@Ceres
So, da hast du das nächste Kapitel ^.^ Und ich hab´s pünktlich fertig bekommen.
@alle, die wollen, dass ich aus dem Ding eine Slash Fanfiction mache
Sorry, das war ein Scherz gewesen. Ich hatte es eigentlich nicht vor, da ich das Apirng
irgendwie ... unpassend? Finden würde, außerdem würde dann die Fic vermutlich auf ein noch
furchtbareres Nieveau abrutschen, als sie es eh schon ist (ich läster hier jetzt nicht über Slash
(ach neinXP?), es kommt immer drauf an, wie bei allen Fanfictions). Aber trotzdem ein
RIESENDANKE für die Reviews. Ich hab mich gefreut, wie ein Honigkuchenpferd.
@allgemein alle, die gereviewt haben
DANKE ^________________________________^ *schokoladeverteil*
@der duderich
Soch, da isses. Und DU bist am Schluss schuld. Soch.
7. The Candy Trap
Die Innenstadt drohte, zur Weihnachtszeit immer zu explodieren. Vor kaufwütigen
Hausfrauen, Großfamilien und einfachen Nachzüglern, die so schlau waren, die letzte
Möglichkeit vor Weihnachten zu ergreifen um sämtliche Weihnachtsgeschenke auf einmal zu
kaufen. Eigentlich hielt man sich zu dieser Zeit beileibe nicht an diesem Ort auf, es sei denn,
man liebte es, sich durch riesige Menschenmassen zu drängeln, wobei einem mindestens an
die zwanzig mal auf den Fuß gelatscht wurde und einen an jeder Ecke ein im Sommer
arbeitsloser Weihnachtsmann anfiel. Oder man hieß einfach Auron.
Griesgrämig arbeitete er sich durch das Gedränge, in der Hoffnung, irgendwo ein Café zu
finden, indem er die nächste Stunde warten konnte, dass Tidus mit seinem Aufnahmetest
fertig war.
Der Blitzball-Verein, in welchem auch Mia spielte, hatte sich bereit erklärt, vielleicht eine
Ausnahme zu machen und Tidus schon mit seinen neun Jahren aufzunehmen. Vorausgesetzt
das Talent stimmte.
Weg vom Kaufhaus zukommen war wie gegen ein Lawine anrennen, zumindest kam es
Auron in diesem Moment so vor. Es war erschreckend, wie rabiat die Leute zu dieser Zeit
waren. Er hatte bereits mehrere Ellbogen in die Rippen bekommen, seine Füße waren platt
getreten und er bezweifelte, dass er jemals wieder hochkäme wenn er ersteinmal hier stürzen
würde.
Abgerundet wurde das allgemeine Bild des Schreckens durch die weiße Pracht, die da vom
Himmel kam, sich allerdings mit Hilfe der Menschenmassen und dem Räumungsdienst auf
dem Boden in eine braune, wässrige Masse verwandelte, die einem die Hosenbeine versaute
und durch ihre Nässe zur allgemeinen Erkältungsgefährdung beitrug.
Auf den Straßen in der Innenstadt herrschte ein Verkehrschaos, das sich gewaschen hatte und
das infernalische Gehupe und Gemecker der Autofahrer machte die weihnachtliche
Endzeitstimmung perfekt.
Irgendwie hatte es Auron geschafft, sich dann doch bis an die Seite der Einkaufsstraße zu
drängeln und sich in ein Café zu retten, bevor ihn der Strom an Menschen ergreifen und mit
sich reißen konnte.
Noch ein Bonus dieser Jahreszeit war, dass in Cafés, Läden und sowieso fast überall, wo viele
Menschen herumlungerten, alles schwamm. So auch hier, aber das ignorierte Auron jetzt
einfach geflissentlich und setzte sich an den nächstbesten Tisch, so weit wie möglich vom
Fenster weg. Von draußen tönte immer noch der Krach der Masse herein, selbst bei
geschlossener Tür. Gut besucht war das Café nicht gerade, drei Tische von Auron entfernt
saßen nur noch zwei alte Männer, die sich wohl über irgend etwas sportliches unterhielten und
eine Mutter mit zwei kleinen Kindern, die ihren Kakao schlürften.
Die Bedienung, eine überfreundlich lächelnde junge Frau, die vermutlich selbst dann ihr
Gesicht nicht vor einem Kunden verziehen würde, wenn dieser ihr sagen würde, dass ihre
Familie gerade gestorben wäre, huschte auch gleich her, um seine Bestellung aufzunehmen.
Eigentlich hatte Auron gar nichts bestellen wollen, aber weil er nicht rausgeworfen werden
wollte, nahm er einen Tee, wie sonst auch.
Es war ein Nullachtfünfzehn-Café, in dem Auron saß, weiße Wände, mit ein paar hübschen
Schwarzweißbildern an der Wand, zwei Palmen in der Ecke und über ein Radio wurde der
Kunde mit dem aktuellen Chartgejammer beschallt.
Aurons Blick fiel auf die Zeitungen, die an der Wand hingen.
Ab und zu hatte er es sich angewöhnt, sich ein bisschen über die aktuelle Lage aufzuklären.
Er fand es tatsächlich recht interessant, über Städte zu lesen, die in Spira nur noch als Ruinen
zu sehen waren. Eigentlich hatte Auron Lust, einmal aus Zanarkand herauszukommen, die
Welt, wie sie vor Tausend Jahren war, sich einmal anzuschauen. Er wollte sich unbedingt
einmal Thalia ansehen, die vom Orden verteufelte Stadt, die am Ufer des Illuminums auf
Brücken gebaut worden war.
Und es war ebenfalls spannend, den Aufstieg der späteren Städte zu beobachten. Wer hätte
schon gedacht dass das Unterhaltungszentrum Spiras, die Stadt Luca vor tausend Jahren ein
200-Seelen Fischerdorf gewesen war.
Nur Bevelle schien noch nicht auf der Bildfläche erschienen zu sein, eine Sache, die Auron
beschäftigte.
An den Schlagzeilen ließ sich erkennen, dass sie hier nur die ganzen Sensationsblätter hatten:
„Mann wird ein Kuhherz eingepflanzt."
„Hilfe! Fleischfressende Bakterien in Tiefkühlkost!"
„Skandal! Schönheitskönigin ist ein Mann!"
Aurons Blick blieb auf einer dieser Schlagzeilen stehen:
„Jechts Agentin gibt zu: Ja, ich hatte ein Verhältnis mit ihm!"
Unterlegt war das ganze mit dem Bild einer vollgeschminkten Frau mit einer hochtoupierten
Frisur, die leidend in die Kamera schaute, im Hintergrund ein Bild von Jecht.
„Was zum...?", murmelte Auron, dann stand er auf, um sich die Zeitung zu holen, während
ihm die Bedienung den Tee hinstellte.
Es hatte schon öfters irgendwelche Skandale um den Blitzballer gegeben. Irgendwelche
Leute, die behaupteten, ihre Nachbarn hätten Jechts Leiche verstückelt im Keller versteckt,
Jecht habe sich einfrieren lassen und würde wiederkommen und nicht zu vergessen, Lilian sei
in eine psychiatrische Klinik eingeliefert worden.
Alles Sachen, die man eigentlich als Mist abtun konnte. Aber das hier war anders. Die Frau
hier hatte so etwas wie Glaubwürdigkeit, ganz egal, ob sie nur Schwachsinn redete, oder
nicht.
„Er wird ausflippen...", flüsterte Auron, während er am Tee nippte und den Artikel las.
Die Halle in der die Mannschaft immer trainierte, war nicht unbedingt eine der größten.
Vielmehr handelte es sich hierbei eher um einen Schuppen, ein winzig kleines Ding, das zu
einer Schule gehörte. Hier trainierten sie alle zwei Wochen, in der jeweils anderen Woche
gingen sie in der Schwimmhalle.
Mia saß auf der Bank und sah missmutig zu, wie Tidus auf dem Spielfeld versuchte, zu retten,
was noch zu retten war. Klar, schießen konnte er, das musste auch der Trainer zugeben, und
Pässe fangen konnte er auch einigermaßen, aber beim Pass werfen fing das Dilemma an und
es endete bei seiner Ausdauer. Er hatte bis jetzt auf größere Entfernung als 4 Meter keinen
fangbaren Pass hinbekommen und beim Laufen hielt er keine Runde durch.
Sie seufzte. Inzwischen war der Trainer wieder auf das Feld gekommen und redete jetzt mit
Tidus. Mia konnte sich schon denken, was ihm der Trainer sagte: „Sorry, aber warte noch
zwei Jahre. Du bist einfach noch nicht so weit."
Und es war auch abzusehen, dass Tidus die nächsten Tage am schmollen sein würde.
„Ach, komm schon.", versuchte Mia Tidus aufzuheitern, während um sie herum alle lachten
und alberten, „dann wartest du eben noch zwei Jahre, na und? Dann müssen sie dich
nehmen."
„Nur noch zwei Jahre.", äffte Tidus sie nach und zog dabei eine Grimasse, „Das ist nicht
fair!"
„Ach komm, hör auf. Ich bin auch erst mit elf ins Team gekommen."
„Ich hab´ mich so angestrengt!"
Mia verdrehte die Augen und sagte nichts mehr. Sie hatte jetzt keine Lust, weiter mit ihm zu
streiten, da sie auch gar nichts dafür konnte.
Die Wege der beiden trennten sich an den Türen zur Umkleidekabine.
Die Mannschaft war nicht gerade groß. Es gab drei Mädchen und vier Jungs, mit denen Tidus
jetzt zusammen in der Umkleidekabine saß. Er wollte hier nur so schnell wie möglich raus. Er
kam sich schrecklich unzugehörig vor, wie die anderen da saßen und Späße machten und
lachten, über Missgeschicke während des Trainings oder während vergangener Spiele, von
denen Tidus keine Ahnung hatte. Er war so sauer und enttäuscht, dass er am liebsten einfach
laut losgeschrien hätte. Normalerweise hätte er jetzt einfach auf den nächstbesten Ball
eingetreten, aber danach war ihm jetzt von allen Dingen am wenigsten zu Mute. Er war
schlecht. Sie wollten ihn nicht im Team haben.
Statt dessen heulte er los. Beziehungsweise sein Körper hatte das zumindest jetzt vorgesehen
und schickte schon einmal die ersten Vorzeichen los, wie feuchte Augen und zitternde
Lippen, aber Tidus hatte etwas dagegen. Zumindest nicht hier vor den ganzen Jungs.
Ruppig wischte er sich die Tränen aus den Augen und zog sich seine Jacke über, dann
schnappte er sich seine Tasche, während er dem betroffenen Jungen auswich, der wohl
gemerkt hatte, was mit ihm war. Mit einem leisen Tschüss schloss er die Tür und rannte über
den Flur nach draußen, nur raus aus dieser Halle.
Nach eingibigen Überlegungen war Auron zu dem Schluss gekommen, dass es besser war,
wenn er die Geschichte mit Jecht Tidus irgendwie sofort beibrachte, bevor er in der Schule
damit aufgezogen werden würde und dann wieder ausflippte.
Ja, auf die schonende, aber bestimmte Art. Danach würde der Junge zwar ersteinmal wieder
tagelang Hasstiraden auf seinen Vater hinabregnen lassen, ganz egal, ob es nun stimmte, aber
das würde sich auch legen.
Er selbst stand der Sache relativ ratlos gegenüber. Einerseits war die Quelle eher fragwürdig
und vielleicht war dies ja auch nur ein Versuch der Agentin, sich noch einmal ins
Rampenlicht zu stellen, aber andererseits... andererseits traute er es seinem Freund irgendwie
auch zu, und das war das Problem. Alle taten das. Komischerweise war dieser Mensch mit
den verfilzten Haaren, dem schon fast ekelerregenden Körpergeruch und dem losen
Mundwerk ein Frauenschwarm. Weder Auron noch Braska hatten ihm zu Anfang glauben
können, dass er Frau und Kind hatte, vor allem da er ab und zu dann doch dazu geneigt hatte,
die weibliche Bevölkerung Spiras anzubaggern, auch wenn nie mehr daraus wurde.
„Das wird ein Spaß...", dachte Auron, während er, dieses Mal auf einer Nebenstraße in
Richtung Turnhalle marschierte.
Pünktlich auf die Minute sah er einen unter einer Kapuze versteckten Tidus die Treppe
herunter laufen.
„Wie war´s?", fragte Auron von weitem, die Hände in den Taschen seiner schwarzen
Winterjacke. Die Frage erübrigte sich, wenn man betrachtete, wie der Junge mit gesengtem
Kopf auf ihn zugeschlichen kam.
„Scheiße...", flüsterte er mit zitternder Stimme und schniefte leise, ohne stehenzubleiben.
Auron folgte dem dahinschlurfenden Bündel Elend in Richtung S-Bahn. „Nicht sein Tag
heute."
In der U-Bahn hatte Tidus dann angefangen, zu heulen. Die Leute hatten ihn angestarrt und
Auron hatte nicht wirklich gewusst, was er hätte tun sollen. Tidus war nur böse geworden, als
er versucht hatte, ihn zu trösten. Der Junge hatte gejammert, wie ungerecht das doch war, und
wie er sich doch angestrengt hatte, was Auron dann irgendwann von dem Plan abgebracht
hatte, dem Jungen in nächster Zeit zu erzählen, was die Zeitungen jetzt schon wieder über
seinen Vater schrieben.
Und jetzt saß er im Wohnzimmer, schmollend und aus dem Fenster starrend. Woran er jetzt
eigentlich gescheitert war, wollte er nicht erzählen und überhaupt hatte er seit der S-Bahn
nicht mehr den Mund aufgemacht. Auron sah sich nicht wirklich im Stande, momentan Tidus
irgendwie helfen zu können. Das Problem mit ihm war, dass er sich immer in sämtliche Dinge
reinsteigerte und sofort im Selbstmitleid ertrank. Genau, wie seine Mutter... wie Lilian.
Das Piepen der Tür drängelte sich zwischen seine Gedankengänge und herein kamen Naki
und Freddie, beide dick eingepackt und halb durchnässt vom Schnee.
„Hallo, auch...", keuchte Naki und drückte Auron eine Tüte mit Weihnachtsgeschenken in die
Hand, „Versteck die mal in der Küche..."
„Hey, Tidus!", rief Freddie gutgelaunt ins Wohnzimmer, während er sich im Flur die Stiefel
auszog, „Wie war´s?"
Au weia, dachte Auron und fasste sich an die Stirn, jetzt kommt die gleiche Leier noch mal.
„Hey was ist denn?", fragte Naki erstaunt neben ihm, was sich jedoch beantworte, als der
Junge ein lautes, wütendes „Für den Arsch!!!" zurück ins andere Ende des Hauses feuerte und
Auron ihr einen angenervten Blick zuwarf.
„Er wurde nicht genommen.", erklärte er, während er die Geschenke auf den
Küchenschränken, nicht erreichbar für kurze Kinderarme, platzierte.
„Wieso denn das?"
Auron zuckte mit den Schultern und zeigte in Richtung Wohnzimmer: „Frag ihn selbst."
„Freddie ist so ein Idiot!", zischte Naki, möglichst leise, damit es nicht ins Wohnzimmer
drang, entweder, damit Freddie oder Tidus nichts davon hörten.
„Was hat Freddie damit zu tun?"
„Er meinte, für Tidus ein paar echt teure Blitzballschuhe kaufen zu müssen. Ich sag´ ihm
noch, `Warte erstmal ab´, aber neeeeein..."
Auron sah sie mit hochgezogenen Augenbrauen an. Er war sich nicht sicher, ob er das als eine
von Nakis üblichen Gebt-Mir-Mitleid-Geschichten handelte, die er, wie sonst auch ignorierte
oder ob es ein böses Vorzeichen für ein total in die Hose gehendes Weihnachtsfest war.
Insofern er so etwas, wie ein Weihnachtsfest überhaupt als in die Hose gegangen beurteilen
konnte. Es war ja erst das zweite, das er miterlebte. Inzwischen hatte er begriffen, dass es
dabei wohl um Nächstenliebe und sowas ging, auch wenn ihm die überfüllte Zanarkander
Innenstadt etwas anderes hinterherschrie.
Am Abend war Tidus immer noch mies gelaunt. Stinkig und mit einem Schmollmund saß er
auf der Couch und zappte ziellos durchs Programm, während Naki in der Küche Abendessen
machte und Freddie neben ihm saß und eine Zeitschrift las und Auron saß im Sessel und
starrte so vor sich hin auf die Mattscheibe. Manchmal glaubte Tidus, dass Auron echt eine
Schraube locker hatte. Immer in solchen Momenten. Ein Außenstehender hätte dieses
Verhalten als gefesseltes Fernsehschauen interpretiert, aber Tidus kannte ihn jetzt inzwischen
gut genug, um zu wissen, dass er das Fernsehprogramm hasste, wie die Pest, mal von einigen
Ausnahmen abegesehen.
Der Finger des Jungen drückte in einem kontinuierlichen Takt auf den Programmschalter.
Zapp-Zapp-Zapp. Das Programm rauschte an seinen Augen vorbei.
Nein, bei Auron war es etwas anderes. Er schien in diesen Momenten immer völlig abwesend
zu sein und vollständig in seiner Gedankenwelt herumzugurken.
Tidus hatte festgestellt, dass seine Oma, die jetzt tot war, früher immer genauso weggetreten
im Sessel gehockt hatte. Nur leider reagierte Auron nicht so lustig, wie seine Oma, wenn man
ihn ansprach. Die alte Frau hatte immer losgeschrien und sich erschrocken umgesehen und
gefragt, wo sie sei.
Tidus hatte Auron einmal gefragt, ob er sich nicht total dämlich dabei vorkomme, wie ein
alter Tattergreis vor sich hin zu glotzen. Auron hatte ihn dann allerdings nur an Tausende
Sachen erinnert, die dem Jungen zutiefst peinlich waren, von einem Mädchen verprügelt
worden zu sein, sich einmal an einem Glas Milch so verschluckt zu haben, dass sie ihm aus
der Nase wieder herausgelaufen kam und so weiter. Dem Mann einen Vorwurf machen zu
wollen war, wie gegen eine Gummizellenwand rennen.
Nichtstun und Denken waren eine großartige Sache, fand hingegen Auron. Zumindest, wenn
man sonst immer mit so einem Plappermaul wie Tidus im Schlepptau zusammen war.
Inzwischen hatte der Junge auch begriffen, dass er von ihm keine Antwort in diesem Zustand
bekommen würde, also hatte er seine Ruhe zum Nachdenken. Momentan, wie er weiter mit
der Affäre von Jecht mit seiner Agentin verfahren sollte. Wenn es denn eine gab. Hoffentlich
würden es die Medien nicht so aufblasen.
Auf dem Fernseher rasten die Programme vorbei, für Auron war es kaum erkennbar, was da
überhaupt lief und er fragte sich, wie Tidus in weniger als einer Sekunde eine Sendung als
schlecht und damit als umschaltwürdig beurteilen konnte. Die abgehackten Worte der
Moderatoren und Schauspieler klangen so wirr zusammengesetzt wie eine fremde,
merkwürdige Sprache. Gelangweilt schaute Auron weiter auf den Bildschirm, als er plötzlich
im Bruchteil einer Sekunde den Namen Jecht hörte und das Gesicht der Agentin aus der
Zeitung sah. Er hielt die Zeitspanne zumindest für so lange, auch wenn ihm dieser kurze
Augenblick sehr viel länger vorkam. Erschrocken sah er auf den Fernseher, als Tidus auch
schon weiterzappte und ihm jetzt eine Talk-Show-Moderatorin ins Gesicht grinste.
Er drehte sich zu Tidus um, allerdings verriet ihm der gelangweilte Gesichtsausdruck des
Jungen, dass dieser nicht mitbekommen hatte, was da eben auf dem Programm kam. Glück
gehabt. Obwohl... wer wusste, ob nicht irgendwoanders auch darüber berichtet wurde.
„Tidus, dieses Rumgezappe macht einen ja Wahnsinnig!", Freddie langte nach der
Fernbedienung in Tiduss Hand und nahm sie ihm Weg.
„Hey, gib die her!", schrie Tidus schnappte nach dem Kontrollgerät. Freddie sprang in dem
Moment auf, genau wie der Junge, dabei fiel die Zeitschrift auf den Boden und die Seiten
verblätterten sich.
„Gib sie zurück!", Tidus versucht, durch Springen an die Fernbedienung heranzukommen,
was nicht klappte, da er Freddie gerade mal bis zur Brust ging und dieser das Teil zu allem
Überfluss auch noch hoch hielt.
Auron starrte auf die aufgeschlagene verprummelte Seite des Heftes am Boden. Zwischen
Freddies Fuß hindurch war die Überschrift zu lesen: „Die heimliche Liebschaft des
Blitzballers".
Bitte nicht noch mehr. Jetzt befand sich Auron wirklich in einer prekären Lage. Er musste
irgendwie durch das Gerangel, das obendrüber stattfand an die Zeitschrift herankommen,
ohne dass Tidus was davon mitbekam, was drinne stand.
Was sich als unmöglich herausstellte.
„Ist das alles, was du kannst?", grinste Freddie den Jungen an, der verzweifelt hochsprang um
an die Fernbedienung heranzukommen. Und dann hatte auch er es gesehen. Die Überschrift.
Als Freddie seinen Fuß einen Zentimeter zur Seite geschoben hatte, sah auch er die
Überschrift, als er zu Tidus hinunterschaute, sein Grinsen erstarb, sein Arm sank nach unten
und der Kleine schnappte sich die Fernbedienung, ohne auf Freddies Verhalten weiter zu
achten.
„Was zum...", murmelte er, bevor er begriff und blitzschnell die nun zerfledderte Zeitschrift
aufhob. Fragend schaute er Auron an, dann gingen beide Männer in die Küche.
Es wären so tolle Ferien geworden. Weihnachten vor der Tür, keine Schule mehr und endlich
Blitzball im Verein. Aber irgendwas ging ja immer schief. Echt typisch.
Lustlos lungerte Tidus in der Ecke herum, während Auron und Freddie den Tannenbaum von
draußen reinhievten. Es war der 24. Dezember.
„Tidus, sei so gut und mach die Tür hinter mir zu.", Auron schob sich mit dem Ellenbogen
seine Brille zurecht, da er keine Hand frei hatte, dank des Tannenbaums. Sie hatten das Ding
vor drei Tagen gekauft, Freddie und Naki und bis jetzt hatte er auf dem „Deck", oder Terasse
oder wie man es auch nennen sollte, gestanden.
Barfuß schlurfte der Junge zur Tür und schloss sie mit einem lauten Quietschen. Danach
packte er sich aufs Sofa und starrte auf die schwarze Mattscheibe, während im Hintergrund
die beiden Männer feststellten, dass der Baum nicht in den dafür vorgesehenen Ständer passte.
Fernsehen durfte Tidus plötzlich auch nicht mehr, „um es im Haus weihnachtlicher sein zu
lassen.", O-Ton Naki. Keine Ahnung, was sie plötzlich überkommen war, aber gestern Abend
war sie plötzlich angetanzt, hatte ihm die Fernbedienung weggenommen und jetzt hatte er
über die Feiertage Fernsehverbot. Was für ein Ferienbeginn!
Plötzlich sprang er wieder auf. „Ich... ich muss nochmal los... zum Kiosk... bevor er
dichtmacht. Ich brauch´ noch Kaugummis...", er brauchte eigentlich gar keine, Tidus hatte
sich schon vor Tagen so eine Art kleinen Vorrat angelegt. Seine neueste Macke waren
nämlich diese knallpinken, klebrigen, süßen Blasenkaugummis, die beinahe jeden Menschen
in den Wahnsinn trieben, wenn man damit Blasen machte. Aber er wollte hier raus, raus aus
diesem Haus, raus, an die frische Luft, weg von diesem Baum, weg von Freddie, Naki und
Auron, die alle so furchtbar in diese Festtagsstimmung hereinzupassen schienen. Na schön,
sah man mal vielleicht von Auron ab. Der hatte sich irgendwie schon die letztes Jahr nicht für
das Weihnachtsfest erwärmen können, wusste der Teufel warum.
Tidus lief in den Flur und zog sich seine Schuhe an.
„Ich komme mit.", hörte er Auron hinter sich sagen und drehte sich auf dem Boden sitzend,
um.
„Wozu denn das?"
„Ich brauch noch über die Feiertage ´ne Zeitung."
„Ich bring sie dir mit."
„Nein, ich brauch´ frische Luft."
Na toll, Tidus verdrehte die Augen. Jetzt hatte er schon wieder Auron an der Backe. Und
außerdem würde er sich jetzt wirklich noch Kuagummis kaufen müssen.
„Dann beeil dich...", murmelte der Junge, während Auron seine schwarze, abgegriffene
Winterjacke anzog. Tidus fand, dass der Mann herumlief, wie ein Penner. Eine Pennerjacke
(auch wenn er froh war, dass Auron jetzt nicht mehr Non-Stop in seinem roten Mantel
herumlief, den er noch viel schlimmer fand), eine abgetragene Pennerjeans,
Pennerwinterstiefel, die schon an die zwanzig Jahre alt schienen und nicht zuletzt die immer
noch recht langen Haare, die er hinten zu einem schlampigen Zopf zusammengebunden hatte.
Die meisten Leute fanden es eher ziemlich respekteinflößend, aber Tidus fand es einfach
peinlich. Es war bestimmt ein Jahr her, dass Auron mal beim Friseur war.
Der Junge war gerade so damit beschäftigt, sich zu ärgern, dass er gar nicht bemerkte, wie
Auron die Tür hinter sich zumachte. Argh, verdammt. Wieso war immer er es, der verarscht
wurde? Böse rannte Tidus dem Mann mit den langen Haaren nach, nachdem er draußen die
Tür hinter sich zuknallte.
Der Weg zum Kiosk verlief schweigend. Es war Vormittag und die Luft war schneidend kalt,
aber trocken. Während Tidus neben Auron herlatschte, dachte er nach. Über Weihnachten und
das Ganze. Irgendwas war dieses Jahr los mit ihm. Okay, die Ferien hatten scheiße
angefangen, er musste noch eine Ewigkeit warten, bis er Blitzball im Verein spielen konnte,
aber... vielleicht war es ziemlich dumm, sich davon einfach Weihnachten versauen zu lassen.
Die letzten Jahre, ach eigentlich immer schon hatte er dieses Fest geliebt! Geschenke,
Süßigkeiten und wenn man Glück hatte sogar Schnee vor der Tür, was dann ja wohl das
coolste Weihnachten überhaupt war. Irgendwie benahm er sich dieses Jahr wie... Oh mein
Gott!, dachte Tidus, ich benehme mich wie Auron! Tidus zog angesäuert die Mundwinkel
nach unten. Wenn das nicht ein schlechter Einfluss war.
Eigentlich brauchte er gar keine Zeitung mehr. Auron hatte sich über die Feiertage relativ gut
mit lesenswertem eingedeckt. Allerdings hatte er sich mit Naki und Freddie darauf geeinigt,
dass es für ein Weihnachtsfest vorteilhafter war, Tidus über die Feiertage zu ersparen, was die
Zeitungen mal wieder über Jecht schrieben. Und irgendwer musste jetzt dafür sorgen.
Der Kiosk tauchte vor ihnen auf, obwohl es eher eine Art unterschätzter Supermarkt in einer
Garage war. Oder so ähnlich. Er mochte den Laden nicht wirklich, er war a) Teuer und b) war
der Verkäufer ziemlich unfreundlich und machte allgemein einen so interessierten Eindruck
wie ein sechsjähriger, cooler Junge in der Barbie-Abteilung im Kaufhaus.
Mit einem Seitenblick auf Tidus, der vorne an der Theke seine Kaugummis (welche er ja
eigentlich gar nicht brauchte, aber das wusste ja Auron nicht) kaufte, sah er sich die
Zeitschriften im Regal an, auf der Suche nach Schlagzeilen, die irgendwas mit Jecht zu tun
haben konnten. Mist... Er erspähte mindestens drei Zeitungen, auf denen Jechts Gesicht
prankte. Wieso mussten die Zeitungen eigentlich immer alles so aufblasen? Er hasste die
Klatschpresse. ~Glückwunsch. Jetzt bist du schon fast so weit, wie der Zanarkander
Durchschnittsmensch. Sieht man mal von den ganzen Idioten ab, die kein Leben haben.~,
raunte ihm seine Innere Stimme zu. Was sich inzwischen als nächste Sorge in Aurons Hirn
schob: Was, wenn Tidus da mit reingezogen wurde und demnächst irgendein Klatschreporter
bei Naki vor der Tür stand?
„Hey Auron. Was schaust du denn da solange?"
Hinter ihm stand Tidus und glotzte ihn genervt an. Etwas zu ruckartig drehte sich der Mann
um und versuchte, sich möglichst groß zu machen, um Tidus die Sicht auf die Zeitungen zu
versperren.
„Nichts. Bist du fertig?", er musste ziemlich dämlich wirken, da Tidus ihn jetzt mit
hochgezogenen Augenbrauen anstarrte, als hätte er was im Gesicht.
„Du wolltest dir doch noch deine Zeitung kaufen. Oder findest du sie nicht?", der Junge
grinste, dann ging er an Auron vorbei zum Regal oder zumindest hätte er das getan, hätte
Auron ihn nicht am Arm festgehalten und ihn zurückgezogen.
„Ist schon gut. Lass uns wieder los. In der Zeitung steht sowieso nichts.", so dämlich er sich
momentan auch benahm, der Mensch sprach mit der gleichen Sicherheit in der Stimme, wie
sonst auch.
„Hä? Du hast doch gar nicht reingeschaut...", Tidus zog eine Grimasse.
„Habt ihr beiden irgendein Problem, oder so?", die Stimme des gretzigen Verkäufers klang
wie eine alte, rostige Feile.
Er bekam keine Antwort, nur die Tür klingelte als Auron mit Tidus im Schlepptau den Laden
wieder verließ.
Der Rückweg verlief genauso, wie der Hinweg: Schweigend. Zumindest für eine Weile.
„Woran hat es gelegen?", Auron schielte mit seinem einen Auge auf den Jungen neben sich
herunter.
„Hä?"
„Das mit dem Blitzballteam?"
Tidus zog eine Grimasse, die aussagte, dass er über alles lieber reden würde, als darüber.
„Was weiß ich denn?", keifte er böse, aber nicht besonder laut.
„Tss, schon gut.", Auron schmunzelte, „Es ist nur Schade drum. Dein Schuss war ja doch
nicht ohne."
Tidus schaute den Mann in dem schwarzen Mantel neben sich ungläubig an. War er krank,
oder so? Was war aus dem ständig herablassenden, nie den Mund aufmachenden, obercoolen
Auron geworden? War das eben ein Versuch gewesen, ihn aufzuheitern? Oder zu loben? Es...
hörte sich irgendwie... komisch an.
An Auron war dieser Blick nicht vorbeigegangen.
„Was?", er schielte Tidus über seine Sonnenbrille hinaus an.
„Ach nichts...", kicherte Tidus. Eine weitere bescheuerte Sache an Auron. Diese Sonnenbrille
setzte er nie ab! Selbst im Winter nicht, bei stockdunklem Himmel. Klar, es diente irgendwie,
seine Narbe im Gesicht etwas zu verstecken, aber dämlich war´s trotzdem.
„Was hast du jetzt eigentlich mit deinem Auge gemacht?"
„Nichts."
Nakis Befürchtung, dass Tidus losheulen würde, sobald Freddie ihm die Blitzballschuhe
schenkte, ging nicht in Erfüllung. Eher gegenteilig. Der Junge hatte ein Freudentanz
veranstaltet und war Freddie ersteinmal um den Hals gefallen. Nun gut, geheult hatte er
seinem Freudentaumel doch, allerdings eher aus Begeisterung, dass er jetzt etwas hatte, womit
er vor Mia und Tony angeben konnte.
Was er dann auch prompt tat, nämlich im Waisenhaus bei den beiden anzurufen.
Im Schneidersitz saß er jetzt vor dem Telefontischchen im Flur, immer noch stolz auf seine
Latschen guckend, während er darauf wartete, dass die Telefontussi seine beiden Freunde ans
Telefon holte.
„Hallo Tidus!", Tonys wie immer nach laufender Nase klingende Stimme meldete sich am
anderen Ende der Leitung, „Frohe Weihnachten!"
„Jaja, frohe Weihnachten!", Tidus grinste, bevor er mit der Nachricht hervorplatzte, „Ich hab´
echte Nikes! Zum Blitzball! Ist das nicht geil?!"
Eine Stille trat am anderen Ende der Leitung ein, die geradezu nach Tonys dümmlichen,
glotzenden Gesicht schrie. Dann hörte man ihn doch wieder.
„Wooooow!", jep, der Gesichtsausdruck passte, „Hey Mia! Weißt du, was Tidus zu
Weihnachten bekommen hat!?!?!?"
Es mischte sich noch eine zweite Stimme am Hörer ein. Tonys große Schwester kam dazu.
„Hey Tidus! Was gab´s denn?"
„Hey Mia! Ich hab´ echte Nikes bekommen! Stell dir das mal vor!", rief Tidus begeistert in
den Hörer.
„Wie cool!", schrie das Mädel ziemlich laut am anderen Ende zurück, woraufhin sich Tony,
der sich wohl mit ihr den Hörer teilte sofort anfing zu jaulen, sie solle etwas leiser reden.
„Und, wie ist Weihnachten bei euch?"
„Tsss, kannst du dir doch denken.", zischte Mia.
„Wir haben Weihnachtslieder gesungen und dann hat jeder einen
Schokoladenweihnachtsmann und ein Geschenk bekommen!", erklärte der kleinere von
beiden begeistert.
„Und, was habt ihr bekommen?"
„Bücher.", gab das Geschwisterpaar einhellig zurück, obwohl Tony etwas enthusiastischer
klang, als seine Schwester.
„Oh!", antwortete Tidus bescheiden interessiert. In solchen Momenten fühlte er sich immer
etwas schlecht und wünschte sich, er hätte vorher lieber die Klappe gehalten.
„Na, aber dir scheint´s ja wieder einigermaßen gut zu gehen.", bemerkte Mia.
„Hm?", der Junge war gerade in Gedanken versunken. Vielleicht sollte er den beiden selbst
etwas schenken.
„Naja, ich meine, zuerst die Blitzballpleite und dann noch das, was die Zeitungen wieder
schreiben."
„Hä? Die Zeitungen? Was schreiben die denn?", Tidus zog am Hörer eine Grimasse.
„Naja, das mit deinem Vater und seiner Sekretärin, oder so.", Tidus hatte den beiden
inzwischen erzählt, wer denn sein Vater war. Bei Tony hatte das die Kluft aus Respekt, die für
ihn Tidus umgab, noch verstärkt, während es Mia eigentlich total egal war, „Dass die ein
Verhältnis hatten."
Tidus starrte überrascht vor sich auf die ebene Fensterscheibein sein eigenes Spiegelbild. Er
murmelte „Mach´s gut." in den Hörer, dann rannte er mit einem Blick, der einen Stein hätte
zum Bersten bringen können in sein Zimmer, um zu schmollen, nicht, bevor er wieder mit der
Tür geknallt hatte.
Naki saß in den Tiefen der Couchlehne versunken da und starrte an die Decke, neben sich
Freddie, der behutsam ihre Had tätschelte.
„Wieso...", jammerte sie, „Wieso konnten sie damit nicht bis nächste Woche warten!"
„Keine Ahnung", ihr Freund ließ sich mit einem lauten Seufzen zurück neben sie fallen und
legte den Arm um Nakis Schultern.
„Ich habe so keine Lust mehr...", Naki schmiegte sich gegen ihn und schloss die Augen,
„Warum hätte Lilian nich einfach einen ganz normalen Typen heiraten können."
Tidus hatte sich jetzt seit einer Stunde in seinem Zimmer verrammelt, und wollte partout nicht
wieder rauskommen. Furchtbar melodramatisch, wie Auron fand. Er hatte sich aus der Küche
einen Stuhl geholt und saß jetzt gegenüber von Tidus Zimmertür herum und wartete, dass
Nakis Falle zuschnappte, in Form mehrerer Naschsachen, die jetzt vor seiner Tür lagen. Tidus
hatte sie im Wohnzimmer liegengelassen und seine Tante hatte gedroht, sie zusammen mit
ihm und Freddie zu vernichten, sollte Tidus nicht in den nächsten 30 Minuten herausbegeben.
~Ein super Plan~, dachte Auron noch, als sich tatsächlich die Tür öffnete und ein Kinderarm
herauslangte um nach den Süßigkeiten zu greifen. Als der Junge merkte, dass Auron da war,
wollte er sofort wieder die Tür zuknallen aber der Mann war schneller und hielt sie auf.
„Wie lange hast du denn noch vor, zu heulen.", er schaute auf den Jungen am Boden, der ihn
böse anfunkelte.
„Ich heul gar nicht!", grätzte dieser zurück und fügte nach einer Pause, in der er aufgestanden
war noch hinzu: „Außerdem geht dich das gar nichts an."
Es verging ein mehrere Augenblicke langes Schweigen in denen sich die beiden stumm
anstarrten.
„Kannst du mir mal was verraten?", Auron nahm die Sonnenbrille ab und schaute den Jungen
jetzt mit seinem einen intakten Auge an, „Wieso flippst du immer sofort aus?"
„Tss", der Junge vor ihm schaute verächtlich und sauer zur Seite, um seinem Blick
auszuweichen. Er wäre am liebsten wieder in sein Zimmer verschwunden, aber das ging nicht,
weil Herr Kleiderschrank da ihn ja nicht in Ruhe lassen wollte. Was erwartete Auron
eigentlich? Da hatte sein Vater vor Jahren seine Mutter betrogen mit irgendsoeiner
bescheuerten Kuh und er sollte ruhig bleiben, oder was?
„Es ist noch nicht einmal raus, ob die Geschichte über Jecht stimmt."
Was wusste Auron denn schon? Wie bescheuert und nervig es war, einen Vater wie Jecht zu
haben. Über den als er noch da war die Zeitungen jeden Tag neue Scheiße schrieben, die
Kinder einen damit aufzogen und der irgendwann einfach verschwand und seine Mutter nach
kurzer Zeit mitgenommen hatte. Und jetzt... jetzt ging das ganze immer noch weiter. Er hasste
es. Immer wieder daran erinnert zu werden, wer er war und warum er Jecht so hasste. Wieso
konnte das alles nicht einfach aufhören?
Tidus merkte es zuerst gar nicht, als seine Augen anfingen, zu brennen, er anfing zu
schluchzen und zu schniefen. Auch, dass Naki und Freddie ziemlich besorgt aus dem
Wohnzimmer gelaufen kamen merkte er zunächst nicht. Und irgendwie war es ihm egal, dass
er einfach nach vorne gegen Auron kippte und dieser ihn in den Arm nahm, auch wenn es ihm
später vermutlich fürchterlich peinlich sein würde. Er stand einfach, heulte in Aurons
norwegischen Wollpullover, merkte, wie Naki sich in die Umarmung einschloss, Freddie
vermutlich ebenfalls und auf dem Flur ein Bild der allgemeinen Gruppenumarmung entstand.
Weihnachten fiel doch nicht völlig ins Wasser. Nach seiner Heul-Attacke Tidus hatte Tidus
zumindest aufgehört, weiter schlechte Laune zu verbreiten und jetzt saßen sie alle noch
beisammen und knabberten Kekse, während in der Glotze (Naki hatte das Fernsehverbot
aufgehoben) irgendeine Weihnachtssendung kam, Auron wusste nicht, was, aber er fand es
ziemlich furchtbar und laut. Aber das allgemeine Beisammensitzen mochte er trotzdem. Tidus
neben ihm war bereits eingeschlafen und lag jetzt mit einem Sabberfropfen aus dem
Mundwinkel hängend nach hinten gelehnt und träumte. Auron schloss ebenfalls die Augen
und seufzte leise. Endlich Ruhe und die Gewissheit, sich zumindest für diesen Tag keine
Sorgen mehr zu machen brauchte. Dazu den Duft von Kräutertee in der Nase.
So saß Auron einige Zeit da, völlig entspannt, noch halb das schrille Gehupe des Fernsehers
im Ohr, bevor auch er einpennte.
„Hey Freddie...", flüsterte Naki und deutete auf Tidus, der dicht an Aurons Bauch geschmiegt
auf dem Sofa lag, „Sieh dir das an... Niedlich..."
„Ich hol den Fotoapparat."
„Hihi, dafür bringen die uns um."
„Aber erst, nachdem wir das Foto nächstes Jahr als Weihnachtspostkarte verschickt haben."
Beide grinsten fies.
Der vollständigkeit halber ist hier noch zu erzählen, dass nach einer Woche der Schwindel um
die Affäre von Jecht aufflog. Die Agentin hatte wohl ein schlechtes Gewissen bekommen
(und Ärger mit ihrem Mann). Zum Foto kann man zum Glück von Tidus und Auron sagen,
dass von allen Fotos, die auf dem Film waren dieses Unterbelichtet gewesen war und darauf
nichts weiter als dröge Schwärze zu sehen war.
Ende von Kapitel 7
Pueh geschafft. Zehnseitige Langeweile die siebte (das ist jetzt eine "Behauptung"
Sie soll zur "Diskussion" und zum Review schreiben anregen)
So, da hast du das nächste Kapitel ^.^ Und ich hab´s pünktlich fertig bekommen.
@alle, die wollen, dass ich aus dem Ding eine Slash Fanfiction mache
Sorry, das war ein Scherz gewesen. Ich hatte es eigentlich nicht vor, da ich das Apirng
irgendwie ... unpassend? Finden würde, außerdem würde dann die Fic vermutlich auf ein noch
furchtbareres Nieveau abrutschen, als sie es eh schon ist (ich läster hier jetzt nicht über Slash
(ach neinXP?), es kommt immer drauf an, wie bei allen Fanfictions). Aber trotzdem ein
RIESENDANKE für die Reviews. Ich hab mich gefreut, wie ein Honigkuchenpferd.
@allgemein alle, die gereviewt haben
DANKE ^________________________________^ *schokoladeverteil*
@der duderich
Soch, da isses. Und DU bist am Schluss schuld. Soch.
7. The Candy Trap
Die Innenstadt drohte, zur Weihnachtszeit immer zu explodieren. Vor kaufwütigen
Hausfrauen, Großfamilien und einfachen Nachzüglern, die so schlau waren, die letzte
Möglichkeit vor Weihnachten zu ergreifen um sämtliche Weihnachtsgeschenke auf einmal zu
kaufen. Eigentlich hielt man sich zu dieser Zeit beileibe nicht an diesem Ort auf, es sei denn,
man liebte es, sich durch riesige Menschenmassen zu drängeln, wobei einem mindestens an
die zwanzig mal auf den Fuß gelatscht wurde und einen an jeder Ecke ein im Sommer
arbeitsloser Weihnachtsmann anfiel. Oder man hieß einfach Auron.
Griesgrämig arbeitete er sich durch das Gedränge, in der Hoffnung, irgendwo ein Café zu
finden, indem er die nächste Stunde warten konnte, dass Tidus mit seinem Aufnahmetest
fertig war.
Der Blitzball-Verein, in welchem auch Mia spielte, hatte sich bereit erklärt, vielleicht eine
Ausnahme zu machen und Tidus schon mit seinen neun Jahren aufzunehmen. Vorausgesetzt
das Talent stimmte.
Weg vom Kaufhaus zukommen war wie gegen ein Lawine anrennen, zumindest kam es
Auron in diesem Moment so vor. Es war erschreckend, wie rabiat die Leute zu dieser Zeit
waren. Er hatte bereits mehrere Ellbogen in die Rippen bekommen, seine Füße waren platt
getreten und er bezweifelte, dass er jemals wieder hochkäme wenn er ersteinmal hier stürzen
würde.
Abgerundet wurde das allgemeine Bild des Schreckens durch die weiße Pracht, die da vom
Himmel kam, sich allerdings mit Hilfe der Menschenmassen und dem Räumungsdienst auf
dem Boden in eine braune, wässrige Masse verwandelte, die einem die Hosenbeine versaute
und durch ihre Nässe zur allgemeinen Erkältungsgefährdung beitrug.
Auf den Straßen in der Innenstadt herrschte ein Verkehrschaos, das sich gewaschen hatte und
das infernalische Gehupe und Gemecker der Autofahrer machte die weihnachtliche
Endzeitstimmung perfekt.
Irgendwie hatte es Auron geschafft, sich dann doch bis an die Seite der Einkaufsstraße zu
drängeln und sich in ein Café zu retten, bevor ihn der Strom an Menschen ergreifen und mit
sich reißen konnte.
Noch ein Bonus dieser Jahreszeit war, dass in Cafés, Läden und sowieso fast überall, wo viele
Menschen herumlungerten, alles schwamm. So auch hier, aber das ignorierte Auron jetzt
einfach geflissentlich und setzte sich an den nächstbesten Tisch, so weit wie möglich vom
Fenster weg. Von draußen tönte immer noch der Krach der Masse herein, selbst bei
geschlossener Tür. Gut besucht war das Café nicht gerade, drei Tische von Auron entfernt
saßen nur noch zwei alte Männer, die sich wohl über irgend etwas sportliches unterhielten und
eine Mutter mit zwei kleinen Kindern, die ihren Kakao schlürften.
Die Bedienung, eine überfreundlich lächelnde junge Frau, die vermutlich selbst dann ihr
Gesicht nicht vor einem Kunden verziehen würde, wenn dieser ihr sagen würde, dass ihre
Familie gerade gestorben wäre, huschte auch gleich her, um seine Bestellung aufzunehmen.
Eigentlich hatte Auron gar nichts bestellen wollen, aber weil er nicht rausgeworfen werden
wollte, nahm er einen Tee, wie sonst auch.
Es war ein Nullachtfünfzehn-Café, in dem Auron saß, weiße Wände, mit ein paar hübschen
Schwarzweißbildern an der Wand, zwei Palmen in der Ecke und über ein Radio wurde der
Kunde mit dem aktuellen Chartgejammer beschallt.
Aurons Blick fiel auf die Zeitungen, die an der Wand hingen.
Ab und zu hatte er es sich angewöhnt, sich ein bisschen über die aktuelle Lage aufzuklären.
Er fand es tatsächlich recht interessant, über Städte zu lesen, die in Spira nur noch als Ruinen
zu sehen waren. Eigentlich hatte Auron Lust, einmal aus Zanarkand herauszukommen, die
Welt, wie sie vor Tausend Jahren war, sich einmal anzuschauen. Er wollte sich unbedingt
einmal Thalia ansehen, die vom Orden verteufelte Stadt, die am Ufer des Illuminums auf
Brücken gebaut worden war.
Und es war ebenfalls spannend, den Aufstieg der späteren Städte zu beobachten. Wer hätte
schon gedacht dass das Unterhaltungszentrum Spiras, die Stadt Luca vor tausend Jahren ein
200-Seelen Fischerdorf gewesen war.
Nur Bevelle schien noch nicht auf der Bildfläche erschienen zu sein, eine Sache, die Auron
beschäftigte.
An den Schlagzeilen ließ sich erkennen, dass sie hier nur die ganzen Sensationsblätter hatten:
„Mann wird ein Kuhherz eingepflanzt."
„Hilfe! Fleischfressende Bakterien in Tiefkühlkost!"
„Skandal! Schönheitskönigin ist ein Mann!"
Aurons Blick blieb auf einer dieser Schlagzeilen stehen:
„Jechts Agentin gibt zu: Ja, ich hatte ein Verhältnis mit ihm!"
Unterlegt war das ganze mit dem Bild einer vollgeschminkten Frau mit einer hochtoupierten
Frisur, die leidend in die Kamera schaute, im Hintergrund ein Bild von Jecht.
„Was zum...?", murmelte Auron, dann stand er auf, um sich die Zeitung zu holen, während
ihm die Bedienung den Tee hinstellte.
Es hatte schon öfters irgendwelche Skandale um den Blitzballer gegeben. Irgendwelche
Leute, die behaupteten, ihre Nachbarn hätten Jechts Leiche verstückelt im Keller versteckt,
Jecht habe sich einfrieren lassen und würde wiederkommen und nicht zu vergessen, Lilian sei
in eine psychiatrische Klinik eingeliefert worden.
Alles Sachen, die man eigentlich als Mist abtun konnte. Aber das hier war anders. Die Frau
hier hatte so etwas wie Glaubwürdigkeit, ganz egal, ob sie nur Schwachsinn redete, oder
nicht.
„Er wird ausflippen...", flüsterte Auron, während er am Tee nippte und den Artikel las.
Die Halle in der die Mannschaft immer trainierte, war nicht unbedingt eine der größten.
Vielmehr handelte es sich hierbei eher um einen Schuppen, ein winzig kleines Ding, das zu
einer Schule gehörte. Hier trainierten sie alle zwei Wochen, in der jeweils anderen Woche
gingen sie in der Schwimmhalle.
Mia saß auf der Bank und sah missmutig zu, wie Tidus auf dem Spielfeld versuchte, zu retten,
was noch zu retten war. Klar, schießen konnte er, das musste auch der Trainer zugeben, und
Pässe fangen konnte er auch einigermaßen, aber beim Pass werfen fing das Dilemma an und
es endete bei seiner Ausdauer. Er hatte bis jetzt auf größere Entfernung als 4 Meter keinen
fangbaren Pass hinbekommen und beim Laufen hielt er keine Runde durch.
Sie seufzte. Inzwischen war der Trainer wieder auf das Feld gekommen und redete jetzt mit
Tidus. Mia konnte sich schon denken, was ihm der Trainer sagte: „Sorry, aber warte noch
zwei Jahre. Du bist einfach noch nicht so weit."
Und es war auch abzusehen, dass Tidus die nächsten Tage am schmollen sein würde.
„Ach, komm schon.", versuchte Mia Tidus aufzuheitern, während um sie herum alle lachten
und alberten, „dann wartest du eben noch zwei Jahre, na und? Dann müssen sie dich
nehmen."
„Nur noch zwei Jahre.", äffte Tidus sie nach und zog dabei eine Grimasse, „Das ist nicht
fair!"
„Ach komm, hör auf. Ich bin auch erst mit elf ins Team gekommen."
„Ich hab´ mich so angestrengt!"
Mia verdrehte die Augen und sagte nichts mehr. Sie hatte jetzt keine Lust, weiter mit ihm zu
streiten, da sie auch gar nichts dafür konnte.
Die Wege der beiden trennten sich an den Türen zur Umkleidekabine.
Die Mannschaft war nicht gerade groß. Es gab drei Mädchen und vier Jungs, mit denen Tidus
jetzt zusammen in der Umkleidekabine saß. Er wollte hier nur so schnell wie möglich raus. Er
kam sich schrecklich unzugehörig vor, wie die anderen da saßen und Späße machten und
lachten, über Missgeschicke während des Trainings oder während vergangener Spiele, von
denen Tidus keine Ahnung hatte. Er war so sauer und enttäuscht, dass er am liebsten einfach
laut losgeschrien hätte. Normalerweise hätte er jetzt einfach auf den nächstbesten Ball
eingetreten, aber danach war ihm jetzt von allen Dingen am wenigsten zu Mute. Er war
schlecht. Sie wollten ihn nicht im Team haben.
Statt dessen heulte er los. Beziehungsweise sein Körper hatte das zumindest jetzt vorgesehen
und schickte schon einmal die ersten Vorzeichen los, wie feuchte Augen und zitternde
Lippen, aber Tidus hatte etwas dagegen. Zumindest nicht hier vor den ganzen Jungs.
Ruppig wischte er sich die Tränen aus den Augen und zog sich seine Jacke über, dann
schnappte er sich seine Tasche, während er dem betroffenen Jungen auswich, der wohl
gemerkt hatte, was mit ihm war. Mit einem leisen Tschüss schloss er die Tür und rannte über
den Flur nach draußen, nur raus aus dieser Halle.
Nach eingibigen Überlegungen war Auron zu dem Schluss gekommen, dass es besser war,
wenn er die Geschichte mit Jecht Tidus irgendwie sofort beibrachte, bevor er in der Schule
damit aufgezogen werden würde und dann wieder ausflippte.
Ja, auf die schonende, aber bestimmte Art. Danach würde der Junge zwar ersteinmal wieder
tagelang Hasstiraden auf seinen Vater hinabregnen lassen, ganz egal, ob es nun stimmte, aber
das würde sich auch legen.
Er selbst stand der Sache relativ ratlos gegenüber. Einerseits war die Quelle eher fragwürdig
und vielleicht war dies ja auch nur ein Versuch der Agentin, sich noch einmal ins
Rampenlicht zu stellen, aber andererseits... andererseits traute er es seinem Freund irgendwie
auch zu, und das war das Problem. Alle taten das. Komischerweise war dieser Mensch mit
den verfilzten Haaren, dem schon fast ekelerregenden Körpergeruch und dem losen
Mundwerk ein Frauenschwarm. Weder Auron noch Braska hatten ihm zu Anfang glauben
können, dass er Frau und Kind hatte, vor allem da er ab und zu dann doch dazu geneigt hatte,
die weibliche Bevölkerung Spiras anzubaggern, auch wenn nie mehr daraus wurde.
„Das wird ein Spaß...", dachte Auron, während er, dieses Mal auf einer Nebenstraße in
Richtung Turnhalle marschierte.
Pünktlich auf die Minute sah er einen unter einer Kapuze versteckten Tidus die Treppe
herunter laufen.
„Wie war´s?", fragte Auron von weitem, die Hände in den Taschen seiner schwarzen
Winterjacke. Die Frage erübrigte sich, wenn man betrachtete, wie der Junge mit gesengtem
Kopf auf ihn zugeschlichen kam.
„Scheiße...", flüsterte er mit zitternder Stimme und schniefte leise, ohne stehenzubleiben.
Auron folgte dem dahinschlurfenden Bündel Elend in Richtung S-Bahn. „Nicht sein Tag
heute."
In der U-Bahn hatte Tidus dann angefangen, zu heulen. Die Leute hatten ihn angestarrt und
Auron hatte nicht wirklich gewusst, was er hätte tun sollen. Tidus war nur böse geworden, als
er versucht hatte, ihn zu trösten. Der Junge hatte gejammert, wie ungerecht das doch war, und
wie er sich doch angestrengt hatte, was Auron dann irgendwann von dem Plan abgebracht
hatte, dem Jungen in nächster Zeit zu erzählen, was die Zeitungen jetzt schon wieder über
seinen Vater schrieben.
Und jetzt saß er im Wohnzimmer, schmollend und aus dem Fenster starrend. Woran er jetzt
eigentlich gescheitert war, wollte er nicht erzählen und überhaupt hatte er seit der S-Bahn
nicht mehr den Mund aufgemacht. Auron sah sich nicht wirklich im Stande, momentan Tidus
irgendwie helfen zu können. Das Problem mit ihm war, dass er sich immer in sämtliche Dinge
reinsteigerte und sofort im Selbstmitleid ertrank. Genau, wie seine Mutter... wie Lilian.
Das Piepen der Tür drängelte sich zwischen seine Gedankengänge und herein kamen Naki
und Freddie, beide dick eingepackt und halb durchnässt vom Schnee.
„Hallo, auch...", keuchte Naki und drückte Auron eine Tüte mit Weihnachtsgeschenken in die
Hand, „Versteck die mal in der Küche..."
„Hey, Tidus!", rief Freddie gutgelaunt ins Wohnzimmer, während er sich im Flur die Stiefel
auszog, „Wie war´s?"
Au weia, dachte Auron und fasste sich an die Stirn, jetzt kommt die gleiche Leier noch mal.
„Hey was ist denn?", fragte Naki erstaunt neben ihm, was sich jedoch beantworte, als der
Junge ein lautes, wütendes „Für den Arsch!!!" zurück ins andere Ende des Hauses feuerte und
Auron ihr einen angenervten Blick zuwarf.
„Er wurde nicht genommen.", erklärte er, während er die Geschenke auf den
Küchenschränken, nicht erreichbar für kurze Kinderarme, platzierte.
„Wieso denn das?"
Auron zuckte mit den Schultern und zeigte in Richtung Wohnzimmer: „Frag ihn selbst."
„Freddie ist so ein Idiot!", zischte Naki, möglichst leise, damit es nicht ins Wohnzimmer
drang, entweder, damit Freddie oder Tidus nichts davon hörten.
„Was hat Freddie damit zu tun?"
„Er meinte, für Tidus ein paar echt teure Blitzballschuhe kaufen zu müssen. Ich sag´ ihm
noch, `Warte erstmal ab´, aber neeeeein..."
Auron sah sie mit hochgezogenen Augenbrauen an. Er war sich nicht sicher, ob er das als eine
von Nakis üblichen Gebt-Mir-Mitleid-Geschichten handelte, die er, wie sonst auch ignorierte
oder ob es ein böses Vorzeichen für ein total in die Hose gehendes Weihnachtsfest war.
Insofern er so etwas, wie ein Weihnachtsfest überhaupt als in die Hose gegangen beurteilen
konnte. Es war ja erst das zweite, das er miterlebte. Inzwischen hatte er begriffen, dass es
dabei wohl um Nächstenliebe und sowas ging, auch wenn ihm die überfüllte Zanarkander
Innenstadt etwas anderes hinterherschrie.
Am Abend war Tidus immer noch mies gelaunt. Stinkig und mit einem Schmollmund saß er
auf der Couch und zappte ziellos durchs Programm, während Naki in der Küche Abendessen
machte und Freddie neben ihm saß und eine Zeitschrift las und Auron saß im Sessel und
starrte so vor sich hin auf die Mattscheibe. Manchmal glaubte Tidus, dass Auron echt eine
Schraube locker hatte. Immer in solchen Momenten. Ein Außenstehender hätte dieses
Verhalten als gefesseltes Fernsehschauen interpretiert, aber Tidus kannte ihn jetzt inzwischen
gut genug, um zu wissen, dass er das Fernsehprogramm hasste, wie die Pest, mal von einigen
Ausnahmen abegesehen.
Der Finger des Jungen drückte in einem kontinuierlichen Takt auf den Programmschalter.
Zapp-Zapp-Zapp. Das Programm rauschte an seinen Augen vorbei.
Nein, bei Auron war es etwas anderes. Er schien in diesen Momenten immer völlig abwesend
zu sein und vollständig in seiner Gedankenwelt herumzugurken.
Tidus hatte festgestellt, dass seine Oma, die jetzt tot war, früher immer genauso weggetreten
im Sessel gehockt hatte. Nur leider reagierte Auron nicht so lustig, wie seine Oma, wenn man
ihn ansprach. Die alte Frau hatte immer losgeschrien und sich erschrocken umgesehen und
gefragt, wo sie sei.
Tidus hatte Auron einmal gefragt, ob er sich nicht total dämlich dabei vorkomme, wie ein
alter Tattergreis vor sich hin zu glotzen. Auron hatte ihn dann allerdings nur an Tausende
Sachen erinnert, die dem Jungen zutiefst peinlich waren, von einem Mädchen verprügelt
worden zu sein, sich einmal an einem Glas Milch so verschluckt zu haben, dass sie ihm aus
der Nase wieder herausgelaufen kam und so weiter. Dem Mann einen Vorwurf machen zu
wollen war, wie gegen eine Gummizellenwand rennen.
Nichtstun und Denken waren eine großartige Sache, fand hingegen Auron. Zumindest, wenn
man sonst immer mit so einem Plappermaul wie Tidus im Schlepptau zusammen war.
Inzwischen hatte der Junge auch begriffen, dass er von ihm keine Antwort in diesem Zustand
bekommen würde, also hatte er seine Ruhe zum Nachdenken. Momentan, wie er weiter mit
der Affäre von Jecht mit seiner Agentin verfahren sollte. Wenn es denn eine gab. Hoffentlich
würden es die Medien nicht so aufblasen.
Auf dem Fernseher rasten die Programme vorbei, für Auron war es kaum erkennbar, was da
überhaupt lief und er fragte sich, wie Tidus in weniger als einer Sekunde eine Sendung als
schlecht und damit als umschaltwürdig beurteilen konnte. Die abgehackten Worte der
Moderatoren und Schauspieler klangen so wirr zusammengesetzt wie eine fremde,
merkwürdige Sprache. Gelangweilt schaute Auron weiter auf den Bildschirm, als er plötzlich
im Bruchteil einer Sekunde den Namen Jecht hörte und das Gesicht der Agentin aus der
Zeitung sah. Er hielt die Zeitspanne zumindest für so lange, auch wenn ihm dieser kurze
Augenblick sehr viel länger vorkam. Erschrocken sah er auf den Fernseher, als Tidus auch
schon weiterzappte und ihm jetzt eine Talk-Show-Moderatorin ins Gesicht grinste.
Er drehte sich zu Tidus um, allerdings verriet ihm der gelangweilte Gesichtsausdruck des
Jungen, dass dieser nicht mitbekommen hatte, was da eben auf dem Programm kam. Glück
gehabt. Obwohl... wer wusste, ob nicht irgendwoanders auch darüber berichtet wurde.
„Tidus, dieses Rumgezappe macht einen ja Wahnsinnig!", Freddie langte nach der
Fernbedienung in Tiduss Hand und nahm sie ihm Weg.
„Hey, gib die her!", schrie Tidus schnappte nach dem Kontrollgerät. Freddie sprang in dem
Moment auf, genau wie der Junge, dabei fiel die Zeitschrift auf den Boden und die Seiten
verblätterten sich.
„Gib sie zurück!", Tidus versucht, durch Springen an die Fernbedienung heranzukommen,
was nicht klappte, da er Freddie gerade mal bis zur Brust ging und dieser das Teil zu allem
Überfluss auch noch hoch hielt.
Auron starrte auf die aufgeschlagene verprummelte Seite des Heftes am Boden. Zwischen
Freddies Fuß hindurch war die Überschrift zu lesen: „Die heimliche Liebschaft des
Blitzballers".
Bitte nicht noch mehr. Jetzt befand sich Auron wirklich in einer prekären Lage. Er musste
irgendwie durch das Gerangel, das obendrüber stattfand an die Zeitschrift herankommen,
ohne dass Tidus was davon mitbekam, was drinne stand.
Was sich als unmöglich herausstellte.
„Ist das alles, was du kannst?", grinste Freddie den Jungen an, der verzweifelt hochsprang um
an die Fernbedienung heranzukommen. Und dann hatte auch er es gesehen. Die Überschrift.
Als Freddie seinen Fuß einen Zentimeter zur Seite geschoben hatte, sah auch er die
Überschrift, als er zu Tidus hinunterschaute, sein Grinsen erstarb, sein Arm sank nach unten
und der Kleine schnappte sich die Fernbedienung, ohne auf Freddies Verhalten weiter zu
achten.
„Was zum...", murmelte er, bevor er begriff und blitzschnell die nun zerfledderte Zeitschrift
aufhob. Fragend schaute er Auron an, dann gingen beide Männer in die Küche.
Es wären so tolle Ferien geworden. Weihnachten vor der Tür, keine Schule mehr und endlich
Blitzball im Verein. Aber irgendwas ging ja immer schief. Echt typisch.
Lustlos lungerte Tidus in der Ecke herum, während Auron und Freddie den Tannenbaum von
draußen reinhievten. Es war der 24. Dezember.
„Tidus, sei so gut und mach die Tür hinter mir zu.", Auron schob sich mit dem Ellenbogen
seine Brille zurecht, da er keine Hand frei hatte, dank des Tannenbaums. Sie hatten das Ding
vor drei Tagen gekauft, Freddie und Naki und bis jetzt hatte er auf dem „Deck", oder Terasse
oder wie man es auch nennen sollte, gestanden.
Barfuß schlurfte der Junge zur Tür und schloss sie mit einem lauten Quietschen. Danach
packte er sich aufs Sofa und starrte auf die schwarze Mattscheibe, während im Hintergrund
die beiden Männer feststellten, dass der Baum nicht in den dafür vorgesehenen Ständer passte.
Fernsehen durfte Tidus plötzlich auch nicht mehr, „um es im Haus weihnachtlicher sein zu
lassen.", O-Ton Naki. Keine Ahnung, was sie plötzlich überkommen war, aber gestern Abend
war sie plötzlich angetanzt, hatte ihm die Fernbedienung weggenommen und jetzt hatte er
über die Feiertage Fernsehverbot. Was für ein Ferienbeginn!
Plötzlich sprang er wieder auf. „Ich... ich muss nochmal los... zum Kiosk... bevor er
dichtmacht. Ich brauch´ noch Kaugummis...", er brauchte eigentlich gar keine, Tidus hatte
sich schon vor Tagen so eine Art kleinen Vorrat angelegt. Seine neueste Macke waren
nämlich diese knallpinken, klebrigen, süßen Blasenkaugummis, die beinahe jeden Menschen
in den Wahnsinn trieben, wenn man damit Blasen machte. Aber er wollte hier raus, raus aus
diesem Haus, raus, an die frische Luft, weg von diesem Baum, weg von Freddie, Naki und
Auron, die alle so furchtbar in diese Festtagsstimmung hereinzupassen schienen. Na schön,
sah man mal vielleicht von Auron ab. Der hatte sich irgendwie schon die letztes Jahr nicht für
das Weihnachtsfest erwärmen können, wusste der Teufel warum.
Tidus lief in den Flur und zog sich seine Schuhe an.
„Ich komme mit.", hörte er Auron hinter sich sagen und drehte sich auf dem Boden sitzend,
um.
„Wozu denn das?"
„Ich brauch noch über die Feiertage ´ne Zeitung."
„Ich bring sie dir mit."
„Nein, ich brauch´ frische Luft."
Na toll, Tidus verdrehte die Augen. Jetzt hatte er schon wieder Auron an der Backe. Und
außerdem würde er sich jetzt wirklich noch Kuagummis kaufen müssen.
„Dann beeil dich...", murmelte der Junge, während Auron seine schwarze, abgegriffene
Winterjacke anzog. Tidus fand, dass der Mann herumlief, wie ein Penner. Eine Pennerjacke
(auch wenn er froh war, dass Auron jetzt nicht mehr Non-Stop in seinem roten Mantel
herumlief, den er noch viel schlimmer fand), eine abgetragene Pennerjeans,
Pennerwinterstiefel, die schon an die zwanzig Jahre alt schienen und nicht zuletzt die immer
noch recht langen Haare, die er hinten zu einem schlampigen Zopf zusammengebunden hatte.
Die meisten Leute fanden es eher ziemlich respekteinflößend, aber Tidus fand es einfach
peinlich. Es war bestimmt ein Jahr her, dass Auron mal beim Friseur war.
Der Junge war gerade so damit beschäftigt, sich zu ärgern, dass er gar nicht bemerkte, wie
Auron die Tür hinter sich zumachte. Argh, verdammt. Wieso war immer er es, der verarscht
wurde? Böse rannte Tidus dem Mann mit den langen Haaren nach, nachdem er draußen die
Tür hinter sich zuknallte.
Der Weg zum Kiosk verlief schweigend. Es war Vormittag und die Luft war schneidend kalt,
aber trocken. Während Tidus neben Auron herlatschte, dachte er nach. Über Weihnachten und
das Ganze. Irgendwas war dieses Jahr los mit ihm. Okay, die Ferien hatten scheiße
angefangen, er musste noch eine Ewigkeit warten, bis er Blitzball im Verein spielen konnte,
aber... vielleicht war es ziemlich dumm, sich davon einfach Weihnachten versauen zu lassen.
Die letzten Jahre, ach eigentlich immer schon hatte er dieses Fest geliebt! Geschenke,
Süßigkeiten und wenn man Glück hatte sogar Schnee vor der Tür, was dann ja wohl das
coolste Weihnachten überhaupt war. Irgendwie benahm er sich dieses Jahr wie... Oh mein
Gott!, dachte Tidus, ich benehme mich wie Auron! Tidus zog angesäuert die Mundwinkel
nach unten. Wenn das nicht ein schlechter Einfluss war.
Eigentlich brauchte er gar keine Zeitung mehr. Auron hatte sich über die Feiertage relativ gut
mit lesenswertem eingedeckt. Allerdings hatte er sich mit Naki und Freddie darauf geeinigt,
dass es für ein Weihnachtsfest vorteilhafter war, Tidus über die Feiertage zu ersparen, was die
Zeitungen mal wieder über Jecht schrieben. Und irgendwer musste jetzt dafür sorgen.
Der Kiosk tauchte vor ihnen auf, obwohl es eher eine Art unterschätzter Supermarkt in einer
Garage war. Oder so ähnlich. Er mochte den Laden nicht wirklich, er war a) Teuer und b) war
der Verkäufer ziemlich unfreundlich und machte allgemein einen so interessierten Eindruck
wie ein sechsjähriger, cooler Junge in der Barbie-Abteilung im Kaufhaus.
Mit einem Seitenblick auf Tidus, der vorne an der Theke seine Kaugummis (welche er ja
eigentlich gar nicht brauchte, aber das wusste ja Auron nicht) kaufte, sah er sich die
Zeitschriften im Regal an, auf der Suche nach Schlagzeilen, die irgendwas mit Jecht zu tun
haben konnten. Mist... Er erspähte mindestens drei Zeitungen, auf denen Jechts Gesicht
prankte. Wieso mussten die Zeitungen eigentlich immer alles so aufblasen? Er hasste die
Klatschpresse. ~Glückwunsch. Jetzt bist du schon fast so weit, wie der Zanarkander
Durchschnittsmensch. Sieht man mal von den ganzen Idioten ab, die kein Leben haben.~,
raunte ihm seine Innere Stimme zu. Was sich inzwischen als nächste Sorge in Aurons Hirn
schob: Was, wenn Tidus da mit reingezogen wurde und demnächst irgendein Klatschreporter
bei Naki vor der Tür stand?
„Hey Auron. Was schaust du denn da solange?"
Hinter ihm stand Tidus und glotzte ihn genervt an. Etwas zu ruckartig drehte sich der Mann
um und versuchte, sich möglichst groß zu machen, um Tidus die Sicht auf die Zeitungen zu
versperren.
„Nichts. Bist du fertig?", er musste ziemlich dämlich wirken, da Tidus ihn jetzt mit
hochgezogenen Augenbrauen anstarrte, als hätte er was im Gesicht.
„Du wolltest dir doch noch deine Zeitung kaufen. Oder findest du sie nicht?", der Junge
grinste, dann ging er an Auron vorbei zum Regal oder zumindest hätte er das getan, hätte
Auron ihn nicht am Arm festgehalten und ihn zurückgezogen.
„Ist schon gut. Lass uns wieder los. In der Zeitung steht sowieso nichts.", so dämlich er sich
momentan auch benahm, der Mensch sprach mit der gleichen Sicherheit in der Stimme, wie
sonst auch.
„Hä? Du hast doch gar nicht reingeschaut...", Tidus zog eine Grimasse.
„Habt ihr beiden irgendein Problem, oder so?", die Stimme des gretzigen Verkäufers klang
wie eine alte, rostige Feile.
Er bekam keine Antwort, nur die Tür klingelte als Auron mit Tidus im Schlepptau den Laden
wieder verließ.
Der Rückweg verlief genauso, wie der Hinweg: Schweigend. Zumindest für eine Weile.
„Woran hat es gelegen?", Auron schielte mit seinem einen Auge auf den Jungen neben sich
herunter.
„Hä?"
„Das mit dem Blitzballteam?"
Tidus zog eine Grimasse, die aussagte, dass er über alles lieber reden würde, als darüber.
„Was weiß ich denn?", keifte er böse, aber nicht besonder laut.
„Tss, schon gut.", Auron schmunzelte, „Es ist nur Schade drum. Dein Schuss war ja doch
nicht ohne."
Tidus schaute den Mann in dem schwarzen Mantel neben sich ungläubig an. War er krank,
oder so? Was war aus dem ständig herablassenden, nie den Mund aufmachenden, obercoolen
Auron geworden? War das eben ein Versuch gewesen, ihn aufzuheitern? Oder zu loben? Es...
hörte sich irgendwie... komisch an.
An Auron war dieser Blick nicht vorbeigegangen.
„Was?", er schielte Tidus über seine Sonnenbrille hinaus an.
„Ach nichts...", kicherte Tidus. Eine weitere bescheuerte Sache an Auron. Diese Sonnenbrille
setzte er nie ab! Selbst im Winter nicht, bei stockdunklem Himmel. Klar, es diente irgendwie,
seine Narbe im Gesicht etwas zu verstecken, aber dämlich war´s trotzdem.
„Was hast du jetzt eigentlich mit deinem Auge gemacht?"
„Nichts."
Nakis Befürchtung, dass Tidus losheulen würde, sobald Freddie ihm die Blitzballschuhe
schenkte, ging nicht in Erfüllung. Eher gegenteilig. Der Junge hatte ein Freudentanz
veranstaltet und war Freddie ersteinmal um den Hals gefallen. Nun gut, geheult hatte er
seinem Freudentaumel doch, allerdings eher aus Begeisterung, dass er jetzt etwas hatte, womit
er vor Mia und Tony angeben konnte.
Was er dann auch prompt tat, nämlich im Waisenhaus bei den beiden anzurufen.
Im Schneidersitz saß er jetzt vor dem Telefontischchen im Flur, immer noch stolz auf seine
Latschen guckend, während er darauf wartete, dass die Telefontussi seine beiden Freunde ans
Telefon holte.
„Hallo Tidus!", Tonys wie immer nach laufender Nase klingende Stimme meldete sich am
anderen Ende der Leitung, „Frohe Weihnachten!"
„Jaja, frohe Weihnachten!", Tidus grinste, bevor er mit der Nachricht hervorplatzte, „Ich hab´
echte Nikes! Zum Blitzball! Ist das nicht geil?!"
Eine Stille trat am anderen Ende der Leitung ein, die geradezu nach Tonys dümmlichen,
glotzenden Gesicht schrie. Dann hörte man ihn doch wieder.
„Wooooow!", jep, der Gesichtsausdruck passte, „Hey Mia! Weißt du, was Tidus zu
Weihnachten bekommen hat!?!?!?"
Es mischte sich noch eine zweite Stimme am Hörer ein. Tonys große Schwester kam dazu.
„Hey Tidus! Was gab´s denn?"
„Hey Mia! Ich hab´ echte Nikes bekommen! Stell dir das mal vor!", rief Tidus begeistert in
den Hörer.
„Wie cool!", schrie das Mädel ziemlich laut am anderen Ende zurück, woraufhin sich Tony,
der sich wohl mit ihr den Hörer teilte sofort anfing zu jaulen, sie solle etwas leiser reden.
„Und, wie ist Weihnachten bei euch?"
„Tsss, kannst du dir doch denken.", zischte Mia.
„Wir haben Weihnachtslieder gesungen und dann hat jeder einen
Schokoladenweihnachtsmann und ein Geschenk bekommen!", erklärte der kleinere von
beiden begeistert.
„Und, was habt ihr bekommen?"
„Bücher.", gab das Geschwisterpaar einhellig zurück, obwohl Tony etwas enthusiastischer
klang, als seine Schwester.
„Oh!", antwortete Tidus bescheiden interessiert. In solchen Momenten fühlte er sich immer
etwas schlecht und wünschte sich, er hätte vorher lieber die Klappe gehalten.
„Na, aber dir scheint´s ja wieder einigermaßen gut zu gehen.", bemerkte Mia.
„Hm?", der Junge war gerade in Gedanken versunken. Vielleicht sollte er den beiden selbst
etwas schenken.
„Naja, ich meine, zuerst die Blitzballpleite und dann noch das, was die Zeitungen wieder
schreiben."
„Hä? Die Zeitungen? Was schreiben die denn?", Tidus zog am Hörer eine Grimasse.
„Naja, das mit deinem Vater und seiner Sekretärin, oder so.", Tidus hatte den beiden
inzwischen erzählt, wer denn sein Vater war. Bei Tony hatte das die Kluft aus Respekt, die für
ihn Tidus umgab, noch verstärkt, während es Mia eigentlich total egal war, „Dass die ein
Verhältnis hatten."
Tidus starrte überrascht vor sich auf die ebene Fensterscheibein sein eigenes Spiegelbild. Er
murmelte „Mach´s gut." in den Hörer, dann rannte er mit einem Blick, der einen Stein hätte
zum Bersten bringen können in sein Zimmer, um zu schmollen, nicht, bevor er wieder mit der
Tür geknallt hatte.
Naki saß in den Tiefen der Couchlehne versunken da und starrte an die Decke, neben sich
Freddie, der behutsam ihre Had tätschelte.
„Wieso...", jammerte sie, „Wieso konnten sie damit nicht bis nächste Woche warten!"
„Keine Ahnung", ihr Freund ließ sich mit einem lauten Seufzen zurück neben sie fallen und
legte den Arm um Nakis Schultern.
„Ich habe so keine Lust mehr...", Naki schmiegte sich gegen ihn und schloss die Augen,
„Warum hätte Lilian nich einfach einen ganz normalen Typen heiraten können."
Tidus hatte sich jetzt seit einer Stunde in seinem Zimmer verrammelt, und wollte partout nicht
wieder rauskommen. Furchtbar melodramatisch, wie Auron fand. Er hatte sich aus der Küche
einen Stuhl geholt und saß jetzt gegenüber von Tidus Zimmertür herum und wartete, dass
Nakis Falle zuschnappte, in Form mehrerer Naschsachen, die jetzt vor seiner Tür lagen. Tidus
hatte sie im Wohnzimmer liegengelassen und seine Tante hatte gedroht, sie zusammen mit
ihm und Freddie zu vernichten, sollte Tidus nicht in den nächsten 30 Minuten herausbegeben.
~Ein super Plan~, dachte Auron noch, als sich tatsächlich die Tür öffnete und ein Kinderarm
herauslangte um nach den Süßigkeiten zu greifen. Als der Junge merkte, dass Auron da war,
wollte er sofort wieder die Tür zuknallen aber der Mann war schneller und hielt sie auf.
„Wie lange hast du denn noch vor, zu heulen.", er schaute auf den Jungen am Boden, der ihn
böse anfunkelte.
„Ich heul gar nicht!", grätzte dieser zurück und fügte nach einer Pause, in der er aufgestanden
war noch hinzu: „Außerdem geht dich das gar nichts an."
Es verging ein mehrere Augenblicke langes Schweigen in denen sich die beiden stumm
anstarrten.
„Kannst du mir mal was verraten?", Auron nahm die Sonnenbrille ab und schaute den Jungen
jetzt mit seinem einen intakten Auge an, „Wieso flippst du immer sofort aus?"
„Tss", der Junge vor ihm schaute verächtlich und sauer zur Seite, um seinem Blick
auszuweichen. Er wäre am liebsten wieder in sein Zimmer verschwunden, aber das ging nicht,
weil Herr Kleiderschrank da ihn ja nicht in Ruhe lassen wollte. Was erwartete Auron
eigentlich? Da hatte sein Vater vor Jahren seine Mutter betrogen mit irgendsoeiner
bescheuerten Kuh und er sollte ruhig bleiben, oder was?
„Es ist noch nicht einmal raus, ob die Geschichte über Jecht stimmt."
Was wusste Auron denn schon? Wie bescheuert und nervig es war, einen Vater wie Jecht zu
haben. Über den als er noch da war die Zeitungen jeden Tag neue Scheiße schrieben, die
Kinder einen damit aufzogen und der irgendwann einfach verschwand und seine Mutter nach
kurzer Zeit mitgenommen hatte. Und jetzt... jetzt ging das ganze immer noch weiter. Er hasste
es. Immer wieder daran erinnert zu werden, wer er war und warum er Jecht so hasste. Wieso
konnte das alles nicht einfach aufhören?
Tidus merkte es zuerst gar nicht, als seine Augen anfingen, zu brennen, er anfing zu
schluchzen und zu schniefen. Auch, dass Naki und Freddie ziemlich besorgt aus dem
Wohnzimmer gelaufen kamen merkte er zunächst nicht. Und irgendwie war es ihm egal, dass
er einfach nach vorne gegen Auron kippte und dieser ihn in den Arm nahm, auch wenn es ihm
später vermutlich fürchterlich peinlich sein würde. Er stand einfach, heulte in Aurons
norwegischen Wollpullover, merkte, wie Naki sich in die Umarmung einschloss, Freddie
vermutlich ebenfalls und auf dem Flur ein Bild der allgemeinen Gruppenumarmung entstand.
Weihnachten fiel doch nicht völlig ins Wasser. Nach seiner Heul-Attacke Tidus hatte Tidus
zumindest aufgehört, weiter schlechte Laune zu verbreiten und jetzt saßen sie alle noch
beisammen und knabberten Kekse, während in der Glotze (Naki hatte das Fernsehverbot
aufgehoben) irgendeine Weihnachtssendung kam, Auron wusste nicht, was, aber er fand es
ziemlich furchtbar und laut. Aber das allgemeine Beisammensitzen mochte er trotzdem. Tidus
neben ihm war bereits eingeschlafen und lag jetzt mit einem Sabberfropfen aus dem
Mundwinkel hängend nach hinten gelehnt und träumte. Auron schloss ebenfalls die Augen
und seufzte leise. Endlich Ruhe und die Gewissheit, sich zumindest für diesen Tag keine
Sorgen mehr zu machen brauchte. Dazu den Duft von Kräutertee in der Nase.
So saß Auron einige Zeit da, völlig entspannt, noch halb das schrille Gehupe des Fernsehers
im Ohr, bevor auch er einpennte.
„Hey Freddie...", flüsterte Naki und deutete auf Tidus, der dicht an Aurons Bauch geschmiegt
auf dem Sofa lag, „Sieh dir das an... Niedlich..."
„Ich hol den Fotoapparat."
„Hihi, dafür bringen die uns um."
„Aber erst, nachdem wir das Foto nächstes Jahr als Weihnachtspostkarte verschickt haben."
Beide grinsten fies.
Der vollständigkeit halber ist hier noch zu erzählen, dass nach einer Woche der Schwindel um
die Affäre von Jecht aufflog. Die Agentin hatte wohl ein schlechtes Gewissen bekommen
(und Ärger mit ihrem Mann). Zum Foto kann man zum Glück von Tidus und Auron sagen,
dass von allen Fotos, die auf dem Film waren dieses Unterbelichtet gewesen war und darauf
nichts weiter als dröge Schwärze zu sehen war.
Ende von Kapitel 7
Pueh geschafft. Zehnseitige Langeweile die siebte (das ist jetzt eine "Behauptung"
Sie soll zur "Diskussion" und zum Review schreiben anregen)
