Erebor 3022: Ravenspeakers – Die Raben von Durins Volk
Von summerald – übersetzt aus dem Englischen von jessie152
Disclaimer: ''Der Hobbit'' und ''Der Herr der Ringe'' als auch sämtliche Figuren darin sind Eigentum von Tolkien Estate und Wingnut Films. Diese Geschichten dienen ausschließlich der Unterhaltung und weder der Autor noch der Übersetzer profitieren in irgendeiner Weise davon oder erheben irgendwelche Ansprüche auf ''Der Hobbit'' oder ''Der Herr der Ringe''.
Kapitel 7
Die Wachen von Erebor brachen in hektische Aktivität aus. Auch der König war unter ihnen und beteiligte sich persönlich an der Suche. Sie krempelten den Berg komplett um inklusive der Mine und jedes einzelnen alten und nicht mehr benutzten Schachtes, egal ob auf der untersten Ebene oder weit oben unter dem Gipfel.
''Ich will meinen Sohn,'' brüllte Fíli, und seine Stimme wurde mit jedem Wort lauter. ''Und ich will diese abzaginh lebend und um Gnade winselnd!''
Ein jeder in Erebor wusste, wer das das fragliche Mädchen war, welches ihr König als eine abzaginh bezeichnete — verbannt vor nicht ganz zwei Monaten. Eine Verräterin aus den Ered Mithrin. Sie war nichts weiter als ein giftiges Miststück, sie hatte tatsächlich einen Mordanschlag auf ihren eigenen König der Grauen Berge verübt.
Das Volk von Erebor hatte fassungslos auf die Nachricht reagiert, dass dieses abtrünnige Weib zurückgekehrt war und sich sogar im Berg selbst aufhielt. Bereitwillig folgte es Fílis Aufruf, und viele von ihnen beteiligten sich mit Feuereifer an der Suche.
Sie wurde schließlich von den Küchenmädchen gefunden. Sie hatte sich in einer Speisekammer versteckt.
Und die Küchenmädchen waren nicht gerade zimperlich, als sie sie aus ihrem Versteck zerrten und vor sich hertrieben. Die Mädels hatten sich mit einem erstaunlichen Arsenal von ziemlich bedrohlich aussehenden Küchenwerkzeugen bewaffnet.
Der König behandelte die Verräterin auch nicht eben sanfter.
Fíli war von seiner königlichen Mutter, der stolzen Schwester von Thorin Eichenschild, gut erzogen worden: dazu, mit Damen stets freundlich, zuvorkommend und rücksichtsvoll umzugehen sowohl mit den jungen als auch den ehrwürdigen alten.
Doch er war auch dabei gewesen, wenn seine Mutter in der Abwesenheit seines Onkels über Damen Recht gesprochen hatte. Und da Zwerge sehr viel härter waren als die Menschen, zögerten sie nicht, gegen Angehörige ihres eigenen Volkes Gewalt anzuwenden, wenn es nach ihrem Gesetz berechtigt war.
So nahm Fíli sich Yngvlis Tochter vor, indem er sie mit einer Faust bei den Haaren packte und ebenso selbstverständlich quer durch die Königliche Halle schleuderte, wie er ihren früheren Liebhaber Aurvang hingerichtet hatte.
''Wo ist mein Sohn?'' Er trat auf sie zu, zog sein langes Messer und richtete es auf sie.
Sie rappelte sich langsam vom Boden hoch, stützte sich auf ihre Arme und sah Fíli an. Blut tropfte von ihrem Mund. ''Als ob ich dir das sagen würde,'' spottete sie.
Er packte sie an einem Fuß und zerrte sie gut zwanzig Schritte über den Boden. Sie versuchte, sich mit den Nägeln irgendwo fest zu krallen, fand auf dem glatten Steinboden aber nirgends Halt.
Fíli ließ sie in einem Kreis, der im Marmorboden der Halle eingelassen war, fallen. Das seltsame Muster sah aus wie ein Strudel aus Mithril, übersät mit sehr alten Symbolen. ''Nicht bewegen,'' sagte er mit vorgehaltenem Messer und stellte sich dann an den Rand des Kreises. Sie sah ihn über die Schulter an und verzog das Gesicht zu einer abscheulichen Grimasse.
Fíli kümmerte das nicht. Er winkte mit einer Hand, dass man ihm etwas reichen solle.
Der alte Dwalin trat vor und übergab ihm einen langen metallenen Stab und deutete den übrigen Umstehenden an, zurück zu treten.
Es gab einen bestimmten Grund, dass Erebor dem Geschlecht Durins gehörte. Und ein jeder in der Königlichen Halle war im Begriff, Zeuge zu werden, wieso das so war.
Das Gestein des Berges selbst würde für jene singen, die von Durins Blut waren, wenn diese darum baten.
Fíli drehte den Metallstab einmal herum, sang eine kurze, rau klingende Tonfolge in altem Khuzdul und stieß den Stab dann mit Kraft auf den Boden.
Funken sprühten auf, ein silbrig-graues Licht lief um das schimmernde Muster im Boden und bildete einen unheimlich flackernden Kreis um das Mädchen aus den Grauen Bergen.
''Niemand kann mich aus dem Kreis des Ahyrunu anlügen,'' rief Fíli laut genug, dass ein jeder ihn hören konnte. Er wartete ab, denn mit Sicherheit würde sie versuchen, die Grenze aus flimmerndem Licht zu durchbrechen. Sie sprang auf und wollte fliehen, fiel aber hart hintenüber, als ob sie gegen etwas Solides geprallt war, das jedoch unsichtbar war.
''Wo ist mein Sohn?''
Sie wand sich am Boden und versuchte, mit zusammengebissenen Zähnen der Macht des Kreises zu widerstehen. Das Licht flammte heller auf, anscheinend geschürt durch des Königs Zorn. Er stand dort, der grimmig dreinblickende Sohn aus Durins Geschlecht, und sein eiserner Griff presste den Stab unnachgiebig auf den steinernen Boden.
''Fort,'' spie sie schließlich hervor und rang nach Atem. ''Schon lange weg. Verpackt und schon vor Stunden aus dem Berg gebracht.''
Fjalar erwachte allein in absoluter Dunkelheit. Er war völlig orientierungslos, total durchgefroren, sehr eingeengt und verkrampft und viel zu eingeschüchtert, um zu schreien oder auch nur irgendeinen Laut von sich zu geben. Er lag verkrümmt auf dem Rücken in irgendeiner Art Kiste, die so kurz war, das seine Knie angewinkelt und seine Schultern gebeugt waren. Wenn er seine Hand ausstreckte, stieß sie gegen raues Holz.
Und noch ehe er sich einen Reim darauf machen konnte, was eigentlich passiert war, wurde die Kiste umgekippt, und er fand sich zunächst auf Händen und Knien wieder, dann auf der Seite und schließlich auf dem Kopf. Zum Glück war er in der Lage, sich wieder herum zu winden und in eine aufrechte Position zu kommen.
Jemand hat mich geschnappt, erinnerte er sich. Und jetzt sitze ich in einer Kiste. Er tastete mit den Händen um sich herum und versuchte, nicht in Panik zu geraten. Dort, auf der rechten Seite war ein Astloch, durch das eiskalte Luft herein strömte. Er musste sich ziemlich verrenken, um sein Auge gegen das Loch zu pressen und hinaus zu sehen, aber er konnte nicht viel erkennen. Ein weiteres Astloch war auf der Oberseite. Auch dort war nicht viel zu sehen. Alles was er sagen konnte war, dass er irgendwo draußen war, und es war dunkel.
Er hörte sich nähernde Schritte, die im Schnee knirschten. Er wich von dem Astloch zurück.
Es gab einen groben Schlag und einen heftigen Ruck.
Ich bin auf einem Schlitten, wurde Fjalar klar. Und irgend jemand hat gerade eine weitere Kiste aufgeladen. Langsam erinnerte er sich an weitere Einzelheiten. Er hatte die Wachstube auf eigene Faust verlassen und nach einer geheimen Tür gesucht. Und dann hatte ihm jemand von hinten etwas vor die Nase gedrückt. Ein Betäubungsmittel, so etwas, was die Heiler benutzten, wenn sie etwas wirklich Schmerzhaftes mit einem anstellen mussten. Er erinnerte sich an den flüchtigen Blick auf das Gesicht eines Händlermädchens.
Oh Mahal. Er würde soooo einen Ärger bekommen, wenn seine Mutter das herausfinden würde. Und schon gar nicht wollte er seinem Onkel oder seinem Vater unter die Augen treten. Sie machten das wirklich nicht oft, aber er hatte schon oft genug eine ordentliche Lektion abbekommen, um zu wissen, dass eine solche Strafe besser vermieden werden sollte.
Vater, es tut mir so leid, er lehnte sich zurück und schlang die Arme um seine Knie. In diesem Augenblick wünschte er sich nichts mehr, als sich sicher in den starken Armen seines Vaters zu befinden, sein Gesicht gegen seine Brust zu drücken und sich an ihm ganz fest zu halten.
Niedergeschlagen blickte er auf das Astloch und schluckte hart. Wie sollte er bloß aus diesem Schlamassel jemals wieder herauskommen?
Als erstes bleib ganz ruhig, sagte er zu sich selbst und unterdrückte die empor quellenden Tränen. Es ist besser, wenn sie denken, dass du immer noch ohnmächtig bist. Und dann kamen ihm die Worte seines Onkels während ihrer Selbstverteidigungsübungen wieder in den Sinn. Sieh immer was du hast, und wie du es nutzen kannst.
Er tastete seinen Mantel ab. Er hatte genau wie sein Vater angefangen, Messer in seiner Kleidung versteckt zu tragen. Er hatte sogar Nadel und Faden von den Hausmädchen seiner Mutter geklaut und selbst versteckte Messerscheiden eingenäht. Genau da — eins, zwei… und drei. Er hatte drei seiner Messer immer noch bei sich.
Das ist doch schon mal ein Anfang, sagte er sich.
Dann hörte er Stimmen.
Keine Zwerge aus Erebor. Es klang wie zwei Menschen und ein fremder Zwerg.
Jemand schlug gegen die andere Kiste.
''In der hier ist das Gold,'' sagte der fremde Zwerg. ''Und in der da,'' es gab einen lauten Knall an Fjalars Kiste, gleich neben seinem linken Knie, ''ist der wahre Schatz. Das gibt einen riesen Haufen Lösegeld. Oder macht das Bürschchen zum Vergnügen einfach kalt, und es gibt einen Sohn Durins weniger in der Welt.''
Fjalar duckte sich mit aufgerissenen Augen und umklammerte das Heft seines größten Messers mit der Hand.
''Ich sage, wir töten ihn,'' rief einer der Männer.
''Einverstanden,'' stimmte der fremde Zwerg zu. ''Wir töten den Bengel jetzt, so lange er noch jung ist und sich nicht wehren kann.''
''Und die Tage von diesem Herrn Kíli sind auch gezählt,'' fuhr der Mann fort. ''Die Orks schwören, das das Gift bereits in seinen Adern brennt… fehlt nur noch ein kleines bisschen von dem, was die Verborgenen zusammenbrauen, und es ist vorbei mit ihm… dann habe wir zwei Söhne aus Durins Geschlecht weniger, um die wir uns Sorgen machen müssen.''
Fjalar packte sein Messer fester. Er zitterte jetzt am ganzen Körper. Er hatte ihre Drohung gehört, aber er verstand sie nicht so richtig. Was meinten sie damit? Niemand konnte seinem Onkel etwas anhaben. Finster blickte er in die Richtung, aus der die Stimmen kamen.
Jemand stapfte im Schnee umher. ''Bist du dir ganz sicher, was du hier hast?''
''Bei meinem Barte. Er hat das Siegel des Königs auf seinem Mantel und all das,'' grollte der Zwerg. ''Hol' ihn raus und sieh es Dir selbst an. Mach schon, und dann erledige ich ihn für Dich.'' Ein brutales Lachen war zu hören.
''Schluss damit, ihr Narren.'' Ein anderer Mann mit einer tieferen Stimme trat auf die Kiste zu.
''Es winkt ein viel größerer Preis hinter der ganzen Geschichte. Unsere Aufgabe ist es, den König hervor zu locken. Hol' ihn aus dem Berg heraus und dann kriegen wir sie beide. Er sitzt viel zu fest in Erebor. Wir müssen ihn nur weit genug davon weglocken, und er gehört er uns.
Spöttisches Gelächter. ''Oh ja. Stimmt genau… und es wird funktionieren!''
''Dann hör auf damit, die Sache zu verzögern. Befördere dieses Balg zum Treffpunkt,'' befahl die tiefere Stimme. ''Rauf auf den Schlitten, ab mit euch!'' Der Schlitten ruckte und wurde vorwärts gezerrt. Er rutschte noch ein Stück seitwärts, bevor die Zugtiere Geschwindigkeit aufnahmen.
Fjalar spürte nichts als Angst im Bauch, als er schließlich verstand, wieso er noch am Leben war. Die wollten, dass sein Vater kam, um ihn zu suchen. Und wenn er das tat, geriet er in einen Hinterhalt.
Fjalar sank auf den Boden der Kiste, die Knie eng an die Brust gezogen.
Und das war alles seine Schuld.
Nÿr hatte geweint, bis sie völlig erschöpft war, und von der gesamten Aufregung im Berg nichts mitbekommen. Das unschöne Ende von Yngvlis Tochter hatte sie komplett verschlafen. Sie erwachte gegen Mitternacht. Sie rieb sich das Gesicht und fluchte über sich selbst wegen ihres höchst erbärmlichen Benehmens.
In Ordnung, du hast dich ausgeweint, sagte sie zu sich selbst, genug davon.
Sie erhob sich und sah sich ein letztes Mal in ihrem kleinen Versteck um.
Ihr Blick haftete an dem üppigen Teppich vor dem kalten Kamin.
Nur zu leicht konnte sie sich daran erinnern, wie sie dort die Nacht mit ihrem Liebsten verbracht hatte, sich neben seinem beeindruckend muskulösen Körper ausgestreckt und herausgefunden hatte, was ihn vor Lust und Vergnügen zum Keuchen brachte… erregt von seiner sanften Berührung ihrer Haut und seinem Hunger nach Liebe.
Doch sie zwang sich, wegzusehen und ihr Herz vor diesen Gedanken zu verschließen.
Nie wieder. Das Beste für Kíli und seine Familie war, so entschied sie, wenn sie ging.
Es war eine nette Fantasie gewesen zu denken, sie wäre eines Versprechens mit einem Prinzen würdig.
Das war sie eindeutig nicht. Und auch niemand innerhalb Erebors dachte das.
Kíli war ohne sie besser dran.
Sie verließ das Studierzimmer, schloss die Tür hinter sich ab und machte sich auf den Weg durch die leeren Hallen zum Schlafsaal der Lehrlinge.
Zum Glück schliefen ihre Kameraden dort ganz tief.
Sie brauchte nicht lange, um ein paar Decken aufzurollen, ihre wenigen Habseligkeiten zusammenzupacken und ihre Reisekleidung anzuziehen: Hosen, Stiefel und einen dicken, schweren Mantel. Hastig schrieb sie eine kurze Nachricht, lief leise zum Dokumentenkasten des Obersten Heilers und schob die Nachricht durch den Schlitz.
Dann schulterte sie ihren Rucksack und ihre Heilertasche und ging einfach hinaus. Sie schlug den Weg zur westlichen Terrasse ein und ging dabei eine wenig benutzte Treppe, die extra für die Heiler angelegt war, hinab. Sie wusste, dass ihr diese ein unbemerktes Verlassen des Berges ermöglichen und sie zu einem Pfad bringen würde, der zum Fuße Erebors und dann nach Westen führte. Ganz vage hatte sie sich entschieden, zu den Ered Luin zurück zu kehren. Diesen Ort kannte sie gut, immerhin hatte sie gerade erst fünf Jahre als Heilerlehrling dort verbracht.
Nebenher gab es auf dem Weg dorthin viele Orte, wo ein vernünftiger, kompetenter, wandernder Heiler benötigt wurde. Sie hatte einmal eine Gruppe von Dunedain getroffen. Sie zogen mit ihren Siedlungen viel umher, aber für einen guten Heiler und ordentliche Hebamme wäre es sicher möglich, einen Platz unter ihnen zu finden.
Da war eine kleine Stimme in ihrem Hinterkopf, die sich fragte, ob das wirklich die richtige Handlungsweise war, aber sie unterdrückte diesen Gedanken. Was sie deutlich lauter hörte, war das Echo der Stimmen dieser wütenden Jungs im Speisesaal: bleib weg von richtigen Zwergen.
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AN.: Nun wissen wir endlich, was aus Fjalar geworden ist. Üble Lage für Fílis Sohn. Wir hoffen, ihr kaut Euch jetzt schon auf den Nägeln, wie es weitergeht, und wie immer sind reviews höchst willkommen. Jessie & Summer (mit Dank an unseren Betareader Leobaer)
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