Title: Regeln (7/9)
Words: 7 / 2237
Rating: PG-17
Pairings: Sherlock/John
Warnings: Graphic sex, dom/sub, Gehorsam, Unterwerfung, Schmerz, Strafe, Angst
Disclaimer: Leider gehört nichts davon mir.

A/N: Danke für's lesen und die Unterstützung jeglicher Art. Über Reviews freue ich mich immer.

Kapitel 7

Eine halbe Stunde später sitzt er in dem Pub, in dem er sich manchmal nach der Arbeit mit Greg trifft. Es ist fast so etwas wie eine neutrale Zone, Sherlock war noch nie hier. John ist sich nicht sicher, ob er diesen Pub überhaupt kennt. Genau das braucht er jetzt, einen Ort, an dem nichts an Sherlock erinnert, an dem er nicht auftaucht, ihn nicht manipulieren kann.

Beim dritten Bier merkt er, dass er kein bisschen ruhiger wird. Hat er wirklich gedacht, dass Alkohol ihm hilft? Mit einer Schwester wie Harry sollte er es besser wissen. Aber vielleicht kann er wenigstens für ein paar Stunden alles vergessen, Sherlock vergessen. Er kann und will im Moment nicht darüber nachdenken, was Sherlock gesagt hat. Er ist so verwirrt und konfus, er braucht einfach Zeit, Zeit für sich allein.

Eine Horde angetrunkener Frauen kommt in die Kneipe, eine hat eine pinke Boa umgehängt - Junggesellinnen-Abschied. Während sie auf ihre Getränke warten dreht sich eine der Frauen zu ihm um, mustert ihn eine Weile und lächelt ihn dann an, ein offenes, ehrliches Lächeln. "Hallo Fremder", sagt sie und kippt ihren Kopf kokett etwas zur Seite. Er gibt das Lächeln überrascht zurück. "Hallo." Sie ist dunkelhaarig, etwa Ende zwanzig, Anfang dreißig, und sieht sehr gut aus. Vor ein paar Monaten wäre sie genau sein Typ gewesen.

"Bist du öfter hier, Fremder?"

Er muss grinsen. "John, ich bin John."

"Hi John, ich bin Mary. Das beantwortet aber meine Frage nicht."

"Manchmal, aber nicht regelmäßig."

"Da hab ich ja richtig Glück." Ihr Drink kommt, und sie prostet John zu. "Auf einen schönen Abend."

Oh man, sitzt er wirklich hier und wird grade von einer hübschen Frau angeflirtet? Etwas zu spät für ihn, oder? Ein schräges, etwas trauriges Lächeln umspielt seine Lippen. Er hebt sein Glas und sagt: "Auf einen schönen Abend."

Die Tür schwingt auf und ohne hinzusehen weiß John, wer dort steht und ihn anstarrt. Er erstarrt mitten in der Bewegung. Mary schaut ihn erstaunt an, blickt dann zu dem Mann an der Tür und wieder zurück zu John. "Oh", sagt sie nur. "Schade, die besten sind immer schon weg."

John schaut sie irritiert an, dann ist bei ihm angekommen, was sie gesagt hat und er wird rot. Diesmal erscheint ein entschuldigendes Lächeln auf seinem Gesicht. "Tut mir leid, aber …"

Sie unterbricht ihn. "Hey, du brauchst dich doch nicht zu entschuldigen, schließlich hab ich angefangen. Außerdem muss ich zugeben, dass er ein ziemlich guter Grund ist." Sie mustert ihn jetzt kritischer. "Schwierigkeiten? Du siehst nicht so richtig glücklich aus."

Er starrt in sein Glas. Soll er etwa jetzt hier an der Theke mit einer quasi Fremden über seine Probleme mit Sherlock reden, während der immer noch an der Tür steht und ihn anstarrt? Wohl kaum. "Das ist kompliziert", sagt er deshalb nur zu Mary.

"Weißt du was", sagt sie und nimmt sein Handy, das auf dem Tresen neben seinem Glas liegt, "ich geb dir meine Telefonnummer." Dabei tippt sie eifrig und legt das Handy anschließend wieder zurück. "Wenn du mal reden musst, ruf mich einfach an. Ernsthaft, ich mag dich, und manchmal hilft es mit jemandem zu reden, der nicht so nah dran ist, einen anderen Blickwinkel hat."

"Danke", er sieht sie an und nickt, weiß nicht, was er dazu sagen soll.

"Ist schon ok, bye." Damit steht sie auf, gibt ihm einen leichten Kuss auf die Wange, nimmt ihren Drink und geht zu ihren Freundinnen, die sich mittlerweile an einen Tisch gesetzt haben.

John bleibt sitzen und trinkt einen Schluck Bier. Er hebt nicht einmal den Kopf, als Sherlock sich neben ihn setzt.

"John, können wir reden?" Der Barkeeper kommt, Sherlock bestellt sich ein Bier. "Bitte."

John sieht ihn an, das Gesicht leer, ohne Emotionen. Er weiß einfach nicht was er denkt, was er fühlt. Aber er nimmt sein Glas und setzt sich an einen Tisch in einer Nische, wo sie ein bisschen ungestörter sind. Beim hinsetzten kreuzt sein Blick den von Mary, die ihm aufmunternd zunickt und lächelt.

"John." Sherlock hat sein Bier bekommen und setzt sich ihm gegenüber, nicht zufällig genau in Marys Blickrichtung. Natürlich hat er sie die ganze Zeit beobachtet, weiß, worüber sie an der Theke gesprochen haben, ist er etwa eifersüchtig? Lächerlich.

"Sherlock, was machst du hier? Woher weißt du eigentlich, dass ich hier bin?" Bevor dieser jedoch antworten kann unterbricht John schon. "Weißt du was, vergiss es. Ich hab jetzt keinen Nerv für deine endlosen Erklärungen."

Sherlock dreht sein Glas hin und her und betrachtet interessiert die Ringe, die es auf dem Holztisch hinterlässt. "Du glaubst mir nicht", sagt er leise, den Blick immer noch auf die Tischplatte geheftet, dann hebt er die Augen, sucht Johns Blick. "Was kann ich tun, damit du mir glaubst?"

"Ich weiß es nicht, ich brauche Zeit." John reibt sich mit der Hand über das Gesicht. "Ich will dir ja glauben, aber ich krieg das alles nicht zusammen. Ich kann einfach nicht …", er vergräbt sein Gesicht in seinen Händen. "Wenn du …. wenn es stimmt was du sagst, wieso hast du … wie konntest du sowas von mir denken?"

Er hat wieder das Bild von Sherlock vor Augen, der zitternd und kurz vor dem Kollaps auf dem Boden kniet, und ihm wird schlecht. "Ich muss hier raus." Kreidebleich und mit dem Gefühl brechen zu müssen stürmt er hinaus, neben der Tür bleibt er an die Wand gelehnt stehen, die Hände auf die Knie gestützt. Er zittert, atmet schwer, als hätte er grade ein Rennen hinter sich. Sherlock folgt ihm. Er sagt nichts, wartet, bis es ihm wieder etwas besser geht.

"Deine Jacke", er hält sie John hin, als der sich wieder aufrichtet.

Sherlock ist selber weiß wie die Wand. Er sollte zu Hause sein, denkt John, er braucht Ruhe.

"Komm, du musst nach Hause, bevor du noch mitten auf der Straße zusammenklappst", sagt er, als er seine Jacke anzieht.

Sherlock sagt nichts, protestiert aber auch nicht, als John ihn in ein Taxi setzt. Erst als er die Tür zumacht und vorne zum Fahrer geht, um ihm die Adresse zu nennen, wird ihm klar, dass John nicht mitfährt. Erschrocken blickt er auf, versucht Johns Blick einzufangen, aber das Taxi fährt los und er ist verschwunden.

John sieht dem Taxi hinterher, unschlüssig, was er jetzt machen soll. Er braucht Abstand, soviel ist ihm klar. Also wohin? Harry? Nein, ihre nervtötenden Fragen kann er jetzt nicht gebrauchen. Er geht erst mal los, laufen hat ihm immer beim denken geholfen. Sarah? Seit dem Zwischenfall im Zirkus beschränken sich ihre Kontakte auf das rein berufliche, also besser nicht. So groß ist die Auswahl nicht, sein Freundeskreis ist nicht sehr groß und nicht gewachsen, seit er mit Sherlock zusammen lebt. Greg, oder Molly vielleicht, aber eigentlich hat auch auf deren Fragen jetzt keine Lust. Am besten, er sucht sich ein Hotel für ein paar Nächte.

Eine Stunde später hat er ein kleines, billiges Hotel gefunden, ein bisschen schäbig, aber für ein paar Tage wird es schon gehen. Außerdem fragt hier niemand, warum er kein Gepäck hat.

Er liegt auf dem Bett und starrt sein Handy an. Drei neue Nachrichten in der letzten halben Stunde, alle von Sherlock.

- WO BIST DU? SH

- JOHN, IST ALLES IN ORDNUNG? SH

- ICH VERMISSE DICH. SH

Schließlich antwortet er ihm, damit er sich keine Sorgen macht.

- ALLES IN ORDNUNG. ICH BRAUCHE ETWAS ZEIT ALLEINE, DAS IST ALLES.

Erstaunlicherweise bleibt sein Handy danach tatsächlich stumm.

John schaltet den Fernseher ein und zappt durch die Kanäle, ohne wirklich hinzusehen. Er ist völlig ausgelaugt und schläft irgendwann erschöpft ein.

Kalt, es ist kalt, warum ist so kalt? John sieht sich um, er ist in einem leeren Zimmer, er ist nackt und es ist eiskalt. Da liegt etwas auf dem Boden … jemand … Sherlock! Er liegt nackt auf dem kalten Boden, zu einer Kugel zusammengerollt, rote Striemen auf dem ganzen Körper. John will zu ihm, will ihn in die Arme nehmen, aber er kann sich nicht bewegen. Er ruft ihn, aber Sherlock reagiert nicht. Plötzlich steht er über ihm, aber er hat einen Stock in der Hand, seinen alten Gehstock. Schockiert lässt er den Stock fallen, aber Sherlock rührt sich immer noch nicht. Er beugt sich über ihn, Sherlock ist so kalt, so kalt, warum bewegt er sich nicht, warum reagiert er nicht? Er nimmt ihn in die Arme, dreht ihn um und sieht in Sherlocks leere Augen.

John wird von einem furchtbaren Schrei geweckt. Er fährt schweißgebadet hoch und erkennt, dass es sein eigener Schrei war. Erschöpft fällt er auf das Kissen zurück, sein Körper wird von Schluchzern geschüttelt. Als er schließlich aufsteht ist sein Kissen durchnässt, aber es geht ihm etwas besser.

Es ist 4 Uhr 30 morgens, draußen ist noch alles dunkel. Er ist unruhig, zappt wieder durch die Kanäle, spielt mit seinem Handy. Keine neuen Nachrichten. Wenn er noch länger in diesem Zimmer hockt wird er wahnsinnig, also beschließt er rauszugehen, läuft durch das nächtliche London. Er muss unwillkürlich grinsen, wenn er so weiter macht, kennt die Straßen bald genauso gut wie Sherlock.

Sherlock. Immer wieder Sherlock. Er kriegt die Bilder einfach nicht aus dem Kopf, wovon ja auch sein Alptraum zeugt. Seine Gedanken drehen sich im Kreis. "Round and round the garden, like a teddy bear" murmelt er und ein müdes Lächeln huscht über sein Gesicht. Sherlock hatte das gesagt, als sie einen Streit über das Sonnensystem hatten. Und wieder - Sherlock. Alles erinnert ihn an Sherlock. Manchmal fragt er sich, ob er überhaupt ein Leben hatte vor Sherlock, er kann sich kaum an irgendetwas erinnern, wo Sherlock nicht dabei war. Er verschlingt ihn, frißt ihn komplett auf.

Etwas später sitzt er mit einem Kaffee auf einer Bank im Park und überlegt, was er als nächstes macht. Auf jeden Fall muss er sich Klamotten besorgen, das heißt er muss in ihre Wohnung. Es ist kurz nach 6 Uhr, Sherlock schläft normaler Weise um diese Zeit, wenn er überhaupt schläft, also beschließt er sofort zu gehen.

20 Minuten später schließt er die Tür zu 221B auf und geht leise die Treppe hinauf, vermeidet dabei die knarrende Stufe. Vor der Wohnung zögert er kurz, dann geht er weiter, die zweite Treppe zu seinem Zimmer hinauf. Oben angekommen geht er direkt zu seinem Schrank, holt eine kleine Reisetasche heraus und wirft ein paar Pullover, Hemden, Hosen und Unterwäsche hinein, noch Pyjama, Socken, er arbeitet leise und effektiv, überlegt dann. Das Waschzeug wird er sich neu kaufen, er will nicht unten ins Bad gehen. Sein Revolver, soll er ihn mitnehmen?

Als er noch darüber nachdenkt hört er hinter sich ein Geräusch und fährt erschrocken herum. Es ist ein Stöhnen, und dann sieht er es - ihn. Sherlock liegt in seinem Bett und scheint zu träumen. So wie es aussieht kein guter Traum. Er ist komplett angezogen, sein Hemd ist durchgeschwitzt und seine Beine haben sich im Laken verheddert. Mit den Armen umklammert er Johns Kissen und stöhnt wieder.

Ohne zu überlegen geht John zu ihm, setzt sich auf die Bettkante und streichelt ihm sanft die Haare aus der Stirn. Er versucht ihn mit leise gemurmelten Worten zu beruhigen, doch es wird nicht besser. Plötzlich verkrampft Sherlock sich. "John. John! John! Nein, geh nicht! Bitte, John, verlass mich nicht! John! JOHN!" Er krallt sich in das Kissen, rollt sich immer mehr zusammen. "Verlass mich nicht, bitte!"

John hält ihn fest, so gut er kann. Streichelt ihm beruhigend den Rücken und spricht leise zu ihm, bis er sich merklich entspannt. Schließlich schläft Sherlock wieder ruhig. John bleibt noch einen Moment bei ihm sitzen und sieht ihn einfach nur an, er kann sich kaum losreißen. Dann nimmt er seine Tasche und geht eine Etage tiefer, holt sein Wasch- und Rasierzeug aus dem Bad und verschwindet.

Am Nachmittag ist er genau so weit wie am frühen Morgen. Er hat keine Ahnung, was er machen soll. Nach dem Vorfall in seinem Schlafzimmer ist er eher noch verwirrter. Sein Handy schweigt beharrlich. Keine Nachricht von Sherlock, so oft er auch nachsieht. Während er auf den Tasten herumspielt fällt ihm Mary ein und was sie gesagt hat und er sucht ihre Nummer heraus.

Fast eine halbe Stunde lang braucht er, bis er endlich ihre Nummer wählt. Nach dem zweiten klingeln nimmt sie ab: "Morsten."

"Hallo Mary? Hier ist John, John Watson, aus dem Pub, gestern, sie haben mir ihre Telefonnummer gegeben. Ich hoffe, ich störe sie grade nicht."

"John? Oh, John, mit dem schönen komplizierten Freund."

"Ja, … also, … sie sagten, wenn ich mal mit jemanden reden möchte, dürfte ich anrufen."

"Und das meinte ich auch genauso. Wie geht es Ihnen? Alles in Ordnung?"

"Na ja, haben sie heute Abend schon was vor, oder kann ich sie überreden, mit mir essen zu gehen?"

"Tatsächlich haben sie Glück, vor kaum 10 Minuten hat meine Freundin unser wöchentliches Treffen abgesagt, ich habe also Zeit für sie."

Dann hatte sich sein langes Zögern ja doch noch gelohnt. Sie besprechen noch kurz, wann und wo sie sich treffen wollen, dann legen sie auf. Er wundert sich über sich selber. Hat er grade wirklich eine fast fremde Frau angerufen, die er erst gestern Abend ausgerechnet an der Theke eines Pubs kennengelernt hat, mit der er noch nicht mal ein Dutzend Sätze gesprochen hat, um mit ihr seine intimsten Beziehungsprobleme zu besprechen? Aber es fühlt sich so richtig an, es ist fast wie bei Sherlock, als er ihn das erste Mal traf, er weiß einfach, dass er das Richtige tut.