@Ceres

So, da hast du das nächste Kapitel ^.^ Und ich hab´s pünktlich fertig bekommen.

@alle, die wollen, dass ich aus dem Ding eine Slash Fanfiction mache

Sorry, das war ein Scherz gewesen. Ich hatte es eigentlich nicht vor, da ich das Apirng

irgendwie ... unpassend? Finden würde, außerdem würde dann die Fic vermutlich auf ein noch

furchtbareres Nieveau abrutschen, als sie es eh schon ist (ich läster hier jetzt nicht über Slash

(ach neinXP?), es kommt immer drauf an, wie bei allen Fanfictions). Aber trotzdem ein

RIESENDANKE für die Reviews. Ich hab mich gefreut, wie ein Honigkuchenpferd.

@allgemein alle, die gereviewt haben

DANKE ^________________________________^ *schokoladeverteil*

@der duderich

Soch, da isses. Und DU bist am Schluss schuld. Soch.

7. The Candy Trap

Die Innenstadt drohte, zur Weihnachtszeit immer zu explodieren. Vor kaufwütigen

Hausfrauen, Großfamilien und einfachen Nachzüglern, die so schlau waren, die letzte

Möglichkeit vor Weihnachten zu ergreifen um sämtliche Weihnachtsgeschenke auf einmal zu

kaufen. Eigentlich hielt man sich zu dieser Zeit beileibe nicht an diesem Ort auf, es sei denn,

man liebte es, sich durch riesige Menschenmassen zu drängeln, wobei einem mindestens an

die zwanzig mal auf den Fuß gelatscht wurde und einen an jeder Ecke ein im Sommer

arbeitsloser Weihnachtsmann anfiel. Oder man hieß einfach Auron.

Griesgrämig arbeitete er sich durch das Gedränge, in der Hoffnung, irgendwo ein Café zu

finden, indem er die nächste Stunde warten konnte, dass Tidus mit seinem Aufnahmetest

fertig war.

Der Blitzball-Verein, in welchem auch Mia spielte, hatte sich bereit erklärt, vielleicht eine

Ausnahme zu machen und Tidus schon mit seinen neun Jahren aufzunehmen. Vorausgesetzt

das Talent stimmte.

Weg vom Kaufhaus zukommen war wie gegen ein Lawine anrennen, zumindest kam es

Auron in diesem Moment so vor. Es war erschreckend, wie rabiat die Leute zu dieser Zeit

waren. Er hatte bereits mehrere Ellbogen in die Rippen bekommen, seine Füße waren platt

getreten und er bezweifelte, dass er jemals wieder hochkäme wenn er ersteinmal hier stürzen

würde.

Abgerundet wurde das allgemeine Bild des Schreckens durch die weiße Pracht, die da vom

Himmel kam, sich allerdings mit Hilfe der Menschenmassen und dem Räumungsdienst auf

dem Boden in eine braune, wässrige Masse verwandelte, die einem die Hosenbeine versaute

und durch ihre Nässe zur allgemeinen Erkältungsgefährdung beitrug.

Auf den Straßen in der Innenstadt herrschte ein Verkehrschaos, das sich gewaschen hatte und

das infernalische Gehupe und Gemecker der Autofahrer machte die weihnachtliche

Endzeitstimmung perfekt.

Irgendwie hatte es Auron geschafft, sich dann doch bis an die Seite der Einkaufsstraße zu

drängeln und sich in ein Café zu retten, bevor ihn der Strom an Menschen ergreifen und mit

sich reißen konnte.

Noch ein Bonus dieser Jahreszeit war, dass in Cafés, Läden und sowieso fast überall, wo viele

Menschen herumlungerten, alles schwamm. So auch hier, aber das ignorierte Auron jetzt

einfach geflissentlich und setzte sich an den nächstbesten Tisch, so weit wie möglich vom

Fenster weg. Von draußen tönte immer noch der Krach der Masse herein, selbst bei

geschlossener Tür. Gut besucht war das Café nicht gerade, drei Tische von Auron entfernt

saßen nur noch zwei alte Männer, die sich wohl über irgend etwas sportliches unterhielten und

eine Mutter mit zwei kleinen Kindern, die ihren Kakao schlürften.

Die Bedienung, eine überfreundlich lächelnde junge Frau, die vermutlich selbst dann ihr

Gesicht nicht vor einem Kunden verziehen würde, wenn dieser ihr sagen würde, dass ihre

Familie gerade gestorben wäre, huschte auch gleich her, um seine Bestellung aufzunehmen.

Eigentlich hatte Auron gar nichts bestellen wollen, aber weil er nicht rausgeworfen werden

wollte, nahm er einen Tee, wie sonst auch.

Es war ein Nullachtfünfzehn-Café, in dem Auron saß, weiße Wände, mit ein paar hübschen

Schwarzweißbildern an der Wand, zwei Palmen in der Ecke und über ein Radio wurde der

Kunde mit dem aktuellen Chartgejammer beschallt.

Aurons Blick fiel auf die Zeitungen, die an der Wand hingen.

Ab und zu hatte er es sich angewöhnt, sich ein bisschen über die aktuelle Lage aufzuklären.

Er fand es tatsächlich recht interessant, über Städte zu lesen, die in Spira nur noch als Ruinen

zu sehen waren. Eigentlich hatte Auron Lust, einmal aus Zanarkand herauszukommen, die

Welt, wie sie vor Tausend Jahren war, sich einmal anzuschauen. Er wollte sich unbedingt

einmal Thalia ansehen, die vom Orden verteufelte Stadt, die am Ufer des Illuminums auf

Brücken gebaut worden war.

Und es war ebenfalls spannend, den Aufstieg der späteren Städte zu beobachten. Wer hätte

schon gedacht dass das Unterhaltungszentrum Spiras, die Stadt Luca vor tausend Jahren ein

200-Seelen Fischerdorf gewesen war.

Nur Bevelle schien noch nicht auf der Bildfläche erschienen zu sein, eine Sache, die Auron

beschäftigte.

An den Schlagzeilen ließ sich erkennen, dass sie hier nur die ganzen Sensationsblätter hatten:

„Mann wird ein Kuhherz eingepflanzt."

„Hilfe! Fleischfressende Bakterien in Tiefkühlkost!"

„Skandal! Schönheitskönigin ist ein Mann!"

Aurons Blick blieb auf einer dieser Schlagzeilen stehen:

„Jechts Agentin gibt zu: Ja, ich hatte ein Verhältnis mit ihm!"

Unterlegt war das ganze mit dem Bild einer vollgeschminkten Frau mit einer hochtoupierten

Frisur, die leidend in die Kamera schaute, im Hintergrund ein Bild von Jecht.

„Was zum...?", murmelte Auron, dann stand er auf, um sich die Zeitung zu holen, während

ihm die Bedienung den Tee hinstellte.

Es hatte schon öfters irgendwelche Skandale um den Blitzballer gegeben. Irgendwelche

Leute, die behaupteten, ihre Nachbarn hätten Jechts Leiche verstückelt im Keller versteckt,

Jecht habe sich einfrieren lassen und würde wiederkommen und nicht zu vergessen, Lilian sei

in eine psychiatrische Klinik eingeliefert worden.

Alles Sachen, die man eigentlich als Mist abtun konnte. Aber das hier war anders. Die Frau

hier hatte so etwas wie Glaubwürdigkeit, ganz egal, ob sie nur Schwachsinn redete, oder

nicht.

„Er wird ausflippen...", flüsterte Auron, während er am Tee nippte und den Artikel las.

Die Halle in der die Mannschaft immer trainierte, war nicht unbedingt eine der größten.

Vielmehr handelte es sich hierbei eher um einen Schuppen, ein winzig kleines Ding, das zu

einer Schule gehörte. Hier trainierten sie alle zwei Wochen, in der jeweils anderen Woche

gingen sie in der Schwimmhalle.

Mia saß auf der Bank und sah missmutig zu, wie Tidus auf dem Spielfeld versuchte, zu retten,

was noch zu retten war. Klar, schießen konnte er, das musste auch der Trainer zugeben, und

Pässe fangen konnte er auch einigermaßen, aber beim Pass werfen fing das Dilemma an und

es endete bei seiner Ausdauer. Er hatte bis jetzt auf größere Entfernung als 4 Meter keinen

fangbaren Pass hinbekommen und beim Laufen hielt er keine Runde durch.

Sie seufzte. Inzwischen war der Trainer wieder auf das Feld gekommen und redete jetzt mit

Tidus. Mia konnte sich schon denken, was ihm der Trainer sagte: „Sorry, aber warte noch

zwei Jahre. Du bist einfach noch nicht so weit."

Und es war auch abzusehen, dass Tidus die nächsten Tage am schmollen sein würde.

„Ach, komm schon.", versuchte Mia Tidus aufzuheitern, während um sie herum alle lachten

und alberten, „dann wartest du eben noch zwei Jahre, na und? Dann müssen sie dich

nehmen."

„Nur noch zwei Jahre.", äffte Tidus sie nach und zog dabei eine Grimasse, „Das ist nicht

fair!"

„Ach komm, hör auf. Ich bin auch erst mit elf ins Team gekommen."

„Ich hab´ mich so angestrengt!"

Mia verdrehte die Augen und sagte nichts mehr. Sie hatte jetzt keine Lust, weiter mit ihm zu

streiten, da sie auch gar nichts dafür konnte.

Die Wege der beiden trennten sich an den Türen zur Umkleidekabine.

Die Mannschaft war nicht gerade groß. Es gab drei Mädchen und vier Jungs, mit denen Tidus

jetzt zusammen in der Umkleidekabine saß. Er wollte hier nur so schnell wie möglich raus. Er

kam sich schrecklich unzugehörig vor, wie die anderen da saßen und Späße machten und

lachten, über Missgeschicke während des Trainings oder während vergangener Spiele, von

denen Tidus keine Ahnung hatte. Er war so sauer und enttäuscht, dass er am liebsten einfach

laut losgeschrien hätte. Normalerweise hätte er jetzt einfach auf den nächstbesten Ball

eingetreten, aber danach war ihm jetzt von allen Dingen am wenigsten zu Mute. Er war

schlecht. Sie wollten ihn nicht im Team haben.

Statt dessen heulte er los. Beziehungsweise sein Körper hatte das zumindest jetzt vorgesehen

und schickte schon einmal die ersten Vorzeichen los, wie feuchte Augen und zitternde

Lippen, aber Tidus hatte etwas dagegen. Zumindest nicht hier vor den ganzen Jungs.

Ruppig wischte er sich die Tränen aus den Augen und zog sich seine Jacke über, dann

schnappte er sich seine Tasche, während er dem betroffenen Jungen auswich, der wohl

gemerkt hatte, was mit ihm war. Mit einem leisen Tschüss schloss er die Tür und rannte über

den Flur nach draußen, nur raus aus dieser Halle.

Nach eingibigen Überlegungen war Auron zu dem Schluss gekommen, dass es besser war,

wenn er die Geschichte mit Jecht Tidus irgendwie sofort beibrachte, bevor er in der Schule

damit aufgezogen werden würde und dann wieder ausflippte.

Ja, auf die schonende, aber bestimmte Art. Danach würde der Junge zwar ersteinmal wieder

tagelang Hasstiraden auf seinen Vater hinabregnen lassen, ganz egal, ob es nun stimmte, aber

das würde sich auch legen.

Er selbst stand der Sache relativ ratlos gegenüber. Einerseits war die Quelle eher fragwürdig

und vielleicht war dies ja auch nur ein Versuch der Agentin, sich noch einmal ins

Rampenlicht zu stellen, aber andererseits... andererseits traute er es seinem Freund irgendwie

auch zu, und das war das Problem. Alle taten das. Komischerweise war dieser Mensch mit

den verfilzten Haaren, dem schon fast ekelerregenden Körpergeruch und dem losen

Mundwerk ein Frauenschwarm. Weder Auron noch Braska hatten ihm zu Anfang glauben

können, dass er Frau und Kind hatte, vor allem da er ab und zu dann doch dazu geneigt hatte,

die weibliche Bevölkerung Spiras anzubaggern, auch wenn nie mehr daraus wurde.

„Das wird ein Spaß...", dachte Auron, während er, dieses Mal auf einer Nebenstraße in

Richtung Turnhalle marschierte.

Pünktlich auf die Minute sah er einen unter einer Kapuze versteckten Tidus die Treppe

herunter laufen.

„Wie war´s?", fragte Auron von weitem, die Hände in den Taschen seiner schwarzen

Winterjacke. Die Frage erübrigte sich, wenn man betrachtete, wie der Junge mit gesengtem

Kopf auf ihn zugeschlichen kam.

„Scheiße...", flüsterte er mit zitternder Stimme und schniefte leise, ohne stehenzubleiben.

Auron folgte dem dahinschlurfenden Bündel Elend in Richtung S-Bahn. „Nicht sein Tag

heute."

In der U-Bahn hatte Tidus dann angefangen, zu heulen. Die Leute hatten ihn angestarrt und

Auron hatte nicht wirklich gewusst, was er hätte tun sollen. Tidus war nur böse geworden, als

er versucht hatte, ihn zu trösten. Der Junge hatte gejammert, wie ungerecht das doch war, und

wie er sich doch angestrengt hatte, was Auron dann irgendwann von dem Plan abgebracht

hatte, dem Jungen in nächster Zeit zu erzählen, was die Zeitungen jetzt schon wieder über

seinen Vater schrieben.

Und jetzt saß er im Wohnzimmer, schmollend und aus dem Fenster starrend. Woran er jetzt

eigentlich gescheitert war, wollte er nicht erzählen und überhaupt hatte er seit der S-Bahn

nicht mehr den Mund aufgemacht. Auron sah sich nicht wirklich im Stande, momentan Tidus

irgendwie helfen zu können. Das Problem mit ihm war, dass er sich immer in sämtliche Dinge

reinsteigerte und sofort im Selbstmitleid ertrank. Genau, wie seine Mutter... wie Lilian.

Das Piepen der Tür drängelte sich zwischen seine Gedankengänge und herein kamen Naki

und Freddie, beide dick eingepackt und halb durchnässt vom Schnee.

„Hallo, auch...", keuchte Naki und drückte Auron eine Tüte mit Weihnachtsgeschenken in die

Hand, „Versteck die mal in der Küche..."

„Hey, Tidus!", rief Freddie gutgelaunt ins Wohnzimmer, während er sich im Flur die Stiefel

auszog, „Wie war´s?"

Au weia, dachte Auron und fasste sich an die Stirn, jetzt kommt die gleiche Leier noch mal.

„Hey was ist denn?", fragte Naki erstaunt neben ihm, was sich jedoch beantworte, als der

Junge ein lautes, wütendes „Für den Arsch!!!" zurück ins andere Ende des Hauses feuerte und

Auron ihr einen angenervten Blick zuwarf.

„Er wurde nicht genommen.", erklärte er, während er die Geschenke auf den

Küchenschränken, nicht erreichbar für kurze Kinderarme, platzierte.

„Wieso denn das?"

Auron zuckte mit den Schultern und zeigte in Richtung Wohnzimmer: „Frag ihn selbst."

„Freddie ist so ein Idiot!", zischte Naki, möglichst leise, damit es nicht ins Wohnzimmer

drang, entweder, damit Freddie oder Tidus nichts davon hörten.

„Was hat Freddie damit zu tun?"

„Er meinte, für Tidus ein paar echt teure Blitzballschuhe kaufen zu müssen. Ich sag´ ihm

noch, `Warte erstmal ab´, aber neeeeein..."

Auron sah sie mit hochgezogenen Augenbrauen an. Er war sich nicht sicher, ob er das als eine

von Nakis üblichen Gebt-Mir-Mitleid-Geschichten handelte, die er, wie sonst auch ignorierte

oder ob es ein böses Vorzeichen für ein total in die Hose gehendes Weihnachtsfest war.

Insofern er so etwas, wie ein Weihnachtsfest überhaupt als in die Hose gegangen beurteilen

konnte. Es war ja erst das zweite, das er miterlebte. Inzwischen hatte er begriffen, dass es

dabei wohl um Nächstenliebe und sowas ging, auch wenn ihm die überfüllte Zanarkander

Innenstadt etwas anderes hinterherschrie.



Am Abend war Tidus immer noch mies gelaunt. Stinkig und mit einem Schmollmund saß er

auf der Couch und zappte ziellos durchs Programm, während Naki in der Küche Abendessen

machte und Freddie neben ihm saß und eine Zeitschrift las und Auron saß im Sessel und

starrte so vor sich hin auf die Mattscheibe. Manchmal glaubte Tidus, dass Auron echt eine

Schraube locker hatte. Immer in solchen Momenten. Ein Außenstehender hätte dieses

Verhalten als gefesseltes Fernsehschauen interpretiert, aber Tidus kannte ihn jetzt inzwischen

gut genug, um zu wissen, dass er das Fernsehprogramm hasste, wie die Pest, mal von einigen

Ausnahmen abegesehen.

Der Finger des Jungen drückte in einem kontinuierlichen Takt auf den Programmschalter.

Zapp-Zapp-Zapp. Das Programm rauschte an seinen Augen vorbei.

Nein, bei Auron war es etwas anderes. Er schien in diesen Momenten immer völlig abwesend

zu sein und vollständig in seiner Gedankenwelt herumzugurken.

Tidus hatte festgestellt, dass seine Oma, die jetzt tot war, früher immer genauso weggetreten

im Sessel gehockt hatte. Nur leider reagierte Auron nicht so lustig, wie seine Oma, wenn man

ihn ansprach. Die alte Frau hatte immer losgeschrien und sich erschrocken umgesehen und

gefragt, wo sie sei.

Tidus hatte Auron einmal gefragt, ob er sich nicht total dämlich dabei vorkomme, wie ein

alter Tattergreis vor sich hin zu glotzen. Auron hatte ihn dann allerdings nur an Tausende

Sachen erinnert, die dem Jungen zutiefst peinlich waren, von einem Mädchen verprügelt

worden zu sein, sich einmal an einem Glas Milch so verschluckt zu haben, dass sie ihm aus

der Nase wieder herausgelaufen kam und so weiter. Dem Mann einen Vorwurf machen zu

wollen war, wie gegen eine Gummizellenwand rennen.

Nichtstun und Denken waren eine großartige Sache, fand hingegen Auron. Zumindest, wenn

man sonst immer mit so einem Plappermaul wie Tidus im Schlepptau zusammen war.

Inzwischen hatte der Junge auch begriffen, dass er von ihm keine Antwort in diesem Zustand

bekommen würde, also hatte er seine Ruhe zum Nachdenken. Momentan, wie er weiter mit

der Affäre von Jecht mit seiner Agentin verfahren sollte. Wenn es denn eine gab. Hoffentlich

würden es die Medien nicht so aufblasen.

Auf dem Fernseher rasten die Programme vorbei, für Auron war es kaum erkennbar, was da

überhaupt lief und er fragte sich, wie Tidus in weniger als einer Sekunde eine Sendung als

schlecht und damit als umschaltwürdig beurteilen konnte. Die abgehackten Worte der

Moderatoren und Schauspieler klangen so wirr zusammengesetzt wie eine fremde,

merkwürdige Sprache. Gelangweilt schaute Auron weiter auf den Bildschirm, als er plötzlich

im Bruchteil einer Sekunde den Namen Jecht hörte und das Gesicht der Agentin aus der

Zeitung sah. Er hielt die Zeitspanne zumindest für so lange, auch wenn ihm dieser kurze

Augenblick sehr viel länger vorkam. Erschrocken sah er auf den Fernseher, als Tidus auch

schon weiterzappte und ihm jetzt eine Talk-Show-Moderatorin ins Gesicht grinste.

Er drehte sich zu Tidus um, allerdings verriet ihm der gelangweilte Gesichtsausdruck des

Jungen, dass dieser nicht mitbekommen hatte, was da eben auf dem Programm kam. Glück

gehabt. Obwohl... wer wusste, ob nicht irgendwoanders auch darüber berichtet wurde.

„Tidus, dieses Rumgezappe macht einen ja Wahnsinnig!", Freddie langte nach der

Fernbedienung in Tiduss Hand und nahm sie ihm Weg.

„Hey, gib die her!", schrie Tidus schnappte nach dem Kontrollgerät. Freddie sprang in dem

Moment auf, genau wie der Junge, dabei fiel die Zeitschrift auf den Boden und die Seiten

verblätterten sich.

„Gib sie zurück!", Tidus versucht, durch Springen an die Fernbedienung heranzukommen,

was nicht klappte, da er Freddie gerade mal bis zur Brust ging und dieser das Teil zu allem

Überfluss auch noch hoch hielt.

Auron starrte auf die aufgeschlagene verprummelte Seite des Heftes am Boden. Zwischen

Freddies Fuß hindurch war die Überschrift zu lesen: „Die heimliche Liebschaft des

Blitzballers".

Bitte nicht noch mehr. Jetzt befand sich Auron wirklich in einer prekären Lage. Er musste

irgendwie durch das Gerangel, das obendrüber stattfand an die Zeitschrift herankommen,

ohne dass Tidus was davon mitbekam, was drinne stand.

Was sich als unmöglich herausstellte.

„Ist das alles, was du kannst?", grinste Freddie den Jungen an, der verzweifelt hochsprang um

an die Fernbedienung heranzukommen. Und dann hatte auch er es gesehen. Die Überschrift.

Als Freddie seinen Fuß einen Zentimeter zur Seite geschoben hatte, sah auch er die

Überschrift, als er zu Tidus hinunterschaute, sein Grinsen erstarb, sein Arm sank nach unten

und der Kleine schnappte sich die Fernbedienung, ohne auf Freddies Verhalten weiter zu

achten.

„Was zum...", murmelte er, bevor er begriff und blitzschnell die nun zerfledderte Zeitschrift

aufhob. Fragend schaute er Auron an, dann gingen beide Männer in die Küche.

Es wären so tolle Ferien geworden. Weihnachten vor der Tür, keine Schule mehr und endlich

Blitzball im Verein. Aber irgendwas ging ja immer schief. Echt typisch.

Lustlos lungerte Tidus in der Ecke herum, während Auron und Freddie den Tannenbaum von

draußen reinhievten. Es war der 24. Dezember.

„Tidus, sei so gut und mach die Tür hinter mir zu.", Auron schob sich mit dem Ellenbogen

seine Brille zurecht, da er keine Hand frei hatte, dank des Tannenbaums. Sie hatten das Ding

vor drei Tagen gekauft, Freddie und Naki und bis jetzt hatte er auf dem „Deck", oder Terasse

oder wie man es auch nennen sollte, gestanden.

Barfuß schlurfte der Junge zur Tür und schloss sie mit einem lauten Quietschen. Danach

packte er sich aufs Sofa und starrte auf die schwarze Mattscheibe, während im Hintergrund

die beiden Männer feststellten, dass der Baum nicht in den dafür vorgesehenen Ständer passte.

Fernsehen durfte Tidus plötzlich auch nicht mehr, „um es im Haus weihnachtlicher sein zu

lassen.", O-Ton Naki. Keine Ahnung, was sie plötzlich überkommen war, aber gestern Abend

war sie plötzlich angetanzt, hatte ihm die Fernbedienung weggenommen und jetzt hatte er

über die Feiertage Fernsehverbot. Was für ein Ferienbeginn!

Plötzlich sprang er wieder auf. „Ich... ich muss nochmal los... zum Kiosk... bevor er

dichtmacht. Ich brauch´ noch Kaugummis...", er brauchte eigentlich gar keine, Tidus hatte

sich schon vor Tagen so eine Art kleinen Vorrat angelegt. Seine neueste Macke waren

nämlich diese knallpinken, klebrigen, süßen Blasenkaugummis, die beinahe jeden Menschen

in den Wahnsinn trieben, wenn man damit Blasen machte. Aber er wollte hier raus, raus aus

diesem Haus, raus, an die frische Luft, weg von diesem Baum, weg von Freddie, Naki und

Auron, die alle so furchtbar in diese Festtagsstimmung hereinzupassen schienen. Na schön,

sah man mal vielleicht von Auron ab. Der hatte sich irgendwie schon die letztes Jahr nicht für

das Weihnachtsfest erwärmen können, wusste der Teufel warum.

Tidus lief in den Flur und zog sich seine Schuhe an.

„Ich komme mit.", hörte er Auron hinter sich sagen und drehte sich auf dem Boden sitzend,

um.

„Wozu denn das?"

„Ich brauch noch über die Feiertage ´ne Zeitung."

„Ich bring sie dir mit."

„Nein, ich brauch´ frische Luft."

Na toll, Tidus verdrehte die Augen. Jetzt hatte er schon wieder Auron an der Backe. Und

außerdem würde er sich jetzt wirklich noch Kuagummis kaufen müssen.

„Dann beeil dich...", murmelte der Junge, während Auron seine schwarze, abgegriffene

Winterjacke anzog. Tidus fand, dass der Mann herumlief, wie ein Penner. Eine Pennerjacke

(auch wenn er froh war, dass Auron jetzt nicht mehr Non-Stop in seinem roten Mantel

herumlief, den er noch viel schlimmer fand), eine abgetragene Pennerjeans,

Pennerwinterstiefel, die schon an die zwanzig Jahre alt schienen und nicht zuletzt die immer

noch recht langen Haare, die er hinten zu einem schlampigen Zopf zusammengebunden hatte.

Die meisten Leute fanden es eher ziemlich respekteinflößend, aber Tidus fand es einfach

peinlich. Es war bestimmt ein Jahr her, dass Auron mal beim Friseur war.

Der Junge war gerade so damit beschäftigt, sich zu ärgern, dass er gar nicht bemerkte, wie

Auron die Tür hinter sich zumachte. Argh, verdammt. Wieso war immer er es, der verarscht

wurde? Böse rannte Tidus dem Mann mit den langen Haaren nach, nachdem er draußen die

Tür hinter sich zuknallte.

Der Weg zum Kiosk verlief schweigend. Es war Vormittag und die Luft war schneidend kalt,

aber trocken. Während Tidus neben Auron herlatschte, dachte er nach. Über Weihnachten und

das Ganze. Irgendwas war dieses Jahr los mit ihm. Okay, die Ferien hatten scheiße

angefangen, er musste noch eine Ewigkeit warten, bis er Blitzball im Verein spielen konnte,

aber... vielleicht war es ziemlich dumm, sich davon einfach Weihnachten versauen zu lassen.

Die letzten Jahre, ach eigentlich immer schon hatte er dieses Fest geliebt! Geschenke,

Süßigkeiten und wenn man Glück hatte sogar Schnee vor der Tür, was dann ja wohl das

coolste Weihnachten überhaupt war. Irgendwie benahm er sich dieses Jahr wie... Oh mein

Gott!, dachte Tidus, ich benehme mich wie Auron! Tidus zog angesäuert die Mundwinkel

nach unten. Wenn das nicht ein schlechter Einfluss war.

Eigentlich brauchte er gar keine Zeitung mehr. Auron hatte sich über die Feiertage relativ gut

mit lesenswertem eingedeckt. Allerdings hatte er sich mit Naki und Freddie darauf geeinigt,

dass es für ein Weihnachtsfest vorteilhafter war, Tidus über die Feiertage zu ersparen, was die

Zeitungen mal wieder über Jecht schrieben. Und irgendwer musste jetzt dafür sorgen.

Der Kiosk tauchte vor ihnen auf, obwohl es eher eine Art unterschätzter Supermarkt in einer

Garage war. Oder so ähnlich. Er mochte den Laden nicht wirklich, er war a) Teuer und b) war

der Verkäufer ziemlich unfreundlich und machte allgemein einen so interessierten Eindruck

wie ein sechsjähriger, cooler Junge in der Barbie-Abteilung im Kaufhaus.

Mit einem Seitenblick auf Tidus, der vorne an der Theke seine Kaugummis (welche er ja

eigentlich gar nicht brauchte, aber das wusste ja Auron nicht) kaufte, sah er sich die

Zeitschriften im Regal an, auf der Suche nach Schlagzeilen, die irgendwas mit Jecht zu tun

haben konnten. Mist... Er erspähte mindestens drei Zeitungen, auf denen Jechts Gesicht

prankte. Wieso mussten die Zeitungen eigentlich immer alles so aufblasen? Er hasste die

Klatschpresse. ~Glückwunsch. Jetzt bist du schon fast so weit, wie der Zanarkander

Durchschnittsmensch. Sieht man mal von den ganzen Idioten ab, die kein Leben haben.~,

raunte ihm seine Innere Stimme zu. Was sich inzwischen als nächste Sorge in Aurons Hirn

schob: Was, wenn Tidus da mit reingezogen wurde und demnächst irgendein Klatschreporter

bei Naki vor der Tür stand?

„Hey Auron. Was schaust du denn da solange?"

Hinter ihm stand Tidus und glotzte ihn genervt an. Etwas zu ruckartig drehte sich der Mann

um und versuchte, sich möglichst groß zu machen, um Tidus die Sicht auf die Zeitungen zu

versperren.

„Nichts. Bist du fertig?", er musste ziemlich dämlich wirken, da Tidus ihn jetzt mit

hochgezogenen Augenbrauen anstarrte, als hätte er was im Gesicht.

„Du wolltest dir doch noch deine Zeitung kaufen. Oder findest du sie nicht?", der Junge

grinste, dann ging er an Auron vorbei zum Regal oder zumindest hätte er das getan, hätte

Auron ihn nicht am Arm festgehalten und ihn zurückgezogen.

„Ist schon gut. Lass uns wieder los. In der Zeitung steht sowieso nichts.", so dämlich er sich

momentan auch benahm, der Mensch sprach mit der gleichen Sicherheit in der Stimme, wie

sonst auch.

„Hä? Du hast doch gar nicht reingeschaut...", Tidus zog eine Grimasse.

„Habt ihr beiden irgendein Problem, oder so?", die Stimme des gretzigen Verkäufers klang

wie eine alte, rostige Feile.

Er bekam keine Antwort, nur die Tür klingelte als Auron mit Tidus im Schlepptau den Laden

wieder verließ.

Der Rückweg verlief genauso, wie der Hinweg: Schweigend. Zumindest für eine Weile.

„Woran hat es gelegen?", Auron schielte mit seinem einen Auge auf den Jungen neben sich

herunter.

„Hä?"

„Das mit dem Blitzballteam?"

Tidus zog eine Grimasse, die aussagte, dass er über alles lieber reden würde, als darüber.

„Was weiß ich denn?", keifte er böse, aber nicht besonder laut.

„Tss, schon gut.", Auron schmunzelte, „Es ist nur Schade drum. Dein Schuss war ja doch

nicht ohne."

Tidus schaute den Mann in dem schwarzen Mantel neben sich ungläubig an. War er krank,

oder so? Was war aus dem ständig herablassenden, nie den Mund aufmachenden, obercoolen

Auron geworden? War das eben ein Versuch gewesen, ihn aufzuheitern? Oder zu loben? Es...

hörte sich irgendwie... komisch an.

An Auron war dieser Blick nicht vorbeigegangen.

„Was?", er schielte Tidus über seine Sonnenbrille hinaus an.

„Ach nichts...", kicherte Tidus. Eine weitere bescheuerte Sache an Auron. Diese Sonnenbrille

setzte er nie ab! Selbst im Winter nicht, bei stockdunklem Himmel. Klar, es diente irgendwie,

seine Narbe im Gesicht etwas zu verstecken, aber dämlich war´s trotzdem.

„Was hast du jetzt eigentlich mit deinem Auge gemacht?"

„Nichts."

Nakis Befürchtung, dass Tidus losheulen würde, sobald Freddie ihm die Blitzballschuhe

schenkte, ging nicht in Erfüllung. Eher gegenteilig. Der Junge hatte ein Freudentanz

veranstaltet und war Freddie ersteinmal um den Hals gefallen. Nun gut, geheult hatte er

seinem Freudentaumel doch, allerdings eher aus Begeisterung, dass er jetzt etwas hatte, womit

er vor Mia und Tony angeben konnte.

Was er dann auch prompt tat, nämlich im Waisenhaus bei den beiden anzurufen.

Im Schneidersitz saß er jetzt vor dem Telefontischchen im Flur, immer noch stolz auf seine

Latschen guckend, während er darauf wartete, dass die Telefontussi seine beiden Freunde ans

Telefon holte.

„Hallo Tidus!", Tonys wie immer nach laufender Nase klingende Stimme meldete sich am

anderen Ende der Leitung, „Frohe Weihnachten!"

„Jaja, frohe Weihnachten!", Tidus grinste, bevor er mit der Nachricht hervorplatzte, „Ich hab´

echte Nikes! Zum Blitzball! Ist das nicht geil?!"

Eine Stille trat am anderen Ende der Leitung ein, die geradezu nach Tonys dümmlichen,

glotzenden Gesicht schrie. Dann hörte man ihn doch wieder.

„Wooooow!", jep, der Gesichtsausdruck passte, „Hey Mia! Weißt du, was Tidus zu

Weihnachten bekommen hat!?!?!?"

Es mischte sich noch eine zweite Stimme am Hörer ein. Tonys große Schwester kam dazu.

„Hey Tidus! Was gab´s denn?"

„Hey Mia! Ich hab´ echte Nikes bekommen! Stell dir das mal vor!", rief Tidus begeistert in

den Hörer.

„Wie cool!", schrie das Mädel ziemlich laut am anderen Ende zurück, woraufhin sich Tony,

der sich wohl mit ihr den Hörer teilte sofort anfing zu jaulen, sie solle etwas leiser reden.

„Und, wie ist Weihnachten bei euch?"

„Tsss, kannst du dir doch denken.", zischte Mia.

„Wir haben Weihnachtslieder gesungen und dann hat jeder einen

Schokoladenweihnachtsmann und ein Geschenk bekommen!", erklärte der kleinere von

beiden begeistert.

„Und, was habt ihr bekommen?"

„Bücher.", gab das Geschwisterpaar einhellig zurück, obwohl Tony etwas enthusiastischer

klang, als seine Schwester.

„Oh!", antwortete Tidus bescheiden interessiert. In solchen Momenten fühlte er sich immer

etwas schlecht und wünschte sich, er hätte vorher lieber die Klappe gehalten.

„Na, aber dir scheint´s ja wieder einigermaßen gut zu gehen.", bemerkte Mia.

„Hm?", der Junge war gerade in Gedanken versunken. Vielleicht sollte er den beiden selbst

etwas schenken.

„Naja, ich meine, zuerst die Blitzballpleite und dann noch das, was die Zeitungen wieder

schreiben."

„Hä? Die Zeitungen? Was schreiben die denn?", Tidus zog am Hörer eine Grimasse.

„Naja, das mit deinem Vater und seiner Sekretärin, oder so.", Tidus hatte den beiden

inzwischen erzählt, wer denn sein Vater war. Bei Tony hatte das die Kluft aus Respekt, die für

ihn Tidus umgab, noch verstärkt, während es Mia eigentlich total egal war, „Dass die ein

Verhältnis hatten."

Tidus starrte überrascht vor sich auf die ebene Fensterscheibein sein eigenes Spiegelbild. Er

murmelte „Mach´s gut." in den Hörer, dann rannte er mit einem Blick, der einen Stein hätte

zum Bersten bringen können in sein Zimmer, um zu schmollen, nicht, bevor er wieder mit der

Tür geknallt hatte.

Naki saß in den Tiefen der Couchlehne versunken da und starrte an die Decke, neben sich

Freddie, der behutsam ihre Had tätschelte.

„Wieso...", jammerte sie, „Wieso konnten sie damit nicht bis nächste Woche warten!"

„Keine Ahnung", ihr Freund ließ sich mit einem lauten Seufzen zurück neben sie fallen und

legte den Arm um Nakis Schultern.

„Ich habe so keine Lust mehr...", Naki schmiegte sich gegen ihn und schloss die Augen,

„Warum hätte Lilian nich einfach einen ganz normalen Typen heiraten können."

Tidus hatte sich jetzt seit einer Stunde in seinem Zimmer verrammelt, und wollte partout nicht

wieder rauskommen. Furchtbar melodramatisch, wie Auron fand. Er hatte sich aus der Küche

einen Stuhl geholt und saß jetzt gegenüber von Tidus Zimmertür herum und wartete, dass

Nakis Falle zuschnappte, in Form mehrerer Naschsachen, die jetzt vor seiner Tür lagen. Tidus

hatte sie im Wohnzimmer liegengelassen und seine Tante hatte gedroht, sie zusammen mit

ihm und Freddie zu vernichten, sollte Tidus nicht in den nächsten 30 Minuten herausbegeben.

~Ein super Plan~, dachte Auron noch, als sich tatsächlich die Tür öffnete und ein Kinderarm

herauslangte um nach den Süßigkeiten zu greifen. Als der Junge merkte, dass Auron da war,

wollte er sofort wieder die Tür zuknallen aber der Mann war schneller und hielt sie auf.

„Wie lange hast du denn noch vor, zu heulen.", er schaute auf den Jungen am Boden, der ihn

böse anfunkelte.

„Ich heul gar nicht!", grätzte dieser zurück und fügte nach einer Pause, in der er aufgestanden

war noch hinzu: „Außerdem geht dich das gar nichts an."

Es verging ein mehrere Augenblicke langes Schweigen in denen sich die beiden stumm

anstarrten.

„Kannst du mir mal was verraten?", Auron nahm die Sonnenbrille ab und schaute den Jungen

jetzt mit seinem einen intakten Auge an, „Wieso flippst du immer sofort aus?"

„Tss", der Junge vor ihm schaute verächtlich und sauer zur Seite, um seinem Blick

auszuweichen. Er wäre am liebsten wieder in sein Zimmer verschwunden, aber das ging nicht,

weil Herr Kleiderschrank da ihn ja nicht in Ruhe lassen wollte. Was erwartete Auron

eigentlich? Da hatte sein Vater vor Jahren seine Mutter betrogen mit irgendsoeiner

bescheuerten Kuh und er sollte ruhig bleiben, oder was?

„Es ist noch nicht einmal raus, ob die Geschichte über Jecht stimmt."

Was wusste Auron denn schon? Wie bescheuert und nervig es war, einen Vater wie Jecht zu

haben. Über den als er noch da war die Zeitungen jeden Tag neue Scheiße schrieben, die

Kinder einen damit aufzogen und der irgendwann einfach verschwand und seine Mutter nach

kurzer Zeit mitgenommen hatte. Und jetzt... jetzt ging das ganze immer noch weiter. Er hasste

es. Immer wieder daran erinnert zu werden, wer er war und warum er Jecht so hasste. Wieso

konnte das alles nicht einfach aufhören?

Tidus merkte es zuerst gar nicht, als seine Augen anfingen, zu brennen, er anfing zu

schluchzen und zu schniefen. Auch, dass Naki und Freddie ziemlich besorgt aus dem

Wohnzimmer gelaufen kamen merkte er zunächst nicht. Und irgendwie war es ihm egal, dass

er einfach nach vorne gegen Auron kippte und dieser ihn in den Arm nahm, auch wenn es ihm

später vermutlich fürchterlich peinlich sein würde. Er stand einfach, heulte in Aurons

norwegischen Wollpullover, merkte, wie Naki sich in die Umarmung einschloss, Freddie

vermutlich ebenfalls und auf dem Flur ein Bild der allgemeinen Gruppenumarmung entstand.

Weihnachten fiel doch nicht völlig ins Wasser. Nach seiner Heul-Attacke Tidus hatte Tidus

zumindest aufgehört, weiter schlechte Laune zu verbreiten und jetzt saßen sie alle noch

beisammen und knabberten Kekse, während in der Glotze (Naki hatte das Fernsehverbot

aufgehoben) irgendeine Weihnachtssendung kam, Auron wusste nicht, was, aber er fand es

ziemlich furchtbar und laut. Aber das allgemeine Beisammensitzen mochte er trotzdem. Tidus

neben ihm war bereits eingeschlafen und lag jetzt mit einem Sabberfropfen aus dem

Mundwinkel hängend nach hinten gelehnt und träumte. Auron schloss ebenfalls die Augen

und seufzte leise. Endlich Ruhe und die Gewissheit, sich zumindest für diesen Tag keine

Sorgen mehr zu machen brauchte. Dazu den Duft von Kräutertee in der Nase.

So saß Auron einige Zeit da, völlig entspannt, noch halb das schrille Gehupe des Fernsehers

im Ohr, bevor auch er einpennte.

„Hey Freddie...", flüsterte Naki und deutete auf Tidus, der dicht an Aurons Bauch geschmiegt

auf dem Sofa lag, „Sieh dir das an... Niedlich..."

„Ich hol den Fotoapparat."

„Hihi, dafür bringen die uns um."

„Aber erst, nachdem wir das Foto nächstes Jahr als Weihnachtspostkarte verschickt haben."

Beide grinsten fies.

Der vollständigkeit halber ist hier noch zu erzählen, dass nach einer Woche der Schwindel um

die Affäre von Jecht aufflog. Die Agentin hatte wohl ein schlechtes Gewissen bekommen

(und Ärger mit ihrem Mann). Zum Foto kann man zum Glück von Tidus und Auron sagen,

dass von allen Fotos, die auf dem Film waren dieses Unterbelichtet gewesen war und darauf

nichts weiter als dröge Schwärze zu sehen war.

Ende von Kapitel 7

Pueh geschafft. Zehnseitige Langeweile die siebte (das ist jetzt eine "Behauptung"

Sie soll zur "Diskussion" und zum Review schreiben anregen)