Krieger jedoch ihre Erziehung und nutzten nur die Hände."

Tony beschloss, das Thema ruhen zu lassen und zeigte seinem Gast wie man Soße, Wasabi und

Sushi kombinierte.

Als nur noch zwei Stück Sushi übrig waren, nahm Tony eins, schlang es herunter und starrte Loki an, während er förmlich auf seinem Platz vibrierte. Gegen Ende des Essens war er immer hektischer geworden und wartete nun ungeduldig, dass Loki aufaß. Der warf einen kurzen Blick zu Stark und nahm dann seelenruhig das letzte Stück Sushi, überlegte lange, wie viel Sojasauce und Wasabi er essen wollte und biss schließlich im Zeitlupentempo ab. Währenddessen sah er Tony provozierend in die Augen, der kurz davor war, vor Unruhe von der Couch zu fallen.

Als Loki schließlich, immer noch betont langsam, die Stäbchen niederlegte, sprang Stark auf und räumt blitzschnell den Tisch ab. Dann rannte er zur Couch zurück und zog seinem Gast ungeduldig am Arm.

„Komm schon Lo, es wird Zeit für die Wissenschaft! Scans und Energiewerte und Physik und Forschung!"

Amüsiert ließ sich der Exgott hochziehen und folgte dem aufgeregten Erfinder in den Fahrstuhl.

„Jarvis, zur Werkstatt!"

„Natürlich, Sir."

„Stark, was ist der Grund für diese Aufregung?"

„Wir untersuchen deine Magie!", Tony stoppte. „Nur, wenn es dich nicht stört natürlich.", fügte er gefasster hinzu.

„Sagtest du nicht, Jarvis könnte keine Magie an mir erkennen?"

„Schon, aber die Scanner in der Werkstatt sind besser. Und du hast gesagt, dass deine Magie noch da ist, nur irgendwie durch die coolen Tattoos versiegelt. Also muss ich mir das ganze noch einmal genauer anschauen. Vielleicht finden wir sogar einen Weg, die Magie vom Allpapa loszuwerden!"

„Ich bezweifle, dass es möglich ist, etwas zu annullieren, dessen Vorgehensweise und Wirkung dir unbekannt ist."

„Keine Sorge, ich bin ein Genie.", winkte Stark den Einwand ab.

„Es dauerte Jahrhunderte, ehe ich auch nur die Grundlagen der Magie beherrschte. Dazu kommt, dass der Allvater die Macht Asgards besitzt, welche sich von meiner Magie grundlegend unterscheidet und nahezu allmächtig ist."

Tony wischte Lokis Einwände beiseite. „Das macht es nur interessanter.", er zog den Exgott aus dem Fahrstuhl und in eine Ecke seiner Werkstatt, welche mit diversen Scannern ausgestattet war.

Dummy war begeistert, als Tony und Loki in die Werkstatt kamen und fuhr ihnen fröhlich piepend entgegen.

„Nicht jetzt Dummy, ich muss Magie erforschen!"

Loki tätschelte den Kopf des kleinen Roboters im Vorübergehen, welcher sich von seinem Schöpfer nicht beirren ließ und den beiden folgte.

„Okay Bambi, bleib hier stehen und beweg dich nicht!"

Folgsam blieb Loki stillstehen und betrachtete das Chaos, welches ihn umgab, während Stark zu einem Monitor lief und vor sich hinmurmelnd auf den Bildschirm drückte.

Dummy war in sicherer Entfernung stehen geblieben und beobachtete das Treiben. Die Werkstatt war unordentlich, überall lagen Schraubenzieher, Computerteile und Metallschrott herum. Es schien, als würde Tony nicht aufräumen, sondern sich einfach Materialien aus der Unordnung suchen oder sie wahllos auf einen Tisch werfen, wenn er sie nicht benötigte. Überall waren halbfertige Erfindungen zu sehen. Diese reichten von Waffen über Teile der Ironman-Rüstung bis zu etwas, das wie eine Kreuzung aus Kaffeemaschine und Toaster aussah. Eine Vielzahl unterschiedlicher Monitore und Hologramme waren überall verteilt und waren entweder ausgeschaltete oder zeigten Entwürfe. Auf einem der Bildschirme war sogar ein pausiertes Katzenvideo zu sehen.

Nach einigen Minuten wurde Loki langweilig und er wandte sich an Stark. „Wie lange muss ich noch hier stehen?"

Überrascht sah der Erfinder auf. „Rudolph, dich habe ich ganz vergessen. Die Scans sind fertig, komm her und sieh dir das an."

Vorsichtig ging Loki durch die Unordnung und stellte sich neben Stark, der ein Hologramm vor sich hatte, welches die Umrisse des Exgottes zeigte.

„Mit den Scannern hier kann ich einiges mehr sehen. Siehst du hier, das ist deine Magie, sie ist überall. Aber in dir und nicht außerhalb. Hör auf zu kratzten.", gedankenverloren schlug er Lokis Hand von dessen Arm. „Und hier, an deinen Armen, die du dir noch aufkratzt, wenn du so weitermachst, sieht man klar die Tattoos in Gold. Ich nehme an, das ist die mysteriöse Kraft des Allpapas. Was ich nicht verstehe, ist dieser leichte goldene Schleier. Man muss schon genauer hinsehen, aber er ist überall, wie eine zweite Haut.", nachdenklich tippte Tony auf das Hologramm, um die Werte eines anderen Scanners aufzurufen.

„Dieser, ‚Schleier' ist wahrscheinlich nur eine Erscheinung durch das Leben auf Asgard. Vieles wird dort mit der Macht Odins verwirklicht und sie ist im wahrsten Sinne des Wortes überall. Konzentriere dich lieber auf die wichtigen Dinge Stark. Kannst du etwas über die Male sagen, außer dass sie existieren?"

Lokis Stimme war ruhig, doch sein Herz schlug schneller. Er hatte nicht bedacht, dass Stark die Tarnung, welche der Allvater über ihn gelegt hatte, finden würde. Er hatte beinahe vergessen, dass seine Augen nicht grün waren, sondern rot und seine Haut eigentlich blau und kalt wie Eis.

Tony spürte, dass Loki sich neben ihm versteift hatte und drehte sich zu seinem Gast. Er zog Lokis Hand von seinem Arm, an welchem er wieder unbewusste zu Kratzen begonnen hatte.

„Okay, dann stelle ich nur kurz die Scanner um, dann kriegen wir vielleicht mehr heraus."

Loki nickte nur und beobachtete Stark beim Arbeiten.

Als die beiden am Ende des Tages wieder mit dem Fahrstuhl zurück ins Penthouse fuhren, hatten sie nichts herausgefunden. Tony konnte die Scans nicht klar genug bekommen und war dazu übergegangen, einen neuen Scanner zu bauen. Jarvis hatte einige Teile bestellt, während Tony an den Plänen arbeitete. Loki war währenddessen durch die Werkstatt gewandert und hatte sich alles von Dummy zeigen lassen. Der kleine Roboter war begeistert gewesen und hätte Loki jede Schraube gezeigt, wenn Jarvis nicht eingegriffen hätte. Den Rest der Zeit hatte der Exgott für einen Crash-Cours in Technologie genutzt. Da Tony vollkommen in sein Projekt vertieft war, stand es ihm frei, die Tablets, Computer und Hologramme im Labor mit Jarvis Hilfe zu erforschen.

Er hatte eine weitere Partie Schach gegen Jarvis gewonnen und war durch Jarvis auf Google gestoßen, worin er sich vertiefte, um mehr über Midgard und seine Kultur herauszufinden.

Es war Jarvis, der die beiden Männer an das Abendessen erinnern musste.

„Sirs, es ist inzwischen 21 Uhr. Es wäre angemessen, die Arbeit für heute niederzulegen."

„Sein nicht so ein Spielverderber, J!", protestierte Stark halbherzig, musste sich aber seinem AI beugen, als Loki sich auf dessen Seite stellte.

„Ich verlange nach mehr Nahrung, Stark.", beschloss der Exgott und schaltete den Monitor vor dem Erfinder kurzerhand aus.

„Hey!"

Aber Loki ignorierte ihn und ging zum Fahrstuhl. Jarvis schaltete die Lichter hinter Loki aus, sodass Tony schnell hinter seinem Gast herlief, um nicht im Dunklen in seiner Werkstatt zu sitzen.

„Das ist unfair.", schmollte er im Fahrstuhl. „Ihr könnt euch nicht gegen mich verbünden!"

„Es scheint, als könnten wir das doch.", entgegnete Loki mit einem Grinsen.

Tony gab auf und nach einem kurzen Abendessen, welches für Tony aus Pizzaresten und für Loki aus Obst bestand, gingen der Erfinder und der Exgott zu Bett. Ihr letzter Gedanke, bevor der Schlaf sie übermannte, galt bei beiden den Tattoos, welche Lokis Magie banden. Stark war voller Ideen, wie er die Scanner verbessern konnte und in Loki entflammt ein vorsichtiges Fünkchen Hoffnung, dass seine Magie vielleicht nicht für immer weggesperrt war.