Mist. Schon wieder kommt das neue Kapitel etwas sehr spät.
Meine Ausreden: keine Inspiration, warme Temperaturen und Ferien.
Naja, auf jeden Fall: Viel Spaß!
6. Kapitel – Ab ins Beet – Die Garten-Soap
Scorpius Malfoy saß in einem Schrank.
An sich eine Tatsache, die die meisten Menschen nur mit einem Schulterzucken bedachten.
Allerdings saß Scorpius Malfoy in einem dieser winzig kleinen Schränke, die sich immer unter Waschbecken befanden, eingequetscht zwischen künstlich riechendem Klopapier mit aufgedruckten Rentieren und Kalkentfernungsmittel in sämtlichen Ausführungen.
Und das alles um drei Uhr morgens. In einem Bad das nicht seins war.
Alles in allem war es nun also eine Tatsache, die neben dem Schulterzucken vielleicht so etwas wie eine hochgezogene Augenbraue verdient hätte.
Diese doch etwas denkwürdigere Situation entstand aus einer anderen, die so harmlos wie unschuldig zu sein schien:
Scorpius strickte.
Es war elf Uhr abends und der Simpsons-Marathon in Fernsehen war gerade vorbei, da entschloss er, etwas elementar Wichtiges für die Menschheit vollbringen zu wollen: Bäume umstricken.
Er hatte von solchen Flashmobs gehört, bei denen verrückte Hausfrauen, die sonst nichts zu tun hatten kreischend in einen Park stürmten und aus diversen, vollkommen nachvollziehbaren Gründen anfingen, Bäumen eine angenehm flauschige Hülle zu verpassen.
Scorpius konnte das verstehen. Es war bunt. Das Pro-Argument für alles. Und die Bäume würden nicht frieren, was bei genauerer Betrachtung exakt das war, das Pflanzen in einem heißen Sommer mit Temperaturen durchgehend über 25 Grad brauchten.
Also machte er sich mit seinem Strickzeug auf in den Garten, der sogar noch beleuchtet war dank einer regenbogenfarbenen Einhorn-Lichterkette, die Harry einfach hinreißend gefunden hatte.
Und so saß Scorpius auf dem Boden und hatte die Arme um eine Eiche geschlungen, die langsam in einem satten Pink-Ton erstrahlte.
Ein wenig später – er war schon zu orange übergegangen – wurde der Garten plötzlich von einem hellen Licht durchflutet.
Scorpius glaubte schon sein Schicksal würde endlich erfüllt und Engel des Herrn würden ihm verkünden, dass er für irgendein sinnloses Experiment namens „Springfield in Reallife" die Rolle des ehrwürdigen Homer einnehmen müsse und nun gerechtfertigt fett und alkoholabhängig werden dürfe…
In einem Zimmer im Erdgeschoss war das Licht angemacht worden.
Und in diesem Zimmer, in das man von außen wegen einer riesigen Fensterfront komplett einsehen konnte, stand der Grund für Scorpius missliche Schrank-Lange. Wie soll es auch anders sein, Albus Potter. Nackt. Gah! Naja, halb-nackt. Ohh….
Albus begab sich langsam zum Fenster als wolle er genauer erkennen, welcher hirnamputierte Idiot für pink-orange gestreifte Bäume verantwortlich war.
Scorpius erster Gedanke war einen Tunnel zu graben, senkrecht in die Erde, bis er irgendwann mal auf einer abgelegenen und noch unbekannten Insel auf dem Pazifik landen würde. Der zweite war: Zu anstrengend!
Sein nächster Plan sollte sich als ein wenig simpler ausfallen, denn er bestand darin panisch sein Strickzeug wegzuwerfen und zu versuchen den Baum zu erklimmen.
Naja, prinzipiell simpler. Für Menschen deren größtes Vorbild nicht ein gelbes Wesen war, dass sich ausschließlich von Bier und Donuts ernährte, war es eher die Herausforderung ihres Lebens.
Während Scorpius also auf einer Mini-Wölbung in Höhe von 2 Millimeter herumwackelte und schon hysterisch wurde, fragte er sich, wieso er überhaupt vor Potter flüchtete.
Ach ja, Albus war ein Arschloch und „Bäume einstricken" stand nicht auf seiner Liste der Dinge, die man machen konnte ohne von ihm die nächsten zehn bis zwölf Wochen gedemütigt zu werden.
Warum ihn das kümmerte? Stand in den Sternen. Scorpius schob es darauf, dass Harry ihn mit seiner Harmoniesucht angesteckt hatte.
Was soll's, zurück zu einem halbnackten Albus, der mittlerweile die Tür aufgeschoben hatte und einem mit den Armen rudernden Scorpius, der an einem Strick-Baum hing.
„Huhu! Ist da jemand?"
Albus' liebliche Stimme und deren Einfluss auf Scorpius momentanem Adrenalinspiegel, verhalfen ihm zu neuer Kraft und mit wirren Paddelbewegungen schaffte er es irgendwie mit den Händen an einen tiefen Ast zu fassen.
Nun hing er da so und der einzige Ausweg aus dieser überaus anstrengenden Position war, die Beine hochzuziehen und mit seinem Körper eine 180° Drehung zu vollführen, sodass sich der Ast nun in seinen Kniekehlen befand und er wie eine gestörte, ungelenke Fledermaus kopfüber an einem Baum hing.
Mist.
Die Geräusche der elfengleichen schwebenden Schrittelchen von Albus rissen Scorpius aus seinen sinnvollen Gedanken über eine Dokumentation über Fledermäuse, bei der er zum Beispiel gelernt hatte, dass männliche Fledermäuse die Säugetiere sind, bei denen Homosexualität am weitesten verbreitet ist.
Doppel-Mist.
Wie konnte er dem Wesen, das da gerade auf ihn zusteuerte die Situation erklären? Scorpius entschloss sich, die Möglichkeit zu wählen, mit der er seither Probleme gelöst hatte: Vermeidung von Konfrontation.
Da kam der niedliche Buchsbaum-Busch, der fast genau unter seinem Kopf wuchs, recht gelegen…
Albus erreichte den Baum, von dem er ungewöhnliche Geräusche und Schatten vernommen hatte, die ihn aus dem Schlaf gerissen hatten.
Verräterische Stille empfing ihn.
Er versuchte etwas Auffälliges zu finden. Doch bei seinem ganzen Sherlock Holmes-Gehabe, bei dem er 1000 Mal sein Aufwachen und seine Sinneseindrücke rekapitulierte und sich fragte, was das alles mit dem dezenten pink-orangenen Wollmantel des Baums zu tun hatte, übersah einen kleinen runden Busch, der wie ein verwirrtes Huhn um den Baum rannte und versuchte nicht ungewöhnlich zu erscheinen.
Das mit dem ‚Unauffällig-Sein' des Busches misslang kläglich, denn irgendwann konnte selbst Albus' diesen misslungenen Versuch einer diskreten Flucht nicht ignorieren.
„Bleib stehen, du Eindringling! Stehen bleiben! Ich bin bewaffnet! Naja, mit einer magischen Wasserpistole, bei der sich das Wasser bei Berührung mit Sauerstoff rosa verfärbt und in Elfen verwandelt, aber immerhin! Ja, für ein so dummes Individuum, dass in einem Busch flüchten will, würde vermutlich selbst ein Wattestäbchen zur Verteidigung reichen."
Seine Stimme klang ruhig, aber trotzdem hielt er seine mit Hello Kittys beklebte ‚Waffe' schützend vor sich.
Scorpius kam nicht umhin, es recht hinreißend zu finden, wie Albus - seines Zeichens nur in Boxershorts, was alleine schon den Ausdruck ‚zum Hinwegschmelzen und nur noch ein flüssiges Häufchen Mensch sei' verdiente – versuchte ihn mit einer Elfen-Pistole zu bedrohen und dabei einen vollkommenen Mafiosi-Hardcore-Blick aufgesetzt hatte.
Er räusperte sich kurz und erinnerte sich daran, seinen perfektionierten Tarnungs-/Fluchtplan fortzuführen, statt über Albus' perfekten Körper und knuddelige Art nachzudenken.
Mit verstellter Stimme, mit der er hoffentlich wie einer der Ents aus Herr der Ringe klang (es erinnerte eher an eine schlechte Imitation einem pädophilen Weihnachtsmann, der zu viel Wodka getrunken hatte), fing er an zu reden:
„Fürchte dich nicht, junger Mensch. Buschulus Baumus will dir nichts Böses. Er will doch nur dein Bestes. Lasst ihn gehen mit dem Licht der Sterne und der Gnade der allmächtigen Mächte der Macht blablabla. Was weiß ich."
„…"
„Möge die Macht mit euch sein, junger Jedi. … Ah, kacki. Falscher Film,"
„… Scorpius, bei deinem schlauen Plan hast du nicht bedacht, dass Pflanzen nicht reden können. Selbst in der magischen Welt."
„Kacki."
„Kacki? Ernsthaft? Das ist das bescheuertste Wort, dass ich je gehört habe."
Empört erschien Scorpius' Kopf aus dem Busch. „Kacki ist fabulös. Es klingt nicht so hart wie ‚Scheiße' oder ‚Kacke' aber nicht so Wischi-Waschi wie ‚Verflixt'. Es ist niedlich."
„Ahahahaha! Nein. Aber deine Rhetorik ist ja ohnehin nicht die eloquenteste, also macht eine Diskussion eher weniger Sinn. So jetzt komm aus deinem Busch raus und setz' dich neben mich ins Gemüse-Beet - nicht, dass ich mich noch gesund ernähren muss – und erzähl mir wieso du unterbelichtetes Wesen mich um drei Uhr morgens geweckt hast und dich als ‚Buschulus Baumus' ausgegeben hast. Ich kann übrigens immer noch nicht glauben, dass du diesen Namen verwendet hast... Komm!"
Albus der sich gerade gemütlich auf eine unschuldige Möhrenpflanze gefläzt hatte, klopfte in bester ‚Mein rechter, rechter Platz ist frei'-Manier neben sich.
Scorpius stieg unelegant aus dem Blätter-Wirrwarr und setzte sich mit voller Wucht auf eine schon reife Tomate. Dass diese unschöne Flecken entstehen ließen, bedachte er natürlich nicht.
„Was willst du von mir?"
„Neben deiner gratis Hilfe bei meinem Gemüse-Boykott? Deinen Arsch würd ich mal sagen…"
Scorpius rupfte einen Kohlrabi aus der Erde und versuchte den Anderen damit zu schlagen. Allerdings holte er soweit aus, dass er sich selbst am Kopf traf.
Albus lachte ihn gnadenlos aus. Arschloch, das hatte wehgetan.
„Nein, wieso willst du mit mir reden? Und du willst echt meinen Arsch?"
Albus lachte auf. „Oh ja, wenn du diese dunkle Skinny Jeans anhast… Uh, ja Baby!"
Er wurde mit einem Erdklumpen beworfen. „Nur müsste ich leider die SM-Vorliebe unserer Väter leicht kopieren und dich knebeln, um zu verhindern, dass dämliches Zeug deinen Mund verlässt, was, um genau zu sein, immer passiert, wenn du anfängst zu reden."
Eine Mischung aus Schneckenkorn und Steinchen rieselte in seine Haare. „Und wenn du mich weiter bewirfst, wird es nicht beim Knebel bleiben…"
„Du bist eklig,", giggelte Scorpius hysterisch.
„Und du strickst."
„…Okay. Du hast mich ausargumentiert… Aber es macht Spaß! Und ist nützlich. Man kann Schals stricken! Oder eben Bäume bunter machen! Und es ist nicht nur was für Frauen! Ich mein wir leben im 21. Jahrhundert und…"
„Ich finde es anbetungswürdig süß."
„… da sollte man ja annehmen, dass wir langsam aufhören in Schubladen denken. Ähm. WAS?"
„Ich finde es hinreißend, dass du Bäume umstrickst."
„Was?" Er hatte diesen ganzen Mist mit Auf-einen-Baum-klettern und Busch-spielen gemacht um Albus keinen Grund für eine Demütigung zu geben. Und jetzt fand der es süß?
…Akzeptiert.
„Ich. Süß finden. Stricken. Du."
„Ernsthaft? Du? Wieso?
„Erstes: ja. Zweitens: Dürfen überaus intelligente, eiskalte und dem Rest der Welt überlegene Menschen nicht etwas als ‚süß ' betiteln? Drittens: Schwierige Frage. Ich denke es liegt an deiner Mischung aus kindlicher Naivität und Abgeklärtheit hinter einer unglaublich schlechten Maske Coolness, dass ich Dinge, die ich bei anderen einfach nur lächerlich finden würde, bei dir authentisch finde, weil es einfach zu dir passt. Was wiederum daran liegt, dass du einen an der Klatsche hast."
„Du bist so nett zu mir."
„Das finde ich allerdings auch. Ich bin ja schon fast ein schnurrendes Kätzchen. So, ich hab jetzt aber genug von der kuscheligen Atmosphäre und Harmonie. Deswegen verrate ich dir jetzt ein Geheimnis: In Harry und Draco's Badezimmerschränkchen befindet sich die Pforte zu einer anderen Welt. Du musst dich einfach nur darein quetschen."
„So wie bei Narnia?" Scorpius Augen leuchteten wie die eines kleinen Hannibal Lecters, der
mit zarten 5 Jahren von der Fleischereifachverkäuferin eine Scheibe Wurst mit den Worten ‚Hier eine Scheibe Menschadella' geschenkt bekommt.
Albus musste feststellen, dass zur Zeit eher Scorpius' ‚kindliche Naivität"-Seite überwiegte.
„Ganz genau wie bei Narnia." Albus stand schwungvoll und formvollendet auf und konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen. „Aber pass auf, dass die dich dort nicht für einen Drag-King halten. Du hast da auf deiner Hose unvorteilhafte Tomatenflecken, die ein paar Vermutungen geradezu herausfordern."
Ein Lachen, ein Luftzug, das Knallen einer Tür und weg war er.
Und so saß Scorpius in einem winzigen Badezimmerschränkchen, bekam fast einen Hustkrampf wegen dem komisch duftendem Klopapier und Ausschlag an den Beinen von dem Putzmittel, weil er natürlich seine Hose ausgezogen hatte, weil Tomatenflecken unter seiner Würde waren und sie nicht mit einem Zauber weggingen und es cooler war mit Simpsons-Unterwäsche in die Privatsphäre seines Vaters einzudringen.
Er war so ein fucking Idiot.
Albus Potter war so ein fucking Idiot.
Aber ein fucking sexy Idiot, der ihn süß fand.
Jetzt musste er sich nur noch aus diesem Schrank quetschen.
Tja dann, bis in ein paar Jährchen.
