Die zweite Chance
Fanfiction von Slytherene
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Vielen Dank an Textehexe, Moonlight, Sally, Spätzünder und Caput Mortuus für Eure Reviews!
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Tja, dunkelgrauer Himmel über Bremen, es gießt Bindfäden, und das seit Stunden – da schreibe ich doch lieber als zu joggen ;-)
Eine Runde Mandel-Vanille-Tee für alle und los geht's.
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Wieder ist der Abwehrzauber an Remus' Wohnungstür deaktiviert – und wieder ist es Sanni, die Remus besucht. Doch sie ist nicht allein…
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Wie immer stilvoll beta-gelesen von TheVirginian. Vielen Dank!
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7. Ungebetener Besuch
Lilys Hand in der seinen war ein Luxus, den Remus sich nur selten erlaubte. Schon gar nicht im Café der Heilerinnenschule von Ravenhurst. Doch sie waren allein bis auf eine Studentin drei Tische weiter. Lily schwänzte tatsächlich eine Vorlesung.
„So schlimm?", fragte sie.
Er nickte.
„Ach, Remus. Warum muss es denn gleich die ganz große Zukunft sein? Geht es nicht auch eine Nummer kleiner? Für den Augenblick scheint ein Dach über dem Kopf doch genau das zu sein, was diese Sanni braucht."
Sie seufzte. Eine Squib, befand sie für sich, war eigentlich nicht das Schlechteste, das Remus passieren konnte. Ebenso am Rand der Magischen Gesellschaft wie er, wenn auch sicher nicht derart verteufelt und gefürchtet, würde sie ihn vermutlich nicht verachten. Nicht so wie eine Hexe jedenfalls. Dass das Mädchen offenbar bettelarm war, erschien Lily das Gegenteil eines Hindernisses. Vielleicht würde sie nichts vermissen. Was Remus bisher erzählt hatte, deutete daraufhin, dass ihr materielle Dinge nichts bedeuteten.
„Was weißt du eigentlich über sie?", fragte Lily teilnahmsvoll.
„Nur wenig", antwortete Remus. „Ihre Mutter ist vor ein paar Jahren gestorben, und ich hatte den Eindruck, Sanni ist nicht darüber hinweg. Vermutlich war sie die Einzige, die zu ihr gehalten hat. Am ersten Abend sagte sie mir, sie sei eine ‚totgeschwiegene Peinlichkeit' in einer durch und durch magischen Familie."
„Reinblüter vielleicht", vermutete Lily. „Du kennst ja Sirius' Eltern. Toujours pur." Sie schüttelte den Kopf und schürzte die Lippen. „Willst du wirklich meinen Rat?"
„Deinen Zuspruch. Ja, und deinen Rat auch."
„Zeit, Remus. Lass dir und diesem Mädchen ein bisschen Zeit. Du musst doch nicht nach drei Tagen über dein gesamtes zukünftiges Leben entscheiden." Lily lächelte. „Wir sind alle so jung. Es sind doch noch so viele Jahre, so viel Leben, das einfach gelebt werden will."
„Sagt die Frau, die James' Antrag noch in Hogwarts angenommen hat", spottete Remus.
Lilli zuckte die Schulter. „Wir wollten zusammen leben. Du weißt ja, wie prüde die Magische Gesellschaft ist. Aber verheiratet oder nicht, wir kümmern uns um die Ausbildung und genießen das Leben miteinander." Sie lachte. „Bevor wir alle brav und alt werden, gedenken wir noch ein paar grandiose Partys zu schmeißen. Von James einmal abgesehen, wird Sirius schon dafür sorgen."
Sie stand auf, um ihren Kaffee zu zahlen, nicht zuletzt, weil sich die Cafeteria nun mit zwei Dutzend junger Hexen füllte. Viele kannte Remus aus Hogwarts, einige grüßten ihn, verblüfft, ihren ehemaligen Mitschüler hier zu treffen.
„Lass stecken, Remus", sagte Lily, als er bezahlen wollte. „Lade lieber dein Finnenmädchen auf eine heiße Schokolade ein." Sie umarmte ihn und gab ihm einen Kuss auf die Wange, als er sich verabschiedete.
Remus sah ihr nach, bis sie im Vorlesungssaal verschwunden war. Sie hatte recht, er war ein Narr. Vermutlich war er der einzige Einundzwanzigjährige im gesamten Zaubereruniversum, der darüber nachdachte, ob er eine Frau ernähren können würde, bevor er sie überhaupt einmal geküsst hatte. Er wusste nicht mal, ob Sanni überhaupt in dieser Art an ihm interessiert war. Aber er kannte sich selbst gut genug, um zu wissen, dass es ihn diesmal unverhofft heftig erwischt hatte. Über sich selbst den Kopf schüttelnd, ging er langsam in Richtung Schultor. Er hatte den Kragen seines Mantels hochgeschlagen. Die Schule lag im Muggelgebiet und war formal eine Ausbildungsstätte für Hebammen. Insofern war seine Muggelkleidung dem Ort angemessen. Er seufzte. Er würde vermutlich noch oft Hosen und Mantel anstelle von Robe und Umhang tragen müssen.
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Seine Versuche, in Soho in einem der vielen unabhängigen Buchläden Arbeit zu finden, waren allesamt erfolglos. Zweimal bot man ihm unbezahlte Praktika an, die er dankend ablehnte. Er war zwingend auf Geld angewiesen. In ein paar Cafés, in denen er sich nach einer Stelle als Bedienung erkundigte, nannte man ihm derart lächerliche Stundenlöhne, dass er all seine Höflichkeit aufbieten musste, um sich für die Auskunft zu bedanken.
Es begann zu regnen, und er stellte sich in einer Bushaltestelle unter. Er hätte nach Hause apparieren können, doch er fürchtete, dass ihm die Decke auf den Kopf fallen würde, auch wenn es bereits dämmerte.
Um im Hafen – denn diese Möglichkeit blieb ihm noch – nach Arbeit zu fragen, war es bereits zu spät. Die Schauerleute begannen ihr Tagwerk früh am Morgen.
Über eine Stunde hockte Remus an der zugigen Haltestelle und beobachtete die vorbei hastenden Passanten, ohne einen wirklichen Entschluss treffen zu können. Letztendlich apparierte er zum Tropfenden Kessel und stattete ‚Flourish & Blotts' in der Winkelgasse einen Besuch ab. Während er sich die neu im Antiquariat eingetroffenen Zauberkunstbücher ansah, entstand im vorderen Bereich des Ladens lebhafter Trubel.
Remus bemerkte es zunächst nur, weil eine der Verkaufshexen fast über ihn gestolpert wäre, als sie mit hochrotem Kopf an den Regalen entlang hetzte. Remus kannte sie. Sie war eine Hufflepuff und in Hogwarts zwei Klassen über ihm gewesen.
„Arroganter Schnösel", schimpfte sie.
„Kann ich dir helfen?", bot Remus höflich an.
„Ach, Remus, hallo", grüßte sie, jetzt schon etwas freundlicher. „Arithmantik, da kennst du dich doch aus. Welche Werke braucht man, um die Schnittstellen zwischen Arithmantik und Magischer Ökonomie abzudecken?"
„Keine", entgegnete er. „Das ist komplett schnittstellenfrei. Magische Ökonomie hat nur enge Verbindung zum Bereich nicht-magische Wirtschaftskunde und Mathematik."
Sie seufzte. „Wenn ich das dem Kunden da draußen sage, verwandelt er mich in ein Frettchen. Von Mathematik und Muggelwirtschaft will der bestimmt nichts hören."
Sie seufzte. „Jedes Mal ein Aufstand ohne Ende, wenn Lucius Malfoy an der Wirtschaftsschule in ein neues Semester startet!"
„Nun, wie wäre es damit?", schlug Remus vor und reichte ihr ein schmales Buch.
„Benimmregeln für junge Zauberer und Hexen", las sie und lachte. „Von 1733. Na, seine Familie ist ziemlich konservativ, das dürfte sich von deren Codex kaum unterscheiden. Leider gilt das feine Gehabe einer kleinen Angestellten wie mir gegenüber nicht", sagte sie halb bedauernd.
Sie nickte Remus zu und eilte wieder nach vorne, um die anspruchsvolle Kundschaft zu bedienen.
Remus wusste es besser, als ausgerechnet jetzt seinen geschützten Platz zwischen den Büchern aus zweiter und dritter Hand zu verlassen. Er kannte Malfoy, der drei oder vier Jahre älter war, noch von Hogwarts. Er war Vertrauensschüler der Slytherins gewesen, und ein begabter, aber zynischer, arroganter Bastard. Was jedoch viel schlimmer war – er war ein Freund von Severus Snape. Remus war nicht überzeugt davon, dass Severus seinen ‚Zustand' gegenüber Malfoy für sich behalten hatte. Snape mochte es Dumbledore unter dem erheblichen Druck, den der Direktor auf ihn ausgeübt hatte, zugesagt haben, doch ihre Schulzeit lag mittlerweile drei Jahre zurück. Remus hatte überhaupt kein Interesse daran, in dem wie jeden Abend gut besuchten Buchladen geoutet und als Werwolf und Habenichts bloßgestellt zu werden. Malfoy war dies jedoch mit Sicherheit zuzutrauen.
„Er ist weg", sagte die junge Hexe und lächelte Remus zu. „Man könnte meinen, du hättest dich versteckt."
„Du kennst Malfoy ja", sagte Remus. „Manchen Leuten geht man besser aus dem Weg."
Sie grinste. „Ich wäre ihm auch lieber ‚aus dem Weg gegangen'. Wir schließen in zehn Minuten."
„Danke für die Information", sagte Remus.
Sie wusste, dass er vermutlich nichts kaufen würde, und er war dankbar, dass sie ihn in Ruhe ließ. Bei weitem nicht alle Verkäufer hier waren so geduldig und höflich wie sie.
Auf der Straße vor dem Geschäft wäre er um ein Haar doch noch über Malfoy und seine ‚Gefolgschaft', Crabbe und Goyle, gestolpert. Doch der Schatten der Häuser verschluckte ihn gnädig, bevor sie ihn erkannten und Ärger machen konnten.
Remus war froh, ohne Sirius unterwegs zu sein. Sein Freund konnte einem Konflikt mit Slytherins um gar keinen Preis nicht aus dem Weg gehen.
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Daran, dass bei seiner Rückkehr wieder die Abwehrzauber deaktiviert waren, würde Remus sich vermutlich gewöhnen müssen, dachte er froh, als er es bemerkte. Sanni musste hier sein. Dann erinnerte er sich, dass sie am Morgen ganz sicher ohne Schlüssel gegangen war. Er zog seinen Stab, steckte ihn jedoch gleich wieder fort, als er Sirius' Lachen aus der Wohnung hörte.
„Natürlich habe ich ihm gleich gezeigt, dass Sirius Black nicht so einfach zu kriegen ist", erklärte Sirius eben im Brustton der Überzeugung. „Du hättest ihn sehen sollen, ohne Hose war er nur noch halb so arrogant."
Sannis Lachen klang bis ins Treppenhaus. Remus hoffte inständig, dass Sirius nicht von dem peinlichen Zwischenfall mit Severus Snape am See in Hogwarts erzählte. Er hatte als Vertrauensschüler McGonagall, ihrer Hauslehrerin, dafür Rede und Antwort stehen müssen, weil er nicht eingegriffen hatte, und es war mehr als unangenehm gewesen. Außerdem schämte er sich heute noch dafür.
„Du bist sicher ein sehr mächtiger Zauberer", vermutete Sanni.
Sirius lachte. „Vor allem ein sehr gut aussehender". Er wickelte spielerisch eine lange schwarze Strähne um seine manikürten Finger.
Remus' Freude schlug in eine beängstigende Mischung aus Unsicherheit und mühsam unterdrücktem Zorn um. Da saß sein Freund mit dem einzigen Mädchen, für das sich Remus seit langem ernsthaft interessierte, und ließ großzügig seinen legendären Black'schen Charme spielen. Erfolgreich, wie Sannis leuchtende Augen verrieten.
„Hallo Remus", grüßte Sirius lässig. „Sieh mal, was ich vor deiner Haustür gefunden habe. Sie war so süß, da dachte ich, ich nehme sie mit rein."
„Wen", korrigierte Remus. „Guten Abend, Sanni."
„Wieso fragst du, wer sie ist, wenn du ihren Namen kennst?", stutzte Sirius.
„Es heißt ‚Sieh mal, wen ich vor deiner Haustür gefunden habe. Was impliziert, dass Sanni eine Sache ist, oder bestenfalls ein Haustier. Das war hoffentlich nicht, was du ausdrücken wolltest."
Sirius ging mit einer laxen Handbewegung über Remus' Kritik hinweg und zeigte lachend seine Zähne, die prima in eine Reklame für ‚Dr. Albans magische Zahnpasta Immerweiß' gepasst hätten.
„Du hattest offensichtlich einen schlechten Tag, Moony. Was macht die Jobsuche?"
„Frag' nicht", antwortete Remus und hängte seinen nassen Mantel an die Garderobe neben Sirius' eleganten Umhang.
„Was machst du eigentlich?", erkundigte sich Sanni jetzt bei Sirius.
„Oh, dies und das", sagte er mit weitläufiger Geste. „Ein bisschen Jazzmusik und Malerei. Ich bin ein Bonvivant. Meine Familie ist reich, und mein Onkel hat mir ein hübsches Sümmchen und ein Apartment im Westend hinterlassen." Er strahlte Sanni an, die ihm ganz offensichtlich gefiel – was in Anbetracht der Tatsache, dass sie eine junge, hübsche Frau war bei Sirius allerdings nichts Außergewöhnliches darstellte.
„Was für ein Glücksfall für dich, Sirius. Wie war dein Tag, Remus?", fragte sie, ohne weiter auf Sirius' Antwort einzugehen. „Wenn du Tee möchtest, ich habe welchen gekocht. Steht in der Küche."
„Danke. Für die Nachfrage und dass du Tee gemacht hast, Sanni", erwiderte Remus. „Der Tag war nicht besonders gut."
Er ging in die Küche und füllte seine Tasse. Unterdessen hörte er Sirius zu, der von seiner Band und dem letzten, super erfolgreichen Auftritt erzählte.
„Die Zuschauer waren begeistert", erklärte Sirius.
Remus schluckte die unwichtige Ergänzung hinunter, dass es sich um dreißig oder vierzig versprengte Nachtschwärmer gehandelt hatte, die sich in der Turnhalle verlaufen hatten. Er wollte nicht garstig erscheinen.
„Rate, wen ich bei ‚Flourish & Blotts' getroffen habe", forderte er Sirius auf, als er sich zu ihnen setzte. Einen Hocker hatte er sich aus der Küche mitgebracht.
„Keine Ahnung", sagte Sirius schulterzuckend. „Du kennst so viele Bücherwürmer."
„Oh, diesen würde ich nicht als ‚Bücherwurm' bezeichnen", sagte Remus. „Lucius Malfoy, und seine Adepten, Crabbe und Goyle."
„Du hast dich hoffentlich zurück gehalten?", fragte Sirius. „Mit Malfoy ist nicht zu spaßen."
„Ausgerechnet du predigst Zurückhaltung?", registrierte Remus erstaunt. „Dir ist doch sonst kein Slytherin als Zielscheibe zu schade."
„Die Malfoys sind Verwandtschaft", sagte Sirius. „Und Lucius ist gar nicht so verkehrt, wenn man ihn mal allein vor sich hat." Er wandte sich Sanni zu. „Du kannst das nicht wissen, aber die Malfoys sind eine ziemlich mächtige und sehr reiche Zaubererfamilie. Ihr Stammbaum ist sogar älter als der der Blacks."
„Tatsächlich?", erkundigte sich Sanni. „Wie alt ist alt?"
„Ein paar hundert Jahre, vielleicht auch knapp tausend. Der erste Black, den die Geschichtsbücher der Magischen Gesellschaft verzeichnen, lebte vor achthundert Jahren. Na, Muggel wie du haben natürlich nicht solche Stammbäume", sagte er. „Das macht ja auch nichts. Es gibt Wichtigeres", setzte er hinzu. „Moony hier zum Beispiel, seine Mutter war auch eine Muggel. Aber keiner ist so gut in Zauberkunst wie er. Und nur auf die Fähigkeiten kommt es doch an, oder?"
Ganz offensichtlich, dachte Remus bitter. Deshalb öffnet sich auch eine Tür nach der anderen für mich, weil es nur auf die Fähigkeiten ankommt. Laut sagte er: „Habt ihr Hunger? Ich könnte etwas zu essen machen."
„Lass nur, ich hatte erst Mittag", winkte Sirius ab. Die Tatsache, dass es bereits fast acht war, schien in seinem Tagesablauf keine Rolle zu spielen. Vermutlich war er vor eins gar nicht auf gewesen. „Vielleicht gehen wir etwas trinken? Ich lade euch ins Pub ein", verkündete er großzügig.
„Danke. Das ist nett", antwortete Sanni, bevor Remus widersprechen konnte. „Ein Drink wäre jetzt ziemlich cool."
„Immer gerne, schöne Lady", grinste Sirius.
„Tut mir leid, ihr werdet ohne mich gehen müssen", sagte Remus entschieden, und ein frostiger Unterton lag in seiner Stimme.
Die beiden anderen schienen dies jedoch nicht zu bemerken oder bemerken zu wollen.
Schlimm genug, dass Sirius ihm mit seinem Charme jede Chance bei Sanni binnen einer Stunde ruinierte. Remus wollte nicht auch noch dabei zusehen müssen, wie sein Freund das Mädchen abfüllte und abschleppte. Doch offen konfrontieren konnte er Sirius damit schlecht, solange Sanni dabei war.
Wenn Sirius sie jetzt mitnahm, hatte Remus verloren, das wusste er. Wie oft schon hatte Sirius eine der Studentinnen eingewickelt, die sich mit Remus im Unicafé zum Lernen getroffen hatten? Es endete immer gleich. Sirius tauchte auf wie der Held im Stummfilm, nur nicht ganz so lautlos, beeindruckte die jungen Frauen, nahm sie für eine Nacht mit in seine schicke Wohnung, und wenn er mit ihnen fertig war, interessierten sie ihn nicht mehr. Remus hingegen musste oft noch wochenlang die Fragen nach seinem ‚schönen, dunkelhaarigen Freund' ertragen.
„Ganz kurz noch", sagte Sanni und verschwand im Bad. Unglücklicherweise ließ sie jedoch ausgerechnet diesmal die Tür nur angelehnt. Offenbar wollte sie sich nur kämmen.
„Hübsches Ding", bemerkte Sirius anerkennend und leise in Remus' Richtung. „Wo hast du sie her?"
„Sie ist kein…" ‚Ding', hatte Remus widersprechen wollen, doch er verstummte, als Sanni aus der Tür trat, und funkelte Sirius nur warnend an.
„Ich bin soweit", lächelte sie. „Willst du wirklich nicht mitkommen, Remus?"
„Nein. Ich war den ganzen Tag unterwegs", sagte er brüsk und drehte sich weg. Eine Stimme in ihm mahnte, er solle wenigstens versuchen, um sie zu kämpfen. Aber was hatte er einem Sirius Black schon entgegen zu setzen?
„Schade", hörte er sie bedauernd sagen.
„Ich seh' dich Sonntag bei Lily und James", rief Sirius, schon halb im Treppenhaus.
Die Tür fiel ins Schloss. Remus ließ die leeren Teetassen in die Küche schweben und hörte sie in der Spüle zerschellen. Müde und wütend zugleich ging er ihnen hinterher.
„Reparo."
Er konnte sich einfach kein neues Geschirr leisten. Er war so wenig bei der Sache, dass die Sprünge in der Keramik ihm gar nicht auffielen, die sein schlampig ausgeführter Zauber zurück ließ.
Remus räumte den Hocker wieder in die Küche und verstaute Sannis Bettzeug unter seiner Couch. Sie würde es heute Nacht ohnehin nicht brauchen. Über den grimmigen Stich, den dieser Gedanke in seiner Brust hinterließ, wollte er lieber nicht nachdenken.
Sirius – Sirius konnte nichts dafür. Er hatte sich nur den schlechtesten aller Abende ausgesucht, um hier aufzutauchen. Und Sanni – Remus konnte es ihr nicht verdenken, dass sie den schönen, reichen Sirius einem mittellosen Werwolf vorzog. Jede kluge Frau würde die gleiche Wahl treffen. Und welches Recht hatte er schon, es ihr übel zu nehmen?
Immerhin war da nichts zwischen ihnen. Gar nichts.
Dass dieses ‚Gar nichts' so unerwartet schmerzte, hatte er nur seiner eigenen Dummheit zuzuschreiben. Immerhin wusste er doch genau, wo seine Gefühle stets hinführten – nämlich nirgendwo hin.
Fortsetzung folgt
