Hallo Leute!

Welcome back zum 7. Kapitel von „Muggel für Anfänger".

Schön, dass es so viele gesehen und sich sofort angesehen haben. Viel Spaß jetzt und einen schönen Sonntag noch!

Liebe Grüße
Eure Sea

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Endlich!, dachte Hermine, als Malfoy sich durch den langen Flur auf sie zubewegte.
"Du musst gar nicht so gucken, Granger", sagte er grinsend und machte vor ihre Halt. "Entspann dich mal. Es ist ein - na ja, für jeden anderen, normalen Menschen - schöner Tag, zieh also nicht so ein Gesicht!"
"Pf, was meinst du mit normal?"
"Dass ich eindeutig nicht normal, sondern überirdisch bin!", erklärte er ernsthaft, schob sich geschickt an ihr vorbei und öffnete, ganz der Gentleman, die Tür.
Misstrauisch ging Hermine hindurch und rief noch: "Wir sind gleich wieder da!"
"Lasst euch ruhig Zeit, Nil und ich haben sowieso noch zu tun!", antwortete ihre Mutter.
"Das heißt, sie will, dass wir bis Sechs wegbleiben", seufzte Hermine verdrossen und schulterte ihre Tasche. "Komm schon, Malfoy, wir müssen immerhin eine halbe Stunde laufen."
"Eine halbe Stunde?", hakte Malfoy fast etwas erschrocken nach.
"Mhm", machte Hermine nur. "Und jetzt sind wir ganz, ganz still - kapiert?"
Statt einer Antwort schwieg der Slytherin tatsächlich und folgte ihr in den Feldweg, über den sie zur Busstation kommen würden. Er hatte Recht: Es war ein schöner Tag. Die Vögel und Grillen, die in den Bäumen, am Wegrand und im Gras vor sich hin zirpten oder sangen, schienen den blauen Himmel mit den flockigen Schäfchenwolken noch freundlicher werden zu lassen. Doch dass Malfoy es war, der sie begleitete, machte das Ganze nicht romantisch, im Gegenteil, beängstigend und grotesk.
Hermine verkrampfte sich leicht, was er zu bemerken schien. "Du-", begann er schon, da rief plötzlich jemand: "Hermine! Hermine, bist du das?!"
Hermine erstarrte. "Scheiße …", fluchte sie leise und drehte sich mit einem Lächeln um, das hoffentlich überzeugend wirkte. "Hallo – Mathis", sagte sie, versucht fröhlich mit leicht bröckeliger Stimme. Ihr Nachbar schien das nicht zu bemerken, als er auf die beiden zukam. Malfoy musterte ihn sofort von oben bis unten, als wäre er eine Art Bedrohung.
Hermine hätte gerne die Augen verdreht, aber wenn sie Mathis, diesen nervigen Möchtegern-Franzosen, wieder loswerden wollte, wäre das wahrscheinlich nicht der strategischste Schritt. Man konnte das Rattern in ihrem Kopf geradezu hören, wie sie angestrengt überlegte und gleichzeitig ihr Gesicht versuchte, offen und freundlich wirken zu lassen.
"Du bist wieder hier?", fragte der sonnengebräunte Junge nun und setzte ein strahlendes Lächeln auf, bei dem er sich die Haare nervös aus dem Gesicht strich.
"Ja, irgendwie schon", murmelte sie. Hermine versuchte, so gut es ging, Malfoy zu ignorieren, der zwischen ihnen hin und her sah und das Szenario interessiert verfolgte.
"Und wer ist das? Ich bin Mathis. Alles klar, Alter?", sagte er und schlug Malfoy gönnerhaft auf die Schulter. Der zuckte vor der Berührung leicht zusammen, ging aber keinen Schritt zurück. Sein Gesicht war allerdings leicht angewidert verzogen.
"Sicher, aber-", sagte Malfoy. Er schien schon zu einer unfreundlichen Erwiderung anzusetzen, wo er sicher auf Muggel und einen gewissen Stock in seiner Hosentasche ansprechen wollte, den er Mathis, sollte er ihn noch einmal "Alter" nennen oder ihn auch nur angucken, anfassen oder sonst etwas tun würde, bestimmt auch benutzen würde.
Schnell meinte Hermine: "Das ist Draco. Er ist", sie biss sich auf die Lippe, bevor sie herauspresste: "mein fester Freund – aus der Schule, wo wir hingehen. Und jetzt müssen wir weiter." Eilig schnappte sie sich Malfoy und zog ihn am Stoff seines T-Shirts weiter. "Salut, Mathis, wir sehen uns noch."
Der starrte ihnen nach, wie ein ins Wasser gefallener Hund. Sobald er sich umgedreht und davon stolziert war, seine Würde tapfer versuchte, aufrecht zu erhalten, ließ Hermine ihren "festen Freund" los. Sie atmete erleichtert ein und lehnte sich an einen Baum.
Malfoy war eine Weile still, was Hermine schon überraschte, da meinte er amüsiert: "Wusste noch gar nicht, dass wir zusammen sind. Wie ist es denn passiert? Beim Eisessen?"
Hermine wurde unverzüglich rot. "Ähm, das … also", stotterte sie, fasste sich dann aber lieber, bevor das dämliche Grinsen auf dem Gesicht ihres Gegenübers den ganzen Kontinent einnahm. "Das geht dich gar nichts an!", schnauzte sie schnell.
"Ich denke schon, denn ich sollte wissen, ob ich überhaupt mit dir Schluss machen muss - denn dann müsste ich zuerst meinen Ruf wieder herstellen. Du siehst, es geht mich sehr wohl etwas an", erklärte er arrogant und vollkommen ernst.
Sie verkniff sich ein kleines Grinsen, was aber schnell abstarb. "Schön, wenn es dich interessiert: Mathis ist etwas anhänglich, seit - na ja."
"Seit?", wollte Malfoy wissen und trat einen Schritt näher, sodass Hermine nach rechts auswich, um nicht gegen den Baum zu prallen, sollte er noch näher kommen. "Antworte Granger, oder es wird dein letzter Atemzug sein!", drohte er theatralisch und hob einen Finger, mit dem er anklagend auf sie zeigte.
Hermines Augen weiteten sich verblüfft. Seit wann hatte Malfoy denn - Humor? Doch trotzdem antwortete sie lieber schnell, obwohl ihre Stimme zum Ende hin immer leiser wurde: "Seit wir uns in der dritten Klasse beim Flaschendrehen geküsst haben."
"Was ist denn Flaschendrehen?", fragte Malfoy.
Sie schüttelte ungläubig den Kopf. "Du kennst Flaschendrehen nicht?"
"Nein, ist das etwas, was man kennen muss?"
"Nein, eigentlich nicht", erwiderte Hermine und räusperte sich schnell. "Egal, jedenfalls ... danke, dass du mich nicht verraten hast."
"Dazu hättest du erst einmal den Mund halten müssen", erklärte er feixend. "Aber kein Problem, so lange das heißt, dass ich einen Gefallen bei dir übrig habe."
"Du - nein!", schnappte sie nach Luft und schüttelte heftig den Kopf. "Niemals, Malfoy!"
Er grinste nur und meinte: "Wir werden sehen. Gehen wir jetzt weiter? Ich habe keine Lust, die ganze Zeit hier rumzustehen."

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"Also - das ist ein Bus?", fragte Draco unsicher und betrachtete das riesige Ungetüm vor sich. Es sah irgendwie gefährlich aus, so - muggelich. Er schüttelte sich bei dem Gedanken innerlich.
"Ja", antwortete Granger zum dritten Mal genervt. Sie stand neben der offenen Tür des - wie sie es nannte - Busses und hatte wartend die Arme verschränkt. Draco bevorzugte allerdings Monster, anstatt Busse. "Und jetzt komm schon, du Feigling", forderte sie.
Ja, sie hatte sich eindeutig wieder gefangen, nach der Sache mit diesem Idioten von Franzosen - wahrscheinlich war er das nicht einmal. Wenn Draco sich daran erinnerte kam in ihm die Galle hoch, so wie er schon mit Hermine gesprochen hatte.
Moment, Hermine?
Schnell schüttelte er den Kopf und folgte Granger mürrisch. Sie war ja so eine - Zicke. Aber wenn sie lachte, das musste er zugeben, dann klang sie gar nicht mehr so besserwisserisch, sondern irgendwie normal - na ja, war ja auch schwer beim Lachen nicht wie ein wandelndes Lexikon zu klingen.
Also setzte er sich neben sie, allerdings eher ganz auf die Kante, und wartete, dass etwas passierte. "Was kommt jetzt?", fragte er fasziniert und starrte auf den Mann ganz vorne, der die Beine hochgelegt hatte und in einer Zeitung blätterte.
"Jetzt fahren wir los und sind ungefähr in zehn Minuten da", antwortete Granger trocken.
"Und dann?"
"Mann, Malfoy, normalerweise bin ich diejenige, die die Fragen stellt", sagte sie Augen rollend und stöhnte auf, den Kopf jetzt vom Fenster ihm zudrehend. In ihren Augen stand die Erkenntnis, dass er anscheinend nicht vorhatte zu schweigen. "Also, sobald wir angekommen sind, steigen wir aus, gehen ganz, ganz schnell zum Postamt und dann zeige ich dir ein bisschen die Stadt. Wenn wir noch Zeit haben, können wir nach dem Essen auch noch ins Kino gehen - ich wollte sowieso schon lange mal wieder hin. Da fällt mir ein: Kennst du Disney-Filme? Sie sind wirklich sehr lustig und total niedlich."
"Alles, was niedlich ist, ist mir unbekannt - ich bin ein Mann", näselte Draco und zog die Nase kraus. Niedlich - pah, welches männliche Wesen fand niedlich denn toll?
"Na ja, eher ein trotziges Kleinkind ..."
"Wie bitte, Granger?"
"Nichts, außer, dass wir jetzt rausmüssen, Mann", spottete sie grinsend und schob sich an ihm vorbei durch den engen Bus zur Tür.
Draco hatte gar nicht bemerkt, dass die Busfahrt schon vorbei war. Oder, dass sie überhaupt losgefahren waren.

Grummelnd folgte er ihr - was dachte sie sich? Normalerweise pries sich Draco damit, Mädchen besonders gut zu verstehen, aber Granger war ein echtes Rätsel für ihn. Vielleicht, weil alles an ihr aus Wörtern und Wissen bestand. Und sie einfach zu störrisch war, um sich so einfach zu öffnen, jedenfalls vor ihm, was ihm bei jeder, aber auch JEDER gelang.
Als die beiden hintereinander aus dem Bus kletterten, fuhr dieser schneller wieder ab, als vorher. Draco hätte gerne wieder nachgefragt, aber Granger steuerte schon eine Straße an. Also ging er ihr einfach nach, was er im Übrigen ziemlich hasste, denn normalerweise gingen die Menschen ihm nach.
Sie bogen um eine Ecke und kamen auf einem zugegebenermaßen ganz schönen Platz an, mit einem Brunnen in der Mitte und verliebten Pärchen, die sich in der Sonne zusammensetzten. "Wo sind wir gelandet?", platzte es aus ihm heraus, als er merkte, dass alle etwas anders gekleidet waren - sprich: Umhänge. Um sie herum waren nur Zauberer.
"Ist doch klar, im magischen Viertel von Dover. Noch nie eines betreten?"
"Natürlich", log er, was sie mit einem Kopfschütteln quittierte.
Doch zum Glück wurde sie abgelenkt, als sie ein Schild entdeckte, das den Straßennamen "Potter Street" trug - super. "Hier entlang", sagte sie und verschwand schon in die Richtung.
Als sie eine Weile gelaufen waren, kamen sie vor einem großen Haus an, welches durch Grünrasenflächen von den anderen Reihenhäusern getrennt war. Es war sehr groß, fast so wie Gringotts, wo sein Vater ungefähr fünf Kammern hatte - eine davon legal und unter seinem Namen. Der Rest, tja, mit Bestechung errungen und mit "anonymer Benutzer" gekennzeichnet.
Über dem Eingang, ein heller, offener Torbogen, umrankt von Klee und Efeu, stand "Kobalts' Postamt - Glücklich zu allen Enden des Regenbogens".
"Puh, der Kitsch lässt grüßen. Granger, da werde ich nicht reingehen", schnaubte er. "Das würde meinen Ruf ruinieren."
"Der ist schon ruiniert, aber wenn du hier draußen hocken bleiben willst - gerne." Damit schlenderte sie durch den Torbogen über die Rasenfläche zum richtigen Eingang. Über die Schulter flötete sie noch: "Baby Draco lässt grüßen!"
Kurz stand Draco fassungslos da, dann stampfte er ihr wütend hinterher ins Land des "glücklichen Kobalts" - ob damit das Metall oder ein Name gemeint war, keine Ahnung, Wortspiele waren nicht seine Sache.
Drinnen fand er Granger an einem Schalter, hinter der eine zierliche Elfe saß, mit der sich die Gryffindor anscheinend gerade ziemlich stritt, denn beide schienen etwas verärgert. Also verschob Draco seine Rache-Aktion auf später - hatte sie nicht etwas von "Rummel" gesagt? - und widmete sich lieber der Abteilung mit den Baby-Eulen.
Kleine Fellbüschel umringt von kleinen Kindern, die alle eines auf dem Arm hatten.
Er beobachtete die kleinen, wie sie mit den plüschigen Dingern kuschelten und erinnerte sich daran, dass er seinen Uhu auch in so einem Baby-Eulen-Dingsda gefunden hatte. Er war so schön grimmig gewesen - und hatte immer nach seinen Fingern gepickt, da hatte Lucius ihn sofort gekauft.
Typisch sein Vater.
Da konnte er plötzlich sehen wie sich eines der plüschigen Eulenkinder aus der Menge an Federn, Flügeln und Puscheln löste und sich mutig über den einen Meter hohen Zaun erhob. Es flatterte ein gutes Stück tapfer, geriet dann aber ins wanken und wäre gestürzt - wäre Draco nicht instinktiv vorgetreten und hätte sich die kleine Eule geschnappt.
Keiner hatte (zum Glück) die Szene mitverfolgt, sondern alle beschäftigten sich mit sich oder den Eulen und Elfen, also konnte er das Ganze noch in seiner Peinlichkeit abschwächen und die Eule schnell zurückschicken, bevor jemand etwas bemerken würde. Draco öffnete seine geschlossenen Hände vorsichtig und sah einen - ja gut, einen niedlichen - kleinen Sperlingskauz, der sich dankbar an seine Handfläche schmiegte.
Seine Augen weiteten sich überrascht, als das Federvieh geschickt auf seine Schulter hüpfte, seinen Wiedereinfangversuchen mühelos ausweichend, und sich dort friedlich niederkauerte, als wollte es sich nie wieder von Draco lösen.
"Na, Malfoy, einen neuen Freund gefunden?"

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Hier ein Bild des kleinen "Freundes" von Malfoy. Ich fand es so süß, also habe ich es sofort genommen. Nun ja, nicht wirklich süß – er guckt da so erhaben-ernst, aber trotzdem, so in etwa könnte man sich den Winzling vorstellen … ;) wikipedia/commons/a/ae/Pearl-spotted_Owlet_Glaucidium_perlatum_National_Aviary_