„Gerede"
/Gedanken/
°Gedankensprache°
(Ich geb' meinen Senf dazu)
überlegte Handlungen
Akkarin sah auf Sonea hinab. Sie schlief tief und fest; den Kopf an seine Schulter gelehnt. Es fühlte sich so seltsam an, hier mit ihrem schlafenden Körper zu sitzen, wo sie ihn doch vor ein paar Tagen noch abrundtief gehasst hatte. Nicht, dass er es bedauern würde.
Sanft strich er ihr einige Haarsträhnen aus der Stirn, die ihr ins Gesicht gefallen waren. Akkarin seufzte. Er war der Hohe Lord der Magiergilde, aber sogar er konnte derartigen Gefühlen nicht entkommen. Vielleicht liebte er sie nicht – obwohl das eher bezweifelte – aber er sorgte sich um sie, und das frustrierte ihn. Sonea war seine Novizin, ganz zu schweigen von dem Altersunterschied.
Es wäre ein Skandal. Die Gilde wäre entsetzt. Aber dafür müsste sie ihn erst einmal lieben, woran doch stark zweifelte. Er seufzte wieder. Gefühle machten alles so viel schwieriger. Akkarin blickte auf seine Arme, welche er um sie gelegt hatte und zwang sich, Sonea loszulassen.
Er zog es in Erwägung, den Raum zu verlassen; entschied sich dann jedoch dagegen. /Würde ich es darauf anlegen, böse zu sein, wäre das die perfekte Entschuldigung, um zu bleiben…/ Der Gedanke brachte ihn zum Grinsen. Aber nur diese eine Nacht, das schwor er sich selbst.
Sonea blinzelte in das Sonnenlicht. /Ich bin offenbar in einer ziemlich ungemütlichen Position eingeschlafen – und dazu auch noch voll bekleidet/ Sie streckte die Arme, dreht sich halb um – und erstarrte.
Akkarin.
Eine schreckliche, endloslange Minute überlegte sie fieberhaft, was er hier tat, bevor sie von einem dumpfen, pochenden Schmerz in ihrem Kopf daran erinnert wurde. Sie war in den Passagen angegriffen worden, und Akkarin hatte sie gerade noch rechtzeitig gefunden.
Es war unglaublich dumm von ihr gewesen, ihn darum zu bitten, bei ihr zu bleiben. Was, wenn er es wusste? Was, wenn er den Grund herausgefunden hatte, warum sie ihn wirklich darum gebeten hatte? Er würde sie für eine törichte Novizin halten, die für schwärmte. Sonea stöhnte auf.
„Oh, guten Morgen, Sonea!" Sie konnte seinen warmen Atem an ihrem Hals spüren. Offenbar war er erwacht. „Guten Morgen, Hoher Lord.", erwiderte sie zögernd. Er schluckte und ließ sie los. „Wie geht es dir?" Sonea benutzte ein kleines bisschen ihrer Kräfte um den stechenden Schmerz in ihrem Kopf zu dämpfen. „Jetzt? Besser." Akkarin warf ihr einen abschätzenden Blick zu.
„Gleichgültig, du wirst den Unterricht heute trotzdem noch nicht besuchen. Bleib in deinem Zimmer, oder zumindest IN der Residenz, bis es dir besser geht. Takan, kann dir einige Bücher bringen, oder dir Brettspiele zeigen – nur wandere nicht am Gelände der Gilde herum, ich möchte nicht, dass du vor einigen Erstklässlern zusammenbrichst – das würde keinen so guten Eindruck machen."
Er stand auf, strich seine Roben glatt und wartete mit hochgezogenen Augenbrauen auf ihre Antwort. Sie wich seinem Blick unwillig aus und murmelte leise: "Ja, Hoher Lord." Seine Mundwinkel zuckten.
„Gut, ich hoffe, du hältst dich daran. Nun zieh dich um, Takan wird dir Frühstück bringen." Sonea nickte mit gesenktem Kopf. Akkarin sagte nichts mehr, und als sie den Kopf hob, war das Zimmer bis auf sie leer und die Tür geschlossen, als wäre er nie da gewesen.
Rothen runzelte missbilligend die Stirn, als Tania ihm die Neuigkeiten berichtete. „Und du bist dir ganz sicher?", fragte er sie noch einmal ungläubig. „Ja! Ich habe euch exakt wieder holt, was Viola mir erzählt hat. Gestern hat Lady Sonea früh morgens die Residenz verlassen und Viola hat dann gesehen, wie der Hohe Lord ihr spät abends in die Residenz geholfen hat; Lady Sonea sah sehr erschöpft und bleich aus, sie konnte kaum von alleine stehen. Heute habe ich dann vernommen, dass der Hohe Lord sie für die ganze Woche vom Unterricht befreit hat.
/Akkarin ist gemeinsam mit Sonea zurückgekommen./ Bei diesem Gedanken fröstelte es den in die Jahre gekommenen Magier. Was, wenn er sie verletzt hatte? Wenn er sie in irgendeine dunkle Ecke der Gilde gelockt und ihr wehgetan hatte? Er spürte, wie sich sein Herzschlag beschleunigte. Er wusste, er konnte nicht einfach hingehen und kontrollieren, ob es ihr gut ging.
Akkarin würde ihr vielleicht noch mehr wehtun. Er überlegte, ob er irgendetwas falsch gemacht hatte, sodass der Hohe Lord es für notwendig erachtet hatte, Sonea zu verletzen. Schrecken fuhr ihm in die alten Glieder. Vielleicht hatte er Dannyls Nachforschungen bemerkt!
Nein, das war unwahrscheinlich. Da erinnerte er sich plötzlich daran, dass er Sonea vor einigen Tagen angehalten und dazu gebracht hatte, mit ihm zu reden. Hatte Akkarin es herausgefunden? Mit plötzlicher Entschlossenheit erhob er sich. Erlaubt oder nicht, er würde jetzt der Residenz des Hohen Lordes einen Besuch abstatten!
Mit neuer Kraft verließ er sein Quartier, eilte die Wendeltreppen der Universität hinunter und suchte sich seinen Weg durch das Gewirr von Pflanzen in den Gärten. /Es ist ja nicht so, als hätte ich eine Wahl./
Bis zum nächsten Kapitel
Hel Mina
