Unvermittelt wurde Richard von einem tanzenden Paar angerempelt, das in seinem Eifer nicht gesehen hatte, das Castle und Beckett auf der Tanzfläche stehen geblieben waren.

Der Zauber war gebrochen.

Kate zuckte zurück und begann, sich wieder im Takt der Musik zu wiegen.

Dennoch konnte Castle den Blick nicht von Beckett abwenden, die zwar den Blick wieder durch den großen Saal schweifen ließ, aber immernoch ihre Hand in seinem Nacken hielt und ihn dort sanft streichelte.

Dann bemerkte sie seinen Blick auf sich.

„Was?"
„Nichts. Es ist nur… Ach, egal."
„Castle, was ist?"
„Nichts, wirklich. Ich frage mich nur, ob Ihnen bewusst ist, was ihr Daumen da gerade tut. Nicht, das ich mich beschweren möchte."
Sofort verlagerte Kate verlegen ihre Hand weiter nach rechts und Castle hätte sich am liebste auf die Zunge gebissen. Selbst Schuld.

In dem Moment versteifte sich Kate kaum merklich in seinem Arm und flüsterte mit zusammengebissenen Zähnen:
„Schnell Castle, beugen Sie mich nach hinten."
„Bitte?"
„Nun machen Sie schon.

Schon begann sie, den Rücken durchzubiegen, um sich so fallen zu lassen und richtete den Blick an einen bestimmten Punkt im Saal.

Castle hatte Mühe, die Balance wiederzufinden und seine Partnerin zu halten, so schnell hatte sie ihren Körper bewegt. So lag sie also in Rick's Armen, die ungeschützte Kehle darbietend, verlockend, bezaubernd und unschuldig zugleich.

Der Schriftsteller prägte sich dieses Bild sorgfältig ein, Kate so schutzlos und wunderschön, sinnlich und doch konzentriert in seinen Armen.

Er musste sich beherrschen, seinen Mund nicht an ihre Kehle zu führen, ihren Geruch zu inhalieren und dann kleine Küsse zu verteilen, die natürlich von der Kehle weiter nach unten führen würden…
Ein wohliger Schauer durchzuckte ihn und brachte ihn in die Gegenwart zurück.

Kate hing immernoch wie hingegossen in seinen Armen und beobachtete etwas am anderen Ende des Raumes.

Die Anspannung in Rick wuchs.

Endlich gab Kate ein Zeichen und Rick half ihr, sich aufzurichten.

„Meine Güte, Beckett, Sie sind ganz schön gelenkig. Wo haben Sie denn das gelernt? Und was noch viel wichtiger ist – sind Sie das nur auf der Tanzfläche, oder auch bei anderen Gelegenheiten?"
„Wer weiß, Castle, wer weiß."
„Sie sind grausam. Mit einer schwarzen Kapuze über dem Kopf hätten Sie im Mittelalter als Folterknecht gute Arbeit geleistet."
Beckett zog eine Augenbraue hoch.

„Neidisch?"

„Natürlich. Wie könnte ich das nicht, bei diesem Talent."
„Sind Sie fertig?"
„Nein."
Castle holte Luft, schwieg dann aber einen Herzschlag lang.

„Moment. Doch, ich bin fertig."
Kate sah ihn feixend an.

„Gut, denn ich habe gerade beobachtet, wie Miguel Salvador mit Carlos Sontano sprach und beide dann in dem Raum hinter der Bar verschwunden sind. Wahrscheinlich das Büro. Der Tanz ist vorbei, Castle, der spaßige Teil des Abends kann beginnen."
Mit diesen Worten verließ sie die Tanzfläche und schob sich durch die Menschenmenge hindurch zum Büro.

Castle blieb verwirrt auf der Tanzfläche stehen und murmelte:
„Der spaßige Teil kann beginnen? Jetzt? Wie gut, dass ich so unsensibel bin, sonst könnte ich fast beleidigt sein."

Dann sah er zu, dass er seiner Partnerin folgte, die schon an der Tür angekommen war, die erhobene Hand zum Klopfen bereit und sichtlich ungeduldig, weil sie auf ihn hatte warten müssen.

Nach kurzem Klopfen tönte eine Stimme aus dem Büro, die zum Eintreten aufforderte.

Beckett und Castle traten ein.

„Guten Abend. Ich bin Detective Kate Beckett, Morddezernat und das ist Richard Castle, mein Berater in diesem Fall. Ich hab ein paar Fragen zum Tod von Beatrice Perez."
Während Kate sprach, hatte sie ihre Marke gezückt und hochgehalten, damit die beiden Männer am Schreibtisch diese auch sahen.

Castle beugte sich vertraulich zu Kate und flüsterte ihr zu:
„Wo hatten Sie denn die Marke versteckt?"

Beckett warf ihrem Partner einen tödlichen Blick zu.

„Castle!"

„Nein, wirklich, wo hatten Sie die versteckt?"
Kate zog es vor, nicht zu antworten, sondern wandte sich wieder dem Clubbesitzer und seinem Geschäftsführer zu.

Carlos Sontano war ein kleiner Kubaner, mit beginnender Glatze und einem verschlagenen Ausdruck in seinen fast schwarzen Augen.

Wortlos wies er auf die Stühle vor seinem Schreibtisch und machte Anstalten, sich eine dieser elektronischen Zigaretten anzuknipsen.

Beckett holte Luft, um ihre erste Frage zu stellen, als Castle dazwischen fuhr.

„Entschuldigung, das ist ein Nichtraucherclub. Hören Sie auf so tun, als ob Sie rauchen."