Der Traum
13. September 1989
13. September 775
Im Jenseits saß der Saiyajin Bardock an einem der vielen blutroten Seen in der Hölle, tief in Gedanken versunken. Vor mehr als acht Jahren hatte der Kaioushin ihn durch einen Trick dazu gebracht, ein armes, unschuldiges Mädchen, seine Enkeltochter, mit Visionen zu verfluchen. Seine Fäuste ballten sich fast von alleine, wann immer er daran dachte.
Kurz danach war der Kaioushin noch einmal zu ihm gekommen, um ihm zu sagen, dass das Ritual erfolgreich gewesen war. Der Drang den Kaioushin zu schlagen, oder noch besser, zu töten, war damals noch mehr gewachsen. Ein Baby seiner wahren Familie zu entreißen war grausam und unverzeihlich. Es war dann auch Zeit gewesen, das zweite Ritual durchzuführen – Bardock musste seinen Schwur, dieses Mädchen mit seinen Visionen zu verfluchen, noch immer erfüllen. Unglücklichweise, seiner Meinung nach, war das ebenfalls erfolgreich gewesen.
Er hatte seitdem die Verbindung, die ihn jetzt mit diesem Mädchen verband, oft genutzt, war in ihren Träumen erschienen, um sie zu beobachten, sie kennen zu lernen. Aber sie würde sich niemals an seine Besuche erinnern; dafür hatte er gesorgt. Seine Verbindung ermöglichte es, ihre Träume und an was sie sich erinnerte, zu manipulieren. Daher hatte er ihr auch schon manchmal geholfen, Albträume oder andere Träume abzuwiegeln, wie der vor etwa einem halben Jahr, die Vision, die sie über Majin Buu hatte. Sie war noch zu jung, zu normal, um sich mit so etwas beschäftigen zu müssen.
Doch hatte er sich schon lange gefragt, ob er ihre Träume noch mehr als eh schon manipulieren kann, und ob er ihre Träume irgendwie mit den Träumen von anderen vereinigen konnte. Er hatte die vergangenen Jahre an dieser Theorie gearbeitet und war sich jetzt fast sicher, dass es möglich war. Er musste es nur versuchen.
Und versuchen würde er es, beschloss Bardock mit einem grimmigen Lächeln. Es war jetzt Nacht in der Welt, in der sie lebte, und in der Welt, in der sie lebten. Es war Zeit für ein kleines Wiedersehen.
„Gute Nacht, Mami", sagte das kleine Mädchen, als ihre Mutter ihr Schlafzimmer verließ und die Tür hinter sich schloss. Sich auf ihren Bauch drehend, wickelte sie die Decke noch enger um ihren kleinen Körper, als sie ihre Augen schloss und bald eingeschlafen war.
In ihrem Traum stand sie plötzlich auf einem weiten Feld, umgeben von hohen Bergen in der Ferne. Es war angenehm warm und eine leichte Brise wehte durch ihr langes blondes Haar. Ein Teil ihres Verstandes sagte ihr, dass sie zu Hause in ihrem Bett war und fest schlief, aber ein anderer sagte, dass dieser Traum zu real war. Soweit sie sich erinnerte, waren ihre Träume noch nie so gewesen.
Lautes Lachen erregte ihre Aufmerksamkeit und in der Ferne konnte sie zwei kleine Gestalten sehen, die in ihre Richtung rannten. Schnell, viel schneller als sie es erwartet hatte, kamen diese Gestalten näher und sie konnte bald erkennen, dass es zwei Jungen waren, die sich gegenseitig jagten.
Sie waren fast an ihr vorbei, als einer von ihnen, ein Junge mit schwarzem Haar, das in alle Richtungen abstand, direkt neben ihr anhielt und sie mit einem neugierigen Ausdruck auf seinem Gesicht betrachtete. Sein Freund – waren die Haare von diesem Jungen wirklich lila?? – hielt auch an, aber er sah etwas verärgert aus. Sie war sich nicht sicher, ob sie den zweiten Jungen mochte.
„Hiya!", sagte der schwarzhaarige Junge plötzlich mit einem weiten Grinsen. „Ich bin Goten. Wer bist du?"
Das Grinsen war ansteckend und sie bemerkte schnell, dass sie genauso weit lächelte. „Ich bin Jenny."
„Nett dich kennen zu lernen!" Unerwartet trat der Junge vor und umarmte sie herzlich. Jenny zögerte einen Moment lang, aber das fühlte sich irgendwie natürlich an, deshalb erwiderte sie die Umarmung mit genauso viel Enthusiasmus. Als sie sich losließen, fragte er: „Willste mit uns spielen, Jenny?"
Sie warf einen besorgten Blick zu dem anderen Jungen, dessen Namen sie immer noch nicht wusste. „Ich weiß nicht…", flüsterte sie leise.
Der Junge, Goten, schaute sie einen Augenblick lang verwirrt an, bevor er verstand. „Oh!" Als er sich seinem Freund zuwandte war ein finsterer Ausdruck auf seinem Gesicht, etwas, das dort irgendwie nicht hinpasste. „Trunks! Was is' los?"
Der andere Junge rümpfte seine Nase und verschränkte seine Arme über seiner Brust. „Sie ist ein Mädchen."
„Na und?" Goten schaute ihn an, seine großen Augen ahnungslos. „Ich finde, sie ist nett!"
„Vielleicht", erwiderte Trunks einfach. „Aber sie ist immer noch ein Mädchen."
Tränen entstanden in ihren Augen. Es war immer das gleiche. Andere Kinder wollten nicht mit ihr spielen, weil sie aus irgendeinem Grund anders war. Sie schniefte leiste und eine Träne lief an ihrer Wange herunter, was den beiden Jungs nicht entging.
Goten, der scheinbar schon einen ziemlichen Beschützerinstinkt für sie entwickelt hatte, blickte seinen Freund nur noch finsterer an. „Nun, siehst du, was du getan hast?!" Ohne seinem Freund einen weiteren Blick zu widmen, drückte Goten das fremde und doch so vertraute Mädchen sanft. „Weine nicht, Jenny. Trunks ist manchmal einfach gemein, aber er kann auch nett sein. Und ich will immer noch mit dir spielen."
„Wirklich?", fragte Jenny, als sie sich die Nase mit dem Ärmel ihres T-Shirts abwischte.
Eifrig nickend sagte Goten, der sie jetzt wieder angrinste: „Natürlich. Und ich bin mir sicher, dass Trunks auch mit dir spielen will. Er will's nur nicht zugeben. Wir spielten gerade Tick, also wenn du…"
Noch ein einziges Mal schniefend und mit einem letzten Blick zu dem anderen, unfreundlichen Jungen, nickte Jenny. „Liebend gerne."
„Großartig!", piepste Goten. „Trunks ist dran, also rennst du besser!"
Er ergriff ihre Hand und zog sie mit sich mit, und, nachdem er einen tiefen Seufzer ausgestoßen hatte, gab Trunks sich geschlagen und folgte ihnen. Schon bald konnte man das laute Lachen von nicht nur zwei, sondern drei Kindern, die richtig viel Spaß hatten, in der Gegend hören.
Viel zu bald konnten sie jemanden nach ihnen rufen hören. „Das ist meine Mom", sagte Goten traurig. „Ich glaube Trunks und ich, wir sollen los."
Sie fühlte ein leichtes Ziehen irgendwo in ihrem Hinterkopf und wusste irgendwie, dass ihre Zeit auch um war. „Ich will hier bleiben", sagte sie zu ihnen, aber sie wusste, dass das nicht möglich war. „Werde ich euch wiedersehen?"
Beide Jungen nickten grinsend. „Natürlich", überraschte Trunks sie, indem er sagte: „Wir sind jetzt Freunde, oder? Ich meine, du bist nicht allzu übel… für ein Mädchen." Er zwinkerte ihr zu.
„Freunde", stimmte Goten zu. „Beste Freunde."
„Beste Freunde", wiederholte sie, da sich der Gedanke etwas fremd anfühlte. Mit keinem ihrer wenigen Freunde zu Hause fühlte sie sich so tief verbunden, wie mit diesen beiden Jungen. Und dann tat sie etwas, dass sie mit anderen Kindern normalerweise niemals machen würde: sie umarmte sie beide und drückte sie ganz fest. „Ich werde euch vermissen."
„Wir dich auch", sagten die Jungs, als sie sie losließen.
Die drei Kinder lächelten sich noch ein letztes Mal an, bevor die Jungs in die andere Richtung rannten. Sie schaute ihnen nach, bis sie verschwunden waren, und kurz danach begann die Welt um sie herum zu verblassen. Sie wachte mit einem Lächeln auf ihrem Gesicht auf.
Noch Tage nach diesem Traum konnten die drei Kinder von nichts anderem reden und erzählten jeder Person, die sie trafen, nicht nur einmal oder zweimal, sondern dreimal oder noch häufiger von der großartigen Zeit, die sie in der Traumwelt verbracht hatten. Die Eltern der Kinder und die anderen Leute nickten alle geduldig und mit einem Lächeln, da sie wussten, dass das letztendlich vergehen würde.
Und sie hatten Recht. Als die Tage vergingen, fanden die Kinder andere Dinge, neue Dinge, mit denen sie sich beschäftigten, und so wurde der Traum weniger und weniger erwähnt, bis sie gar nicht mehr darüber sprachen.
Als sich also etwa zwölf Jahre später die drei Kinder, jetzt erwachsen, in der wirklichen Welt wiedertrafen, waren der Traum und die Freundschaft, die dort entstanden war, schon lange in Vergessenheit geraten.
