Jayc: Danke für dein feedback. Es freut mich, dass dir der Anfang des Kapitels gefiel. Es war gar nicht so leicht, die relevanten Informationen möglichst kurz darzulegen und ich brauchte mehrere Anläufe, bis ich halbwegs zufrieden war.
Ich schreibe nur aus Spaß an der Freud' und bedanke mich bei J. K. Rowling für das Ausleihen der Charaktere.
Kapitel sieben
Es war ein regnerischer, stürmischer, viel zu warmer Herbsttag gewesen und Brenda war mit den ersten Vorboten von Kopfschmerzen früh zu Bett gegangen. Ihre Hoffnungen auf eine ungestörte, erholsame Nacht wurden allerdings jäh zunichte gemacht, als es laut und beharrlich an ihrer Tür klopfte. Halb zwei, wie ein verschlafener Blick auf den Wecker verriet. Die Kopfschmerzen hatten sich als dumpfe Präsenz in den Nacken verlagert, sie fühlte sich unangenehm steif und benommen.
„Bren? Bist du wach? Brenda? Entschuldigung, aber wir brauchen dich. Zieh dir was über und komm ins Wohnzimmer", drang Kingsleys Stimme durch die Tür.
Schlaftrunken kam sie seiner Bitte nach. Wer war ‚wir'? Als sie ins Bett gegangen war, waren nur Kingsley und sie im Haus gewesen, alle anderen befanden sich auf irgendwelchen Missionen außerhalb Londons. Was war los? Neugierig, aber immer noch nicht richtig wach, zog sie eine Sweatjacke über ihren Schlafanzug und machte sich auf den Weg nach unten. Der Flur lag im Dunkeln, aus dem Wohnzimmer drangen Licht und gedämpfte Männerstimmen. Jemand war offenbar in der Nacht noch gekommen. Sie öffnete sie Tür, die nur angelehnt war, ganz und musste den plötzlichen auftretenden Brechreiz unterdrücken. Es roch durchdringend nach Blut. Sie holte tief Luft durch den Mund und starrte fassungslos das auf Bild, das sich ihr bot. Der Kapuzenmann war wieder da, in seinen bekannten Umhang gehüllt. Zusammen mit Kingsley kniete er vor dem Sofa, auf dem ein altes Laken ausgebreitet war und blutüberströmt ein offenbar bewusstloser Mann lag.
„Er hat furchtbar viel Blut verloren", murmelte Kingsley, während er den Mann von seiner zerfetzten Kleidung befreite.
„Ich konnte ihn nicht früher holen, ohne Verdacht zu erregen. Wir waren mitten in einer Besprechung mit dem Dunklen Lord, als Greyback und seine Leute hereinplatzten und anfingen, mit ihren Heldentaten zu prahlen… Merlin, wie ich dieses Vieh verabscheue!", knurrte es aus der Kapuze.
Kingsley seufzte.
„Schon gut, ich mache dir keine Vorwürfe. Du tust wirklich alles für uns…"
Abrupt stand er auf und warf das Kleiderbündel mit erbittertem Schwung in eine Ecke.
„Wenn wir nur zaubern könnten, verdammt noch mal. Es wäre eine Kleinigkeit, die Blutungen zu stillen und mit einem Blutbildungstrank… Aber wir sind ja auf diese Scheißmuggelmethoden angewiesen!"
Brenda hielt es für an der Zeit sich bemerkbar zu machen. Sie gab der Tür einen Schubs, so dass sie mit einem Klicken ins Schloss fiel. Der gewünschte Effekt trat ein, die beiden Männer drehten sich synchron zu ihr herum.
„Eh…hallo, da bin ich."
„Bren, wir haben einen Verletzten. Biss- und Kratzwunden, Prellungen, Blutverlust..."
Kingsley kam auf sie zu.
„Du hast gesagt, du verstehst was von Krankenpflege."
Brenda nickte zögernd. Ja, gewiss, das hatte sie gesagt, aber jetzt, wo sie sich diesen hässlichen Verletzungen gegenüber sah, war sie sich nicht mehr so sicher…es war Jahre her… sie hatte sich nie mehr damit beschäftigt, höchstens die Grundlagen waren vielleicht hängen geblieben. Egal, es blieb ihr ja nichts anderes übrig, der Verletzte brauchte Hilfe, sie hoffte nur, ihr Eingreifen würde ihm nicht mehr schaden als nützen…
„Ich hole das Verbandszeug", sagte sie und eilte hinaus.
Als sie mit dem Erste-Hilfe-Kasten und einer Schüssel heißem Wasser zurückkam, hatten die beiden Männer den Verletzten bis auf die Unterhose ausgezogen. Der Kapuzenmann stand auf und schob Brenda an seinen Platz vor dem Sofa.
„Ich will nicht länger stören."
Kingsley drehte sich empört um.
„Du störst doch nicht." Und mit einem zweifelnden Blick auf Brenda.
„ Du kannst jetzt nicht gehen. Wir können jede Hilfe gebrauchen."
Aus den Tiefen der Kapuze kam eine Mischung aus Schnauben und spöttischem Lachen.
„Ach, Kingsley, verdammt, du weißt doch, ich kann nicht bleiben. Sie feiern immer noch den gelungenen Überfall, ein paar sind vielleicht noch so nüchtern, dass sie merken, was um sie herum vorgeht. Es würde Verdacht erregen, wenn ich die ganze Zeit wegbliebe. Ihr schafft das schon. Ich habe vollstes Vertrauen zu Ms Wilsdon. Und ansonsten … hier…
Er zog drei kleine Glasflasche aus den Tiefen seines Umhangs und reichte sie Kingsley.
„Murtlapessenz, Blutbildungstrank und etwas gegen die Schmerzen. Du weißt schon, wie du damit umgehen musst."
Kingsley nickte stumm, seine Erleichterung war fast greifbar. Der Kapuzenmann hielt ihm eine weitere, größere Flasche hin.
„Falls ich es nicht schaffe, noch einmal vorbeizuschauen…Das braucht er auch, es ist bald Vollmond."
„Danke."
Ein kurzes Nicken, ein wehender schwarzer Umhang und dann waren sie allein im Wohnzimmer. Draußen fiel die Haustür ins Schloss.
Kingsley reihte die Flaschen ohne weiteren Kommentar sorgfältig auf dem Fensterbrett auf.
Brenda verkniff sich ihre neugierigen Fragen nach der Eigenschaft ihres Inhalts, holte tief Luft, zerrte sich ein paar sterile Handschuhe über die Hände und machte sich an die Arbeit. Voll erstaunter Genugtuung stellte sie fest, dass die Handgriffe noch saßen. Zusammen mit Kingsley arbeitete sie in grimmigem Schweigen, säuberte und desinfizierte die Wunden. Einige davon sahen böse aus, tief, klaffend, mit ausgefransten Rändern, sie hätten eigentlich genäht werden müssen, aber dafür hatte sie weder das nötige Handwerkszeug noch die Fertigkeiten. Zu ihrer Überraschung nahm Kingsley das äußerst gelassen, befahl ihr, die Wundränder zusammenzudrücken, öffnete eine der beiden Flaschen und träufelte etwas von ihrem Inhalt auf die größten Verletzungen. Die Heilung setzte auf der Stelle ein, wie im Zeitraffer schlossen sich die Wunden, die Blutungen hörten auf. Brenda traute ihren Augen nicht, tippte vorsichtig mit dem Finger auf den blassrosa Strich, der Sekunden zuvor noch ein blutiges Loch und zerrissenes Gewebe gewesen war, während Kingsley unzufrieden brummte:
„Es reicht natürlich bei weitem nicht. Man bräuchte noch einen oder zwei Heilzauber zur Unterstützung, dann würden sich fast keine Narben bilden, aber es ist besser als die Muggelmethoden". Dem konnte Brenda nur mit einem sprachlosen Nicken vorbehaltslos zustimmen, während sie die kleineren Wunden auf Muggelart versorgte.
Sie waren gerade fertig geworden und hatten eine Decke über den Verletzten gebreitet, als dieser sich regte, stöhnte und die Augen aufschlug.
„Remus!"
Kingsley beugte sich ganz dicht über den Mann. Dieser blinzelte desorientiert in den Schein der Stehlampe, schluckte heftig und seine Mundwinkel zuckten.
„Remus, Merlin sei Dank, dass du wach bist, du hast so viel Blut verloren. Hier, trink das."
Kingsley hielt ein weiteres von den Fläschchen hoch und schob einen Arm unter den Kopf des Verletzten, um ihn etwas aufzurichten. Der Mann namens Remus nickte schwach und schluckte gehorsam die rötliche Flüssigkeit, die an seine Lippen gehalten wurde.
„Kingsley… wieso… wie… wer", stammelte er mühsam mit tonloser Stimme.
„Es ist gut, Remus. Mach dir keine Gedanken. Es gibt immer noch genug Menschen, die auf unserer Seite sind."
Der Verletzte runzelte fragend die Stirn.
„Frag nicht. Ich kann dir keine Antwort geben. Hier, ein Schmerztrank."
Behutsam legte Kingsley ihn anschließend auf dem Kissen ab.
„Schlaf jetzt, Remus. Sieh zu, dass du wieder gesund wirst."
Ein letztes aufmunterndes Nicken und Kingsley verließ das Wohnzimmer, bevor der Verletzte weiter fragen konnte.
Brenda zuckte entschuldigend die Achseln und schenkte dem Mann auf dem Sofa ein aufmunterndes Lächeln, während sie eine Decke entfaltete und über ihm ausbreitete. Dann machte sie sich daran, das restliche Verbandszeug einzusammeln. Als sie fertig war, war er wieder eingeschlafen. Sie griff sich noch das schmutzige Kleiderbündel und folgte dann Kingsley in die Küche.
Dieser hatte schon den Wasserkessel aufgesetzt und suchte nach einer neuen Packung Teebeutel.
Brenda räumte den Erste-Hilfe-Kasten weg, lehnte sich dann gegen die Spüle und räusperte sich vielsagend.
„Sag mal… dieser… dieser Mann mit der Kapuze … der selbstlose Retter und Beschützer… King, wer ist er?"
Der Schwarze verharrte, einen Teebeutel in der Hand. Langsam drehte er sich um, sein Gesicht war verschlossen, sein Ton abweisend.
„Das spielt keine Rolle, Bren. Er riskiert immer wieder sein Leben, indem er uns hilft, und ohne seine Hilfe hätten wir schon längst einpacken können. Je weniger Leute von ihm wissen, desto geringer ist die Gefahr, dass er auffliegt. Tee?"
Der steinerne Gesichtsausdruck des Schwarzen machte deutlich, dass er sich zu dem Thema des mysteriösen Helfers nichts mehr würde entlocken lassen und Brenda gab zähneknirschend klein bei und nahm brav ihre Tasse Tee in Empfang.
Remus' Heilungsprozess machte gute Fortschritte, er war ein überaus geduldiger und hilfsbereiter Patient, der sich nie über Brendas unzulängliche Muggelheilkünste beschwerte. Sobald er wieder einigermaßen bei Kräften war, verlegten sie ihn nach oben in das zweite Bett in Kingsleys Zimmer.
Mit den anderen Ordensmitgliedern diskutierte Kingsley die Lage. Dabei fiel immer wieder der Name ‚Greyback', aber die Gespräche beschränkten sich auf Allgemeinplätze und Andeutungen, sobald Brenda mit im Zimmer war. Ihr war klar, dass diesen freundlichen, harmlos wirkenden Remus ein Geheimnis umgab, in das man sie nicht einweihen wollte. Gegen Ende des Monats kam Remus zwei Tage lang nicht aus seinem Zimmer. Kingsley untersagte ihr rundweg, nach ihm zu sehen und schlief selbst im Wohnzimmer. Dann erschien Remus wieder in den unteren Räumen, wirkte zwar noch recht mitgenommen, aber sein Zustand war in keiner Weise ungewöhnlich. Niemand verlor ein Wort über sein Verschwinden. Kingsley informierte alle, dass Remus auf sein Anraten hin das Haus zu seinem ständigen Wohnsitz machen würde, aus Sicherheitsgründen.
Der nächste Monat verging ohne weitere Ereignisse, Remus verbarrikadierte sich wieder für zwei Tage in seinem Schlafzimmer. Alle akzeptierten dieses Verhalten, schienen zu wissen, warum er das tat, aber jeder wich Brendas diesbezüglichen Fragen aus.
Kurz vor Weihnachten kehrte er von einer seiner Aktionen zurück und brachte einen sehr blonden jungen Mann mit, der sich als Draco vorstellte. Draco hatte eine böse Schnittwunde am Arm und wurde gleich in Brendas Obhut gegeben.
„Du erinnerst mich an jemanden", sagte sie beiläufig, um Konversation zu machen, während sie ihm gegenüber auf einem Küchenstuhl saß, den Schnitt zusammenpresste und wartete, dass die Zaubertinktur wirkte. Der junge Mann schnitt eine Grimasse.
„O, verdammt, natürlich, ja, ich bin der Sohn von Lucius Malfoy", sagte er ungehalten und machte unwillkürlich eine so heftige Bewegung mit seinem unverletzten Arm, dass er fast Brendas Erste-Hilfe-Kasten vom Tisch fegte. „Ich kann es nicht leugnen, ich sehe meinem Vater ähnlich – aber bei dieser Äußerlichkeit bleibt es auch, kapiert? Seine Ansichten teile ich ganz und gar nicht, sonst wäre ich wohl nicht hier, oder? Ich habe seit Jahren mit meinem Vater keinen Kontakt mehr."
„Schon gut, tut mir leid", meinte Brenda schnell, erschrocken über die heftige Reaktion, die sie ausgelöst hatte. „Ich weiß nichts über deinen Vater, ich habe ihn nur einmal getroffen, ich kann nichts Schlechtes über ihn sagen."
„Außer, dass er ein Todesser der ersten Generation ist? Todesser durch und durch? Ein besonders enger Vertrauter von Du-weißt-schon-wem? Das reicht doch wohl, oder?"
Seufzend bewegte Draco seinen Arm, testete den Sitz des Verbands und schenkte Brenda ein schiefes Lächeln.
„Nichts für ungut. Es geht mir nur furchtbar auf die Nerven, dass man mich immer mit meinem Vater in Verbindung bringt, ich habe mir schon mal überlegt, die Haare zu färben, aber…"
Draußen im Flur wurde die Haustür geöffnet und laute Stimmen erfüllten den Flur. Dann wurde die Küchentür aufgerissen und die drei Weasleys stürmten herein. Als sie Dracos ansichtig wurden, blieben sie wie angewurzelt stehen.
„O, nein …shit … Malfoy…"
„O, die Familie Weasley… schön, euch zu sehen", gab der blonde Mann betont liebenswürdig zurück, während er eine Verbeugung andeutete. Und nach einer peinlichen Pause, die sich ins Unendliche auszudehnen drohte, fügte er spöttisch hinzu: „Ihr müsst euch schon daran gewöhnen, ich gehöre zu euch."
„O…o ja, sicher. Hallo Draco," antwortete Ginny schnell, während ihre Brüder etwas unverständliches vor sich hin brummelten und ihre Fußspitzen in Augenschein nahmen.
„Wo ist King?" fragte Ron schließlich.
„Im Wohnzimmer mit Remus", sagte Brenda und fing an, ihre Sachen zusammen zu räumen, während die drei Geschwister das Wohnzimmer stürmten.
Draco saß stocksteif auf seinem Stuhl, die Lippen fest zusammengekniffen.
„Du hast es nicht leicht als Sohn deines Vaters", stellte Brenda mitfühlend fest. Sie erntete ein betont gleichgültiges Schulterzucken.
„Sollen wir rübergehen und hören, was es so wunderbares Neues gibt?" fragte sie weiter mit einer Kopfbewegung Richtung Wohnzimmer, von wo lautes Stimmengewirr herübertönte.
Wieder zuckte Draco mit den Schultern, stand dann aber auf und begleitete sie durch den Flur ins Wohnzimmer.
„…die Wachleute standen unter dem Imperius…"
„… es waren vier Todesser… sie waren sich ihrer Sache völlig sicher…"
„… keinerlei Vorsichtsmaßnahmen… die waren total baff…"
„… es war echt easy… fünf Minuten, dann waren wir weg, die überlegen wahrscheinlich immer noch, was passiert ist…"
„… nein, wir haben sie nicht getötet… dreifacher Confunduszauber reicht, die wissen erst mal nicht mehr, wie sie heißen…"
„… das war eine ganz große Sache… echt krass, dein Informant, King."
„Du-weißt-schon-wer wird sich vor Wut in den Hintern beißen…"
„Nein, wir sind doch nicht blöd, wir haben alles umgeräumt, die Originalkassetten liegen in einem alten Steinbruch…"
Aufgeregt gestikulierend liefen die drei Weasleys hin- und her und redeten begeistert durcheinander. Vor ihnen stand ein alter, aufgeklappter Koffer und darin stapelten sich Banknotenbündel. Brenda nahm vorsichtig eins heraus und blätterte es auf. 100 Pfund-Noten… hunderte davon…
„Habt ihr eine Bank überfallen?"
„Nein, King wusste, dass die Todesser einen Muggelgeldtransport ‚umleiten' wollten. Da haben wir einfach die Umleitung umgeleitet in eine Spende für den Orden, das reicht eine Weile, nicht wahr King."
Kingsley nickte. Sein Blick ruhte gebannt auf den Geldscheinen und wanderte dann kurz zu Remus, der leicht nickte.
„Gut gemacht, Leute", sagte der Schwarze und lächelte.
„Sag deinem Verbindungsmann einen schönen Gruß, der Tipp war echt toll", rief Ron.
„Ich möchte ihn gern mal kennenlernen. Lade ihn für morgen ein, wir feiern eine Party", schlug Ginny vor, „oder wenn das zu kurzfristig ist, vielleicht zu Weihnachten."
Kingsley grinste. „Er würde nicht kommen. Er ist nicht der Partytyp."
„Ich würde ihn trotzdem gerne kennenlernen", versuchte Ginny erneut ihr Glück. „Von uns allen hier kennt ihn nur Bren."
„Kennen ist übertrieben", protestierte diese.
Kingsley stand auf und streckte sich ausgiebig.
„Und so soll es auch bleiben."
Sein Tonfall war unzweideutig. Das Thema war beendet.
