Zaubertränke und ein neuer Lehrer
Harry paukte wirklich für den Rest der Stunde nur noch über die hohe Kunst der Animagie. Doch das war für ihn eindeutig zu schwer, noch zumindest.
Was Draco und Blaise anging, die waren damit beschäftigt sich in Tiere zu verwandeln. Was ihnen nicht so leicht wie Harry gelang. Ein wenig neidisch war Draco schon, aber so etwas zeigt ein Malfoy nun mal nicht.
Als Verwandlung vorbei war, wurde Harry erst einmal von allen Slytherins gelobt. Zum einen für den hervorragenden Zauber. Zum anderen für 80 Punkte an seinem ersten Tag in Slytherin.
Doch Harry wusste, dass alles war nur eine Maske, denn die wahren Slytherins trauten ihm nicht, bis auf Draco und Blaise.
Doch lange hatten die drei Slytherins keine Zeit. Denn als nächstes hatten sie Zaubertränke. Und Harry wollte Snape nicht schon am ersten Tag eine Gelegenheit geben, ihm eine Strafarbeit zu erteilen. Obwohl er jetzt in Slytherin war, konnte er sich einfach nicht sicher sein, dass Snape ihn anders behandeln würde. Er hatte so ein merkwürdiges Gefühl in der Magengegend, als würde an diesem Tag noch etwas geschehen.
So standen die drei vor der Tür und warteten auf ihren Hauslehrer. Harrys mulmiges Gefühl wurde von Minute zu Minute stärker. Doch ehe er sich entscheiden konnte, die Stunde sausen zu lassen, und stattdessen in den Krankenflügel zu gehen, schwang die Tür auf und ließ die Klasse ein.
Am Pult wartete schon ihr Lehrer, mit dem fettigen schwarzen Haar und der Hakennase, ungeduldig auf sie.
„Ruhe!", ermahnte sie Severus Snape, „ Wie sie bestimmt schon bei Professor McGonagall bemerkt haben werden heute hauptsächlich die Kunst der Animagie behandelt, so auch in meinem Fach. Sie werden heute den Angaartrank brauen. Dieser Trank erlaubt ihnen eine Illusion ihrer Animagiegestalt zu betrachten. Der Trank erfordert Präzisionsarbeit und nichts anderes erwarte ich von einem UTZ-Kurs. Das Rezept steht in ihrem Buch auf Seite 209. Suchen sie sich einen Partner und gehen sie dann an die Arbeit!"
Harry wusste es. Snape konnte ihn immer noch nicht ausstehen. Diese Ignorieren-Taktik hatte er doch schon einmal verwendet. Es würde genau dasselbe Spiel sein wie all die Jahre zuvor. Doch er musste stark bleiben. Er durfte Snape nicht die Genugtuung geben ihn besiegt zu haben.
„Neville, wollen wir zusammen einen Trank brauen?" Harry fragte absichtlich Neville, denn der war so schlecht, dass niemand mit ihm freiwillig einen Trank brauen würde. Umso mehr erschütterte ihn dessen Antwort.
„Was soll ich denn mit einem schleimigen Slytherin wie dir? Verzieh dich, du wertloser Abschaum!" Wie zur Unterstreichung seiner Worte blickten ihn alle Gryffindors hasserfüllt an.
„50 Punkte Abzug für Gryffindor, wegen Beleidigung eines Schülers," bahnte sich Professor Snapes ölige Stimme ihren Weg durch den Kerker.
Harry war plötzlich verwirrt. Hatte Snape gerade für ihn Partei ergriffen? Das war doch nicht möglich, das Snape so etwas tun würde. Doch da kamen ihm die Worte seines neuen Hauslehrers in den Sinn.
„Außerhalb des Gemeinschaftsraums halten wir alle zusammen. Kein Slytherin demütigt, beleidigt oder streitet mit einem anderen Slytherin."
Doch könnte sich Snapes Verhalten wirklich geändert haben? Harry wusste es nicht.
„Komm Harry. Du kannst mit mir einen Trank brauen," holte ihn Pansy Parkinsons Stimme zurück in die Realität.
„Sehr gerne, Pansy" antwortete Harry.
(Ohhh… Ginny würde Harry für diese Worte wohl am liebsten den Kopf abreisen. Doch sie war in einer anderen Klasse und erfuhr nie etwas über sein „Sehr Gerne, Pansy")
Harry musste feststellen, dass er eigentlich ein ganz passabler Tränkebrauer war, wenn Snape ihn einmal nicht mit Blicken zu töten versuchte. Was man leider von Pansy nicht behaupten konnte. Beinahe hätte sie den ganzen Kerker in die Luft gejagt. Hätte Harry sie nicht davon abgehalten, das Drachenblut anstatt des Feuersalamanderblutes in den Trank zu geben. Das brachte ihm, von Snape, 30 Punkte für Slytherin ein. Der Professor meinte, nur ein Schüler mit großem Verständnis für Zaubertränke hätte das Blut eines Feuersalamander von dem Drachenblut unterscheiden können.
Und am Ende der Stunde war es dann auch soweit. Die Schüler durften den Trank testen, doch nicht irgendeinen Trank, sondern den Besten. Und das war der von Harry und Pansy.
Zum ersten Mal fühlte sich Harry von den Slytherins ehrlich geehrt.
Harry durfte als erstes den Trank probieren. Er schmeckte grauenhaft! Doch sobald der Trank seine Kehle erreichte spürte Harry dessen Wirkung. Ihm wurde plötzlich sehr warm und er sah nur noch blaues Licht. Harry konnte gut eine Minute lang nichts mehr wahrnehmen als das Licht, und dann war es vorbei.
Harry stand nun einem Phönix gegenüber, der ihn aus blutroten Augen anzustarren schien. Er war wunderschön und zugleich Furchteinflößend. Harry konnte nicht lange seine Animagiegestalt bewundern, denn Ron schritt mit einem fiesen Grinsen einfach durch den Phönix hindurch und Harry konnte ihn nicht vollständig in Augenschein nehmen.
„So ein Lächerlicher Vogel ist doch Scheiße gegen meine Animagiegestalt!"
„10 Punkte von Gryffindor!" Schnauzte ihn Professor Snape an.
Doch das schien den Gryffindor nicht zu stören, er schöpfte sich von Harry Trank und trank einen großen Schluck. Doch es war kein blaues Licht zu sehen wie Harry rasch bemerkt hatte. Doch dann war es ihm klar, das Licht blendet nur den Trinkenden.
Ein paar Sekunden später stand neben Ron auch schon sein Seelentier, wie man die Animagiegestalten auch nannte. Es war auf keinen Fall so beeindruckend wie Harrys Phönix, im Gegenteil. Es war eher ekelhaft. Neben Ron stand/lag ein kleiner Mistkäfer.
Ron wich sämtliche Farbe aus dem Gesicht. Sein Tier war keinesfalls groß und furchteinflößend. Eher klein und ekelerregend.
„Passt doch wie die Hand aufs Auge!" verbreitete sich Malfoys schnarrende Stimme im Zaubertränkeklassenzimmer. Daraufhin begannen alle Slytherins lauthals zu lachen, und Harry hätte schwören können zu sehen, wie Snape einmal kurz davor war selbst loszulachen.
Ooo
Nach Zaubertränke gingen die drei Slytherins zusammen in die große Halle um dort zu Mittag zu speisen.
„Ähm… Draco? Wer ist eigentlich der neue Lehrer für Verteidigung gegen die dunklen Künste? Als Dumbledore das bekannt gab, muss ich gerade bei Snape gewesen sein," fragte der schwarzhaarige Slytherin den Blonden.
Ein Schmunzeln zeichnete sich plötzlich auf Dracos Gesicht ab. „Das weißt du nicht? Du wirst staunen wer es ist. Es ist ein überaus begabter Lehrer, aber auch sehr streng."
„Wer?"
Dracos Grinsen wurde noch breiter. „Es ist der ehrenwerte Professor Lucius Salazar Malfoy."
Harrys Kinnladen fiel fast auf den Tisch, so erstaunt war er.
„Dein Vater? Aber warum sitzt er nicht am Lehrertisch?"
„Er muss noch irgend etwas besprechen, oder so was. Aber keine Angst, du bist ein Slytherin, und darum wird mein Dad dich auch nicht benachteiligen."
„Hoffentlich. Aber jetzt essen wir erst einmal."
Draco grinste innerlich vor sich hin. Langsam aber sicher lernte Harry wie man eine gleichgültige Maske aufsetzte, und seine Angst verbirgt. Früher hätte man Harry nur mit Gewalt zum Unterricht von Professor Malfoy bringen können.
Nach dem Essen gingen die beiden Slytherins wieder zum Unterricht.
Vor der großen Eichentür, die in das Verteidigungsklassenzimmer führte, mussten sie nicht lange warten, doch in Harry stieg wieder dieses ungute Gefühl auf. Er würde jetzt gleich im selben Raum sein wie einer von Voldemorts Todessern. Was sollte er tun? Vielleicht würde der dunkle Lord seinen Wechsel nach Slytherin als Zeichen sehen, dass er zu ihm überlaufen möchte. Also würde Lucius ihn nach der Stunde zurückrufen, damit er ihnen beitrat.
Doch Harry kam nicht dazu weiter zu überlegen was nun mit ihm passieren würde. Denn die Tür zum Klassenzimmer hatte sich geöfnet. Er würde sehen was passiert.
