Ludicrous Smile
Kapitel 7
Streng genommen hatte Hermine kaum Gelegenheit gehabt, sich eingehender mit seinem Erpressungsversuch auseinanderzusetzen, doch wie es aussah, rechnete er fest damit, dass sie darauf eingehen würde, denn nur kurz nach dieser haarsträubenden Unterhaltung schritt Snape zur Tat.
„Da Sie immer noch eine Strafe abzusitzen haben", sagte er offenbar amüsiert von dem Gedanken, sie bis auf unbestimmte Zeit als Hauselfen-Ersatz missbrauchen zu können, „werden Sie heute Abend das Vergnügen haben, mir bei einigen Testreihen im Labor zu assistieren. Es wird wohl am besten sein, wir machen uns gleich an die Arbeit. Kommen Sie mit, Granger."
Snape stand auf und steuerte mit langen Schritten auf die Tür zu, hinter der sich seine Vorratskammer mit den Zutaten für die Zaubertränke befand. Hermine folgte ihm wie erschlagen. Was für eine Ironie, dachte sie im Stillen. Er wusste ja nicht, was sie über sein Geheimnis in Bezug auf seine Aktivitäten im Labor herausgefunden hatte. Außerdem konnte sie nichts an ihrer derzeitigen Lage ändern, obwohl ihr erster Instinkt sehr wohl gewesen war, ihm zu widersprechen.
Während sie lustlos hinter ihm hertrottete, wurde sie das ungute Gefühl nicht los, dass Snape mit seinem Verhalten versuchte, einen Deal mit ihr zu vereinbaren, um zu verhindern, dass sie ihm zukünftig in die Quere kam. Vielleicht hatte er vor, sie ausreichend zu beschäftigen, damit sie auf andere Gedanken kam. Wieso sonst sollte er persönlich sich mit ihr auseinandersetzen, wo es doch einfacher für ihn wäre, sie den Carrows zu überlassen? Jemand, der so klug war wie Snape, glaubte mit Sicherheit nicht, dass sie von sich aus aufhören würde, sich auf Harrys Seite zu stellen.
Snape wuselte energisch durch die Vorratskammer, zog hier und da mit seinen langen Fingern ein Gefäß aus den Regalen und drückte es Hermine in die Hände. Ein oder zweimal kam sie dabei versehentlich mit der Haut seiner Hände in Kontakt, die so kalt war, dass Hermine vor Schreck zusammenzuckte und fast einen der Glasbehälter mit seinem kostbaren Inhalt fallenließ. Snapes bloße Haut zu berühren, der die Angewohnheit hatte, sich ständig von Kopf bis Fuß in dieselben Gewänder zu hüllen, erschien ihr grotesk. Er selbst war jedoch so in Eile gewesen, dass er nichts gemerkt hatte, es sei denn, er überspielte es gekonnt.
Nachdem er damit fertig war, sie herum zu scheuchen, geleitete er sie durch eine Tür hinüber in einen Raum, den Hermine noch nie eingehender kennengelernt hatte, ihn jedoch vom Unterricht in Zaubertränke kannte: Sie waren nun in einem kleinen Labor, dessen Zugang den Schülern für gewöhnlich verboten war. Hier arbeiteten nur die Lehrer für Zaubertränke selbst.
„Stellen Sie alles hier ab", sagte Snape forsch und deutete mit einem Nicken auf die Arbeitsplatte, die sich ringsherum an den Wänden entlangzog.
Hermine gehorchte wortlos. Sie musste sich eingestehen, dass sie aufgeregt war, was es wohl zu beobachten geben würde, denn Snape bei der Arbeit zusehen zu können, war ein Fall für sich, der ihre Kuriosität anheizte. Er war im Umgang mit dem Fach Zaubertränke immer sehr speziell gewesen, ganz anders als Slughorn. Unheimlicher, passionierter und obendrein natürlich wesentlich strenger. Ob sie es wagen konnte, ihn zu fragen, warum er und nicht Slughorn diese Testreihen durchführte?
„Sir", setzte sie erzwungen höflich an, „warum überlassen Sie die Arbeit im Labor nicht Professor Slughorn?"
Snape, der mit dem Rücken zu ihr gestanden hatte, drehte sich langsam zu ihr um und baute sich zu seiner vollen Größe vor ihr auf, sodass er bedrohlich über ihr emporragte.
„Ich möchte, dass eines von vornherein klar ist, Granger", sagte er zwischen den Zähnen hindurch. „Sie werden mir assistieren, nicht irgendeinem dahergelaufenen Stümper, der es vorzieht, die Schüler vergnüglich zu unterhalten. Ich wünsche keine unangebrachten Fragen oder dummen Bemerkungen, wie Sie sie früher von sich gegeben haben. Sie werden auch nicht weiter darüber nachdenken, was ich hier tue und warum ich es tue. Schlagen Sie sich Ihre Ideen und Theorien aus dem Kopf oder Sie werden es bereuen."
Hermine nickte stumm. Soviel zu der Theorie, dass er sie nicht durchschaut hatte.
