Das Ende?

Er konnte nicht mehr klar sehen. Farbreflexe und verschwommene Schatten tanzten vor seinen Augen. Takeshi rang nach Luft. Es fühlte sich an, als läge ein tonnenschweres Gewicht auf seiner Brust und wolle ihn am Atmen hindern. Er hörte Stimmen, doch in den ersten Momenten war er nicht fähig sie zuzuordnen noch zu verstehen, was sie sagten.
All seine Knochen brannten und er glaubte heiße Zangen würden sein Rückgrat zusammendrücken. Doch trotz all dieser Schmerzen konnte er nicht schreien, so sehr lastete immer noch der Atemdruck auf ihm.
,Ist das das Ende?'
Diese Frage war alles, was Takeshi trotz der Schmerzen durch den Kopf ging. Er war nicht in der Lage die Zeit zu bestimmen, aber plötzlich klangen die Schmerzen soweit ab, dass sie für seine Verhältnisse erträglich waren. Die verschwommenen Bilder wurden etwas klarer und nun konnte Takeshi auch die Stimmen identifizieren.
"Takeshi! Oh mein Gott, was ist mit ihm?", hörte er Hyuga, der wohl bei seinem Kopf kniete und völlig verzweifelt klang.
"Zu lange Geschichte um Ihnen das jetzt zu erklären. Hat er irgendeine Verletzung?"
Die Frauenstimme war Takeshi vertraut und auch den dunkelbraunen, kurzen Schopf, den er gegen blendendes Licht erkennen konnte, glaubte er zu kennen.
"Der Fuß.", kam es dann von Wakashimazu, der auch klang, als versuche er krampfhaft ruhig zu bleiben. "Er hat sich in der ersten Halbzeit am Fuß verletzt."
Takeshi spürte wie sein verletztes Bein angehoben und freigemacht wurde. Sein ganzer Körper lag so derartig in Taubheit, dass er all dies wirklich wie durch eine Watteschicht wahrnahm.
"Zurückbleiben!", ordnete eine Takeshi fremde, männliche Stimme an und er konnte nur vermuten, dass damit seine Mannschaftskameraden gemeint waren.
"Verdammt!", fluchte nun wieder die Frauenstimme. "Warum ist das nicht sofort gemeldet und Sawada aus dem Spiel genommen worden?"
"Nun, es war ja nur...", setzte wohl Wakashimazu zu einer Antwort an, doch erneut durchzuckte ein Schmerzensblitz Takeshis Wirbelsäule.
Den Schrei vermochte er nicht zu unterdrücken. Er wand sich versuchte sich von der Rückenlage und somit von den Schmerzen wegzudrehen, doch eine Gewalt hielt ihn fest. Takeshi hörte noch, wie ihm jemand nahe an seinem Ohr etwas sagte, doch genau wie vorhin war er nicht in der Lage die Stimme zuzuordnen oder zu verstehen. Dann verwandelten sich die Farben, wurden immer dunkler, bis ihn schließlich völliges Schwarz umschloss.

Als Takeshi wieder zu sich kam und die Augen aufschlug, musste er sie im ersten Moment gleich wieder zukneifen. Weiss stach ihm in die Augen und nur langsam konnte er sich an die Helligkeit gewöhnen. Dann wagte er schließlich sich umzusehen. Wo war er hier? Was war da auf dem Spielfeld passiert? Er erinnerte sich an die Schmerzen, an die Stimmen. An Hyuga, dessen Stimme er in all den Jahren noch nie so gehört hatte.
, Takeshi! Oh mein Gott, was ist mit ihm?'
Wieder kniff Takeshi die Augen zusammen, doch diesmal lag es nicht am Licht. Sein Kapitän und bester Freund hatte so verzweifelt geklungen. Er war gar nicht fähig den Klang der Stimme zu beschreiben. Takeshi hatte geglaubt, schon alles mit Kojiro Hyuga erlebt und alles von ihm gesehen zu haben. Diese paar Worte hatten ihn eines besseren belehrt.
Ein Geräusch riss Takeshi aus diesen Gedanken. Eine Tür in der weißen Wand, die er bislang nicht wahrgenommen hatte, öffnete sich und drei Personen in langen weißen Kitteln traten ein. Es waren zwei Männer und eine Frau. Die beiden Männer traten auf die linke Seite von dem Bett, in dem Takeshi, wie er jetzt merkte, lag, und schienen etwas zu prüfen. Jetzt, wo die Männer, die Ärzte, vor dem Fenster standen und das Licht abschirmten, sah Takeshi auch die große, komplizierte Maschine, an die er angeschlossen war. Während der eine Arzt die Anzeigen kontrollierte, konnte Takeshi dem anderen mit dem Blick folgen, wie er den Tropf, der in Takeshis linke Hand mündete, kontrollierte und den Verbrauch neu einstellte. Takeshi spürte, wie er mehr und mehr wieder zu sich kam und plötzlich, als ihn der Arzt an der Maschine so prüfend ansah, bemerkte er, dass ihm ein Schlauch im Hals steckte. In einem plötzlichen Anflug von Panik versuchte Takeshi sich das Ding mit der rechten, freien Hand aus dem Hals zu ziehen, doch in diesem Moment trat die bislang im Hintergrund gebliebene Ärztin heran, setzte sich auf die Bettkante und hielt seine Hand fest.
"Ruhig, Sawada.", beruhigte sie ihn. "Ich weiß, dass du das nicht magst, aber wir hatten in deinem kritischen Zustand keine andere Wahl. Wenn du wieder auf dem Damm bist, können wir ihn sicher schnell wieder entfernen."
Dabei hatte sie ihm mit der anderen Hand sanft über den Kopf gestrichen und mit einem Schlag erkannte Takeshi sie. Sie war auch im Stadion gewesen, hatte sich sofort um ihn gekümmert: Dr. Aiko Kazuhara.
"Wir müssen jetzt unsere Visite weiterführen.", erklärte sie dann. "Versprich mir bitte, dass du nicht versuchst dir den Schlauch rauszuziehen, ja?"
Sehr, sehr schwach, beinahe nur andeutungsweise nickte Takeshi. So lange wie er Aiko kannte, vertraute er ihr voll und ganz.
"Gut. Ich komme dann wieder, sobald ich kann."
Ein letztes Mal strich sie ihm über den Kopf und verließ dann mit ihren beiden Kollegen das Zimmer.
Nun war Takeshi zumindest die Situation klar. Sein Körper musste unter der Belastung kapituliert haben, die Schmerzmittel hatten ihn auf dem Feld kurz ins Bewusstsein zurückgeholt, dann war er ohnmächtig und ins Krankenhaus gebracht worden. Takeshi legte den Kopf, so gut es eben ging, in den Nacken. Wieder hörte er Kojiros Worte.
,Toll! Ich wollte ihm das ganze Drama ersparen und habe es doch geschafft ihn mittenrein zu stoßen. Für das, was er da sehen musste, wird er mich hassen.'
Da war sich Takeshi ziemlich sicher.