Tja, Freunde… Die Blätter fallen, der Wind fegt durch die Straßen, es herbstelt. Stört uns das? Sicher nicht, denn wenn es zu arg wird, lassen wir uns einfach entführen – in eine Welt voll Magie und Phantasie.

Unser kleiner Bücherwurm gibt sich die Ehre. Bücherwürmer sind ja bekanntlich winzig kleine magische Wesen, doch sie haben ein großes Herz und unser rudeleigener Bücherwurm dazu eine perfekte Flotte-Schreibe-Feder, die so richtig gut gefällt…

Wollt ihr mehr über Bücherwürmer erfahren?

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(Nehmt bitte die Leerzeichen nach www. und nach fanfiction. raus)

Das Rudel – Das Rudel – Das Rudel – Das Rudel – Das Rudel

Disclaimer: Da ich immer noch nicht JKR bin, gehört mir der ganze Kram immer noch nicht. Lediglich die Ausführung hier – und das literarisch absolut (!) hochwertige Gedicht, das ist alleine auf meinem Mist gewachsen. Bitte keine Heuler deswegen, ja?
Tausend Dank fürs Betalesen an unsere Rabenkrähe Gaia! Wenn denn noch Fehler zu finden sein sollten – meine, meine, meine!

Es werden Wunder wahr

von Bookworm El V

Severus Snape, Ex-Zaubertränkelehrer, Ex-Schulleiter von Hogwarts und Ex-Spion für einen anderen ehemaligen Schulleiter von Hogwarts, lag im Koma. Nach der Schlacht von Hogwarts war jemand in die Heulende Hütte gestürmt und hatte seinen so-gut-wie-toten Körper vom Boden gekratzt, ihm einen Bezoar in den Hals gestopft und seine Wunden so gut wie möglich verschlossen, ehe dieser Jemand ihn ins St. Mungo's geschleift hatte.

Auroren standen vor der Tür seines Krankenzimmers Wache, damit die Pressegeier nicht dort einbrechen und Fotos von ihm machen konnten, oder Schlimmeres. Nur eine Hand voll Leute durfte überhaupt sein Zimmer betreten.

Nicht, dass er etwas davon mitbekommen hätte.

Er hatte nicht mehr mitbekommen, dass Harry Potter dem Dunklen Lord direkt vor dessen Niederlage noch ins Gesicht geschleudert hatte, er wäre auf Severus Snapes Schauspielkunst hereingefallen.

Er hatte nicht mitbekommen, dass die Leute langsam anfingen zu zweifeln, ob er wirklich ein Todesser extraordinaire war.

Er hatte nicht mitbekommen, dass Harry Potter den Ordensleuten – unter anderem Kingsley Shacklebolt, dem provisorischen Zaubereiminister –, seine größten Geheimnisse preisgegeben hatte.

Severus Snape bekam eigentlich gar nichts mit, außer, dass sein ganzer Körper in Flammen stand.

Der Bezoar, den jemand in seine halb herausgerissene Kehle gestopft hatte, hatte ihm zwar das Leben gerettet, aber das hieß nicht, dass er nicht unter den Nachwirkungen von Naginis Biss zu leiden hatte.

Er wusste nicht, dass seine Kehle so schlimm zerfetzt war, dass sein Überleben immer noch an einem seidenen Faden hing. Dass es möglich wäre, dass er nie wieder sprechen konnte.

Wenn er es gewusst hätte, wäre es ihm wahrscheinlich egal gewesen. Ihm wäre wahrscheinlich alles egal gewesen, wenn nur die elenden Schmerzen endlich aufhören würden.

Severus Snape lag immer noch im Koma. Nur gelegentlich gewann er etwas wie einen Hauch von Bewusstsein zurück. Das war nicht weiter lohnenswert, denn alles, was sein Körper ihm dann mitteilte, war, dass er grauenhafte Schmerzen hatte, besonders am Hals. Dass er nur schwer Luft bekam. Dass er schwach und hilflos war.

Gerade, als er wieder beinahe wegdämmerte, als sein Geist sich wieder in die Dunkelheit flüchten wollte, ehe die Schmerzen ihn endgültig zerbrachen, hörte er etwas.

Etwas Weiches, Leises. Angenehmes.

Severus war nicht genügend bei Bewusstsein, dass er dem leisen, weichen, angenehmen Etwas einen Namen geben konnte, aber er fand es schön.

Als er die nächsten paar Male ein bisschen in Richtung Bewusstsein dämmerte – wo die Schmerzen immer noch mit aller Gewalt um sich bissen –, schoss ihm zum ersten Mal ein klarer Gedanke durch den Kopf.

Dieses weiche, leise, angenehme Etwas war die Stimme einer Frau. Eine Stimme, die er zu kennen glaubte.

Die weibliche Stimme blieb bei ihm. Eigentlich immer, wenn er an den Rand des Wachwerdens kam, war die Stimme da, die ihm vage bekannt vorkam. Gelegentlich, wenn er eines klaren Gedankens fähig war, wusste er, dass er diese Stimme kannte. Zuordnen konnte er sie allerdings nicht, egal, wie viel Mühe er sich gab.

Und Mühe gab er sich inzwischen. Langsam ahnte er, dass er an der Schwelle zwischen Leben und Tod stand, und ganz instinktiv wählte er das Leben.

Severus Snape tat, was er sein Leben lang getan hatte.

Er kämpfte. Diesmal nicht für die Zauberergemeinschaft, nicht für irgendwelche Leute, die niemals erfahren durften, dass er es tat.

Er kämpfte um sein Leben.

Es fiel ihm immer leichter, sich auf die Stimme zu konzentrieren. Er wusste immer noch nicht, wem sie gehörte, aber er hatte entschieden, dass es ihm egal war. Die Stimme lenkte ihn von dem tobenden Schmerz in seiner Kehle ab. Und das reichte ihm schon.

Ja, er konnte sich nicht nur auf die Stimme konzentrieren; wenn er sich wirklich anstrengte, gelang es ihm sogar, etwas zu verstehen.

Einzelne Wortfetzen, später Halbsätze, schließlich die ganzen hingeschleuderten Herausforderungen, er sollte sich gefälligst anstrengen, sich Mühe geben, nicht aufgeben, überleben.

Sehr gryffindor, dachte er sich da. Es war der erste klare Gedanke seit Langem, der erste kohärente Satz, der sich in seinem Kopf geformt hatte.

Dass er nur aus zwei Wörtern bestand, war egal.

Zuhören zu können, war eine völlig neue Errungenschaft, der Severus mit einiger Begeisterung nachging. Er hörte inzwischen nicht mehr nur die Stimme, sondern auch Geräusche aller Art. Schritte, die über den Boden schlurften, ein leises Plätschern, wenn eine Flüssigkeit umgeschüttet wurde... das leise Rascheln von Stoff, wenn jemand sich bewegte.

Am liebsten hörte er jedoch der Stimme zu. Die Stimme plapperte gelegentlich, und Severus war der Ansicht, dass dieses Geplapper ihm eigentlich Hinweis genug sein musste, um die Stimme zu erkennen. Doch es gelang ihm nicht, einen Namen zuzuordnen.

Namen fielen ihm ohnehin nur nach und nach wieder ein. Geschehnisse waren noch schwerer wieder einzufangen.

Besonders die der jüngeren Vergangenheit.

Severus vertagte seine Überlegungen, als er das leise Quietschen von Gummisohlen auf Steinboden hörte, gefolgt von dem Schaben von Stuhlbeinen.

„Entschuldigen Sie die Verspätung, Sir", sagte die Stimme leise. „Kingsley hat mich nicht aus dem Ministerium gehen lassen, ehe ich ihm angedroht hab, ihn zu verhexen, wenn er mich nicht sofort... deshalb hab ich auch das Buch vom letzten Mal nicht dabei, sondern musste mir bei einer der Schwestern etwas ausleihen. Ich hoffe, Sie mögen Gedichte, Sir."

Ihm fiel wieder ein, dass die Stimme ihm seit einiger Zeit – wenn sie nicht plapperte –, Geschichten vorlas. Wenn die Stimme nicht da war, vergaß er öfter, was sie gesagt hatte, aber wenn sie wieder auftauchte, kam auch die Erinnerung.

Die Märchen von Beedle dem Barden hatten sie schon durch.

Und nun... sollten es also Gedichte sein.

„Na schön... fangen wir mit dem hier an, Sir", murmelte die Stimme, deren Klang immer so beruhigend war, wenn sie vorlas. Beruhigend genug, um Severus von dem Pochen und Brennen in seinem Hals abzulenken.

„An einem Sommertage von El V", setzte die Stimme an.

„An einem schönen Sommertage,
in einer berauschenden Aussichtslage,
hoch über dem blauen Meer,
da sitz' ich und begehr' dich doch so sehr.

Was soll ich tun, was soll ich machen?
Ich kann nur weiterhin mit dir hier wachen.
Ich muss andauernd an dich denken,
wann wirst du mir deine Liebe schenken?

Oh, das Herz wird mir so schwer,
denn ich begehre dich so sehr..."

Wenn Severus körperlich dazu in der Lage gewesen wäre, hätte er einen beißenden Kommentar von sich gegeben, schon beim zweiten Vers. Da er aber nicht dazu in der Lage war, hörte er weiterhin zu, bis die Stimme vor Lachen bebte und schließlich abbrach.

„Oh, Sir, tut mir Leid, aber das kann ich Ihnen nicht weiter vorlesen. Pfui, was für ein Käse! Und das einem Kranken!"

Hier seufzte die Stimme leise, sie wurde wieder ernst. „Na schön, dann werde ich Ihnen wohl ein bisschen erzählen, was so in der Welt vor sich geht, während Sie schlafen."

Und das tat sie auch.

Sie erzählte ihm vom Versuch der Zauberergemeinschaft, über die Verluste hinwegzukommen, die Schäden des Krieges zu beseitigen und ihrer Toten zu gedenken. Von den Versuchen, es in Zukunft besser zu machen.

Sie erzählte ihm vom geplanten Wiederaufbau von Hogwarts.

„Minerva geht jedenfalls sehr energisch an die Sache heran, Sir. Es würde mich nicht wundern, wenn der Schulbetrieb nächstes Jahr schon wieder laufen würde", sagte die Stimme nachdenklich.

Kurz hielt die Stimme inne, dann murmelte sie: „Ich muss wieder gehen, Sir, und der Schwester ihr... ähm, Lyrikbuch zurückbringen. Merlin, das erinnert mich an den Schund, den Lavender und Pansy Parkinson immer gelesen haben. So mit Ritter hoch zu Ross, Drachentötern und was-weiß-denn-ich alles für Ungetümen."

Wieder entstand eine Pause.

„Ich hätte gerade schwören können, dass Sie kurz gelächelt haben. Ich hoffe, Sie können mich hören."

Severus Snape schlug die Augen auf und blinzelte erstmal heftig ins grelle Licht der Lampe, die irgendein Dummkopf direkt über seinem Kopf montiert hatte.

Es dauerte eine ganze Weile, bis er etwas sehen konnte. Die Wände waren in freundlichen, hellen Farben gestrichen; ein Bild an der Wand zeigte zartrosa Blümchen, die in einer sanften Brise wehten. Eine helle Holztür führte wahrscheinlich nach draußen, eine weitere ins Badezimmer. Ein Fenster zeigte ihm den blassgrauen Himmel Englands.

Es roch nach Desinfektionsmittel und Zaubertränken.

Krankenhausgeruch.

Er war im St. Mungo's.

Und er erinnerte sich.

An alles.

An Dumbledores wahnsinnigen – um nicht zu sagen bescheuerten – Plan, den Dunklen Lord von Potter und seinen zwei Anhängseln stückchenweise umbringen zu lassen, indem sie Kinder auf die Suche nach Horkruxen schickten.

An das Jahr seiner Schreckensherrschaft in Hogwarts.

An all jene, die er foltern musste, um in seiner Rolle als Voldemorts Mann zu bleiben. Um keinen Verdacht zu erregen.

An Voldemorts Befehl an seine widerwärtige Schlange, ihn zu töten...

An Nagini...

Severus musste würgen.

Das Würgen tat seinem Hals überhaupt nicht gut. Schmerz schoss durch seine Kehle, und automatisch riss Severus seine Hand nach oben, um sie auf die schmerzende Stelle zu legen.

Er fand dicke Verbände.

Naginis Biss hatte ihn wohl doch nicht getötet.

Er konnte sich allerdings nicht erklären, wie er hier gelandet war. Potter, Granger und Weasley hatten ihn in der Hütte liegen lassen... es war doch unwahrscheinlich, dass jemand sich die Mühe gemacht hatte, nach ihm zu sehen...

Und auch hier hatte sich jemand die Mühe gemacht, nach ihm zu sehen, wie Severus jetzt wieder einfiel. Jemand hatte ihn besucht. Mit ihm gesprochen, ihm vorgelesen...

Jemand hatte sich gekümmert.

Severus runzelte die Stirn. Er wusste nicht recht, was er mit dieser Erkenntnis anfangen sollte. Sie berührte etwas in ihm, das er sich nicht erklären konnte.

Er beschloss, jetzt nicht darüber nachzudenken.

Vom Denken bekam er Kopfschmerzen.

Und vom Licht. Von dem Licht, das irgendein Idiot ja direkt über seinem Bett...

Er schloss die Augen wieder. Es dauerte nicht lange, bis er wieder eingeschlafen war.

Als er das nächste Mal aufwachte, fragte er sich, ob er sich das mit der Stimme vielleicht nur eingebildet hatte. Immerhin wusste keiner so recht, welche Auswirkungen das Gift von Nagini auf einen hatte. Halluzinationen könnten durchaus eine Folge des Schlangengifts sein...

Allerdings fiel ihm dann wieder ein, dass die Stimme ihm ein so genanntes „Gedicht" vorgelesen hatte. Und egal, welchen Hirnschaden er vom Schlangengift auch davongetragen hatte, Severus war überzeugt, dass er niemals so eine Sülze produzieren würde.

Also musste die Stimme echt gewesen sein...

Gerade, als er überlegte, zu wem, bei Merlins verdammtem Arm, sie denn nun gehörte, wurde die Tür zu seinem Zimmer geöffnet.

Hermione Granger trat herein.

Severus Snape schloss die Augen.