Früh am nächsten Morgen saß Zora draußen auf dem Balkon und ließ die ersten Sonnenstrahlen auf ihr blasses Gesicht scheinen und schloss dabei genießerisch die Augen. Zwar war sie immer noch verärgert, dass er nichts was sie sagte ernst nahm, aber sie würde sich schon etwas einfallen lassen, um Draco für sich zu gewinnen. Nur was? Trotz alledem war sie guter Dinge und nahm sich vor Draco heute endlich einmal glaubhaft die Wahrheit zu sagen.
So sprang Zora nach einer Weile gut gelaunt durch den Gryffindorturm, die Treppe hinunter und in die große Halle hinein. Hier fand sie jedoch niemanden so beschloss sie wie jeden morgen ihr Brot (dieses Mal unter keinen Umständen Toastbrot) mit nach draußen zu nehmen.
Als sie auch das erledigt hatte und sie nun ungeduldig auf der Mauer saß, in der Hoffnung dass Draco bald kam ihr das schon komisch vor. Normalerweise tauchte Draco schon ziemlich schnell hier auf, aber heute irgendwie nicht. Was war los? War sie vielleicht zu früh dran? Ein wenig ungeduldig wippte Zora mit den Füßen und schaute in den Himmel. Wieso kam er nicht? Während sie so nachdachte stopfte sie sich lustlos das Brot in den Mund und machte ein trauriges Gesicht. Und irgendwie hatte sie auch Angst. Hatte sie Draco vielleicht gestern unbewusst verärgert? Nichts war so einfach wie es schien, stellte Zora nach einer Weile fest und strich sich unbewusst durch die langen blonden Haare.
Wieso war er nicht da? Zora quälte dies Frage, obwohl es vielleicht auch eine simple Antwort gab, aber Zora dachte kompliziert und schaute nun leicht bedröppelt auf den Boden.
Der Wind malte Muster in das Gras unter ihr und die Vögel zwitscherten wie verrückt an diesem lauen Herbsttag.
Nach einer Weile stand Zora auf und schaute zum See hinüber. Wasservögel zierten die Oberfläche des grünen Sees. Der Krake unter der Wasseroberfläche ließ die langen Fangarme aus dem Wasser baumeln.
Wehmütig blickte Zora zum Schloss hinüber und schritt schweren Herzens darauf zu. Wie lange hatte sie jetzt gewartet und er war nicht gekommen? Wo war er nur?

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Am Nachmittag hatte es zu Regnen begonnen und Zora selber fühlte sich, als wenn es in ihr Selbst regnete, so mehr oder weniger. Jedenfalls hätte sie den ganzen Tag heulen können, weil sie Draco einfach nicht finden konnte. Dreimal war sie durch die Schule gerannt und hatte irgendwie versucht Draco ausfindig zu machen, doch er blieb wie vom Erdboden verschluckt. War er vielleicht jetzt auch nach Hause gefahren und sie würde hier bleiben müssen wie auf einer einsamen Insel? Überall war sie gewesen und sie konnte ihn einfach nirgendwo finden.
Nach einer Weile beschloss sie, doch noch einmal in die Bibliothek zu gehen, obwohl sie weder wusste was die dort anfangen sollte, noch, was sie in ihrem Zimmer machen sollte. Eigentlich ging sie nur dorthin, um irgendetwas zu tun. Langsam Schritt sie die Treppe vom Gryffindorturm hinab und wäre sie um ein Haar hinunter gefallen, weil sie auf ihren Schnürsenkel getreten war. Leicht verärgert über sich selber, legte sie den Weg zur Bibliothek zurück und schloss schnell die Tür hinter sich, bis ihr einfiel, dass niemand über sie lachen konnte, weil ja niemand da war.
Leise setzte sie sich an den kleinen Tisch und schaute aus dem Fenster. Irgendwie musste sie ihre Sorgen loswerden. Verdammt, es war später Nachmittag, er musste doch irgendwo zu finden sein.
Nachdenklich zog sie ein kleines Stück Pergament aus einem Buch, dass an der Tischkante lag und drehte es nachdenklich in ihren kleinen Fingern. Zora zog eine Feder aus ihrer kleinen Tasche, die sie immer mit sich herum trug und begann in Gedanken versunken zu schreiben, während sie sich eine Träne aus den Augenwinkeln wischte...
Erschrocken legte sie die Feder nieder, als eines der Fenster unter dem lauen Windzug von draußen anfing, zu klappern. Mit klopfendem Herzen ging sie hinüber und schloss es, doch ein anderes Geräusch hielt sie auf halbem Wege davon ab. Irgendjemand machte sich an der Türklinke zu schaffen.
Ein wenig ängstlich huschte Zora hinter eines der Regale, denn egal wer jetzt dort reinkommen würde, er sollte sie auf keinen Fall in diesem Zustand sehen: leicht verheult und total deprimiert.
Die Tür wurde geöffnet und jemand betrat die Bücherei. Sie hörte leise und vorsichtige Schritte und Zora glaubte, dass sie in Richtung Tisch gingen... und ihr fiel siedend heiß ein, dass ihr Brief noch auf dem Tisch lag. Und in diesem Augenblick hörte sie das Rascheln des Pergaments.
Vorsichtig lugte sie um die Ecke und hätte beinahe einen Schrei ausgestoßen. Dort stand Draco Malfoy und hatte natürlich diesen blöden Zettel in der Hand. Wenigstens hatte es etwas Gutes: sie hatte wenigstens seinen Namen nicht erwähnt.
Sie beobachtete Draco, wie er lange Zeit schweigend über das Pergament gebeugt las und Zora hoffte schon, dass er bald gehen würde und sie ihm dann rein zufällig über den Weg laufen könnte, denn so wollte sie ihm wirklich nicht begegnen. Vorsichtig versuchte sie noch mehr zu erhaschen, doch Zora wäre nicht Zora, wenn sie nicht auch das vermasselt hätte. Sie verlor das Gleichgewicht und stolperte nach vorne, wobei sie sich zwar noch versuchte am Bücherregal festzuhalten, jedoch nur eine Reihe von Büchern erwischte und diese lautstark mit sich riss.
„Hi Zora!" Draco begann zu lachen und sie konnte erkennen, dass er immer noch das Pergament in der Hand hielt.
Verärgert rappelte sie sich auf und hielt Draco ihr das Papier unter die Nase.
„Ist das von dir?"
Zora brachte es nicht fertig irgendetwas gegenteiliges zu sagen und nickte stumm.
„Ich hätte dir so etwas romantisches nicht zugetraut. Sag bloß das hast du für Harry geschrieben... Niedlich. Ich verrate ihm auch nichts." begann er direkt zu sticheln.
Zora schwieg mit verkniffenem Mund und schaute zu Boden.
„Also wirklich für Harry?" er lachte, doch als Zora ihm nun unverwandt in die Augen sah, verstummte sein Lachen. „Nicht für Harry?"
„Für dich..." wisperte sie leise.
„Für... mich?" wiederholte Draco perplex.
Sie nickte kaum erkennbar.
„Erzähl mir nichts..." sagte Draco genauso leise, aber nicht wirklich überzeugt.
„Doch..."
Draco ließ das Pergament fallen und machte einen Schritt auf Zora zu.
Ein wenig angstvoll blickte sie an ihm hoch, denn der blonde Slytherin war um Einiges größer als sie.
Zora wich an die Wand zurück und schaute Draco immer noch skeptisch an.
„Mensch, Dolarhyde, ich hätte dir ja so einiges zugetraut, aber das..." ein leichtes Lächeln umspielte seine Lippen, als er sich plötzlich zu Zora hinab beugte und mit einer Hand leicht ihr Kinn anhob.
Zora schloss ein wenig ängstlich die Augen und presste ihre Hände an die Bücherwand hinter sich.
„Hättest du nicht einfach wie jeder normale Mensch etwas sagen können?"
Damit küsste er sie einfach. Für einige Minuten blieben sie so und als er sich schließlich von ihr löste strich er ihr das blonde Haar aus dem Gesicht und lächelte.
„Du bist so ziemlich die Letzte, von der ich das gedacht hätte."