Danke an Alana Agra für den Like. :)

misska: Ich versuche immer, meine Geschichten auch zu Ende zu bringen. Manchmal kann es etwas länger dauern, aber ich will nichts unbeendet stehen lassen. Schön, dass dir mein Schreibstil und meine Geschichte gefallen. Ich hoffe, du liest fleißig weiter. :)


Bellatrix nahm das Angebot der Eheberaterin an und ging in die zusätzlichen Stunden. Rodolphus hatte den Eindruck, dass es ihr gut tat, wenn sie mit jemandem endlich über ihre Gefühle zum Dunklen Lord sprach und Hilfe dabei bekam, ihrem Kummer aufzuarbeiten.

Bellatrix erzählte ihm nicht, was sie mit Charlotte besprach und Rodolphus musste zugeben, dass er es auch nicht wissen wollte. Er verstand sich selbst nicht. Er verstand nicht, warum ihn Bellatrix´ Geständnis so sehr beschäftigte, hatte sie doch eigentlich nur das laut ausgesprochen, was er seit Jahren wusste. Dennoch hatte es ihn verletzt. Es tat weh. Und es belastete ihn. Es war praktisch eine endgültige Bankrotterklärung an ihre Ehe, dass sie all die Jahre nur eine Zweckgemeinschaft geführt hatten.

Er vermied jedoch, sich gegenüber Bellatrix etwas anmerken zu lassen und er erwähnte auch gegenüber der Eheberaterin kein Wort. Er war noch nicht so weit und im Moment war es wichtiger, dass es Bellatrix besser ging.

Rodolphus merkte, dass sie Fortschritte machte. Sie weinte nicht mehr und war ausgeglichener und ruhiger. Ihr Zusammenleben gestaltete sich angenehmer, worüber Rodolphus sehr froh war.

Mittlerweile waren sie seit zwei Monaten auf freiem Fuß. Es war Mitte Juli und der Sommer erreichte allmählich seinen Höhepunkt. In vier Wochen war ihr 28. Hochzeitstag. Er sah dem Tag mit gemischten Gefühlen entgegen. Was bedeutete der Tag heute noch? Erst recht nach Bellatrix´ Geständnis.

Während ihrer Sitzungen in der Eheberatung war ihr Privatleben bislang noch nicht zu sprechen gekommen, aber Rodolphus wusste, dass es bald so weit sein musste. Immerhin hatte ihn Charlotte Lefay nicht umsonst explizit darauf vorbereitet. Er sah den Stunden bereits mit Sorge entgegen. Allein der Gedanke, über sein intimes Leben reden zu müssen, war ihm höchst unangenehm. Vor allem, da es nicht wirklich etwas zu reden gab. Er und Bellatrix hatten kaum ein Privatleben gehabt.

Noch hatten sie auch keine Doppelstunden. Wahrscheinlich wollte die Eheberaterin erst alle Fragen abklären, bevor sie mit den Übungen für sie beide anfing.

Zu ihrer Stunde diese Woche ging Rodolphus allein, denn Bellatrix war bereits dort. Ihre zusätzliche Stunde war diesmal vormittags vor ihrem Termin zur Eheberatung. Sie wartete bereits im Vorzimmer auf ihn.

„Hey, wie war es heute?", fragte Rodolphus.

Bellatrix nickte nur. „Du kannst", sagte sie und nickte in Richtung der Tür. „Sie erwartet dich bestimmt schon."

„Hat sie dich auch vorgewarnt, was bald kommen wird?", fragte Rodolphus und grinste.

„Ja."

„Bis nachher dann", sagte Rodolphus und betrat das Sprechzimmer.

Wie immer saß Charlotte Lefay ihm gegenüber und hatte ihr Klemmbrett auf dem Schoß.

„Ah, Mr. Lestrange. Setzen Sie sich bitte. Wie geht's Ihnen?"

„Es geht mir sehr gut", sagte Rodolphus. „Wir sind seit vier Wochen nicht mehr in Askaban und ich genieße es langsam, in Freiheit zu sein. Man gewöhnt sich sogar an das Leben ohne Zauberstab. Auch wenn es ziemlich seltsam ist. Und mit Bellatrix läuft es auch immer besser. Was auch immer Sie tun, machen Sie weiter damit."

„Danke, das werte ich als Kompliment für meine Arbeit", sagte Charlotte. „Den Unterlagen habe ich entnommen, dass Sie beide bald Hochzeitstag haben. Haben Sie für diesen Tag etwas Besonderes geplant?"

„Oh je, eigentlich nicht", gab Rodolphus zu. „Ich weiß nicht. Was begehen wir an dem Tag eigentlich genau?", fragte er im Scherz.

„Ihre Ehe. Immerhin blicken Sie auf 28 gemeinsame Jahre zurück. So eine Zeit kann man nicht wegwerfen."

„Das… ist wohl wahr, ja. Aber Bellatrix… wird den Tag wahrscheinlich sowieso vergessen, also…"

„Wir werden sehen. OK, ich hatte ja schon angedeutet, dass wir auch auf Ihr etwas privateres Privatleben eingehen müssen", sagte Charlotte Lefay. „Sind Sie bereit?"

Rodolphus atmete tief durch. „Ja, meinetwegen. Legen wir los." Er hatte sich innerlich schon darauf eingestellt.

„Gut. Keine Sorge, wir werden langsam einsteigen."

„Stellen Sie allen Ihren Klienten solche Fragen?", wollte Rodolphus wissen.

„Ja, natürlich. Das gehört dazu."

„Wenn Ihnen die Leute solche… Details erzählen, ich meine…"

„Ich nehme das meiste, was mir meine Klienten erzählen nicht nach Hause", sagte Charlotte sofort und betont. „Ich besitze ein Denkarium."

„Ach so, verstehe."

„Wenn ich das alles immer mit mir herumtragen müsste, dann… würde ich vermutlich wahnsinnig werden", sagte die Eheberaterin mit einem Schmunzeln. „Aber fangen wir."

Rodolphus nickte.

„Sie und Ihre Frau stammen beide aus einer angesehenen Reinblutfamilie", sagte Charlotte. „Ich weiß, dass diese Familien natürlich die Erwartung haben, dass die Familiengeschichte fortgesetzt wird. Haben Sie und Bellatrix Kinder? In meinen Unterlagen stand dazu nichts."

„Nein, Bellatrix und ich haben keine Kinder", sagte Rodolphus.

„Wie kommt das? Haben Ihre Familien nicht von Ihnen erwartet, dass Sie Kinder haben?"

„Doch, natürlich", antwortete Rodolphus. „Bella und ich waren zwei Jahre verheiratet, da haben unsere Eltern uns sogar darauf angesprochen. Ich bin an die Decke gegangen und danach haben sie das Thema nie wieder erwähnt. Unser Privatleben geht unsere Eltern ja nichts an und wir müssen uns mit Sicherheit nicht für irgendetwas rechtfertigen."

„Das heißt, Bellatrix und Sie wollten keine Kinder?"

„Ehrlich gesagt, weiß ich nicht, was Bellatrix wollte. Wir haben nie über das Thema Kinder gesprochen, deshalb kann ich nicht sagen, ob sie es gewollt hätte oder nicht."

„Was ist mit Ihnen?"

„Ich? Ach, ich habe mir darüber ehrlich gesagt nie wirklich Gedanken gemacht. Nachdem Bellatrix bei diesem Thema eher zurückhaltender war, habe ich auch nicht darüber nachgedacht." Rodolphus zuckte mit den Schultern.

„Das beantwortet nicht meine Frage", sagte Charlotte. „Wollten Sie Kinder?"

„Es ist schwierig. Ich weiß nicht, ob ich ein guter Vater gewesen wäre… als Todesser. Aber ich glaube, es wäre schon… schön gewesen, Kinder zu haben. Also, ja, eigentlich würde ich sagen, dass ich es mir gewünscht hätte."

„Mit Ihrer Frau haben Sie nie darüber gesprochen?"

„Nein. Bellatrix… Sie hat für den Dunklen Lord gelebt, Kinder hätten bei ihr keinen Platz gehabt. Ich glaube nicht, dass sie davon angetan gewesen wäre, wenn ich das Thema aufgegriffen hätte. Bella war sehr eigensinnig und ließ sich nicht gern in irgendwas hineinzwängen. Ich habe das respektiert."

„OK. Hatten Sie und Ihre Frau eine intime Beziehung?", fragte Charlotte.

Rodolphus war die Frage unangenehm. Auch wenn er wusste, dass die Eheberaterin eine Schweigepflicht hatte und nichts von dem Besprochenen nach außen dringen würde, mutete es doch seltsam an, mit einem Fremden über derart private Sachen zu sprechen.

„Sie wollen wissen, ob wir… Sex hatten?", fragte er vorsichtig.

„Ja", antwortete Charlotte schlicht. „Hatten Sie?"

„Sie wissen, wie unsere Ehe war…"

„Ja, natürlich, aber nur weil man nicht aus Liebe zusammen ist, heißt das nicht, dass es keine Intimität geben kann."

Rodolphus atmete tief durch. „Also gut. Ja, ab und zu… haben Bella und ich auch… miteinander geschlafen."

„Was heißt `ab und zu´?", hakte Charlotte nach.

„Am Anfang unserer Ehe, in den ersten Jahren, kam es noch öfter vor. Aber im Laufe der Zeit immer weniger. Weil Bellatrix natürlich den Dunklen Lord verehrte. Ich glaube, ich war oft ein Ersatz für das, was ihr der Dunkle Lord nicht gegeben hat. Geliebt hat sie ihn, aber…" Rodolphus schluckte. „Für sie da war ich, in den Arm genommen habe ich sie, geküsst habe ich sie und geschlafen hat sie mit mir."

„Das heißt, weil Bellatrix sich in ihre Liebe zum Dunklen Lord immer mehr hineingesteigert hat, haben Sie beide immer weniger Intimität geteilt?"

„Ja, kann man sagen. 1978 dann, das war kurz vor dem ersten Sturz des Dunklen Lord, haben wir uns schließlich völlig auseinander gelebt. Seitdem haben wir überhaupt nicht mehr miteinander geschlafen", sagte Rodolphus.

„Das ist sehr lange her. Was ist in diesem Jahr passiert?", fragte Charlotte.

Rodolphus zögerte. Er wusste nicht, ob er schon bereit war, darüber zu sprechen. „Ich… Da ist etwas passiert, worüber ich aber im Moment… eher nicht reden möchte. Es hat was mit unserer Inhaftierung in Askaban zu tun."

„Das ist in Ordnung", sagte Charlotte. „Wenn Sie noch etwas brauchen, dann nehmen Sie sich die Zeit. Wir haben keine Eile. OK, dann würde ich gerne wissen, wie Ihr… Sexleben sich gestaltet hat."

Rodolphus zog eine Augenbraue nach oben und sah Charlotte mit einem verschmitzten Grinsen an. „Das gefällt Ihnen, eh?"

„Natürlich", sagte Charlotte.

„Wollen Sie jetzt… irgendwelche Details, oder was?"

„Nein. Ich möchte aber wissen, ob Sie zufrieden waren, mit dem, was Sie hatten."

„Ja, ich kann mich nicht beklagen. Ich fand es immer sehr gut. Es war zufriedenstellend."

„Wie sind Sie damit umgegangen, dass Ihr Privatleben immer mehr gelitten hat? Und dass es schließlich gar nicht mehr vorhanden war?"

„Manchmal war es hart", sagte Rodolphus. „Aber… Bellatrix und ich waren mit unserer Arbeit als Todesser zu sehr beschäftigt und… naja… unsere Ehe war ja ohnehin nur eine Zweckgemeinschaft. Bellatrix hat den Dunklen Lord angeschmachtet. Mir war es immer nur wichtig, dass wir zusammenbleiben können. Und dann kam Askaban."

„Verstehe." Charlotte machte sich eine Notiz auf ihrem Klemmbrett. „Ich denke, wir sind dann für heute fertig. Dann werde ich jetzt noch mal mit Ihrer Frau reden. Ich denke, dass wir entweder nächstes oder übernächstes Mal eine Stunde mit ihrer Frau zusammenmachen."

„Gut, das kann ja heiter werden", sagte Rodolphus und verließ das Zimmer.


„Bellatrix, nehmen Sie Platz", sagte Charlotte. „Bald haben wir es für heute geschafft."

Bellatrix setzte sich auf das Sofa gegenüber der Eheberaterin und schlug die Beine übereinander.

„Ich habe Sie ja kürzlich schon vorgewarnt, um welches Thema es bald gehen wird. Mit Ihrem Mann habe ich schon darüber gesprochen."

Bellatrix blickte nur gleichgültig drein.

„Also, dann. Dieselben Fragen an Sie wie an ihn. Mir ist von Anfang an aufgefallen, dass, obwohl Sie und Ihr Mann beide aus angesehenen reinblütigen Familien stammen, Sie keine Kinder haben. Das hat mich ein wenig erstaunt. Haben Ihre Familien nicht gewisse Erwartungen an Sie gehabt?"

Bellatrix warf ihre Haare mit einer Kopfbewegung zurück. „Unsere Familien haben sich natürlich gewünscht, dass Rodolphus und ich die Familiengeschichte fortsetzen."

„Aber?"

„Ich hatte nie das Bedürfnis nach Kindern oder einer Familie. Und Rodolphus auch nicht. Da waren wir uns beide eigentlich einig."

Charlotte stutzte einen Moment. „Das heißt, Sie wollten beide keine Kinder?"

„Nein. Kinder hätten gar nicht in unser Leben gepasst. Ich meine, Sie sind ja ganz nett, aber… Nichts für mich. Meine Schwester Narcissa war da anders. Sie wollte immer Kinder. Ich habe ja einen Neffen."

„Draco, richtig?"

„Ja. Er ist ein netter Junge, aber ich weiß nicht, ich glaube, ich könnte sowas wie Muttergefühle gar nicht aufbringen. Außerdem hätte eine Schwangerschaft nur meinen Dienst für den Dunklen Lord gestört. Das konnte ich nicht zulassen."

„Verstehe. Was macht Sie so sicher, dass Ihr Mann sich keine Kinder gewünscht hätte?", fragte Charlotte.

„Wir haben das Thema nie angesprochen. Wir waren uns eigentlich beide einig, dass Kinder nichts für uns sind." Sie zuckte mit den Schultern.

„OK. Ist notiert", sagte Charlotte. „Sie und Ihr Mann hatten aber, trotz Ihrer arrangierten Ehe und dem fehlenden Kinderwunsch, eine intime Beziehung?"

„Ja, aber wenig. Das gab es kaum bei uns. Nur am Anfang unserer Ehe, aber später immer weniger."

„Rodolphus deutete ein Datum an, 1978. Er wollte mir allerdings nicht sagen, was damals passiert ist. Er meinte nur, dass Sie seitdem eigentlich kein wirkliches Eheleben mehr geführt haben, weil Sie sich sehr stark dem Dunklen Lord zugewandt haben. Wollen Sie mir erzählen, was damals passiert ist?"

„Ich… nein", sagte Bellatrix.

Charlotte vermerkte auf ihrem Notizzettel, dass sie dieses Thema zu gegebener Zeit nochmal ansprechen musste. Sie hatte bereits einen Verdacht, aber wollte keine voreiligen Schlüsse ziehen, bis die beiden Lestranges nicht selbst von sich darüber gesprochen hatten. Ihr fiel auf, dass Bellatrix etwas zu gleichgültig über das Thema Kinder sprach und ihr Blich dabei immer Charlotte auswich. Sie verschwieg etwas.

„Das ist in Ordnung. Lassen Sie sich Zeit. Wir kommen irgendwann später nochmal darauf zurück. Ich möchte jetzt gerne wissen, wie Ihr Privatleben mit Ihrem Mann war. War es gut?"

„Es war… gut, ja", sagte Bellatrix, wobei ihre Wangen etwas erröteten.

„Haben Sie sich zu Rodolphus körperlich hingezogen gefühlt?", wollte Charlotte wissen. „Ich meine, arrangiert Ehe hin oder her, so von Frau zu Frau, er ist ein attraktiver Mann." Plötzlich lachte sie. „Schon gut, schon gut", fügte sie schnell hinzu, als sie Bellatrix´ finsteren Blick sah.

„Er ist attraktiv, das kann man kaum abstreiten", sagte Bellatrix. „Sein Bruder auch. Deshalb haben sich damals alle Mädchen um die Lestrange- Brüder gerissen. Und vor allem Rabastan war schon immer ein ziemlicher Frauenheld."

„Und Ihr Mann? Sie haben früh geheiratet. Hat das womöglich viele Frauen…"

Bellatrix grinste. „Das hat sehr viele Frauen eifersüchtig werden lassen, ja", sagte sie. „Vor allem nach der Geschichte mit meiner Schwester konnte sich niemand vorstellen, dass Rodolphus Lestrange eine Black ehelicht. Es gab viele Enttäuschungen und auch Anfeindungen, weil ich Rodolphus geheiratet habe. Neid, nichts weiter."

„Anfeindungen?"

„Ja. Auf Veranstaltungen hat sich gelegentlich das ein oder andere Flittchen an ihn herangeschmissen, aber… Ich habe ihnen immer gezeigt, wo ihr Platz ist. Immerhin ist Rodolphus mit mir verheiratet."

„Wow, Sie scheinen ja sehr besitzergreifend zu sein, was Ihren Mann angeht", stellte Charlotte fest. „Glauben Sie, dass er irgendwann mal auf das Werben einer anderen Frau eingegangen ist?"

„Ob er mich betrogen hat?" Sie schüttelte den Kopf. „Das hätte er nie getan, schon gar nicht mit irgendeinem… dahergelaufenen Flittchen." Sie klang beinahe stolz.

„Haben Sie sich irgendwann schon mal gewünscht, nicht mit Rodolphus Lestrange verheiratet zu sein?", fragte Charlotte. „Und vielleicht mit einem anderen Mann?"

„Ich denke nicht", sagte sie nachdenklich. „Ich könnte mir nicht vorstellen, dass er nicht da ist. Nicht auszumalen, wenn ich Lucius oder irgendeinen anderen hätte heiraten müssen."

„Das heißt, Rodolphus war der richtige Ehemann für Sie?"

„Ich kenne es nicht anders, als mit ihm und ich glaube, dass es seltsam wäre nicht den Namen Lestrange zu tragen. Und es hat immer funktioniert mit mir und Rodolphus."

Charlotte schrieb fleißig mit. „Sie und Ihr Mann haben miteinander geschlafen, das heißt, dass es zwischen Ihnen eine gewisse Anziehung gegeben haben muss. Würden Sie sagen, dass es die heute noch gibt? Ist Ihr Mann für Sie heute noch attraktiv?"

Bellatrix schluckte. „Ich… weiß es nicht. Ich habe nicht darüber nachgedacht. Überhaupt habe ich die letzten Jahre sehr wenig über Rodolphus nachgedacht. Es war auch ein sehr seltsames Gefühl, mit ihm in diese Wohnung zu ziehen, in jeden Tag zu sehen und… ihm wieder so nahe zu sein. Ich muss zugeben, dass mich das sehr… aufregt und durcheinander bringt, vor allem, da der Dunkle Lord…", sie zögerte einen Moment. „…nachdem der Dunkle Lord jetzt nicht mehr da ist."

„Sie haben das Stichwort gegeben. Kommen wir mal auf den Dunklen Lord zu sprechen", sagte Charlotte. „War es nicht manchmal schwierig, mit dem einen Mann, der einen begehrt, verheiratet zu sein, aber von dem anderen Mann, den man selber begehrt, ignoriert zu werden? Das stelle ich mir nicht ganz einfach vor. Gab es mal Situationen, in denen Sie eine Entscheidung zwischen beiden treffen mussten?"

„Nein, ich glaube nicht", sagte Bellatrix.

„Wir hatten ja schon oft über Ihre Gefühle für den Dunklen Lord gesprochen. Haben Sie sich zu ihm auch körperlich hingezogen gefühlt?"

Bellatrix zögerte. „Ja, ich denke schon", sagte sie schließlich.

„Aber der Dunkle Lord hat Ihre Gefühle nie erwidert. Auch körperliche Begierde nicht?"

Bellatrix verneinte mit einem Kopfschütteln.

„Rodolphus hat Ihnen also das gegeben, was Sie durch Ihren Herren nicht erfahren durften, oder?"

„Kann schon sein, ja."

„Sie saßen 15 Jahre in Askaban. Das haben Sie für Ihren Herren auf sich genommen, aber nicht mal danach hat er Ihre Gefühle erwidert. Hat er Ihnen zum Dank Ihre Gefühle ernst genommen, Ihnen vielleicht gezeigt, wie viel Sie ihm bedeuten? Immerhin haben Sie das Gefängnis und die Dementoren auf sich genommen und waren seine treueste Anhängerin."

Bellatrix holte tief Luft. „Nein, hat er nicht."

„Glauben Sie, dass er um Ihre Gefühle gewusst hat? Hat es ihn gekümmert, hat er dem Respekt gezollt?", fragte Charlotte.

Sie sah Bellatrix direkt ins Gesicht, was dieser unangenehm war, denn sie wandte sich ab.

„Nein, hat er nicht."

„Was hat er stattdessen gemacht?"

„Manchmal hat er… sich darüber amüsiert", sagte Bellatrix langsam. Man sah ein verräterisches Glitzern in ihren Augen.

„Hat Rodolphus sich jemals über Ihre Gefühle lustig gemacht?"

„Nein!" Bellatrix wurde ungeduldig. „Sind Sie bald fertig mit Ihren dämlichen Fragen?!" Sie war aufgebracht und es war ihr anzumerken, wie unangenehm ihr die Situation war. Sie sprang vom Sofa auf und ging durch den Raum.

Charlotte sah auf die Uhr. Sie hatten nur noch ein paar Minuten.

„Wir sind sowieso gleich am Ende. Zum Abschluss noch dies: Bellatrix, überlegen Sie sich mal eines: Ihr Mann, Rodolphus, war immer an Ihrer Seite, er hat Sie in den Arm genommen, Sie getröstet, Ihnen zugehört, Sie geküsst, mit ihm haben Sie geschlafen, er ist mit Ihnen nach Askaban gegangen, hat immer zu Ihnen gehalten, obwohl er wusste, dass Sie keine Gefühle für ihn haben. Hat der Dunkle Lord jemals etwas dergleichen getan?"

Bellatrix brauchte fast eine Minute bis sie antwortete und sie schien merklich mit sich zu ringen.

„Nein."

„Haben Sie jemals etwas dergleichen für Rodolphus getan?"

„Nein."

„Das heißt, Sie haben ihn immer für ganz schön selbstverständlich gehalten, nicht wahr?"

Ihre Blicke kreuzten sich kurz.

„Wir sind dann für heute fertig."


Rodolphus und Bellatrix sprachen beide kein Wort, bis sie nach Hause kamen. Es war eine seltsame Stille, die sich bis nach dem Mittagessen hinzog. Ab und zu warfen sie sich Blick zu, als wolle einer von beiden etwas sagen, doch niemand ergriff das Wort. Als der Hauself die Teller abräumte und sich in der Küche um das Geschirr kümmerte, wollte Rodolphus ins Wohnzimmer und lesen, doch Bellatrix hatte offenbar dieselbe Idee. Sie nahmen beide gleichzeitig auf dem Sofa Platz.

„Tut mir Leid, ich wusste nicht, dass du…", sagte er entschuldigend, doch Bellatrix schüttelte den Kopf.

„Schon gut."

Plötzlich lachte Rodolphus.

„Was ist?", fragte Bellatrix. „Warum lachst du?"

„Das war… irgendwie ulkig, aber so schlimm war es gar nicht, oder?"

Bellatrix sah ihn nur fragend an.

„Komm schon. Sie hat dich doch auch gefragt, ob wir… du weißt schon." Er grinste. „Aber ich muss schon sagen, dass sie das ziemlich… professionell gemacht hat. Ich hatte ja echt… Bammel davor, aber… Es ging schon."

Bellatrix lächelte, etwas, das sie selten tat. Es gefiel Rodolphus. „Wer weiß, wie oft sie das macht", sagte sie nur.

Rodolphus wurde ernst. „Ich weiß, wir beide hatten… nur selten diese… gemeinsamen Stunden, aber… du sollst wissen, dass ich es immer genossen habe. Ich hoffe, dass… hast du auch so empfunden."

„Sie hat mich gefragt, wie ich es fand", sagte Bellatrix leise und sie sahen sich tief in die Augen.

„Und was hast du gesagt? Mach mich nicht schwach", sagte Rodolphus.

„Es… hat mir immer gefallen. Es war… immer zufriedenstellend", raunte sie.

Er nickte. „Gut, dann… bin ich ja beruhigt."

„Sie meinte im Übrigen, dass du ein attraktiver Kerl bist", sagte Bellatrix mit einem verschmitzten Grinsen.

„Wirklich?"

„Ja, aber keine Sorge. Ich habe mein Revier sofort abgesteckt."

„Das heißt also, du findest mich attraktiv?", fragte Rodolphus offen heraus.

Ihre Wangen nahmen einen Hauch von Rosa an.

„Sag schon!"

„Also gut, ja. Aber nur ein bisschen", meinte sie lachend, was ihr einen empörten Blick ihres Mannes bescherte.

Es war die seltsamste und befremdlichste Konversation, die sie je in all ihren Ehejahren geführt hatten, aber Rodolphus wusste, dass es an der Zeit war, endlich zu reden. In der Vergangenheit hatten sie nie gesprochen und vielleicht war das der Fehler gewesen. Die Eheberatung zeigte sichtlich Wirkung. Auch wenn es schwierig war, auch wenn es schmerzhaft war, er hatte mittlerweile begriffen, dass sie reden mussten.

„Hör mal, ich kann nicht behaupten, dass ich… nicht gewusst hätte, wie es war", sagte Rodolphus langsam. „Ich weiß, dass ich… immer nur an zweiter Stelle stand. Du warst sehr wütend auf mich, oder?"

„Ja, früher. Manchmal habe ich… Manchmal habe ich dich verflucht", sagte Bellatrix. „Ich… war einfach wütend und… verletzt, dass…"

„…der Dunkle Lord nicht…"

Sie nickte. Es bedurfte keiner weiteren Worte. Beide verstanden.

„Die Eheberaterin hat mit mir Übungen gemacht, dass ich damit besser umgehen kann. Und sie hat mir geraten, dass ich dir sage, dass ich Zeit brauche." Sie holte tief Luft und Rodolphus wusste, dass es ihr schwer fiel, das nachfolgende auszusprechen. „Ich war… am Anfang sehr gemein zu dir, du kennst mich ja, ich kann… manchmal etwas schwierig sein. Das lag aber nicht an dir. Du… bist immer so… geduldig mit mir. Ich… ich habe meine Probleme… zurechtzukommen."

„Ich weiß, Bella", sagte er. „Ich verstehe dich und was du durchmachst. Du weißt, dass ich immer für dich da bin. Du kannst immer auf mich zählen."

Er legte vorsichtig einen Arm um sie und zog sie an sich. Er rechnete damit, dass Bellatrix sich sofort wieder von ihm lösen würde, doch tatsächlich blieb sie sitzen und ließ ihn gewähren. Langsam entspannte sie sich und lehnte ihren Kopf an seine Schulter. Rodolphus konnte sich an das letzte Mal, dass sie das getan hatte, nicht erinnern. Er wollte jeden Augenblick genießen.