Ein Klopfen ließ Dianea aus ihren Träumereien hochfahren und mit verhangenem Blick sah sie ihrer Mutter entgegen.
Diese trat ein und setzte sich neben ihrer Tochter auf den Bettrand, deutete auf ein Bild im Hogwartsalbum auf Dianeas Schoß und fragte leise: „Ist er das?"
Das Foto zeigte Prof. Severus Snape, mit verschlossener Miene, die schwarzen Augen auf die Betrachterin gerichtet, ehe er sich umwandte und aus dem Bild verschwand.
Neben dem Foto stand:
„Wissen ist erstrebenswert, Können die Krönung, doch sollte man nie das Wichtigste im
Leben vergessen - den Menschen."
„Ja, das ist mein Mentor, Prof. Snape.", murmelte Dianea, schlug hastig das Album zu, sprang auf und legte es weit nach oben auf ihren Schrank.
Als sich Dianea umwandte, stand ihre Mutter vor ihr, nahm sie schweigend in den Arm und strich ihr liebevoll übers Haar.
„Liebst du ihn?", flüsterte Mrs. Baxter nach einer Weile in Dianeas Scheitel hinein.
Mehr als hastig schüttelte Dianea den Kopf und murmelte nur: „Mir fehlt Hogwarts."
„Ist er nicht sehr streng und ein bisschen zu alt?", hakte die Mutter weiter, woraufhin sich Dianea losriß und ihre Mutter anfunkelte:
„Das ist mir alles egal. Ich lerne nur bei ihm und außerdem ist er ein Ekel."
Verstehend lächelte Mrs. Baxter über diesen Gefühlsausbruch, meinte jedoch nur:
„Denke daran, dass wir heute Abend Gäste haben. Ein Kollege deines Vaters, mit Familie. Mach dich hübsch."
„Ja, ja.", grummelte Dianea nur.
„Und träum nicht so viel vor dich hin.", setzte die Mutter noch nach, was ein ziemlich böses Knurren zur Antwort hatte.
Zu allem Unglück öffnete sich in diesem Moment die Tür und Mr. Baxter trat herein.
„Na, gibt sich meine Prinzessin wieder verliebten Träumereien hin? Wer ist denn nun der Glückliche?"
„Niemand!", brüllte Dianea. „Ich bin nicht verliebt. Lasst mich doch in Ruhe."
Und warf sich aufschluchzend auf ihr Bett.
Leise schlich sich das Ehepaar Baxter aus dem Zimmer und beim Schließen der Tür hörten sie bereits Dianeas verzweifeltes Weinen.
„Hab ich etwas verkehrtes gesagt?", meinte Mr. Baxter schulterzuckend.
„Erinnere dich an deine Jugendzeit und du weißt, wie sich Dianea im Moment fühlt. Vielleicht ist sie sich über ihre Gefühle selbst noch nicht ganz klar."
Rigoros packte Mrs. Baxter ihren Mann und zog ihn mit sich. „Komm, wir haben genug zu tun und uns braucht sie im Moment nicht."
Im Zimmer herrschte der Aufstand. Dianea schlug wie wild auf ihr Kissen ein uns schrie immer wieder: „Ich liebe ihn nicht, ich liebe ihn nicht."
Zornig schleuderte sie das Kissen quer durch den Raum. „Neiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiin."
Dann verbarg sie ihr Gesicht zwischen den Händen.
Langsam beruhigte sich die junge Frau und horchte in sich hinein. Warum nur schlug ihr Herz einen so wilden Takt?
Und als hätte jemand ganz plötzlich ein dunkles Tuch von ihren Augen gerissen, sah Dianea auf einmal die Wahrheit.
Ja. Sie liebte ihn, liebte ihn mit dem ganzen Schmerz eines jung verliebten Herzens.
Diese Erkenntnis traf sie mit voller Wucht und ließ sie kurz den Atem anhalten.
Mit einem Satz sprang Dianea auf, riß das Album vom Schrank herunter und suchte hektisch nach dem Bild. Endlich blickte sie in seine schwarzen Augen, strich zärtlich mit einem Finger über sein Bild und flüsterte: „Ja, ich liebe dich, Severus Snape. Auch wenn du ein Ekel bist."
Noch einmal warf Dianea einen prüfenden Blick in den Spiegel und war endlich zufrieden.
Ihr helles Haar fiel in weichen Wellen auf ihre Schultern und das Weinrot ihres schulterfreien Kleides harmonierte wunderbar mit dem Grün ihrer Augen, in denen ein völlig neuer Schimmer lag. Der Schimmer einer heimlichen Liebe.
Schon hörte Dianea die ersten Gäste kommen, fuhr noch schnell mit dem Lippenstift ihre vollen Lippen nach und eilte leichtfüssig die Treppe hinab.
„Tante Adele, Onkel Willi." Und mit einem freudigen Aufschrei hing sie den beiden älteren Leuten im Flur schon am Hals.
„Mädchen, bist du hübsch geworden. Geht es dir gut?" Die alte Dame war sichtlich gerührt.
Beide rechts und links eingehakt, spazierte Dianea mit ihnen zum Speisezimmer. Dort wimmelte es bereits von Verwandten und Bekannten und es gab ein lautes „Hallo" und „wie geht's?".
„Dianea.", hörte sie ihren Vater rufen, „kommst du bitte mal."
Auch ihre Mutter winkte ihr hastig zu und so lief Dianea mit schnellen Schritten auf ihre Eltern zu.
„Liebling, ich möchte dir jemanden vorstellen. Einen guten Kollegen aus dem Ministerium. Wir haben ihn und seine Familie heute zu uns eingeladen."
Nur mit halben Ohr hatte Dianea ihrem Vater zugehört, doch die nächsten Worte waren wie eine Explosion in ihr.
„Dianea, darf ich dir vorstellen. Mr. Lucius Malfoy, seine Frau Narzissa und deren Sohn Draco. Ihn kennst du sicher aus Hogwarts. Mr. und Mrs. Malfoy, meine Tochter Dianea."
Um Fassung bemüht begrüßte sie mit erzwungen freundlichem Lächeln Lucius Malfoy und seine Frau Narzissa, welche Dianea nur mit einem hochmütigen Blick bedachte und sich dann abwandte.
„Hi Dianea." Sie griff nach der dargebotenen Hand. „Hallo, Draco."
„Draco!", durchschnitt eine herrische Stimme die Begrüßung. „Du entschuldigst mich?", und mit fliegender Eile folgte der junge Mann seiner Mutter.
„Schön, Sie mal wiederzusehen, Dianea.", flüsterte eine heiße Stimme in ihren Nacken und rief eine Gänsehaut der Abscheu auf Dianeas Haut hervor.
„Einen schönen Abend bei uns, Mr. Malfoy.", rief Dianea und suchte schnellstens das Weite.
In der Küche atmete sie erst einmal durch und schüttelte sich. Für sie war der Abend gelaufen. Warum hatte ihr Vater ausgerechnet diesen Mann eingeladen?
An der langen Tafel im Speisezimmer konnte sie es durchsetzen, genau am anderen Ende der Malfoys zwischen Tante Adele und Onkel Willi zu sitzen. Für gewöhnlich musste sie als gut erzogenes Kind an der Tafel bei ihren Eltern sitzen und hätte ihren Platz genau zwischen Draco und Lucius Malfoy bekommen.
Immer wieder trafen sie die Blicke von Lucius Malfoy und auch Draco schien über die Entfernung mit Dianea zu flirten. In der Sicherheit ihrer Tante und ihres Onkels fand sie es doch ziemlich spaßig und lächelte auch mal kokett zurück.
Im Laufe des Abends war Dianea ständig umringt von ihren Verwandten und man hörte ihr helles Lachen durch die Räume hallen.
Endlich fand Dianea einen ruhigen Moment, holte rasch ihre dicke Jacke und huschte hinaus in den Garten.
Das helle Mondlicht spiegelte sich im glitzernden Schnee und erhellte den Garten, als würden tausende kleine Lämpchen unter der Schneedecke leuchten.
Tief atmete die junge Frau die klare kalte Schneeluft ein und genoss die Stille. Nur vereinzelt drangen Stimmen- und Musikfetzen an ihr Ohr, während Dianea immer tiefer in den Garten vordrang.
Am hinteren Ende befand sich ein kleiner lauschiger Pavillon, zu dem sie ihre Schritte lenkte.
Dianea war gerade im Begriff, die leise knarrende Klinke hinab zudrücken, als jemand sie leise ansprach:
„Darf ich Ihnen in dieser wohltuenden Stille ein wenig Gesellschaft leisten?"
Automatisch zog Dianea die Schultern hoch, als sie die Stimme erkannte. Langsam wandte sie sich um und blickte in das bittende Gesicht von Lucius Malfoy. Eigentümlicherweise wirkte er in diesem Moment nicht so arrogant und kalt, wie sie ihn kannte. Lag es am Mondlicht, oder hatte sie diesen Mann doch falsch eingeschätzt?
„Vermisst Sie Ihre Frau nicht?", meinte Dianea nur.
Malfoy lächelte: „Narzissa hat in Ihren Eltern wunderbare Gesprächspartner. Ihr Vater ist ein gebildeter und interessanter Mann, Dianea."
Dianea hielt dem Mann die Tür zum Pavillon auf. „Bitte, treten Sie ein."
„Nach Ihnen.", und mit einer galanten Verbeugung überließ er Dianea den Vortritt.
Im Inneren des Pavillons war es dunkel und kalt und Lucius Malfoy sorgte mit seinem Zauberstab umgehend für Kerzenbeleuchtung und einen heißen Punsch.
„Damit uns ein wenig warm wird, sonst frieren wir womöglich noch an und werden vielleicht noch zum Gespött der anderen Gäste.", meinte Lucius Malfoy treuherzig und Dianea lachte laut.
Das Eis schien gebrochen und schon bald saßen Beide beim Punsch und unterhielten sich, als würden sie sich schon lange kennen.
Immer wieder erwähnte der Mann seine gute Zusammenarbeit mit Dianeas Vater und seine Kontakte zu Mr. Fudge, dem Zaubereiminister und schaffte so eine vertrauensvolle Basis.
„Sie hatten eine Antipathie gegen mich, Dianea. Stimmts?", lächelte Lucius.
Dianea wurde rot und murmelte:
„Sie haben Recht. Aber woher wissen Sie...?"
„Intuition.", murmelte der Mann. „Sie sind nicht die Erste, die sich in mir täuscht.", und väterlich legte er seine Hand auf die ihre.
Nach dem dritten Punsch wurde es Dianea eigenartig und die Wirkung des Alkohols ließ sie ein wenig melancholisch werden.
„Was bedrückt Sie, liebste Dianea? Haben Sie Kummer, oder warum blicken Ihre schönen Augen so traurig?"
Lucius Malfoy legte seinen Arm vertraulich um ihre Schulter und rückte näher an sie heran.
Kaum verstand er ihre geflüsterten Worte.
„In Hogwarts feiern sie jetzt das Weihnachtsbankett. Wie gerne wäre ich dabei."
„Hier ist es doch aber auch sehr schön und weihnachtlich. Und es ist Ihre Familie.", murmelte der Mann an ihrem Ohr.
Mit seiner anderen Hand griff er zart unter ihr Kinn und drehte ihr Gesicht zu ihm. Tief blickte er in ihre dunklen Augen.
„Oder gibt es da eine bestimmte Person in Hogwarts, nach der Sie sich sehnen?", klang seine Stimme verständnisvoll und väterlich und in einem Anflug von Kummer ließ Dianea ihren Kopf auf Malfoys Schulter sinken.
„Sie sehen den Menschen wohl mitten ins Herz?", schluchzte Dianea leise.
„Ich versuche es, aber bei Ihnen ist es auch nicht schwer. Sie sind noch so unverdorben und können sich nicht verstellen. Wer kann sich denn glücklich schätzen, Ihr Herz zu besitzen?"
Dianea schniefelte leise und murmelte in seine Umhang: „Prof. Snape."
„Unsere guter Severus.", meinte Malfoy leicht überrascht.
„Sie sind noch so jung, Dianea. Glauben sie, dass er der Richtige ist?"
Dianea blickte ihn an: „Fragt Liebe nach dem Alter?"
Lucius zuckte mit den Schultern. „Vermutlich nicht."
Er beugte sich etwas nach vorn und hauchte Dianea einen Kuss auf die Stirn. „Viel Glück."
„Danke Lucius. Ich darf Sie doch so nennen, oder?"
„Ich bitte Sie, Dianea. Sie dürfen alles. Selbst wagte ich nicht Ihnen eine Brüderschaft anzubieten. Doch nun, da du es angeboten hast, wollen wir als Vertraute auch das vertraute „Du" benutzen." Und er zwinkerte ihr verschwörerisch zu.
Mit einem Schlenker seines Zauberstabes sorgte er für zwei Kelche gefüllt mit prickelndem Sekt und meinte:
„Wir sollten unsere neue Freundschaft besiegeln. Dianea.!", damit überreichte er der jungen Frau einen Kelch und stieß mit ihr an.
„Auf du, Dianea." „Auf du, Lucius."
Nach dem ersten Schluck nahm Lucius ihr das Glas aus der Hand, stellte es auf den Tisch und nahm ihr Gesicht in beide Hände. Mit einer kaum vorstellbaren Zärtlichkeit legte er seine Lippen auf ihren Mund und küsste Dianea kurz, aber innig.
„Wir sollten langsam wieder ins Haus gehen, ehe man uns vermisst.", damit reichte Malfoy ihr die Hand, half Dianea beim Aufstehen und nahm sie vor dem Verlassen des Pavillons noch einmal kurz in seine Arme.
Während der Mann auf geradem Weg ins Haus zurück ging, schlenderte Dianea noch durch den nächtlichen Garten, träumte ein kleines bisschen von Hogwarts und genoss das Gefühl, nun einen Vertrauten zu haben.
Auf der Terrasse erwartete sie Draco und lächelte ihr entgegen.
„Dianea, endlich finde ich dich mal allein."
„Ja, so eine Familienfeier ist schon anstrengend, ständig muss man das Gleiche erzählen und hört dieselben Fragen. Aber so ist es nun mal, wenn man sich oft nur einmal im Jahr sieht."
Draco kam näher. „Wo warst du die ganze Zeit. Ich habe dich gesucht."
„Im Garten, die Ruhe und die klare Luft genießen. Ich musste einfach mal raus und durchatmen.", meinte Dianea und war dankbar für die Dunkelheit. So konnte Draco nicht erkennen, wie sich ihre Wangen zart färbten. Wie sollte Dianea auch erklären, dass sie kurz zuvor mit seinem Vater Brüderschaft getrunken hatte und ihn auch geküsst hatte.
Aber da plauderte der blonde Junge auch schon munter weiter:
„Ein schönes Haus habt ihr. Wie alt ist es?"
„Keine Ahnung, aber schon ziemlich alt. Mit einigen Kellern und Geheimgängen. So genau kenne ich es noch nicht. Doch ihr habt doch sicherlich ebenfalls ein schönes Haus."
Dianea grinste spitzbübisch, da sie ahnte, dass bei Malfoys das Wort Haus wohl reichlich untertrieben wäre.
„Na ja.", meinte Draco, „ist schon ein gewaltiges Herrenhaus." Und Stolz schwang in seiner Stimme.
„Aber eure Geheimgänge interessieren mich schon. Hast du keine Lust?"
Dianea überlegte eine Weile, nahm kurzerhand Draco am Arm und zog ihn lachend hinter sich her.
Sie bemerkten Beide nicht den eigentümlichen Blick, den ihnen Lucius Malfoy hinterher sandte. Und sie sahen auch nicht das Glitzern und Flackern in seinen eisgrauen Augen.
Fortsetzung folgt!
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Eigentlich wollte ich meine Story bei der geringen Resonanz nicht mehr weiter reinstellen, es sind insgesamt 39 Kapitel (die ich hier etwas zusammengefasst habe, und weitere 21 Kapitel in der Fortsetzung, eigentlich schade drum,
LG Severina
