Hallo! Ich weiß, die Sache zieht sich hin, aber ich kann es ihnen auch nicht zu einfach machen. Dies ist natürlich nur eine Ausrede für: Ich walze es gerne etwas aus. Aber der Knoten platzt bald, keine Sorge.
Disclaimer: Hetalia Axis Powers und seine Charaktere gehört mir nicht sondern Himaruya-san. Ich leihe sie mir nur aus und verspreche, sie nachher wieder ins Regal zurück zu setzen.
Die hier genannten historischen Personen und Örtlichkeiten gehören mir noch viel weniger und die Verwendung der Namen geschieht nicht in der Absicht respektlos zu erscheinen usw. und so fort, ihr kennt es mittlerweile.
7 Die kleinen ganz normalen Eigenheiten
Bonnefoys Blicke wanderten zwischen Kirkland und Adenauer hin und her. Schließlich sagte er zögernd: „Ich kenne da jemanden, der in seiner Küche jedes beliebige Lebensmittel in ein Stück Grillkohle verwandeln kann."
Kirkland ging hoch: „Ich koche in meiner Küche, daran gibt es nichts auszusetzen!"
„Grillkohle."
„Und was ich koche ist absolut genießbar!"
„Wenn man ein Grill ist. Aber Scherz beiseite, Wenn man mal von unserer Fähigkeit absieht, so ziemlich jede Verletzung auszuheilen und der Tatsache, dass wir seit Jahrhunderten nicht mehr altern, hatten Sie an bestimmte Arten von Tricks gedacht? Ich kenne jemanden, der jedes beliebige Musikstück, auch wenn er es nur einmal gehört hat, auf dem Klavier oder der Geige spielen kann. Zählt so etwas auch?"
„Österreich" warf Beilschmidt von der anderen Seite des Raumes ein.
„Oder Ungarns Bratpfanne des Schreckens", fuhr Bonnefoy fort. „Keiner von uns hat bisher herausgefunden, wo sie das Ding immer her nimmt. Eben noch steht sie unbewaffnet vor einem, plötzlich schwingt sie das Ding und etwa zwei Kilo Gusseisen treffen auf eine Fontanelle. Das Ding ist ein getarnter Streitkolben!"
Kirkland sagte: „Russlands eiserne Leber. Der Kerl kippt jeden Tag ein bis zwei Flaschen Vodka und ist nicht einmal beschwipst."
„Das ist ja recht unterhaltsam, aber betrifft Beispiele, die weit weg sind. Und damit im Moment jedenfalls nicht beweisbar. Und ich möchte hier auch niemanden verletzt sehen, auch nicht zu Vorführzwecken."
„Ganz so schnell geht das dann doch nicht, aber von heut auf morgen ..."
„Sehen Sie." Adenauer sah Beilschmidt an. Wenn der Mann ihm sozusagen gehörte, könnte er sich vielleicht mit ihm vertrauter machen. „Was ist denn mit Ihnen? Sagen Sie mir, gibt es an Ihnen derartige bemerkenswerte Eigenheiten?"
Beilschmidt wirkte erschrocken, seine Augen wurden größer, die Nasenflügel weiteten sich, der Mund formte ein O, er lief leicht rosa an und begann stockend zu sprechen: „Ich habe einen ziemlich guten Rapport mit meinem Land, Grenzverläufe, welcher Teil von wem besetzt ist, Hochwassergebiete und so weiter. Leider habe ich ganz schlechte bis gar keine Verbindung zu den Menschen, alles undeutlich und verschwommen ..."
„Das stimmt", warf Kirkland ein. „Mit seinem Land war er verblüffend gut. Keiner musste ihm erklären, wer von uns welche Gebiete besetzt hatte. Er wusste noch vor uns, dass Russlands Zugriff auf sein Land stärker war, als der von uns, und rechnete anfangs damit, dass wir nachziehen und ihn am Ende völlig auseinander reißen, der arme Kerl. Hauptsächlich deswegen, weil sich Frankreich in einer kleinen Ecke genau so besitzergreifend nieder gelassen hatte."
Adenauers Blick wanderte zwischen Kirkland, Bonnefoy und Beilschmidt hin und her. Beilschmidt wirkte erleichtert, dass ihm jemand das Reden abgenommen hatte. Irgendetwas an dieser Beobachtung zupfte an Adenauers Aufmerksamkeit, aber er sah noch nicht, was dahinter steckte. Beilschmidt hatte heute nicht das erste mal so ausgesehen. Dieses mal war er nicht dazu gekommen zu erzählen, auf welchem Wege er seine Kenntnisse gewann. Lag es daran? War es einfach nur schwer zu erklären, weil es ihm so 'zuflog' wie die Deutschkenntnisse von Jones? Moment, Jones Sprachkenntnisse. Wie war das noch?
„Herr Jones? Sagten Sie nicht, Ihre Deutschkenntnisse fliegen Ihnen so zu, wegen der Einwanderer?"
„Ja genau. Ich spreche die Sprachen meiner Bürger. Ich denke, da klappt meine Verbindung zu meinen Leuten ziemlich gut, he? Auch wenn es durchaus eine nennenswerte Anzahl von Einwanderern einer Sprache braucht, bis das tatsächlich klappt. Sie müssen sich sozusagen gegen die anderen Sprachen durchsetzen können. Tja, könnte man das als einen der Tricks rechnen, die Sie meinten? Nach unseren Maßstäben ist das ziemlich normal eigentlich. Vielleicht gibt es noch andere Dinge, die wir normal finden, die eigentlich ... he, ich weiß etwas! Ha ha ha! Warum bin ich da nicht sofort drauf gekommen?" Er stand auf und trat an Kirklands Stuhl heran.
„Was hast du vor? Nein! Lass das!" Dann fing er an, schnelles Englisch zu sprechen, beziehungsweise zu schreien. Jones hatte mit einer Hand die Lehne seines Stuhles gegriffen, mit der anderen Hand zwischen Kirklands Knien die Vorderkante der Sitzfläche. Und dann hob er den Engländer hoch, als wäre er federleicht.
In dem resultierenden schnellen Wortschwall glaubte Adenauer mindestens einmal das Wort Git zu erkennen, das er heute zum ersten mal gehört hatte. Außerdem die Formulierung: put me down und darüber hinaus noch viele andere Worte, die sehr farbenfroh klangen.
Jones lacht immer noch, als er den Engländer schließlich wieder absetzte.
Der schimpfte noch eine Weile weiter und sagte dann: „Es ist ein Wunder, dass du durch die Tür kommst, ohne etwas abzubrechen!"
„He, Mann. Ich bin damit aufgewachsen, ich kann damit umgehen!"
Kirkland meckerte noch ein bisschen mit ihm herum, während Adenauer sich die Stirn hielt. Wenn wenigstens die Kopfschmerzen nicht so plötzlich gekommen wären, ausgerechnet an diesem Abend. Jones kleine Vorführung hatte ihn ein wenig erscheckt, aber andererseits kam ihm nicht entfernt der Gedanke, er könnte in irgend einer Gefahr schweben, denn so wie sich Jones bisher aufführte, war er naiv und leichtsinnig, aber auch gutherzig, ein lebhaftes Beispiel amerikanischer Begeisterungsfähigkeit und zuversichtlichen Glaubens in die eigenen Fähigkeiten. Aber trotzdem wusste er nicht, was er in dieser Situation nun tun oder denken sollte.
„Ich könnte einen Schluck Mineralwasser vertragen, nach dem ganzen Gerede", sagte er und wies auf ein Schränkchen, das hinter Beilschmidt stand. Hinter Glastüren sah man eine Karaffe und Gläser, mit denen Beilschmidt im Handumdrehen alle versorgte.
„Danke schön." Adenauer nippte an seinem Glas und schien eine kleine Auszeit zu nehmen, denn er verfiel in Schweigen. Tatsächlich beschäftigte ihn die letzte Vorführung. Jones hatte mit keiner Wimper gezuckt und nicht einmal den Atemrythmus geändert. Und irgendwelche technischen Tricks, die ihm dabei hätten helfen können, hier in Adenauers eigenem Büro, wären zu auffällig und damit unmöglich. Zählte das nicht allmählich doch als Beweis? Aber genau hier hatte Adenauer ein Problem: er wollte diese ganze Geschichte eigentlich nicht glauben. Das alles war zu fremd und brächte sehr viele unbequeme Implikationen mit sich. Selten in seinem Leben war er so unsicher darüber gewesen, was zu tun sei wie jetzt.
Seine Gäste hatten nach einem kurzen Blick zu ihm anscheinend beschlossen ihm seine Bedenkzeit zu lassen und ein Gespräch untereinander angefangen.
Bonnefoy sagte gerade: „Einmal abgesehen von l'Ameriques ungewöhnlichen Körperkräften, ich glaube ja, viele unserer Talente sind einfach das Ergebnis von sehr langjähriger Übung, so wie Roderichs Klavierspiel zum Beispiel."
„Und Ivans eiserner Leber?" fragte Kirkland.
„Wer weiß", Bonnefoy lächelte. „Auf jeden Fall aber kann unser süßer Norditalien großartig malen und zeichnen. Es war immer wieder erstaunlich, was er zustande brachte, wenn ich ihn in einem Zimmer mit Malutensilien warten ließ, während ich uns etwas zu essen machte. Die meisten Bilder habe ich ja behalten, aber zwei seiner Werke hängen heute in Museen."
„Welche?" fragte Kirkland verblüfft.
„Sage ich dir nicht."
„Er kann aber auch gut kochen", warf der bisher eher stille Beilschmidt ein. „Pasta mit einer sehr leckeren Soße dazu, oder Pizza. Und sein Kaffee ist absolut ungeschlagen."
„Gibt es noch etwas, das dir dazu einfällt", versuchte Bonnefoy ihn weiter aus der Reserve zu locken.
„Schnell wegrennen und faktisch jederzeit aus egal was eine weiße Fahne basteln."
„Wow, ein echter Kämpfer, wie?" sagte Jones.
„Das war alles nicht unbedingt sein Ding."
„Hat er dir eigentlich etwas gemalt oder gezeichnet?" wollte Bonnefoy wissen.
„Er hat sich hauptsächlich auf die Küche und Pasta konzentriert. Aber er hat in meinem Büro etwas gezeichnet, als ich mal nicht da war. Er hat meine Korrespondenz mit kleinen Skizzen verziert. Auf einem der Briefe war unter der Grußzeile eine Seerose mit Blatt auf einer angedeuteten Wasserfläche, bei einem anderen Brief über der Anrede eine Rosenblüte und bei dem dritten Brief saß ein Pfau sozusagen auf dem Textblock, die Schwanzfedern den Rand hinunter gehängt. Er meinte, die Empfänger freuen sich sicherlich über eine hübsche Abwechslung in der langweiligen Büroarbeit. Tat mir richtig leid, dass ich ihn ermahnen musste, er sollte keine Skizzen auf die Ränder meiner Briefe zeichnen. Ein paar Tage später saß er wieder in meinem Büro, weil ich kurzfristig weg musste. Ich war kaum mehr als zehn Minuten fort, was glaubst du, was inzwischen passiert war?"
„Wenn du mich so anschaust", sagte Bonnefoy, „dann denke ich, er hat eine ausgearbeitete Zeichnung auf die Rückseite eines Briefes platziert."
„Du kennst ihn ziemlich gut, wie?"
„Ich kenne ihn schon ziemlich lange."
„Und ich habe es erst gemerkt, als der Brief schon unterschrieben war, faktisch, als ich ihn in den Umschlag stecken wollte. Also, dazu fiel mir nichts mehr ein." Er schüttelte den Kopf, in Gedanken noch bei diesen Kapriolen. Er schien nicht einmal wütend zu sein, eher ungläubig, dass jemand etwas derartiges zustande bringt. „Ein Bild von seinem Haus in der Toscana, hatte er mir damals noch gesagt, komplett mit Säulenzypresse und Lavendelstäucher im Garten. Er hatte sich zum Malen dort ein Mansardenzimmer eingerichtet, man sah die großen Dachfenster im Bild sehr gut. Erstaunlich, was er in wenigen Minuten fertig bringt. Ich hätte es mit Sicherheit mehr zu schätzen gewusst, wenn ich den Brief nicht ungültig stempeln und neu hätte schreiben müssen."
Adenauer war bei seinen Worten in die Gegenwart zurück gekehrt und sah ihn kritisch an. „Von wann war dieser Brief?" fragte er.
„Das sind jetzt etwas mehr als 10 Jahre her", sagte Beilschmidt.
„Wissen Sie noch und mögen mir sagen, um was es ging? Oder hätten Sie da ein Problem damit?"
„Kein Problem. Es ging um ein paar Fahrzeuge, Ersatzteile und Werkzeuge, die verschickt werden sollten."
„Und Ihre Unterschrift war schon darauf ..."
„Ich hätte das Ding eigentlich zerreißen und wegwerfen sollen, aber dann habe ich ihn erst einmal an die Seite gelegt und irgendwann war er weg. Ich dachte, Feliciano hätte ihn eingesteckt."
„Würden Sie mich noch einmal einen Blick auf Ihre Schrift auf Ihrem Foto werfen lassen?"
„Natürlich. Warum nicht." Beilschmidt zückte das Foto und legte es mit der Schrift nach oben auf den Tisch. Er war, ebenso wie die anderen drei, überrascht von Adenauers Fragen. Es schien, als wäre er auf einer Spur und tatsächlich war er das. Dabei war ihm nicht ganz wohl zumute. Die Handschrift auf dem Foto war ihm vorhin bekannt vorgekommen und allmählich erhärtete sich ein Verdacht, woher. Wenn dies nun war währe – darüber wäre er nicht sehr froh.
„Diese Handschrift hier ist sicherlich Ihre Schönschrift?", fragte er, stand auf und holte von seinem Schreibtisch einen Notizzettel und einen Schreiber.
„Wenn ich es eilig habe, sieht es anders aus, das gebe ich zu."
Adenauer schob ihm Papier und Schreiber hin. „Und wie sieht das dann aus? Schreiben Sie hier bitte so, wie sie damals die Briefe unterschrieben haben."
Beilschmidt setzte eine schnelle Unterschrift auf das Papier und bei deren Anblick zog sich etwas in Adenauer zusammen. Das war genau, was er in Erinnerung hatte. Einige typische Linien waren mit dem Namenszug auf dem Foto gleich, aber alles etwas spitzer, gedrängter und schwerer lesbar. Darum hatte er sich damals nie damit aufgehalten, die Unterschrift zu entziffern, die unter allem stand.
A/N: Ja, die Bratpfanne. Alubratpfannen gibt es noch nicht so lange und die verdammten alten Bratpfannen konnten recht schwer sein, wie das mit Gusseisen üblich ist. Getarnter Streitkolben ist keine Übertreibung.
... Frankreich hatte sich in einer Ecke recht besitzergreifend nieder gelassen: das Saarland. Francis hätte es sich gerne ganz unter den Nagel gerissen, zog sich aber doch zurück. Eine Weile stand das Saarland als autonome Region noch unter der Verwaltung der UN und wurde erst 1955 wieder der BRD angeschlossen.
