Blut. Überall Blut. Egal wo man auch hinsah. Ich war auf einem großen Platz. Nichts, aber auch wirklich nichts war hier. Außer Leere. Das dunkelrote Lebenselixier war überall auf dem Boden, auf den Häusern, sogar auf den Bäumen verteilt.
Ich sah an mir herab und auch ich war mit Blutspritzer versehen. Doch es war nicht mein Blut.
Ein Gefühl, das mir nur allzu bekannt war machte sich wieder in mir breit. Angst, Verzweiflung, Einsamkeit. Mein Atem ging nur noch stockweise.
Ich war sehr darauf bemüht nicht in eine Panikattacke zu geraten.
Doch diese unerträgliche Leere die mich umgab, fraß mich förmlich auf.
Wie aus dem nichts wurde auf einmal alles stockdunkel. Eine unheimliche, dämonische Aura erfüllte nun den Platz. Doch es war niemand hier. Keine Menschenseele.
Ich wollte meinen Füßen befehlen, sich endlich in Bewegung zu setzen, doch sie waren wie angewurzelt. Es war so, als ob mich der Boden wie ein Magnet anzog und mich so an meiner Flucht aus diesem grauenvollen Ort verhindern wollte.
Auf einmal umschwirrte mich ein finsterer Schatten. Er säuselte in der Luft um meinen vor Schock erstarrten Körper herum.
Ich konnte eine Stimme hören. Eine dominante und geisterhafte Stimme. Die Worte erreichten mein Gehör zwar, aber nicht meinen Verstand.
Ich war zu sehr damit beschäftigt, nicht in Tränen auszubrechen und am schlimmsten von allem Schwäche zu zeigen.
Nun verdoppelte sich der Schatten. Und noch einmal. Und noch einmal.
Bis mich unzählige dieser dämonischen Schatten umgaben.
Ich kann nicht sagen, was mir in diesem Moment durch den Kopf ging. Es waren einfach viel zu viele Gedanken. So wie sich die Auren vermehrten, nahm auch die Anzahl der Stimmen zu.
Diese Stimmen schienen mich zu erdrücken.
Schweiß tropfte von meiner Stirn. Angstschweiß.
Was immer auch in diesem Moment vorgegangen war, es war die Hölle.
Diese Hölle schien sich immer mehr auszubreiten, als die Stimmen von leise immer lauter wurden.
Sie dröhnten mir in den Oren und ich war gezwungen mir die Hände auf die Ohren zu drücken, um nicht den letzen bisschen Verstand zu verlieren.
Die Auren kamen immer näher an meinen Körper heran und bewegten sich nun hautnah an ihm vorbei. Nun konnte ich auch endlich die Worte, die sie von sich gaben verstehen. „Sayo", mein Name.
Aber warum sollten sie meinen Namen sagen oder warum kannten sie ihn.
Was ging hier vor sich? Ich hatte keine Antworten auf diese Fragen.
Auf einmal durchstoß einer der pechschwarzen Schatten meinen Körper. Schmerz machte sich in mir breit. Ein unerträglicher Schmerz, als würden sich tausend Messer durch mich hindurch bohren.
Nach kurzer Zeit konnte ich diesem Schmerz nicht mehr länger Stand halten. Meine Füße unter mir gaben nach und ich sackte zu Boden.
Der Boden war kalt. Eiskalt. Diese Kälte, die vom Boden auskam, bereitet mir noch mehr Schmerzen. Der Boden begann bereits vor Kälte zu dampfen.
Immer mehr Schatten durchflogen meinen Körper. Doch ich konnte nichts tun. Nicht einmal Schreien. Meine Stimme hatte versagt. In diesem Moment wollte ich nichts sehnlicher als den Löffel abzugeben und mich ins Reich der Toten zu verabschieden.
Ich konnte mich diesem Druck, diesen Schmerzen, und dieser teuflischen Kälte einfach nicht behaupten.
„Sayoooo….Sayoo…Sayooo" Es hörte einfach nicht auf. „Sayoo….Sayoooo…Sayoooooooooo"
Ich war im Inbegriff meinen Namen zu hassen. Sie sollten endlich aufhören.
Ich drückte meine Hände fester gegen meine Ohren, in der Hoffnung ich würde sie nicht mehr hören. Doch das Gegenteil war der Fall. Sie wurden noch lauter als zuvor.
Mein Gesicht glich mittlerweile einem Tränenmeer. Ich konnte sie einfach nicht mehr zurückhalten.
Diese Seelenlosigkeit machte mich buchstäblich verrückt.
Mein leises vor sich hin Schluchzen verwandelte sich ruckartig in ein herzzerreißendes Weinen.
Was sollte ich nur tun? Die Lösung blieb mir noch immer verweigert.
Wie aus dem nichts erleuchtete auf einmal ein schwacher, aber doch erkennbarer Lichtstrahl den in Dunkelheit triefenden Platz. In diesem Moment schwirr mir einzig und allein der Gedanke im Kopf herum, dass dies der Himmel sein müsste. Doch dann fiel mir schnell wieder ein, dass ich nie im Leben in den Himmel gelangen, sondern in der Hölle vor mich hin schmoren würde. Ich war immerhin ein Akatsukimitglied. Ich weigerte mich zwar, Menschen zu töten, doch ich hatte immer dabei weggeschaut, als würde ich nichts davon wissen, während einer meiner Teamkollegen das zu Ende brachte. Also verbannte ich diesen Gedanken schnell wieder aus meinem Kopf.
Doch ich konnte es mir nicht erklären, was es mit diesem Licht auf sich hatte. Was hatte das zu bedeuten? Was ging hier vor sich?
Mein Herz drohte schon zu zerspringen. Ich spürte regelrecht, wie das Blut in Windeseile durch meinen Körper rauschte. Mir war es so wie so ein Wunder, wie mein Herz diese Pumpfähigkeit besaß. So schnell schlug es bis jetzt noch nie. Doch es war immerhin der Beweis, dass ich noch unter den Lebenden weilte.
Meine Gedanken wurden durch ein bestimmendes „Aufwachen" unterbrochen.
Nun verstand ich die Welt noch weniger. War das hier nur alles ein Traum oder war es doch die bittere Realität? Ich kniff meine Augen zusammen versuchte krampfhaft dem Befehl, der mir aufgetragen wurde, zu gehorchen. Doch ich war erfolglos.
Die Dunkelheit dominierte nun wieder den Platz und wiederrum musste ich gegen eine Panikattacke ankämpfen. Ach wie sehr ich die Dunkelheit doch verabscheute. Mir war es lieber qualvoll zu verbrennen, als in der Dunkelheit zu verweilen.
In diesem Moment verfluchte ich Pain.
Das wäre alles nicht passiert, wenn er mich nicht alleine auf diese Mission geschickt hätte. Es war alles seine Schuld. Im war ganz genau klar, dass ich es hasste alleine zu sein.
Nicht nachdem, was vor einigen Jahren passiert war. Schon allein der Gedanke an dieses Geschehen in der Vergangenheit, lies Scheißperlen meinen Körper hinunterfließen. Diese mordgetränkten Augen, diese angsteinflößende Aura, das Blut, welches sich auf dem klaren weiß des Schnees ablegte und es in ein dunkelrot umwandelte.
Je mehr ich an diese Situation von damals dachte, desto mehr breitete sich die Dunkelheit wieder aus.
Warum war ich nur so schwach? Am liebsten hätte ich mich für diese Schwäche selbst geohrfeigt. Wäre Hidan an dieser Stelle da gewesen, hätte er mir das mit Vergnügen abgenommen. Er konnte es auf den Tot nicht ausstehen, wenn ich mich von der Dunkelheit und der Angst triumphieren lies. Er meinte ein mal, dass das Leben nicht aus Sonnenschein und Regenbogen bestehen würde, und das mich das Leben in die Knie zwingen würde, wenn ich es zu lasse.
Wiederum hallte der Befehl „Aufwachen" auf dem Platz. Doch nun war es noch bestimmender und kälter. Ich glaubte auch Wut darin heraus gehört zu haben.
Dies lies mich daran zweifeln aufwachen zu wollen. Vielleicht war das, was mich dann erwarten würde noch schlimmer. Obwohl es nur ein Wort war, durchfuhr mich ein Zucken und die Gänsehaut legte sich auf meinen Körper.
Ich wollte nicht mehr aufwachen. Doch das Wort wiederholte sich. Immer und immer wieder. Und je öfters es gesagt wurde, desto mehr konnte man die Wut, die sie mitbrachten, spüren.
Der Platz wurde wieder durch ein fast unerkennbares Licht erhellt. Von Sekunde zu Sekunde schien sich die Dunkelheit immer mehr zurück zu ziehen und sich dahin zu verschanzen, wo sie hergekommen war.
Diese Prozedur dauerte eine ganze Weile an. Eine Weile in der ich hin und her gerissen war. Entweder von dieser Dunkelheit erdrückt zu werden, oder sich dem Ungewissen und Angsteinjagendem zu stellen.
Letzten endlich siegte meine Abneigung zur Dunkelheit.
Ich wollte nicht länger an diesem grauenvollen Ort verweilen.
Als hätte sich ein Schalter umgelegt, war ich nun im Stande meine Augen langsam zu öffnen.
Als ich sie einen kleinen Spalt geöffnet hatte, musste ich sie sofort wieder zusammenkneifen. Das Licht brannte mir höllisch in den Augen. Ich glaube, hätte ich sie noch länger offen gehalten, wären meine Augen wie Bratäpfel verschmoren. Ein wiederholtes Male machte ich mich daran meine Augen zu öffnen.
Was aber nur durch ein schnelles blinzeln, so dass sich meine Augen an diese Helligkeit gewöhnten, möglich war.
Kurze Zeit später hatten sich meine Augen vollständig an die grelle Beleuchtung gewöhnt.
Das erste was ich erblickte, war eine düstere Holzdecke.
Erst ein Räuspern machte mir zu Verstehen, dass ich nicht alleine war.
Wie in Zeitlupe drehte sich mein Kopf in die Richtung, von der das Räuspern auskam.
Was ich dort vor die Augen kam, lies mich beinahe zusammenzucken, hätte ich es mir nicht strikt unterdrückt.
Ich starrte in diesem Augenblick, in die wohl kältesten Augen die ich je in meinem Leben gesehen hatte. Diese Kälte hätte jede noch so Hitze überschwemmte Wüste zugefroren.
Hätte ich gewusst, was mich erwarten würde, hätte ich es mir noch einmal gründlich überlegt wieder am Leben teilzunehmen oder auf diesem von Dunkelheit und Einsamkeit erstickten Platz zu Grunde zu gehen.
