Kapitel 7: Rhaegar II


Was wären die Menschen ohne die Frauen?
Rar, sehr rar." (Der US-amerikanische Schriftsteller Mark Twain)


Harrenhal, 279 n. A. E.

Es war ein interessanter Gedanke, dass derjenige der das Urteil sprach, es auch ausführen musste. Dafür brauchte es Mut. Oder Verrücktheit. Sein Vater würde sicher nicht davor zurückschrecken, die Männer auch selbst zu verbrennen. Das würde seinen Wahnsinn allerdings wahrscheinlich nur noch steigern.

Dennoch empfand er Lady Lyannas Worte als sehr interessant. Sie war sehr ehrlich. „Bitte sprecht nicht mit anderen über das Thema", sagte Rhaegar eindringlich zu den beiden Mädchen. Sie wussten schon viel mehr als alle anderen in Harrenhal.

Aryana runzelte die Stirn. „Darüber das Lady Cersei von Attentätern in Braavos wahrscheinlich das Gesicht abgezogen wurde?" „Genau darüber", bestätigte Rhaegar ihr. Aryana hatte auch diese direkte Ader, wie ihre Schwester. Wahrscheinlich war es ein Merkmal der Stark Familie.

„Oder von einem Mitglied des Haus Bolton. Die häuten ihre Feinde auch", sprach Lyanna etwas an, über das Rhaegar auch noch nicht nachgedacht hatte. Er hatte so viel nicht in Betracht gezogen. „Natürlich nur inoffiziell."

„Inoffiziell sind ihre Hallen auch mit den Häuten vieler Mitglieder des Hauses Stark geschmückt", ergänzte Aryana. „Aber sie ziehen nicht das Gesicht ab, sondern nur die Haut vom restlichen Körper."

„Wie beruhigend", spottete Ser Oswell.

Auch bis in den Süden gab es Gerüchte über das Haus Bolton. Das steigerte bei vielen Menschen die schlechte Meinung über den Norden.

„Lya! Arya!", schrie eine kräftige Stimme und die beiden jungen Frauen wandten sich kurz um. Zwei junge Männer näherten sich, die ebenfalls das Haussiegel der Starks trugen. Als sie Rhaegar sahen, blieben sie stehen und verbeugten sich. „Eure königliche Hoheit", begrüßten sie ihn.

Mit einer kurzen Musterung konnte Rhaegar die beiden Männer einordnen. „Lord Brandon Stark und Lord Eddard Stark." Der erste Mann, war der Erbe von Winterfell und der zweite Sohn war ein Mündel von Jon Arryn. Er musste alle seine Vasallen genau kennen, da es seine künftigen Verbündeten waren. Außerdem konnte er früher auf sie angewiesen sein, als er ursprünglich mal wollte.

Lady Lyanna sah verwirrt zwischen ihnen hin und her und als hätte sie erst jetzt begriffen wer er war, machte sie einen Knicks. Aryana stattdessen verbeugte sich nachträglich, anstatt einen Knicks zu machen.

„Entschuldigung, eure königliche Hoheit, wir wollten nur unsere Schwester Lyanna und Aryana für den Abend abholen", sprach Lord Brandon. Rhaegar nickte ihm zu. „Es hat mich gefreut eure Bekanntschaft zu machen. Wir sehen uns auf dem Eröffnungsfest."

Bevor die Starks alle gingen, wandte sich Aryana noch einmal um, aber nicht zu ihm. „Bis heute Abend, Dummkopf", verabschiedete sie sich von Arthur, der unglücklich aussah. „Mein Name ist Arthur!", rief er ihr hinterher. Aryana lächelte und es wirkte irgendwie charmant – für ihre Maßstäbe. „Ich weiß."

Ser Oswell lachte darüber und Rhaegar klopfte seinen Freund auf die Schulter. Er hatte das sichere Gefühl, das Arthur das Mädchen mochte. Vielleicht würde er beim Fest die Gelegenheit haben mit ihr zu tanzen oder beim Turnier sie zu beeindrucken. Obwohl sich Rhaegar nicht sicher war, ob Aryana von sowas beeindruckt werden konnte. Vielleicht sollte er sie zur Ritterin schlagen? Wenn sie geschickt genug war, hätte er damit kein Problem. Es würde sie vielleicht glücklich machen der erste weibliche Ritter zu sein.

„Ser Gerold, ich will alles wissen, was ihr über die Gesichtslosen Männer in Braavos erfahren könnt und am besten auch alles über das Haus Bolton."

Es waren die einzigen Spuren, die Rhaegar hatte und er hatte sie von zwei jungen Frauen erhalten. Dennoch musste er ihnen nachgehen.

Mit Zustimmung seiner Frau eröffnete Rhaegar den Tanz mit der Tochter von Lord Whent, um den vorgeschobenen Anlass zu ehren. Eine von vielen Bedingungen für seine Mithilfe in der Verschwörung war es, das Rhaegar einen sehr hohen Lord für das Mädchen fand.

Sein Blick fiel von seiner Frau Elia zu Lady Lyanna, die ein schlichtes weißes Kleid trug mit grauen Stickereien, die er von seiner Position aus nicht genauer erkennen konnte. Ihr geschworenes Schild Aryana sah nicht viel anders aus, als die beiden anderen Male, wo er sie gesehen hatte. Sie wich nicht von Lyannas Seite.

Den zweiten Tanz tanzte er mit seiner Frau Elia und andere Paare kamen dazu, wodurch die Aufmerksamkeit von ihm abglitt. Arthur tanzte mit seiner Schwester Ashara und er sah Lyanna, die fröhlich lachte, als ihr Bruder Brandon sie zur Tanzfläche führte. Aryana allerdings nahm ihren Platz ein und unterhielt sich mit Eddard Stark, wobei keiner von ihnen den Anschein erweckte, als wollten sie tanzen. Er hätte sich denken können, dass es in diesem Punkt kaum Chance für seinen Freund bestand.

„Woran denkst du, Rhaegar?", fragte Elia ihn und er sah zu ihr hinab. Sie war nicht allzu klein, aber zurzeit beunruhigend schlank. Die letzte Schwangerschaft hatte sehr an ihr gezerrt.

„Zurzeit an das Glück von Arthur", gestand er ehrlich, da er für den Abend alle Gedanken an den Mord verbannt hatte. Er wollte auch seine Frau nicht damit beunruhigen. „Er ist verliebt, wusstest du das?"

„Wirklich?", fragte Elia begeistert und interessiert. „In wen?"

Rhaegar drehte sie geschickt, sodass er mit den Kopf in die richtige Richtung deuten konnte. „In das Mädchen dort in der männlichen Lederkleidung. Sie ist das geschworene Schild von Lady Lyanna Stark und obwohl es keiner ausspricht wahrscheinlich ihre Halbschwester. Ihr Name ist Aryana und Arthur benimmt sich in ihrer Gegenwart amüsant lächerlich."

„Oh der Arme", sagte Elia mitleidsvoll. „Das musste das erste Mal sein, das er verliebt ist. Er hat sich nie viel für Mädchen interessiert. Arthur hat bisher nur den Schwertkampf und seine Schwester geliebt."

Rhaegar wusste es ein wenig besser, als seine Frau. Arthur war sein bester Freund, daher sprachen sie viel miteinander. Tatsächlich hatte Arthur ein paar Beziehungen gehabt, meist mit dornischen Frauen, aber er war wirklich noch nie verliebt gewesen. Kein Mädchen hatte ihn bisher mehr als sein Schwert interessiert.

„Vielleicht mag er Aryana deswegen so sehr. Sie trägt ein Schwert und einen Dolch mit sich", erzählte er seiner Frau ein wenig Tratsch. Wahrscheinlich würde sie es lieben sich darüber mit Ashara auszutauschen. „Sie ist auch nicht auf den Mund gefallen."

Elia schien der Gedanke zu gefallen. Sie schaute lächelnd von Arthur zu dem Mädchen. Hoffentlich würde sie das für den Rest des Abends beschäftigen. Rhaegar wollte nicht, dass sie weiter an den Mord dachte. Seit sie davon gehört hatte, war sie aufgeregt und wollte sogar abreisen. Ihre Anwesenheit hier war viel zu wichtig. Außerdem würde sein Vater so etwas wahrscheinlich sowieso nicht zu lassen, da er dann wieder ein Komplott befürchtete. Leider waren Elia und seine Kinder oft zu einer Versicherung für seinen Vater gegen ihn geworden. Es war Zeit, dass sich etwas änderte.