Soo, da bin ich wieder. Etwas schneller diesmal - bedankt euch bei Severina35, die mich mit leichtem Tadel an frühere Zeiten erinnert hat.. Jaja, früher war ich schneller im Upload. Ich versuch mich zu bessern, ehrlich!

Dann noch eine Mitteilung für alle, die es vielleicht nicht bemerkt haben: Ich schreibe grade "Geschenk ohne Absender" aus Dracos Sicht - allerdings auf Englisch. Charm of Realization heißt das gute Stück - könnt ja mal reinschauen, wenn ihr Lust habt!

Dank meinen wunderbaren Reviewern: Vivann, Enlya, Severina35, Juliet, Draco1990, SweetVanilla, garfieldsg08, angellike, Minnilein, popcorn1986, wobbeltierchen, Jolinar89, glenmore, mira, LadyMariann und Soulfish!

XXX

Im ersten Augenblick reagierte Harry überhaupt nicht und Draco genoss einfach das erhebende Gefühl, die Lippen seines Gegenübers fühlen und sogar schmecken zu können. Nie hatte er sich besser gefühlt.

Dann, für den winzigsten Bruchteil einer Sekunde, hatte er den Eindruck, der Gryffindor würde den Kuss tatsächlich erwidern - woraufhin sein Magen einen formvollendenten Salto mortale mit anschließender Radwende vollführte und er eine Sphäre der Zufriedenheit erreichte, die sehr Malfoy-untypisch war.

Dieser Moment der Vollkommenheit wurde jedoch dadurch zerstört, dass Harry ihn im nächsten Augenblick mit solcher Wucht von sich herunter stieß, dass nun Draco selbst anstelle seines Magens einen halben Rückwärtssalto hinlegte und mit dem Kopf voran rücklings vor dem Bett zum Liegen kam. Hatte Harry den Kuss wirklich erwidert oder war sein ohnehin geschädigter Verstand nun völlig verschütt gegangen und hatte ihm vorgegaukelt, was er sich zu fühlen wünschte?

"Was sollte das, Malfoy?" fuhr Harry ihn wütend an und richtete sich in dem Bett in eine sitzende Position auf. Seine Robe verrutschte ungewollt und ermöglichte Draco einen überaus interessanten Einblick auf seine Kehle und den Schwung seiner Brustmuskeln.

"Das.. äh..." Er schluckte angestrengt und suchte fieberhaft nach irgendeiner Erklärung für sein Verhalten. Allerdings war die Auswahl irgendwie beschränkt - welche guten Gründe konnte man schon haben, seinen Erzfeind zu küssen?

"Er hatte einen Schwächeanfall, ist doch ganz klar", erklang es da fachmännisch von der Tür her und Darry, den sie so bald nicht zurück erwartet hatten, flatterte sich den Kopf reibend ins Zimmer, "habe es genau gesehen. Seine Arme sind weggeknickt und aus Versehen haben seine Lippen eben deine gestreift. Was hast du denn gedacht, hä? Dass er dich küssen wollte?" Der Elf setzte eine unerträglich wissende Miene auf und lächelte leicht.

Harrys Gesicht verdüsterte sich - ob aus Ärger oder aus Enttäuschung (aber weshalb sollte Potter enttäuscht sein?) konnte Draco nicht sagen. "Was weiß ich, was er wollte", brummelte er und wandte das Gesicht ab - irrte sich Draco oder hatte sich ein sanfter Rotschimmer auf die bronzene Haut des Goldjungen gelegt? Unerwartet. Und irgendwie niedlich. "Es geht schließlich um Malfoy, als ob der jemals irgendetwas tun würde, dass auch nur ansatzweise nachvollziehbar wäre."

"Phh", machte Draco und dankte dem Herrn aus den Tiefen seiner Seele dafür, dass der Elf sich gerade diesen Augenblick ausgesucht hatte, um Harry richtig schön zu verwirren, "da das von dir kommt, dem Meister der schlechten Ideen, nehme ich das mal als Kompliment!"

"Was du so alles als Kompliment auffasst", murmelte Harry leise und stieg aus dem Bett - anscheinend hatte er das Interesse daran verloren oder er verband es mit zu peinlichen Erinnerungen, als dass er weiter darauf liegen konnte.

Draco, dem jedenfalls jedes Mal sobald er das Bett ansah leicht schwummerig wurde, durfte sich dieses Verhalten natürlich aufgrund seines Rufes nicht anmerken lassen und kroch langsam wieder zurück auf die Matratze in seine Ausgangsposition. Er verschränkte die Arme hinter seinem Kopf und fragte beiläufig: "Wie spät ist es eigentlich?"

Harry starrte aus dem Fenster - draußen war die Sonne gerade am Untergehen - und zuckte mit den Schultern. "Nicht so spät, schätze ich", meinte er, auf den vorischtigen Small-Talk-Tonfalls Dracos eingehend, "warum?"

"Wenn es Nacht wäre könnte ich schlafen... und wäre so wenigstens aus deiner bewussten Gegenwart erlöst", antwortete Draco und war ein wenig stolz auf diese Antwort. Zurück zur Normalität, endlich!

Harry versteifte sich merklich und ging einen Schritt näher ans Fenster ran. "Dann schlaf doch oder halt wenigstens die Klappe, damit ich deine Stimme nicht die ganze Zeit hören muss", forderte er genervt, seine Umrisse von den letzten Strahlen der Abendsonne in ein goldiges Licht getaucht, das seinem Ruf als "Goldjungen" nur schmeichelte. Er sah aus wie aus Messing gegossen, eine Statue für die Ewigkeit, und Draco hätte gut und gerne einige Stunden damit verbringen können, diesen Anblick tief in sich einzusaugen.

"Wo guckst du da hin?" quäkte es da plötzlich neben seinem Ohr, und Draco erschrak dermaßen, dass er nach der Quelle dieser Störung schlug wie nach einem Wecker - und Darry somit sein zweites k.o. innerhalb kürzester Zeit einbrachte.

Der Elf segelte wie vertrocknetes Laub auf das Bett hinab und blieb bewusstlos liegen, die Arme von sich gestreckt und ein fast seeliger Gesichtsausdruck unter dem anschwellenden blauen Auge, das Draco ihm so eben beschert hatte.

"Verdammt!" fluchte Draco auf und kniete sich neben dem zierlichen Wesen hin, Darry vorsichtig anstupsend, "das ist doch nicht wahr!"

"Hmm?" machte Harry, während er sich von dem Anblick der Abendsonne los riss, "was ist denn?" Dann fiel sein Blick auf den laut schnarchenden Darry, dessen kleines hübsches Gesichtchen allmählich Ähnlichkeit mit einem matschigen Erdbeerkuchen annahm. "Oh Malfoy", sagte er dann vorwurfsvoll, "warum hast du das denn gemacht?"

Draco verdrehte genervt die Augen und warf Harry einen säuerlichen Blick zu. "Auch wenn es für dich vielleicht ein Schock ist: Das habe ich nicht mit Absicht gemacht!"

Harry beachtete ihn kaum sondern gesellte sich ebenfalls auf das Bett, Draco gegenüber, und stieß von seiner Seite aus gegen Darrys Brustkorb. Der schlief seelenruhig weiter. "Kaum zu glauben, dass jemand, der so unkoordiniert ist wie du tatsächlich Sucher geworden ist!"

"Ich bin nicht unkoordiniert!" gab Draco gereizt zurück, seine Aufmerksamkeit nun von Darry auf den Gryffindor lenkend, "er hat mich nur erschreckt!"

"Erschreckt", wiederholte Harry gelassen und lupfte ironisch eine Augenbraue, "und seit wann bist du so ein schreckhaftes Kerlchen?"

Dracos Augen begannen vor Wut zu funkeln, jenes ganz spezielle Glitzern das nur Harry Potter vergönnt war weil nur jener junge Mann ihn zu solcher Wut treiben konnte. "Ich war gerade in Gedanken!" fauchte er wütend, sich gar nicht dessen bewusst, dass er sich durch diese unbedachte Äußerung auf ziemlich dünnes Eis begab.

"Ach", machte Harry fragend und lächelte leicht, "und was hat dich so tief in Gedanken versetzt?"

Dracos blasse Wangen färbten sich in ein sanft rot und er sah hastig auf den Elf. Eine Ausrede, eine Ausrede, ein Königreich für eine sinnvolle Ausrede! "Pansy", stieß er dann plötzlich hervor, sich innerlich dafür tretend aber einfach nicht in der Lage etwas halbwegs vernünftiges zu sagen.

Harry sah so aus als hätte er so eben eine Nacktschnecke verschluckt. "Pansy?" quietschte er wie eine Gummimaus, auf die man draufgetreten ist, "Pansy Parkinson?"

"Kennst du noch eine Pansy, Potter?" fragte Draco genervt, sich nicht ganz im Klaren darüber ob er geschockt oder erfreut sein sollte, dass Harry tatsächlich glaubte er würde im jetzigen Augenblick auch nur eine Sekunde damit verbringen, an diese Sumpfkuh Pansy zu denken. Pansy, bei Gott!

"Nein", erwiderte Harry schwach, immer noch in dem Tonfall einer halb erstickten Ente, "aber ich hätte dich eigentlich für schlauer gehalten."

Draco blinzelte verblüfft - das war für Slytherin-Verhältnis ein Kompliment, wenn es auch für jeden Gryffindor wohl eine Beleidigung gewesen wäre - und formte die Äußerung in seinen Gedanken um. Hatte Potter gerade gesagt, dass er schlau war? "Ich glaube, das ist das Freundlichste was du jemals zu mir gesagt hast."

Harry starrte ihn einen Augenblick lang sprachlos an, legte dann seine Stirn in Falten und schien nachzudenken, bis schließlich ein entschuldigendes Lächeln über seine Züge huschte, das Draco schier den Atem raubte. "Ich schätze, da hast du sogar Recht."

Der Slytherin konnte nicht anders als zurückzulächeln und so saßen sie ein paar Sekunden einfach nur da und grinsten sich auf eine leicht debil wirkende Weise an. Ein forderndes Klopfen an der Tür riss sie aus dieser Beschäftigung, gerade als Draco den Mund öffnete um etwas zu sagen. Er runzelte leicht die Stirn und rief dann etwas frustriert, weil der Moment zerstört war: "Ja?"

Die Tür flog auf und Pansy Parkinson stürzte herein, dicht gefolgt von Blaise Zabini und Lavendar Brown sowie dieser plumpen Elfe, die Pansy mit Brown erschaffen hatte. Draco lupfte angesichts dieses Ansturms eine Augenbraue und seufzte innerlich. "Was wollt ihr denn?"

"Drac", rief Pansy atemlos, "ich hab es gerade erst gehört. Du und Potter, hier, alleine. Mein armer Schatz!"

Draco wurde schlagartig rot - das Letzte, was er wollte, war von Pansy als ihr "armer Schatz" bezeichnet zu werden während Harry neben ihm saß - und hob abwehrend die Hände. "Ist schon in Ordnung, Pansy."

Blaise grinste fröhlich bei diesen Worten und warf einen eindringlichen Blick auf Harry, dessen grüne Augen Pansy mit einem merkwürdig hasserfüllten Ausdruck musterten. "Siehst du, Pansy, ich hab dir doch gesagt, dass wir ihn lieber in Ruhe lassen sollten."

Derweil fing die Elfe dümmlich an zu grinsen, flog auf Draco zu und krallte sich dann mit erstaunlicher Kraft an der Vorderseite seiner Robe fest, etwa auf Brusthöhe. "Du siehst gut aus", stellte sie fest, ihr Gesicht in den weichen Stoff kuschelnd, "bei dir will ich bleiben!"

"Ieekh", machten Pansy und Lavendar im Chor und starrten die Elfe entsetzt an, "lass das, Lansy!"

Draco, der bisher leicht verwirrt auf das an ihm klebende Wesen gestarrt hatte, hob jetzt den Blick und sah die beiden spöttisch an. "Das Viech heißt Lansy?"

Blaise brach plötzlich in lautes Gelächter aus und deutete auf Lavendar, somit die Aufmerksamkeit aller auf sich lenkend. "Brown, du stehst ja dann auch auf Draco", kicherte er vergnügt, "herrlich herrlich! Gibt es eigentlich irgendwen, dem es nicht so geht?"

Lavendars Gesicht nahm innerhalb von zwei Augenblicken die Farbe einer erblühten Pfingstrose an, während Draco leicht entnervt den Kopf schüttelte. Was interessierte es ihn denn, ob Brown was von ihm wollte?

"Was?" zischte Harry da, erstaunlicherweise anscheinend sehr aufgebracht, "Lavendar auch noch?" Es schien ihn nicht zu stören, dass Lavendar verliebt war - sondern viel mehr in wen sie verliebt war. Draco betrachtete ihn erstaunt. War Potter etwa eifersüchtig?

"Natürlich", erklärte die Elfe da mit der Selbstverständlichkeit mit der man wohl auch die Tatsache erklären würde, dass morgens die Sonne aufgeht, "und es ist doch verständlich." Sie schmiegte sich noch enger an Draco, seinen Blick so wieder auf sich ziehend. Er verzog den Mund angewidert.

"Könnte jemand das Ding von mir runter nehmen?" fragte er leicht entnervt, woraufhin keiner reagierte - Pansy und Lavendar starrten sich plötzlich mit einer fast amüsanten Art von offener Feindseligkeit an und Blaise lachte sich immer noch die Seele aus dem Leib. Hoffentlich erstickt er an seinem blöden Gelächter, schoss es Draco undankbar durch den Kopf, als Harry plötzlich nach vorne langte und Lansy von seiner Brust klaubte wie ein lästiges Insekt.

"Da", sagte er, deutlich angesäuert, "nehmt das Ding und verschwindet!" Er glitt vom Bett herunter, drückte Lavendar die Elfe mit schon fast etwas mehr als sanfter Gewalt in die Hand und drehte sich dann zu Blaise um. "Und du solltest endlich aufhören zu lachen, Zabini!"

Draco starrte ihn mit einer Mischung aus Fasziniation und Verwirrung an - das war nicht der Harry Potter, den er kannte. Dieser schien gleich Feuer spucken zu wollen, auch wenn ihm nicht unbedingt klar war, warum. Auf jeden Fall war es ein wirklich angenehmer Anblick.

Blaise beruhigte sich allmählich und von seinem Lachen blieb nicht viel übrig bis auf das patentierte Zabini-Grinsen, dass jedem Normalsterblichen eigentlich den Kiefer brechen müsste. Mit fröhlich funkelnden Augen verfolgte er, wie Lavendar und Pansy aus dem Zimmer schlichen wie getretene Hunde und machte dann eine kleine spöttische Verbeugung. "Entschuldigt die Störung, meine Herren", flötete er, "wir lassen Sie wieder allein. Nutzt die Zeit." Er warf Draco noch rasch einen anzüglichen Blick zu und verschwand dann, die Tür sanft hinter sich schließend.

"Potter", sagte Draco dann, den Blick auf die Tür gerichtet, "was ist denn bloß in dich gefahren?"

Der Gryffindor sah ihn wutsprühend an. "Wenn ich das bloß wüsste", brüllte er frustriert, stieß die Tür zum Badezimmer auf, huschte hinein und schlug die Tür wieder zu. Draco blieb verdattert mit seinem bewusstlosen Elf zurück, während sich langsam aber sicher ein Lächeln auf seinen Lippen breit machte.