Immer wieder küssten und berührten sie sich und den Rest der Welt vergaßen sie einfach. Als John am Abend nach Hause kam, wollte er auf direktem Weg zu Dean ins Zimmer. Mary hielt ihm am Arm fest und meinte nur: „Nicht, Sam ist bei ihm."
„Oh, dann sollte ich mich wohl vorher bemerkbar machen", grinste er und ging zurück zur Haustür, von der er „Hallo, ich bin zu Hause!" rief.
Die Jungs fuhren auseinander und sahen sich erschrocken an. „Ich glaube…ich sollte…" stammelte Sam leicht überfordert mit der Situation.
Dean sah ihn beruhigend an. „Bleib hier, setz dich zu mir und wir reden. Ist ja nichts Ungewöhnliches dabei."
Sam setzte sich auf, fuhr sich mit den Händen durch die Haare und richtete die Bettdecke etwas. Kurz drauf ging auch schon die Tür auf und John steckte seinen Kopf durch den Spalt. „Hey ihr zwei. Wie geht's dir Dean?"
„Danke, mein Kopf mault zwar noch etwas rum, sonst geht's mir blendend", lächelte er den Mann an, der für ihn sein Dad war. „Gut Junge. Ihr sollt essen kommen, auch du Dean. Deine Mum meinte, du kannst dich danach gleich wieder hinlegen."
„Okay Dad, wir kommen", antwortete Sam.
„Gut, bis gleich."
Dean sah den Jüngeren fragend an. „Hey, ist alles klar?" Sam senkte seinen Kopf und meinte: „Dean das ist nicht richtig, ich meine, wir sind doch Brüder."
„Nein, sind wir nicht."
Sam sah überrascht auf. „Ach nein?"
Dean fing an zu lachen. „Nein Sam, es glauben nur alle, dass wir Brüder sind. Wir sind aber nicht Blutsverwandt, also ist es deswegen kein Problem."
„Ja das weiß ich, aber du bist seit dem ersten Moment mein großer Bruder. Es fühlt sich jetzt komisch an." Als er jedoch Deans erschrockenen Gesichtsausdruck sah schwächte er sofort ab: „Nein Dean! Nicht das ich es nicht will. Können wir es aber erstmal nur für uns behalten und schauen wie es sich entwickelt?"
„Ähm, ich glaube Mum und Dad wissen es schon", dabei traute er sich Sam wieder nicht anzuschauen.
„Darüber hast du mit ihr gesprochen?" fragte er leicht fassungslos. Dean nickte nur.
„Ja und?"
Dean sah Sam an als er erklärte: „Von ihr weiß ich, dass es gesetzlich nicht verboten ist und sie war auch gar nicht überrascht. Sie haben es schon vorausgesehen und sich erkundigt."
„Echt jetzt?" Sam wusste nicht, was er davon halten sollte.
„Ich hab gleich reagiert wie du. Deswegen konnte ich auch nicht mit dir darüber sprechen. Ich versteh, wenn du dir das alles noch mal überlegen willst."
Sam seufzte laut und nahm Deans Hand in seine. „Ich will es probieren, aber erstmal nur für uns, ohne Einfluss von außen, denn ich weiß nicht ob wir dem jetzt standhalten können." Dean lächelte ihn wieder an. „Alles was du willst, solange du dich jetzt nicht zurückziehst", sagte er und küsst ihn.
„Wir sollten jetzt essen gehen, sonst kommen sie uns noch holen", sagte der Jüngere leise.
„Hast recht, los komm."
Sam ging vor, weil Dean noch mal kurz im Bad verschwand. Als er sich etwas frischer fühlte, fiel ihm etwas ein und er beeilte sich, um in die Küche zu kommen.
„Wo ist eigentlich mein Auto?" wollte er gleich von der Türe aus wissen. Die anderen drei fingen an zu lachen. Es war so typisch Dean, wie er da planlos und fragend stand. Sam wäre am liebsten zu ihm gegangen, hätte ihm versichert, dass es dem Auto gut geht und ihn küssend auf andere Gedanken gebracht.
Da sie aber nicht alleine waren, beschränkte er sich auf das erste. „Deiner Kleinen geht es gut, ich hab sie heute nach Hause gefahren und Dad war auch schon bei ihr. Es ist alles in Ordnung."
„Du hast meine Kleine gefahren? Hast du ein Glück, dass ich nicht da war."
„Wär's dir lieber gewesen, ich hätte Chuck fahren lassen?"
„Spinnst du? Du bist die einzige Ausnahme bei meinem Fahrverbot für jedermann, naja und Dad."
John lachte schon wieder. „Schon gut, wir wissen, dass du sie liebst. Keine Angst."
„Das ist nicht witzig", grummelte Dean und setzte sich an den Tisch. Sam nahm den Salat und setzte sich ebenfalls. Da ihre Eltern beide mit dem Rücken zu ihnen standen, streckte er seine Hand aus, legte sie auf Deans Oberschenkel und drückte leicht zu.
Dean nahm das Friedensangebot an, indem er seine Hand noch drauflegte und mit dem Daumen zärtlich über Sams Handrücken strich. Sie lächelten sich noch mal verliebt an, dann begannen sie Salat und die Beilagen auf ihre Teller zu schaufeln.
Mary kam mit dem Fleisch und sie unterhielten sich alle miteinander. Als sie fertig waren, fragte Sam, ob Dean sich mit ihm noch einen Film ansieht, was Mary aber sofort verneinte.
„Ach Mum, was soll ich denn sonst machen?" quengelte Dean gleich.
„Du mein Lieber gehst wieder rauf und legst dich hin, der Fernseher bleibt für heute aus. Vielleicht, wenn du lieb bist, leistet dir ja dein Bruder noch Gesellschaft."
Dean musste sich stark zusammenreißen um ein versautes Grinsen zu unterdrücken und Sam stand ganz plötzlich auf, um die Teller abzuräumen. Was beide nicht mitbekamen war, dass John und Mary sich verschwörerisch zuzwinkerten.
So lange die Jungs ein Geheimnis vor ihnen hatten, fanden sie, dass sie ein bisschen Spaß damit haben durften. Ernst würde es noch früh genug werden.
