Hallo ihr Lieben! Danke vielmals für die vielen tollen Reviews, hab ich sehr genossen;-D

Scientific ida hat mir wieder sehr geholfen mit ihrem Betalesen! Danke vielmals!

Daniela Danii, wow, danke vielmals für dein Review, freut mich echt, dass du dein Schwarzlesedasein aufgegeben hast und mir einen so tollen Kommentar hinterlassen hast. Danke vielmals.

Viel Spass beim nächsten Teil, liebe Grüsse Sally

s s s s s

„Kommt Milly mit?" fragte Laura, die ihrem Vater eben einen schmatzenden Kuss verabreicht hatte, als er ihr eröffnet hatte, dass sie am Wochenende nach Hause gehen würden, um den Dachboden aufzuräumen.

Er hatte sich gefragt, wieso das Mädchen darüber so froh war, denn Laura hatte nicht gerade einen Putzfimmel. Wenn es um ihr Zimmer ging, jedenfalls nicht.

Laura stand neben ihrem Vater, der am Tisch saß, mit einer Tasse Kaffee vor sich. Einen Arm hatte sie um seinen Hals gelegt und sah ihn fragend an.

„Nein, wir können auch ein Wochenende auf uns selber aufpassen," sagte er. „Am Samstag könnten wir Amélie einladen und etwas zusammen essen," schlug er vor. Die Worte waren seltsam harzig raus gekommen.

Ja, Severus wollte Abstand haben von Amélie. Aber aus Anstand sollte er sich wohl für ihre Einladung zu dem Nachtessen revanchieren. Das wäre sonst ziemlich unhöflich. Außerdem musste sie ja die Einladung nicht annehmen.

Aber er würde seine Emotionen auf Abstand halten!

Hin und her überlegend sah ihn Laura an, dann setzte sie sich einfach auf seinen Schoß. Natürlich wollte sie Amélie auch gerne sehen. Aber ihr Vater wollte sie scheinbar auch sehen. Ob das gut war? dachte sie. Aber immerhin würde sie diesmal nicht außen vor gelassen werden und sie könnte die beiden im Auge behalten. Ja, sie dachte, das war in Ordnung.

Sie nickte. "O.K. Darf ich dann baden?" fragte sie.

„Mal sehen," antworte Snape tonlos, denn seine Gedanken waren bei einer jungen Frau, die er vielleicht bald sehen würde. Natürlich nur, um sich für ihr Nachtessen zu revanchieren.

„Setze dich auf deinen Stuhl, wie es sich gehört," schimpfte er und schob sie von seinen Beinen runter. Ihm gegenüber stand ihr Frühstück parat, welches sie dann auch glücklich aß. Sie würden nach Hause gehen, dachte sie. Es gab keinen schöneren Ort.

S s s

Amélie war ziemlich müde, denn sie hatte noch zweieinhalb Stunden länger arbeiten müssen. Diese reiche vollschlanke Mrs. Chubbing wollte dieses verdammte Kleid schon übermorgen abholen. Amélie hatte versucht, das möglichste an dem Schnitt zu machen, damit dieses violette Abendkleid nicht eine Negativwerbung für sie wäre und damit Mrs. Chubbing einigermassen passabel darin aussehen würde.

Sie hatte der wichtigen Kundin ja nicht sagen können, dass sie in einem so engen Abendkleid aussehen würde wie eine violette Blutwurst.

Sie apparierte nach Hause, in das große Haus ihrer Großeltern, wo sie im obersten Stock wohnte.

Müde zog sie ihren Umhang aus, und warf ihn über die Lehne eines Stuhles. Überrascht drehte sie den Kopf, als sie eine Eule auf ihrem Fenstersims schlafen sah. Das arme Tier hatte wahrscheinlich schon längere Zeit darauf gewartet, eingelassen zu werden.

Sie kannte das Tier nicht und öffnete das Fenster. Als sie die Schrift auf dem Couvert sah, kam Leben in sie. Nervös fummelte sie am Brief rum, um ihn zu öffnen, als die Eule erwartungsvoll krächzte. „Oh!" sagte sie und kramte schnell ein rundes Eulenhäppchen hervor, welches diese schnell schnappte und davon flog.

Das verdammte Ding, dachte sie und kam sich plötzlich ziemlich tappig vor. Endlich hatte sie den Brief vor sich und entfaltete ihn.

Ihr Gesicht erhellte sich und sie machte ein paar Luftsprünge. Sie drückte den Brief an sich und kam sich dabei ziemlich jung und albern vor. Aber es war ihr egal. Mit einem breiten Grinsen auf dem Gesicht las sie den Brief noch viermal durch.

Snape und Laura luden sie zu sich nach Hause ein.

Amélie setzte sich auf ihr Sofa und begutachtete den Brief. Sie begann ihn zu analysieren. Ob Snape absichtlich erwähnte, dass die Einladung von ihm und Laura war, damit sie wusste, dass das Kind auch da sein würde, in Gegensatz zu dem Abend bei ihr.

Oder hatte er durchblicken lassen wollen, dass er sie klar nicht alleine und privat einladen wollte, da er kein persönliches und näheres Interesse an ihr hatte? Dass die Einladung rein platonisch war? Ja, sie hatte eine so sonderbare Zurückhaltung gespürt, bei ihm.

Sie wusste es nicht, aber sie grübelte die nächsten Tage daran herum. Und las den Brief immer und immer wieder, obwohl sie ihn längst auswendig konnte.

S s s s s s s s

Severus schenkte Amélie etwas Wein nach und fragte sie, wie das Geschäft laufe und ob sie genügend Arbeit habe. Sie saßen in Snapes Garten auf dem Sitzplatz, wo ein kleines Tischchen stand.

Amélie erzählte von ihren vielen Aufträgen und den verschiedenen Kunden und Kundinnen und beobachtete dabei, wie Laura begann sich auszuziehen.

Severus folgte ihrem Blick und sah, wie Laura gerade nackt, wie Gott sie erschaffen hatte, ihre Kleider vom Boden aufhob und sie auf einem Gartenstuhl aus kunstvoll geschmiedetem Eisen platzierte.

Seine Augen verengten sich etwas, als er sich fragte, was das Kind nun wohl schon wieder vor habe und ob sie sich denn überhaupt nicht schämte vor dem Besuch.

Das schien nicht der Fall zu sein, denn sie scherte sich überhaupt nicht um die beiden Erwachsenen. Sie kratzte sich gerade am Bein und besah sich die rote Stelle, die sie da juckte. Er hörte sie etwas wie 'verdammte Viecher' vor sich hin murmeln. Laura schien wirklich besonders lecker für die Mücken zu sein!

„Laura?" fragte Snape ruhig während er sein Glas abstellte. „Was genau soll das werden?"

Das Mädchen grinste ihn an. „Ich gehe baden," sagte sie glücklich. Darauf hatte sie sich nämlich am allermeisten gefreut. Sie hatte sich nach dem Bach gesehnt und gebetet, dass es schönes Wetter sein würde am Wochenende.

Petrus schien ihr wohl gesinnt zu sein, und die Sonne schien recht warm, obwohl es schon früher Herbst war.

Snape seufzte und Amélie lachte.

„Aber nicht zu lange," sagte Snape bestimmt. Er wollte nicht, dass sie sich erkältete.

"So ein unkompliziertes Kind," bemerkte Amélie. Severus, der seiner Tochter etwas kritisch hinterher sah, grummelte nur etwas und wechselte dann das Thema.

S s s

Eine halbe Stunde später gesellte sich Amélie zu dem Mädchen, welches im Bach herum spritzte. Amélie liebte es, das unbeschwerte Kind zu beobachten. Laura war so wild und immer in Bewegung. Langeweile schien sie nicht zu kennen. Sie bezweifelte, dass Laura einmal ein 'Null-Bock'-Teenager werden würde. Das konnte man sich einfach nicht vorstellen, bei diesem lebensfrohen, aufgestellten Kind.

Amélie saß auf einem großen Stein, am Uferrand und Laura erzählte ihr, was sie an dem Bach so liebte. Und was sie alles für Kunststücke geübt hatte, als Harry im Sommer hier gewesen war.

Laura beschrieb ihr lebhaft, wie wohl sie sich im Wasser fühlte und wie sehr sie alles an dem kühlen Nass liebte. Das Geräusch, wenn sie spritzte oder durchs Wasser stampfte und der Geruch, der vor allem von der feuchten Erde am Uferrand stammte und sie liebte es, wenn ihr das Wasser kühl um den Kopf strich, wenn sie tauchte.

Amélie lächelte und sah zu, wie das Mädchen ihr Haar ausschüttelte, was ziemlich spritzte.

Doch die junge Frau erschrak sehr, als Laura plötzlich schmerzhaft aufschrie.

Schnell stand sie von ihrem bequemen Platz auf und als Laura weiter schrie und das Gesicht verzog, watete sie ohne die flachen Schuhe auszuziehen schnell ins Wasser. Laura war zum Glück im seichten Teil des Baches und das Wasser reichte ihr nur bis zur Mitte der Waden.

Wahrscheinlich war Laura in eine Scherbe getreten, dachte sie besorgt und beugte sich schnell zu Lauras Fuß hinunter, den sie mit den Händen umklammerte.

Doch es war keine Glasscherbe, die Laura in den Fuß geschnitten hatte, sondern ein schwarzes Etwas klebte an ihrer Fußsohle.

Laura fiel auf ihren Hintern, als sie das Gleichgewicht auf nur einem Bein verlor und es platschte.

Ohne lange zu überlegen griff Amélie nach dem seltsamen Vieh, dass sich in Lauras Fußsohle verbissen hatte.

Amélie hatte in der Schule mal gelernt, dass man Carismale nicht anfassen sollte, da ihr Biss nicht harmlos war, aber im Moment dachte sie nicht daran.

Dem Carismalen schien die Störung gar nicht etwa zu gefallen und er zeigte seinen Unmut darüber, indem er sich nun in Amélies Hand verbiss.

Seine scharfen Zähnchen steckten ziemlich tief in Amelies Haut zwischen Daumen und Zeigefinger.

Nun war es an ihr zu schreien, denn das tat wirklich sehr weh. Geistesgegenwärtig griff sie in ihren Ärmel, wo sie den Zauberstab aufbewahrte , den Carismalen immer noch an ihrer Hand hängend.

Erschöpft und mit schwummrig komischem Gefühl sank Amélie auf die Knie, als sie dem Carismalen endlich einen Fluch aufgehalst hatte und dieser sein Opfer los gelassen und sich schleunigst aus dem Staub gemacht hatte.

Laura wankte an Land. Sie sah plötzlich alles doppelt. Sie fand es sehr lustig, dass Amélie im Wasser kniete und Amélie schien das auch komisch zu finden, denn sie lachte auch.

Wieso konnte sie kaum mehr gerade gehen? fragte sich Laura. Und wieso kamen nun gleich zwei Snapes auf sie zu geeilt. Oder waren es sogar drei? Laura lachte wieder.

„Ein Carismale „ sagte Amélie und musste sich zusammen nehmen, um nicht wieder dümmlich zu lachen.

„Kommen Sie," sagte Snape und half Amélie, die sich aufgerappelt hatte, aus dem Wasser.

Laura hatte sich auf dem Gras hingelegt und sang ein Lied über die Schmetterlinge, das sie wohl aus ihrer frühen Kindheit kannte. Severus beschwor ein Tuch hinauf und legte es über sein nacktes Kind, das leise vor sich hin sang.

Snape hatte nicht gewusst, dass es in seinem Zuhause Carismale hatte. Allerdings hatte er sich ja auch nie im Wasser aufgehalten, wo Carismale ringor, wie sie mit vollem Namen hießen, lebten. Diese Tiere schlüpften im Sommer, wenn das Wasser warm war und lebten die ersten zwei Monate in Schneckenhäusern von Wasserschnecken, bis sie groß genug waren, sich ihrer Haut wehren zu können. Ihre Zähne hatten ein Gift, das nicht wirklich gefährlich war, wenn nicht zu viele auf einmal angriffen, aber das den Gebissenen mit denselben oder ähnlichen Symptomen beglückte, als wäre man betrunken. Ziemlich schwer betrunken vielleicht sogar, dachte Snape, als er Laura und Amélie betrachtete.

Lustig hängte sich Amélie bei Snape ein und der führte die wankende junge Frau Richtung Haus. Er sah besorgt zu Laura zurück, die ihre Hände vor ihr Gesicht hielt und sie interessiert musterte. Er schwenkte den Zauberstab.

Damit Laura in diesem Zustand nicht in den Bach fallen würde, hatte er einen Zauber auf sie gelegt, der sie an Ort und Stelle halten sollte.

Leider konnte er vor Aufregung die Nähe der jungen Frau, die ziemlich anhänglich und fröhlich war im Moment, nicht recht genießen. Aber sie fühlte sich schon recht gut an, dachte er, als er sie um die Hüfte festhielt, damit sie nicht stürzte.

Er legte Amélie aufs Sofa und bat sie, dort zu bleiben.

Als er wieder zum Bach geeilt kam, lag Laura, die nun etwas schlammig war, auf dem Rücken und zählte träge ihre Finger. Sie schien recht verzweifelt und sie schluchzte, als sie ihren Vater sah. Er beugte sich hinunter und legte das Tuch wieder über sie, von welchem nur noch ein Zipfel ihren Bauch bedeckte.

„Dad," jammerte sie und sah ihn elend an. „Dad, mir ist schwindelig."

Er hob den Zauber auf, und kurz danach seine Tochter, die nun weinte und sich die schmutzigen Hände übers nun auch schmutzige Gesicht rieb.

Sie fühlte sich ziemlich kühl an und er trug sie schnell Richtung Haus. Hoffentlich war Amélie noch auf dem Sofa, dachte er besorgt. Aber er hätte die Frau ja wohl schlecht mit dem selben Zauber belegen können, wie seine Tochter vorhin.

Laura schien der Zauber allerdings nicht gestört zu haben, aber nun stöhnte das Mädchen in seinen Armen.

Diese verdammten Viecher! dachte er verärgert. Denen würde er nachher die Lust am Beißen austreiben!

Erleichtert stellte Snape fest, dass sein Gast immerhin noch im Haus war, als er Laura aufs Sofa legte. Er ließ einen Kessel neben das Sofa schweben, falls Laura sich übergeben musste. Er deckte sie mit einer weichen Wolldecke zu. Leise sang Laura ein ziemliches Durcheinander von Fröschen, die bissen und Schmetterlingen, die nicht tanzen konnten, da ihnen die Schuhe zu eng waren.

Amélie schien irgendwo im Haus unterwegs zu sein, denn es klirrte gerade etwas, das scheinbar hinunter gefallen war.

„Tschuldigung," sagte Amélie mit der Hand vor dem Mund, um ein Kichern zu unterdrücken, als er hinter ihr aufgetaucht war. Sie stand in der Küche, an den Küchentisch gelehnt und besah sich die Tasse, die sie scheinbar auf den Boden hatte fallen lassen, oder hinunter gestoßen hatte. Es schien sie zu belustigen, denn sie grinste fröhlich.

„Kommen Sie, Amélie," sagte er und führte sie am Arm wieder aufs Sofa. Laura sang leise vor sich hin.

Er sah besorgt ihre glasigen Augen. Sie waren nur noch halb geöffnet. Ihre schwarzen Augen glänzten seltsam. Es erinnerte ihn erschreckend an seine eigenen Augen. An seine Augen, wenn er, ganz erledigt und gepeinigt von dem dunklen Lord zurück gekehrt war, wenn dieser schlechte Laune gehabt hatte und ihn und andere Todesser seinen Unmut hatte spüren lassen.

Wenn er dann in den Spiegel gesehen hatte, hatten seine Augen genau diesen Ausdruck, wie die von Laura jetzt.

Er betete im Stillen, dass sein Kind nie solchen Schmerz erleben musste.

„Dad," hauchte sie und er beugte sich über sie, nachdem er Amélie aufs Sofa gesetzt hatte.

Mit einem Schwenk seines Zauberstabes zitierte er einen Zaubertrank und einen kleinen Topf Salbe zu sich.

Amélie lachte, als sie die fliegenden Gegenstände sah und redetet etwas von fliegenden Untertassen.

Snape versorgte Lauras Biss rasch mit der Salbe und gab ihr dann etwas von dem Trank, während die junge Frau auf dem anderen Sofa schon wieder aufstand und etwas unsicher umher wankte.

Als er die Decke wieder über Laura gelegt hatte und das Kind, dank Zaubertrank im Land der Träume war, widmete er sich wieder um seine Besucherin.

Außer den Rausch durchzustehen, gab es nicht viel, was man gegen den Biss des Carismal tun konnte. Snape führte Amélie zum Sofa zurück. Auch ihre Wunde würde er reinigen und verbinden.

„Bleiben Sie bitte sitzen, Amélie," sagte Severus nun etwas energischer, denn diese wollte sich schon wieder aus dem Staub machen.

„So streng, Herr Lehrer?" fragte Amélie gespielt schmollend und kicherte dann wieder.

Dieser hob eine Augenbraue und griff sich das Verbandzeug. Dann setzte er sich neben die junge Frau. Er konzentrierte sich auf die Bisswunde. Er hatte Amélie auf Abstand halten wollen, was im Moment schwierig war.

Carismale Bisse infizierten sich nicht so leicht, wie Bisse anderer Tiere, aber man musste sie trotzdem gründlich desinfizieren, um unangenehme Folgen zu vermeiden.

Er sah aus den Augenwinkeln, wie Amélie sich mit der Hand übers Gesicht fuhr.

„Danke, Süßer!" sagte die junge Frau, als wäre es das normalste auf der Welt, als er fertig war und Snape glaubte seinen Ohren nicht zu trauen.

So hatte ihn ganz sicher noch nie jemand genannt. Und er mochte es auch nicht besonders. Er war ja gewiss so einiges, aber ganz bestimmt nicht süß! Dass es ihm aber trotz allem etwas schmeichelte, verdrängte er.

Natürlich wusste er, in was für einem Zustand sich die Frau befand. Bevor er sich versehen konnte, hatte ihm Amélie einen Kuss auf die Lippen gedrückt.

Snape schluckte schwer und Amélie lachte laut, als sie Snapes verdutztes Gesicht sah.

„Ich wollte wissen, wie es sich so küsst mit dir," sagte Amélie und verfiel dabei ins 'Du',was Snape nicht auffiel, da er zu beschäftigt war mit dem Verarbeiten des letzten Ereignisses.

Der Kuss hatte ihn total aus dem Konzept gebracht, obwohl es ein ganz normaler Kuss gewesen war, wie er hunderte bekam von seiner Tochter.

Aber es war eine ganz andere Sache, von einer Frau einen Kuss zu erhalten, als von seinem Kind. Von dieser Frau!

Er war nie ein großer Küsser gewesen und er hatte weder viele Küsse verteilt, noch viele erhalten in seinem Leben. Die von Laura mal ausgenommen, denn das waren wirklich so einige.

Selten hatte er das Bedürfnis gehabt, eine Frau zu küssen.

Amélies Lippen waren so sanft und warm gewesen und obwohl er wusste, dass die Frau sturzbetrunken war, oder sich zumindest so fühlte, breitete sich ein Welle Glück in seiner Brust aus.

Verzweifelt versuchte er diese zu bekämpfen, denn er wollte keine Gefühle zulassen für diese Frau.

„Ach, du bist immer so unheimlich beherrscht, Severus," sagte Amélie lächelnd. Erst jetzt bemerkte Snape, dass Amélie ihn duzte.

Die junge Frau lehnte ihren Kopf an seine Schulter. Snape hielt den Atem an.

„Ich fühle mich so schwindelig," sagte sie etwas langsam aber deutlich. Snape genoss den Moment, auch wenn er es nicht wollte. Sie roch sehr gut und er hätte gerne den Arm um sie gelegt.

Er bemerkte, dass sie immer noch nasse Kleider hatte. Er trocknete die dünne Jeans, und auch das lange, weiße Oberteil, mit den zarten Rüschen, dass etwas nass geworden war, mit einem Zauberspruch. Amélie schlüpfte aus den Sandalen indem sie sie mit den Füssen abstreifte.

„Wieso küsst du mich eigentlich nicht endlich?" fragte sie direkt. „Oder findest du mich abstoßend?" fragte sie forschend, vielleicht auch etwas herausfordernd.

Snapes Puls raste auf einmal sehr schnell. Was redete die Frau da? Seine Alarmglocken schellten Sturm! Sein Hals war trocken.

Nein, er würde selbstverständlich die Situation nicht ausnutzen! Es war nicht sicher, ob sie nachher noch alles wusste, was sie gesagt hatte, aber sie würde ihre Worte bestimmt bereuen, dachte er.

„Sie wissen nicht, was Sie da sagen, Amélie," sagte er und stand auf. Er richtete ein Kissen für sie und deutete ihr, sich hin zu legen. „Schlafen Sie etwas, dann geht es Ihnen bestimmt bald besser," fügte er nun etwas unsicher hinzu.

„Natürlich weiß ich, was ich rede, du Ignorant!" herrschte sie ihn an. Er sah aber, wie ihr im nächsten Augenblick schon die Augenlider schwer wurden. Ihre klare Ansage hatten ihn doch etwas erstaunt. Die konnte ja ganz schön direkt sein!

Sie legte sich brav hin und murmelte: „Ganz genau weiß ich es."

Lange Zeit beobachtete Snape Amélie. Ob ein Funken Wahrheit in ihren Worten steckte? fragte er sich. Er deckte auch Amélie mit einer leichten Decke zu.

Kinder und Betrunkene sprechen die Wahrheit, dachte er und versuchte sofort, dass Fünklein Hoffnung zu ersticken, das in ihm aufflammte.

Amélie atmete gleichmäßig und er musste sich zwingen, den Blick von ihr zu lösen. Er stand auf und ging in die Küche, wo er ein Glas Wasser trank.

Dann ging er zu Laura, die tief und fest schlief. Er sah zu ihr hinunter und atmete tief aus. Er verschwand kurz und kam mit einem Waschlappen und einem Pjyama in der Hand zurück.

Er hätte Magie anwenden können um Laura zu waschen und ihr das Pjyama anzuziehen, aber Ablenkung war genau das, was er jetzt brauchte.

Laura lag total entspannt auf dem Sofa. Was war sie doch für ein wildes, aktives Kind dachte er, als er sah, wie schmutzig sie war, vor allem an den Knien. Als er diese wusch, sah er, dass sie unzählige kleine Narben hatte, die von Abschürfungen stammten. Er wusch auch ihre Hände und Arme und die Füße. Am Schluss nahm er nochmals einen neuen Lappen, und fuhr damit vorsichtig über ihr Gesicht.

Einen Spalt öffnete sie die Augen und murmelte etwas Unverständliches. Er umfasste ihre Wange mit seiner Hand und sah sie intensiv an. Dann kniete er sich auf ein Knie hinunter und sagte leise: "Schlaf nur." Er küsste sie auf die Schläfe und Laura schloss die Augen wieder. Snape spürte die starke Liebe, die er für dieses Kind empfand. Er hätte sie am liebsten an sich gedrückt. Er wollte einfach nur, dass sie in Sicherheit war. Dass dieser Wunsch sein Größter war, erschreckte ihn immer wieder.

„Ich hab sie auch lieb," flüsterte Amélie, die plötzlich wieder ziemlich ernst tönte. Sie lag auf dem anderen Sofa und sah sehr müde aus. Aus der Lach- und Kicherphase schien sie nun raus zu sein. "Sie ist so ein Schatz!"

Snape drehte sich zu ihr um. Er hatte gedacht, sie schlafe und es war ihm etwas unangenehm, dass sie seine sentimentale Minute und wahrscheinlich auch die Waschaktion beobachtet hatte.

„Ehmm... ja," antwortete er, da ihm nichts Schlaueres einfiel und schüttelte dann das Oberteil der gestreiften Pjymas aus. Er streifte es dem schlafenden Kind über die schwarzen weichen Locken.

Dabei sah er die Halskette an Lauras Hals, mit dem Opal, den er ihr an Weihnachten geschenkt hatte. Der Stein sah milchig aus und war ziemlich warm, als er ihn berührte.

Dann steckte er einen schlappen Arm nach dem anderen in die Ärmel, was gar nicht so einfach war ohne Mithilfe des Kindes.

Dann zog er den Rest zurecht über Rücken und Bauch. Laura blinzelte und ihre Augenlider schienen ziemlich schwer zu sein.

Beim Unterteil des Pjyamas benutzte er einen kurzen Zauber und zog ihr dann noch Socken über die kühlen Füße. Laura atmete tief aus, drehte sich zur Seite und zog die Beine etwas an. Severus zupfte ihr das Pjyama noch ein wenig zurecht, damit der Rücken gut bedeckt war. Wenn er nur nicht die Blicke der jungen Frau auf sich spüren würde, die ihn vom anderen Sofa aus beobachtete.

Er deckte Laura wieder zu und wandte sich dann wieder an Amélie, die nun schon etwas besser aussah.

„Kann ich Ihnen einen Tee, oder sonst etwas bringen, Amélie?" fragte er höflich.

„Tut mir Leid, dass Sie so viele Umstände haben, Severus," sagte sie leise. „Und es tut mir Leid, dass ich so aufdringlich war," fügte sie etwa beschämt hinzu, war sich aber nicht sicher, ob sie sich wirklich schämte. Sie wusste, dass sie es sollte.

Sie spürte aber, wie sie innerlich schon wieder mit dem Lachen kämpfte . Sie wusste nicht wieso sie alles so unglaublich lustig fand.

Was hatte sie vorhin nochmal alles zu Snape gesagt? Sie hatte ihn aufgefordert, sie zu küssen! Oh Gott! dachte sie. Das war ihr schon sehr peinlich, obwohl sie sich immer noch ein Lachen verkneifen musste, wenn sie an sein Gesicht dachte, als sie ihm einen einfachen Kuss aufgedrückt hatte.

Er war wohl so viel Aufdringlichkeit und Selbstinitiative nicht gewohnt!

Immerhin war sie ja entschuldigt, wegen ihres Zustands. Vielleicht sollte sie ja die Situation ausnutzen, überlegte sie mit verschmitztem Lächeln, da Snape gerade zu Laura sah.

Sie könnte ja so tun, als sei ihr Zustand noch nicht besser und könnte ihm noch mehr Küsse abknöpfen. Aber dazu fehlte ihr wohl der Mut, musste sie sich eingestehen.

Immer noch fühlte sie sich viel ausgelassener und ungehemmter, als normalerweise und es grauste ihr etwas vor dem Moment, wo sie vollkommen realisieren würde, wie schrecklich billig sie sich verhalten hatte.

Aber vielleicht war das jetzt ja auch ihre Chance.

„Ein Tee wäre super," sagte Amélie und wartete ungeduldig, bis der Tränkemeister diesen brachte.

„Setzen Sie sich doch ein bisschen zu mir, Severus," sagte sie und rappelte sich etwas auf.

In Severus Kopf und in seinem Bauch schlug so einiges Purzelbäume. Es würde ihm schlecht gelingen, sie auf Abstand zu halten und auch seine Gefühle, wenn er sich direkt neben sie setzten würde, dachte er logisch.

Aber was konnte es schon schaden, wenn sie es ja wünschte, argumentierte der andere Teil seines Verstandes.

Und sie lächelte ihm so ermutigend und charmant zu. Oh, verdammt! dachte er hin und her gerissen.

Und was, wenn sie ihn nochmals küssen würde. Wäre er dann noch im Stande, sie auf Abstand zu halten. Würde er sich ihr entziehen können? fragte er etwas besorgt über seine Vorsätze.

„Kommen Sie schon, ich beiße nicht," sagte Amélie. „Meistens jedenfalls nicht," fügte sie hinzu und konnte es nicht verhindern, dass sie etwas kichern musste. Sie kam sich selber so unglaublich albern vor und andererseits war es ja egal.

Etwas zögerlich setzte sich der schwarze Mann neben die junge Frau. Sofort lehnte sie sich an ihn.

Ohne großartig zu überlegen legte er den Arm um sie, was sie anscheinend genoss, denn sie kuschelte sich nun etwas an ihn. Wie versteinert saß er da, als ihm bewusst wurde, was hier vor sich ging.

„Sie sind ein wundervoller Vater," murmelte Amélie und Snapes Augen schielten zu ihr hinunter. Dass er ein Kompliment bekam war relativ selten, für ihn und dann noch eines übers Vater sein, das war dann doch speziell. Er wusste, dass die meisten Leute ihn für einen strengen Vater hielten. Er sagte nichts dazu, sondern konzentrierte sich ganz darauf, sich im Griff zu haben. Amélie so nahe bei ihm! An ihn gelehnt!

Er versuchte doch sie auf Abstand zu halten!

Er roch ihr Haar. Er spürte sie nahe bei sich. Er berührte sie, hatte den Arm um sie gelegt, auch wenn etwas steif und unbeholfen und darauf bedacht, nicht zu grabschen. Sie war ihm sehr nah.

Wenigstens seine Gefühle würde er auf Abstand halten! dachte er entschlossen, obwohl er fühlte, wie sich ein unsichtbares, wild züngelndes Feuer in ihm ausbreitete. Es wärmte ziemlich intensiv, dachte er verzweifelt.

Als er spürte, wie sich Amélie total entspannte, wurde er auch etwas lockerer. Er konnte sich ja einfach vorstellen, es wäre Laura, die sich an ihn schmiegte. Doch sich das einzureden, stellte sich als unmöglich heraus.

Was sollte er jetzt tun? fragte er sich und sah mit den Augen im leeren Raum umher, als suche er einen Fluchtweg.

Er horchte, wie Laura gleichmäßig atmete. Er roch das Essen, welches immer noch unberührt im Backofen war und mittlerweile kalt sein würde.

Er versuchte sich auf alles, außer auf Amélie zu konzentrieren, aber sein Körper schien sich ausschließlich auf sie zu konzentrieren!

Sein anderer Arm wollte sie näher zu sich ziehen und sein Mund wollte sich auf ihre weichen Lippen drücken. Stopp- dachte er.

Vorsichtig erhob er sich und legte Amélies Kopf auf das Kissen, welches er vorhin hinter dem Rücken gehabt hatte. Ihr Haar fühlte sich genau so an, wie er sich das vorgestellt hatte. Sie schlief tief und fest.

Er musste ein wenig raus. Er musste sich wieder distanzieren von Amélie. Er durfte nicht zulassen, dass sie ihn so anzog. Dass sie ihm die Selbstbeherrschung raubte und das sogar im Schlaf!

Es war noch nicht sehr dunkel draußen und die frische Luft tat ihm gut. Er atmete tief ein. Er würde die beiden schlafen lassen. Wer weiß, was sie Morgen noch wussten von ihrem Rausch.

S s s s s s s s s

„Hier drin riecht es so alt," stellte Laura am nächsten Nachmittag fest, als Snape die Tür zum Dachboden geöffnet hatte.

„Das ist ein altes Haus, Laura," antwortete er etwas ungeduldig.

Laura hatte schon den ganzen Tag gemerkt, jedenfalls seit Amélie gegangen war, dass ihr Dad nicht viele Nerven hatte und seine Geduld eher dünn war. Er hatte ja auch auf seinem Armsessel übernachtet, was bestimmt nicht sehr bequem war.

So mies wie gestern hatte sich Laura wohl schon lange nicht mehr gefühlt. Sie hatte sich kaum bewegen können. Ihr war so schwummrig gewesen im Kopf und schwindelig. Und sie war so unendlich müde gewesen. Ihr Dad hatte ihr am Morgen erklärt, dass es an diesem schwarzen Tier gelegen hatte, welches seine spitzen Zähne in Lauras Fuß versenkt hatte. Sie war ihm dankbar, dass er sich um sie gekümmert hatte, denn sie wäre zu nichts mehr im Stande gewesen.

Laura hatte noch nie von Carismalen gehört und sie hatte zusehen dürfen, wie ihr Vater viele dieser krabbenähnlichen Viecher gefangen hatte. Man konnte sie leider nicht als Zaubertrankzutat verwenden, weshalb er sie in einem Tümpel im Wald ausgesetzt hatte, nachdem Laura lautstark protestiert hatte, dass er sie tötete.

Amélie hatte noch mit ihnen gefrühstückt und war dann nach Hause gegangen. Ihr Dad hatte sich bei Amélie für den Zwischenfall mit dem Carismalen entschuldigt . Sie war aber gar nicht verärgert gewesen, sondern hatte ein sonderbares Lächeln auf den Lippen gehabt und ihr Dad war auch irgendwie anders gewesen.

Laura betrat den Dachboden, welcher nur zwei, drei kleine Fensterchen hatte. Sie war schon einmal hier gewesen. Unerlaubt. Sie sah sich sofort nach der Kiste um, in der sie damals das furchterregende Buch über Werwölfe gefunden hatte.

Staubig roch es hier und staubig war es auch, wie sie an den vielen Staubpartikeln erkannte, die im schwachen Licht tanzten.

Irgendwie hatten alte Dachböden immer etwas Spannendes an sich, fand Laura.

Verstaubte Spinnennetze hingen von den Balken hinunter und es gab ein paar alte Schränke, eine altmodische Kommode mit einer Glasvitrine und Stühle und einen alten Armsessel mit hellblau-gemustertem Stoffüberzug und hoher Rückenlehne. Laura ging sofort auf ihn zu, und setzte sich hinein.

Mit einer Kartonschachtel in der Hand trat nun Snape in die Mitte des Raumes. Er stellte sie ab, was noch mehr Staub aufwirbelte.

Diese Nacht war nicht die Entspannendste gewesen für ihn. Immerzu hatte er Amélie anstarren müssen und sich jeden Zentimeter ihres Gesichtes eingeprägt. Er hatte ihr zugesehen, wie sie geatmet hatte und er selber hatte kaum Schlaf gefunden. Dementsprechend schlecht gelaunt war er heute, wie er selber merkte.

„Du kannst mit diesen Kesseln hier beginnen, Laura," sagte er und winkte seine Tochter zu sich herüber, wo alte, zum Teil halb verrostete Kessel standen.

„Die Kaputten stellst du vor die Tür, die anderen räumst du hier in diese Schachtel," sagte er, ohne sie anzusehen, denn er hatte sich über einen Stapel alter Tränkemagazine gebeugt und sah sie sich durch.

„Du rührst nichts an, was ich dir nicht ausdrücklich auftrage, klar?" fragte er scharf und sah zu ihr auf.

„Laura!" rief er, als er sah, dass Laura schon einen eisernen Kerzenständer in der Hand hatte.

„Jaja," maulte sie verärgert und stellte ihn geräuschvoll wieder auf den Boden.

„Und benimm dich!" sagte er und sah sie einen Moment lang tadelnd an.

Sie kam zu ihm hinüber und sah dabei auf einem Schrank eine alte Puppe. „Nimmst du die mal runter?" fragte sie. Die weißhäutige Puppe mit rötlichem Haar schien sehr sehr alt.

„Bitte!" mahnte Snape.

Laura rümpfte die Nase, als sie verstand, worauf er anspielte. „Biiittee!" sagte sie gedehnt. Auch sie war nicht bester Laune.

Snape stand auf und fasste sie am Ohr, ohne jedoch zu ziehen. „Pass auf, welchen Ton du anschlägst, junge Frau," sagte er leise und warnend. Laura senkte den Blick.

Er ließ ihr Ohr los, fixierte sie aber noch einen Moment länger und drehte sich dann um, um die verstaubte Puppe vom Kasten zu nehmen.

Der Kopf war aus Porzellan und hatte einen Sprung an der Schläfe. Laura untersuchte sie interessiert. Nicht, dass sie sich im allgemeinen für Puppen interessierte, aber so ein altes Spielzeug, mit dem vielleicht ihre Urgroßmutter oder Urgroßtante gespielt hatte, war doch spannend.

Sie stellte sich ein Mädchen mit Zöpfen und weißem Kleidchen vor, im Garten mit dieser Puppe spielend. Ob das Mädchen, dem die gehört hatte, auch eine Zauberin gewesen war? Die Puppe war eine gewöhnliche Muggelpuppe, wie es schien.

Sie zog die Puppe aus und sah auf dem Rücken, der aus einem Leinenstoff bestand einen kleinen Zettel. Mit altmodischer Schrift stand ' Muñecas de Mauro, Olot' darauf.

Ob das der Name des Kindes gewesen war? Aber Mauro war ein Jungenname und Olot war wohl auch kein Mädchenname.

Eine Schranktür quietschte und Laura sah, wie Snape ein paar alte Kleider, die an Bügeln hingen, aus dem Schrank nahm.

Die Kleider sahen alt aus und speziell. Snape rümpfte etwas die Nase, denn sie rochen ziemlich nach Mottenkugeln.

Aber die Tierchen schienen sich daran trotzdem gütlich getan zu haben, denn hier und da waren Löcher heraus gefressen.

„Die stopfe ich alle in diese Schachtel," sagte er mehr zu sich selbst.

„Autsch, verdammte Schei...au!" schrie Laura. Als sie aufgestanden war, hatte sie sich den Kopf etwas gestoßen an dem alten, staubigen Balken. Ihr Fluchen wurde von einem raschen Klaps auf ihren Hintern, den Snape ihr mit der flachen Hand verabreicht hatte, unterbrochen.

„Ich habe gesagt, du sollt dich benehmen!" schimpfte er und sah, wie Laura sich gleichzeitig den Kopf und den Hintern rieb.

Als sich ihr Dad wieder den Kleidern widmete, legte sie die Puppe neben sich und kniete sich, mit einem wütenden Blick zu ihrem Dad, nieder vor zwei alte Koffer und öffnete einen.

Darin waren auch alte Kleider, wie sie von ihrem letzten Besuch hier wusste. Sie hatte damals einen Schatz oder einen Geheimgang gesucht und hatte dann das Werwolf-Buch gefunden.

„Hier gibt es auch noch alte Kleider, Dad," sagte sie und kramte eines hinaus. Plötzlich traf es sie wie ein Schlag ins Gesicht, als sie ein Kleid in der Hand hielt. Ein altes Kleid. Das Kleid hatte weinrote Säume und weiße Rüschen. Sie erkannte es sofort. Blut schoss ihr in den Kopf, die Hände mit dem Kleid waren ihr auf die Oberschenkel gesunken. Es fror sie.

Es war das Kleid der Frau aus ihrem Traum. Daran gab es keinen Zweifel.

Die Härchen an ihren Armen standen ihr zu Berge und sie starrte vor sich hin.

„Hab ich dir nicht gesagt, dass du nichts anfassen sollst, was ich dir nicht ausdrücklich... Laura?" Snape hatte den seltsamen Blick bemerkt, mit dem Laura da saß. Und auch, dass sie ihm gar nicht zuhörte.

Er sah auf das Kleid, welches in Lauras Händen lag.

„Das ist das Kleid," sagte sie zu sich selber. „Ich wusste, dass sich es schon mal gesehen habe."

Ihre Stimme klang tonlos, was Snape beunruhigte.

„Laura?" fragte er streng.

Nochmals hob Laura das Kleid etwas hoch, in Augenhöhe. „Das ist das Kleid der Frau aus meinem Traum, Dad. Ich bin mir absolut sicher."