Dieser beschissene Krach riss mich aus meinem Schlaf. Wo zum Teufel kommt dieses verdammte quietschende und ratternde Geräusch her? Ich schlug die Augen auf und blinzelte ein paar Mal, damit sich meine Augen an die Helligkeit gewöhnen konnten. Dieser unerträgliche Lärm kam aus der Küche. Brian machte sich mit seinem scheiß Pürier-Mix-Dings wieder einen seiner Proteinshakes. Als ob das Zeug für irgendwas gut sein sollte, außer dass es einfach nur beschissen schmeckt.
„Kannst du den scheiß Mixer etwas leiser stellen?" brüllte ich, woraufhin der Krach aufhörte. Ich wickelte mich gleich wieder in Brian's Satindecke ein, um weiterzuschlafen.
Ich hörte Brian's Schritte und wie dieser neben dem Bett stehenblieb „Na sie mal einer an, Dornröschen ist aus ihrem Schönheitsschlaf erwacht und das sogar ohne den Kuss des Prinzen."
Ich stöhnte „Geh weh! Lass mich schlafen." Ich hatte die Rechnung allerdings ohne Brian gemacht. War klar dass er mich nicht weiterschlafen ließ. Er griff nach der Decke und zog einmal kräftig daran. Wegen ihm wäre ich fast aus dem Bett gefallen.
Brian fing an zu lachen „Ach Nein! Wie süß. Du hast Snoopy Unterwäsche an?"
Mein Gott wie peinlich...
„Ja hab ich! Na und? Und jetzt verschwinde, ich will weiterschlafen" keifte ich, drehte mich um und wollte mir die Decke schnappen.
Brian zog sie mir allerdings wieder weg „Nein, du stehst jetzt auf und machst dich fertig. Du musst in die Schule" antwortete er lächelnd. Gott dieses dreckige Grinsen von Brian kotzt mich an.
„Wie spät ist es denn?" fragte ich genervt. Es kam mir vor als hätte ich gerade mal eine halbe Stunde geschlafen.
„Es ist halb 6 und jetzt beweg deinen Arsch aus dem Bett. " antwortete er schlicht.
Na wunderbar! Ich hatte nur 1,5 Stunden geschlafen...
Brian machte sich wieder auf den Weg Richtung Küche.
„Brian?"
Er blieb im Türrahmen bzw. an einer seiner Glaswände im Schlafzimmer stehen und drehte sich zu mir um „Was ist?" fragte er leicht genervt.
Ich seufzte „Ich glaub ich bin krank. Vielleicht hab ich Fieber." sagte ich mit theatralisch wehleidiger Miene.
Brian grinste „Du siehst nicht krank aus" Er legte seine Hand unters Kinn „Ich hab's! Wir könnten ja eine rektale Fiebermessung durchführen, um den Ausmaß deiner Erkrankung festzustellen"
Arschloch...
„Vergiss es einfach!" sagte ich und stand auf.
„Geht doch! Dr. Kinney heilt alle Patienten nach nur wenigen Minuten." Da ist es wieder! Dieses scheiß dämliche Grinsen.
„Jaja" sagte ich nur, bevor ich ins Bad ging.
„Beeil dich! Das Frühstück ist schon fertig" rief er mich noch hinterher.
Schnell putzte ich mir die Zähne und schminkte mich, schließlich wollte ich noch in Ruhe einen Kaffee trinken. Meine Haare band ich mir zu einem Pferdeschwanz zusammen. Ich zog noch die verhasste Schuluniform an, bevor ich noch einen letzten prüfenden Blick in den Spiegel warf. Trotz des Schlafmangels, war ich so durchaus vorzeigbar.
Brian saß an seinen schicken Designeresstisch und blätterte in der Zeitung. Ich setzte mich ihm gegenüber und schlürfte meinen Kaffee. Als ich mich hinsetzte, legte er die Zeitung weg und starrte mich an.
„Was glotzt du denn so?" fragte ich mürrisch und sah in die andere Richtung. Ich konnte es absolut nicht leiden, wenn ich jemand anstarrte.
Brian seufzte „Wir sollten reden."
Ich verdrehte die Augen und sagte mehr zu mir selbst „Ich hab's befürchtet" Verdammt Brian! Ich hatte gerade mal 1,5 Stunden Schlaf, musst du mich jetzt nerven?
„Wegen gestern…" begann Brian, doch ich unterbrach ihn „Ich weiß! Es tut mir leid, ich mach's nicht wieder ok?"
Brian sah mich an, als würde er mich gleich ermorden „Nein es ist nicht ok!" sagte er, bevor er hinter sich griff und ein Blatt Papier vom Tresen seiner Küche fischte „Und du hältst jetzt die Klappe und hörst mir zu!" damit knallte er das besagte Blatt Papier vor mir auf den Tisch.
„Weißt du was das ist?" fragte er mich mit hochgezogener Augenbraue.
„Nein! Aber du wirst es mir bestimmt gleich sagen" antwortete ich mit einem Lächeln.
„Das mein Schatz…" begann er, lehnte sich über den Tisch und tippte mit dem rechten Zeigefinger auf dem Papier rum" Ist eine Vormundschaftserklärung. Hier steht, dass unsere Mutter alle Rechte an dir abgetreten hat und zwar an MICH!" Das MICH betonte er absichtlich. Arroganter Arsch… Brian war schon immer total selbstverliebt.
„Das weiß ich!" gab ich genervt zurück „Und weiter?" fragte ich mit einer Handbewegung, wie sie wahrscheinlich nur Emmett machen würde.
„Und weiter?" fragte Brian ruhig. Zu ruhig für meinen Geschmack, denn für gewöhnlich war Brian ein Mensch, der bei jeder Kleinigkeit gleich einen Anfall bekommt. Dramaqueen eben!
Ich stöhnte „Ist klar! Ich weiß was auf dem Zettel steht und so, aber was willst du mir damit jetzt sagen? Mir unter die Nase reiben, das Mum keinen Bock auf mich hat und du jetzt die Arschkarte gezogen hast?"
Brian wirkte im ersten Moment geschockt. Er stand auf und setzte sich neben mich auf die Tischkante. Er stützte sich mit dem rechten Bein am Boden ab und hob mit Zeigefinger und Daumen mein Kinn an, so dass ich ihn ansah „So habe ich das nicht gemeint!" sagte er sanft.
Ich schnaufte verächtlich.
„Hey, das ist mein Ernst! Ich bin froh, dass du hier bist. Hier bei mir!" Sagte er und küsste mich auf die Stirn. Er ist froh, dass ich hier bin? Ohne Scheiß? Um ehrlich zu sein, war ich es auch. Ich hätte es keinen Moment bei meiner Mutter ausgehalten, ohne wahnsinnig zu werden.
Ich lächelte.
„Was aber nichts an der Tatsache ändert, dass du letzte Nacht Scheiße gebaut hast" fuhr er fort.
„Ich weiß! Und es tut mir auch leid!" gab ich kleinlaut zu.
„Dir tut es nicht leid!" warf Brian in den Raum.
„Was?" fragte ich verwirrt. Wollte er jetzt nicht mal meine Entschuldigung annehmen?
„Mal im Ernst…." begann er „Angenommen ich wäre nicht im Babylon gewesen und hätte dich bei deinem nächtlichen Ausflug erwischt. Hättest du mir die Wahrheit gesagt? Hättest du mir im Nachhinein erzählt, dass du entgegen meiner Anweisungen in einem Nachtclub außerhalb der Sperrstunde warst?" fragte er.
Ich überlegte kurz. Hätte ich Brian was davon gesagt? Natürlich nicht! Ich wäre ja selten blöd gewesen, wenn ich das getan hätte….
„Irgendwann hätte ich es dir wahrscheinlich gesagt" log ich.
Brian lachte „Verarsch mich nicht! Du hättest gar nichts gesagt! Ich meine warum auch? Dir wäre schließlich eine Menge Ärger erspart geblieben" stellte er fest.
Wo er Recht hat...
Ich seufzte wieder „Na schön! Ich hätte nichts gesagt! Zufrieden?" antwortete ich sarkastisch.
Brian trank einen Schluck von seiner Kaffeetasse und sah mich dann wieder abschätzend an „Na bitte! Madame kann ja doch die Wahrheit sagen!"
"Ich hätte es ohnehin rausgefunden!" sagte er nach einiger Zeit triumphierend.
Ich musste mir das Lachen verkneifen. Wie hätte er es rausfinden sollen? Nie im Leben hätte er das Ganze mitbekommen, wenn er nicht zufällig im Babylon gewesen wäre. Dieser kleine Pisser will mir doch nicht im Ernst erzählen, dass er schlauer ist als ich, schließlich habe ich mich im Internat ständig rausgeschlichen und keine Sau hat es mitbekommen. Ich bin deswegen schon ein bisschen stolz auf mich.
Ich verschränkte die Arme vor der Brust und grinste Brian frech an „Achja? Wie denn?"
Brian lehnte sich über den Tisch und blickte mir direkt in die Augen „Ganz einfach Prinzessin. Schon mal daran gedacht, dass ich eine Alarmanlage in meinem Loft habe?" fragte er. Natürlich wusste ich, dass er eine Alarmanlage hatte. Schon allein wegen seinen scheiß teuren Designermöbeln.
Ich sah ihn stirnrunzelnd an „Ja und?"
Brian grinste „Bevor ich gegangen bin, hab ich die Alarmanlage aktiviert. Als du das Loft verlassen hast, hast du davon nichts gemerkt, da die Alarmanlage nur anschlägt, sobald jemand von außen versucht in das Loft zu kommen. Es spielt dabei keine Rolle, ob derjenige einen Schlüssel hat." Brian stand wieder auf und kniete sich neben mich „ Wenn du also zu später Stunde versucht hättest, mit deinem Schlüssel das Loft aufzuschließen, wäre der Alarm losgegangen. Weißt du was dann passiert wäre?" fragte er und sah mich eindringlich an.
Ich verdrehte die Augen „Dann hätte es wahrscheinlich Tatütata im Loft gemacht"
„Neben deinem sogenannten Tatütata, wäre innerhalb von 10 Minuten die Polizei vor der Tür gestanden. Meine Alarmanlage ist mit dem Pittsburgh PT verbunden. Und da du ja dummerweise den Code zur Deaktivierung nicht kennst, wären die Jungs ausgerückt und ich hätte einen Anruf auf dem Handy bekommen. Somit hätte ich alles gewusst."
Dieses kleine Arschloch! Im Internat wurde keine Alarmanlage aktiviert…. Jedenfalls nicht das ich wüsste. Warum auch? Da war rund um die Uhr jemand da. Im Endeffekt hat sich sowieso keine Sau dafür interessiert, was die Schüler machen. Die Nonnen waren den ganzen Tag mit beten, beichten und sonstigen Scheiß beschäftigt.
„Gratuliere Miss Marple!" antwortete ich sarkastisch „Hast du nichts Besseres zu tun?"
„Doch habe ich, aber da du jetzt bei mir wohnst, hab ich es mir zur Lebensaufgabe gemacht, dich zu bewachen! " verkündete Brian freudig „Wo wir wieder beim Thema wären. Ich habe keinerlei Probleme damit, wenn du dich mit Freunden treffen und mit denen ausgehen willst. Du hast dich aber verdammt nochmal an meine Regeln zu halten! Wenn ich sage, du bist um 9 zu Hause, dann erwarte ich, dass du um 9 Uhr hier bist und keine Sekunde später!
Blaaaaaaaa….Blaaaaaaa….Blaaaaaaa! Mein Gott Brian! Leg ne andere Platte auf!
„Ja Brian" antwortete ich.
Brian zeigt mir einen Daumen nach oben „ Es sieht so aus, als hättest du kapiert, was ich sage."
Das denkst aber auch nur du! Beziehungsweise besteht zwischen etwas Verstehen und sich daran halten ein himmelweiter Unterschied. Es ist ja manchmal schwierig, sich an etwas zu halten, obwohl man es verstanden hat oder? Es gibt eben so spezielle Notsituationen z.B. solche, in denen ich Spaß haben will.
„Hörst du zu?" fragte Brian mich.
Ich war wohl in Gedanken versunken. Wahrscheinlich weil mich Brian's Gequatsche langweilte.
„Ja ich hör zu!"
„Gut! Dann machen wir das jetzt folgendermaßen. Du wirst diese Woche das Loft nicht mehr verlassen. Außer du musst in die Schule, wo ich dich hinfahren und wieder abholen werde." Sagte er und band währenddessen seine Krawatte, welche wahrscheinlich aus irgendeiner topaktuellen Designerkollektion war. Ich vermute mal die Krawatte ist von Prada, oder Gucci.
„Ist das dein Ernst?" keifte ich „Du willst mich einsperren?" Jetzt hatte Brian völlig den Verstand verloren!
„So würde ich es nicht nennen." antwortete er kühl und nahm sein Handy und seinen Geldbeutel von der Küchentheke.
„Ach nein? Wie denn sonst? Das ist Freiheitsberaubung!" beschwerte ich mich und verschränkte die Arme vor der Brust.
Brian zuckte mit den Schultern „Ich würde es Strafe nennen. Und jetzt beeil dich, wir sind spät dran"
„Brian…. Ich bin total müde" jammerte ich.
Da war es wieder! Das selbstgefällige Grinsen von Brian Kinney „Das nenne ich Pech! Wer nachts in den Clubs rumhängt, kann am nächsten Tag auch in die Schule gehen! Und jetzt beweg dich!" sagte er mit einem zur Tür zeigenden Zeigefinger.
Arschloch!
Während der Fahrt zur Schule redeten wir kein Wort miteinander. Ich dachte, alles wäre geklärt und er wäre nicht mehr stinkig auf mich. Wir fuhren die Liberty Avenue entlang. Brian hielt am nächsten Zebrastreifen an, um zwei in Leder gekleidete Männer über die Straße zu lassen.
„Seit wann stehst du eigentlich auf Leder?" fragte ich beiläufig und sah dabei aus dem Fenster.
Brian drehte den Kopf zu mir und sah mich durch seine supermoderne Sonnenbrille an „Was?"
Ich sah ihn direkt an „Mr. Goodfuck!" antwortete ich abwertend.
„Achso!" lachte er „Ich brauchte eben ein bisschen Abwechslung. Aber dank meinem Stalker, ist es ja gar nicht erst so weit gekommen"
„Sein Name ist Justin!" motzte ich.
„Dann eben Justin. Ist auch scheißegal! Können wir bitte das Thema wechseln?" Jetzt war er schon wieder angepisst. Mein Gott hat der Kerl Stimmungsschwankungen. Er sollte mal Valium ausprobieren.
Justin tat mir wirklich leid. Ich musste auf jeden Fall noch mal mit Brian darüber reden. Aber hierfür musste ich erst einen besseren Zeitpunkt finden. Nur wann war der? Brian reagiert total komisch, sobald ich ihn auf Justin anspreche.
„Wir sind da" riss mich Brian aus meinen Gedanken.
Ich seufzte, schnappte mir meinen Rucksack vom Rücksitz und stieg aus. Ich wollte gerade Richtung Treppe gehen, als Brian mich zurückrief „Hey!" ich machte auf dem Absatz kehrt und ging in seine Richtung „Komm mal her" sagte er sanft.
Er umarmte mich und gab mir einen Kuss auf die Stirn „Bis später!"
„Ja bis später" sagte ich, als ich mich aus seiner Umarmung löste. Brian stieg wieder ein und fuhr mit quietschenden Reifen davon.
Ich warf meinen Rucksack lässig über die Schulter und betrat das Schulgebäude. Ich schlenderte die Gänge entlang und hoffte, dass dieser Schultag bald zu Ende sein würde. Kurz bevor ich an meinem Klassenzimmer ankam, hörte ich einen Streit. Ich verstand nur Wortfetzen….. Sachen wie „Taylor…..du Schwuchtel…."
Als ich näher kam, sah ich Justin und diesen Wichser Chris Hobbs. Chris schubste Justin, woraufhin dieser auf den Boden fiel. „Hey!" rief ich und rannte los. Chris ließ Justin los und drehte sich zu mir um.
„Was zur Hölle hast du für ein Problem? Lass Justin gefälligst in Ruhe!" brüllte ich Hobbs an und baute mich vor ihm auf, was eigentlich sinnlos war, denn Chris war um einiges größer als ich.
Er sah mich grinsend an „Willst du diese Schwuchtel etwa verteidigen? Was willst du denn von dem?" fragte er, trat einen Schritt auf mich zu und flüsterte mir ins Ohr „Mit mir könntest du viel mehr Spaß haben" als er den Satz beendet hatte, fasste er mir an die Brust.
Ich hasse Gewalt! Das tue ich wirklich... Aber in diesem Moment, setzte mein Verstand einfach aus…Ich holte aus und schlug zu. Ich traf Chris Hobbs mit meiner Faust mitten ins Gesicht. Er stöhnte und hielt sich die Nase. Geschockt von mir selbst, wich ich zurück und starrte meine noch geballte Faust an. Blöderweise merkte ich zu spät, dass Hobbs sich von meinem Schlag ziemlich schnell erholt hatte und nun auf mich zu ging und ausholte. Ich hörte Justin nur noch rufen „Kat! Pass auf", bevor ich neben ihm auf dem Boden lag.
