Hallo!
Ich weiß…es ist schon wieder lange her, aber jetzt hab ich alles Prüfungen hinter mir. Ich habe mir vorgenommen all meine Geschichten zu Ende zu bringen…was ein größeres Unterfangen ist.
Wie dem auch sei…ich hoffe euch gefällt dieses neue Kapitel. Es ist ein wenig anders. Ich hab mir gedacht, dass ein wenig mehr Spannung der Geschichte nicht schaden würde…mehr will ich nicht verraten ;-)
Dieses Kapitel ist aus der Sicht einer Dienerin geschrieben. Wenn's euch gefällt, dann könnte ich mehr einbauen, aber ich dachte, dass es einfach passend wäre…
Viel Spaß mit dem neuen Kapitel!
Kurz vor Sonnenaufgang begann sich Gondors Hauptstadt wieder mit Leben zu füllen. Auch die Bediensteten im höchsten Ring der Stadt begannen mit den Vorbereitungen für den Tag.
Marie war schon seit einigen Stunden auf den Beinen, als sie nun damit begann die sauberen und trockenen Kleidungsstücke ihrer Herrin feinsäuberlich zusammen zu legen.
Gedanklich ging sie ihre Aufgaben für den heutigen Tag durch, denn ohne zeitliche Einordnung ihrer Aufgaben würde sie nicht lange ihre Stelle behalten können.
Vorsichtig glättete sie den Stoff des hellblauen Nachtkleides der Königin. Als sie fertig war fuhr sie noch einmal über den Stoff, dabei achtete sie aber darauf, dass sie keine Falten rein bekam. Der Stoff war so weich und zart, dass sie immer wieder Angst hatte den Stoff durch eine einzige Berührung zu zerstören…wie wunderbar musste es sein solche Kleider tragen zu können und den ganzen Tag nichts zu tun zu haben…
„Marie!" rief eine ältere Frau und Marie nahm blitzschnell ihre Hand vom zarten Stoff. Die ältere Frau nickte sie zu sich, während sie damit beschäftigt war ein Tablett mit einer Karaffe, einem Teller mit Käse und ein paar noch warme Brötchen zu füllen.
Marie ging zu ihr hinüber. Die ältere Frau hob das nun beladene Tablett und reichte es ihr. „Bring dies ins Arbeitszimmer von Fürst Faramir", befahl sie. Marie nickte und machte sich mit dem Tablett auf den Weg durch die vielen Korridore.
Sie warf einen Blick auf die Karaffe und konnte den stechenden Geruch des selbstgebrauten „Alleskönner" riechen, den der Weinmeister für all diejenigen bereit hielt, die zu tief in das Wein- oder Bierglas gesehen hatten.
Marie runzelte ihre Stirn. Seit wann brauchte der Fürst dieses Gebräu? So weit sie wusste trank er keinen Schluck Alkohol. Aber jeder konnte sich ja bekanntlich irren, vor allem was den Fürsten betraf. Das Gerücht, dass seine Frau ein Verhältnis mit seinem Leibwächter hatte, hielt sich seit einigen Wochen hartnäckig und sein Erscheinen vor einigen Tagen in Minas Tirith bekräftigte ihre Verfechter.
Die junge Frau hielt nicht viel von Gerüchten…weder Gerüchte, die den Fürsten angingen, noch den Gerüchten über den König. Was ihre Herrin allerdings betraf war sie doch geneigt, oder zumindest waren diese Gerüchte schwieriger zu entkräftigen…
Sie hatte nur bei wenigen Gelegenheiten den Fürsten zu bedienen, aber die seltenen Male war er oft schweigsam, hatte aber immer ein Lächeln auf den Lippen gehabt. Ihre Dienste hatten sie öfter mit seinem älteren verstorbenen Bruder zusammen gebracht. Dieser war immer gut gelaunt gewesen und hatte öfters Scherze getrieben. Seine Wutausbrüche waren zwar stadtbekannt, aber sie hatte keinen Miterlebt und oft war es auch aus einem guten Grund gewesen – so sagte man.
Den ehemaligen Truchsess hatte sie nie zu Gesicht bekommen. Man hielt damals wenig junge Bedienstete und nur die ältesten hatten mit dem Truchsess zu tun gehabt.
Ihre Gedanken wurden unterbrochen, als sie ihr Zielt erreichte. Sie klopfte leise an. Zuerst hörte sie keine Geräusche von der anderen Seite der Tür, kurz darauf hörte man ein leises Quietschen und die Tür öffnete sie. Hätte sie nicht das Tablett mit beiden Händen gehalten, wäre es ihr womöglich aus der Hand gefallen…
Der König stand vor ihr und lächelte sie an. Er nahm ihr das Tablett ab. „Vielen Dank…" sagte er und schloss mit einem weiteren Nicken wieder die Tür. Marie stand wie erstarrt vor der geschlossenen Tür. Ihre Wangen begannen zu glühen, als ihr einfiel, dass sie vergessen hatte den König zu begrüßen und den schon fast wie angeborenen fühlenden Knicks zu machen.
Hoffentlich vergaß der König ihr Benehmen bzw. ihr Nicht-Benehmen…aber sie bezweifelte dies. Hoffentlich musste sie nur eine Standpauke über sich ergehen lassen und war nun nicht ihre Arbeit los…denn das konnte sie sich beim besten Willen nicht leisten…
Sie atmete tief durch und fuhr sich mit einer zitternden Hand über ihr langes Haar, den sie zu einem Zopf geflochten hatte, damit er sie nicht bei der Arbeit störte. Einige Strähnen lösten sich und fielen ihr ins Gesicht. Leise fluchend schob sie die losen Strähnen hinter ihr Ohr und ging langsam wieder zurück in die Küche…
Ein paar Stunden später saß sie Gedankenversunken in einer Ecke der Küche und betrachtete die braune Flüssigkeit, die sich in ihrer Tasse befand. Ihre Finger zitterten leicht. Sie konnte nicht aufhören an den unglücklichen Moment zu denken…was würde jetzt mit ihr passieren? Sie sah auf in der Angst den alten Erol zu sehen, der ihr sagt sie könne gehen…
Die Küche war erfüllt mit Stimmen, dem Geruch der frisch zubereitenden Speisen und dem Geklapper der Töpfe und Pfannen. Marie bemerkte dies alles nicht, bis schließlich wieder die ältere Frau sie unsanft anstubste. Marie erschrak merklich und schubste dabei ihre Tasse um. Die braune Flüssigkeit, die noch bis vor kurzem in der Tasse war bahnte sich einen Weg über den Tisch bis zu…geistesgegenwärtig sprang Marie auf den Tisch und wischte, die zuvor von ihr sauber zusammengelegte Kleidungsstücke, vom Tisch um sie vom höchsten Unheil zu retten. Dabei warf sie sich bäuchlings auf den Tisch und sie spürte sofort wie die lauwarme Flüssigkeit von ihrer Kleidung aufgesogen wurde. „MARIE!" schrie die ältere Frau beinahe hysterisch. Die junge Frau beachtete sie nicht, sondern rutschte vom Tisch und kniete neben der nun wieder verknitterten Kleidung ihrer Herrin. Glücklicherweise waren die kostbaren Kleidungsstücke auf einen braunen Kartoffelsack gefallen…
Marie hob sie vorsichtig auf, hielt sie aber eine halbe Armeslänge von ihrem verschmutzten Kleid weg. „Du dummes Ding!" schimpfte, die ältere Frau nun. „Willst du uns unglücklich machen? Die Kleidung der Königin kaputt zu machen…was wird die Königin bloß sagen?" Marie ließ ihren Kopf hängen, hielt aber immer noch an den Kleidungsstücken fest.
Die junge Dienerin ließ sich eine ganz reihe von Beschimpfungen über sich ergehen, bis sie endlich von der älteren Frau entlassen wurde. Marie eilte mit den Kleidungsstücken in ihre Kammer und zog sich schnell um. Als sie wieder aus ihrer Kammer trat – die sie mit zwei anderen Mädchen teilte – versuchte sie vergebens, die Kleidungsstücke ihrer Herrin soweit her zu richten, dass sie sie doch noch zur Königin bringen könnte. Sie wollte die Kleidungsstücke zu ihrer Herrin bringen, aber dann wieder heimlich mit der Wäsche wieder mitzunehmen. Somit würden die Kleidungsstücke noch einmal gewaschen und alles war wieder in Ordnung. Würde sie jemand erwischen, könnte sie sagen, dass sie wohl aus versehen noch saubere Wäsche mitgenommen hätte.
Aber ihre Gedanken kreisten nicht nur um die Wäsche, sondern auch um den Vorfall am frühen Morgen. So viel Unglück konnte auch nur sie haben…
Schnelleren Schrittes durchquerte sie fast den halben Palast bis sie in den Flügel kam, der die Gemächer der Königlichen Hoheiten beherbergte. Anders als im restlichen Gebäude waren die Gänge hier im Beleuchtet. Am Tag wurden die schweren Vorhänge beiseite geschoben. Nachts erhellten etliche Fackeln die Gänge.
Marie ertappte sich öfter bei dem Gedanken wie es sein würde hier zu wohnen. Von allen bedient und respektiert zu werden und jeder Wunsch würde dir von den Lippen abgelesen werden…
Sie erreichte die große helle Holztür und blieb stehen. Die junge Frau atmete tief durch bevor sie leise an die Tür klopfte. Jeder wusste, dass die Königin als Elbin sehr feine Ohren hatte und diese waren sehr empfindlich. Ein leises „Herein" ließ sie noch einmal tief durch atmen bevor sie eintrat.
Die Königin saß wie jeden Morgen am runden Tisch auf dem ihr das Frühstück aufgetischt wurde. Über ihrem weißen Nachtgewand hatte sie einen marmor-farbenden Mantel umgelegt, der aber ihrer Schönheit keinen Abbruch tat.
Ihre dunklen Haare, die Marie immer an einen sternenklaren Nachthimmel erinnerte, fielen ihr über die Schultern, als ob sie eben erst ihre Haare stundenlang gerichtet hatte. „Eure Hoheit", sagte Marie ehrfürchtig und verbeugte sich.
Als sie wieder aufsah, lächelte die Königin sie leicht an. Viele behaupteten, dass dieses Lächeln etwas abfälliges oder gar erhabenes haben sollte, aber dieses Geschwätz kümmerte Marie wenig, auch wenn es schwierig war, das leichte und sehr selten gezeigte Lächeln der Königin als etwas positives zu sehen.
Marie ging an ihr vorbei und legte im Nebenzimmer rasch die Wäsche ab. Als sie sich umdrehte, betrat die Königin das Zimmer. Marie lächelte leicht und gab mit einer Handbewegung der Königin zu verstehen, dass sie ihre Frisur machen würde.
Die Königin nickte und setzte sich auf den Hocker, der vor dem großen Spiegel stand. Marie nahm die Bürste zur Hand und fuhr mit ihr sanft durch die Haare der Königin. Es war ihr ein Rätsel wie solche Haare weder Knoten, noch irgendwelche Brüche aufzeigten. Eigentlich wäre das morgendliche Kämmen unnötig, aber es war schließlich ihre Arbeit…
Sie spürte den Blick der Königin auf sich…wie jeden Morgen. Einige sagten, dass die Königin mit einem Blick alles über dich erfahren könnte…andere sagten, sie könnte Gedanken lesen… Letzteres beunruhigte sie an diesem Tag mehr als sonst. Ohne Aufzublicken tastete sie nach den Haarnadeln…sie konnte keine ertasten. In dem Moment als sie aufsah ergriffen ihre Finger die Nadeln. Die Königin hielt ihr in ihren zarten Händen die Haarnadeln hin. Marie errötete, als sie dem Blick der Königin über dem Spiegel begegnete. „Es tut mir Leid…" murmelte sie leise und nahm die Nadeln aus den Händen der Königin. Mit hochrotem Kopf steckte sie die dunklen samtweichen Haare der Hoheit zu einer Hochfrisur.
„Ihr seid mit euren Gedanken woanders…" bemerkte die Königin schließlich. Marie riss erschrocken den Kopf hoch. Jedes mal, wenn die Königin sie ansprach, hatte sie Angst was Falsches zu sagen. „Ich…ich…sollte gehen", sagte Marie rasch und wollte sich gerade umdrehen, als ihr einfiel, dass sie so nicht gehen konnte. „…wenn Ihr mich natürlich nicht mehr braucht…" sagte sie zaghaft und Hoffnung schwang in ihrer Stimme mit. Sie wollte weg von hier…von der Königin…'Vielleicht kann sie doch Gedanken lesen', dachte Marie ängstlich.
Die Königin sah sie ruhig an, aber es schien Marie als ob sie Traurigkeit in den hellen Augen der Elbin sehen konnte. Schnell wandte sie ihren Blick ab…es schickte sich nicht der Hoheit ins Gesicht zu blicken…und schon gar nicht direkt in die Augen.
„Marie…" hörte sie die sanfte Stimme der Königin sagen. Marie schluckte, sah aber schließlich doch auf…
P.S. Dieses Kapitel ist schon länger fertig, aber die Seite hat mir jedes Mal einen Strich durch die Rechnung getan…entweder hat sie sich einfach geweigert irgendwas zu tun oder ich wartete länger als 10 Minuten…
P.S.P.S. Ein kleines Review wär echt schön…
