Kapitel 7
Sie hatte die ganze Fahrt über das Gefühl beobachtet zu werden, aber wer konnte ihr diese Paranoia nach diesem erneuten Eintritt in die Welt der Vampire übel nehmen?
Sookie hielt noch an einer Fastfoodkette, setzte sich in den leeren Schankraum und aß langsam einen Burger mit Pommes. Sie fühlte sich völlig ausgelaugt und kaputt, sie brauchte einfach dringend etwas in den Magen.
Nach und nach ordneten sich ihre Gedanken und dieser Mahlstrom in ihrem Kopf legte sich wieder. All ihre guten Vorsätze waren in Luft aufgegangen, scheinbar konnte sie weder ein normales noch ein vampirfreies Leben managen…
Sie starrte nach draußen und zuzzelte gemächlich an ihrer Cola, bis diese leer war.
Daraufhin machte sie sich wieder auf den Heimweg.
Sookie parkte ihr Auto wie immer neben dem Haus und stieg aus. Sie hatte beinahe die Veranda erreicht, als:
„Na wen haben wir denn da?" Eine stählerne Hand legte sich auf ihre Schulter und hielt sie an Ort und Stelle. „Du hast doch nicht wirklich gedacht, das wir dich einfach so davon kommen lassen würden, oder?"
Es waren die sechs Vampire von der Tankstelle.
Eine der weiblichen Vampire stellte sich direkt vor sie und kam ihrem Gesicht viel zu nahe. „So kommst du uns nicht davon! Wir werden viel Spass mit dir haben, bis du Ricks Tod gebüßt hast!"
Die Gruppe lachte.
Sookie bekam Angst, große Angst, hier war sie völlig alleine, hier konnten ihr weder Jason noch Jessica helfen.
Panisch sah sie sich nach Fluchtmöglichkeiten um. Es gab keine. Die Ketten hatte sie im Auto größtenteils ausgezogen, weil sie ihr zu schwer geworden waren. Die Tür war zwar sehr nahe, aber immer noch zu weit entfernt, als dass sie diese rechtzeitig erreichen konnte.
Mit ihren Fähigkeiten würde sie vielleicht ein oder zwei ausschalten können, aber auch wenn sie im Feenland sehr viel gelernt hatte, sie hatte immer noch nicht genügend Kontrolle darüber.
„Begreifst du jetzt, dass es für dich kein Entkommen gibt?" kicherte eine andere Vampir. „Wir werden erst dich aussaugen, und dann werden wir uns deinen Retter vornehmen…"
Sookie schrie auf. „Ah, das gefällt dir wohl nicht…" Einer der glatzköpfigen Vampire schubste die Frau vor ihr weg und näherte sich ihrer Wange unangenehm mit seinem Mund.
Sie versuchte krampfhaft sich zu wehren, aber jetzt wurde sich auch an den Armen festgehalten, regelrecht festgenagelt.
Wenn nicht gleich ein Wunder passierte…
Wunder! Natürlich!
Sie nahm all ihre Kraft zusammen.
‚ERIC!'
Der Vampir vor ihr riss ihren Kopf zur Seite und fletschte seine Fangzähne. Sookie spannte sich an, fast fühlte sie schon seine Zähne in ihrem Hals…..
Ein Zischen ertönte und ihr Angreifer kniete röchelnd auf dem Boden, sein Hals war aufgerissen.
Ein weiteres Zischen und der Vampir, der sie festhielt, löste sich in seine blutigen Bestandteile auf. Jetzt konnte Sookie sich endlich befreien und rannte zum Auto. Fieberhaft kramte sie ihre Silberketten hervor, während Eric hinter ihr nun den Überraschungsmoment verloren hatte und von den verbliebenen 4 Vampiren in einen ernsthaften Kampf verwickelt wurde.
Sookie wickelte sich wieder einige Ketten um die Hände und rannte sehr sehr wütend wieder zurück. Warum dachte jeder Vampir, den sie traf, sie würde sich so einfach von ihm aussaugen lassen?
Rasend vor Wut schlug sie auf jeden Vampir ein, der ihr in die Quere kam, wobei sie versuchte, Eric nicht unbedingt zu treffen. Naja, sie versuchte es auf jeden Fall ein bisschen.
Schmerz durchfuhr sie, als eine der Frauen ihre spitzen Fingernägel in ihren Nacken bohrte und sie hoch hob. Das ging zu weit. Viel zu weit.
Die Fee konzentrierte sich, wie sie es in endlosen Stunden gelernt hatte und griff nach ihrem eigenen goldenen Licht. Mit einem lauten Schrei warf sie dieses Licht auf ihre Widersacherin, es entlud sich in einem grellgelben Strahl und ihr Ziel sackte kokelnd zusammen.
Eric warf ihr einen anerkennenden Blick zu und schlug seinem Gegenüber den Kopf ab.
Sookie erstarrte, als sie hörte wie die Vögel zu zwitschern begannen. Der Sonnenaufgang war nahe.
Sie wickelte dem nächsten Vampir in ihrer Nähe zwei Silberketten um den Hals, wie genau sie das wieder schaffte, wusste sie auch nicht, und rannte dann in Erics Richtung. Der kämpfte gerade mit dem letzten verbleibenden Gothicvampir.
Der schaffte es tatsächlich, den wesentlich Älteren wegzustoßen, sah sich kurz um und rannte dann in Richtung Friedhof davon.
Das wäre ja alles kein Problem gewesen, doch Eric war auf die Vampirfrau gefallen, die Sookie kurz vorher mit den Silberketten außer Gefecht gesetzt hatte. Jetzt zog sie ein Messer aus einer Falte ihres Rockes und stach mehrmals auf den Wikinger ein.
Ärgerlich entwand er ihr das Messer nach dem ersten Schockmoment und trieb es ihr in die Brust. Das brachte ihr zwar nicht den Wahren Tod, schwächte sie aber soweit, dass sie sich erst einmal nicht mehr rühren konnte.
In diesem Moment flitzen die ersten Sonnenstrahlen durch das dünner werdende Blätterdach und trafen genau auf Eric.
Sookie schrie auf und sprang ihm zur Seite.
„Verdammt, kannst du nicht besser aufpassen?" tadelte sie ihn und er grinste sie mit blutigen Lippen an. „Ich merks mir fürs nächste Mal…" Er hustete und Sookie gefiel es gar nicht, das er Blut spuckte. Außerdem schloss sich die Wunde an seiner Unterlippe nicht.
„Wann hast du dich das letzte Mal genährt?" fragte sie alarmiert. Auf seinen Blick hin zog sie eine Grimasse. „Das darf doch nicht wahr sein!" widerwillig hielt sie ihm ihren Unterarm hin. „Los, mach schnell, wir müssen rein!" Sie kniff die Augen zusammen.
Es ging schnell und dafür war Sookie sehr dankbar. Er nahm ein paar tiefe Züge, da schlossen sich seine Wunden auch schon wieder.
Eric sah zu ihr hoch, die Sonne strahlte Sookie von hinten an und zauberte einen Kranz aus Licht um ihr Gesicht.
„Jetzt verstehe ich, warum du den Tag vorziehst…" murmelte er.
Sie sah ihn verwirrt an und half ihm dann auf.
„Los, du musst ins Haus! Du weißt, das mein Blut nicht lange vorhalten wird!"
Sie gingen zum Haus, doch auf der Veranda blieb Eric stehen. „Was ist denn jetzt schon wieder?" Er sah sie mit diesem bedeutungsvollen Blick an. Sookie rollte genervt mit den Augen. „Komm bitte rein. Das geht mir langsam auf den Geist."
Im Flur meinte er dann: „Du solltest einfach die Einladung nicht wieder zurück ziehen." Er griff nach ihrem Handgelenk und verrieb ein Tropfen seines Blutes auf der Wunde, die sich daraufhin sofort schloss. „Wo kann ich mich zur Ruhe legen?" Die Fee dachte kurz nach und deutete dann auf eine Tür unter der Treppe. „Da runter geht es zu einem kleinen Keller, nicht mehr als ein winziger Raum…"
Eric öffnete sie und roch nach unten. „Na danke…" fluchte er, stieg aber trotzdem nach unten.
Sookie musste sich einige Sekunden sammeln.
Leicht durcheinander starrte sie auf ihr Handgelenk, wo die beiden kleinen Wunden nicht mehr als zwei Stecknadelköpfe große Punkte waren, und auch die verblassten langsam.
Wie genau war es gekommen, dass sie nicht mal eine Woche nach ihrer Rückkehr einen Vampir in ihrem Haus übernachten ließ und dass sie sich gegenseitig schon wieder einmal das Leben gerettet hatten?
Einen hungrigen Vampir!
Einem Gedankenblitz folgend lief sie zum Kühlschrank, hatte sie da die letzten Tage nicht immer etwas geflissentlich übersehen, in der letzten hinteren Ecke?
Tatsächlich, anscheinend hatte Jason nach ihrem Verschwinden ihren letzten Einkaufszettel gefunden und für sie eingekauft, wobei das Meiste davon in der Zwischenzeit schlecht geworden war. Aber die Flasche Tru:Blood B negativ hatte an der kühlsten Stelle im Kühlschrank gestanden und dem Verfallsdatum nach war sie noch gut.
Auf dem Weg zum kleinen Kellerraum nahm Sookie noch eine alte Decke mit.
Sookie klopfte vorsichtig an der Tür und fragte sich gleichzeitig, ob sie wirklich in ihrem eigenen Haus an einer Tür klopfen musste, die zu einem ihrem kleinen Keller führte in der ein Vampir schlafen würde, wegen dem sie regelmäßig in Lebensgefahr schwebte…
Sie stieß die Tür auf. „Bist du noch wach?"
„Es ist ja nicht so, das ob ich tagsüber schlafen würde." Brummte Eric zurück. Gegen ihren Willen musste die Fee lächeln, dann stieg sie die Treppe hinunter. Die letzte Stufe zerbrach unter ihr und sie stolperte. Bevor sie auf den Boden aufschlug fand sie sich in seinen Armen wieder.
„Ich hab dir eine Decke mitgebracht." Murmelte sie und atmete tief durch, als er sie wieder auf ihre eigenen Füße stellte.
Diesmal blieb der erwartete Wirbel in ihren Eingeweiden aus, war sie deswegen etwa enttäuscht?
Sookie hielt Eric die Flasche Tru:Blood unter die Nase. Er sah die Flasche unwillig an.
„Du erwartest nicht wirklich das ich das esse, oder?"
„Erwartest du etwa, dass du dich weiterhin von mir nähren darfst?" schnaubte sie zurück. „Meine Mikrowelle ist kaputt, du wirst dich also mit Kühlschranktemperatur abfinden müssen."
Er nahm die Flasche in die Hand und betrachtete sie widerwillig. „In früheren Zeiten…" - er setzte sich auf einen alten Stuhl und wieder schaffte er es so zu wirken, als ob er sich in einem Palast auf seinen rechtmäßigen Thron niederließ - „…in früheren Zeiten bedeutete kalte Nahrung für uns Gift. Vampire gehen an nekrotischem Blut drauf."
Trotzdem machte er den Deckel auf und roch daran. „Und das hier riecht auch wie nekrotisches Blut."
Sookie beobachtete ihn interessiert.
„Was bedeutet nekrotisch?" Er lachte bellend. „Es bedeutet tot. Totes Blut."
Sie verzog das Gesicht. „Das ist ja ekelhaft."
Eric grinste sie an. „Genau das ist es." Dann trank die Flasche auf einen Zug aus. Angewidert gab er sie der Fee zurück. „Ich hoffe, du bist jetzt glücklich!"
Leichtfüßig übersprang sie die zerbrochene Stufe und blieb auf der Mitte stehen.
„Ja, bin ich. Gute Nacht. Oder guten Tag. Mir egal."
Sie wollte gerade weiter gehen, als:
„Sookie."
„Ja?"
„Ich werde morgen früh dein Blut brauchen."
„Vergiss es."
„Da schläft ein junger Vampir auf dem Friedhof ganz in deiner Nähe und ich denke wir könnten sagen, dass er es auf dich abgesehen hat. Was ist, willst du das ich ihn bekomme bevor oder nachdem er dich getötet hat?"
Sie zuckte zusammen. „Gut, in Ordnung. Aber nur noch dieses eine Mal!"
Zum Glück konnte sie sein Gesicht in dem Dunkel unter ihr nicht richtig sehen, aber sein Grinsen glühte ja fast durch die Finsternis.
„Weck mich zwanzig Minuten vor Sonnenuntergang."
Sookie nickte nur noch und schloss dann die Tür hinter sich.
Todmüde sank sie in ihr weiches Bett.
‚Bitte heute keine Träume…'
