Disclaimer:
Alle bekannten Personen, Orte etc. gehören natürlich JKR.
Zu mir gehört lediglich der „Zeitsprung" sowie Sina/Sayda, Lena/Siria und Tina/Temptation/Alechia.
A/N: Ein wenig Humor gehört doch zum Leben… ^^ Ein Ideechen länger als die Kapitel davor :)
/
Sayda hatte den Tagespropheten abonniert, sodass sie nun stets über die aktuellen Vorkommnisse Bescheid wusste – naja, nicht über alles, wie sie ja wusste, verschwieg der Prophet so einiges auf Druck von Lord Voldemort.
„Sie dir das an!", rief sie eines Morgens. „Siri, Harry wird gesucht, zur Vernehmung zum Tod von Dumbledore! Die wollen ihn doch nur zu Vo-, äh, Du-weißt-schon-wem schicken. Boah, dieses Tabu macht mich noch ganz krank!"
Siria kam zu ihr und lächelte mitfühlend.
„Ja, die denken tatsächlich, er würde einfach so ins Ministerium spaziert kommen – vor allem, wenn man ihn über eine Zeitungsannonce sucht!" Sie schüttelte den Kopf. „Manchmal stellen die sich echt dümmer an, als ich je erwartet hätte!"
Sayda nickte, dann warf sie die Zeitung in die Ecke.
„Voll mit Schwachsinn, das Ding! Und was da draußen wirklich vorgeht, erfährt keiner… Mad-Eyes Tod zum Beispiel. Wer weiß schon davon? – Der Orden, sonst niemand!" Nachdenklich starrte sie aus dem Fenster.
Siria konnte ihr nur zustimmen.
„Man muss ja nicht verraten, wie stark der Unnennbare geworden ist, wäre ja eh uninteressant und völlig wertloses Wissen für die Bevölkerung."
„Seit wann bist du so sarkastisch?", grinste Sayda und drehte sich um. „Gefällt mir!"
Ihre Freundin verdrehte die Augen. „Is' doch wahr!"
Ein paar Tage später, Siria rollte gerade den Tagespropheten aus und las die Meldungen auf der Rückseite (Todesanzeigen), stieß Sayda einen spitzen Schrei aus.
„Kann ich bitte? Danke!", rief sie aufgeregt und riss Siria die Hälfte der Zeitung aus der Hand.
Severus Snape als Schulleiter von Hogwarts bestätigt
lautete die Schlagzeile auf der Vorderseite.
„Yey, es geht los!", meinte sie begeistert und las den Artikel laut vor. „Das wird sicher ein spannendes…" Sie tastete ihren Umhang ab. „Oh, Gott sei Dank, ich dachte schon, ich hätte die Phönixtränen verloren!"
Siria sah sie geistesabwesend an.
„Die Carrows als Lehrer – na das kann ja heiter werden! Der Alte ist doch dumm wie Stroh und das Weib wird auch nicht besser sein!"
Sayda lachte lauthals. „Sag' ich doch, wird bestimmt ein spannendes Jahr!"
Doch ein paar Tage vor Beginn des neuen Schuljahrs, gab es nochmal eine erschreckende Nachricht:
„Himmel, Sayda! Rufus Scrimgeour wurde ermordet! Der neue Zaubereiminister ist Pius Thicknesse – war das nicht der Typ, der unter dem Imperius stand?", keuchte Siria, ganz blass um die Nase.
„Was? Jetzt schon? Ich dachte… ach verdammt, wie die Zeit vergeht! Ja, er steht unterm Imperius, ich glaube mich sogar zu erinnern, dass es Yaxley war…", grübelte Sayda. „Ganz sicher war es Yaxley", fügte sie nach einer Weile hinzu.
„Ist doch ganz egal, wer es war, oder? Jedenfalls… wird es jetzt auch für uns ein wenig eng…"
„Wieso? Also ich bin reinblütig, 7/8-Blut." Sayda grinste verschlagen. „Du warst doch keine Muggelstämmige, oder?"
„Ich weiß es leider nicht mehr… Mist, wo ist das verfluchte Pergament? – Hier, nein, ich bin auch ein Reinblüter – ein Glück!" Siria sah man die Erleichterung deutlich an. „Nun ja, dann haben wir zumindest nichts Großes zu befürchten, solange wir uns ordentlich benehmen…"
Sayda schnaubte verächtlich. „Was denkst du denn? Dass ich mich schön den Todessern fügen werde? – Vergiss' es…"
„Wie…? Was machst du denn dann? Ich dachte, du willst - ?"
„Ja, sicher, aber ich helfe auch Neville, Luna und dem Rest; du auch?"
Siria nickte steif. „Denke schon. Na schön, morgen fährt der Zug, ich pack' dann mal zusammen…"
Sayda konnte sehen, wie groß die Angst ihrer Freundin war, doch sie konnte ihr nicht helfen. Auch während der Ferien hatten sie oft versucht, zurück in ihr früheres Leben zu kommen, aber es hatte nie auch nur ansatzweise geklappt. Eigentlich war es ja auch ganz nett hier… hier war er… ach verdammt, sie wollte doch nicht mehr an ihn denken! Und trotzdem verfolgten sie ihre Erinnerungen an ihn Tag und Nacht.
Am 1. September trafen Sayda und Siria am Bahnsteig 9 ¾ Neville, Ginny und Luna.
„Na", begrüßte sie Neville grimmig. „Schon Pläne geschmiedet, wie wir Snapes Regime untergraben können?"
Sayda lachte leise. „Nun ja, nicht direkt, aber uns fällt sicher was ein."
„Du kennst ihn doch ganz gut, oder, Sayda?", fragte Ginny sie. „Du könntest ihn ablenken und wir…" Sie senkte die Stimme. „Wir wollen das Schwert von Gryffindor holen."
Sayda und Siria bekamen große Augen.
„Echt? Wozu denn?"
„Harry hat es von Dumbledore vererbt bekommen, aber das Ministerium wollte es ihm nicht überlassen, dann müssen wir es halt mit… harmloser Gewalt… beschaffen", erklärte Ginny.
Im Zug und auf dem Weg nach Hogwarts unterhielten sich die fünf noch länger über den Plan und tüftelten Strategien aus.
„Wie wäre es noch mit ein paar schicken Graffitis an den Wände, so ähnlich wie bei der Kammer des Schreckens?", schlug Neville vor.
„Ja", hauchte Luna. „Das wäre gut! Snape würde sich grün und blau ärgern!"
„Gute Idee, ein bisschen Farbe hat dem schon immer gefehlt!", meinte Sayda mit amüsiertem Gesichtsausdruck.
Die anderen lachten laut.
„Der war gut!", rief Ginny belustigt. „Stellt euch das alte Bleichgesicht mal mit ein paar hübschen grünen und blauen Flecken vor, ein bisschen wie eine exotische Kuh!"
Siria hielt sich den Bauch vor Lachen, dann keuchte sie: „Ich glaube aber nicht, dass Kühe in der Schule erlaubt sind! Außerdem würde er sich wohl eher die Haare waschen als sich dann so in der Öffentlichkeit zu zeigen! Du-weißt-schon-wer wäre sicher gar nicht begeistert, wenn sein treuer Diener auf einmal auffällt wie ein bunter Hund! Im wahrsten Sinne des Wortes!"
So über Snape herzuziehen hob die Stimmung im Abteil ungemein und die Fahrt machte ihnen sogar Spaß, obwohl sie ganz genau wussten, dass sie dieses Jahr nichts wirklich Lustiges erwarten konnten. Kurz bevor sie ausstiegen, gab Neville Siria und Sayda noch eine der falschen Galleonen, über die sich die DA immer verständigt hatte, damit sie in Verbindung bleiben konnten.
In Hogwarts angekommen wurden alle sofort zu den Tischen geleitet. Professor McGonagall kam wie üblich mit dem Sprechenden Hut herein, doch ihre Miene war verkniffen und sie las die Namen der Neuen mit eiskalter, schneidender Stimme vor. Nach der Auswahl trat Snape nach vorne an das kleine Rednerpult, an dem sonst immer Dumbledore gestanden hatte. Wie eh und je ähnelte er einer übergroßen Fledermaus, aber er hatte auch etwas Einschüchterndes an sich, sodass man in der ganzen Halle kaum ein Wispern hörte.
„Guten Abend", begrüßte er die Schüler mit seiner kühlen Stimme und lächelte leicht überheblich in die Runde. „Willkommen zu einem neuen Jahr in Hogwarts. Wie manche von Ihnen sicher schon wissen, gab es einige personelle Änderungen." Seine dunklen Augen schweiften suchend über die Menge und blieben dann eine Weile an Sayda hängen, bevor er leise weiterredete. „Die neue Lehrerin für Muggelkunde ist Alecto Carrow." Galant wies er mit der Hand auf die untersetzte Frau, die sich erhob und sich Beifall heischend umsah. Snape applaudierte dezent und in der ganzen Halle erhob sich ein relativ widerwilliger Applaus. „Desweiteren", fuhr er ruhig fort, „wird ihr Bruder Amycus Carrow Verteidigung gegen die dunklen Künste unterrichten." Er nickte Amycus zu, der aussah, als ob ihn ein blinder Steinmetz aus einem Felsbrocken geschlagen hatte. Wie schon seine Schwester war er klein und unsympathisch. Wieder gab es gelangweilten Beifall und Amycus setzte sich wieder. „Nun, dann wünsche ich guten Appetit", beendete Snape seine Rede, doch sein Gesichtsausdruck zeigte, dass er das keineswegs so meinte.
Schweigend verschlang Sayda ihr Essen und grunzte ab und zu, wenn Pansy Parkinson neben ihr sie etwas fragte.
„Sag' mal, Sayda, würdest du dich vielleicht für die Ziele des Dunklen Lords interessieren?", erkundigte sie sie nach einer Weile.
Sayda machte einen erstickten Laut, dann hustete sie.
„Sorry, verschluckt… Was? Äh, na ja, ich finde es schon gut, ja", log sie.
Draco Malfoy lächelte sie über den Tisch hinweg leicht an.
„Meine Tante, Bellatrix, könnte dir vielleicht eine kleine Einführung geben…", meinte er.
Wieder verschluckte sich Sayda, diesmal vor Überraschung.
„Oh, nein, nicht nötig, danke. Ich habe mich über die Ferien gut informiert."
Hilfe, wie sollte sie denn da wieder herauskommen?
Als sie schließlich alleine im Schlafsaal auf ihrem Bett saß, zog sie die Galleone heraus, die sie von Neville bekommen hatte. Sie wurde kurz heiß und eine kleine Nachricht erschien.
Heute Nacht um 2 Uhr vor Snapes Büro.
Yeah, schon heute das erste Graffiti? Das würde sicher ein Heidenspaß werden! Leise schlich sich Sayda kurz vor 2 aus dem Gemeinschaftsraum der Slytherins und machte sich, mithilfe eines Desillusionierungszaubers getarnt, auf den Weg zum vereinbarten Treffpunkt. Luna, Ginny und Neville warteten schon, außerdem war noch ein Kerl aus Hufflepuff dabei, den sie gerade nicht zuordnen konnte.
„Hallo!", flüsterte Neville. „Das ist Ernie Macmillan. Wir haben uns was ausgedacht, sieh mal!" Er breitete ein Pergament vor ihnen aus. „Dumbledores Armee sucht noch Leute" hieß es darauf.
Sayda nickte. „OK, dann fangen wir mal an!"
Es dauerte nicht lange und der Schriftzug leuchtete in blutroter Farbe an der Wand, direkt gegenüber von dem Wasserspeier, hinter dem sich der Eingang zum Schulleiterbüro befand.
„So, dann schauen wir mal, was der Geier morgen dazu sagt!", raunte Ginny, dann verabschiedeten sie sich und gingen jeder für sich wieder zurück zu den Schlafsälen.
Der Spaß am nächsten Morgen war groß. Einem Gerücht zufolge war Snape noch im Schlafanzug aus seinem Büro gekommen und hatte sich dann derart aufgeregt, dass er das glatt vergessen hatte und in dem Aufzug durch die halbe Schule gerannt war. Professor McGonagall und Professor Flitwick standen vor der Nachricht und konnten nur mit Mühe ein Lachen unterdrücken, während Snape neben ihnen so zornig dreinblickte wie noch nie. Hinter seinem Rücken liefen Schüler auf und ab und tuschelten, manche deuteten ein Flattern wie eine Fledermaus an und taten so, als trügen sie einen Schlafanzug. Sayda, die mit Siria wie zufällig vorbeikam, prustete in den Ärmel ihres Umhangs und musste sich um die Ecke an die Wand lehnen, um sich wieder zu fassen.
„Was ist denn da los…? – Ist das das, von dem du…?", fragte Siria.
„Schscht! Ja, das ist es, was wir gestern Nacht gemacht haben", raunte Sayda geheimnisvoll. „Schau's dir mal an!"
Gespannt trat Siria um die Ecke und begutachtete mit erstauntem Gesicht die Schrift.
„Professor Flitwick, was ist denn hier passiert?", erkundigte sie sich unschuldig.
Der kleine Zauberer hüstelte, dann sagte er mit betont ruhiger Stimme: „Da wollte uns wohl jemand einen Streich spielen, ich kann leider auch nicht sagen, was das bedeuten soll, Miss Brown."
Siria nickte. Sayda, Neville und die anderen hatten ganze Arbeit geleistet.
Ein paar Tage später war wieder die Hölle los. Ein lauter Wutschrei schreckte die Schüler am Samstagmorgen auf und sie rannten alle in den dritten Stock. Dort hatte jemand ein Tier an die Wand gemalt, das aussah wie eine Kreuzung aus Geier und Fledermaus – und das eindeutig einen Snape-Kopf aufhatte. Dieser war so detailliert gezeichnet, dass ihn auch wirklich der Dümmste erkennen würde. Neugierig starrten die Kleinen auf das Bildnis, manche murmelten etwas, das nach „Gut getroffen" oder „Stimmt vollkommen" klang, während Snape – völlig außer sich – fluchend versuchte, die Schaulustigen zu vertreiben, doch es war beinahe die ganze Schule auf den Beinen, um das außergewöhnliche „Kunstwerk" zu bewundern. Sayda konnte nicht anders, sie musste lachen und auch Siria war total begeistert.
„Herrlich", gluckste Ginny hinter ihnen. „Sayda, du hast ihn perfekt hingekriegt!" Sie kicherte wieder und ihr Gesicht strahlte. „Aber vor dem nächsten Bild sollten wir ein bisschen Pause machen, sodass der Schock nur noch größer wird. Schaut euch Snape an! Es macht ihn rasend!"
Leicht beunruhigt sah Sayda hinüber zum Schulleiter, der gerade mit zornesfunkelnden Augen eine blickdichte Barriere um das Bild aufbaute. Vielstimmiges „Oooooh…" folgte aus der Menge der Schüler, die sich dann aber langsam davon machten. Snape sah ihnen feindselig hinterher, dann drehte auch er sich um und ging.
„Bis später in der Bibliothek!", rief Sayda ihren Freundinnen schnell zu und folgte ihm.
„Was wird das denn jetzt wieder?", erkundigte sich Ginny leise bei Siria.
„Ich weiß nicht, aber mit irgendwas wird sie ihn schon ablenken, keine Angst, sie verrät euch nicht!"
Sayda lief so unauffällig wie möglich den Gang entlang, der zum Schulleiterbüro führte und sah sich immer wieder heimlich um. Wo war Snape hin?
„Miss Shevell?"
Erschrocken fuhr Sayda herum.
„Ach, Sie sind's, Professor", meinte sie leichthin.
„Ja, wer denn sonst? Eine Fledermaus, hm?" In Snapes Gesicht stand unverhohlene Wut. Wusste er etwas?
Sayda wurde heiß und kalt.
„Nein, wären Sie das wohl gerne?", fragte sie gespielt irritiert.
Snape zog eine Augenbraue hoch und sein Gesicht wurde etwas freundlicher, soweit man das bei dem undurchdringlichen Ausdruck sagen konnte.
„Nein", sagte er leise. „Aber manche halten mich anscheinend für eine."
Sayda wusste nicht, was sie darauf erwidern sollte, also schwieg sie.
„Kommen Sie mal mit in mein Büro, Miss Shevell." Er winkte ihr und stieg die Treppe zu seinem Büro hoch.
Immer noch ängstlich folgte Sayda ihm, das war ihr ganz und gar nicht geheuer, wie viel wusste der Lehrer? Und vor allem, woher wusste er es?
„Setzen Sie sich, Mi –"
„Sayda", rutschte es ihr heraus, noch bevor sie darüber nachdenken konnte, was sie gerade getan hatte.
„Sayda. Soso", murmelte Snape amüsiert. „Ein außergewöhnlicher Name."
Sayda hatte das Gefühl, so rot wie eine Tomate zu werden. Sie senkte den Blick und nickte leicht. Ihr einziger Gedanke war: Weeeeeg!
„Wie ich sehe, haben Sie sich wieder gut hier eingelebt, oder, Sayda? Nette Leute kennengelernt, Sayda?"
Na super, jetzt würde er sie die ganze Zeit aufziehen, aber nicht mit ihr!
„Ja, mir geht es gut, Professor Snape, einige hier sind wirklich sehr nett, Professor Snape. Übrigens, herzlichen Glückwunsch zu ihrem Schulleiterposten, Professor Snape." Sie kam sich unglaublich dämlich vor, doch es hatte die gewünschte Wirkung auf ihr Gegenüber. Der höhnische Gesichtsausdruck verschwand urplötzlich und er schaute sie wieder mit dem gewöhnlichen nichtssagenden Blick an, vielleicht sogar ein wenig abweisender als sonst. Sayda sah ihm herausfordernd ins Gesicht.
„Nun denn… Was sagen Sie zu den jüngsten… Vorkommnissen?"
„Da kann einer sehr gut zeichnen."
In Snapes dunklen Augen blitzte Zorn auf.
„Aha", sagte er schroff, „und weiter?"
„Natürlich weiß ich nicht, was Dumbledores Armee ist, aber Dumbledore ist ja tot, insofern sollte man dem vielleicht keine weitere Beachtung schenken…" Und um Snape noch ein wenig mehr zu provozieren machte sie ein Kreuzzeichen über der Brust.
„Was war das?", fauchte Snape.
„Oh, das macht man da, wo ich herkomme, so, wenn man von einem Verstorbenen spricht", erklärte Sayda unschuldig. „Nicht der Rede wert."
Der Schulleiter starrte sie immer noch grimmig an.
„Ich habe einen Auftrag für Sie: Versuchen Sie herauszufinden, was hier gespielt wird. Kommen Sie in einer Woche wieder und erstatten mir Bericht. Auf Wiedersehen."
„Auf Wiedersehen." Sie konnte sich gerade noch das ‚Professor Snape' verkneifen.
Ginny lachte so laut, dass die Bibliothekarin Madam Pince misstrauisch zu ihnen hinüberguckte, als Sayda ihren versammelten Freunden berichtete, was in Snapes Büro vorgefallen war.
„Ach ja, und ich soll herausfinden, wer die schönen Bilder malt und warum; euch ausspionieren. Schon blöd, dass man sich nicht selbst nachrennen kann, oder?", fügte sie mit gespielter Nachdenklichkeit hinzu.
Neville gab grunzende Geräusche von sich, anscheinend musste er ein Lachen unterdrücken.
„Wenn du so gut drauf bist, kannst du ja Montagnachmittag gleich beim alten Carrow weitermachen!"
Sayda grinste spitzbübisch. „Da hab' ich schon eine fabelhafte Idee!"
Kurz bevor der klotzige kleine Mann am Montag den Raume für Verteidigung gegen die dunklen Künste betrat, schwang Sayda sanft ihren Zauberstab und zwinkerte Neville zu. Die Wand hinter der großen Leinwand hinter dem Lehrerpult leuchtete leicht silber-weiß. Jetzt musste der Lehrer nur noch die Leinwand einrollen – was er auch sofort tat, er wollte mit einem diktierten Text beginnen. Doch soweit kam er nicht.
Carrow ist die linke kleine Zehe eines Riesen
Manche Schüler keuchten, andere kicherten und Carrow drehte sich mit weit offenstehendem Mund zur Klasse um.
„WER WAR DAS?", brüllte er. „WER WAR DAS?"
„Also, ich weiß es nicht, aber derjenige hat einen seltsamen Humor, finden Sie nicht auch?", antwortete Sayda.
„HALTEN SIE DEN MUND!"
„Seien Sie mal nicht so unfreundlich… Soll ich es vielleicht wegmachen?", erkundigte sich Sayda mit einem leicht beleidigten Tonfall.
„JA!", bellte Carrow.
„Tergeo. Und schon ist es weg, das hätten Sie aber auch gekonnt!"
Den Rest der Stunde diktierte Amycus Carrow der Klasse komplizierte Sätze über den Cruciatus-Fluch und wie man ihn am besten einsetzte.
Man muss es auch so meinen, das hatte Bellatrix Lestrange einmal zu Harry gesagt, erinnerte sich Sayda. Es schüttelte sie vor Grauen, aber der Streich war immerhin gelungen, nur schade, dass es keiner fotografiert hatte…
Ein paar Mal wurde sie noch aufgerufen, so als wollte Carrow unbedingt beweisen, dass er die Macht über sie hatte, doch sie knallte ihm immer wieder nur schnippische Bemerkungen vor den Latz – etwas, was jedem eine saftige Strafe eingebrockt hätte, aber sie bekam nur eine wütende Ermahnung und böse Blicke.
Nach Verteidigung, oder „Dunkle Künste", wie das Fach jetzt offiziell hieß, hatten sie Muggelkunde („Beide Carrows an einem Tag halt' ich nicht aus!", beschwerte sich Neville.). Mit begeistert leuchtenden Augen erzählte Alecto Carrow, was für dreckige, minderwertige und nichtsnutzige Geschöpfe Muggel doch waren. Saydas Magen verkrampfte sich bei jedem Wort mehr und sie versuchte fieberhaft, an etwas Nettes zu denken. Siria. Snape. Siria. Snape. Siria. Snape. Die Gedanken jagten ihr durch den Kopf. Irgendwann war es nur noch Snape. Snape. Snape. Snape.
Sie knallte ihren Kopf auf den Tisch und schlug dagegen, als ob der verdammte Name dadurch verschwinden würde.
„Was wird das, Shevell? Sie benehmen sich wie ein Muggel!", blökte Professor Carrow.
„Ich habe Kopfschmerzen, Professor", antwortete Sayda betont giftig.
„Dann würde ich meinen Kopf nicht auf den Tisch hauen", höhnte die Lehrerin. „Wofür haben wir Zauberei? Was sonst macht uns den schleimigen Muggeln überlegen? Weshalb sind wir besser als sie? – Genau! Wegen unserer einzigartigen, wunderbaren Macht, der Magie, der Zauberei! Wir können Wunder verbringen, ganz anders als diese Wesen und ganz anders als all die schmutzigen Schlammblüter und Blutsverrä-!"
„Wie viel Muggelblut fließt denn durch die Adern von Ihnen und Ihrem Bruder?", fragte Neville kühn.
„DU WAGST ES?", keuchte sie. „DAS WIRST DU BÜSSEN, LONGBOTTOM!" Sie holte mit ihrem Zauberstab aus und schlug durch die Luft.
Neville unterdrückte tapfer einen Schrei, als die unsichtbare Peitsche ihm wieder und wieder durchs Gesicht zischte.
Sayda konnte nicht länger hinsehen.
„Hören Sie sofort auf!", schrie sie Alecto Carrow an. „Sofort!" Sie war aufgestanden und hatte ihren Zauberstab aus Holunderholz gezogen. Um sie herum flirrte, kaum sichtbar, ein Schutzwall, falls die Todesserin sie angreifen würde.
Und tatsächlich:
„Crucio!", kreischte die untersetzte Frau, doch Sayda wischte den Fluch mit einem weiten Schlenker ihres Zauberstabs weg, sodass er gegen ein Fenster prallte und dieses zersplitterte.
„Nette Idee, aber leider wirkungslos", knurrte Sayda. „Falls Sie es nochmal versuchen sollten, schicke ich Ihnen Ihren Zauber zurück."
Die Lehrerin ließ ihre Waffe langsam sinken. Sie war knallrot im Gesicht vor Zorn, doch sie beherrschte sich.
„Noch einmal", fauchte sie, „und Sie bekommen Nachsitzen auf die ganz unangenehme Art und Weise, das ist Ihre letzte Verwarnung!"
Endlich frei!, dachte Sayda nach der Stunde, als sie gedankenverloren die Gänge entlang schlenderte, auf dem Weg zu Verwandlung, als sie plötzlich unterdrückte Stimmen hörte.
„Diese Sayda ist so verdammt frech! Wenn du wüsstest, was sie gemacht hat, sie hat mir gedroht! GEDROHT, Amycus!"
„Ich weiß, ich weiß, bei mir ist sie auch nicht besser. Stell' dir vor, was an der Wand des Klassenzimmers stand, irgendwas, dass ich aussähe wie die Zehe eines Riesen oder so! Ich wette, da steckt dieses putzige Mädchen dahinter, hinterlistig und gemein wie eine Schlange!"
„Ach, ich würde ihr zu gern mal einen Cruciatus verpassen, aber so richtig, dass sie ihren Hintern nicht mehr spürt! Aber ob du's glaubst oder nicht, sie hat heute einen abgewehrt, ein Schlenker und weg! Glaubt man das denn? Was ist dann gegen sie wirksam? Auspeitschen? An den Füßen von der Decke hängen lassen?"
„Hör' auf, es macht keinen Sinn! Wir dürfen sie eh nicht anrühren, sie steht unter Snapes persönlichem Schutz!"
Sayda, die gelauscht hatte, konnte sich gerade noch ein lautes Prusten verkneifen. Das war es also, warum sie nie mehr als eine Verwarnung bekam! Da trat sich der gute Mann aber gehörig selbst auf die Füße! Wenn der wüsste, wen er da schützte – eine der angesehensten Figuren im Snape-Widerstand. Zum Kreischen war das! Doch trotz allem war die Situation leicht verfahren. Neville hatte es heute ganz schön erwischt und Ginny hatte auch schon des Öfteren eine dicke Lippe riskiert. Luna… na, die würden die Todesser sowieso als komplett übergeschnappt abstempeln! Blieb nur noch Siria, um die sich Sayda wirklich sorgte. Bisher hatte sie nicht den Eindruck gemacht, als hätte sie sich großartig darum gekümmert, sich gegen die unfaire Herrschaft der Carrows zu wehren, doch sie wusste, bei Siria konnte sich das ganz schnell ändern!
Verwandlung hatten die Slytherins gemeinsam mit den Ravenclaws und so quetschte sich Sayda schnell auf den freien Platz neben Siria, ohne die getigerte Katze mit dem Brillenmuster auch nur eine Sekunde aus den Augen zu lassen. Sie dachte schon, es würde ein riesen Donnerwetter geben, weil sie zu spät gekommen war, doch die Unterhaltung der Carrows mit anzuhören war es allemal wert gewesen.
„So?" Professor McGonagall hatte ihre normale Gestalt angenommen. „Wieso sind Sie nicht pünktlich?"
„Entschuldigen Sie, Professor, ich hab' wohl ein wenig geträumt", sagte Sayda unterwürfig.
Minerva McGonagall war einmal mehr von diesem Mädchen überrascht. Ihre „dunklen Kollegen", wie sie die Unerwünschten gern nannte, beschwerten sich tagaus, tagein über Sayda, doch sowohl sie selber, als auch die Professoren Flitwick und Sprout, hatten nichts an der jungen Dame auszusetzen, die sich für eine Slytherin auffällig gut mit den Leuten aus anderen Häusern verstand.
„Mhm. Nun gut, fangen wir an…"
Nachdem der Unterricht vorbei war, blieb Sayda als Letzte noch im Zimmer zurück.
„Professor McGonagall?", fragte sie.
„Ja, was gibt es?"
„Ich möchte mich dem Orden des Phönix anschließen."
„Dem… was? Aber… aber… woher - ?"
„Das ist nicht von Belang."
„Aber… Kind, Sie sind doch noch gar nicht…"
„Ich bin im Sommer 18 geworden, ich bin älter als der Rest aus meinem Jahrgang, da man bei uns in den USA ein Jahr später eingeschult wurde", dichtete sie schnell. „Nun?"
„Ich hätte auch Interesse." Siria war zurückgekommen, um nachzusehen, wo Sayda blieb, und hatte das Gespräch mit angehört. „Ich bin auch in einem Monat 18."
„Oh, meine Lieben, sind Sie sich wirklich sicher…? Ich meine… die Gefahr?" McGonagall musste sich setzen, so verstört war sie.
„Ja, wir sind uns voll und ganz im Klaren darüber, welche Risiken das birgt", meinte Sayda sachlich.
„Okay, okay… Dann möchte ich aber sehen, dass Sie einen Patronus hervorbringen können, damit ich weiß, dass Sie im Notfall auf sich aufpassen können. Sehen Sie her, expecto Patronum." Eine silberne Katze, McGonagalls Animagus-Gestalt nicht unähnlich, sprang durch den Raum.
Siria sah Sayda zweifelnd an, sie hatten noch nie einen Patronus-Zauber ausprobiert.
Sayda zuckte mit den Schultern, so nach dem Motto „Wird schon schief gehen!". Sie stellte sich mit dem Rücken zur Tafel, zielte auf einen Wandbehang und sprach mit fester, lauter Stimme: „Expecto Patronum!"
Sie hatte gewusst, dass sie ungewöhnlich begabt war, aber was jetzt geschah, hatte sie sich nie auch nur im Entferntesten vorstellen können: Ein gewaltiger, silbern und weiß strahlender Leopard brach aus ihrem Zauberstab hervor. Er fauchte unhörbar und jagte mit großen Sprüngen durch den Raum. Der Patronus war so hell, dass Professor McGonagalls Katze neben ihm zu verblassen schien und scheinbar ängstlich zurückwich.
„Grundgütiger!", murmelte diese und schüttelte schockiert den Kopf.
Auch bei Siria klappte es schließlich und ein glänzendes, wieselflinkes Chinchilla schoss aus ihrem Zauberstab und gesellte sich zu Katze und Leopard.
„Ein Chinchilla", grunzte sie und das kleine Tier flackerte, als sie sich nicht mehr voll und ganz darauf konzentrierte.
„Passt doch super!", meinte Sayda grinsend. „Nun, Professor? Wie haben Sie sich entschieden?"
„Ich… es… Unglaublich! Ich muss sofort ein paar Leute benachrichtigen! Willkommen im Orden…"
„Professor McGonagall…"
„Nennt mich Minerva, wenn wir unter uns sind."
Sayda lächelte.
„Minerva… Was hat der Orden im Hinblick auf Snape vor?"
„Snape?" Minervas Gesicht verdüsterte sich. „Ich bin mir nicht sicher… Überwachung, Tag und Nacht."
„OK. Ich werde mich dann auch ein bisschen um die Angelegenheit kümmern, Snape lädt mich ja so gern in sein Büro ein – ungefähr einmal pro Woche…"
Als die beiden Mädchen gegangen waren, stand Minerva McGonagall noch eine Weile im Raum und grübelte über das, was sie gerade erlebt hatte, nach. Eine seltsame Freude ergriff sie, wenn sie an Snape dachte. Oh, wenn der wüsste, wen er sich da immer ins Zimmer holte! Sayda konnte ein Biest sein und jetzt war sie auch noch im Orden des Phönix!
