7.
Fast drei Wochen ist dieses Hochzeitsdesaster jetzt her. Max und ich haben alles getan, um David aufzubauen, aber David kann einfach nicht mit dem Kapitel abschließen. Mariella ist spurlos verschwunden. Niemand weiß, was mit ihr ist und sie hat auch keinen Brief hinterlassen oder sich bei irgendjemanden gemeldet. David ist in diesen Tagen ungenießbar – Richard und Sabrina lassen ja auch keine Gelegenheit aus, ihn mit ihrem scheinbar glücklichen Eheleben zu provozieren. Er springt auch wirklich jedes Mal darauf an…
Neben dem Problem, dass ich David aber auch gar nichts recht machen kann, steht auch noch das B-Style-Problem. Mariella wollte sich um die Vermarktung der Taschen kümmern, aber sie ist ja über alle Berge und mit dem, was ich an Unterlagen in ihrem Büro gefunden habe, kann ich nicht viel anfangen. Jürgen und ich haben uns wirklich die Köpfe zerbrochen, aber irgendwie scheint uns nichts gut genug zu sein. „Du hast doch einen guten Draht zu diesem Werbekometen, frag ihn doch einfach mal." Ja, leichter gesagt als getan. Ich steh vor Rokkos Bürotür und straffe noch einmal meinen Rücken. Und hinein! Kaum hab ich die Tür geöffnet, stoße ich auch schon mit ihm zusammen. „Oh, Frau Plenske. Was kann ich für Sie tun?" – „Ähm, Sie wollen gerade gehen. Dann wohl eher nichts." Das läuft nicht so, wie ich es mir vorgestellt habe und schon verlässt mich der Mut. „Nein, nein. Sagen Sie mir, was Sie möchten." Er lächelt mich ermunternd an. „Ich habe eine Frage oder viel mehr eine Bitte, also…" Oh nein, das läuft noch schlechter als ich es befürchtet habe… Rokko deutet mir an, in sein Büro zu kommen und Platz zu nehmen. Er sitzt mir gegenüber und sieht mich abwartend an. Langsam beginne ich, ihm von B-Style zu erzählen. „…und jetzt, wo Mariella weg ist, steh ich mit ihrem Gekritzel alleine da. David will nichts davon hören und…" Ich atme durch. Trotz meines unsicheren und nervösen Gestottere hat er noch nicht die Geduld verloren, viel mehr hat er nach dem Ordner mit den B-Style-Papieren gegriffen und blättert darin. „Ich weiß, dass das kein Auftrag von der Größenordnung ist, die Sie gewohnt sind. Und das Honorar, das Sie gewohnt sind, kann B-Style Ihnen auch nicht zahlen, aber…" Ja, was aber? Soll ich auf Knien rutschen oder betteln und flehen? Was will ich eigentlich von ihm? Einen Rat? Ein aufmunterndes „Lisa, du schaffst das schon."? Ich sehe kurz zu ihm hoch und stelle fest, dass er mich immer noch ansieht. Sein Gesichtsausdruck verrät nicht, was er denkt und das lässt mich noch unsicherer werden. Als abzusehen ist, dass ich nicht weiter sprechen werde, fängt er an: „Das ist ein viel versprechendes kleines Unternehmen, das Sie da führen. Jung, frech, unkonventionell. Ich glaube, ich habe da schon eine Idee. Eins müssen Sie mir aber verraten: Wieso verschwenden Sie ihr Potential hier als Assistentin, wenn Sie damit viel erfolgreicher sind?" An und für sich hat er Recht. Allein mit dem, was es für B-Style zu tun gibt, könnte man einen Arbeitstag füllen… „Ich mache doch nur die Kalkulationen." Rokko schüttelt den Kopf. „Jep, hab ich gesehen. Die ist schon recht straff. Darum trägt sich B-Style ja auch schon selbst. Sie müssen sich unbedingt diese falsche Bescheidenheit abgewöhnen, sonst gehen Sie in dieser Branche noch unter… Also gut, ich mach's, aber nur, wenn Sie mich jetzt noch auf einen Drink in die Tiki-Bar begleiten." Da ist es wieder, dieses selbstsichere Grinsen, das mich so wuschig macht… Nein Lisa, dir wird nicht seinetwegen warm, du bist nicht verschossen in ihn, du liebst David. Schon vergessen? Kowalski geht dir eigentlich auf die Nerven, weil er so anstrengend ist und dich ständig in unmögliche Situationen bringt… Langsam muss ich mir wirklich energisch zureden, wenn es um Rokko geht.
