Frozen in the Sky
Caps Plan war... unkonventionell.
Jenn fragte sich allerdings, warum genau sie mitkommen musste. Sie konnte sich nicht wirklich gegen Rumlow oder sonstige Vögel durchsetzen. Sie war ein Lemming, ein Bauer in einem makaberen Schachspiel. Und Cap klopfte an die Tür zur Hölle, die mit Kontrollraum beschriftet war.
„Klopfen? Dein ernst? Was glaubst du bringt das in einem Gebäude, wo dich jeder töten will?" Jenn verstand ihn einfach nicht.
„Manchmal kommt man mit klopfen weiter." sagte er. Und er sollte Recht behalten, jemand machte die Tür auf. Und erschreckte sich zu Tode.
„Nettigkeiten? Du bist Captain America... Die meisten Gegner haben Angst vor dir..." sagte Jenn und beobachtete, wie der arme Angestellte den Rückzug in den Raum antrat. Steve betrat den Raum, ihm folgten Maria Hill und Sam Wilson und leider auch sie.
Sie wollte eigentlich nicht Mitglied des Todestrupps sein, war es allerdings geworden. Mist!
Jenn ging durch den Raum und suchte sich einen Platz zum arbeiten. Was auch immer sie hier tun sollte. Ihre Kollegin hatte sie einfach mitgeschleift. Sie war der festen Überzeugung, dass sie hier hilfreich werden würde.
„Das ist so was von Bullshit... und das weist du..." murmelte Jenn vor sich hin. Sie saß rechts neben Steve, der eine Rede über Shield und Hydra hielt. Er schaute sie an, hörte aber nicht auf. Wortlos gab Jenn ihm zu verstehen, dass nicht er gemeint war. Er grinste und machte einfach weiter. Er mochte ja ein Nationalheld sein, aber manchmal... war er wie ein kleines Kind.
„Schreibst du so was vorher auf, oder geht dir das einfach so durch den Kopf?"
Jenn schaute hoch und sah, dass Sam Steve meinte. Ja, dass hatte sie sich auch schon diverse male gefragt.
„Wir müssen uns beeilen, wenn wir Projekt 'Insight' stoppen wollen." Maria Hill wusste wie man Stimmung machte.
„Jenn, hast du die Protokolle dabei?"
„Welche Protokolle?" Der USB – Stick aus der Akte. Sie wusste, dass sie ihn mitgehen lassen hatte.
„Sie wissen, welche ich meine. Die, die Fury in der Akte deponiert hatte." sagte sie mit einem lächeln... was? Seit wann konnte die Frau lächeln?
Jenn kramte in ihrer Tasche herum und förderte das gewünschte Speichergerät zu Tage.
„Das war keine Absicht... der ist rausgefallen..." nuschelte sie. Gott! Jetzt fühlte sie sich kriminell! Aber es stimmte.
Ihre beiden Mitstreiter hatten sich derweil auf den weg gemacht, den bösen Jungs den Popo zu versohlen.
„Du wirst mit Sam und Steve Verbindung halten und sie durch das Chaos navigieren, wenn sie sich zu weit, von der abgemachten Route entfernen." Die gute Frau war ja optimistisch... es konnte nicht schlimmer werden, oder?
„Jenn?"
„Mhh?"
„Du kannst das."
„Wenn du meinst... Steve, Sam. Hört ihr mich?"
„Laut und deutlich, Kleine." Sam... Wer war hier klein?
„Okay, der Fledermaus geht's gut. Steve?"
„Alles klar." Sie konnte im Hintergrund Schüsse hören. Wie schnell schaffte der Kerl es eigentlich sich in Schwierigkeiten zu bringen?
„Tut ihr beiden mir einen gefallen? Solltet ihr Rumlow treffen... sagt ihm er kann sich sein dämliches Grinsen in seinen Hintern schieben und damit eine Runde Spaß haben."
Es war still am anderen ende der Leitung.
„Alles klar, Kleine. Sonst noch was?"
„Tritt ihm in den Arsch!"
Hill, die schweigend zugehört hatte, grinste stillschweigend vor sich hin. Die grinst in der letzten Zeit aber oft.
„Was? Rumlow ist ein Arschloch!" murrte Jenn.
„Ja, dass weiß ich. Allerdings ist der Captain wahrscheinlich von deiner Wortwahl nicht ganz so angetan."
„Steve?"
„Wir reden darüber, wenn ich wieder unten bin... eine Frau die flucht wie ein Seemann..." Der Rest des Satzes war wohl nicht für sie bestimmt. Egal.
Einige Zeit später kam die Nachricht, dass der Start der Helicarrier vorverlegt wurde. Super Steve! Deine Ansprache hat gewirkt... in beide Richtungen. Im Triskelion brach die Hölle los. Jeder ging auf jeden los, da niemand wusste, wer Freund und wer Feind war. Jenn, welche vor ihrem PC saß und TomTom spielte, machte sich so ihre Gedanken. War Sharon auch hier? Wenn ja, ging es ihr gut? Sie mussten dieses Monster stoppen!
„Hey, Maria..."
„Ja?"
„Ich hab Angst. Nicht Angst um mich. Angst um meine Freunde, um meine Familie. Herr im Himmel! Ich habe sogar Angst, das Fury ernsthaft ins Gras beißt! Und der Typ ist mein Boss! Ich meine wer mag seinen Boss?" jammerte sie.
„Es wird schon. Steve und Sam sind da draußen. Natascha ist auch unterwegs."
Das hoffte sie... Das hoffte sie wirklich.
Zur gleichen Zeit, lief eine Person, die nicht wusste wer oder was sie war Richtung Startrampe. Er hatte nur ein Ziel... seinen Auftrag ausführen und den Frieden, der von seinem Ziel gestört wurde, wieder herzustellen. Im Namen von Hydra. Wieso hatte er nur das Gefühl, dass das irgendwie falsch war. Es war, als ob irgendwo in seinem gequälten Gehirn etwas leise flüsterte, dass es falsch war, was er hier tat. Aber Hydrat war doch gut... oder? Er wurde langsamer. Er hatte Kopfschmerzen. Das war alles seine Schuld! Die Schuld von dem Mann auf der Brücke... Welche Brücke? Argh!
„Hey, Sam. Was ist los?" Jenn wurde von einem Schmerzlaut aufgeschreckt.
„Ich möchte ja jetzt keinen Druck machen, aber es ist gerade viel schlimmer geworden. Sehr viel schlimmer." keuchte Sam. Sie hörte eine Explosion im Hintergrund. „Steves Kumpel aus grauer Vorzeit ist gerade aufgetaucht."
Bucky. Das war allerdings ein Problem.
„Und er hat eine Mordslaune!" schrie er. Laute Windgeräusche. Ein Krachen. Was war da los?
„Sam? Was ist passiert? Sag was?" Ganz ehrlich, sie hatte gerade angefangen ihn zu mögen! Der durfte nicht krepieren!
„Alles klar, aber Cap muss jetzt alleine klar kommen. Mir wurden die Flügel gestutzt. Ich guck mal, wie ich mich anderweitig nützlich machen kann."
Das war weniger gut. Sie hatten die Flügel verloren.
„Du hast das mitbekommen, oder Steve?"
„Ja... improvisieren wir halt ein kleines bisschen."
„Tust du das nicht schon die ganze Zeit? Bitte stirb nicht, okay? Und frag Sharon, ob sie mit dir ausgeht." Sie wollte ihn ein kleines bisschen aufziehen. Maria warf ihr einen Blick von der Seite zu.
„Manchmal hab ich echt das Gefühl, dass du und Natascha ein wunderbares Team abgeben würdet."
sagte er resigniert.
„Wieso?" Es machte Spaß, Steve zu ärgern. Wirklich.
„Später, jetzt muss ich weitermachen."
Es verstrichen weitere Minuten, in denen Jenn sich sinnlos auf ihrem Stuhl drehte und Hill irgendwas auf ihrem PC tippte. Bei ihrer letzten Umdrehung viel ihr allerdings etwas auf den Überwachungskameras auf. Um genau zu sein, eine Person, die sich auf Sam zubewegte und ihr in den letzten paar Tagen ziemlichen Ärger eingebracht hatten.
„Sam, du bekommst gleich Besuch."
„Von wem?"
„Rumlow" Jenn rollte mit den Augen. Der Typ war ein Ekel... ein nerviges, selbstgerechtes Ekelpaket.
„Irgendwas, was ich über ihn wissen sollte, bevor ich die dresche meines Lebens beziehe?"
„Ich würde ja sagen, geh ihm aus dem weg und versteck dich, aber ich bin auch der Feigling hier. Lass dich nicht von ihm packen und pass auf seine Rechte auf, die ist mies."
„Woher wusstest du, dass Rumlow eine miese Rechte hat?" Hill klang erstaunt.
„Hab Leute beobachtet. Ja, ich weiß... das ist gruselig und unhöflich, hat aber eine ganze Menge Ärger erspart."
Hill starrte wieder auf ihren Bildschirm, sprach allerdings weiter mit ihr.
„Inwiefern Ärger erspart?"
„Kennen sie dieses Gefühl, wenn sie jemand verfolgt? Es ist, so etwas wie eine Ahnung. Ich fühle ich unwohl, wenn mich jemand anlügt. Dieses Gefühl hatte ich bei den STRICKE Teams auch. Ich hab mir dann schön einen Kaffee in meine Thermosflasche umgefüllt und hab meine Pause mit dem stalken von Menschen verbracht... ich bin nicht Natascha, aber ich bin harmlos." Jenn grinste.
Hill schaute sie wieder an und verstand, was sie meinte. Sie wirkte nicht wie ein Killer auf Urlaub.
Wenn sie rumlief, war es nichts ungewöhnliches...
„Du wirst für andere unsichtbar, weil sie dich nicht als Gefahr einstufen..." murmelte Hill geistesabwesend.
„Sollte man meinen, nicht wahr?" sagte Jenn. Das war in der Highschool ihr größter Vorteil... wenn
Missi mal wieder Bock hatte, jemanden zu vermöbeln... Sie beobachtete die Lage und ging dem Ärger aus dem Weg. Nicht die mutigste Art, mit einem Konflikt umzugehen, aber es ist die Art, am längsten aus dem Krankenhaus zu bleiben.
Auf Hills Bildschirm tauchten Unmengen an roter Punkte auf. Das waren Ziele für Insight...
„Das sieht nicht gut aus... Cap?" Statisches rauschen... Hatte der etwa seinen Kommunikator ausgestellt? Warum?
„Steve hat seinen Ohrhörer ausgestellt... hoffen wir mal, dass er weiß, was er da tut..." murmelte Jenn. Das war so was von scheiße... Es krachte draußen. Sie schaute auf Hills Bildschirm. Die roten Punkte waren weg. Steve hatte es geschafft! Die Helicarrier zerstörten sich gegenseitig. Der Typ, der das programmiert hatte, war gerade auf Platz 3 ihrer Lieblingsleute gerutscht. Vorne waren gerade Sam und Steve.
Apropos Sam. Der fluchte gerade farbenfroh in ihr Ohr. Irgendwas von wegen 13. Stock.
„Was ist da draußen los, Maria?"
„Der letzte Helicarrier hat den Triskelion zerstört."
Wenn sie nicht gewusst hätte, dass Sam in Sicherheit gewesen wäre, hätte sie jetzt Panik gehabt. Da er allerdings sehr lebendig anhörte, war das in Ordnung. Wie ihre Mutter immer sagte, wer fluchen und sich beschweren kann, ist nicht tot. Sie liebte ihre Mutter. Wo war jetzt eigentlich Steve?
„Ich habe immer noch keine Verbindung zu Steve."
„Das wird schon." Das bezweifelte sie. Maria scheinbar auch, denn sie runzelte die Stirn.
Jenn, saß auf ihrem Stuhl und dachte nach. Es war vorbei... alles war vorbei. Kein Shield mehr, kein Rumlow mehr... kein Job mehr... nicht schon wieder...
„Jetzt sitze ich schon wieder auf dem Arbeitsamt... Yay!"
„Das wird kein Problem darstellen, es gibt viele Orte, an denen du arbeiten kannst. Tony Stark sucht immer jemanden." sagte Hill.
Tony Stark... der Typ, mit der großen Klappe.
„Das würden die Leute seelisch nicht überleben. Jarvis würde sich wahrscheinlich selbst löschen..."
murmelte Jenn. Mal im ernst... der Computer war netter als sein Programmierer.
„Das könnte durchaus sein. Ich hab Steve gefunden. Er liegt am Flussbett, südlich des Triskelion."
Wie sich herausstellte, war er bewusstlos. Außerdem sah er aus, als ob er eine Runde mit dem Terminator im Ring gedreht hätte. Wie er allerdings an das Flussbett kam, war Jenn schleierhaft... Die Strömung verlief in die falsche Richtung, also musste ihn jemand hierher gebracht haben. Die Frage, die sich hier stellte war, wer das gewesen war. Sie hatte eine Vermutung, die sie niemandem mitteilte, sie allerdings Steve mitteilte, als ein paar Tage später wieder zu sich kam. Er berichtete von den Ereignissen auf dem Helicarrier. Das Bucky da war. Das Bucky ihn so vermöbelt hatte. Sich scheinbar auf halber Strecke, Steve den Schädel zu Brei zu schlagen erinnerte, wer Steve war.
„Ich denke er hat dich aus dem Fluss gezogen." sagte Jenn stumpf heraus.
„Ja, dass denke ich auch." sagte Steve. Sam saß dazwischen und schaute von einem zum anderen.
„Und was hast du jetzt vor?" fragte Jenn.
„Ich warte ab, was Natascha herausgefunden hat und überlege dann, wie ich weiter machen werde."
Natascha bat einige Tage später darum, Steve auf dem Friedhof zu treffen, auf dem Fury angeblich beerdigt wurde.
„Es wird dir nicht gefallen, was ich herausgefunden habe, Steve." sagte sie. Sie sah die Männer an. Sam und Steve standen ihr gegenüber, als sie eine alte, vergilbte Akte hervorzog und Steve gab. Er schaute rein. Ein Foto von Bucky, welcher in einer Art Eisschrank eingeschlossen war, zierte die erste Seite.
„Du musst mir dabei nicht helfen." sagte Steve, als er den Blick wieder von der Akte hob.
Sam mochte Cap und wollte, dass er sich nicht die Schuld an dem gab, was seinem Kindheitsfreund widerfahren war. Außerdem verstand er Steve, was es heißt, einen Freund zu verlieren. Er dachte an Riley, seinen Flügelmann. Sein Endschluss stand fest. Er würde ihm helfen, egal was kommen würde.
„Ich weiß... Wann starten wir?" sagte Sam.
- Ende vom Winter Soldier Arc -
