Erebor 3022: Cursebearer – Die letzten Schatten Morguls

Von summerald – übersetzt aus dem Englischen von jessie152


Disclaimer: ''Der Hobbit'' und ''Der Herr der Ringe'' als auch sämtliche Figuren darin sind Eigentum von Tolkien Estate und Wingnut Films. Diese Geschichten dienen ausschließlich der Unterhaltung und weder der Autor noch der Übersetzer profitieren in irgend einer Weise davon oder erheben irgendwelche Ansprüche auf ''Der Hobbit'' oder ''Der Herr der Ringe''.


AN: Wir nähern uns mit großen Schritten Kapitel 8, an dem ich gerade mit Summer arbeite. Nebenbei bemerkt mein Lieblingskapitel, ratet mal wieso. ;-) Kommentare, egal ob Review oder PM, sind immer willkommen. Viel Spaß beim Lesen.


Kapitel 7

Energischen Schrittes trat Kíli auf die westliche Terrasse des Berges und nahm den warmen Umhang mit Kapuze und die dicken Handschuhe entgegen, die ihm jemand in die Hand drückte. Es war schon beinahe Mitternacht, und der aufziehende Sturm tobte bereits heftiger als erwartet.

''Da unten,'' rief der Anführer der Wache und zeigte auf die Stelle, wo der Unfall passiert war. Kíli trat an den Rand des Abgrundes und sah hinunter, während er den Umhang um seine Schultern warf und die Handschuhe überstreifte. Eine Reihe von Signallaternen markierten einen flachen Bereich etwa zwei Seillängen unter ihnen, wo der Serpentinenweg unter einer Halde von Abraum, Geröll und Felsblöcken nicht mehr auszumachen war. Kíli winkte nach einer Laterne, um das Gelände über ihnen zu beleuchten, von wo der Steinschlag vermutlich abgegangen war. Ein Blick sagte ihm: Irgendetwas stimmte da nicht. Das war nicht die Art von Gestein oder Felsvorsprung, der so ohne Weiteres nachgegeben hätte, schon gar nicht auf diese Art und Weise.

''Fünf Verwundete.'' Der Anführer machte eine Geste in Richtung des kleinen Hebekrans, mit dem sie bereits drei der Verletzten herauf gezogen hatten. ''Kopfverletzungen, drei sind bewusstlos,'' fügte er hinzu. Dann senkte er die Stimme. ''Bei einem sieht es ziemlich übel aus.''

Kili sah auf den Ort der Triage, drei verletzte Wachen und mehrere Heiler, die sich beeilten, um sie für den Abtransport hinunter in die Krankenhallen vorzubereiten. Keiner der Verletzten war Skirfir, doch er erkannte ihre Gesichter. Gute Krieger, alles erfahrene Veteranen. Wenn hier Absicht dahintersteckte, so wie er es jetzt vermutete, dann war diese Tat ein Verbrechen. Wenn sogar einer dieser Zwerge an seinen Verletzungen starb, hätte er jedes Recht, Gerechtigkeit mit seinem Schwert zu fordern.

Kílis Gesicht war wutverzerrt und er biss die Kiefer zusammen. Würden die Schuldigen gleich hier entlarvt, er würde keine Sekunde zögern, das Urteil auf der Stelle zu vollstrecken.

''Und die beiden, die noch unten sind?'' fragte er. Seine Stimme verriet seine Anspannung.

''Gebrochene Knochen. Nicht so schlimm wie die drei hier. Wir holen sie jetzt rauf.''

Kíli sah auf die Kolonne am Hebekran. Sie war beinahe soweit, den Rettungskorb wieder nach unten zu lassen.

Er hob die Hand, ging zum Kran und rief den Leuten zu: ''Lasst mich hinunter!'' Er musste schreien, um den heulenden Wind zu übertönen. Er griff nach der Kette und stellte sich auf das Trittbrett des Korbes.

Weder bemerkte er, wie die Arbeiter am Hebekran den Anführer der Wache erschrocken anstarrten, noch sah er, wie der Anführer nur mit den Schultern zuckte. Ihr Prinz war nur zu gut dafür bekannt, etwas waghalsig zu sein. Doch insgeheim bewunderten sie alle genau das an ihm.

''Seid vorsichtig!'' brüllte der Anführer sowohl seinen Jungs als auch seinem Prinzen zu. ''Der Wind ist verflucht böig, und es wird immer schlimmer!''

Kíli sah nach unten. Eine Signallaterne war an dem Platz aufgestellt, wo der Seilzug den Felsabsatz erreichte, und einer aus der Rettungskolonne dort war bereit, mit einer Führungsleine den Korb im Wind zu stabilisieren. Er gab mit einem Ruck an der Kette das Signal, und dann raste das Hebezeug mit Kíli in die Tiefe.

Unten angekommen half er, den nächsten Verwundeten der Wache zum Korb zu tragen, ein älterer Zwerg mit einem zerschmetterten Bein und einem gebrochenen Arm. Der Kamerad hatte bereits eine kräftige Ration Arznei gegen die Schmerzen erhalten und sah eher aus, als hätte er gerade eine heftige Schlägerei unter Volltrunkenen in einer Schenke überlebt als eine Lawine.

''Sei vorsichtig, mein Junge,'' sagte er etwas undeutlich zu Kíli, als er seinen Prinzen erkannte. ''Ich weiß nicht was für eine Sorte Ale die da servieren, aber das haut einen glatt um.''

''Tatsächlich?'' Kíli lächelte den Veteranen an, während zwei der Heiler ihn in den Korb legten. ''Dann lass uns ein Glas davon heben, wenn ich Dich das nächste Mal sehe. Dann können wir zusammen ausprobieren, wie stark das Zeug wirklich ist.''

Er sah dem Oberen der Heiler in die Augen und fragte sich, ob sich die verletzte Wache wieder erholen würde, aber der Gesichtsausdruck des heilkundigen Zwerges verhieß nichts Gutes. Kíli wusste was das bedeutete, die Chancen des alten Knaben, sein Bein zu verlieren, waren fünfzig zu fünfzig,imgünstigsten Falle.

Der Heiler drehte sich nach seinem Partner um. ''Kommst Du klar, wenn ich mit nach oben fahre?'' fragte er.

Kíli sah, wie der andere zustimmend nickte. ''Geh','' sagte sie. ''Ich kümmere mich um den Letzten und packe zusammen.'' Das war eine Mädchenstimme. Kíli sah auf und erkannte Nÿr, ihr Zopf war unter einer blauen Kapuze verborgen.

''Ihr seid heute in der Tat überall,'' sprach er sie an und klang dabei etwas monoton. Noch diesen Morgen wäre er höchst erfreut gewesen, wenn er ihr erneut über den Weg gelaufen wäre. Jetzt wusste er nicht mehr so recht, was er denken sollte. Doch er schob seine gemischten Gefühle beiseite und konzentrierte sich auf die vordringlichen Angelegenheiten, die es zu erledigen galt.

''Das liegt einfach an meinem Arbeitsplan,'' antwortete sie und kontrollierte die Schnallen an den Haltegurten. ''Hatte das Glück, die Schicht für den Feiertag zu erwischen.'' Sie ruckte prüfend an einem letzten Gurt und trat dann zurück.

Der ältere Heiler stellte sich auf das Trittbrett und gab Zeichen, dass er bereit war. Kíli nahm die Sicherheitsleine und ließ sie durch seine Hände gleiten, als der Korb in die Höhe schoss. Er fühlte, wie er, oben angekommen, mit einem heftigen Ruck zum Halten kam, aber er war kaum in der Lage zu erkennen, wie der Kran schwenkte und den Korb in Sicherheit brachte. Erst jetzt wurde ihm bewusst, dass es inzwischen heftig zu schneien begonnen hatte.

Er wusste, Eile war geboten, also wandte er sich dem letzten verwundeten Zwerg zu: Skirfir. Der junge Bogenschütze war der am leichtesten Verletzte, sah aber sehr viel beunruhigter aus als alle anderen.

''Sag' mir, was passiert ist, Junge,'' sagte Kíli als er sich bückte, um dem jüngeren Zwerg seine Schulter zu leihen und ihm aufzuhelfen, während Nÿr den leeren Behälter zurück auf den Boden dirigierte.

''Mein Herr, diese Steinschläge sind kein Zufall.'' Skirfir sah seinen Prinzen an, und sein Blick spiegelte seine tiefe Empörung über diesen heimtückischen Angriff auf Erebors Sicherheit wider, als Kíli ihn zum Korb half. ''Irgendjemand löst sie mit irgendeiner Art Sprengpulver aus. Ich hab' sie gesehen, kurz bevor alles herunterkam. Es waren drei, alles Zwerge, aber keiner von uns hat sie erkannt. Sie trugen Grau und Schwarz. Genau da oben.'' Er deutete mit dem Kopf in Richtung genau der Gegend, die Kíli zuvor in Augenschein genommen hatte. ''Sie haben Säcke runtergeworfen. So ein rotes Pulver. Wir haben nach ihnen gerufen und wollten uns gerade aufmachen, dort hinauf zu steigen…''

Kílis Augen wurden bei der Erwähnung des roten Pulvers zu Schlitzen. ''Drei Zwerge? Niemand sonst?''

''Fragt die Raben. Da war ein kleiner Schwarm, sie schlugen wie verrückt Krawall. Einer versuchte, zu mir zu sprechen.'' Skirfir ließ den Kopf nach hinten fallen, seine Frustration, nicht mehr getan haben zu können, war offensichtlich. ''Aber ich kann sie einfach nicht verstehen. Es tut mir leid…''

Kíli ließ den Blick über den Hang über ihnen schweifen und suchte ihn nach den Raben ab. Jeder anständige Vogel hatte sich bei Sonnenuntergang zum Schlafen niedergelassen und war vor dem Wind in Deckung gegangen. Vor dem Morgen gab es keine Möglichkeit, mit den Vögeln zu sprechen. Er legte dem verletzten Burschen die Hand auf die Schulter. Alles in Ordnung, Skirfir,'' sagte er, dann beugte er sich nahe zu ihm hinunter, um leise zu ihm zu sprechen. ''Wem hast du sonst noch davon erzählt?''

''Niemandem.''

Kíli drückte Skirfirs Arm. ''Guter Junge. Das hast du sehr gut gemacht. Das darfst du einzig und allein dem König berichten. Hast Du mich verstanden?''

Skirfir starrte einen Augenblick, dann nickte er.

Wir erzählen es ihm zusammen, wenn Du verarztest bist.''

Skirfir nickte erneut, als Nÿr um den Korb herum trat.

''Verschränkt Eure Arme so und greift die Riemen,'' sagte sie zu Skirfir, und machte es ihm vor, die Hände auf der jeweils anderen Schulter. ''Und gut festhalten.''

Skirfir gehorchte und zwinkerte Schnee aus seinen Augen. Er machte keinen sonderlich beruhigten Eindruck, obwohl sein Gesichtsausdruck tapfer stoisch war.

''Habe ich das gerade richtig gehört, dass Dich gerade ein junges Mädchen aufgefordert hat, gut festzuhalten?'' Kíli winkte dem jüngeren Zwerg zu und versuchte, ihm mit etwas Humor ein wenig seiner Besorgnis zu nehmen. Es funktionierte. Er sah, dass Skirfirs Mundwinkel nach oben zuckten und der junge Bogenschütze angemessen empört dreinschaute. Kíli verkniff sich ein Grinsen.

In dem Moment wurden sie mit eisiger Wucht von den bisher heftigsten Böen getroffen, und Kíli lehnte sich schützend über den Jungen. Über ihnen wurde die Kette des Krans wie wild umher geschleudert. Nÿr, die neben ihm stand, sah ihm in die Augen, während die Böen etwas nachließen. Der Schnee kam jetzt schneller und dicker vom Himmel.

''Ihr geht nach oben,'' sagte er und bedeutete ihr, dass sie mit Skirfir zusammen im Korb nach oben fahren sollte.

''Zu böig.'' Nÿr schüttelte den Kopf. ''Schickt ihn alleine hinauf — das wird sicherer für ihn sein. Wir gehen hinterher Arm in Arm.

Kíli nickte zustimmend.

Das Mädchen kannte sich aus. Bei den böigen Bedingungen war es so wirklich am sichersten. Er klopfte Skirfir ein letztes Mal zur Beruhigung auf die Schulter.

Nochmals kontrollierte er die Kette und den Karabiner, dann die Sicherheitsleine. Erneut wurden sie von heftigen Böen getroffen und er wurde vom Anprall des Windes rückwärts gestoßen. Er ignorierte den sich verschärfenden Schmerz in seinem rechten Bein, verlagerte aber trotzdem sein Gewicht auf die andere Seite.

''Das wird vermutlich ziemlich holperig,'' rief er Skirfir zu und versuchte, den heulenden Sturm zu übertönen. Er sah auf die Seile, er war nicht mehr in der Lage, die Klippe oder die Lichter oberhalb zu erkennen. ''Lass uns hoffen, dass die Jungs da oben fest und schnell ziehen. Je schneller du oben bist, desto einfacher wird es sein.''

Kíli gab Nÿr zu verstehen, dass sie zurücktreten sollte, er griff nach der Kette, zog zweimal und trat dann selbst rasch zurück, während er die Führungsleine in seinen behandschuhten Händen hielt. Der Korb machte einen Ruck und hob sich dann nur ein bisschen, das Warnsignal, dass alles zum Hinaufziehen bereit war. Dann schoss er nach oben und war augenblicklich außer Sicht. Kíli ließ die Sicherheitsleine ablaufen, hielt sie aber gespannt und hoffte, dass dies den Korb daran hinderte, im Wind gegen die Felswand zu schmettern.

Sie war beinahe zu Ende, als sie plötzlich die Spannung verlor und nachgab. Er und Nÿr standen beide da, sahen nach oben in nichts als den wirbelnden Schnee, als die Leine sich lockerte und mit einem ausgefransten Ende zurück auf den Boden schlängelte.

Sie sahen einander schockiert an.

Nÿr bückte sich und hob das abgerissene Ende auf. ''Was ist jetzt passiert?'' fragte sie.

Kíli sah mit weit aufgerissenen Augen auf das Seil in ihrer Hand, dann auf das wilde Schneetreiben über ihnen. ''Skirfir!'' brüllte er, nur mit Mühe eine Welle der Panik unterdrückend.

Natürlich konnte bei dem Tosen niemand etwas hören. Er versuchte angestrengt, irgendetwas zu erkennen — war Skirfir abgestürzt?

Einige quälend lange Momente vergingen. Der Sturm tobte, ließ etwas nach und wehte dann wieder mit einer solchen Wucht, dass es ihn gegen das Heilermädchen stieß und sie beide zwei Schritte zur Seite geworfen wurden.

Dann sah er es… ein dickes, rundes Gebilde, zu klein um ein Zwerg zu sein, fiel direkt auf sie zu. Er fasste Nÿr's Arm und zerrte sie zur Seite, gerade noch rechtzeitig, bevor das Bündel mit einem Rums auf den schneebedeckten Boden aufschlug.

''Was hat das zu bedeuten?'' schrie sie gegen den Wind.

''Das,'' rief Kíli zurück und trat vor, um das Notfallbündel zu holen und rasch einen Runencode zu deuten, der auf den derben Beutel gekritzelt war, ''heißt dass Skirfir es geschafft hat, aber dass es heute Nacht keine weiteren Rettungsaktionen mehr geben wird.'' Er stemmte sich gegen den wirbelnden Schnee, ging zu ihr zurück und hielt ihr einen Hand hin. Sie sah sie mit großen Augen an.

''Vorwärts,'' rief er. ''Wir müssen Schutz suchen.''


''Sagt das nochmal!'' König Fíli trat vor, sein Gesichtsausdruck derartig heftig, dass der Anführer der Wache einen Schritt zurückprallte. Ihm war die unangenehme Aufgabe zugefallen, an der Tür zum privaten Gemach des Königs zu klopfen und heute Nacht, ausgerechnet heute Nacht, schlechte Neuigkeiten zu überbringen, am Durins-Tag-Abend.

''Der Wind ist zu böig. Wir haben den letzten Burschen gerade noch so herauf bekommen.''

''Und mein Bruder ist immer noch da draußen?''

Der Anführer schluckte. ''Wir haben ein Notfallbündel runter geschickt. Und er ist nicht allein. Einer aus dem Rettungskommando ist ebenfalls bei ihm. Sie werden sicherlich eine Schneehöhle graben und den Sturm abwarten.''

''Wer ist bei ihm?''

''Eins der Heilermädels.''

''Ein Mädchen?'' sagte Fíli ausdruckslos und bewahrte einen ruhigen und stahlharten Ausdruck, aber eine seiner Augenbrauen zuckte.

''Nÿr, mein Herr, Heilerlehrling. Eine der Besten…'' Die Wache hielt inne, verunsichert von der Reaktion seines Königs.

Doch Fíli schnaubte. ''Abgeschnitten von der Außenwelt, in einer Schneehöhle mit einem Mädchen,'' sagte er mit der Andeutung eines Lächelns. ''Könnte höchst gefährlich sein, auf eine Vielzahl interessanter Weisen.''

Aber die Wache lachte nicht. ''Noch eine Sache, mein Herr. Der letzte Junge, den wir raufgebracht haben…''

Fíli runzelte die Stirn. ''Wie geht es ihm?''

''Böse gebrochenes Bein. Er ist jetzt in der Halle der Heiler. Sagt, er hat eine Botschaft für Euch.''

Fíli starrte.

''Für Euch alleine.''

''Nun, das,'' Fíli griff nach seinen Übermantel und zog ihn an, ''klingt nach etwas, was ich hören will,'' sagte er, steuerte auf die Tür zu und zog seinen ledernen Gürtel fest.


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AN: Danke an Tallboy für die Korrekturen. Das überarbeitete Englische Original ist auf Summeralds account zu finden. Über einen Blick auf meine eigene Geschichte unter Jessie152 würde ich mich freuen. Mahals Blessings, Jessie