Carlisles POV:

Die Nacht war so lang wie ich erwartet hatte. Bella hatte sehr viele Albträume und sie schrie im Schlaf. Ich hatte Angst, dass sie dadurch Charlie aufweckte, aber sie beruhigte sich immer sobald ich ihr meine Hand auf die Stirn legte. Ich war erleichtert, dass es so leicht war ihre Albträume zu verjagen, auch wenn ich mir nicht erklären konnte, wie meine Berührungen so eine Wirkung haben konnten.

Es hatte begonnen zu Dämmern, man konnte die Sonne über dem Horizont langsam erkennen. Ich wusste, dass Bellas Wecker bald klingeln würde.

Ich saß die ganze Zeit im Schaukelstuhl, außer wenn ich sie beruhigen musste. Es war hart gewesen, das Schlagen ihres Herzens zu hören, wenn die Albträume begannen. Sie hatte sich im Bett herum gewälzt und erst als es schlimmer wurde, bin ich zu ihr gegangen und hatte sie beruhigt.

Ich wusste, dass es kein Zurück gab. Ich habe sie gefragt, ob sie will dass ich zu ihr reinkomme, nicht anders rum. Aber ich wusste auch, dass ich dasselbe nochmal machen würde, wenn ich eine andere Chance bekommen würde. Ich hatte es immer gemocht Leuten zu helfen, ihren Tag heller zu machen. Aber bekam selten die Möglichkeit meiner Familie zu helfen, sie sind alle so stark und unabhängig.

Ich beobachtete die schlafende Bella. Sie schien jetzt so ruhig und sorgenfrei. Das ganze Zimmer war mit Frieden erfüllt, ich hatte sowas noch nie zuvor gesehen. Sie murmelte irgendetwas während sie schlief, aber es war nicht klar genug um es zu verstehen. Ich bedauerte, dass sie nicht für immer so sorgenfrei bleiben konnte, aber sie würde bald aufwachen und die Erinnerungen würden zurückkommen und sie würde Albträume erleiden musste, selbst wenn sie wach war.

Ihr dunkles Haar umgab ihr elfenbeinfarbenes Gesicht und sie hatte blaue Augenringe vom Schlafmangel. Wenn es nicht den Rosa Ton ihrer Backen und das Schlagen ihres Herzens gegeben hätte, hätte sie selbst einen Vampir täuschen können. Sie war wunderschön, aber sie gehörte nicht in den Schatten wie wir. Vielleicht sollte ich sie besser mit einem Engel vergleichen.

Der Wecker begann zu klingeln und sie begann sich zu drehen. Sie saß schließlich im Bett, dann gähnte und streckte sich und öffnete schließlich die Augen.

"Carlisle?"

Sie sah überrascht aus, vielleicht hatte sie nicht angenommen, dass ich die ganze Nacht blieb.

"Guten Morgen Bella!"

Sie lächelte schüchtern und blickte hinab.

"Hast du...ich meine...bist du die ganze Nacht hier gewesen?"

Sie blickte, wahrscheinlich weil sie verlegen war, nicht auf um die Antwort in meinen Augen zu sehen. Ich lächelte.

"Natürlich Bella."

Ihr Gesicht war nicht mehr blass, es hatte einen roten Schein bekommen.

"Uh, ich wollte dir keine Umstände machen. Du hättest auch nach Hause gehen können."

"Sollte ich gegangen sein?"

Sie schaute mich jetzt mit ihren großen braunen Augen an.

"Nein. So meinte ich es nicht. Ich wollte nicht dass du denkst du musst Babysitten. Ich kann auf mich selbst aufpassen."

Sie wand sich wieder ab. Es schien, als wollte sie nicht das Menschen wussten was sie fühlte.

"Bella. Ich hab dir gesagt, dass du das nicht alleine ertragen musst. Ich versprach für dich da zu sein, stimmt's?"

Plötzlich legte sie sich auf ihr Bett zurück, ihre Hände verdeckten ihre Augen.

"Ich fühle mich so dumm. Wir waren noch nie solange zusammen und ich habe noch nie sowas gefühlt. Irgendwas muss falsch mit mir sein!"

Ich kämpfte gegen den Drang an zu seufzen - wissend das ich es damit nur schlimmer gemacht hätte.

"Mit dir ist alles klar. Jeder geht mit einem gebrochenen Herzen anders um. Dein Vater hätte niemals wieder zu sich selbst gefunden. Manchmal muss man sich seinen Weg einfach suchen. Und ich glaube dass du gerade versuchst, alles zu vergessen."

Sie sagte nichts. Wir saßen nur dort und blickten uns einige Minuten lang an.

"Mist, die Zeit. Ich werde mich verspäten!"

Sie sprang aus dem Bett und nahm ihre Handtasche. Ich glaube dass es besser wäre wenn ich gehe. Es würde nur länger dauern, wenn ich hierbliebe.

"Bella? Ich denke es ist besser wenn ich gehe. Ich werde nochmal kommen, bevor ich zur Arbeit gehe!"

Ich hatte Nachtschicht, also würde ich um 22.00 Uhr im Krankenhaus sein müssen.

"Ok"

Ich öffnete das Fenster und kletterte hinaus, nachdem ich sicher war, dass mich niemand sah. Es würde Schwierigkeiten bedeuten, wenn mich jemand aus dem Haus den Chief´s am Morgen klettern sähe. Der Arzt mit 33 Jahren und die Schülerin mit 18 Jahren. Ein offizieller Altersunterschied von 15 Jahren.

Ich lief zu meinem Haus, an Alles und zugleich an Nichts denkend. Es hatte sich nach Einbruch angefühlt, als ich die Nacht weg war um Bella beim Schlafen zuzusehen. Sicher, ich hatte hunderte Leute im Krankenhaus schlafen sehen, aber ich hatte mir nicht die Zeit genommen, mich zu fragen, was sie träumten.

Ich erreichte das Haus und ging direkt in die Bibliothek. Ich musste auf andere Gedanken kommen und der beste Weg dafür, war das Lesen. Ich suchte fieberhaft nach einem Buch, dass ich noch nicht gelesen hatte, schließlich fand ich eines.

Bellas POV:

Ich hatte keine Zeit über gestern Abend oder heute Morgen nachzudenken. Ich war bereits zu spät, weil ich im Bett saß und auf Carlisle schaute. Was war geschehen? Ich glaube dass es der Schlafmangel war.

Ich hatte nicht die Zeit irgendetwas zu tun, schnell nahm ich mir meine Kleidung und band die Haare zu einem Zopf. Ich würde heute in die Schule ohne Frühstück gehen müssen. Ich ergriff meine Schultasche und rannte zum Transporter, fast stolpernd als ich die Tür erreichte. Ich starte den Motor und fuhr so schnell es mir das Auto erlaubte. Ich wollte es nicht schonwieder nach La Push bringen müssen.

Ich kam gerade rechtzeitig zur Schule. Ich stürzte ins Klassenzimmer, gerade als sich jeder gesetzt hatte. Ich konnte Jessica von hinten winken sehen, sie hatte einen Platz für mich. Ich dachte nicht, dass sie nachdem was im Kino geschah mit mir reden würde, ich hatte wie ein Zombie gehandelt. Aber ich ging nach hinten um mich zu ihr zu setzten.

"Soo?"

Sie hatte sich zu mir gedreht und ich konnte sehen, dass sie den neusten Klatsch hören wollte.

"So was?"

"Ich hörte, dass Dr. Cullen zurück ist. Ist seine Familie auch zurück?"

Also das war was sie wollte, sie wollte wissen ob er mit Edward zusammen zurückgekommen war. Sie würde enttäuscht sein.

"Nein, nur Carlisle ist zurückgekommen."

Ich würde aufpassen müssen was ich sagte. Offiziell hatte ich mit Carlisle noch nicht gesprochen und je mehr ich sagte, desto leichter würde es für Jessica sein Geschichten zu erfinden.

"Soo. Hat er sich mit dir in Verbindung gesetzt? Hast du mit ihm gesprochen?"

"Nein. Warum sollte er? Ich habe es von Charlie erfahren, sie haben in der Polizeistation darüber geredet."

Sie schien plötzlich weniger interessiert. Sie drehte sich zum Lehrer, aber ich war mir sicher dass sie ihm nicht zuhörte, was er sagte. Sie war wieder zum ignorieren zurückgekehrt.

Ich verbrachte den Rest der Stunde damit nachzudenken was am Wochenende alles passiert war. Mit meinem Auto, Jacob, Carlisle und all die Erinnerungen nicht zu vergessen, die ihren Weg zurück in meinen Kopf gefunden hatten. Man sollte denken, dass man nach dem Wochenende wieder neue Energie geschöpft hatte, aber ich war erschöpft.

Die Glocke gab schließlich das Zeichen, dass die Stunde beendet war und ich eilte schnell aus dem Klassenzimmer. Ich konnte meinen Magen knurren hören und dachte an das Mittagessen. Erst musste ich aber eine andere Stunde ertragen, bevor ich essen konnte.

"Bella!"

Lächelnd drehte mich um und sah Angela mit einen Lächeln auf mich zukommen. Wenigstens eine Person war glücklich mich zu sehen.

"Hallo."

Sie ging neben mir.

"Wie geht es dir? Ich meine nachdem Dr. Cullen zurück in die Stadt gekommen ist?"

Angela war so viel rücksichtsvoller als Jessica.

"Ich glaube mir geht´s gut. Warum sollte es mir nicht gut gehen?"

Sie schaute mich mit Unglauben an sagte aber nichts. Stattdessen drehte sie ihr Gesicht und wechselte das Thema.

"Kommst du mit uns nächste Woche mit an den Frist Beach?"

"Ich weiß nicht. Ich bin nicht eingeladen worden."

Sie hielt an.

"Oh. Jessica sollte dich fragen. Wir dachten das ist dir näher ist als wir."

Ich konnte hören dass sich Angela etwas verletzt anhörte. Ich bedauerte, dass ich Angela nicht den wahren Grund nennen konnte warum ich Jessica statt ihr mitgenommen hatte, aber es würde nur wieder Narben aufreißen.

"Nein. Jessica war wahrscheinlich zu beschäftigt gewesen, um sich zu erinnern. Aber ich würde lieber nach La Push fahren."

Sie lächelte wieder und wir gingen weiter. Angela ist wirklich fürsorglich, ich konnte es kaum glauben dass ich es auch geschafft hatte sie zu beruhigen.

Der Rest des Tages verging schneller als ich mir vorgestellt hatte. Leute wagten sogar mich während des Essens anzusprechen. Es gab so viele Dinge die geschehen waren, während ich geistig abwesend war. Lauren hatte sich zu uns gesetzt und dieses Mal schien sie ein Auge auf Mike geworfen zu haben, sie hatte auch ihre Haare wie Alice geschnitten. Jessica und Mike hatten sich getrennt und Mike schien erstaunt darüber, dass ich wieder mit anderen Leuten redete. Angela und Ben schienen sich näher zu sein als jemals zuvor, obwohl sie schon immer glücklich waren. Es nahm mir etwas Schuld wegen den Zombiemonaten.

Als es schließlich endlich klingelte, nahm ich schnell meine Tasche und ging auf den Parkplatz zu. Ich fühlte mich entlastet. Ich dachte nicht, dass es so leicht sein würde, wieder in mein altes Leben zurückzufinden.