Der Besuch bei Harry verlief fast ereignislos. Ich hatte versucht etwas herauszukriegen, doch die Lage schien unverändert. Man wusste nicht, was für ein Fluch ihn erwischt hatte und so blieb Remus und mir nichts anderes übrig, als ein paar Stunden an Harrys Bett zu sitzen. Es mussten schon ungefähr zwei Stunden vergangen sein, als es an der Tür klopfte. Doch statt wie erwartet eine Krankenschwester, traten Ron, Tonks und Mrs Weasley durch die Tür. Weder mein, noch Remus Gesichtsausdruck dürften sonderlich intelligent gewesen sein, doch auch die von Ron und Tonks standen unseren in nichts nach. Rons Mutter schien von den Spannungen, die zwischen uns Vieren herrschte, nichts zu wissen, denn sie plauderte fröhlich drauf los, als sie uns sah. „Hermine! Remus! Das ist aber nett euch hier zu treffen. Wie geht es euch?" Nachdem wir ein paar Worte mit Mrs Weasley ausgetauscht hatten, um nicht allzu unhöflich zu erscheinen, verließen wir fluchtartig das Krankenzimmer, ohne auch nur ein Wort mit Ron oder Tonks gewechselt zu haben. Wortlos blickten wir uns an und apparierten zurück in die Villa.
Dort holte Remus eine Flasche Feuerwhiskey aus dem Wohnzimmerschrank hervor und grinste mich schief an. „Ich weiß, es ist eigentlich zu früh zum trinken und es ist normalerweise auch nicht meine Art, aber diese Begegnung muss man einfach im Alkohol ertränken." Ich schaute ihn nachdenklich an. Kaum zwei Minuten vorher hatte ich einen ähnlichen Gedanken gehabt. Doch es schien mir nötig zumindest einen halbherzigen Einwand zu bringen. „Denkst du wirklich, Alkohol ist in dem Fall die Lösung?" Der Werwolf schien es nicht für nötig zu halten darauf zu antworten und zauberte stattdessen zwei Gläser herbei. Seufzend ergab ich mich in mein Schicksal und ließ mich auf das Sofa fallen.
Je leerer die Flasche wurde, also umso mehr auch unser Alkoholpegel stieg, desto weniger musste ich an Ron denken und desto mehr spürte ich Remus Nähe. Ich schalt mich selbst dafür, als mir bewusst wurde, dass ich immer näher an ihn heranrückte, doch gerade als ich unauffällig ein Stück zurück rutschen wollte, griff er nach meiner Hand. Verwundert sah ich auf und begegnete seinem sanften, fragendem Blick.
Es erschien mir merkwürdig mich vormittags mit einer meiner ehemaligen Schülerinnen zu betrinken, doch nach einigen Gläsern Feuerwhiskey trat dieser Gedanke in den Hintergrund und ich begann es zu genießen. Ja, wirklich. Ich genoss es hier mit der sonst so anständigen und unnahbaren Hermine zu sitzen. Der Alkohol schien sie lockerer zu machen und es war plötzlich so einfach sich mit ihr zu unterhalten. Es passierte mehr als einmal, dass mein Blick sich in ihren rehbraunen Augen verlor oder sich zu ihren vollen Lippen verirrte und ich mich fragte, wie es wohl wäre diese Lippen zu küssen. Am Anfang drängte ich diesen Gedanken beharrlich in die Tiefen meines Gehirns zurück, doch mit steigendem Alkoholpegel wurde das immer schwieriger. Rückte sie wirklich immer näher oder bildete ich mir das nur ein? Warum roch sie nur so gut? Und warum lag ihre Hand so einladend auf ihrem Knie? Die fixe Idee nach ihrer Hand zu greifen frass sich in mein Gehirn und ließ mich nicht mehr los. Sollte ich? Warum eigentlich nicht?
Unterbewusst schien irgendetwas in mir zu registrieren, dass sie wieder auf Abstand gehen wollte und so griff ich blitzschnell ohne weiter nachzudenken nach der Hand. Fragend blickte ich sie an, schließlich könnte es ja sein, dass es ihr unangenehm wäre. Sie schien überrascht zu sein, aber ich las keinen Widerwillen in ihrem Blick. Behutsam streichelte ich mit dem Daumen über ihren samtweichen Handrücken, während meine andere Hand zu ihrer Wange wanderte und sanft drüber fuhr. Einen Moment lang fragte ich mich, was ich da eigentlich tat, aber dann nahmen mich ihre rehbraunen Augen wieder gefangen.
Der Alkohol und ihr Blick verleiteten mich schließlich dazu mich zu ihr zu beugen und ihre Lippen sanft mit den meinen zu streifen. Nur wenige Zentimeter befanden sich zwischen uns, als ihr Mund sich zu einem Lächeln verzog. Ihre Hand streichelte in kleinen Kreisen meinen Rücken und einen Moment lang fragte sich der rationale Teil in mir, wie diese dort hingekommen war, doch dann waren ihre Lippen wieder auf meinen und alles Denken, das der Alkohol noch nicht ausgeschaltet hatte, verabschiedete sich endgültig. Zaghaft öffnete sich ihr Mund und vorsichtig und fragend ließ sie ihre Zunge über meine Lippen streicheln. Ebenso zaghaft öffnete ich meinen Mund und schickte meine Zunge der ihren entgegen. Während sich unsere Zungen in einem ersten Kuss trafen, zog ich Hermine sanft zu mir und ließ mich mit ihr nach hinten sinken, bis wir schließlich auf dem Sofa lagen.
