Ich bin so froh, dass es vielen hier gefällt, was ich schreibe, und dass es überhaupt so viele lesen. Danke!

Das Kapitel war hart, ich wusste nicht, ob Sharons Reaktion zu extrem ist, aber es muss so sein. Sagt mir, was ihr davon haltet. Viel Spaß :)

Chapter Six

Sharon wusste nicht genau, warum sie sich sofort in ihr Auto gesetzt hatte, nachdem Elliot sagte, dass Andy im Cedars war. Es war Flynn, den sie zwar schon lange kannte, der aber auch nur ein weiterer Officer war, dessen Wutausbrüche sie schon untersucht hatte. Flynn, der sie nicht einmal 24 Stunden zuvor so unglaublich verletzt hatte. Wahrscheinlich würde sie total fehl am Platz sein, wenn sie jetzt zum Krankenhaus fuhr. Trotzdem zog sie irgendetwas dorthin. Und es war so stark, dass sie gar keine andere Wahl hatte, als zum Cedars zu fahren.

Als Sharon dort ankam, war es kurz nach acht am Morgen, circa neun Stunden nach dem Unfall. Sie lief auf das Wartezimmer zu, auf das die Schwester am Empfang gedeutet hatte. Sobald sie die traurigen und resignierten Gesichter der Major Crimes Unit sah, wusste sie, was sie so dazu bewogen hatte, hierher zu kommen. Schuldgefühle.

Ihr wurde schlecht. Sie hatte kein Recht hier zu sein, sie gehörte nicht dazu. Gerade als sie sich wieder umwenden und gehen wollte, hob Detective Sanchez seinen Kopf. „Captain?" Sharon stand jetzt mit dem Rücken zu Andys Kollegen und schluckte. Obwohl sie die Gesichter nicht sehen konnte, konnte sie die Blicke spüren. „Was machen Sie hier?"

Sharon schloss die Augen und atmete tief ein, bevor sie sich langsam umdrehte. „Hallo."

Alle sahen sie an. Provenzas Blick traf sie am meisten. Er schaute sie verletzt und verwirrt an. So gar nicht Provenza.

„Ich ähm…" Sharon blieben die Worte im Hals stecken. Sie sah nur die Verzweiflung und die Traurigkeit in den Augen des älteren Lieutenants. Plötzlich fingen ihre Augen an zu brennen. „Ich sollte gehen." Damit wandte sie sich um und war aus dem Blickfeld des Teams verschwunden.

Sharon ging schnell. Zum zweiten Mal in 24 Stunden hatte sie das überwältigende Gefühl, zu ersticken, wenn sie nicht sofort verschwinden konnte.

„Captain!" Eine Frau rief hinter ihr her. Sharon wusste sofort, wer es war. „Captain, warten Sie! Bitte!" Sharon seufzte innerlich und blieb abrupt stehen. Brenda lief in sie hinein und stieß erschrocken Luft aus. Sharon drehte sich um, als Brenda gerade ihre Brille zurechtrückte.

„Captain." Brenda sah sie an. „Warum sind Sie hier?" Sharon wollte ihr darauf nicht antworten und war schon wieder dabei zu gehen. Brenda legte ihr eine Hand auf den Arm und hielt sie auf.

„Das war nicht so gemeint, dass ich Sie nicht hier haben möchte. Ich verstehe es nur nicht, nach dem, was gestern…" Brenda sah peinlich berührt auf den Boden. „…passiert ist."

Sharon warf einen Blick auf die Hand, die immer noch ihren Arm umschlossen hielt. Brenda zog sie schnell weg.

„Chief. Ich…" Sharon wusste nicht recht, was sie Brenda sagen sollte. „Wie geht es Lieutenant Flynn?" Sharons Herz schlug schneller, sobald sie die Frage ausgesprochen hatte. Dass Brenda plötzlich den Kopf schüttelte und sich eine gewisse Traurigkeit in ihren Blick legte, machte das Ganze nicht besser.

„Nicht gut, Captain. Der Unfall war sehr schwer. Wir wissen noch nichts Genaueres. Sie mussten die Operation unterbrechen, weil sein Herz verrückt gespielt hat. Im Moment operieren sie wieder. Was soll ich Ihnen sagen, Captain? Er lebt." Sie seufzte und schaute Sharon an.

Sie sah nicht gut aus. Ihr Gesicht hatte eine etwas grünliche Farbe angenommen und sie zitterte leicht. Brenda griff bestürzt nach Sharons Schultern. „Captain? Was ist mit Ihnen?" Sharon schüttelte nur den Kopf, ihre Augen glänzten durch ein paar Tränen, die drohten, ihre Wangen herunter zu fließen. „Captain! Schwester! Hallo?" Brenda wusste nicht, was sie machen sollte. Sie wollte Sharon gerade auf den Stuhl neben ihr setzen, da platzte es dem Captain heraus.

„Er war vor dem Unfall bei mir." Ihre Stimme zitterte und sie sah Brenda immer noch nicht an, aber sie fuhr fort. „Er wollte sich entschuldigen, aber ich hab ihn rausgeschmissen. Ich…" Sharon konnte es nicht länger zurückhalten, die Tränen flossen jetzt und hörten nicht auf. Brenda sah sie verwirrt und beunruhigt an. „Wenn ich nicht so stur gewesen wäre, wenn ich ihn hätte ausreden lassen… Dann…" Sie konnte nicht weiter sprechen, der Kloß in ihrem Hals war zu groß. Sie stand nur da und weinte.

Dann machte Brenda etwas, was sie sich nie hätte träumen lassen. Sie hatte Mitleid mit Sharon und nahm sie kurzerhand in die Arme. „Ist schon gut. Schsch… Ist alles gut." Nach einer kurzen Schrecksekunde legte auch Sharon ihre Arme um die kleinere Frau.

Sie standen einige Minuten so da, bis Sharon sich aus der Umarmung löste und sich die Tränen von den Wangen wischte. Brenda zog sie zu den Stühlen am Rand des Ganges. „Captain." Sharon war damit beschäftigt, ein Taschentuch in ihrer Handtasche zu suchen. „Captain", wiederholte Brenda mit etwas mehr Nachdruck. Sharon sah sie an.

„Ich möchte, dass sie mir jetzt zuhören." Brenda nahm vorsichtig eine von Sharons Händen in ihre eigene. Es fühlte sich seltsam an, schließlich war Sharon ihre Erzfeindin, doch sie wusste, dass es richtig war.

„Andy ist weder von der Straßeab gekommen, weil er unkonzentriert war, noch weil er zu schnell fuhr oder Ähnliches." Sharon sah sie verwirrt an und wollte etwas sagen, aber Brenda drückte ihre Hand und sprach mit ruhiger Stimme weiter. „Der Arzt konnte uns soviel schon sagen. Andy hat eine gebrochene Rippe, die nicht durch den Unfall verursacht werden konnte. Es muss heute Morgen bei der Festnahme passiert sein." Sharon atmete schnell ein und schloss die Augen. Die Festnahme. „Vermutlich ist er durch ein Schlagloch gefahren und dabei hat sich die Rippe verschoben und in den Lungenflügel gebohrt." Sharon sah sie bestürzt an und für einen kurzen Moment fürchtete Brenda, dass sie wieder in Tränen ausbrechen würde, doch dann sah sie langsam Verständnis in Sharons Augen.

„Und dadurch ist er von der Straße abgekommen?" Brenda nickte. Sharon sah zu Boden. Sie konnte nichts für den Unfall, es war die Festnahme.

Plötzlich spürte Sharon, dass ihre Wut auf Andy für den Moment erstmal verflogen war. Sie wollte, dass er wieder gesund wurde. Sharon war sich nicht sicher, ob es bei jedem Kollegen, den sie etwas besser kannte, so gewesen wäre, oder ob es an Andy selbst lag.

Doch im Moment zählte nur eins: Er musste das überstehen.