Kapitel 7
~ Weihnachtsvorbereitungen ~
Etwa sechs Wochen später, Mitte Dezember, war Amanda gerade dabei, die letzten Weihnachtsplätzchen aus dem Backofen zu holen. Es war der zweite Advent und endlich war sie einmal dazu gekommen, ein paar Kekse zu backen. Vermutlich verdankte sie das aber auch vor allem Severus Hilfe. Amanda stellte das Blech zum Abkühlen auf den Küchentisch, nahm sich einen heißen Keks und ging damit ins Wohnzimmer, wo sie sich zu Severus auf das Sofa setzte und ihm eine Hälfte des Gebäcks hinhielt. „Bitte, da kannst du unser Werk probieren. Musst dir nur noch die Schokolade dazu denken." Gerade als Severus ihr den halben Keks aus der Hand genommen hatte, klingelte es an der Tür.
Eigentlich erwartete sie keinen Besuch und so sah sie Severus kurz verwundert an, bevor sie aufstand, um zu öffnen. „Irgendwie hapert es bei allen etwas an der Anmeldemoral", sagte sie, ging zur Tür und öffnete sie dann. Ihr Vater stand lächelnd davor. „Hallo. Ich hoffe, ich störe nicht, sonst geh ich auch gleich wieder." Amanda schüttelte den Kopf. „Nein, kein Problem. Wir sind gerade mit backen fertig. Komm doch rein." Carl Brown betrat die Wohnung seiner Tochter und hängte seinen Winterumhang an die Garderobe. „Es riecht auch schon sehr lecker." Lächelnd führte Amanda ihren Vater kurz in die Küche, um ihr Werk zu präsentieren und mit einer weiteren Teetasse, gingen sie dann zusammen ins Wohnzimmer, wo Mr. Brown Snape begrüßte, bevor er sich setzte. Auch Severus setzte sich wieder, nachdem er aufgestanden war, um den Gast zu begrüßen. Er fragte sich, was Amandas Vater herführte, denn schließlich bekam man ihn sonst nur äußerst selten zu Gesicht.
„Ist bei dir alles in Ordnung", wollte Mr. Brown von seiner Tochter wissen, die daraufhin nur nickte und sagte, dass, wie immer vor Weihnachten, viel zu tun sei bei Felonwood, aber sonst alles in Ordnung wäre. „Eigentlich wollte ich fragen, was du so an Weihnachten vor hast, wo es ja schon bald soweit ist", fuhr Carl Brown dann fort. Kurz sah Amanda Severus an, bevor sie antwortete. „So genau habe ich mir darüber noch keine Gedanken gemacht, warum?" „Weil ich dich für den sechsundzwanzigsten gerne einladen würde und Professor Snape natürlich auch, soweit sie kommen möchten." Amanda hätte sich schon so über die Einladung ihres Vaters gefreut, aber dass er Severus mit einlud, freute sie noch mehr. „Also ich komme gerne, Severus muss das natürlich selbst entscheiden." Dieser war ein wenig überrascht über die Einladung, doch irgendwie freute er sich auch darüber. Severus schätzte Amandas Vater mittlerweile in gewisser Weise und deshalb war es ihm auch ein Anliegen, dass dieser ihn an Amandas Seite akzeptierte. „Ich denke, das lässt sich einrichten. Danke für die Einladung", erwiderte er höflich. Amanda lächelte Severus kurz an. Es freute sie wirklich, dass er mitkommen würde. „Das ist schön", sagte Mr. Brown auf Snapes Worte hin und nachdem er sich noch einen Moment mit Amanda unterhalten hatte, verabschiedete er sich auch schon wieder mit der Begründung, er müsste noch bei David vorbeisehen, um ihn ebenfalls einzuladen. Nachdem Amanda ihren Vater zur Tür gebracht hatte, kam sie zurück ins Wohnzimmer. „David wird sich sicherlich am meisten über deine Anwesenheit freuen", meinte sie grinsend und setzte sich zu Severus. Er grinste zurück und lachte dann ein wenig. „Das glaube ich auch." „Wobei, wenn seine Freundin auch mitkommt, könnte ihre Freude seine noch überwiegen." „Warum stört mich das bloß herzlich wenig", fragte Severus rhetorisch und grinste. „Die beiden und vor allem dein Bruder sollten langsam erwachsen werden und sich damit abfinden oder lernen, damit umzugehen." „Vor allem David. Es ist ja nun wirklich nicht erst seit gestern. Ich freu mich, dass du mitkommst." Sie gab ihm einen Kuss. „Eben", sagte Snape, dann erwiderte er Amandas Kuss und strich ihr sanft über die Wange. „Ich freue mich vor allem, dass mich dein Vater eingeladen hat. Das konnte ich nicht ausschlagen." Sie lächelte ihn an. „Ich finde das auch schön. Langsam scheint er ja Gefallen an dir zu finden." „Was ich nicht als Nachteil empfinde. Ich schätze deinen Vater. So wie ich ihn bisher kennen gelernt habe, ist er ein vernünftiger Mensch." „Schön, dass du das sagst. Soweit ich das beurteilen kann, ist er das." Er lächelte sie ein wenig an. „Gut. Und was machen wir jetzt noch?" „Die Kekse sind bestimmt kalt und bräuchten noch Schokolade. Das könnten wir also tun und sonst musst du etwas anderes vorschlagen. „Dann lass uns die Plätzchen fertig machen" „Gut..." Amanda stand auf und zog Severus dann ebenfalls auf die Beine, um mit ihm in die Küche zu gehen. Dort machten sie sich daran, die Schokolade zu schmelzen und schließlich die Plätzchen zur Hälfte einzutauchen.
Sie waren beinahe fertig, als es erneut an der Tür klingelte. Leicht genervt seufzte Amanda und legte den Keks, welchen sie gerade überziehen wollte, wieder zurück. „Wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich sagen, dass ist David der sich beschweren will." Als sie dann aber einen Moment später die Tür öffnete und David tatsächlich vor ihr stand, war Amanda doch überrascht. „Hallo, ich ahne was du möchtest und nein, du brauchst es gar nicht erst zu versuchen." „Aber..." David betrat den Flur seiner Schwester und senkte dann seine Stimme, weil er vermutete, dass Snape auch irgendwo war. „Was soll der denn bitte da? Es ist Weihnachten und da hat er überhaupt nichts bei uns zu suchen!" „Dad hat Severus eingeladen, worüber ich sehr froh bin und du solltest langsam soviel Reife besitzen, um endlich mit dieser Beziehung klar zu kommen!" „Ich komme wunderbar damit klar, nur nicht an Weihnachten, wenn ich mit MEINER Familie feiern will!"
Severus hörte Amanda, wie sie ihren Bruder begrüßte und als dieser die Stimme senkte, wusste er auch ohne es zu hören, um was es ging. Er wischte sich die Hände an einem Handtuch ab, während er überlegte, ob er sich in dieses Gespräch nun wirklich einmischen sollte, oder nicht. Schlussendlich entschloss er sich dafür und trat aus der Küche in den Gang, wo die beiden Geschwister standen und diskutierten. Schweigend sah er David einen Moment lang an, dann sagte er: „Sie sollten sich einmal reden hören Brown… Da ist wirklich ein Psychologe gefragt. Glauben sie sich selbst eigentlich ihre Lügen?" Snape konnte sich gerade nicht entscheiden, ob er nun Davids Einstellung furchtbar egoistisch, oder furchtbar kindisch finden sollte. „Wie sie wohl bemerkt haben, rede ich gerade mit meiner Schwester und nicht mit ihnen, Professor Snape", antwortete David nur giftig und sah Amanda auffordernd an. Konnte sie nicht mal dafür sorgen, dass er sich da raus hielt? „Jetzt krieg dich mal wieder ein, David", ermahnte sie ihn stattdessen aber nur, schließlich ging es ja vor allem um Severus, auch wenn Amanda da nicht groß mit ihrem Bruder diskutieren wollte. Severus war eingeladen und daher würden sie auch gemeinsam zu ihrem Vater gehen. „Aber wie sie vielleicht bemerkt haben, reden sie über mich… Also wieso sagen sie es mir nicht einfach ins Gesicht, Brown. Wenn sie wollen, dass man sie als Erwachsenen wahrnimmt, dann verhalten sie sich gefälligst auch so und nicht wie ein egoistisches Kind, dem man sein Spielzeug wegnimmt", antwortete Snape unbeeindruckt von Davids Tonfall. Dennoch ging ihm sein Verhalten gegen den Strich. Was dachte dieser Junge eigentlich, was er sich alles erlauben konnte?!? Die Welt drehte sich schließlich nicht nur um ihn und das hatte er ihm vor mehreren Jahren schon einmal gesagt. Offensichtlich hatte David aber nichts aus diesen Worten gelernt.
„Gut, wenn sie das so wollen: Ich kann mir Weihnachten sehr viel Besseres vorstellen, als sie bei einer Familienfeier dabei zu haben und das ist nett gesagt. Ich bin ja nicht so ausfallend wie sie!" David sah Snape an. Dieser Idiot sollte sich mal nicht einbilden, so viel besser zu sein als er. Es war immerhin seine Familie und Snape gehörte nicht dazu und hatte daher vor allem Weihnachten dort wirklich nichts verloren. Zwar ärgerte sich Amanda über Davids Verhalten, sagte aber zunächst nichts, denn im Moment sollte er sich ruhig erst einmal mit Severus auseinandersetzen. Allerdings hatte dieser Recht. Bei dieser Sache verhielt sich David in der Tat sehr kindisch. Auf Snapes Lippen erschien ein amüsiertes Grinsen, als sich David schließlich Luft machte. „Bravo Brown. Es geht doch. Und meine Antwort darauf ist, dass sie keiner dazu zwingt, sich am 26.12. in meine Gesellschaft zu begeben. Glauben sie mir… Ich würde nicht in Tränen ausbrechen, wenn ich sie nicht antreffen würde", sagte er zynisch. Dann fuhr er unheilvoll grinsend fort: „Und das mit der Familie lässt sich auch noch schnell ändern… Es sind ja noch ein paar Tage bis Weihnachten…" Dann sah er Amanda an und sagte mit äußerst gewählten Worten: „Vielleicht sollten wir unsere Familien- und Hochzeitsplanung etwas vorverlegen, Schatz." Ernst meinte er davon natürlich nur das wenigste, denn von derartigen Planungen konnte schließlich bei ihnen noch keinerlei Rede sein, doch das wusste ja David nicht.
Einen Moment sah David Snape schockiert an. Nachher war das an Amandas Hand doch ein Verlobungsring gewesen und vielleicht wusste sein Vater genau das und deshalb war Snape überhaupt eingeladen! „Ich bin wohl kaum derjenige, der wegbleiben sollte", sagte er dann aber nur trotzig. Amanda musste auf Severus Worte hin grinsen und sah ihn an. Natürlich wusste sie, dass er die Worte nicht ernst meinte, doch auf Davids erschrockenes Gesicht hin, ging sie darauf ein: „Ja, wenn du meinst, Liebling. Was hältst du von Hogsmeade? Da ist es mit dem Schnee ja etwas schöner, als hier in der grauen Stadt." „Ja, warum nicht", antwortete Snape und konnte sich das Grinsen nur schwer verkneifen, das sich aufgrund Davids schockiertem Gesicht aufdrängte. „Sie sehen also Brown… Das Familienproblem ist schnell gelöst. Als ihr Schwager gehöre ich dann definitiv zur Familie. Nur auf kleine Neffen und Nichten müssen sie noch etwas warten. Das dauert bekanntlich neun Monate", grinste er und ging dann zu Amanda.
David suchte den Blick seiner Schwester. „Das meinst du doch nicht ernst oder?" Seine Stimme ließ erkennen, dass er das hoffte. Amanda sah ihn nur gespielt verwundert an und trat dann einen Schritt auf Severus zu. „Das mit Severus? Oh, das meine ich aber sehr Ernst und er hat Recht, Kindergeschenke musst du wohl frühestens nächstes Weihnachten kaufen." Langsam fand David das gar nicht mehr witzig. Immer hackten sie nur auf ihm rum und machten sich lustig. „Ihr findet euch auch mal wieder ganz witzig oder", sagte er finster. „Ich persönlich finde es vor allem lustig, ihre Reaktionen zu beobachten. Es zeigt so schön, wie, ich zitiere: wunderbar klar sie mit allem kommen", grinste Snape. „Wissen sie Brown… Sie fordern mich durch ihr Verhalten immer regelrecht dazu auf, auf ihnen herumzuhacken. Würden sie sich benehmen wie ein erwachsener Mensch und einfach akzeptieren, dass es nicht immer nur nach ihrem Willen geht, dann könnte ich sie auch als solchen behandeln." Severus sah David bei diesen Worten ruhig und ernst an, denn diesmal war es wirklich das, was er dachte und kein Spaß, den er mit ihm trieb. Er war nicht grundsätzlich darauf aus, Amandas Bruder ständig zu ärgern, doch durch sein Verhalten forderte er eine solche Behandlung geradezu heraus.
„Das hat doch gar nichts mit meinem Willen zu tun", protestierte David. Amanda seufzte genervt. „Och David, bitte. Severus hat Recht. Wir wollen dich gar nicht ärgern, aber du könntest unsere Beziehung einfach mal etwas erwachsener akzeptieren und nicht jedes Mal so ein Theater machen, wenn irgendetwas Gemeinsames ansteht. Ich sag ja auch nichts dagegen, dass Sandra vermutlich auch kommen wird, auch wenn sie nicht zur Familie gehört." „Das ist ja auch etwas anderes", grummelte David, dessen Laune nun wirklich auf dem Tiefpunkt angekommen war. Snape rollte auf diesen letzten Kommentar von David bloß noch mit den Augen. „Ich bin wieder in der Küche", sagte er dann zu Amanda. „Dieses Geschwätz ist ja nicht mehr auszuhalten…" Bei diesem Kerl war doch wirklich schon Hopfen und Malz verloren, dachte sich Severus, drehte sich um und verschwand hinter der nächsten Ecke.
Kurz sah ihm Amanda hinterher, bevor sie sich wieder an David wendete. „Das hast du ja mal wieder ganz toll hinbekommen. Severus bemüht sich und du bist noch immer so albern." „Um was bemüht er sich, hm? Immer meckert er nur an mir rum und nimmt mich nicht ernst." „Weil du dich einfach nicht darauf einlässt, dass er auch nett sein kann!" „Ach so ein…" Amanda unterbrach ihren Bruder, bevor er weiter sprechen konnte. „Es reicht jetzt langsam. Nach den vier Jahren solltest du das wirklich akzeptiert haben und wir werden Weihnachten beide kommen, das kannst du so blöd finden wie du willst." Finster sah David seine Schwester an. „Wenn du meinst…" Dann drehte er sich um und öffnete die Tür. „Dann sehen wir uns Weihnachten…" Amanda nickte und verabschiedete sich dann noch, bevor sie die Wohnungstür schloss. Danach ging sie zurück in die Küche und seufzte leise. „Ich sag besser gar nichts mehr dazu", meinte sie und sah Severus an. „Nein, bitte erspar es mir", entgegnete dieser bloß, während er die Schokoglasur wieder erhitzte. „So langsam bin ich es wirklich leid. Manche meiner Erstklässler benehmen sich weniger kindsköpfig als dein Bruder." Amanda kam zu Severus und gab ihm einen kurzen Kuss. „Ich kann es auch nicht mehr hören. Langsam gebe ich auch die Hoffnung auf, dass es sich mal ändert."
„Lass uns die Plätzchen fertig machen. Von deinem Bruder müssen wir uns nicht den Abend verderben lassen. Es ist schließlich er, der mit der Situation nicht klar kommt." „Ja, du hast Recht. Ich freue mich auf jeden Fall auf Weihnachten dieses Jahr." Amanda nahm sich das erste Plätzchen um es in die Schokolade zu tauchen. Gemeinsam verzierten sie noch die Kekse und David war, zumindest von Severus, schnell wieder vergessen. Wenn er sich momentan um etwas Gedanken und Sorgen machte, dann war es sicherlich nicht Amandas Bruder.
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